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MX Linux (19.2)

August 2020: Seit Monaten herrscht auf Platz 1 der Rangliste von Distrowatch eine Distribution, der man eigentlich nur eine Nischendasein zutraut: MX Linux. Was sind die Gründe für das offensichtlich große Interesse an diesem System?

MX-Linux
MX Linux: Ein sehr hübscher XFCE-Desktop auf Debian Stable, eine Vielzahl von Desktop- und Systemtools sowie Spezialisierung für den Live-Betrieb sind die Kennzeichen dieses Systems.

Die nur auf sich selbst bezogene Klickperformance von distrowatch.com sollte niemand überschätzen. Platz 1 auf Distrowatch ist kein Indiz für die tatsächliche Verbreitung einer Linux-Distribution. Dennoch ist dies für uns Anlass genug, einen genaueren Blick auf MX Linux zu werfen. MX Linux wurde im Frühsommer auf Version 19.2 aktualisiert, erhielt aber schon vorher diese erstaunliche Beachtung. Die Heft-DVD liefert MX Linux 19.2 in der 64 Bit-Variante mit. Die 32-Variante sowie eine Spezialvariante für sehr alte Hardware erhalten Sie unter https://mxlinux.org/download-links/.

Was kennzeichnet MX Linux?

Die Basisrezeptur von MX Linux ist nicht aufregend: Die Systembasis stellt ein konservatives Debian Stable 10 („Buster“), und als Desktop arbeitet ein ebenso konservativer XFCE 4.14. Linux-Kernel und vorinstallierte Software sind nicht mehr taufrisch, aber halbwegs aktuell. Der MX-eigene Installer ist funktionsarm und eigentlich nur für die Installation als alleiniges System zu empfehlen, Systemverschlüsselung mit Cryptsetup ist aber komfortabel integriert. Im installierten MX Linux finden Sie für die Softwareverwaltung die relativ spröden Alternativen MX Paket-Installer (mit Flatpak-Integration) oder Synaptic oder den noch spröderen Antix-Terminalinstaller oder schlicht das Terminalprogramm apt. Bei systemnahen Aktionen muss der Nutzer zwischen sudo-Benutzerkonto und root-Konto unterscheiden – in vielen Fällen ist tatsächlich das root-Konto notwendig. Ebenfalls ungewöhnlich ist, dass Sie bei größeren Updates eventuell erneut nach dem Ort des Grub-Bootloaders befragt werden – in der Regel „sda“. Die Software-Ausstattung ist opulent, die Fülle der zusätzlichen, zahlreichen Systemtools aber erst einmal unübersichtlich bis verwirrend, zum Teil redundant.

System- und Desktop-Werkzeuge: Damit sind wir aber an dem Punkt, wo die Waage bei MX Linux ins Positive kippt: Die Distribution ist mit Sorgfalt und Liebe zum kleinsten Detail ausgestattet, der XFCE-Desktop zeigt sich bereits ab Installation von seiner feinsten Seite. Aber die vielen MX-eigenen System- und Einstellungstools fördern darüber hinaus die Anpassung zu einem individuellen Desktop. Die „Einstellungen“ des Xfce4-Settings-Manager gehen über den üblichen Umfang deutlich hinaus: Neben eingebauten externen Tools wie System-Config-Samba (grafische Samba-Verwaltung) kommen vor allem MX-Eigenentwicklungen hinzu. „MX-Tweak“ ist einschlägig für die optimale Bildschirmskalierung (neben dem üblichen „Anzeige“-Applet), „MX-Werkzeuge“ (mx-tools) präsentiert eine opulente Sammlung von Systemwerkzeugen. Manches ist marginal, manches wie das Löschtool MX-Cleanup oder der MX-Menü-Editor auch in besserer Ausführung zu finden, aber unterm Strich bietet die Toolsammlung wirklich alles, was man an System- und Anpassungswerkzeugen erwarten kann. Die Sammlung von Conky-Desktopinfos (auswählbar mit dem Conky Manager) oder die grafische Bearbeitung der Bash-Konfiguration tendieren zu Detailverliebtheit. Handfester sind der „Benutzer-Manager für MX“, grafische Hilfen zur Bootreparatur („MX Bootreparatur“) und zur Anpassung des Grub-Bootmanagers („MX Boot Optionen“).

Ein weiteres Werkzeugpaar erscheint in der Sammlung der MX-Tools an oberster Stelle und nennt sich „MX Schnappschuss“ und „MX Live USB Erzeugung“. Es ist nicht auszuschließen, dass diese Tools einen Teil zur Popularität von MX Linux beitragen. Der Schnappschuss schreibt ein komplettes, angepasstes System in eine ISO-Datei, das dann mit dem zweiten Tool auf USB übertragen wird. Das Ergebnis ist ein perfekt ausgestattetes Livesystem auf USB. Ähnliches ist mit Linux auch auf anderen Wegen erreichbar, aber nirgendwo einfacher als hier.

Semi Rolling: MX Linux ist ein Semi-Rolling-Release – ein Kompromiss zwischen „Regulär“ und „Rolling“. Anders als bei regulären Distributionen wie Ubuntu & Co gibt es hier zwischendurch neue Software-Versionen, allerdings nur für Pakete, die größere Entwicklungssprünge gemacht hat – dies ist der Unterschied zu einem echten „Rolling Release“. Ziel ist es, einerseits höhere Aktualität zu bieten, andererseits Pannen durch Upgrades zu minimieren. Solange dies funktioniert, müssen Sie MX Linux niemals neu installieren.

MX-Installer
Das Installationsprogramm von MX Linux: Die Einrichtung als alleiniges System bereitet kein Kopfzerbrechen.

Die Einrichtungsvarianten

MX Linux charakterisiert sich als mittelschweres System (https://mxlinux.org/). Dies ist wohl seiner Nachbarschaft zu Antix Linux geschuldet (https://antixlinux.com/), mit dem es in enger Kooperation steht. Antix definiert sich eindeutig als Recycling-Spezialist für Hardware-Oldies. MX Linux ist aber bei allem Anpassungskomfort ein ebenfalls sehr genügsames und auch auf älterer Hardware agiles System. Bei kaum 450 MB Eigenbedarf für die 32-Bit-Variante sollte theoretisch schon ein GB RAM genügen. Ältere Notebooks mit 2 bis 4 GB sind ein ideales Ziel für die Distribution.

Ordentliche Installation: Die Einrichtung als alleiniges System ist nicht kompliziert: Im Bootmenü des Livesystems wählen Sie mit F2 die Sprache „Deutsch“ und mit F3 die Zeitzone „Berlin“. Dann starten Sie den obersten Eintrag „MX-19.2“. Eventuelle Fragen nach der Grafikkarte quittieren Sie ohne Auswahl mit Eingabetaste, starten zum Desktop des Livesystems und klicken auf den Installer-Link am Desktop. Als „Art der Installation“ wählen Sie „Automatische Installation“, womit MX Linux die gesamte Festplatte „sda“ übernehmen darf. Neben den Daten für den Erstbenutzer, die Sprache und die Zeitzone will der Installer ein root-Kennwort, einen Computernamen sowie die Samba-Arbeitsgruppe und einen Domain-Namen. Das Prozedere ist umständlicher als von Ubuntu & Co gewöhnt, aber letztlich pragmatischer, als diese Einstellungen später im laufenden System zu suchen. Zu diesem Installer-Konzept passt, dass man optional auch schon Standarddienste vorab ein- oder ausschalten kann.

Live-Betrieb auf USB: MX Linux ist nach dem Vorbild von Antix auch für den Live-Betrieb spezialisiert und läuft auch auf älterem USB 2.0 flüssig. Auf die Möglichkeit, mit zwei MX-Tools ein installiertes System im Handumdrehen auf USB zu befördern, haben wir bereits hingewiesen. Wenn dies der geplante Einsatz sein soll, ist es am besten, MX Linux als virtuelle Maschine unter Virtualbox oder Vmware zu installieren und anzupassen und daraus nach Bedarf ein neues Livesystem zu bauen. Das virtuelle System kann durch Updates aktualisiert werden.

Die Spezialisierung für den Live-Betrieb geht allerdings weiter: MX zeigt als Livesystem im Bootmenü den Punkt „Persist“, der mit F5 ausgeklappt werden kann. Von den vielen angezeigten Optionen empfehlen wir „persist_root“, da alle anderen Möglichkeiten entweder langsam sind oder einen lästigen Fragenkatalog mitbringen. Die Option speichert Änderungen am System im RAM, und beim Herunterfahren müssen Sie die Übernahme dieser Daten ins Livesystem explizit bestätigen. Damit ist ein flexibles MX Linux auch im Live-Betrieb möglich. Für große Änderungen empfehlen wir aber erneutes Remastern eines installierten Systems.

MX-Persistenz
Einsatz als Livesystem: Im Live-Betrieb bietet MX Linux diese Persistenzoptionen, um Systemänderungen zu speichern. Eine Kurzhilfe dazu finden Sie mit F1 unter „Hilfe“.

Linux und die Datenträger

Um Festplatten, SSDs und USB-Datenträger zu bearbeiten und zu kontrollieren, bringt der Linux-Desktop alles mit. Der Installer sorgt für die Einrichtung der Systempartition, Gnome-Disks & Co arbeiten als Allrounder im Alltag, und Gparted ist der Partitionierer für alle Fälle.

Hardware-seitig arbeiten Festplatten, SSDs und USB-Laufwerke unter Linux wie unter allen anderen Betriebssystemen. Einmal partitioniert, formatiert und eingebunden benötigen Datenträger nur noch gelegentliche Kontrollen der aktuellen Belegung und SMART-Checks auf eventuelle Fehler. Optimales Partitionieren, Formatieren und Mounten erforderten aber schon immer einiges Basiswissen, und diese Anforderungen an den PC-Nutzer sind in der aktuellen Übergangsphase mit fundamental unterschiedlichen Partitionsmethoden noch einmal gewachsen. Dieser Grundlagenbeitrag komprimiert die wesentlichen theoretischen und praktischen Probleme

Partitionieren und Partitionsstil

Grundlegendste Aktion bei der Festplattenverwaltung ist das Anlegen der Partitionstabelle mit dem Partitionsstil, ferner der optionalen Einteilung in mehrere Teile (Partitionen) sowie der optionalen Festlegung der Partitionsgrößen. Viele PC-Nutzer bekommen von der Partitionierung (zumindest auf der primären Systemfestplatte) gar nichts mit, weil diese das Installationsprogramm automatisch erledigt. Liegt dabei nur eine interne Festplatte vor, die nicht weiter unterteilt werden soll, entfallen alle Entscheidungen zum Partitionsstil und zur Aufteilung. Die Installer aller Ubuntu-basierten Systeme entscheiden dann selbständig anhand der Datenträgerkapazität über den Partitionsstil: Auf großen Laufwerken über 2 TB Kapazität kommt modernes GPT (GUID Partition Table) zum Einsatz, auf kleineren Laufwerken der alte MBR-Stil.

Der alte MBR-Partitionsstil (Master Boot Record, auch „msdos“-Partitionstabelle) kann Partitionen bis zu maximal 2,2 TB Größe verwalten. Für die mittlerweile gebräuchlichen Größen von 4 bis 12 TB ist der GPT-Partitionsstil erforderlich, sofern solche Festplatten als Ganzes genutzt und nicht in mehrere Partitionen aufgeteilt werden. Bei Festplatten mit mehr als 2 TB sollten Sie besser immer GPT verwenden. Bei kleineren Laufwerken ist GPT zur Nutzung der kompletten Kapazität nicht erforderlich, aber eventuell trotzdem sinnvoll, wenn der PC mit Uefi-Firmware (Unified Extensible Firmware Interface) ausgestattet ist und Sie vielleicht auch Windows parallel installieren wollen.

Werkzeuge: Die grafischen Systemtools Gnome-Disks („Laufwerke“) oder die KDE-Partitionsverwaltung können den Partitionsstil einer Festplatte kontrollieren und ändern. Die Umstellung des bestehenden Partitionsstils geht allerdings immer mit komplettem Datenverlust einher. Wir beschreiben den Vorgang nicht mit den Desktop-spezifischen Werkzeugen, sondern mit dem bekannten Partitionierungswerkzeug Gparted. Gparted ist zwar nicht überall Standard, aber bei Bedarf schnell nachinstalliert (sudo apt install gparted in Debian/Ubuntu/Mint). In Gparted sehen Sie über „Ansicht -> Geräteinformationen“ in der Zeile „Partitionsstil“ den aktuellen Partitionsstil der gewählten Festplatte – meistens „msdos“ (MBR) oder „gpt“ (GPT). Über das Menü „Gerät -> Partitionstabelle erstellen“ können Sie den bisherigen Stil ändern. Nach einem Klick auf „Anwenden“ erzeugt Gparted eine neue Partitionstabelle. Über „Partition -> Neu“ erstellen Sie danach eine neue Partition.

Hinweis 1: Partitionen lassen sich, egal ob mit Gparted oder einem anderen Werkzeug, nur bearbeiten, wenn sie vorher aus dem Dateisystem ausgehängt wurden. Gparted erledigt dies nach Rechtsklick auf die Partition mit „Aushängen“. Falls das Aushängen scheitert, schließen Sie alle Programme inklusive Dateimanager, die den Vorgang durch ihren Zugriff verhindern könnten. Auch Netzwerkdienste wie Samba können die Bearbeitung blockieren. Wer Unmount-Blockaden ausschließen will, bootet am besten ein unabhängiges Livesystem mit Gparted.

Hinweis 2: Gparted sammelt Aufträge wie das Löschen, Erstellen oder Formatieren von Partitionen zunächst, ohen sie auszuführen. Erst „Bearbeiten -> Alle Vorgänge ausführen“ startet die eigentliche Aktion.

Unter Windows zeigt die „Datenträgerverwaltung“ (diskmgmt.msc) nach Rechtsklick auf „Datenträger [x]“ und „Eigenschaften“ auf der Registerkarte „Volumes“ den Partitionsstil an („MBR“ oder „GPT“).

Wenn keine grafische Oberfläche zur Verfügung steht, gibt es auch Terminaltools für die Festplattenverwaltung. Der Befehl

sudo fdisk -l

zeigt für die Laufwerke auch den aktuellen Partitionsstil an – hier neben „Festplattenbezeichnungstyp“ als „dos“ oder „gpt“. Für das Schreiben einer anderen Partitionstabelle, also zum Ändern des bisherigen Partitionsstils, verwenden Sie

sudo sgdisk -g /dev/sd[X]

nach GPT oder

sudo sgdisk -m /dev/sd[X]

zum Schreiben einer MBR-Partitionstabelle. Ersetzen Sie dabei „[X]“ jeweils durch die richtige Kennung des Laufwerks. Bei reinen Datenpartitionen (nur Benutzerdaten) kann mit diesen Befehlen sogar eine Umwandlung des Partitionsstils ohne Datenverlust gelingen. Wir raten aber davon ab, sich darauf ohne Sicherung zu verlassen.

Auch große Festplatten lassen sich im MBR-Stil durch Partitionierung komplett nutzen. Jedoch scheitert der Versuch, große Festplatten (hier mehr als 5 TB) als eine Partition anzulegen.
Ändern des Partitionsstils nach GPT: Dies schreibt die Partitionstabelle neu und bedeutet in der Regel einen kompletten Datenverlust auf dieser Festplatte

Partitionen löschen und anlegen

Das Löschen von Partitionen und Einrichten neuer Partitionen erledigen die typischen Gnome- und KDE-Tools ebenso wie Gparted. Gparted zeigt nach Rechtsklick auf die symbolische Partitionsfläche die Option „Löschen“. Dies impliziert in der Regel (und mit Gewissheit nach anschließenden Größenänderungen und Formatierung) den kompletten Datenverlust auf dieser Partition. Die Option „Neu“ zum Erstellen einer neuen Partition ist im Kontextmenü nur aktiv, wenn ein freier, nicht genutzter Bereich angeklickt wurde. Es muss also erst eine Partition gelöscht werden, um deren Platz („nicht zugeteilt“) dann neu zu nutzen. Mit dem anschließend angezeigten Schieberegler bestimmen Sie dann, ob die neue Partition den kompletten Platz erhalten soll oder eine Aufteilung in mehrere Partitionen erfolgen soll. Wenn Sie nur einen Teil der Kapazität verwenden, verbleibt danach „nicht zugeteilter“ Platz, den Sie danach mit „Neu“ auf analoge Weise partitionieren.

Partitionsstil (MBR/GPT) und Multiboot

Der Partitionsstil (GPT) ist nicht nur wichtig für große Datenträger jenseits der 2,2-TB-Grenze, sondern spielt auch eine entscheidende Rolle, wenn mehrere Systeme parallel installiert werden sollen – oft Linux neben Windows. Das Thema ist komplex, weil hier auch das Rechner-Bios mitspielt – Uefi (Unified Extensible Firmware Interface) oder Bios (Basic Input Output System). Theoretisch gibt es jede Kombination: Typisch ist Bios/MBR sowie Uefi/GPT, jedoch ist auch Bios/GPT und Uefi/MBR möglich. Das heisst, dass auch ein altes Bios Systeme von GPT-Partitionen oder ein modernes Uefi vom alten MBR booten kann. Ein Multiboot mit Windows funktioniert aber nur auf Bios/MBR oder Uefi/GPT.

Der theoretisch anspruchsvolle Knoten ist aber in der Praxis leicht zu lösen: Sie orientieren sich bei einer Parallelinstallationen einfach daran, was schon vorliegt und installieren dann im selben Modus. Ob das schon vorhandene System den Bios- oder Uefi-Modus verwendet, erfahren Sie unter Linux im Terminal durch Aufruf dieses Tools:

efibootmgr

Ist das Tool nicht vorhanden oder lautet dessen Ausgabe „EFI variables are not supported on this system“, dann läuft das System im Bios-Modus. Unter Windows informiert das Systemtool Msinfo32. Hinter „BIOS-Modus“ steht bei Systemen im Bios-Modus „Vorgängerversion“, andernfalls „UEFI“. Letzteres ist bei allen neueren PCs mit vorinstalliertem OEM-Windows die Regel.

A. Liegt ein altes Bios und ein im MBR-Stil installiertes Erstsystem vor, ist die Lage eindeutig und es kann jedes 32- oder 64-Bit-System (Linux oder Windows) parallel installiert werden.

B. Liegt altes Bios, aber GPT-Partitionierung vor, kann nur ein 64-Bit-Linux installiert werden.

C. Liegt neues Uefi mit altem MBR-Stil vor (das geht vorläufig noch via Compatibility Support Module), kann jedes 32- oder 64-Bit-System (Linux oder Windows) parallel installiert werden. Dabei muss man den Rechner über das Bootmenü des Uefi-Bios starten (frühzeitiges Drücken der Taste F8, F12 oder Esc). Dort erscheinen dann die Laufwerke zwei Mal – einmal mit, einmal ohne den Vorsatz „UEFI“. Für MBR-Parallelinstallation wählen Sie Eintrag des betreffenden Installationslaufwerks ohne „UEFI“.

D. Liegt Uefi mit GPT-Stil vor, kann ein 64-Bit-System (Linux oder Windows) parallel installiert werden. Dabei muss man den Rechner über das Bootmenü des Uefi-Bios starten (frühzeitiges Drücken der Taste F8, F12 oder Esc). Für GPT-Parallelinstallation wählen Sie Eintrag des betreffenden Installationslaufwerks mit der Angabe „UEFI“.

Tipp: Trotz dieser relativ einfachen Fallunterscheidung kann man etwas falsch machen, was sich dann aber während der Installation des zweiten Systems schnell zeigt: Wenn kein Erstsystem erkannt wird und das neue System die gesamte Festplatte in Anspruch nehmen will, müssen Sie die Installation abbrechen.

System im Bios- oder Uefi-Modus? Unter Linux beantwortet der Befehl efibootmgr diese Frage. Unter Windows hilft das Standardprogramm Msinfo32.
Friedliche Koexistenz: Ubuntu & Co installieren sich im Uefi-Modus neben dem Windows Boot-Manager und integrieren den Windows-Bootloader in das Grub-Menü.

Partitionsgrößen nachträglich ändern

Die Einteilung (oder Nicht-Einteilung) eines Datenträgers kann sich nachträglich als ungünstig herausstellen. In diesem Fall besteht die Möglichkeit, eine bestehende Partition ohne Datenverlust zu verkleinern und auf dem frei werdenden Speicherplatz eine neue Partition anzulegen. Wirklich notwendig ist dieses Vorgehen aber nur in dem Fall, dass Sie ein weiteres Betriebssystem installieren wollen.

Werkzeuge: Erfreulicherweise sind die Installationsprogramme aller Ubuntu-Desktopsysteme auf die Situation vorbereitet, dass die Partition eines bestehenden Betriebssystems verkleinert werden muss. Mit der Option „Ubuntu neben [XXX] installieren“ schlägt der Installer eine neue Aufteilung der Partitionen vor, indem er die Partition des bestehenden Systems verkleinert und Platz für das neue System schafft. Die gewünschten Partitionsgrößen lassen sich einfach mit der Maus über die Aufteilungsmarkierung einstellen.

Im Falle einer gewünschten Größenänderung ohne Installation oder ohne einen Installer, der solche Größenänderungen beherrscht, hilft wieder Gparted. Beachten Sie, dass Gparted nur ausgehängte Partitionen bearbeiten kann und folglich die Systempartition eines laufenden Systems tabu bleibt. Zugriff auf alle Festplatten hat Gparted nur, wenn es auf einem unabhängigen Livesystem läuft. In Gparted wählen Sie zunächst rechts oben Sie den gewünschten Datenträger. Klicken Sie dann die Partition an, die Sie bearbeiten wollen, und wählen Sie im Kontextmenü „Größe ändern/Verschieben“. Wählen Sie mit dem Regler die gewünschte Partitionsgröße oder tragen Sie die Größe hinter „Neue Größe (MiB):“ manuell ein. Danach klicken Sie auf „Größe ändern“. Gparted erledigt diesen wie alle Aufträge erst nach „Bearbeiten -> Alle Vorgänge ausführen“.

Unter Windows gibt es die Datenträgerverwaltung (diskmgmt.msc), die nach Rechtsklick auf einer Partition die Option „Volume verkleinern“ anbietet. Die Größe der neuen Partition definieren Sie dann mit dem Wert neben „Zu verkleinernder Speicherplatz“. Dies ist eine weitere Möglichkeit, um eine Parallelinstallation eines Linux vorzubereiten, das kein ausreichendes Partitionierwerkzeug mitbringt.

Gparted verkleinert Partitionen ohne Datenverlust: Das können inzwischen auch andere Partitionsmanager, aber keiner so zuverlässig wie der Altmeister.

Formatieren: Die Dateisysteme

Partitionieren und Formatieren erscheinen in grafischen Tools in einem Dialog wie eine Tateinheit. Tatsächlich bedeutet Partitionieren das Aufteilen von Festplattenbereichen, während Formatieren bereits weitaus Betriebssystem-näher das Dateisystem für die jeweilige Partition bestimmt. Dateisysteme wie FAT32 beschränken sich auf eine relativ simple Verweisbibliothek zum Auffinden der Daten, Dateisysteme wie Ext4 oder NTFS erweitern diese Basisfunktion um Rechteattribute und Wiederherstellungsprotokolle (Journaling), Dateisysteme wie BTRFS erlauben sogar Snapshots des Partitionszustands und die Rückkehr zu einem früheren Zustand.

Trotz zahlreicher weiterer Dateisysteme wie F2FS, JFS, ZFS, ReiserFS, XFS ist die Wahl auf einem Desktopsystem nicht schwer: Für die Systempartition, aber auch für alle sonstigen Datenträger, die nur am Linux-System genutzt werden, ist Ext4 die solideste Wahl. Das gilt auch für Laufwerke, die Netzfreigaben leisten sollen.

Dateisysteme sind allerdings nicht beliebig kompatibel. So kann (oder will) Windows mit Ext4-formatieren Datenträgern nichts anfangen. Wenn Datenträger wie also interne Festplatten (bei Multiboot) oder mobile USB-Datenträger für den Datenaustausch zwischen Linux und Windows genutzt werden, sind andere Dateisysteme zu erwägen:

* Für kleinere interne oder externe Laufwerke (USB-Sticks), die für unkomplizierten Datenaustausch dienen sollen, eignet sich im einfachsten Fall eine Formatierung mit dem FAT32, das alle Betriebssystem ohne Hilfsmittel beherrschen und auch selbst formatieren können. Auf FAT32 ist allerdings die maximale Dateigröße auf vier GB limitiert. Wenn diese Grenze stört, kommt eventuell das Microsoft-Dateisystem exFAT in Betracht. Linux beherrscht exFAT demnächst standardmäßig, vorläufig ist noch die Nachinstallation des kleinen exFAT-Treibers ist mit

sudo apt install exfat-fuse exfat-utils

erforderlich. Danach können Sie exFAT-Datenträger sofort mit Linux-Dateimanagern nutzen und mit Werkzeugen wie Gnome-Disks („Laufwerke“) auch mit exFAT formatieren („Partition formatieren -> Andere -> exFAT“). Gparted hat exFAT zwar in seiner Dateisystemliste, will aber bislang nicht mit exFAT formatieren (inaktiv).

* Sind nur Linux- und Windows-Rechner im Spiel, ist das Microsoft-Dateisystem NTFS erste Wahl. Linux wie Windows haben dort Lese- und Schreibzugriff, Linux wie Windows können mit NTFS formatieren. Mac OS X kann NTFS standardmäßig nur lesen.

Werkzeuge: Gparted erledigt die Formatierung einer Partition nach Rechtsklick und „Formatieren als“, wonach die Liste der unterstützten Dateisysteme angeboten wird. Standardprogramme wie Gnome-Disks beherrschen diese Pflichtaufgabe natürlich ebenso („Partition / Laufwerk formatieren“), bieten dabei zwar weniger Dateisysteme, leisten aber Anfängerunterstützung, indem sie die Kompatibilität der Dateisysteme skizzieren – etwa „Zur Nutzung mit Windows (NTFS)“.

Wenn Sie die Kommandozeile benutzen müssen, verwenden Sie den Befehl mkfs („make filesystem“):

sudo mkfs.ext4 -L [Bezeichnung] /dev/sd[XY]

Nach „mkfs.“ folgt die Angabe des Dateisystems „ext4“, hinter „-L“ („Label“) geben Sie optional eine Bezeichnung an, anhand derer sich die Partition später im Dateimanager leichter identifizieren lässt. Den Platzhalter „[XY]“ ersetzen Sie durch die Laufwerksbezeichnung und Partitionsnummer, etwa „/dev/sdb1“ oder „/dev/sdc2“. Für andere Dateisysteme gibt es entsprechende Tools, beispielsweise mkfs.ntfs oder mkfs.vfat (FAT32).

Formatieren mit Gnome-Disks: Das Tool „Laufwerke“ beschränkt sich auf die populärsten Dateisysteme, hilft aber bei der Auswahl. Gparted ist mächtiger, setzt aber Kompetenz voraus.
Formatieren im Terminal: Für jedes Dateisystem gibt es ein eigenes mkfs-Tool. Rufen Sie das Tool ohne Parameter auf, um eine Übersicht der Optionen zu erhalten.

Mounten: Statisch und dynamisch

Mounten ist Pflicht: Jede Partition muss an definierter Stelle (Mountpunkt) in das Dateisystem eingebunden werden. Die einzige Partition, die in jedem Fall statisch beim Systemstart eingebunden wird, ist die Systempartition. Dies wird schon bei Installation festgelegt, wenn Sie den Installationsort bestimmen und als Mountpunkt („Einbindungspunkt“) das Wurzelverzeichnis „/“ angeben. Resultat dieser Aktion ist ein Eintrag in der Datei /etc/fstab, die für alle statischen Mountaufträge zuständig ist (Beispiel):

UUID=[xxxxxxx] / ext4 errors=remount-ro 0 1

Manuelles Bearbeiten der /etc/fstab für weitere statische Mount-Aktionen kann sinnvoll oder notwendig sein: Auf Servern, die Laufwerke automatisch bereitstellen sollen, ist es unbedingt notwendig, diese Laufwerke in die fstab einzutragen. Auf Desktop-Rechnern übernimmt der Dateimanager durch dynamisches Mounten (siehe unten) viele Mount-Aufgaben. Dennoch kann es komfortabel sein, interne Laufwerke mit Benutzerdaten via /etc/fstab in einen klicknahen Ordner zu mounten. Unbedingt notwendig ist ein fstab-Eintrag auf Desktop-PCs, wenn Sie ein zusätzliches Laufwerk exakt an einer bestimmten Stelle des Dateisystems einhängen wollen.

Die für die /etc/fstab notwendigen Informationen sind die eindeutige UUID des Laufwerks (eine hexadezimale Ziffern- und Buchstabenfolge), der Mountpunkt und dessen Dateisystem (ext4, ntfs…). Alle diese Angaben liefert der Befehl

lsblk -f

Ein Eintrag für die fstab sieht dann im Prinzip so aus

UUID=[…] [Mountordner] [Dateisystem] [Optionen] 0 0

und im konkreten Beispiel etwa so:

UUID=BE43818F4A8138A3 /srv/data ext4 defaults 0 0

Die Partition/Festplatte mit dieser UUID wird dann automatisch im Ordner „/srv/data“ bereitgestellt. Der angegebene Mountordner muss existieren und sollte leer sein.

Die Komma-getrennten „Optionen“ enthalten im einfachsten Fall nur den Wert „defaults“, können aber auch komplex ausfallen (Fehlertoleranz, Dateirechte). Die Mount-Optionen sind schon deshalb eine Wissenschaft für sich, weil manche Dateisysteme ganz spezielle Eigenschaften besitzen, die mit den Optionen abgerufen werden können. Mit „defaults“, das eine Zusammenfassung von mehreren typischen Optionen ist, kommen Sie aber in den meisten Fällen ans Ziel.

Bevor Sie einen Rechner mit geänderter Datei /etc/fstab neu starten, lohnt sich immer ein manueller Test:

sudo mount -a

Dies lädt alle Geräte, die in der Datei /etc/fstab eingetragen sind.

Dynamisches Mounten: Auf dem Linux-Desktop erledigt der grafische Dateimanager den Großteil des Mount-Geschäfts. Wenn Sie ein USB-Laufwerk anschließen oder ein neues Laufwerk gerade neu formatiert haben, taucht dieses sofort in der Navigationsspalte des Dateimanagers auf. Nach einem Mausklick darauf erledigt der Dateimanager das Mounten in das Dateisystem, und zwar unter „/media/[Benutzername]/[Volume-Label]“. Bei Ubuntu verhält sich der Dateimanager abhängig von Benutzerrechten, Dateisystem und Laufwerkstyp unterschiedlich:

* Benutzer mit administrativen Rechten (Systemverwalter) dürfen interne und externe Laufwerke über den Dateimanager ein- und aushängen.

* Auch Systemverwalter erhalten bei Linux-Dateisystemen wie Ext4, BTRFS und XFS nur Lesezugriff, Schreibzugriff gibt es auf FAT32- und NTFS-Partitionen..

* Standardbenutzer dürfen über den Dateimanager nur externe Geräte (USB-Sticks und Festplatten) ein- und aushängen. Auf FAT32- und NTFS-Partitionen gibt es Lese- und Schreibzugriff.

* Standardbenutzer werden bei einem Klick auf interne, nicht eingebundene Laufwerke zur Eingabe des Systemverwalter-Passworts aufgefordert. Bei FAT32 und NTFS räumt Ubuntu Lese- und Schreibzugriff ein, auf Linux-Dateisystemen gibt es nur Leserechte.

Zusammengefasst gibt es beim dynamischen Mounten von USB-Laufwerken mit FAT32 und NTFS die wenigsten Rechteprobleme. Wenn USB-Laufwerke ein Linux-Dateisystem besitzen, müssen Sie die Rechte wie bei internen Laufwerken setzen, um Schreibrecht zu erreichen.

Mountpunkt ab Installation: Das Wurzelverzeichnis („/“) für die Systempartition wird schon bei der Installation festgelegt.
Statisches Mounten mit /etc/fstab: Alle Partitionen, die hier eingetragen sind, lädt Linux beim Systemstart automatisch in den angegebenen Mountpunkt.

Zugriffsrechte im Dateisystem setzen

Bei neu in das Dateisystem eingebundenen Ext4-Partitionen (ebenso XFS oder BTRFS) hat nur „root“ Schreibzugriff, andere Benutzer erhalten nur Lesezugriff. Wenn Sie der einzige Benutzer des Systems sind, können Sie es sich einfach machen. Mit

sudo chmod -cR 777 /mnt/Data

setzen Sie im betreffenden Mountpunkt (hier „/mnt/Data“) maximale Zugriffsrechte.

Bei Mehrbenutzersystemen ist die Rechtevergabe komplizierter. Hier steuern Sie den Zugriff über die Gruppenzugehörigkeit und Access Control Lists (ACL) mit dem Tool setfacl. Führen Sie im Terminalfenster folgende Befehle aus:

sudo chgrp plugdev /mnt/Data

sudo chmod g+rwx /mnt/Data

sudo chmod g+s /mnt/Data

sudo setfacl -R -dm u::rwx,g:plugdev:rwx,o::rx /mnt/Data

Diese Befehlszeilen erstellen ein Verzeichnis „/mnt/Data“ für den Datenaustausch. Es gehört der Gruppe „plugdev“, die Vollzugriff erhält. „chmod g+s“ bewirkt, dass das Gruppenattribut erhalten bleibt, wenn ein Benutzer neue Dateien oder Ordner anlegt. Mit setfacl setzen Sie die Standard-Zugriffsrechte, die auf alle enthaltenen und zukünftigen Elemente vererbt werden. Im Ergebnis erhalten alle Mitglieder der Gruppe „plugdev“ Lese- und Schreibzugriff. Zur Gruppe „plugdev“ gehören unter Ubuntu/Mint standardmäßig alle Benutzer.

Kapazitäten einfach erweitern

Das Verzeichnis /home mit den Benutzerdateien erfordert in aller Regel den meisten Plattenplatz. Sollte der Platz knapp werden, können Sie die Daten auf eine zweite Festplatte mit mehr Kapazität verlagern. Wichtig ist, dass gerade keine Dateien geöffnet sind, welche die Aktion blockieren.

Das Beispiel geht davon aus, dass eine zusätzliche Festplatte unter „/mnt/data“ eingebunden ist. Schließen Sie alle Programme und wechseln Sie mit Strg-Alt-F1 in die erste virtuelle Konsole. Dort kopieren Sie alle Verzeichnisse unter /home auf das zusätzliche Laufwerk und benennen das bisherige Home-Verzeichnis um:

sudo rsync -av /home/ /mnt/data/home

mv /home /home.bak

Beachten Sie beim rsync-Befehl den abschließenden Slash hinter „/home/“. Mit folgenden Befehlen erstellen Sie einen neuen Ordner „/home“ und hängen das Verzeichnis des neuen Laufwerks an dieser Stelle ein:

sudo mkdir /home

sudo mount -o bind /mnt/data/home /home

Funktioniert alles problemlos, dann sorgen Sie dafür, dass Linux den Ordner beim Systemstart automatisch vom primären Mount-Ordner nach /home abbildet. Dazu genügt eine zusätzliche Zeile der Datei /etc/fstab:

/mnt/data/home /home none bind 0 0

Mit Strg-Alt-F7 kehren Sie nun zur grafischen Oberfläche zurück und melden sich an. Ihr Home-Verzeichnis finden Sie so vor, wie Sie es verlassen haben – aber mit mehr Platz.

Tipp: Als alleiniger Systembenutzer lassen sich Plattenplatznöte unter /home/[user] noch einfacher beheben. Im Beispiel nehmen wir an, dass der Ordner ~/Videos zu viel Platz benötigt. Auch hier schließen Sie alle Programme und mounten im Terminal nach

mv ~/Videos ~/Videos.old

mkdir ~/Videos

den neuen Datenträger:

sudo mount /dev/sd[xy] ~/Videos

Danach verschieben Sie alle Inhalte aus „Videos.old“ nach „Videos“, was auch im Dateimanager geschehen kann. Eventuelle Rechteprobleme beheben Sie so:

sudo chmod -cR 777 ~/Videos

Hat dies alles geklappt, tragen Sie den Datenträger mit seiner UUID und Mountpunkt „/home/[user]/Videos“ in die Datei /etc/fstab ein.

Mount-Trick in der Datei /etc/fstab: Das unter /mnt/data eingehängte Laufwerk wird über eine zweite Zeile mit der Option „bind“ einfach ins Home-Verzeichnis verschoben.

Kontrolle des Datenträgerzustands (SMART)

Festplatten und SSDs protokollieren Statusinformationen (SMART-Werte), die Hinweise auf Fehler und Defekte geben. Die Werkzeuge Gnome-Disks und KDE-Partitionmanager zeigen die SMART-Werte interner Festplatten an. Das KDE-Tool äußert sich unter „Gerät -> Status“ relativ knapp, jedoch sollte eine positive „Gesamtbewertung: Healthy“ für einen Gesamteindruck ausreichen. Das Gnome-Tool ist unter „SMART-Werte und Selbsttests“ recht gesprächig, sollte aber vor allem hinter „Allgemeine Einschätzung“ die Aussage zeigen: „Das Laufwerk ist in Ordnung“. Bei SSDs steht hinter „wear-leveling-count“ in der Spalte „Normalisiert“ ein wichtiger Wert: Neue SSDs starten bei „100“ und der Wert reduziert sich mit der Zeit. Nähert er sich der „0“, müssen Sie das Laufwerk ersetzen.

Per USB angeschlossene Festplatten berücksichtigt das KDE-Tool ebenfalls, Gnome-Disks allerdings nicht. Hier benötigen Sie das zusätzliche Paket „smartmontools“ und folgenden Terminalbefehl:

sudo smartctl -H /dev/sd[x]

Wenn der Health-Test mit „PASSED“ beantwortet wird, ist die Tauglichkeit des Laufwerks schon erwiesen. Weitere Details gibt es nach

sudo smartctl -A /dev/sd[x]

und noch ausführlicher mit dem Parameter „-a“. Ein wichtiger Wert ist “ Reallocated_Sectors_Ct“, der die Zahl defekter Sektoren anzeigt und im Optimalfall eine „0“ bieten sollte. Gleiches gilt für „Spin_Retry_Count“, weil die hier gezählten, gescheiterten Anlaufversuche auf mechanische Mängel deuten. Seek- und Read-Errors sind hingegen kaum relevant.

Gnome-Disks und die KDE-Partitionsverwaltung lesen die SMART-Werte von Datenträgern aus. Die angezeigte SSD ist neuwertig und darf weitermachen:

Kontrolle der Festplattenbelegung

Auf Gnome-Desktops finden Sie das Tool Baobab („Festplattenbelegung“) im Hauptmenü. Es zeigt die Gesamtkapazität und den Füllstand von Datenträgern. Nach Klick auf dem Pfeil ganz rechts startet Baobab eine Ordneranalyse, die es nach kurzer Wartezeit als Kreis- oder Kacheldiagramm visualisiert. Das sieht hübsch aus, doch der Erkenntniswert hält sich in Grenzen. Viele Nutzer werden sich von

df -h | grep /dev/sd

im Terminal schneller und besser informiert fühlen. Vor allem die Prozentzahl („Verw%“) bietet gute Orientierung. Wer eine Größenanalyse der Verzeichnisse benötigt, ist mit einem weiteren Terminalwerkzeug

du -h

übersichtlich beraten. Wer es genauer wissen muss, kann auch das Tool Ncdu nachinstallieren. Das Terminalprogramm sortiert die Verzeichnisse nach der enthaltenen Datenmenge und kann auch aktiv löschen. Um das komplette Dateisystem zu durchforsten, muss man Ncdu auf der obersten Ebene starten („ncdu /“).

Verzeichnisgrößen mit Ncdu ermitteln: Auf SSH-verwalteten Servern ist Ncdu unverzichtbar und selbst auf dem Desktop eine Empfehlung.

Festplatten zusammenlegen

Der Logical Volume Manager (LVM) erlaubt das Anlegen einer „Volume Group“, in welche mehrere physische Laufwerke und Partitionen zu einem logischen Laufwerk zusammengefasst werden. Der angelegte Verbund ist dynamisch erweiterbar, enthaltene Datenträger können also wieder entnommen oder durch andere ersetzt werden. Das ist sehr flexibel, erhöht aber die Komplexität, zumal der Ausfall eines Datenträgers den ganzen Verbund gefährdet. LVM hat seinen Platz eindeutig auf Serversystemen mit flexiblen Kapazitätsansprüchen und ist nur erfahrenen Admins zu empfehlen.

In Ubuntu & Co kann LVM bereits bei der Installation gewählt werden. Damit wird die Systempartition zum ersten Volume der LVM-Gruppe. Notwendig ist dies nicht, da sich LVM auch nachträglich einrichten lässt – unabhängig von der Systempartition und ausschließlich für Datensammlungen. Mit dem standardmäßig installierten Terminaltool lvm ist die Einrichtung von LVM-Pools allerdings eine mühsame Angelegenheit. Ein grafisches Tool gibt es aktuell nur für KDE – den „KDE-Manager für Laufwerkspartitionen“ (KVPM), der durch das gleichnamige Paket installiert werden kann:

sudo apt install kvpm

Die Installation von kvpm ist auch unter Gnome-affinen Oberflächen (Gnome, Cinnamon, XFCE) möglich.

Mit KVPM ist der Ablauf dann recht bequem. Nachdem alle Laufwerke für den künftigen Datenpool angeschlossen, starten Sie den Manager mit root-Recht:

sudo kvpm

Klicken Sie in der Übersicht nacheinander mit rechter Maustaste auf alle Laufwerke und Partitionen, die zum neuen Pool gehören sollen, und wählen Sie „Filesystem operations -> Unmount filesystem“. Danach verwenden Sie das Menü „Volume Groups -> Create Volume Group“, markieren die Datenträger mit Kreuzchen und vergeben einen Gruppennamen. Nach „OK“ finden Sie im Register „Group: [Name]“ den zusammengelegten Speicher, den Sie nun – am einfachsten nach Rechtsklick auf den grünen Balken – mit „Create logical volume“ als ein logisches Volume definieren. Nutzen Sie mit dem Schieberegler den maximalen Platz und vergeben Sie einen Volumenamen. Der Speicherbalken ändert nun seine Farbe und nach Rechtsklick darauf können Sie den Speicherplatz in das Dateisystem mounten. Dabei ist noch ein beliebiges Dateisystem zu wählen und der gewünschte Mountpunkt.

KDE-Manager für Laufwerkspartitionen (KVPM): Hier werden drei Laufwerke unter dem Namen „The_Big“ zusammengefasst. Das Gesamtvolume muss dann noch formatiert werden.

Datenträger im Bereitschaftsmodus

Festplatten lassen sich in den Ruhemodus schicken. Die Gnome-affinen Ubuntus inklusive Mint können mit Gnome-Disks („Laufwerke“) einstellen, wann sich eine Festplatte abschalten soll. Wählen Sie dort die gewünschte Festplatte aus, und gehen Sie im Menü auf „Laufwerkseinstellungen“. Auf der Registerkarte „Bereitschaft“ setzen Sie den Schalter auf „An“ und stellen die Zeit ein, nach der die Festplatte sich abschalten soll. Die Zeitspanne reicht von „Niemals“ bis „3 Stunden“. Das funktioniert neuerdings auch mit externen USB-Laufwerken.

Wenn Gnome-Disks fehlt, kann auch hdparm im Terminal den Bereitschaftsmodus konfigurieren. Ermitteln Sie zuerst mit

blkid

die Laufwerke, Bezeichnungen und UUID-Kennungen. Ist die gewünschte Festplatte beispielsweise „/dev/sdb“, dann aktivieren Sie mit diesem Befehl den Ruhezustand:

sudo hdparm -y /dev/sdb

Wenn das funktioniert, können Sie eine automatische Abschaltung festlegen:

sudo hdparm -S 180 /dev/sdb

Der Wert hinter „-S“ steht für 180 mal 5 Sekunden, also 900 Sekunden oder 15 Minuten. Verwenden Sie „-S 0“, wenn sich eine bestimmte Festplatte niemals abschalten soll (siehe auch: man hdparm). Diese Maßnahme wirkt allerdings nur bis zum nächsten Neustart. Für eine dauerhafte Änderung bearbeiten Sie die hdparm-Konfigurationsdatei:

sudo nano /etc/hdparm.conf

Fügen Sie im Editor folgende Zeile am Ende der Datei an:

/dev/disk/by-uuid/[UUID] { spindown_time = 180 }

Die UUID-Kennungen ermittelt das Kommando blkid.

Hinweis: Der Bereitsschaftsmodus ist nur bei Daten- oder Backupplatten sinnvoll. Auf der Festplatte mit der Systempartition finden ständig Laufwerkszugriffe statt – die Festplatte würde also nach dem Abschalten sofort wieder anlaufen. Die Folge wäre mehr Verschleiß statt weniger.

Datenfestplatten in den Ruhemodus schicken: Gnome-Disks beherrscht diese Aufgabe, notfalls ist dies aber auch über hdparm im Terminal zu steuern.

Linux-Verzeichnisstruktur

 /  Wurzelverzeichnis, bei vielen Dateimanagern als „Rechner“ bezeichnet  
 /boot  systemkritischer Ordner mit den zum Booten notwendigen Dateien: Kernel, Bootmanager und Ramdisk  „initramrd“ mit Treiberausstattung  
 /boot/grub  systemkritischer Ordner mit den Konfigurationsdaten für den Grub-Bootmanager; optionale Eingriffe in die Datei  grub.cfg nur für erfahrene Benutzer  
 /bin  systemkritischer Ordner mit den zentralen ausführbaren Programmen, die für den Systembetrieb notwendig sind   (etwa bash, chmod, login, lsblk, mount …);  s. a. /sbin und /usr/bin
 /cdrom  alter Mountordner für den Inhalt optischer Laufwerke, eigentlich obsolet (ähnlich das inzwischen seltene /floppy)  
 /dev  Systemverzeichnis für Gerätedateien: Alle erkannten Geräte sind hier konsequent als Datei abgebildet  
 /etc  zentrales Verzeichnis für alle systemweiten Konfigurationsdateien, zum Teil als Einzeldateien im Hauptverzeichnis /etc wie etwa sudoers (sudo-Rechte), fstab (Laufwerke), mime-types (Dateitypen), shadow (Konten und Kenn wörter), zum größeren Teil in Extra-Verzeichnissen – prominente Beispiele: 
  /etc/apache2 für die Konfiguration des Apache-Webservers 
  /etc/apt/ mit der Liste der angemeldeten Paketquellen (sources.list und /etc/apt/sources.list.d) 
  /etc/samba mit der Konfiguration des Samba-Servers und der Windows-Freigaben (smb.conf) 
  /etc/ssh mit der Konfiguration von Open SSH als Client (ssh_config) und Server (sshd_config)  
  /etc/X11 für Konfigurationen der grafischen Oberfläche  
 /home  Sammelordner für alle sämtliche Benutzerkonten (mit Ausnahme von root)  
 /home/[user]/  Home-Verzeichnis eines Benutzers mit typischen Unterordnern für Benutzerdaten („Dokumente“, „Bilder“ etc.)
  /home/[user] ist neben den temporären Mountordnern /media/[user] und /run/user/[Konto-ID] das einzige Ver zeichnis mit allen Rechten für den Benutzer inklusive Besitzrecht 
 /home/[user]/.cache  benutzerbezogener Zwischenspeicher hauptsächlich für Schriften, Bildminiaturen und Systemicons  
 /home/[user]/.config  wichtiger versteckter Sammelordner für benutzerspezifische Softwareeinstellungen (Desktop-einstellungen, Sprache, Autostart, Webbrowser, Mail, Mime-Dateitypen, Software aller Art) 
 /home/[user]/.local  weiterer Sammelordner für Desktop-Benutzereinstellungen, die Priorität über allgemeine Einstellungen erhalten,  zum Beispiel eigene oder geänderte Verknüpfungen (.desktop-Dateien) unter ../.local/share/applications
 /lost+found  enthält nach Dateisystemprüfungen mit fsck gerettete Dateifragmente (in der Regel nur für Forensiker verwertbar)  
 /media  Mountordner für Wechseldatenträger wie USB- oder DVD-Laufwerke, wird beim Automount grafischer Oberflächen nach Anschluss von Medien in der Regel als Mountpunkt genutzt (macht /cdrom und /floppy obsolet). Die Inhalte werden dabei unter /media/[user]/[Laufwerk] mit allen Rechten für den aktuellen Benutzer geladen.
 /mnt  optionaler Ordner für temporäres und statisches Mounten externer Datenträger wie USB- oder DVD-Laufwerke   (wird vom Automount auf heutigen Systemen nicht mehr genutzt, siehe /media)
 /lib  und /lib64   systemkritische Ordner mit unentbehrlichen Systembibliotheken (32 und 64 Bit). Weitere lib-Ordner mit System bibliotheken (etwa /usr/lib, /var/lib) sind für Anwendungssoftware notwendig, aber nicht systemkritisch
 /opt  optionaler Sammelordner für nachträglich installierte Programme, die nicht zum Standardrepertoire einer Linux-Distribution gehören    
 /proc  und /sys Sammelordner für dynamisch abgefragte System- und Hardwaredaten aller Art, insbesondere zu CPU, RAM,  Kernel, Datenträger und Prozesse;  /proc ist Informationsquelle für viele Systemtools, etwa für CPU- oder RAM-Abfragen (Beispiel-Quelldateien: cpuinfo, meminfo, modules, mounts, partitions, uptime)  
 /tmp  Sammelordner für temporär benötigte Dateien bei der Softwareausführung und bei installationen – das einzige  Verzeichnis, auf das alle Systemkonten uneingeschränkten Schreibzugriff haben   
 /root  Home-Verzeichnis des Pseudo-Kontos root;  falls root aktiviert und genutzt wird, entstehen dieselben Unterver zeichnisse für Benutzerdaten und Konfigationsdaten wie bei /home/[user]
 /run   dynamische Informationsablage für alle Programme (tmpfs-Ordner während der Systemlaufzeit)  
 /run/user/[user-id]/gvfs/  Mountordner für automatisch eingehängte Netzressourcen unter Gnome-artigen Desktops (Gnome, Budgie, Cinnamon, XFCE)  
 /usr  kein „User“- oder „Benutzer“-Ordner, sondern der umfangreiche Sammelordner für die nicht-systemnahe Anwen dungssoftware („User System Resources“), also die am Desktop meistgenutzen Programme  
 /usr/bin  enthält die meiste Anwendungssoftware für die grafische Oberfläche (vgl. /bin und /sbin)  
 /usr/lib  bevorratet die zugehörigen Systembibliotheken für nicht-systemnahe Anwendungssoftware  
 /usr/local  ergänzender Softwareordner: ausführbare Programme unter /usr/local/bin haben Vorrang gegenüber dem Pfad /usr/bin  
 /usr/share/applications  Sammelordner für Programmstarter, die in Menüs oder am Desktop angezeigt werden  
 /sbin  systemkritischer Ordner mit zentralen ausführbaren Programmen für die Systemverwaltung, die nur mit root- Recht laufen (etwa fdisk, fsck, hdparm, mkfs, parted …); s. a. /bin und /usr/bin
 /srv  gemäß FSH-Standard (Filesystem Hierarchy) der Standard-Mountordner für Datenträger auf Serversystemen,  wobei manche Serversysteme nach wie vor /mnt oder /media verwenden
 /var/log  Sammelordner für Systemprotokolle  
 /var/spool  Verzeichnis für abzuarbeitende Warteschlangen, in erster Linie Druckaufträge  
 /var/www/html  Standardordner für Apache- oder Nginx-Webdienste  
VIRTUELLE ORDNER
 computer:///  Übersicht über alle physischen Datenträger sowie der aktuell eingehängten Netzwerkfreigaben  
 applications:///  Übersicht der installierten (Gnome-)Programme  
 burn:///  Dateien, die für das Brennen auf CD/DVD vorgemerkt sind  
 fonts://  Übersicht über die installierten Schriften  
 preferences:///  Systemeinstellungen – gleichbedeutend mit dem Aufruf gnome-control-center  
 trash:///  Papierkorb – gleichbedeutend mit Klick auf „Papierkorb“ im Dateimanager  

Odroid-Miniserver (2019)

Wer meint, die koreanische Firma Hardkernel mit ihren diversen Odroid-Produkten („Open Droid“) sei ein typischer Raspberry-Trittbrettfahrer, liegt mindestens teilweise falsch. Die Firma gibt es schon länger und ihr erster Platinenrechner „Odroid-PC“ datiert aus dem Jahr 2011, also ein Jahr vor dem ersten Raspberry Pi. Richtig ist aber, dass Hardkernel früh und umtriebig auf den Erfolg des Raspberry Pi reagiert hat und seit 2012 die komplette Produktpalette als Raspberry-Konkurrenz ausrichtet. Der Raspberry-Boom veranlasste Hardkernel zur Fokussierung auf Mini-Server und Platinenrechner.
Die an sich vernünftige Kernstrategie war offenbar immer, für moderat höhere Preise deutlich mehr Leistung anzubieten als der Raspberry Pi. Die zahlreichen Odroid-Varianten der Jahre 2012 bis 2019 zeugen allerdings von hektischer Betriebsamkeit, die beim Konsumenten eine gewisse Ratlosigkeit hinterlässt, inwiefern sich die Produkte unterscheiden. Nachhaltigkeit und Weitblick war hier nicht zu erkennen, und diverse Odroid-Projekte kamen und starben wie Eintagsfliegen: Die sehr lange Spalte „Obsolete products“ auf der Herstellerseite http://www.hardkernel.com/main/products/prdt_info.php spricht für sich. Inzwischen hat Hardkernel seine Produktpalette konsolidiert. Der Durchblick ist heute einfacher, verlangt aber immer noch genaueres Hinsehen. Dies sollen die nachfolgenden Seiten leisten. Die aktuell noch gepflegten Odroid-Platinen verdienen diese Übersicht, da sie qualitativ und zumeist auch in der Komponentenzusammensetzung überzeugen. Eine Produktübersicht des Herstellers bietet die oben genannte Hardkernel-Webseite.

Verträgt der südkoreanische Hersteller Hardkernel, der die Odroids baut, noch mehr Konkurrenz? Die Odroid-Platinen kannibalisieren sich nämlich bereits ordentlich untereinander. Die zahlreichen Odroid-Varianten der Jahre 2012 bis 2019 beweisen viel innovatives Potential, aber keine nachhaltige Strategie. Der nächste Odroid in der jeweiligen Preisklasse ist quasi immer der Killer des letzten Odroid. Aber vielleicht ist das ja die Strategie – und beim Raspberry ja auch nicht anders. Im Unterschied zum Raspberry skalieren die Odroids aber gewaltig und bieten eine Auswahl für unterschiedliche Leistungsansprüche. Außerdem hat uns bislang jede Odroid-Hardware qualitativ und in der Komponentenzusammensetzung überzeugt. Ein eventueller Schwachpunkt ist die Systemsoftware.

Die Odroids: Allgemeine Vorbemerkungen

Für alle Odroid-Platinen gibt es eine Reihe von Linux- und Android-Betriebssystemen, die Sie herunterladen und mit den üblichen Werkzeugen auf Micro-SD schreiben. Anlaufstelle ist das Wiki https://wiki.odroid.com, das auch über die Hauptseite erreichbar ist (www.hardkernel.com). Sie finden in der linken Spalte die aktuellen Platinenmodelle, und unter dem einzelnen Modell jeweils den Eintrag „os_images“. Hier erscheinen dann die offiziellen Android- und Linux-Images, ferner unter „third party“ weitere inoffizielle, aber beachtenswerte Systeme wie etwa Dietpi oder Openmediavault.

Die Auswahl an Systemen ist insgesamt nicht üppig, aber jederzeit ausreichend: Ein ausbaufähiges LTS-Ubuntu, oft mit Mate-Desktop, ist für alle Platinen im Angebot. Problematischer als die Systemauswahl ist die Tatsache, dass ständig neue Odroid-Geräte die älteren verdrängen und diese dann Software-technisch nicht mehr gepflegt werden. So wird etwa der ältere, sehr brauchbare Odroid U3 längst nicht mehr verkauft und auch nicht mehr gepflegt. Über das letztaktuellste Ubuntu 16.04.6 (mit Update-Support bis 2021) auf dieser Platine wird daher wohl keine jüngere Version mehr hinausführen. Eine ähnliche Entwicklung ist für alle Odroids (außer H2) zu bedenken: Unter Umständen muss dann das Gerät ohne Updates weiterlaufen, was beim lokalen Heimserver kein ernstes Problem ist, aber jede Öffnung für den Internetzugriff verbietet.

Eine weitere Einschränkung gilt für alle Odroids: Die Platinen haben allesamt keinen WLAN/Bluetooth-Funkchip an Bord. Das ist letztlich konsequent, weil ein H2, N2, XU4 oder HC1 für Serveraufgaben prädestiniert ist, die nur mit verkabeltem Ethernet Sinn machen. Wer zusätzliches WLAN oder Bluetooth benötigt, muss dies über einen WLAN- oder Bluetooth-USB-Stick nachrüsten. Die Firma Hardkernel bietet dafür eigene Dongles, jedoch funktionieren auch alle anderen Linux-kompatiblen Dongles wie Edimax EW-7811UN, Asus N10 Nano oder CSL 300.

Deutscher Vertreiber für sämtliche Odroid-Platinen und Zubehör ist Pollin (www.pollin.de). Das Meiste finden Sie auch bei Reichelt (www.reichelt.de) und Amazon.

Kein Platinenrechner, sondern eher ein Ausbau-Barebone mit Intel-CPU: Der Odroid H2 ist flexibel mit RAM, eMMC-Karte oder NVME-SSD bestückbar, bootet aber auch via USB oder SATA.

Odroid H2: Ein Ausbau-Barebone

Der Odroid H2 wurde Ende 2018 erstmalig angeboten, war nach zwei Tagen ausverkauft und dann erst wieder ab Juli 2019 verfügbar. Das in mehrfacher Hinsicht außergewöhnliche Gerät gehört nicht wirklich in die Kategorie der Platinenrechner, sondern ist ein Ausbau-Barebone, der eher mit Zotac-Boxen oder Intel NUCs konkurriert. Dies zeigt sich schon an der Größe der Platine (11 mal 11 Zentimeter) und an der Tatsache, dass die typische GPIO-Leiste mit den programmierbaren Pins für Bastelprojekte fehlt. Der Odroid H2 ist ganz klar als Barebone für Heimserver oder Zweit-Desktops konzipiert.

Intel-CPU: Mit dem Intel Processor J4105 (Quadcore mit 1,5 bis 2,5 GHz) verlässt der Odroid H2 die sonst übliche ARM-Plattform. Diese Celeron-CPU auf der 130-Euro-Platine ist natürlich kein Gaming-Renner, kann aber mit älteren AMD Phenom/Athlon oder schwächeren Intel-i3-CPUs mithalten und ist jederzeit Desktop-tauglich. Aufgrund der x86-CPU gibt es keinerlei Einschränkungen hinsichtlich des Betriebssystems: Windows kann ebenso installiert werden wie jede Linux-Distribution. Angemessen ist ein leichtgewichtiges Ubuntu, mit dem sich der Odroid H2 geradezu spielt.

DDR4-RAM: Der Arbeitsspeicher kann je nach Bedarf auf zwei Bänken auf bis zu 32 GB bestückt werden (DDR4 SO-DIMM). Für eine der Platine angemessenen Rolle als Daten- oder Medienserver sollten aber 4 GB oder allenfalls 8 GB allemal ausreichen.

Anschlüsse: Für Serverrollen ist der Odroid H2 auch sonst bestens gerüstet: Zwei SATA-3.0-Ports und zweimal USB 3.0 (ferner zweimal USB 2.0) sorgen für schnellen Datentransfer auf angeschlossenen Festplatten. Für den Netztransport sind zwei schnelle Gigabit-Ethernet-Anschlüsse vorhanden, die auch einen Einsatz als Netzwerkbrücke zwischen zwei lokalen Netzen oder als Hardware-Firewall hinter dem Router anbieten. Unter halbwegs idealen Umständen messen wir bis zu 115 MB/s, die der Rechner als Samba-Server ausliefert, was sich dem theoretischem Maximum von Gigabit-Ethernet nähert.

Der Rechner besitzt ein Uefi-Bios wie ein PC und kann sein Betriebssystem von SATA, USB, eMMC-Karte oder NVM-Express-SSD booten. Ein Micro-SD-Einschub wie auf typischen Platinenrechnern ist nicht vorhanden und auch nicht nötig. Die Installation eines Betriebssystems erfolgt wie auf einem PC über ein Linux-Livesystem via USB-Stick oder über ein DVD-Laufwerk am USB-Anschluss. Für Monitoranschluss sind ein HDMI-Ausgang und ein Display-Port 1.2 (4K) vorhanden. Neben der Soundausgabe via HDMI gibt es auch noch analoge Aus- und Eingänge für Klinkenstecker.

Mit solcher Ausstattung kann die Platine locker mehrere Rollen erledigen: In unserem Fall arbeitet er mühelos als zentraler Samba- und SSH-Server, als Apache-Server für eine Dokumentenzentrale und als Kodi-Mediencenter für das TV-Gerät via HDMI.

Lautlos: Die lüfterlose Platine macht keinerlei Betriebsgeräusche und zeigt trotz passiver Kühlung moderate Temperaturen zwischen 40 und 55 Grad. Die Leistungsaufnahme liegt höher als bei Raspberry & Co bei etwa 5 Watt im Leerlauf, 7-8 Watt bei Last und gelegentlichen Spitzen bis zu 12 Watt.

Preise: Der Preis von 130 Euro darf nicht täuschen: Dafür gibt es nur die nackte Platine ohne Netzteil, ohne RAM, ohne Gehäuse, ohne Bootmedium, ohne Kabel. Um das Barebone-ähnliche Ausbau-Board zum Laufen zu bringen, sind folgende Ergänzungen einzuplanen: ein Netzteil (ca. 14 Euro), ein Gehäuse (ca. 12 Euro), 4 GB RAM (DDR4-SO-DIMM, ca. 50 Euro), eMMC-Karte mit 64 GB (ca. 55 Euro), eventuelle Kabel wie Displayport nach HDMI (10 Euro), SATA-Kabel (5 Euro). Es ist ratsam, den Kauf der Komponenten so abzusichern, dass am Ende alles passt. Der Vertrieb pollin.de kann da manche Zweifel beseitigen, insofern er das H2-taugliche Zubehör direkt anzeigt.

Der Gesamtpreis geht dann schnell Richtung 300 Euro, wobei die angeführten Beispiele bei RAM und eMMC sowohl nach oben wie nach unten zu skalieren sind. Eine schnelle eMMC-Karte ist optimal, aber optional, da der Odroid H2 auch reichlich andere Bootoptionen besitzt.

Odroid N2 auf großem Kühler: Das Beste an dieser Hardware sind 6-Kern-CPU, Coolness und geringer Stromverbrauch. Die Input/Output-Leistung ist nicht besser als beim Odroid XU4.

Odroid N2: Coole Platine

Nimmt man den beschriebenen Odroid H2 aus den genannten Gründen aus der Rechnung, ist der Odroid N2 das aktuelle Spitzenmodell der Odroid-Platinenrechner. Der seit Frühjahr 2019 erhältliche Odroid N2 versteht sich mit 40-poliger GPIO-Leiste auch als Bastelplatine, ist aber in erster Linie als Heimserver oder Zweit-Desktop konzipiert. Auffällig ist das Kühlkonzept der relativ breiten Platine, die komplett auf einem ebenso großen, passiven Kühlkörper sitzt.

6-Kern-CPU: Die Platine kombiniert sechs ARM-Kerne – zwei kleine Kerne (Cortex A53 mit 1,9 GHz) und vier große (Cortex A73 mit 1,8 GHz). Die Leistung ist spürbar, aber nicht dramatisch besser als beim neuen Raspberry. Mit dieser CPU und dem Mali-Grafikchip G52 liefert der Odroid N2 einen nahezu flüssigen Desktop. Beim Einsatz als Zweit-Desktop ist die Hardware dem Raspberry Pi 4 eindeutig überlegen.

Anschlüsse: Der Odroid N2 bietet kein SATA, aber viermal USB 3.0. Für den Netzverkehr gibt es einen Gigabit-Ethernet-Anschluss, womit der Rechner als Samba-Server bis zu 110 MB/s liefert. Weniger erfreulich ist die Leistung der USB-Ports, die sich per internen Hub einen USB-3.0-Kanal teilen. Dies führt beim lokalen Austausch zwischen diesen USB-Laufwerken zu eher enttäuschendem Durchsatz. Eine große Datenfestplatte ist daher die klügere Ausstattung als mehrere kleine, zumal diese einen zusätzlichen Hub erfordern.

Alternativ zur Micro-SD-Karte kann das Betriebssystem auch von einer schnelleren eMMC-Karte gebootet werden. Die Auswahl des Boot-Mediums erfolgt über einen kleinen Schalter auf der Platine. Zur Soundausgabe gibt es neben dem typischen HDMI-Ausgang (Standardgröße) einen analogen Ausgang für Klinkenstecker. Außerdem ist ein Infrarot-Empfänger an Bord.

Lautlos und kühl: Die mit 10 mal 9 Zentimeter relativ breite Platine auf dem großen passiven Kühler arbeitet lüfterlos und somit absolut lautlos. Das Kühlkonzept scheint überzeugend, da die Platine im Leerlauf nur 35 Grad meldet und unter Last kaum über 45 Grad zu heizen ist. Das ist auch haptisch anhand der offenen Platine leicht zu verifizieren, während man beim Raspberry Pi 4 die Finger besser weglässt. Das Gerät bestätigt seine Coolness auch beim Stromverbrauch: Nur 2 bis 3 Watt fordert der Leerlaufbetrieb und bei Last geht es maximal Richtung 5 Watt.

Für die Stromversorgung externer 2,5-Zoll-USB-Festplatten über die USB-Ports gilt Ähnliches wie beim Raspberry: Zwei Laufwerke sind bereits zu viel, spätestens dann, wenn die Laufwerke Arbeit bekommen. Ohne zusätzlichen, aktiven USB-Hub geht es also auch hier nicht.

Preise: Die Platine gibt es mit 2 oder 4 GB DDR4-RAM für circa 80 beziehungsweise 95 Euro. Wenn Kabel für HDMI und eine SD-Karte vorhanden sind, ist der Odroid N2 damit bereits vollständig ausgestattet. Das optionale Gehäuse für etwa 7 Euro ist eigentlich nur eine Abdeckung, die in die Schiene des Lüftersockels geschoben wird.

Odroid XU4: Das Auslaufmodell

Bis Ende 2018 noch Spitzenmodell gerät der Odroid XU4 durch die hauseigene Konkurrenz und den Raspberry Pi 4 zum Auslaufmodell. Die Platine hat gegen den Pi 4 nur noch schwache Argumente, und wem dieser nicht genügt, kann zum Odroid N2 greifen. Das ist fast bedauerlich, denn der XU4 hat sich im Server-Dauerbetrieb als äußerst robust und zuverlässig erwiesen. Solche Nachhaltigkeit als unermüdlicher Rechenknecht muss der Odroid N2 erst noch nachweisen. Desktop-tauglich ist der XU4 allerdings im Unterschied zum N2 definitiv nicht. Die besten Chancen hat die XU4-Hardware eventuell noch in ihren spezialisierten Varianten HC1 und HC2, die ebenfalls auf Odroid XU4 basieren (siehe unten).

CPU und RAM: Der Achtkerner arbeitet mit zwei Quadcore-CPUs, wobei je nach Auslastung der Vierkerner Cortex A15 mit 2 GHz oder der sparsamere Vierkerner Cortex A7 mit 1,4 GHz zum Zuge kommt. Mit standardmäßig zwei GB DDR3-RAM ist die Platine für den Serverbetrieb ausreichend bestückt.

Anschlüsse: Entscheidend für den Datendurchsatz ist die Kombination von USB 3.0 (zweimal) mit Gigabit-Ethernet. Die theoretischen 125 MB/s erreicht die Platine zwar nicht, aber 80 bis 90 MB/s sind maximal möglich. Als Boot- und Systemmedium kommt sowohl die typische Micro-SD-Karte als auch eine eMMC-Karte infrage. Die Auswahl des Medium erfolgt über einen kleinen Schalter auf der Platine. Für Erweiterungen und Bastellösungen gibt es zwei Pin-Anschlüsse (30 plus 12).

Mit und ohne Lüfter: Das Kühlkonzept des Odroid XU4 wurde seit seinem Erscheinen 2015 vielfach kritisiert. Von Platinenrechnern erwarten die Kunden lautlosen Betrieb. Der XU4 hat einen aktiven Lüfter, der seine kleinen Maße mit hoher Drehzahl ausgleicht. Das Geräusch ist nicht laut, aber aufgrund der hohen Frequenz unüberhörbar. Beim Einsatz als Medienserver im Wohnzimmer kann das durchaus stören. Daher hat Hardkernel den Odroid XU4Q mit passivem Kühlkörper nachgeschoben („Q“ für „quiet“). Die Variante ist etwas preiswerter, aber etwas leistungsärmer, weil die Platine hier häufiger auf die schwächere A7-CPU schaltet. Wer einen XU4 besitzt, kann den aktiven Lüfter auch durch den passiven Kühlkörper ersetzen, der als Einzelzubehör für etwa acht Euro verkauft wird.

Stromverbrauch: Die Platine kommt im Idle-Betrieb auf etwa 4 Watt und fordert bei Last und laufendem Lüfter bis zu 10 Watt.

Preise: Die Preise für den Odroid XU4 dürften demnächst purzeln. Bislang kostet er immer noch etwa 80 Euro, als lüfterloser XU4Q circa 75 Euro (www.pollin.de). Aktuelle Bundles liegen aber bereits unter 100 Euro und liefern Gehäuse, Netzteil, SD- und eMMC-Karte mit.

Odroid XU4 mit und ohne Lüfter: Die bewährte Platine bleibt mit Netzteil, Gehäuse, eMMC- und SD-Karte unter 100 Euro. Die lautlose XU4Q-Variante mit passiver Kühlung taktet etwas niedriger.

Odroid HC1/HC2: Kleine Heimserver

„HC“ steht für „Home Cloud“. Die beiden Odroid-Varianten basieren auf XU4 und sind hinsichtlich CPU, GPU, RAM und Gigabit-Ethernet identisch ausgestattet. Statt USB 3.0 (nur einmal USB 2.0) gibt es hier eine SATA-3-Schnittstelle für genau eine Festplatte oder SSD, die in das Alu-Gehäuse eingeschoben wird. HC1 und HC2 fokussieren auf einen kleinen, schnellen Netzwerkspeicher für private Zwecke. HC1 und HC2 haben kein HDMI oder sonstigen Monitor-Anschluss: Das System kann nur über das Netzwerk mit SSH erreicht und verwaltet werden.

Preise: Die lüfter- und lautlosen HC1 und HC2 kosten circa 60 und 65 Euro. Der einzige Unterschied der beiden Varianten ist das Alu-Gehäuse, das beim HC1 nur ein 2,5-Zoll-Laufwerk, beim größeren HC2 wahlweise eine 2,5- oder 3,5-Zoll-Festplatte aufnimmt. Das unentbehrliche Netzteil kostet circa 8 Euro.

HC1/2 („Home Cloud“) basieren auf dem XU4, haben aber einen SATA-Anschluss für eine Festplatte (HC1 nur 2,5 Zoll). Wo dies genügt, bietet die Hardware ein aufgeräumtes Mini-NAS.

Odroid C1/C2: Obsolet

Die soliden Platinen Odroid C1 und C2 waren 2015 mit Quadcore-CPU, 1 oder 2 GB RAM sowie Gigabit-Ethernet als Raspberry-Konkurrenz geplant. Sie konnten aber schon neben dem Raspberry Pi 3 B+ (Anfang 2018) nur noch aufgrund der schnelleren Ethernet-Schnittstelle bestehen – neben dem aktuellen Raspberry 4 wohl definitiv nicht mehr. Der Odroid C2 wird derzeit immer noch für knapp 55 Euro verkauft – Tendenz fallend. Die Pi-Variante mit 2 GB RAM kostet 50 Euro und schlägt den Odroid C2 (ebenfalls 2 GB RAM) in allen anderen Belangen.

Solide Platinen für kleine Aufgaben: Odroid C1/C2 eignen sich besonders für kleine Apache-Webdienste, dürften aber neben dem Raspberry Pi 4 ausgespielt haben.

Exkurs: X86 und ARM – ein CPU-Vergleich am Beispiel Odroid XU4

Die Octacore-CPU des Odroid XU4 mit 2 GHz klingt nach mächtig viel Leistung. Jedoch handelt es sich um zwei Quadcore-ARM-Einheiten, die je nach Anforderung zur schnelleren oder stromsparenderen umschalten. Vor allem aber darf man generell die Taktraten und die Kernzahlen von ARM-Prozessoren nicht annähernd den x86-CPUs von PCs und Notebooks gleichsetzen. Die kleine Tabelle zeigt, dass die Intel Atom-CPU eines 10 Jahre alten Netbooks immer noch knapp vor der ARM-Quadcore-CPU eines Raspberry 3 liegt. Die Platine Odroid XU4 lässt diese Netbook-CPU zwar deutlich hinter sich, kommt aber nicht annähernd an Notebook- und PC-Prozessoren heran. Unser Vergleich wurde mit Sysbench auf der Kommandozeile ausgeführt.

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Angry Search (Dateisuche)

Die Dateisuche in Linux-Dateimanagern genügt für gelegentliche Suchläufe, für häufige Suche in großen Archiven ist sie zu langsam. Das Python-Script „Angry Search“ kann hier aushelfen. Dieser Beitrag bespricht Anspruch und Realität des Tools.

Angry Search hat die erklärte Absicht, das Vorbild „Everything“ unter Windows zu kopieren. Das ist ein ziemlich hoher Anspruch, denn die Freeware Everything gilt Windows-Kennern seit vielen Jahren als Muss: ein stupend schnelles Suchtool mit Suchoperatoren und Serverkomponente, das Millionen Dateien in Millisekunden filtert (www.voidtools.com). Angry Search leistet eine vergleichbar schnelle Instant-Suche beim Tippen der Suchbegriffe, bedarf aber mehr Pflege als sein Windows-Vorbild.

Beachten Sie, dass Angry Search ein reines Dateiwerkzeug ist, das nach Pfaden und Namen sucht, nicht nach Dateiinhalten. Das entspricht seinem Vorbild, das zwar neuerdings optional auch Dateiinhalte durchsuchen kann, dabei aber seinen Leistungsfokus aus den Augen verliert.

Download und Einrichtung

Angry Search ist ein Python-Script (mit drei weiteren Python Hilfsscripts) und somit unter Linux überall lauffähig, da ein Python-Interpreter zum Linux-Standard gehört. Unter https://github.com/DoTheEvo/ANGRYsearch/releases findet sich der Download als zip– oder tar.gz-Archiv, das Sie nach dem Download zunächst an beliebiger Stelle entpacken. Im Terminal suchen Sie dann den entpackten Ordner auf, schalten das kleine Install-Shellscript mit

chmod +x install.sh

ausführbar und starten dieses dann mit diesem Befehl:

sudo sh install.sh

Das war’s schon: Das Script kopiert lediglich einige Python-Scripts nach „/usr/share/angrysearch“ und legt den Link unter /usr/bin/angrysearch.py an. Daher ist spätere eine De-Installation mit dem manuellen Löschen dieser Dateien erledigt.

Nach der Einrichtung ist Angry Search als „ANGRYsearch“ im Hauptmenü oder im Gnome-Dash erreichbar, aber auch im Terminal über den Befehl angrysearch. Download-Archiv und der entpackte Ordner können danach im Prinzip gelöscht werden.

Neben dem benötigten Python-Interpreter hat das Tool nur zwei abhängige Pakete: Das Paket xdg-utils ist auf praktisch jeder Desktop-Distribution anzutreffen, das Paket python3-pyqt5 meistens auch. Sollte nach der Einrichtung der Aufruf scheitern, wiederholen Sie den Start im Terminal mit dem Befehl angrysearch, um die Ursache herauszufinden. Unter Ubuntu Gnome erhielten wir etwa die Meldung:

„No module named ‚PyQt5′“

In diesem Fall fehlt das genannte Paket python3-pyqt5, das Sie mit

sudo apt install python3-pyqt5

schnell nachinstalliert haben.

Suchoptionen und Konfiguration

Beim ersten Aufruf erhalten Sie einige Infos über die Konfigurationsdateien und die fundamentale Nutzung. Diese Startinfo lässt sich jederzeit wiederholen, indem der Dateiindex gelöscht oder der Suchmodus geändert wird. Konfiguration und Index liegen benutzerbezogen unter „~/.config/angrysearch/angrysearch.conf“ und „~/.cache/angrysearch/angry_database.db“. Den Index erstellen Sie im Tool mit der Schaltfläche „update“. Dabei berücksichtigt Angry Search standardmäßig das komplette Dateisystem. Die Indexierung erfolgt auf lokalen Datenträger extrem schnell, bei eingehängten Netzwerkressourcen kann der Vorgang zwei, drei Minuten dauern.

Wenn Sie bestimmte Pfade ausschließen wollen, tragen Sie diese in die angrysearch.conf nach

directories_excluded=

ein – und zwar mit Leerzeichen getrennt (etwa „directories_excluded=/bin /var /etc“). Umgekehrt müssen Sie dafür sorgen, dass der Index tatsächlich alle Ressourcen erfasst, die Sie durchsuchen möchten. Diese müssen also vor dem Klick auf „update“ ordnungsgemäß gemountet sein.

Anders als beim Vorbild Everything ist der Index statisch, muss also von Zeit zu Zeit erneuert werden. Der Entwickler empfiehlt einen Cronjob, wobei einfach das Hilfstool angrysearch_update_database.py alle sechs Stunden gestartet wird. Der Eintrag (nach crontab -e) sieht dann wie folgt aus:

0 */6 * * *
/usr/share/angrysearch/angrysearch_update_database.py

Im Prinzip reicht aber auch im grafischen Tool ein gelegentlicher Klick auf „update“, bevor Sie eine Kaffeepause machen.

Standardmäßig gilt eine einfache UND-Syntax, wobei Angry Search praktisch ohne Verzögerung auf Tippeingaben reagiert: Auf „büro steuer“ wird das Tool vom ersten Buchstaben an das Datenmaterial sofort auf die passenden Dokumente filtern. Teilstrings von Wörtern berücksichtigt das Script nur, wenn Sie das Häkchen rechts vom Suchfeld abschalten. Das Häkchen steht für den schnellsten Modus und ist der Standard, würde aber bei der Eingabe „büro teuer“ keine Dateien zu „Steuer“ finden.

Angry Search hat nach unserer Kenntnis keine darüber hinausgehenden Möglichkeiten mit „NOT“- oder „OR“-Operatoren – so jedenfalls mit dem Standardsuchfeld. Wer höhere Ansprüche hat, muss auf die komplexen Regular Expressions ausweichen, die das Tool mit der Taste F8 anbietet: Nach F8 erhält das Suchfeld eine Orange-Färbung und akzeptiert Regex-Syntax, etwa eine OR-Suche mit „händel|haendel“ oder etwas komplexer:

(händel|haendel).*trio

Angry Search ist auch im Regex-Modus richtig schnell, jedoch haben vermutlich nur wenige Anwender die Kompetenz, aus dem Handgelenk korrekte Regex-Abfragen zu tippen.

Die im Fenster angezeigten Suchergebnisse können Sie einfach per Doppelklick mit dem zugeordneten Standardprogramm laden. Außerdem gibt es nach Rechtsklick die Option „Open Path“, um das Verzeichnis der gewählten Datei im Dateimanager anzuzeigen. Je nach Distribution kann es hier eventuell Korrekturbedarf geben: Beim von uns zufällig genutzten Linux Mint Mate verabschiedete sich Angry Search regelmäßig kommentarlos, wenn für ein Suchergebnis „Open Path“ gewählt wurde. Offensichtliche Ursache war, dass das Paket xdg-utils den Dateimanager Nemo an Angry Search meldet, der Dateimanager in dieser Mint-Variante aber „Caja“ heisst. Dies lässt sich in der Konfigurationsdatei angrysearch.conf über die Zeile

file_manager=caja

leicht korrigieren, sofern man die Ursache erkannt hat.

Fazit: Eine empfehlenswerte Systemergänzung

Wer eine Menge Dateien an Bord hat und eine halbwegs systematische Namensgebung für Ordner und Dateien, sollte sich Angry Search einrichten. Das Tool ist ein phänomenaler Zeitsparer. Ein Beispiel: Die Suche mit dem Dateimanager nach der UND-Verknüpfung „metallica reed“ dauerte mehr als eine Minute, bis sie die Lulu-Suite dieser Band ans Licht beförderte. Etwa doppelt so schnell arbeitet ein find-Befehl im Terminal – mit allen Nachteilen der mühsamen Eingabe und Weiterverarbeitung der Suchergebnisse. Angry Search? Das Tool zeigt die Resultate sofort – noch während des Eintippens. Dabei sollten die Standardeinstellungen im Alltag die besten Ergebnisse liefern, für eine Berücksichtigung von Teilstrings genügt es, das Häkchen neben dem Suchfeld zu deaktivieren. Die optionale Regex-Suche dürfte hingegen die meisten Anwender überfordern. Etwas Erfahrung sollte der Suchtool-Nutzer aber in jedem Fall mitbringen, damit die indexierten Orte stets ordnungsgemäß eingehängt sind, der Index aktuell bleibt (Crontab) und eventuelle Korrekturen in der Konfigurationsdatei (angrysearch.conf) keine Hürde darstellen.

Ob der Entwickler den Vergleich zu Everything suchen sollte, bleibt aber fraglich: Das Windows-Tool aktualisiert dynamisch, bietet erweiterte Suchoperatoren und sogar eine Client-Server-Komponente für die Suche übers Netzwerk.


Schlanke Konfiguration: Die wenigen Einstellungen der Konfigurationsdatei sind auf der Projektseite https://github.com/DoTheEvo/ANGRYsearch gut dokumentiert.


Linux für ältere Hardware

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Mit Hunderten unterschiedlich spezialisierter Distributionen lädt Linux dazu ein, für ältere Geräte passende Systeme und Rollen zu finden. Oder für benötigte Aufgaben sogar gezielt ältere Hardware einzukaufen.

„Linux auf älterer Hardware“ ist ein facettenreiches Thema: Zunächst ist es ja so, dass leichtgewichtige Linux-Desktops und erst recht Server-Distributionen ohne Desktop sehr genügsam sind und daher auf älterer Hardware (5-10 Jahre) und alter Hardware (10-15 Jahre) klaglos laufen. Und dann gibt es ja auch noch Distributionen mit dem spezialisierten Fokus, richtig alte Hardware (15-20 Jahre) mit wenig Speicher und moosalten CPUs wiederzubeleben. Auch 32-Bit-CPUs und CPUs ohne PAE-Erweiterung werden nach wie vor unterstützt.

Ab einer CPU der Pentium-III-Klasse oder AMD Athlon und einem Arbeitsspeicher ab 512 MB (theoretisch ab 256 MB) finden Sie in jedem Fall eine Linux-Distribution, die Windows XP leistungstechnisch ersetzen kann. Generell kommt alles mit den schlanken XFCE- und LXDE-Desktops schwächeren Rechnern entgegen. Die betreffenden Ubuntu-Varianten heißen Xubuntu (mit XFCE) sowie das noch schlankere Lubuntu (mit LXDE/LXQT). Noch Ressourcen-schonender arbeiten Bodhi Linux und Puppy-Varianten.

Das theoretisch mögliche Recycling obsoleter Hardware ist aber letztlich ein Sport ohne Endorphine. Uns geht es hier um ältere Hardware, die unter Linux noch einen richtig guten Job macht. Dabei gibt es eine Reihe von Aspekten und Gegenanzeigen, die manches Altgerät dann doch zum Elektronikschrott erklären. Neben der Hardware geht es natürlich auch um die Aufgabe, die diese Hardware erledigen soll: Geräte, die an einer Desktop-Rolle scheitern, können in anderer Rolle zur Starbesetzung werden.

Platinen-PCs gegen ältere Netbooks/Notebooks

Beim direkten Vergleich solider älterer Hardware kehrt nach etlichen Jahren des Raspberry-Hypes inzwischen gesunder Pragmatismus ein: Man kann und sollte kleine Platinenrechner nicht zu beliebigen Serveraufgaben prügeln. Selbst der aktuellste Raspberry Pi 3 ist mit USB 2.0 und Fast Ethernet oder gedrosseltem Gigabit-Ethernet kein Favorit für die Rolle als Datenserver.

Netbooks und Notebooks haben bauartbedingte Vorteile: Kontrollmonitor, Tastatur, Maus sind ohne Fummelei jederzeit verfügbar. Auch die Stromversorgung für passiv angeschlossene USB-Datenträger ohne eigenen Netzadapter funktioniert zuverlässig, was bei Platinen nicht immer gegeben ist. Mit der oft gar nicht so kleinen Festplatte ab 160, 200 und bis 500 GB ist auch schon mal ein Basislaufwerk an Bord, das neben dem System die wichtigsten Daten aufnehmen kann.

Die Leistung typischer Atom-CPUs von Netbooks liegt mindestens im Bereich des jüngsten Raspberry 3, lediglich schnellste Platinen wie Odroid XU4 oder Asus Tinker Board schneiden im CPU-Benchmark etwas schneller ab. 10 Jahre alte Notebooks sind meistens leistungsstärker als die ARM-CPUs von Platinen. Hinzu kommt auf Notebooks eine vergleichsweise üppige RAM-Ausstattung mit oft 4 GB (Raspberry 1 GB, Netbooks 1-2 GB).

Der Trend: Während der Raspberry-Hype etwas abflaut, ist der dadurch gewachsene Serverbedarf im Heimnetz ungebrochen. Die Home-Admins halten aber vermehrt Ausschau nach älteren, aber soliden Notebooks und Netbooks als Hardware-Basis für den Linux-Server.

Netbooks: Ideal für Nebenrollen

Netbooks hatten 2007 bis 2010 eine kurze Blütezeit, die durch noch handlichere Tablets ab 2010 jäh beendet wurde. Hardwaretechnisch sind die kleinen Geräte komplette PCs, die aber für den Preis von etwa 250 bis 450 Euro gezielt mit kostengünstigen, leistungsschwächeren und stromsparenden Komponenten bestückt wurden. Typisch sind stromsparende Intel-Atom-CPUs (seltener Celeron) mit bis zu 1,66 GHz, 1 GB RAM (seltener 2 GB), drei USB-2.0-Ports, Fast-Ethernet, WLAN (802.11n), Audio-Chip (Mikro-Eingang und Lautsprecher-Ausgang), Kartenleser, kleines Display mit der Auflösung 1024×600 sowie VGA-Ausgang für einen sekundären Monitor (auch Dual-Monitor-Betrieb). Die mechanische Festplatte bietet meistens 160 bis 250 GB. Netbooks arbeiten zwar nicht lüfterlos, sind aber in Regel sehr leise – leiser als Notebooks. Der Stromverbrauch liegt auch bei Hochlast unter 20 Watt, im Leerlauf unter 10 Watt.

Mit diesen Eigenschaften erreicht oder schlägt ein altes Netbook die meisten aktuellen Platinenrechner. Der Fast-Ethernet-Durchsatz (100 MBit/s) lässt sich mit der Investition in einen USB-to-Ethernet-Adapter zusätzlich verbessern. Der Delock Adapter (ca. 21,50 Euro etwa bei www.reichelt.de) mit schnellem USB 3.0 und schnellem Gigabit-Ethernet kommt am USB-2.0.Port eines Netbooks immerhin auf 300 MBit/s – das entspricht dem gleichermaßen gebremsten Gigabit-Netzadapter beim jüngsten Raspberry 3 B+.

Als komplette Arbeits-Desktops werden Netbooks trotzdem nicht befriedigen. Zum Surfen kann aber ein solches Gerät noch genügen, wenn am Desktop gespart, also etwa ein Lubuntu (www.lubuntu.net) oder Bunsenlabs (www.bunsenlabs.org) gewählt wird. Zudem empfiehlt sich als Webbrowser ein Leichtgewicht, das vielleicht nicht alles kann, aber dafür schnell ist. Falkon (Qupzilla) ist hier ein sehr guter Kompromiss und in allen Standardpaketquellen verfügbar – entweder als Paket „falkon“ oder zumindest als Vorgängerpaket „qupzilla“.

Noch besser eignen sich solide Kandidaten wie ein Asus EEE für kleine Serverrollen im Netzwerk. Flaschenhals für den Dienst als Dateiserver ist USB 2.0: Mit dem bereits erwähnten USB-to-Ethernet-Adapter und damit erreichbaren 300 MBit/s sind aber Heimnetzansprüche in der Regel gut erfüllt. Überhaupt keine Gegenanzeigen gibt es, wenn das Netbook Aufgaben übernimmt, die kein hohes Datenaufkommen haben: Das kann etwa ein Mediawiki (benötigt komplettes LAMP-Paket mit Linux, Apache, Mysql und PHP, siehe www.mediawiki.org) oder ein Dokuwiki sein (benötigt Linux, Apache und PHP, siehe www.dokuwiki.org), das alle wichtigen Notizen, Adressen, Bilder im Heimnetz anbietet. Das kann aber auch eine Web-basierte Dokumentensuche mit dem Tool Recoll sein oder eine PDF-Bibliothek mit der Software Calibre.

Professionelles Renovieren („Refurbish“) von Netbooks scheint sich für Händler nicht zu lohnen. Gebrauchte Netbooks finden Sie praktisch nur über Ebay und private Kleinanzeigen. Die typischen Preise liegen zwischen 50 und 100 Euro. Beim Kauf eines gebrauchten Netbooks sollten Sie Atom-CPUs wie N270, N280 oder höher bevorzugen, ferner eine – allerdings seltene – RAM-Ausstattung mit 2 GB.

Homeserver für 200 bis 300 Euro: Dieses gebrauchte Thinkpad-Notebook L440 ist für etwa 200 Euro erhältlich und bringt alles mit, was ein schneller und zuverlässiger Linux-Server braucht.

Notebooks: Refurbished oder B-Ware als Datenserver

Mit soliden älteren Notebooks können selbst leistungsstarke Platinenrechner wie Odroid XU4 oder Banana Pro kaum mithalten. Neben den allgemeinen Vorteilen des Notebooks wie Display, Tastatur, Maus, Stromversorgung für USB kann das Notebook in der Regel die schnellere CPU und mehr RAM vorweisen. Lediglich der Stromverbrauch ist beim Notebook etwas höher: Nicht allzu alte Notebooks verbrauchen bis zu 25 Watt, sehr alte bis zu 40 Watt (Platinenrechner nur circa 4 bis 10 Watt).

Wer keinen Notebook-Oldie vorrätig hat, sondern ein gebrauchtes Gerät für eine Rolle als Datenserver gezielt erwerben will, sollte penibel auf die Input/Output-Komponenten achten. Ideal wäre USB 3.0 in Verbindung mit Gigabit-Ethernet. Fehlendes USB 3.0 lässt sich kaum kompensieren, langsameres Fast Ethernet (100 MBit/s) hingegen relativ leicht durch einen externen USB-to-Ethernet-Adapter mit Gigabit-Leistung.

Gute gebrauchte Notebooks, die alle diese Voraussetzungen mitbringen und sich mit i3-CPU aufwärts und 4 GB RAM aufwärts für Serveraufgaben ideal eignen, kosten typischerweise 150 bis 300 Euro. Solche Notebooks bieten viele Fachhändler an – zum Teil B-Ware mit leichten Mängeln, ferner Vorführgeräte sowie fachmännisch renovierte („refurbished“) Gebrauchtgeräte. Besonders zu empfehlen sind nach unserer Erfahrung die unverwüstlichen Thinkpads von Lenovo, ferner auch Pro Books oder Elitebooks von HP. Andere HP-Serien wie Pavilion sind hingegen qualitativ allenfalls ausreichend. Dell-Notebooks werden im Server-Dauerbetrieb gerne zu heiß.

Eine größere Auswahl finden Sie bei folgenden Händlern (Stand: Anfang 2019):

www.amazon.de (z. B. „Thinkpad gebraucht“ ab 150 Euro)

www.conrad.de („Refurbished“ oder „Vorführware“ ab 199 Euro)

www.pollin.de („Refurbished“ ab 229 Euro)

www.itsco.de/notebooks („B-Ware“ ab 179 Euro)

www.gebrauchtcomputer24.de/ (ab 89 Euro)

www.luxnote-hannover.de (ab 199 Euro)

www.esm-computer.de (ab 219 Euro)

Wer auf die Sicherheit, die der Kauf bei einem Händler bietet, verzichten kann, wird bei Ebay und Co noch günstigere Angebote finden.

Beachten Sie, dass der größte Schwachpunkt gebrauchter Notebook für den Einsatz als stationärer Linux-Server keine Rolle spielt – der Akku nämlich. Wenn Netbooks oder Notebooks im Dauerbetrieb an der Steckdose hängen, können Sie den Akku komplett entfernen. Das verringert auch den Stromverbrauch, weil das Gerät dann keine Veranlassung mehr hat, den Akku nachzuladen. Das Display, das ebenfalls nur eine Nebenrolle spielt und auch mit Pixelfehler für einen Server taugt, sollte per Funktionstasten so dunkel wie möglich eingestellt werden.

Ältere Platinenrechner, PCs und NUCs

Sieben Jahre nach dem ersten Raspberry Pi werden die Nachteile von Einplatinenrechnern deutlich: Sie sind nicht skalierbar und veralten rasend schnell. Wer von Anfang an mitgespielt hat und mehrfach auf leistungsstärkere Nachfolger oder Alternativplatinen umgestiegen ist, hat jetzt vermutlich die eine oder andere Platine in der Schublade, mit der sich nichts Ernsthaftes mehr anstellen lässt. Im Vergleich zu aktuellen Platinen sind die frühen Einkerner mit 512 MB RAM, langsamen Ethernet und fehlendem WLAN bestenfalls noch Bastlermaterial. Wer nicht gerne und hobby-mäßig mit Platinen experimentiert, sondern einfach eine nachhaltige Server-Hardware betreiben will, fährt vermutlich mit einem älteren Netbook, Notebook oder Intel NUC besser.

Schlecht steht es auch um die Verwertbarkeit älterer PCs: Die Größe spricht ebenso gegen einen Einsatz im Wohnzimmerschrank wie die typischen Betriebsgeräusche durch alte Lüfter und Festplatten. Außerdem verbrauchen alte wie neue Tower-PCs typischerweise 50 bis 100 Watt pro Stunde (ohne Monitor) und sind damit per se keine idealen Kandidaten für den Dauerbetrieb. Wenn diese Kriterien für Sie keine Rolle spielen, stellen sich immer noch die üblichen Fragen zur Tauglichkeit von CPU, RAM und I/O-Schnittstellen.

Die für den Servereinsatz attraktiven Mini-PCs der Sorte Intel NUC oder Zotac Zbox sind bei kommerziellen Händlern noch kaum anzutreffen. Auf Ebay und privaten Kleinanzeigen müssen Sie bei dieser Geräteklasse besonders genau verifizieren, ob das angebotene Gerät ein Laufwerk und RAM-Bausteine mitbringt.

HDT: Der Hardware-Check

Wer ein gebrauchtes Notebook gekauft oder ein altes Netbook aus dem Keller gekramt hat, muss erst einmal wissen, welche Hardware in diesem Gerät tatsächlich steckt. Was leistet die CPU tatsächlich, wieviel RAM steckt auf dem Motherboard? Funktioniert die Festplatte noch und wie groß ist sie? Dafür nutzen Sie am besten das Hardware Detection Tool (HDT, http://hdt-project.org). Falls das Gerät kein optisches Laufwerk besitzt, können Sie HDT im Handumdrehen mit

sudo dd if=hdt-0.5.2.img of=/dev/sd[x]

oder unter Windows mit dem Win 32 Disk Imager auf einen USB-Stick kopieren.

In HDT verwenden Sie vorzugsweise den „Menu mode“. Dieser zeigt unter „Summary“ schon mal das CPU-Modell mit Angabe über 32 oder 64 Bit sowie die aktuelle RAM-Kapazität. Genauer wird es unter den Kategorien „Processor“ und „Memory“, die sich mit den Cursortasten ausklappen lassen. Unter „Processor“ erscheinen das CPU-Modell, ferner die Architektur-Info („x86_64“ – „Yes“ oder „No“) sowie alle CPU-Eigenschaften als „Flags“ („pae“, „mmx“ etc.). Infos zu internen Festplatten liefert HDT unter „Disks“,

Fast noch wichtiger für die Tauglichkeit als Datenserver sind aber die Angaben unter „PCI-Devices“: Sie informieren über Grafikkarte, Soundchip, Ethernet (Fast oder Gigabit?), WLAN-Chip (altes 801.11g, brauchbares 801.11n oder sogar aktuelles 801.11ac?). Ein K.O.-Kriterium ist ferner die USB-Version. Wenn das Altgerät optimales USB 3.0 anbietet, erkennen Sie das schon äußerlich leicht an den blauen USB-Buchsen. Ob jedoch tolerierbares USB 2.0 vorliegt oder inakzeptables USB 1.x, ist äußerlich nicht erkennbar und auch unter HDT nicht ganz eindeutig zu ermitteln: Was HDT unter „PCI-Devices“ für den „USB (Host) Controller“ anzeigt, ist oft erst anhand der gezeigten Produkt-IDs zu recherchieren. Allgemein indizieren unter HDT die Abkürzungen „OHCI“ eine USB-Version 1.1, „EHCI“ Version 2.0 und „XHCI“ Version 3.0. Ganz eindeutig ist dies nicht, da auch Bezeichnungen wie OHCI2 auftauchen, was dann immerhin für USB 2.0 spricht.

Wissen, was drinsteckt: Das unabhängige, bootfähige Tool HDT (auf Heft-DVD) analysiert die komplette Hardware.

32- oder 64-Bit-CPU? PAE oder Non-PAE?

Wie Sie einem Rechner Informationen über die CPU-Architektur und die CPU-Eigenschaften entlocken, erklärt der obige Abschnitt „HDT: Der Hardware-Check“. Hier geht es um die Konsequenzen dieser Recherche.

Im Prinzip ist ein 32-Bit-Prozessor kein K.O.-Kriterium. Es gibt immer noch viele prominente 32-Bit-Systeme wie Lubuntu/Xubuntu 18.04/18.10 oder Debian 9.0.5. Auch Ubuntu 18.04 Server ist als 32-Bit-Variante zu finden (http://cdimage.ubuntu.com/netboot/bionic/). Spezialisten für ältere Hardware und damit allesamt auch in 32-Bit-Ausführung verfügbar sind Antix (https://antixlinux.com), Q4-OS (https://q4os.org/) und Bodhi Linux (www.bodhilinux.com). Im Umfeld von Linux-Distributionen erkennen Sie 32-Bit-Varianten an der Kennzeichnung „i386“ und 64-Bit-System an „amd64“, was in diesem Fall keine Einschränkung auf AMD-CPUs bedeutet.

Auch ein fehlendes PAE-Flag ist kein K.O-Kriterium: PAE steht für Physical Address Extension und befähigt 32-Bit-CPUs, mehr als 3,2 GB Arbeitsspeicher zu nutzen. Fehlt dem Prozessor diese Eigenschaft, kann Linux normalerweise nicht starten. Es gibt aber immer noch Distributionen mit einem speziellen Non-PAE-Kernel. Von Bodhi Linux 5.0 gibt es unter (https://sourceforge.net/projects/bodhilinux/files/5.0.0/) ein ISO-Image mit dem Zusatz „legacy“. Antix 17.2 ist auf Altrechner spezialisiert und bietet konsequenterweise auch noch eine Non-PAE-Variante (https://antixlinux.com/download/).

So viel zur Theorie. In der Praxis halten wir Recycling-Experimente mit 32-Bit-CPUs und erst recht mit CPUs ohne PAE-Erweiterung für grenzwertig. Praktisch alle 32-Bit-CPUs und solche ohne PAE sind älter als 15 Jahre und lohnen sich kaum mehr für neue Aufgaben. Nennenswerte Ausnahmen sind die 10 bis 12 Jahre alten Netbooks mit Intel-Atom-CPUs, die zwar größtenteils mit 32 Bit arbeiten, aber für kleine Serverrollen durchaus genügen.

32-Bit-Linux auf 64-Bit-Hardware: Wo nicht mehr taufrische 64-Bit-Hardware vorliegt, müssen Sie nicht unbedingt ein 64-Bit-Linux installieren. Die Vorteile von 64 Bit kommen erst bei mehr als vier GB RAM zur Geltung. Daher empfehlen wir für 64-Bit-CPUs und einer RAM-Ausstattung bis zu 4 GB 32-Bit-Systeme, die mit RAM und Datenträger sparsamer umgehen.

Viel RAM und 32-Bit-Linux? Das folgende Sonderproblem sollten Sie kennen, auch wenn es in der Praxis selten auftreten dürfte: Ein 32-Bit-Linux kann zwar per PAE (Physical Address Extension) mehr als 4 GB RAM nutzen, jedoch muss man jenseits von 8 GB RAM mit einer irritierenden und dramatischen Verlangsamung aller Festplattenzugriffe rechnen. 32-Bit-Systeme schalten den Festplattencache nämlich paradoxerweise ab, wenn mehr als 8 GB RAM vorhanden sind. Abhilfe schafft eine künstliche Begrenzung auf 8 GB in der Datei „/etc/default/grub“:

GRUB_CMDLINE_LINUX_DEFAULT="quiet splash mem=8G"

Besser als diese Maßnahme ist bei solcher Speicherausstattung natürlich die Wahl eines 64-Bit-Systems. Das Dilemma, auf einem Rechner mit 16 GB RAM ein 32-Bit-System wählen zu müssen, weil noch eine 32-Bit-CPU vorliegt, dürfte sich kaum ergeben.

Distributionen ohne Risiko: Lubuntu und Mint MATE

Wenn Sie ältere Hardware pragmatisch, schnell und ohne Lernaufwand wiederbeleben möchten, ist Lubuntu oder Antix Mate erste Wahl: Lubuntu läuft notfalls schon mit 256 MB RAM, bei besser ausgestatteten Rechnern nimmt sich dieses System etwa 300 MB ab Start, als CPU reicht ein Pentium III.

Beide Systeme sind nicht nur sehr genügsam, sondern bieten durch ihren konservativen Desktop mit Hauptleiste inklusive Startmenü jedem XP-Nutzer auf Anhieb eine neue Heimat. Es kommt hinzu, dass beide Distributionen eine zwar anspruchslose, aber vollständige Softwareausstattung mitbringen. Nach der Installation können Sie sofort loslegen.

Infos und Download zu Lubuntu: www.lubuntu.net

Infos und Download zu Antix: https://antixlinux.com

Anpassungen erwünscht: Xubuntu mit XFCE

Das nicht mehr ganz so schlanke Xubuntu sollte sich mit 512 MB RAM und einer CPU ab Pentium IV zufriedengeben. Auf besser ausgestatteter Hardware nimmt es sich aber ab Start bereits circa 400 MB. Für ordentliche Reserven bei der Software ist daher 1 GB RAM zu empfehlen – also noch im Rahmen der typischen Netbook-Ausstattung.

Xubuntu zeigt nach der Erstinstallation kaum Vorzüge gegenüber dem schlankeren Lubuntu oder Mint LXDE. Auch hier findet sich ein klassisches Anwendungsmenü in der Hauptleiste. Der exzellente und ausgereifte XFCE-Desktop zeigt seine Überlegenheit erst bei genauerem Hinsehen: Zum XFCE-Feinschliff gehört das zusätzlich nach Rechtsklick am Desktop stets verfügbare Anwendungsmenü oder das Drag & Drop von Dateien mit rechter Maustaste und folgendem Kontextmenü, wie Sie es unter Windows kennen. Im Hauptmenü unter „Einstellungen“ finden Sie zahlreiche Angebote, Themes, Dateimanager-Verhalten oder die Fensteroptik einzustellen. Die Anpassungsmöglichkeiten für Symbolleisten, Desktop und Dateimanager sind unerschöpflich detailliert, und dies nicht nur optisch. Xubuntu eignet sich besonders für etwas erfahrenere Nutzer, die sich die Oberfläche gerne optimal und individuell anpassen.

Infos und Download zu Xubuntu: http://xubuntu.org

Xubuntu 13.10
Ausgereiftes System für schwächere Hardware: Xubuntu mit XFCE lädt ein zur individuellen Anpassung und hat dabei etwas höhere RAM-Ansprüche als ein Windows XP.

Empfehlung für Bastler: Bodhi Linux

Auch Bodhi Linux basiert auf Ubuntu, davon sieht man aber nichts. Bodhi nutzt als Oberfläche die Eigenentwicklung Enlightenment 17 (E17). Hier wird es Hardware-technisch wirklich minimalistisch, nicht aber optisch-ästhetisch: Bodhi läuft angeblich schon mit 128 MB und einer 300-MHz-CPU. Auf unserem Test-Netbook mit einem GB RAM schlägt Bodhi nach der Anmeldung tatsächlich mit nur 103 MB zu Buche, mehr als 150 MB sind für das reine System auch im Dauerbetrieb nie zu messen. Mit 512 MB oder einem GB RAM hat Bodhi somit richtig Reserven für Browser und Anwendungen.

Was Bodhi noch spektakulärer macht: E17 ist ein ästhetisch ansprechender Desktop, der sich sogar noch verspielte Effekte leistet. Mit der „Einstellungskonsole“ lässt sich jedes winzige Detail der Oberfläche minutiös konfigurieren, Starterleiste „Engage“ und Hauptpanel „Shelf“ können Sie nach Belieben bestücken. Ein globales Startmenü ist beim Klick auf den Desktop jederzeit abrufbereit.

Bodhi hat leider auch Nachteile: So ist ein gemischtsprachiges System in Kauf zu nehmen, und die vorinstallierte Software bringt kaum das Mindeste mit. Neben Nachinstallationen muss der Bodhi-Nutzer auch Geduld mit einigen Ungereimtheiten in den unzähligen Einstellungsoptionen mitbringen.

Ein ganz großer Mangel: Der E17-eigene Dateimanager kann keinen LAN-Zugriff. Daher ist es erste Pflicht, einen zusätzlichen Dateimanager zu installieren. Hier kommen nicht beliebige in Frage, da etwa Nautilus oder Nemo die Desktop-Arbeitsfläche verändern und damit das E17-Design empfindlich stören. Es bietet sich der schlanke pcmanfm an (sudo apt-get install pcmanfm).

Infos und Download zu Bodhi Linux: www.bodhilinux.com
Zukunft und Weiterentwicklung von Bodhi Linux sind leider ungewiss. Die lange angekündigte Version 3.0 kam über den Status als Release Candidate nicht hinaus. Die Aufgabe des vielversprechenden Projekts wäre sehr bedauerlich.

Bodhi Linux
Unglaublich sparsam: Bodhi Linux begnügt sich mit 100 bis 150 MB und bietet trotzdem einen eleganten Desktop – ein System für Nutzer, die sich auf Neues einlassen und kleinere Mängel tolerieren.

Ausgereifter Minimalist: Puppy Linux

Puppy Linux spielt als spezialisierter Minimalist etwa in der Öko-Liga von Bodhi Linux und bietet dabei eine Reihe von Varianten. In erster Linie kommt Precise Puppy in Betracht, weil Sie damit die komplette Software der Ubuntu-Repositories nutzen können. Nach der Anmeldung benötigt das System circa 115 MB, als CPU genügt ein 400 MHz-Prozessor. Anders als Bodhi Linux sieht man Puppy, das primär für den mobilen Einsatz auf USB- und CD-Medien konzipiert ist, seinen Sparkurs deutlich an. Installation und Einrichtung setzen etwas Erfahrung voraus. Ungeachtet seiner pragmatisch-spröden Bedienung hat Puppy Linux 10 Jahre Entwicklung hinter sich und ist neben Bodhi Linux der reifere Minimalist.

Einen ausführlichen Beitrag zu den Puppy-Varianten bietet der Artikel Puppy-Systeme – klein und schnell

Infos und Download zu Puppy Linux: http://puppylinux.org

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Manjaro Architect

https://manjaro.org
Download ca. 600 MB (Installer – kein Livesystem

Der aus Deutschland stammende Manjaro Architect ist ein Installer für Bastler, die sich ihr System selbst maßschneidern wollen. Das Prozedere ist keine ganz große Herausforderung, aber etwas Basiswissen über Partitionen, Dateisysteme, Linux-Desktops und Kernel sollte man schon mitbringen. Da bei Manjaro Architect das Endergebnis offen ist, macht es hier keinen Sinn, Desktop-Eigenschaften oder Software-Ausstattung zu beschreiben. Vielmehr geht es um eine kurze Charakterisierung des Installers:

Nach dem Booten können Sie optional die deutsche Tastatur und Sprache einstellen. Danach wählen Sie den Eintrag „Boot: Manjaro.x86_64 architect“, melden sich auf der Konsole als „manjaro“ mit Passwort „manjaro“ an und starten mit der Eingabe „setup“ die Einrichtung. Der Installer arbeitet mit vorgegebenen Optionen und Auswahl mit Cursor- und Tab-Taste, ist also quasi halb grafisch (Ncurses-Basis), logisch vorbildlich, aber durchaus komplex.

Nach Auswahl der Sprache „German“ geht es im Hauptdialog zum ersten Punkt „1 Installation vorbereiten“. Hier sind nicht alle Unterschritte notwendig, aber mindestens „Konsolensprache einstellen“, „Festplatte partitionieren“ und „Partitionen einhängen“. Der schwierigste Punkt „Festplatte partitionieren“ zeigt mehrere Optionen, die das jeweils gewählte Kommandozeilentool starten. Auf unserem Test-Notebook mit einer Festplatte sda wählen wir ein Bios-Installation mit dem Tool cfdisk. Dabei muss das Partitionierungsschema (etwa „dos“ oder „gpt“) und ein Dateisystem gewählt werden (etwa „ext4“). Ferner wird die Größe des Swapfiles abgefragt. Die Zielpartition muss danach mit „Partitionen einhängen“ gemountet werden.

Zurück im Hauptmenü geht es zum nächsten Hauptpunkt „2 Desktop-System installieren“ – der eigentliche Hauptspaß, denn die hier gebotene Auswahl an Desktops, Kernel-Versionen, Kernel-Modulen (Netztreiber, Dateisysteme) und Software-Paketen baut ein System nach Maß. An Oberflächen bietet Manjaro Architect nicht weniger als 14 (!).

Vergessen Sie nach der Installation der Pakete nicht, den Grub-Bootloader zu installieren. Dies wird vom Installer als nächster Schritt angeboten und darf keinesfalls übersprungen werden. Weitere Schritte sind „Basis konfigurieren“ (root-Kennwort, weitere Konten, Hostname, fstab einrichten, Treiber etc.) und optionale „Tweaks“. Am Ende steht ein Arch-System nach Wunsch. Der Software-Bezug erfolgt am einfachsten über die grafische Zentrale „Software hinzufügen/entfernen“. Anpassungen und Optimierungen folgen den Standards des gewählten Desktops.

Manjaro Architect: Die Collage zeigt ein fertig installiertes Manjaro mit Cinnamon-Desktop und rechts oben den Hauptdialog des eigentlichen Architect-Installer.

Die Linux-Desktops

Die Linux-Vielfalt hat zwei Ebenen: Neben der Auswahl des System-Unterbaus steht auch noch die Entscheidung für eine bestimmte Oberfläche. Derselbe Unterbau kann viele Desktop-Gesichter haben, derselbe Desktop verschiedenen Systemen dienen.

Eine saubere Grenzziehung zwischen Distributions- und Desktop-Vielfalt ist schwierig bis unmöglich. Ubuntu hat sich je nach Standarddesktop unterschiedliche „Distributionsnamen“ wie Kubuntu oder Xubuntu gegeben, obwohl dabei nur ein anderer Desktop (KDE und XFCE) auf demselben Ubuntu arbeitet. Wenn sich eine Linux-Mint-Variante als „Linux Mint XFCE Edition“ bezeichnet, darf man die Frage stellen, wieviel „Mint“ noch drinsteckt, da doch ein Ubuntu bei Mint den Systemunterbau legt und Linux Mint sich primär durch seinen Stammdesktop Cinnamon definiert. Wie Mint definieren sich auch andere Distributionen wie Elementary OS, Solus oder Bodhi Linux hauptsächlich durch ihren Desktop. Die Entscheidung für einen Desktop gibt aber nicht nur die Systembedienung vor: Sie bestimmt maßgeblich die Hardwareansprüche an RAM, CPU, GPU sowie Reaktions- und Startgeschwindigkeiten. Ein nackter Ubuntu Server ohne Desktop konsumiert etwa 50 MB RAM, während ein Ubuntu mit KDE-Oberfläche (Kubuntu) schon ab Start das 15-fache fordert (750 MB). Die richtige Einschätzung, was ein Desktop kann und für welche Hardware er taugt, ist daher für die Wahl des richtigen Systems unverzichtbar.

Desktops und Distributionen

Ein Linux-System kann bekanntlich mehrere Desktops aufnehmen. Folglich sollte es möglich sein, Desktops wie einen Mediaplayer oder eine Office-Suite als unabhängige Software zu beschreiben. Tatsächlich ist aber die Verzahnung zwischen Systembasis und Desktop dann doch komplexer als bei einer beliebigen Anwendungs-Software:
1. Die Parallelinstallation von Desktopumgebungen ist ein erheblicher Systemeingriff, und längst nicht alle Desktops vertragen sich überall problemlos nebeneinander.
2. Eine Desktop-Umgebung ist mehr als der Desktop: Sie bringt ein mehr oder weniger umfangreiches Softwarepaket mit, mindestens mit Dateimanager und Editor, oft mit Audio-und Video-Player sowie PDF- und Text-Viewer.
3. Der mit der Distribution ausgelieferte Desktop ist in der Regel sorgfältig vorkonfiguriert und unterscheidet sich von einem nachinstallierten Desktop. Diese Vorkonfiguration erspart oft erheblichen Anpassungsaufwand.
Einsteiger, Anfänger, Pragmatiker fahren daher am besten, wenn sie eine Linux-Distribution mit ihrer angestammten und mitgelieferten Standardoberfläche wählen.
Die nachfolgende Tabelle nennt 16 populäre bis exotische Linux-Desktops in alphabetischer Abfolge. Die nachfolgenden Kurzbeschreibungen orientieren sich hingegen an der Verbreitung und beginnen mit der Prominenz.

Stammdesktop unter Hardware-Anspruch Flexibilität Merkmale
Budgie Ubuntu Budgie / Solus noch moderat mittel klar und übersichtlich, gewöhnungsbedürftige Seitenleiste
Cinnamon Linux Mint moderat hoch einfache, klassische Basisbedienung und sehr flexibel
Fvwm (nur optional, z. B. in Debian) minimal mittel minimalistisch
Gnome Ubuntu Gnome / Fedora hoch gering elegant, modern, einfach, aber gewöhnungsbedürftig
KDE Kubuntu / Open Suse hoch exzellent komplexes, aber gereiftes Konzept
LXDE Lubuntu / Knoppix gering mittel einfach, klassisch, funktional, altmodische Optik
LXQT (LXDE-Nachfolger) (nur optional, z. B. in Manjaro) gering mittel einfach, klassisch, funktional
Mate Ubuntu Mate moderat hoch einfache, klassische Basisbedienung und flexibel
Moksha (E17) Bodhi Linux sehr gering hoch exotisch bis konfus, aber klein und schnell
Openbox Bunsenlabs minimal mittel minimalistisch, Anpassung anspruchsvoll
Pantheon Elementary OS mittel gering sehr einfach, elegant, aber puristisch
Pixel Raspbian (Raspberry Pi) gering mittel relativ einfach und klassisch
Trinity Q4-OS sehr gering hoch komplexer KDE-3-Fork, altmodische Optik
Unity Ubuntu noch moderat gering sehr einfach, intuitiv
Wmii (nur optional, z. B. in Debian) minimal gering minimalistisch und exotisch – ohne Mausunterstützung
XFCE Xubuntu gering bis moderat hoch klassisch, ausgereift, flexibel, etwas altmodisch

 

Für anspruchsvolle Linux-Anwender: Das komplexe KDE bietet maximale Anpassungsfähigkeit und hat mit KDE Plasma 5 ein geradliniges Gewand bekommen.

KDE: Anpassungsfähig bis detailverliebt

Eine der dienstältesten (seit 1996) und populärsten Desktop-Umgebungen ist KDE, das sich mit Version 4 erfolgreich neu erfand. KDE ist eine opulente Oberfläche für aktuellere Rechner mit Mehrkern-CPU, Open-GL-fähigen Grafikchip und vier GB RAM. Der Desktop ist ideal für fortgeschrittene Nutzer, die detaillierte Anpassungsoptionen zu schätzen wissen.
Der Plasma-Desktop stellt die Arbeitsoberfläche bereit mit Mini-Programmen (Plasma-Widgets) und dem Window-Manager Kwin, der für Fensterdarstellung und Effekte sorgt. Standardmäßig befinden sich die KDE-Bedienelemente am unteren Bildschirmrand. Ganz links gibt es in der Standard-Konfiguration das K-Menü mit Kategorien und Suchfeld. Neben dem K-Menü liegen die Taskleiste und daneben die Kontroll-Leiste mit Mini-Programmen (Lautstärke, Network-Manager, Zwischenablage). Eine aufgeräumte Übersicht aller Optionen bieten die „Systemeinstellungen“ im KDE-Menü. Daneben enthält die KDE-Umgebung herausragende Software wie den Dateimanager Dolphin, den Bildbetrachter Gwenview oder die Bildverwaltung Digikam. Empfohlene KDE-Distributionen sind Kubuntu, Ubuntu KDE Neon und Open Suse Leap.

Gnome 3: Der moderne Desktop

Gemessen an der Zahl der Gnome-affinen Nachfolger (Unity, Mate, Cinnamon, Pantheon, implizit auch XFCE, LXDE, LXQT) ist Gnome der produktivste Linux-Desktop. Mit dem fast 20 Jahre alten Ur-Gnome hat heutiges Gnome 3 freilich nicht mehr viel gemein. Version 3 war ein radikaler Neuanfang, der bewährte Elemente über Bord warf. Das neue Gnome-Bedienkonzept ist modern, schick, funktional, aber reduziert. An den Grundfunktionen lässt Gnome kaum Eingriffe zu. Flexibilität erhält Gnome hauptsächlich durch externe Erweiterungen (https://extensions.gnome.org). Gnome ist ein Desktop für aktuellere Hardware mit Mehrkern-CPU, 3D-Grafik und vier GB RAM.
Obwohl Gnome auf Elemente wie das Startmenü verzichtet, findet sich jeder Einsteiger schnell zurecht. Als Umschalter und Programmstarter dient die Übersichtsseite „Aktivitäten“, die über die Windows-Taste oder über die linke obere Ecke erreichbar ist. Dort gibt es Schnellstart-Icons und das wichtige Suchfeld. Die „Einstellungen“ liefern ein aufgeräumtes Menü für allgemeine Optionen wie Sprache, Hintergrundbild und Hardwarekonfiguration. Weitere Optionen sind in der Extra-Anwendung Gnome-Tweak-Tool untergebracht. Empfohlene Gnome-Distributionen sind Ubuntu Gnome, Fedora, Manjaro Gnome.

Elegant und modern: Gnome 3 zeigt auf Windows-Taste oder aktive Ecke links oben diese Übersicht mit Fenster- und Arbeitsflächenansicht sowie dem Suchfeld.

Ubuntus Unity: Vereinfachtes Gnome 3

Unity, seit 2011 und bis vor kurzem die Standardoberfläche von Ubuntu, ist ein reduziertes Gnome 3. Das einfache Bedienkonzept versteht jeder Nutzer auf Anhieb, allerdings bezahlt der Unity-Anwender den intuitiven Bedienkomfort mit dem Preis geringer Anpassungsmöglichkeiten. Trotz einfach wirkender Oberfläche bleibt Unity ein Gnome 3 mit nur geringfügig geringeren Hardware-Ansprüchen (siehe dort).
Die Bedienung erfolgt über zwei Standardleisten, die Starterleiste links und das Hauptpanel oben. Die Starterleiste ist eine Kombination aus Taskleiste und Favoritenleiste: Sie zeigt die aktuell laufenden Programme und zusätzlich die Programmfavoriten. Das oberste Symbol mit dem Ubuntu-Logo öffnet das Dash – die Suchzentrale für Programme und Dateien. Das Hauptpanel am oberen Rand bietet das Sitzungsmenü sowie Indikatoren wie Zeitanzeige und Netzwerk-Manager. Im Gnome-Control-Center („Systemeinstellungen“) gibt es fundamentale Funktionen der Hardware- und Desktop-Anpassung. Zusätzliche Möglichkeiten bietet das Unity Tweak Tool, das nachinstalliert werden muss. Die einzige Distribution mit Unity als Standarddesktop war bis Version 17.04 die Ubuntu-Hauptedition.

Cinnamon: Der Mint-Desktop

Cinnamon ist seit 2011 als konservative Alternative zum modernen Gnome 3/Unity entwickelt worden. Über die Jahre reifte eine sehr attraktive Oberfläche, die viele Elemente der Windows-Welt aufgreift und auf optimale Anpassungsfähigkeit Wert legt. Die ältere Gnome-2-Basis macht sich noch in einigen altmodischen Details bemerkbar (Leistenbearbeitung), insgesamt ist Cinnamon aber so ansehnlich wie flexibel und vergleichsweise sparsam. Der Desktop läuft auch auf nicht mehr taufrischen Geräten und ist mit 2 GB RAM alltagstauglich.
Die Systemleiste enthält ein klassisches und anpassungsfreudiges Startmenü und typische Elemente wie Fensterliste, Netzwerk-Manager und Arbeitsflächenwechsler. Großzügig sind auch die Optionen, um die Optik an eigene Wünsche anzupassen. Moderne Fensterthemen und Hintergründe für die Arbeitsfläche sind mit wenigen Mausklicks geändert. Generell ist das Angebot der zentralen „Systemeinstellungen“ breiter als das der reduzierenden Gnome/Unity-Desktops. Cinnamon ist Standard unter Linux Mint, der Einbau in andere Distributionen ist möglich, aber nicht ohne Risiko.

Mate: Klassisch und flexibel

Mit Mate entstand ebenfalls 2011 in Ablehnung des modernen Gnome 3 ein weiterer Fork von Gnome 2. Mate ist seither eine weitere Alternative für Anwender, die einen traditionellen Desktop bevorzugen. Die Oberfläche erhielt trotz althergebrachter Bedienkonzepte ein modernisiertes Äußeres und reicht an die Anpassungsfähigkeit von Cinnamon heran. Dabei gehört Mate zu den sparsamen Desktops und kommt notfalls ohne 3D-Grafikchip und schon mit 1 GB RAM aus.
Die wesentlichen Elemente der Arbeitsfläche sind die Leisten, die sich mit diversen Applets füllen und per Rechtsklick im Detail konfigurieren lassen. Die Systemeinstellungen heißen hier „Kontrollzentrum“, das alle Optionen zu Aussehen, Verhalten, Hardware-Einstellungen, Autostart-Programmen in einer aufgeräumten Übersicht zusammenfasst. Bekannteste Distribution mit Mate ist Ubuntu Mate, jedoch gibt es inzwischen von fast allen namhaften Distributionen eine Mate-Edition (Linux Mint, Debian, Fedora u. a.).

Klassisch und anpassungsfreudig: Mit dem Mate-Desktop lebt die Oberfläche von Gnome 2 in einer modernisierten Variante weiter.

XFCE: Linientreuer Klassiker

XFCE („X-Face“) gehört seit 1996 mit KDE und Gnome zu den Urgesteinen der Linux-Desktops, hat sich aber im Gegensatz zu diesen stets geradlinig entwickelt und nie revolutioniert. XFCE ist etwas angestaubt, aber perfekt für Nutzer, die klassische Elemente schätzen und selbst Hand anlegen mögen. Die funktionalen wie optischen Möglichkeiten sind umfassend, die Bedienung gelegentlich altmodisch, aber überall ausgereift und logisch. Nicht zuletzt hat XFCE bescheidene Ansprüche an die Hardware – 1 GB RAM ist üppig, ein 3D-Grafikchip nicht erforderlich.
Mit dem Dateimanager Thunar hat XFCE einen der wenigen seiner Art an Bord, die ein Drag & Drop von Dateien mit rechter Maustaste mit Kontextmenü beantworten. Im Konfigurationszentrum („Einstellungen“) sind alle Basics wie Monitor-Einstellung, Benutzerverwaltung, Themes, Fensteroptik oder Treibersuche. Hauptmenü („Whisker“) und Symbolleisten von XFCE sind eine lohnende Spielwiese: Es gibt diverse vorgegebene Elemente wie Arbeitsflächenumschalter, Sitzungsmenü („Aktionsknöpfe“) oder eine Mini-Kommandozeile. Auch bei Aussehen, Größe, Farbe, Transparenz oder Ausblendverhalten lassen XFCE-Panels keine Wünsche offen. Praktisch alle Distributionen bieten eine Variante dieses Klassikers. Ein sorgfältig konfiguriertes XFCE liefert etwa Xubuntu.

Xubuntu mit angepasstem XFCE-Desktop

LXDE/LXQT: Schlank und komplett

LXDE zeigt seit über 10 Jahren, dass ein kompletter Desktop keine Gigahertz-CPU braucht und dass 512 MB eine Menge Speicher sein können. Die funktionale Oberfläche benötigt inklusive System nur gut 150 MB. LXDE kombiniert für das Ziel einer möglichst sparsamen Lösung heterogene Elemente wie den Window-Manager Openbox und eigene Komponenten wie Lxpanels (Leisten) oder Lxappearance (Optik-Konfiguration). Die per Voreinstellung oft unnötig spröde Optik ist durch individuelle Anpassung deutlich optimierbar. LXQT ist der Nachfolger von LXDE, der die Integration von Software mit jüngeren QT-Bibliotheken leistet. Bei LXDE folgen solche Programme nicht der systemweit eingestellten Fensteroptik. Einfachster Weg zu einem sorgfältig vorkonfigurierten LXDE ist die Distribution Lubuntu.

Moksha (E17): Der schnelle Exot

Enlightenment („E“, aktuelle Version ist E19) vereint minimale Hardwareansprüche mit ansprechender Ästhetik und exorbitanter Konfigurierbarkeit. Verwirrende bis konfuse Optionen erschweren allerdings den Zugang. Moksha, der Standard-Desktop unter Bodhi Linux, hat als Fork von E17 etwas aufgeräumt, bleibt aber ein Desktop-Abenteuer. Die besonders schnelle und sparsame Oberfläche läuft auf älterer bis alter Hardware ohne 3D-Grafikchip und 512 MB bis 1 GB RAM.

Bodhi Linux mit angepasstem Moksah-Desktop

Trinity: Sparsames Retro-KDE

Trinity führt die längst eingestellte KDE-Version 3.5 als Fork weiter. Das Ergebnis ist eine schlanke Oberfläche, die allerdings im altbackenen Retro-Design daherkommt. Die Ansprüche des Desktops liegen etwa zwischen LXDE und XFCE. Hauptargument für Trinity ist die Tatsache, dass der KDE-Fork auch auf angestaubter Hardware die detaillierten Anpassungsoptionen eines KDE mitbringt. Unter den prominenten Distributionen ist Trinity rar. Der einfachste Weg ist der Einsatz der Distribution Q4-OS, wo Trinity als Standard arbeitet.

Der Trinity Desktop zeigt ein altes KDE 3.5, das als Abspaltung (Fork) mit kleinen Verbesserungen weiterlebt und von Kubuntu-Entwicklern nebenher gepflegt wird.

Schönlinge und Puristen

Pantheon: Dieser Desktop ist Standard der Distribution Elementary OS. Der aufgeräumte und ästhetische Desktop mit Mac-OS-Optik zeigt nur Starterdock und Systemleiste und bietet nur fundamentale Einstellungsoptionen. Zielgruppe sind Software-orientierte Desktop-Nutzer, die ohne Ehrgeiz individueller Anpassung eine hübsche Oberfläche suchen.

Budgie: Technisch ambitionierter als Pantheon liefert diese Oberfläche neben der üblichen Systemleiste eine multifunktionale Seitenleiste. Entwickelt wird Budgie für die Distribution Solus, hat aber inzwischen als Ubuntu Budgie Einzug in die offiziellen Ubuntu-Varianten gefunden. Budgie hat Potential zum echten Cinnamon-Konkurrenten durch seine klare, kontrastive Benutzerführung.

Ubuntu Budgie: Der sehr ansehnliche und klare Desktop hat noch ein paar Reifemängel.

Openbox: Eigentlich ist Openbox nur ein alt-ehrwürdiger Window-Manager, ist aber über diese Rolle hinausgewachsen. Pures Openbox liefert am Desktop nicht mehr als ein simples Startmenü per Mausklick, mit Ergänzungen und Konfigurationstools wird daraus aber eine Arbeitsumgebung, die kaum mehr als 100 MB Speicher beansprucht. Die manuelle Einrichtung von purem Openbox ist mühsam. Ein sorgfältig vorkonfiguriertes Openbox liefert die Distribution Bunsenlabs „Deuterium“ auf Basis von Debian 8.

Fvwm-Crystal: Einer der ältesten Fenstermanager für Linux ist der „F Virtual Window-Manager“ (Fvwm). Dem originalen Fvwm von 1993 sieht man sein Alter deutlich an. Viel getan hat sich aber bei der Variante Fvwm-Crystal mit Taskleiste, Menü und virtuellen Arbeitsflächen. Trotz minimaler Ansprüche (unter 100 MB RAM) sieht Fvwm-Crystal mit Transparenz-Effekten schick aus. Eine fertige Distribution mit diesem Fenstermanager gibt es nicht, jedoch ist das Fossil noch als Paket unter Debian und Ubuntu erhältlich (fvwm-crystal).

Wmii: Wmii (Window-Manager Improved) geht grenzwertig noch als Fenster-Manager durch: Alle Aktionen zum Öffnen und Anordnen von Fenstern erfolgen per Tastatur. Der Hotkey Windows-Taste plus Eingabetaste öffnet ein neues Terminal, Windows-P einen Ausführen-Dialog. Fenster arrangiert Wmii nebeneinander oder in Spalten. Dieser minimalistische Ansatz ist sinnvoll, wo ein Linux-Rechner stets nur einige wenige Programmfenster anzeigen soll. Wmii ist unter vielen Distributionen unter gleichnamigem Paketnamen zu erreichen.

PIXEL: Dieser Desktop ist eine junge Entwicklung der Raspberry Pi Foundation. Er dient als verbesserter Ersatz für das bisher genutzte LXDE auf dem Raspberry-System Raspbian. Die Änderungen sind vorwiegend kosmetischer Natur.

Terminal- und Bash-Optimierung

Grafische Terminals und die darin laufende Kommando-Shell bieten reichhaltige Optionen, um sie optisch und funktional zu optimieren und zu individualisieren. Das ist zum Teil einfach, zum Teil knifflig. Die notwendigen Tipps finden Sie hier.

Dieser Artikel zeigt alle wichtigen Optionen, um das grafische Terminal, aber auch die virtuellen Konsolen und die SSH-Konsole so komfortabel wie möglich einzurichten. Nur Punkt 1 bezieht sich ausschließlich auf den Desktop und das grafische Terminalfenster. Alle anderen Punkte 2 bis 6 zur Bash-Optimierung gelten auch für SSH und für die Konsolen (Strg-Alt-F1 und weitere). Bei den grafischen Terminal-Emulatoren nehmen wir das Gnome-Terminal als Referenz, wie es in Ubuntu-Varianten und Linux Mint zum Einsatz kommt. Andere Terminal-Emulatoren wie etwa die „konsole“ unter KDE bieten ganz ähnliche Einstellungen, aber nicht immer an gleicher Stelle. Bei der Shell selbst, also dem eigentlichen Kommandointerpreter, gehen wir von der Bash-Shell aus, die praktisch überall Standard ist.

1. Das grafische Terminal

Terminals in Gestalt des Gnome-Terminal, Mate-Terminal, Xfxe4-Terminal oder Konsole (KDE) sind grafische Programme mit zahlreichen Einstellungen. Sie sind unabhängig von der Shell, die im Terminal läuft. Die Optionen und Optimierungen, die Sie dort vornehmen, haben daher mit der Bash-Shell zunächst nichts zu tun. Lediglich bei Farbeinstellungen für das grafische Terminal und solchen für die Bash-Shell gibt es Kombinationen, welche die Lesbarkeit und Übersicht fördern – oder eben nicht. Insbesondere engagierte Nutzer, die sich das Terminal optisch bestmöglich einrichten möchten, sollten sich beim Aussehen des grafischen Terminals farblich festlegen, bevor sie Ausgabefarben und Prompt der Bash-Shell optimieren.

Einstellungen und Profile: Das Gnome-Terminal zeigt im Menü „Bearbeiten“ die zwei Untermenüs „Einstellungen“ und „Profileinstellungen“. Beides sind benutzerspezifische Optionen: Was unter „Einstellungen“ festgelegt wird, gilt für jedes Terminal im aktuellen Konto. Die „Profileinstellungen“ erlauben darüber hinaus verschiedene Layouts, die man entweder im Gnome-Terminal selbst mit „Terminal -> Profil wechseln“ umschalten oder auch über Programmstarter schon beim Aufruf anwählen kann:

gnome-terminal --profile big_black

Ob Sie tatsächlich verschiedene Profile brauchen, ist Ihre Entscheidung. Das als „Unbenannt“ oder als „Vorgabe“ betitelte Standardprofil sollten Sie aber unter „Bearbeiten -> Profileinstellungen“ in jedem Fall bearbeiten. Die Registerkarte „Allgemein“ bestimmt die Größe des Terminalfensters über die Spaltenzahl (Breite) und Zeilenzahl (Länge) sowie die verwendete Schriftart. Beachten Sie, dass Sie das Terminal-Fenster unabhängig von der Schrift mit Strg-+ und Strg– skalieren können, in einigen Terminals auch mit Strg und mittlerer Maustaste. Die Registerkarte „Farben“ definiert die Farb- und Transparenzeinstellungen (in einigen Terminals auch als Extra-Registerkarte „Hintergrundtyp“). Wer Experimente mit eventuell kontrastarmen Ergebnissen vermeiden will, kann das Systemschema oder vorgegebene Schemata verwenden.

Unter „Bildlauf“ sollte der „Zeilenpuffer“ deutlich vierstellig eingestellt sein, damit Sie auch bei umfangreichen Dateilisten (find, ls, rsync) bis zum Beginn zurückblättern können.

Der allgemeinere Punkt „Bearbeiten -> Einstellungen“ spielt für die Terminal-Optik keine Rolle. Hier können Sie aber unter „Tastenkürzel“ die Hotkeys ermitteln oder neu bestimmen, die in Ihren Terminals gelten. Der Tipp, hier auch die Hotkeys für Kopieren (Strg-Shift-C) und Einfügen (Strg-Shift-V) auf gebräuchliches Strg-C und Strg-V umzustellen, ist zweischneidig, weil Strg-C in der Bash-Shell traditionell für den Abbruch des aktuellen Befehls reserviert ist.

Startparameter: Größe und Position des Terminals können Sie auch per Startparameter festlegen. Global und mit zusätzlicher Angabe der Fensterposition arbeitet der Parameter „–geometry“ (fast überall Standard: Gnome, KDE, XFCE, Mate):

gnome-terminal --geometry=120x24+1+1

Dies würde ein Terminal mit 120 Zeichen Breite und 24 Zeilen Länge in der linken oberen Ecke starten (1 Pixel von links, 1 Pixel von oben). Diesen Aufruf definieren Sie am besten in der globalen Verknüpfung „/usr/share/applications/gnome-terminal.deskop“ in der Zeile „Exec=“ mit root-Recht.

Neben dem schon genannten „–profile“-Schalter gibt es weitere Optionen via Startparameter, welche die grafischen Profileinstellungen nicht vorsehen:

gnome-terminal --zoom=1.4 --working-directory=/media/ha

Dies erhöht den Zoomfaktor um 40 Prozent und startet gleich im gewünschten Verzeichnis. Letzteres ist natürlich auch über die Bash-Shell leicht zu erzielen.

Terminal-Profile: Wer im Terminal verschiedene Profile anlegt, kann mit drei Mausklicks zu einer komplett anderen Darstellung wechseln.

2. Bash-Zeileneditor und History

Kaum ein Terminalthema klingt langweiliger als die Regeln des „line editing“ – also Texteingabe, Textbearbeitung, Autocompletion und Befehlssuche am Bash-Prompt. Es entscheidet aber fundamental darüber, wie viel oder wenig Sie tippen müssen – und „Tippen“ bedeutet hier ja meistens nicht das Schreiben von natürlicher Sprache, sondern von oft komplexen Befehlen oder gar von Escape- und Regex-Sequenzen.

Autocompletion: Lange Dateinamen müssen nicht getippt werden: Wenn Sie die ersten zwei, drei Buchstaben eingeben und dann die Tab-Taste drücken, ergänzt das Terminal den vollständigen Namen automatisch, desgleichen Ordnerpfade, sofern die eingegebenen Buchstaben stimmen (Groß- und Kleinschreibung beachten!).

History: Das Terminal vergisst nichts – jedenfalls nicht so schnell. Die Befehle werden im Speicher und dauerhaft in der ~/.bash_history gespeichert. Damit die Befehle über Sitzungen und Neustarts hinaus gesammelt werden, sorgt diese Anweisung:

shopt -s histappend

Diese werden Sie in jeder Standardstartdatei ~/.bashrc antreffen. Bei welcher Zeilenmenge Schluss sein soll, also die ältesten Einträge gelöscht werden, bestimmen folgende Variablen:

HISTSIZE=5000
HISTFILESIZE=5000

Auch diese stehen in jeder ~/.bashrc, wenn auch eventuell mit geringeren Zeilenangaben. „HISTSIZE“ ist die maximale Zeilenmenge im Speicher, „HISTFILESIZE“ die maximale Zeilenmenge in der Datei ~/.bash_history. Je höher die Zahlen, desto umfangreicher wird das Gedächtnis der Bash-Shell. Mit der Variablen

HISTCONTROL=ignoredups

können Sie verhindern, dass die History von Dubletten wimmelt: Bereits vorhandene, identische Kommandos werden dann nicht aufgenommen. Eine weitere Option, die History effizienter zu machen, ist der Ausschluss von Allerweltsbefehlen:

HISTIGNORE="ls:cd*:free"

Soviel zur Optimierung der History. Für die eigentliche, praktische Verwendung gibt es mehrere Möglichkeiten. Fast jedem Anwender bekannt ist das Zurückblättern zu den letzten Kommandos mit der Taste Cursor-oben, die den gewünschten Befehl wieder auf den Prompt holt. Eine systematische Suche bietet der Hotkey Strg-R: Nach Eintippen etwa von „tar“ erscheint der letztgenutzte tar-Befehl in kompletter Länge. Ist dieser passend, kann er mit Eingabetaste sofort ausgeführt oder mit Alt-Eingabetaste (eventuell auch Strg-Eingabetaste) zum Editieren auf den Prompt geholt werden. Ist der angezeigte History-Treffer nicht der passende, geht es mit Strg-R zum vorletzten und so fort.

Eine einfache Alternative oder auch Ergänzung zur Rückwärtssuche mit Strg-R ist eine Filtersuche mit der Taste Bild-oben. Nach Eingabe etwa von „tar“ befördert diese Taste den letzten, kompletten tar-Befehl direkt auf den Prompt, ein weiteres Bild-oben den vorletzten und so fort. Diese Suche funktioniert aber nur, wenn Sie Taste entsprechend belegen – und zwar in der Datei /etc/inputrc. Das Editieren erfordert root-Recht. Sie werden dort die beiden Zeilen

\"e[5~\": history-search-backward
\"e[6~\": history-search-forward

antreffen und müssen dort nur das führende Kommentarzeichen „#“ entfernen.

Zum Editieren vorhandener Zeilen, seien es selbst getippte oder aus der History gefischte, helfen Lösch- und Rücktaste, Pos1, Ende, Strg-Cursor-rechts/links (wortweise springen), Strg-K und Strg-U (Löschen nach und vor der Cursorposition, siehe dazu auch Punkt 4).

History-Filter: Mit dieser Einstellung in der Datei /etc/inputrc filtert die Bash nach Bild-oben/Bild-unten die Einträge, die mit dem bereits eingegebenen Teilbefehl übereinstimmen.

Hübsche Prompts sind hartes Handwerk. Ein funktionaler Prompt liefert aber automatisch Informationen, für die Sie sonst externe Systemwerkzeuge starten müssten.

3. Farben am Prompt und in Dateilisten

Der Prompt, also die Anzeige bei jeder Befehlseingabe, kann beliebige statische und dynamische Informationen anbieten, die Sie zur Orientierung erwarten. Die Prompt-Anzeige definieren Sie interaktiv zum Testen mit dem Befehl „PS1=‘…‘“. und dauerhaft in der Datei ~/.bashrc. Einige dynamische Variablen wie das aktuelle Verzeichnis, Datum oder Uhrzeit bietet der Prompt durch vordefinierte Escape-Zeichenfolgen selbst an, etwa „\w“ für das aktuelle Verzeichnis, „\u“ für das angemeldete Konto oder „\h“ für den Rechnernamen. Einfache Prompts sehen dann so aus:

PS1="\w => "
PS1="\u@\h:\w => "

Eine gute Infoquelle für alle Prompt-Optionen ist die Seite https://wiki.archlinux.de/title/Bash-Prompt_anpassen. Über die eingebauten Codes hinaus können Sie jede allgemeine oder selbst definierte Variable einfach mit „$Variable“ in die PS1-Definition setzen:

PS1="\w [$LOGNAME] => "

Mehr noch: Der Prompt kann sogar beliebige Befehle aufnehmen. Wir demonstrieren das mit einem Beispiel, das freilich als Prompt dauerhaft nicht praktikabel ist:

PS1="\nSPEICHERAUSLASTUNG: \n\$(free -m)\[\033[0m\]\n\n => "

Um Infos gegeneinander abzugrenzen, sind ferner Farbdefinitionen vorgesehen, die stets mit der Sequenz „\[\033“ starten. Ein komplexer Prompt wie

PS1="\n\[\033[47;30m\]\d, \A \[\033[41;37m\] \u on \H \[\033[47;30m\] MB free=$freemem \[\033[41;37m\] $CPU \[\033[40;37m\] [$timediff] \[\033[42;30m\] \w \[\033[0m\]\n"

ist praktisch unlesbar. Immerhin geht es Schritt für Schritt von einer Escape-Sequenz zur nächsten – „\n“ bedeutet einen Zeilenumbruch, „\[\033“ schaltet dann die Farben um, „\d“ setzt das Datum ein, „\A“ die Uhrzeit. Erläuternder Text oder Zeichen wie Komma oder Blank sind an jeder Stelle möglich, ferner auch Variablen mit „$“.Wichtig ist, Farbdefinitionen am Ende wieder zurückzusetzen

(*\[\033[0m\]“).

Die unsäglichen Farbsequenzen einerseits, die Variablen-Tauglichkeit des Prompts andererseits veranlassen Bash-Freaks, alle nötigen Codes in Variablen abzulegen (in der ~/.bashrc)

GREEN="\[\033[01;32m\]"

und dann als handlichere Variablen ($GREEN) in den Prompt einzubauen. Auch dies ist aber ein mühsamer Notbehelf, dem wir folgende Online-Hilfe vorziehen:

Easy Bash PS1 Generator: Ein nützlicher Helfer für farbenfrohe Prompts ist die Seite http://ezprompt.net/. Hier gehen Sie von ersten Position zur letzten durch, was der Prompt zeigen soll, und bestimmen für das jeweils markierte Element Vorder- und Hintergrundfarbe („FG“ und „BG“). Die einzelnen Elemente lassen sich auch nachträglich umsortieren. Im untersten Feld erscheint der zugehörige Code für die PS1-Variable, den Sie einfach kopieren, im Terminal einfügen und mit Eingabetaste testen. Wenn das Ergebnis passt, übernehmen Sie die Codezeile in Ihre Datei ~/.bashrc. Die Webseite deckt längst nicht alle Möglichkeiten des Bash-Prompts ab, liefert aber zuverlässig die heiklen Farbcodes.

Dynamische Infos durch Prompt_Command: Wenn Variablen Echtzeit-aktuell im Prompt landen sollen (etwa die CPU-Auslastung), dann muss diese Variable unmittelbar vor der Prompt-Darstellung ermittelt werden. Dafür bietet die Bash-Shell einen speziellen Service: Mit

PROMPT_COMMAND=[function-name]

definieren Sie eine Function der Datei .bashrc, die bei jedem Befehl in der Kommandozeile abgerufen wird. Da dies sehr oft geschieht, sollten Sie den Rechenaufwand in Grenzen halten. Ein Beispiel für einen selbstgebauten Prompt mit Echtzeitinfos aus einem Prompt_Command sehen Sie in der Abbildung auf dieser Seite.

Farbige Dateien und Ordner: Das Terminal stellt Dateitypen und Ordner standardmäßig in unterschiedlichen Farben dar. Wenn Sie bestimmte Farben ändern möchten, erstellen Sie mit folgendem Befehl eine persönliche Konfigurationsdatei im Home-Verzeichnis:

dircolors -p > ~/.dircolors

Die versteckte Datei .dircolors können Sie dann mit einem beliebigen Editor bearbeiten. So werden zum Beispiel Ordnernamen gelb gefärbt:

DIR 01;33

Die Einstellungen dieser eigenen Farbtabelle dominieren über die Standardeinstellungen. Die Farbcodes können Sie der bereits genannten Seite https://wiki.archlinux.de/title/Bash-Prompt_anpassen entnehmen. Achten Sie auf die Tatsache, dass solche Farbdefinitionen durch Umstellen der allgemeinen Terminalfarben (siehe Punkt 1) unter Umständen unlesbar bis unbrauchbar werden. Wer hier Zeit investiert, sollte an der allgemeinen Terminaloptik nichts mehr verändern.

Diese Seite erspart das Recherchieren der Farbcodes: Auf http://ezprompt.net/ stellen Sie sich die Basis des Bash-Prompts per Mausklicks zusammen.

4. Bash-Aliases und Bash-Hotkeys

Ohne in das Bash-Scripting einzusteigen, das dieser Beitrag weitestgehend ausklammert, können einfachste Alias-Kurzbefehle und (weniger einfache) Bind-Hotkeys die Effektivität der Bash-Shell enorm steigern.

Bash-Hotkeys: Mit Tastendefinitionen sollte man sparsam umgehen, damit der Durchblick nicht verlorengeht, jedoch sind einige Nachbesserungen sinnvoll und produktiv. So ist etwa beim Editieren am Prompt zwar das Löschen vor und nach der Cursorposition mit den Hotkeys Strg-U und Strg-K vorgesehen, aber nicht das Löschen der kompletten Zeile mit einem Hotkey. Folgende Bind-Kommandos

bind '“\C-l“:kill-whole-line'
bind '“\el“:kill-whole-line'

legen den internen Befehl „kill-whole-line“ auf die Hotkeys Strg-L und Alt-L. Die Strg-Taste ist mit „\C“ einzugeben, Alt mit „\e“. Dass bei Strg die Folgetaste mit Bindestrich abzugrenzen ist, bei der Alt-Taste hingegen nicht, ist kompliziert, aber nicht zu ändern.

Folgender Befehl

bind '"\e[15~":"xdg-open . \n"'

belegt die Funktionstaste F5 so, dass sie den Standarddateimanager mit dem aktuellen Verzeichnis auslöst. Die Funktionstasten sind mit „\e[nn~“ anzugeben, wobei die Ziffer „nn“ in der Regel den Wert plus 10 der tatsächlichen Taste benötigt. Im Zweifel kann der Befehl „read“ und anschließendes Drücken der Funktionstaste über die Ziffer „nn“ informieren.

Bind-Befehle können Sie interaktiv ausprobieren; sie gelten dann bis zum Schließen des Terminals. Für permanente Gültigkeit benötigen sie einen Eintrag in die Datei ~/.bashrc.

Aliases: Kurzbefehle können die schnelle Ordnernavigation vereinfachen oder komplexe Befehle abkürzen. Der Platz für Aliases ist wieder die Datei ~/.bashrc, und die Befehle werden in einfachsten Fällen so aussehen:

alias ini='$EDITOR ~/bashrc'
alias mc='mc /srv/dev-disk-by-label-Data /srv'
alias ll='ls -alF --group-directories-first'

Aliases entschärfen die interaktive Nutzung mächtiger Terminaltools erheblich. Ein Beispiel ist etwa folgendes Alias für den Find-Befehl:

alias fn='read -p "Dateimaske (z.B. *.pdf): " TMP; find . -type f -name "$TMP"'

Nach Aufruf des Kürzels fn werden Sie mittels „read“ nach der Dateimaske gefragt, die dann etwa „*.odt“ oder auch „2018*.jpg“ lauten kann (ohne Anführungszeichen). Diese Eingabe wird mit der Variable $TMP an find weitergereicht. Das Alias geht davon aus, dass man zuerst in das gewünschte Verzeichnis gewechselt hat, denn dort startet find seine Suche (Punkt nach „find .“).

Ähnlich übergibt hier

alias ft='read -p "Alter in Tagen (z.B. 7): " TMP; find . -type f -mtime "-$TMP"'

die Variable $TMP eine Zahl an find, das dann über den Schalter „-mtime“ alle Dateien ermittelt, die in den letzten Tagen erstellt wurden.

Hotkeys für die Bash-Shell: Mit bind können Sie Tasten und Tastenkombinationen neu definieren und Programme auslösen. „bind -P“ informiert über aktuelle Belegungen.

Weniger tippen und nicht über die Syntax nachdenken: Aliases machen komplexe Bash-Kommandos – wie hier find – deutlich komfortabler.

5. Ordnernavigation im Terminal

Verzeichniswechsel mit cd gehören zu den meistgenutzten Kommandos. Auch hier gibt es eine Reihe kleiner Optimierungen.
Die häufigsten Zielordner sind am besten über ein knappes Alias zu erreichen – etwa um nach

alias d = 'cd ~/Schreibtisch'

mit der Eingabe „d“ zum Desktop zu gelangen.
Eine effiziente Lösung für schnelles Springen in wichtige Verzeichnisse ist die Variable CDPATH. In ihr lassen sich mehrere Ordnerpfade speichern. Danach kann man überall mit „cd [Verzeichnis]“ in ein Unterverzeichnis eines der gespeicherten Verzeichnisse springen. Um also etwa den Pfad „/var/www/html“ in die Variable CDPATH aufzunehmen, geben Sie

export CDPATH='.:/var/www/html/'

ein. Danach wechseln Sie von beliebiger Stelle mit „cd htdocs“ und „cd logs“ in Unterordner von „/var/www/html/“. Die CDPATH-Variable lässt sich durch eine beliebige Anzahl weiterer Verzeichnisse erweitern – jeweils durch Doppelpunkt getrennt:

export CDPATH='.:~:/var/www/html/:/media/985c9fb3-14a6-449e-bec5-4666a283fbf4/'

Hier besteht der „CDPATH“ aus dem aktuellen Verzeichnis („.“), dem Home-Verzeichnis („~“), dem Webserver-Verzeichnis und einem Mountordner. Am Anfang sollte mit „.:“ immer das aktuelle Verzeichnis stehen, damit dieses die höchste Priorität behält. Für einen dauerhaften „CDPATH“ müssen Sie die Export-Anweisung in die Datei .bashrc eintragen.

Die meisten Nutzer verwenden cd für den Verzeichniswechsel, obwohl die Alternativen pushd und popd mehr Komfort bieten, vor allem dann, wenn es häufig von einem Ordner zum anderen und wieder zurückgehen soll. Daher sorgen folgende simplen Alias-Definitionen:

alias +='pushd'
alias _='popd'

dafür, dass sich die Bash-Shell nach „+“ das letzte Verzeichnis merkt. Mit „_“ kehren Sie danach umstandslos zurück zum letzten Verzeichnis. Das normale Minuszeichen („-„) ist als Alias-Kürzel nicht möglich.

Die Bash besitzt eine optionale Autokorrektur, um Vertipper bei Verzeichnisnamen auszubessern. Diese Autokorrektur ist standardmäßig abgeschaltet, erst diese drei Befehle schalten sie ein:

shopt -s direxpand
shopt -s dirspell
shopt -s cdspell

Danach wird die Shell den Eingabefehler

cd /ect/samba/

nach /etc/samba/ korrigieren und korrekt landen. Soll die Autokorrektur permanent aktiv sein, dann müssen die Befehle in die ~/.bashrc eingetragen werden.

Effiziente Navigationshilfe: Einträge wichtiger Verzeichnisse in die Variable CDPATH erlauben den direkten Ordnerwechsel quer über Verzeichnisstruktur und Laufwerke.

6. Die wichtigsten Terminaltools

Die Aufwertung der Shell durch externe Tools ist für SSH-administrierte Server unentbehrlich, für die virtuellen Konsolen im Falle des Falles sinnvoll und selbst am Desktop erwünscht. Der letztgenannte Aspekt gilt vor allem für Nutzer, die für Datei- und Verwaltungsaufgaben generell das Terminal bevorzugen.

Taskmanager Htop: Htop (mit gleichnamigem Paketnamen) zeigt beliebig detaillierte Infos zu allen laufenden Prozessen, CPU- und Speicherauslastung und Uptime. Es beherrscht sämtliche Kill-Methoden für randalierende Tasks. Über „F2 Setup“ lässt sich das Tool hinsichtlich Anzeigeinfos und Optik sorgfältig einrichten.

Dateimanager MC: Der Midnight Commander (Paketname „mc“) kann es mit jedem grafischen Pendant aufnehmen und dabei mit 256-Farben-Skins auch noch attraktiv aussehen („Optionen -> Appearance“). Voraussetzung dafür ist der Befehl „TERM=xterm-256color“ in der Datei ~/.bashrc.

Multiterminal Screen: Terminal-Multiplexer wie Screen (mit gleichnamigem Paketnamen) verwalten mehrere Terminal-Sitzungen in einem Fenster. Solche Tools sind auf der grafischen Oberfläche unnötig, aber alternativlos auf Servern, die per SSH verwaltet werden. Wenn Sie Screen starten, scheint gar nichts zu passieren. Um die Vorzüge zu erkennen, beginnen Sie am besten von vornherein mit einer Konfigurationsdatei ~/.screenrc im Home-Verzeichnis. Diese könnte etwa so aussehen wie in der nebenstehenden Abbildung. Hier werden beim Aufruf screen drei Terminals gestartet. Die „Caption“-Anzeige sorgt dafür, dass Sie in der Fußzeile über die geladenen Terminals informiert bleiben. Die Escape-Sequenzen für „Caption“ sind mühsam, aber unter www.gnu.org/software/screen/manual gut dokumentiert.

Fundamentaler Hotkey ist Strg-a, gefolgt von einer Kommandotaste: Strg-a und nachfolgendes n oder p wechselt zur nächsten oder vorherigen Konsole. Strg-a und c startet ein weiteres Terminal, Strg-d schließt das aktuelle. Ein wichtiger Hotkey ist außerdem Strg-a und Esc, weil Sie nur dann im Screen-Fenster mit Taste oder Maus in Listen scrollen können.

Datenträgerbelegung mit Ncdu: Ncdu (mit gleichnamigem Paketnamen) sortiert Verzeichnisse nach der enthaltenen Datenmenge und bietet eine sehr viel bequemere Festplattenanalyse als das Standardwerkzeug du. Denn Ncdu beherrscht wie ein Dateimanager die Navigation zwischen den Verzeichnissen und kann aktiv löschen. Die einzig wichtige Bedienregel, die sich nicht sofort erschließt, ist die Auswahl des Startordners. Ist Ncdu nämlich einmal gestartet, wird es in keine höhere Verzeichnisebene wechseln. Wenn Sie daher das komplette Dateisystem durchforsten wollen, sollten Sie ncdu mit

ncdu /

starten. Ncdu sortiert nach Ordnergrößen, kann aber mit Taste „n“ auch nach Namen sortieren, mit „s“ wieder nach Größe („size“).

Screen und seine Konfigurationsdatei: Das Tool screen macht die typische Terminalvermehrung bei Administratoren zur übersichtlichen Angelegenheit.

7. Befehle suchen

Bash-History mit Schlüsselwörter: Ein hübscher Trick, um interessante, aber seltener genutzte Befehle bei Bedarf schnell wiederzufinden, besteht in der Kommentierung der Kommandos durch Schlüsselwörter. Ein Beispiel:

lsblk -o name,fstype,uuid,size,owner,type,mountpoint,label,model # disk partition detail

Der interaktiv so eingegebene Befehl funktioniert wie gewohnt; alles ab dem Kommentarzeichen „#“ wird einfach ignoriert. Der Befehl landet aber inklusive Kommentar in der Datei ~/.bash_history. Folglich können Sie später in der History-Suche mit Strg-R ein Schlüsselwort wie „detail“ oder „partition“ eingeben, und die Suche wird Ihnen die Befehle mit diesem Kommentar anbieten. Die Wahl der Stichwörter ist dabei die anspruchsvollste Aufgabe: Sie sollten so assoziativ ausfallen, dass Sie bei späterer Suche die Sache schnell eingrenzen können – etwa durch Kategorien wie „task, folder, partition, disk, size, user, right, info, hardware“. Natürlich sind auch deutsche Kommentierungen möglich. Wer diese Möglichkeit nicht nur künftig, sondern rückwirkend nutzen möchte, kann seine .bash_history nachträglich mit solchen Kommentaren erweitern.

Exkurs: Falls Ihre Bash-Shell interaktive Eingaben mit Kommentarzeichen nicht akzeptiert, ist eine Standardeinstellung verstellt. Sie lautet „interactive_comments“ und kann bei Bedarf mit

shopt -s interactive_comments

in der Datei ~/.bashrc explizit aktiviert werden.

Apropos-Programmsuche mit Stichwort: Eine gewaltige Hürde bei der Verwendung der Shell ist die schlichte Frage, welches Kommando sich für welche Aufgabe eignet. Infoportale im Internet sind da oft enttäuschend: Alphabetische Listen sind denkbar unpraktisch, vollständige Bash-Referenzen definitiv nicht das, was man für eine schnelle Kommando-Recherche benötigt, und vorsortierte Präsentationen der „wichtigsten“ Befehle verzichten von vornherein auf Vollständigkeit.

Für eine grobe thematische Suche eignet sich der Befehl apropos, der die Datenbank der Man-Pages nach Stichworten durchsucht (identischer Befehl „man -k [Stichwort]“). So liefert apropos zumindest einen ersten Überblick:

apropos samba

Hier erhalten Sie alle Befehle, die im Zusammenhang mit Samba-Netzwerkfreigaben stehen. Mit dem Schalter „–and“

apropos --and file rename

ist ein UND-Suche nach mehreren Stichwörtern möglich.

Whatis: Was kann ein bestimmter Befehl? Whatis ist das Gegenstück zu Apropos: Es liefert für einen angegebenen Befehl genau dieselbe Kurzbeschreibung aus den Man-Pages wie Apropos. Während Sie also mit Apropos geeignete Programme für eine bestimmte Aufgabe suchen, fragen Sie mit Whatis ab, was ein bestimmtes Programm kann:

whatis diff

Wer einen systematischen Überblick über alle auf seinem System installierten Kommandozeilenprogramme erreichen will, kann diese mit

compgen -c

auflisten und diese Liste gleich mit whatis kombinieren:

for p in $(compgen -c|sort);do whatis $p >> liste.txt;done

Das Ergebnis ist eine Textdatei liste.txt mit alphabetischer Abfolge sämtlicher Systembefehle und jeweiliger Kurzcharakterisierung durch whatis.

8. Alternative Terminals

Wie Punkt 1 zeigte, geben die Standard-Terminals der Linux-Distributionen kaum Anlass, nach Alternativen zu suchen. Die gibt es natürlich: So ist Terminator (mit gleichnamigem Paketnamen) eine Fortentwicklung von Gnome-Terminal mit etlichen Zusatzfunktionen, die etwa den Textzoom mit Strg-Mausmitteltaste erlauben (wie die Konsole unter KDE) oder automatisches Ausblenden bei Fokusverlust. Weitere Funktionen fallen gegenüber dem Gnome-Terminal eher marginal aus.

Das Terminal Terminology (mit gleichnamigem Paketnamen) stammt aus dem Enlightenment-Desktop und ist so eigenwillig wie jener. Terminology entspricht weitgehend dem Gnome-Terminal, hält aber Spezialitäten bereit, die sich nach Rechtsklick automatisch einblenden. Die hier angebotenen Split-Funktionen sowie Kopieren und Einfügen per Mausklick erhöhen den Terminal-Komfort. Unter „Einstellungen“ gibt es weitere Raffinessen wie Hintergrundbilder. Trotz dieser Vorzüge ist Terminology insgesamt gewöhnungsbedürftig und hat auch Nachteile: Schriften-, Farbdarstellung und Zoomfunktion fallen gegenüber den Standard-Terminals ab.

Tilda und Guake: Diese Dropdown-Terminals haben kein interaktiv skalierbares Fenster und keine Titelleiste, sondern blenden sich in fester, aber exakt einstellbarer Größe nach Hotkey F1 (Tilda) oder F12 (Guake) ein und aus. Das Ausblenden kann auch automatisch bei Fokusverlust eingestellt werden, also durch beliebigem Klick außerhalb des Terminalbereichs. Die Einstellungen bieten Transparenz, Einblendanimation, Farbanpassung, Shell-Tabs, Suchleiste und vieles mehr. Im Fenster läuft die Bash – alle Bash-Einstellungen werden also übernommen. Für Terminal-Vielnutzer sind diese stets im Hintergrund wartenden Bash-Dauerläufer eine klare Empfehlung. Die Unterschiede zwischen Tilda und Guake sind marginal und letztlich Geschmackssache. Tilda und Guake sind über die gleichnamigen Paketnamen überall verfügbar.

Fish ist kein alternatives Terminal, sondern eine eigene Shell. Sie ist über den Paketnamen „fish“ überall verfügbar, die aktuellste Version über ein PPA (ppa:fish-shell/nightly-master). Fish bringt Farbe ins Spiel, macht selbständig ergänzende Angebote zu partiellen Eingaben und informiert bei Syntaxfehlern vorbildlich über Korrekturen. Ein Alleinstellungsmerkmal ist die Konfiguration im Browser nach diesem Befehl:

fish_config

Unter „colors“ und „prompt“ wählen Sie aus vorgegebenen Farbschemata und Prompts, und mit „Set Theme“ oder „Set Prompt“ übernehmen Sie das Ergebnis. Wichtig sind die „abbreviations“, da Sie damit Alias-Kurzbefehle anlegen können. Für Scripts verwendet Fish „functions“ mit eigener Syntax. Zielgruppe für die Fish-Shell sind Einsteiger, denen Fish den Terminal-Umgang zunächst in der Tat vereinfacht. Das Problem ist nur, dass sich Bedienung und Script-Konzept von den Standard-Terminals stark unterscheidet: Wer der Fish-Shell wieder den Rücken kehrt, fängt mit Gnome-Terminal & Co. sowie Bash praktisch wieder von vorne an.

Fensterlos und automatisch im Hintergrund: Das Dauerterminal Tilda kann sich in den Hintergrund verabschieden, wenn ein Desktop-Element außerhalb geklickt wird (Fokusverlust).

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True OS mit Datenschutz-Extra

True OS basiert auf Free BSD. Dieser Unix-Abkömmling hat viele Ähnlichkeiten mit Linux, aber auch signifikante Unterschiede. Zu den Besonderheiten von True OS zählen das Dateisystem ZFS und die portable Home-Verschlüsselung mit „PersonaCrypt“.

Auf http://distrowatch.com klopft in der letzten Zeit häufiger die Distribution True OS an die Top Ten. Ihre bisherige Top-Platzierung ist Platz 11, während sie bis vor ein, zwei Jahren noch unter „ferner liefen“ zu suchen war. Was ist dran an diesem System? Eine Frage, die ich an dieser Stelle gerne beantworte, zumal True OS ein schnelles Ausprobieren in einem Livesystem nicht vorsieht. Echtes Installieren ist unvermeidlich, um das System zu testen.

Download und Installation

Erste Informationen über True OS finden Sie auf der Projektseite: https://www.trueos.org/. Wer sich vorab detaillierter über die Hardware-Voraussetzungen und den Praxisalltag unter True OS informieren will, sollte einen Blick auf das Online-Handbuch https://www.trueos.org/handbook/trueos.html, das auch direkt über die Projektseite erreichbar ist. Aufgrund des Dateisystems ZFS sind für das an sich schlanke System etwa 4 GB RAM empfohlen, absolutes Minimum ist 1 GB.

Auf der Downloadseite https://www.trueos.org/downloads/ finden Sie Angebote aus dem Stable- und Unstable-Zweig (Stable empfohlen). Der Download des „Latest TrueOS Stable“ beträgt etwa 2,5 GB. Das ISO-Image schreiben Sie dann mit einem Tool Ihrer Wahl am besten auf eine DVD (Brasero unter Linux, Imgburn unter Windows). Eigentlich sollte auch ein USB-Stick als Installationsgerät funktionieren, jedoch war dies in unserem Fall weniger zuverlässig als das optische Medium.

Installer mit mäßiger Partitionierungshilfe: Die Einrichtung ist nichts für Anfänger. So fehlt etwa jeder Hinweis, dass eine MBR-Installation unter „Customize“ explizit eingestellt werden muss.

Wenn Sie den Zielrechner damit starten, erhalten Sie kein Livesystem, sondern einen reinen Installer. Neben der typischen Abfrage der Systemsprache geht es um die Entscheidung, ob eine grafische Oberfläche installiert und ein proprietärer Treiber für die Grafikkarte genutzt werden soll. Dann geht es zur Partitionierung: Wenn True OS die erste Festplatte „ada0“ nicht oder nicht in vollem Umfang übernehmen darf, ist der Klick auf „Customize Disk Settings“ erforderlich. Die Schaltfläche „Customize Disk Settings“ ist unbedingt auch dann notwendig, wenn True OS das alte MBR-Partitionierungsschema verwenden soll. Standardmäßig geht es von einer UEFI/GPT-Installation aus. Der hiermit gestartete „TrueOS Disk Wizard“ ist für Erfahrene akzeptabel, für Anfänger eher riskant. Wer Multiboot oder die umfassenden Pool- und RAID-Optionen von ZFS einrichten will, sollte unbedingt Erfahrung mitbringen und parallel das angesprochene Online-Handbuch benutzen.

Ersteinrichtung von True OS

Nach erfolgreicher Installation und dem ersten Start fordert das System ein Passwort für den Root-Zugang und danach ein erstes Benutzerkonto.

Die PersonaCrypt-Verschlüsselung: Schon bei Einrichtung des Erstkontos fällt die zweite Registerkarte „PersonaCrypt“ ins Auge, die auch später im „Usermanager“ für alle Benutzerkonten auftaucht. Es handelt sich um die optionale Verschlüsselung des jeweiligen Home-Verzeichnisses. Wie bei Linux-Systemen kann das Home-Verzeichnis geschützt werden, indem bei „Device“ die Option „On Disk Encryption (PEFS)“ gewählt wird. True OS kann aber an dieser Stelle mehr: Bei angeschlossenem USB-Datenträger wird dieser als „Device“ angezeigt und kann dann als Ziel für die verschlüsselten Dateien definiert werden. Das unter „PersonaCrypt“ eingegebene Passwort ist unabhängig vom Systempasswort, kann aber der Einfachheit halber auch identisch gewählt werden.

Im späteren Betrieb reagiert True OS auf PersonaCrypt-Konten wie folgt: Konten mit lokaler „On-Disk-Verschlüsselung“ werden am Anmeldebildschirm immer angezeigt, selbstverständlich auch alle Konten ohne jede Verschlüsselung. PersonaCrypt-Konten mit externen USB-Medien erscheinen jedoch nicht, sofern der Datenträger nicht angeschlossen ist. Mit anderen Worten: Die Anmeldung eines solchen Kontos ist nur möglich, wenn der Nutzer seinen Datenträger dabei hat und anschließt. Für die Anmeldung von PersonaCrypt-Konten sind immer zwei Kennwörter nötig – das Systempasswort und zusätzlich das Verschlüsselungspasswort.

Der Lumina-Desktop: Standardmäßig startet True OS seinen Stammdesktop Lumina. Diese Oberfläche ist keine Schönheit, orientiert sich aber mit Startmenü, Systemleiste und Rechtsklickmenü am Desktop weitgehend an geläufigen Standards. Über den Desktop-Rechtsklick und „Einstellungen -> Desktop Actions“ kann der Desktop als Ordner und Dateiablage genutzt werden. Wer es ganz minimalistisch haben will, kann am Anmeldebildschirm auch auf Fluxbox umstellen.

Das Software-Center: Die Software-Ausstattung ist standardmäßig ausreichend, aber eher spartanisch. Ihre Ausstattung ergänzen Sie recht komfortabel mit dem grafischen Paketmanager „AppCafe“. Ähnlich wie bei Ubuntu gibt es verschiedene Paketquellen, zwischen denen Sie über das Listenfeld in der Mitte wechseln. Stöbern Sie in den Kategorien oder suchen Sie gezielt nach Programmen. Viele der bekannten Linux-Klassiker wie Libre Office, VLC, Filezilla, MC oder Gimp sind auch in Versionen für True OS (Free BSD) zu bekommen. Auch alternative Desktops wie Mate oder XFCE sind verfügbar. Das „AppCafe“ bietet nicht den Umfang von Debian/Ubuntu-Distributionen, aber alles Wesentliche ist hier erhältlich.

Fazit: Viele Kompromisse

Das Hauptmotiv für True OS ist wohl nicht das mächtige Dateisystem ZFS mit vielen Server-relevanten Optionen für Festplattenpools und System-Snapshots. Vielmehr dürfte bestimmte Nutzer das ungewöhnliche „PersonaCrypt“ faszinieren: Die eigenen Daten sind unzugänglich, das maßgebliche Konto am Login-Bildschirm nicht einmal ersichtlich, solange der Nutzer nicht das passende USB-Gerät aus seiner Schublade holt und anschließt. Ob man solche Zwei-Geräte-Sicherheit als konsequente Datenschutzmaßnahme interpretieren oder doch überwiegend in der Ecke schmuddeliger Versteckspiele verorten will, überlassen wir dem Urteil des Lesers.

Deutlich ist, dass der Anwender für das eine oder andere interessante True-OS-Feature einige Kompromisse in Kauf nehmen muss: True OS kann weder beim Installer-Komfort noch bei der Hardware-Erkennung einem Debian/Ubuntu das Wasser reichen. Mit dem voreingestellten Lumina-Desktop gibt es dann eine allenfalls brauchbare Bedienoberfläche – selbst ein einfaches LXDE (auf Lubuntu oder Debian) kann da mindestens mithalten. Nebenbei ist das System kein Schnell-Booter und fordert, gemessen am grafischen Komfort, relativ viel Arbeitsspeicher (wegen ZFS).

Hier gibt es ein unverschlüsseltes Konto „hanna“ und ein verschlüsseltes Konto „klaus“, dessen Verschlüsselungsgerät vorliegt („Ready“). Die Anmeldung fordert zwei Kennwörter.

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