Archiv der Kategorie: Linux

Locate: Dateisuche

Schnelle Terminal-Dateisuche ist auf Servern unerlässlich, aber auch auf dem Desktop willkommen. Tool der Wahl ist aufgrund seiner Geschwindigkeit locate, das auf Ubuntu-Systemen mit

sudo apt install mlocate

schnell nachgerüstet ist. Das Paket enthält neben diesem Suchkommando locate auch das Indexierungstool updatedb. Damit die Dateiliste aktuell bleibt, muss je nach Rechnernutzung täglich oder auch häufiger der Befehl

sudo updatedb

ausgeführt werden. Das ist wieder ein Fall für einen Cronjob des root-Kontos (crontab -e):

0    10    *    *     *     /usr/bin/updatedb

locate sucht nur nach Dateinamen, aber ein Befehl wie

locate -A -i steuer 2020

liefert sofort alle passenden Dateien mit komplettem Pfad – auch bei sehr großen Datenbeständen. Die lästige Eingabe der fast immer notwendigen Parameter „-A“ (alle Wörter müssen im Dateinamen vorkommen) und „-i“ (Groß/Kleinschreibung ignorieren) können Sie sich mit einem Alias

alias loc='locate -A -i'

in der Datei ~/.bashrc ersparen.

Standardmäßig berücksichtigt locate keine USB-Laufwerke. Um dies zu ändern, muss in der Konfigurationsdatei „/etc/updatedb.conf“ nach „PRUNEFS=…“ (ausgeschlossene Dateisysteme) der Eintrag „usbfs“ gelöscht werden, und bei dieser Gelegenheit bei Bedarf noch weitere Eintäge dieser Zeile.

Locate-Statistik: Einige hunderttausend Dateien sind für das indexbasierte Tool keine beschwerliche Aufgabe. Die Ergebnisse einer locate-Namenssuche erscheinen sofort.

Cubic: Ubuntu live

Cubic (Custom Ubuntu ISO Creator) ist ein grafisches Frontend für die Linux-Fähigkeiten, in gemountete ISO-Images mit einer Chroot-Umgebung neue Dateien einzubauen und danach ein geändertes ISO zu schreiben. Der Schritt-für-Schritt-Assistent ist vorbildlich übersichtlich, erweitert die Standard-Live-Medien von Ubuntu & Co mühelos um Software und Benutzerdateien und baut optimierte Livesysteme. Detailliertere Anpassungen sind möglich, setzen aber auch mit Cubic gute Kenntnis der Verzeichnishierarchie des Livesystems voraus.

Wie auf der Porjektseite https://launchpad.net/cubic beschreiben, installieren Sie das Tool mit folgenden Terminalbefehlen:

sudo apt-add-repository ppa:cubic-wizard/release
sudo apt update
sudo apt install cubic

Nach dem Start geben Sie erst ein (beliebiges) „Project Directory“ an, wo Cubic das Livesystem zusammenbauen soll. Nach „Next“ und „Select“ wählen Sie zunächst das ISO-Image des originalen Livesystems. Weitere Änderungen sind in diesem Dialog nicht nötig und nach „Next“ wird das Dateisystem des ISO-Abbilds temporär ausgepackt.

Nach weiterem „Next“ wird es spannend: In chroot-Konsole können Sie jetzt alle Anpassungen erledigen. Mit apt install […] rüsten Sie alles nach, was dem originalen Livesystem nach Ihrer Meinung fehlt. Benutzer- und Konfigurationsdateien können Sie einfach per Drag & Drop vom laufenden System in die chroot-Konsole von Cubic ziehen und dann mit der „Copy“-Schaltfläche in das Livesystem integrieren. Beachten Sie dabei, vorher mit cd in der chroot-Konsole in das gewünschte Verzeichnis zu wechseln – genau dort werden die Dateien später vorliegen. Sie können auch mit mkdir Ordner erstellen, um das Livesystem zu optimieren. Im konkreten Beispiel des von uns gewählten Lubuntu lautet das Live-Konto „lubuntu“, jedoch existiert kein Home-Ordner für dieses Konto. Wenn Sie dieses mit

mkdir /home/lubuntu

anlegen, können Sie es mit weiteren Ordner bestücken (etwa „Desktop“, „Bilder“) und diese wiederum mit Benutzerdateien sowie Konfigurationsdateien füllen (.bashrc. etc), aber auch mit einer kompletten Thunderbird-Konfiguration. Um Ordner und Dateien richtig anzulegen, sollten Sie die Ordnerstruktur des originalen Livesystems gut kennen oder parallel vor sich haben. Mit „Next“ verlassen Sie die chroot-Konsole, mit weiterem „Next“ die Paketübersicht. Danach wird das angepasste System zusammengebaut. Das fertige ISO können Sie mit den üblichen Werkzeugen auf DVD brennen oder auf USB schreiben.

Trotz Beschränkung auf Ubuntu & Co ist Cubic aktuell das wohl komfortabelste Tool, um Livesysteme individuell aufzubessern. Das im nächsten Punkt beschriebene Systemback ist im Prinzip noch flexibler, wird aber nicht mehr aktualisiert und hat technische Hürden.

Cubic – der erste und der letzte Schritt: Das Tool schreibt angepasste Ubuntu-Livesysteme mit einem sehr übersichtlichen Schritt-für-Schritt-Assistenten.

Partitionen sichern und klonen

Die Livesysteme Clonezilla und Rescuezilla sichern Linux- oder Windows-Datenträger in komprimierte Abbilder und schreiben diese bei Bedarf wieder zurück. Dieser Ratgeber erklärt, wie Sie diese Werkzeuge nutzen und wo sich diese Aktion anbietet.

Rescuezilla und Clonezilla erledigen das Backup und Restore kompletter Datenträger oder ausgewählter Partitionen. Technische Basis ist bei beiden Tools das Kommandozeilenwerkzeug Partclone. Um die Verhältnisse vereinfacht zu skizzieren: Partclone ist ein Hardcore-Werkzeug, das sich allenfalls Profis für automatisierte Datenträgersicherungen zumuten. Auf der komfortablen Gegenseite steht das klickfreundliche Rescuezilla, das auch Einsteiger mit wenigen Schaltflächen übersichtlich durch die anspruchsvolle Aktion führt. Etwa in der Mitte steht das textbasierte Clonezilla, das – besser mit Cursortasten, Tabulator, Eingabe- und Leertaste statt mit Maus – etwas antiquiert zu bedienen ist, aber andererseits funktional unübertroffen bleibt.

Clonezilla wie das seit Ende 2020 voll kompatible Rescuezilla beherrschen neben verbreiteten Linux-Dateisystemen (Ext2, Ext3, Ext4, BTRFS, XFS, JFS, F2FS, Reiser FS, Reiser4) auch Windows- und Apple-Partitionen wie FAT, exFAT, NTFS und HFS+). Die Images können auf lokalen (USB-) Datenträgern und auf Netzwerkfreigaben gespeichert werden. Im Netz beherrscht Clonezilla alle Protokolle (Samba, SSH, NFS, Webdav), während Rescuezilla sich auf Windows/Samba-Freigaben beschränkt. Weitere Vorzüge von Clonezilla sind das direkte Klonen von Datenträger zu Datenträger, ferner die optionale Verschlüsselung der Imagesicherungen.

Clonezilla ist ohne Zweifel der Maßstab, Rescuezilla bleibt funktional auf eine Untermenge reduziert. Rescuezilla erfüllt aber die Ansprüche typischer Endanwender vollumfänglich, zumal einer Sicherung ins Netzwerk schon aus Geschwindigkeitsgründen meist lokales USB vorgezogen wird.

Rescuezilla
Rescuezilla bei der Auswahl des Quelle: Für ein Low-Level-Werkzeug bietet das Livesystem maximalen Komfort. Über Quelle und Ziel muss dennoch zweifelsfreie Klarheit bestehen.

Warum sichern oder klonen?

Für das Sichern von Partitionen oder ganzen Festplatten gibt es mindestens drei starke Motive:

Systemsicherheit: Trotz Reparaturmechanismen von Linux- und Windows-Systemen sind manche Havarien gar nicht mehr zu beheben oder nur mit unzumutbaren Rechercheaufwand inklusiver stundenlanger Fehlversuche. Eine nicht allzu altes Plattenimage bietet Systemsicherheit auch in aussichtlosen Situationen und verkürzt Reparaturen auf eine einzige zuverlässige Aktion.

Systemumzug: Wenn der Platz des Systemdatenträgers nicht mehr ausreicht, kann das komplette bisherige System auf einen größeren Datenträger geschrieben werden.

Systemexperimente: Betriebssystembastler und Sicherheitsexperten benötigen oft einen genau definierten Systemzustand etwa vor einer Treiber- oder Software-Installation oder vor einer experimentellen (Un-) Sicherheitsaktion.

Image-Sicherung versus Klonen

Sichern und Klonen sind zwei technisch klar unterschiedene Aktionen, wenngleich zweiteres im Prinzip nur eine Abkürzung bedeutet:

Image-Sicherungen erstellen große komprimierte Dateien wahlweise eines kompletten Laufwerks oder eines Laufwerks mit mehreren Partitionen oder nur einer bestimmten Partition eines Laufwerks. Sie können diese Dateien später zurückschreiben, um eine System-Havarie zu beheben oder um das System auf einen früheren und besseren Zustand zurückzusetzen. Da die Image-Dateien groß sind, sollten sie auf schnellen externen Laufwerken oder im Gigabit-Netz gespeichert werden. Images sind eine präventive Sicherheitsmaßnahme für den Fall einer späteren Hardware- oder System-Havarie. Trotz der unvermeidlichen Größe arbeiten Clonezilla und Rescuezilla platzsparend, indem sie freien Platz von Datenträgern nicht sektorweise mitsichern: Eine zur Hälfte belegte 240-GB-SSD wird also nur 120 GB Sicherungsplatz erfordern, und nicht einmal dies, weil zusätzlich gzip-Komprimierung zum Einsatz kommt.

Klonen bedeutet eine exakte Datenkopie eines Laufwerks direkt auf ein zweites Laufwerk. Daher wird man Klonen nicht primär als Sicherheitsmaßnahme einsetzen, da es stets einen zweiten – identischen oder größeren – Datenträger erfordert, der dann eventuell über Monate unbenutzt bleibt. Klonen ist vielmehr die einschlägige Maßnahme, um den bisherigen Datenträger durch einen neuen (meist größeren) zu ersetzen. Direktes Klonen funktioniert nur mit Clonezilla. Wer mit Rescuezilla klonen will, benötigt zwei Schritte – erst das „Backup“ des Datenträgers als Image und danach dessen „Wiederherstellung“ auf den anderen Datenträger.

Benutzerdateien und Vorbereitungen: Für die Sicherung von Benutzerdaten brauchen Sie kein externes Livesystem – dafür gibt es einfachere Methoden im jeweiligen Betriebssystem. Einschlägig sind Rsync und Tar unter Linux, Robocopy oder Xcopy unter Windows (sowie diverse grafische Frontends oder Alternativen). Angesichts dieser Tatsache wäre es für schnelle Imagesicherungen optimal, Benutzerdateien weitgehend fernzuhalten. Bei unseren Image-Aktionen hielt eine kleine SSD mit einem relativ frischen System und ohne nennenswerte Benutzerdaten den Rekord: Es war in drei Minuten auf USB gesichert und später in vier Minuten wiederhergestellt. Für ein Notebooksystem mit etwa 50 GB Benutzerdateien fiel bereits die zehnfache Sicherungs- und Wiederherstellungsdauer an. Da es bei der Imagesicherung um Boot- und Systemsicherheit geht, wäre eine strikte Trennung der Benutzerdaten optimal – etwa in einer expliziten Home-Partition, die nicht mitgesichert wird. Das wird sich nicht überall ideal realisieren lassen, aber wer notgedrungen ganze Film- und Musikarchive in die Imagesicherungen einbezieht, muss Geduld mitbringen.

Der Umfang einer Sicherung lässt sich aber in jedem Fall reduzieren. Unter Linux entfernen Sie unnötige Programmpakete und räumen den Paket-Cache auf:

sudo apt autoremove
sudo apt autoclean

Ein Tool wie Bleachbit kann weitere überflüssige Datenlasten entsorgen.

Unter Windows verwenden Sie die Datenträgerbereinigung mit der Option „Systemdateien bereinigen“, um temporäre Dateien, Update-Sicherungen oder gar den eventuell noch vorhandenen Ordner „Windows.old“ zu löschen (mit Vorversion). Beachten Sie unbedingt, Windows vor einer Imagesicherung über „Neu starten“ zu beenden, denn nach normalem „Herunterfahren“ erhalten Clonezilla oder Rescuezilla keinen Schreibzugriff.

Rescuezilla
Rescuezilla kann nur Samba/Windows-Freigaben, das dürfte aber den meisten Nutzern völlig ausreichen. Häufigstes Sicherungsziel sind vermutlich USB-Laufwerke.

Das einfache Rescuezilla

Rescuezilla ist der Nachfolger des eingestellten Redo Backup. Der circa 850 MB umfassende Download des ISO-Abbilds von https://rescuezilla.com/ kann mit den üblichen Mitteln (dd, Gnome-Disks, Etcher, Win 32 Diskimager) bootfähig auf USB-Stick kopiert werden. Es handelt sich um ein komplettes Ubuntu-Livesystem, das eine Basisausstattung einschlägiger Werkzeuge mitbringt wie Browser, Gparted, Gnome-Disks. Nach „apt update“ ist auch das Nachinstallieren zusätzlicher Programme möglich, allerdings nur temporär während der Laufzeit.

Im Zentrum steht das Tool Rescuezilla, das gemeinsam mit dem Desktop automatisch startet und die Image-Sicherung und Wiederherstellung mit wenigen Schaltflächen einfach macht. Im Prinzip gibt es nur „Backup“ und „Wiederherstellung“, die wir nachfolgend genauer beschreiben.

Exkurs zur dritten Option: Eine dritte Schaltfläche „Image Explorer“ ist neu und noch als „Beta“ charakterisiert. Ihre Funktion ist es, den Inhalt vorhandener Sicherungsabbilder in den Dateimanager zu mounten. Dies wäre eine signifikante Funktionserweiterung, weil sich dann gezielt einzelne Dateiobjekte aus einer Sicherung holen ließen, ohne das gesamte Image zurückschreiben zu müssen. Da Rescuezilla (und Clonezilla) die Abbilder aber gzip-komprimieren, ist die Wartezeit für die Dekomprimierung größerer Images aktuell kaum zumutbar. In unserem Test benötigte das Mounten einer kleinen SSD-Sicherung (60 GB) etwa 10 Minuten, das Anzeigen des Inhalts im Dateimanager unter „/mnt/rescuezilla.image.explorer“ sogar nochmal deutlich länger. Auch das anschließende Navigieren im Dateisystem des Abbilds ist unzumutbar zäh. Rescuezilla warnt daher bei dieser Funktion mit gutem Grund vor erheblichen Wartezeiten und kündigt für künftige Versionen ein anderes Kompressionsformat an, das schnellere Ergebnisse verspricht. Derzeit lohnt sich der „Image Explorer“ allenfalls dann, wenn Sie ganz genau wissen, welche Einzeldateien Sie aus dem Image zurücksichern müssen.

Das Backup: Im automatisch gestarteten Haupttool „Rescuezilla“ lädt die Schaltfläche „Backup“ den Assistenten zum Schreiben eines neuen Abbilds:

„Schritt 1“ ist die Auswahl des physikalischen Quell-Datenträgers, dessen Partitionen gesichert werden sollen. „Schritt 2“ ermöglicht erlaubt die Auswahl der gewünschten Partitionen auf diesem Datenträger. Wenn Sie nicht genau wissen, dass eine bestimmte Partition keine Sicherung braucht, dann übernehmen Sie hier alle angezeigten Partitionen, wie es der Standard vorgibt. Andernfalls besteht die Gefahr, dass Sie eine wichtige Bootpartition unterschlagen und damit später ein nicht bootfähiges System zurückschreiben.

In „Schritt 3“ markieren Sie das Backupziel. Dabei zeigt die Standardoption „Direkt an meinen Computer angeschlossen“ die internen Laufwerke sowie USB-Medien. Falls das Image auf einer Samba-Freigabe landen soll, aktivieren Sie oben die Option „Über das Netzwerk verbunden“. In diesem Fall geben Sie den „Server oder Freigabeort“ in dieser Form (also ohne Protokollangabe „smb“ oder ähnlich)

//[IP]/[Zielverzeichnis]

ein, also etwa „//192.168.178.20/Data/“. Falls Zugangsdaten erforderlich sind, lassen sich diese in den weiteren Zeilen ergänzen (Samba-Kontoname, Samba-Kennwort).

„Schritt 4“ sollten Sie bei der Vorgabe belassen. Es handelt sich um das Mount-Verzeichnis im Livesystem, wohin das eigentliche Backupziel gemountet wird. In „Schritt 5“ sollten Sie eventuell tätig werden, weil ein aussagekräftiger Sicherungsname die spätere Orientierung erleichtert. „Schritt 6“ zeigt eine Übersicht für die Aktion und nach „Weiter“ erfolgt in „Schritt 7“ die eigentliche Aktion.

Die Wiederherstellung: Die Schaltfläche „Wiederherstellen“ startet den Assistenten, der mit „Schritt 1“ zunächst das Laufwerk abfrägt, wo sich die Sicherung befindet. Wird das Laufwerk korrekt gewählt, zeigt „Schritt 2“ die vorhandene(n) Imagesicherung(en). Mit der passsenden Auswahl und „Weiter“ geht es in „Schritt 3“ zum Zieldatenträger. Hier dürfen keine Zweifel bestehen, weil dieses Laufwerk komplett überschrieben wird. Die Angaben sind mit Größe, Hersteller und Partitionsangaben aber vorbildlich präzise. Mit „Schritt 4“ folgt noch die Partitionsauswahl, wobei Sie wieder – wie beim Backup empfohlen – alle Partitionen übernehmen. Nach „Schritt 5“ mit Zusammenfassung und „Weiter“ startet die Wiederherstellung des Datenträgers.

Hübsche Rescuezilla-Funktion, aber kaum praxistauglich: Der Image-Explorer will den Zugang auf die Dateiebene in den Sicherungsimages ermöglichen, ist aber zu langsam.

Das mächtige Clonezilla

Anders als Rescuezilla hat das Livesystem Clonezilla keinen Desktop oder weitere Programme, sondern fokussiert sich ausschließlich auf seinen Spezialjob. Der Hersteller bietet im Downloadbereich von https://clonezilla.org/downloads.php mehrere Varianten. Wir empfehlen die oberste Option „alternative stable“, die auf Ubuntu basiert (aktuell „groovy“, also Ubuntu 20.10). Ohne Desktop und sonstige Tools wiegt das Livesystem nur etwa 350 MB und kann mit den üblichen Mitteln (dd, Gnome-Disks, Etcher, Win 32 Diskimager) bootfähig auf USB-Stick kopiert werden.

Im textbasierten Menü navigieren Sie mit Cursor- und Tabulatortasten und bestätigen „OK“ mit der Eingabetaste. Im allerersten Startschirm wählen Sie die erste Option „Clonezilla live“. Wenn Sie im Folgefenster „de-DE.UTF“ wählen, ist das Menü samt Erklärungen weitestgehend in deutscher Sprache. Im Folgefenster sollten Sie außerdem das Tastaturlayout auf „German“ setzen. Weitere Abfragen zur Tastatur beantworten Sie mit den Standardvorgaben. Danach laden Sie im Fenster „Starte Clonezilla“ das eigentliche Tool.

Das Backup: Wählen Sie im ersten Dialog die oberste Option „device-image“ und danach „local_dev“. Sie haben jetzt Gelegenheit, ein USB-Laufwerk anzuschließen. Drücken Sie die Eingabetaste. Clonezilla zeigt Ihnen die verfügbaren Laufwerke an. Warten Sie, bis das USB-Laufwerk erscheint, und drücken Sie dann die Tastenkombination Strg-C. Wählen Sie das Ziellaufwerk aus und danach ein Verzeichnis, in dem Clonezilla das Backup speichern soll. Gehen Sie mit den Pfeiltasten auf „Done“ und drücken Sie zweimal die Eingabetaste.

Wenn Sie ein Image im Netzwerk sichern wollen, wählen Sie statt „local_dev“ das gewünschte Netzwerkprotokoll – also „samba_server“ für Windows/Samba-Freigaben oder „ssh_server“ für eine Sicherung via SSH. Danach geben Sie die IP-Adresse des Servers an und die zugehörigen Anmeldedaten mit Kontoname und Passwort. Im Anschluss fahren Sie fort, wie bei einem lokalen Ziel beschrieben.

Verwenden Sie den Modus „Beginner Einsteiger“ und dann die Option „savedisk“, sofern Sie ein Abbild der gesamten Festplatte erstellen möchten. Dies ist im Zweifel immer zu empfehlen, weil Clonezilla dann alle Partitionen inklusive Bootmanager sichert. Dabei spielt es keine Rolle, ob Windows, Linux oder beide Systeme installiert sind. Die weitere Option „saveparts“ sichert nur einzelne ausgewählte Partitionen.

Vergeben Sie einen aussagekräftigen Namen für das Image. Anschließend wählen Sie die Festplatte oder Partition aus, die Sie sichern möchten. Bei den folgenden Dialogen übernehmen Sie die Voreinstellungen.

Die Wiederherstellung: Starten Sie Clonezilla mit den Optionen „device_image“ und „local_dev“ (bei lokaler Sicherung). Wählen Sie die Partition und das Verzeichnis aus, in dem ein zuvor gesichertes Image liegt. Gehen Sie auf „Beginner“ und dann auf „restoredisk“. Wenn Sie vorher einzelne Partitionen gesichert haben, verwenden Sie „restoreparts“. Clonezilla findet auf dem Backup-Medium alle Abbilder automatisch und präsentiert sie in einer Liste. Danach wählen Sie die Zielpartition aus, in die das Image zurückgeschrieben werden soll. Nach zwei Sicherheitsabfragen spielt Clonezilla das Backup zurück.

Eine Wiederherstellung aus dem Netzwerk läuft entsprechend ab. Hier wählen Sie aber statt „local_dev“ das passende Netzwerkprotokoll – also etwa „samba_server“ und geben danach die Anmeldedaten an.

Direktes Klonen: Beim Klonen spielt es keine Rolle, ob es sich bei Quelle und Ziel um Festplatten oder SSDs handelt. Wichtig sind nur die Datenträgergrößen. Wir gehen hier vom häufigen und einfacheren Fall aus, dass das neue Zielmedium gleich groß oder größer ist als das bisherige Laufwerk. In diesen Fällen benötigt Clonezilla keine Vorbereitung und nur geringe Nachbesserung:

Sie wählen zunächst „device-device“, dann „Beginner“ und anschließend „disk_to_local_disk“. Geben Sie zunächst den Datenträger an, den Sie kopieren wollen, im nächsten Schritt das neue Ziellaufwerk. Die folgenden beiden Dialoge bestätigen Sie mit Eingabetaste, um die Voreinstellungen zu übernehmen. Folgen Sie den weiteren Anweisungen des Assistenten. Prüfen Sie die Einstellungen und bestätigen Sie mit „y“, wenn Sie dazu aufgefordert werden.

Wenn der neue Datenträger mehr Kapazität besitzt als der ursprüngliche, dann bleibt nach der Clonezilla-Aktion, welche exakt die ursprünglichen Größen wiederherstellt, nach der letzten Partition ungenutzer Plattenplatz. Dies korrigieren Sie in einem beliebigen Linux-System mit Gparted, indem Sie die letzte Partition auf dem neuen Laufwerk maximal vergrößern.

Clonezilla: Die Menüs sind anspruchsvoll, aber ganz gut erklärt. Typischerweise arbeiten Sie mit Images (Bild oben) und mit lokalen Datenträgern (Bild unten).

MX Linux (19.2)

August 2020: Seit Monaten herrscht auf Platz 1 der Rangliste von Distrowatch eine Distribution, der man eigentlich nur eine Nischendasein zutraut: MX Linux. Was sind die Gründe für das offensichtlich große Interesse an diesem System?

MX-Linux
MX Linux: Ein sehr hübscher XFCE-Desktop auf Debian Stable, eine Vielzahl von Desktop- und Systemtools sowie Spezialisierung für den Live-Betrieb sind die Kennzeichen dieses Systems.

Die nur auf sich selbst bezogene Klickperformance von distrowatch.com sollte niemand überschätzen. Platz 1 auf Distrowatch ist kein Indiz für die tatsächliche Verbreitung einer Linux-Distribution. Dennoch ist dies für uns Anlass genug, einen genaueren Blick auf MX Linux zu werfen. MX Linux wurde im Frühsommer auf Version 19.2 aktualisiert, erhielt aber schon vorher diese erstaunliche Beachtung. Die Heft-DVD liefert MX Linux 19.2 in der 64 Bit-Variante mit. Die 32-Variante sowie eine Spezialvariante für sehr alte Hardware erhalten Sie unter https://mxlinux.org/download-links/.

Was kennzeichnet MX Linux?

Die Basisrezeptur von MX Linux ist nicht aufregend: Die Systembasis stellt ein konservatives Debian Stable 10 („Buster“), und als Desktop arbeitet ein ebenso konservativer XFCE 4.14. Linux-Kernel und vorinstallierte Software sind nicht mehr taufrisch, aber halbwegs aktuell. Der MX-eigene Installer ist funktionsarm und eigentlich nur für die Installation als alleiniges System zu empfehlen, Systemverschlüsselung mit Cryptsetup ist aber komfortabel integriert. Im installierten MX Linux finden Sie für die Softwareverwaltung die relativ spröden Alternativen MX Paket-Installer (mit Flatpak-Integration) oder Synaptic oder den noch spröderen Antix-Terminalinstaller oder schlicht das Terminalprogramm apt. Bei systemnahen Aktionen muss der Nutzer zwischen sudo-Benutzerkonto und root-Konto unterscheiden – in vielen Fällen ist tatsächlich das root-Konto notwendig. Ebenfalls ungewöhnlich ist, dass Sie bei größeren Updates eventuell erneut nach dem Ort des Grub-Bootloaders befragt werden – in der Regel „sda“. Die Software-Ausstattung ist opulent, die Fülle der zusätzlichen, zahlreichen Systemtools aber erst einmal unübersichtlich bis verwirrend, zum Teil redundant.

System- und Desktop-Werkzeuge: Damit sind wir aber an dem Punkt, wo die Waage bei MX Linux ins Positive kippt: Die Distribution ist mit Sorgfalt und Liebe zum kleinsten Detail ausgestattet, der XFCE-Desktop zeigt sich bereits ab Installation von seiner feinsten Seite. Aber die vielen MX-eigenen System- und Einstellungstools fördern darüber hinaus die Anpassung zu einem individuellen Desktop. Die „Einstellungen“ des Xfce4-Settings-Manager gehen über den üblichen Umfang deutlich hinaus: Neben eingebauten externen Tools wie System-Config-Samba (grafische Samba-Verwaltung) kommen vor allem MX-Eigenentwicklungen hinzu. „MX-Tweak“ ist einschlägig für die optimale Bildschirmskalierung (neben dem üblichen „Anzeige“-Applet), „MX-Werkzeuge“ (mx-tools) präsentiert eine opulente Sammlung von Systemwerkzeugen. Manches ist marginal, manches wie das Löschtool MX-Cleanup oder der MX-Menü-Editor auch in besserer Ausführung zu finden, aber unterm Strich bietet die Toolsammlung wirklich alles, was man an System- und Anpassungswerkzeugen erwarten kann. Die Sammlung von Conky-Desktopinfos (auswählbar mit dem Conky Manager) oder die grafische Bearbeitung der Bash-Konfiguration tendieren zu Detailverliebtheit. Handfester sind der „Benutzer-Manager für MX“, grafische Hilfen zur Bootreparatur („MX Bootreparatur“) und zur Anpassung des Grub-Bootmanagers („MX Boot Optionen“).

Ein weiteres Werkzeugpaar erscheint in der Sammlung der MX-Tools an oberster Stelle und nennt sich „MX Schnappschuss“ und „MX Live USB Erzeugung“. Es ist nicht auszuschließen, dass diese Tools einen Teil zur Popularität von MX Linux beitragen. Der Schnappschuss schreibt ein komplettes, angepasstes System in eine ISO-Datei, das dann mit dem zweiten Tool auf USB übertragen wird. Das Ergebnis ist ein perfekt ausgestattetes Livesystem auf USB. Ähnliches ist mit Linux auch auf anderen Wegen erreichbar, aber nirgendwo einfacher als hier.

Semi Rolling: MX Linux ist ein Semi-Rolling-Release – ein Kompromiss zwischen „Regulär“ und „Rolling“. Anders als bei regulären Distributionen wie Ubuntu & Co gibt es hier zwischendurch neue Software-Versionen, allerdings nur für Pakete, die größere Entwicklungssprünge gemacht hat – dies ist der Unterschied zu einem echten „Rolling Release“. Ziel ist es, einerseits höhere Aktualität zu bieten, andererseits Pannen durch Upgrades zu minimieren. Solange dies funktioniert, müssen Sie MX Linux niemals neu installieren.

MX-Installer
Das Installationsprogramm von MX Linux: Die Einrichtung als alleiniges System bereitet kein Kopfzerbrechen.

Die Einrichtungsvarianten

MX Linux charakterisiert sich als mittelschweres System (https://mxlinux.org/). Dies ist wohl seiner Nachbarschaft zu Antix Linux geschuldet (https://antixlinux.com/), mit dem es in enger Kooperation steht. Antix definiert sich eindeutig als Recycling-Spezialist für Hardware-Oldies. MX Linux ist aber bei allem Anpassungskomfort ein ebenfalls sehr genügsames und auch auf älterer Hardware agiles System. Bei kaum 450 MB Eigenbedarf für die 32-Bit-Variante sollte theoretisch schon ein GB RAM genügen. Ältere Notebooks mit 2 bis 4 GB sind ein ideales Ziel für die Distribution.

Ordentliche Installation: Die Einrichtung als alleiniges System ist nicht kompliziert: Im Bootmenü des Livesystems wählen Sie mit F2 die Sprache „Deutsch“ und mit F3 die Zeitzone „Berlin“. Dann starten Sie den obersten Eintrag „MX-19.2“. Eventuelle Fragen nach der Grafikkarte quittieren Sie ohne Auswahl mit Eingabetaste, starten zum Desktop des Livesystems und klicken auf den Installer-Link am Desktop. Als „Art der Installation“ wählen Sie „Automatische Installation“, womit MX Linux die gesamte Festplatte „sda“ übernehmen darf. Neben den Daten für den Erstbenutzer, die Sprache und die Zeitzone will der Installer ein root-Kennwort, einen Computernamen sowie die Samba-Arbeitsgruppe und einen Domain-Namen. Das Prozedere ist umständlicher als von Ubuntu & Co gewöhnt, aber letztlich pragmatischer, als diese Einstellungen später im laufenden System zu suchen. Zu diesem Installer-Konzept passt, dass man optional auch schon Standarddienste vorab ein- oder ausschalten kann.

Live-Betrieb auf USB: MX Linux ist nach dem Vorbild von Antix auch für den Live-Betrieb spezialisiert und läuft auch auf älterem USB 2.0 flüssig. Auf die Möglichkeit, mit zwei MX-Tools ein installiertes System im Handumdrehen auf USB zu befördern, haben wir bereits hingewiesen. Wenn dies der geplante Einsatz sein soll, ist es am besten, MX Linux als virtuelle Maschine unter Virtualbox oder Vmware zu installieren und anzupassen und daraus nach Bedarf ein neues Livesystem zu bauen. Das virtuelle System kann durch Updates aktualisiert werden.

Die Spezialisierung für den Live-Betrieb geht allerdings weiter: MX zeigt als Livesystem im Bootmenü den Punkt „Persist“, der mit F5 ausgeklappt werden kann. Von den vielen angezeigten Optionen empfehlen wir „persist_root“, da alle anderen Möglichkeiten entweder langsam sind oder einen lästigen Fragenkatalog mitbringen. Die Option speichert Änderungen am System im RAM, und beim Herunterfahren müssen Sie die Übernahme dieser Daten ins Livesystem explizit bestätigen. Damit ist ein flexibles MX Linux auch im Live-Betrieb möglich. Für große Änderungen empfehlen wir aber erneutes Remastern eines installierten Systems.

MX-Persistenz
Einsatz als Livesystem: Im Live-Betrieb bietet MX Linux diese Persistenzoptionen, um Systemänderungen zu speichern. Eine Kurzhilfe dazu finden Sie mit F1 unter „Hilfe“.

Knoppix: Der Live-Klassiker

Livesysteme sind nicht rar: Moderne Linux-Distributionen kombinieren das Installationsmedium mit einem Livesystem, das sich zum Ausprobieren, zum Hardware-Test und zur Reparatur eignet. Der Allrounder Knoppix behält dennoch seine Berechtigung.

„Initiating startup sequence“ meldet eine Frauenstimme beim Desktopstart. Extravagante Compiz-Effekte im Standard-Desktop LXDE mit „wackeligen“ Fenstern und wechselnde Knoppix-Screensaver garnieren den Desktop. Darunter wartet eine unfassbar umfangreiche Software-Sammlung auf ihren Einsatz – eine Sammlung mit nützlichsten Werkzeugen für Netzwerk, Surfen, Office, Medien, Reparaturen, die allerdings auch vor fragwürdiger B-Ware und funktional redundanten Dubletten nicht zurückschreckt.

Das nach Klaus Knopper benannte Knoppix ist eine ganz spezielle Distribution – und dabei in der technischen Basis vom Feinsten. Das Livesystem bootet praktisch auf jedem alten wie neuen Rechner, hat einen absolut zuverlässigen Assistenten zur Einrichtung und kann optional Daten und Einstellungen durch Verschlüsselung schützen. Das inzwischen fast 20 Jahre gereifte Debian-Linux ist der Live-Klassiker: Knoppix ermöglichte den Live-Betrieb lange vor den heute verbreiteten Live-Installationsmedien von Ubuntu & Co. Mit exzellenter Hardware-Erkennung, deutschsprachiger Arbeitsumgebung, opulenter Software-Ausstattung und variabler Einrichtung bleibt Knoppix die erste Wahl für ein universelles Zweitsystem auf USB.

Download und Einrichtungsvarianten

Knoppix-Downloads werden via http://www.knopper.net/knoppix-mirrors/ hauptsächlich über Universitäten angeboten. Der Download der aktuellsten Version 8.6 (Mitte 2019, inzwischen 9.1) beträgt circa 4,3 GB. Eine schlanke CD-Version (ca. 700 MB) gibt es zwar auch noch, wird aber seit 2013 nicht mehr gepflegt und stagniert seither bei Version 7.2. Es empfiehlt sich also der Griff zur großen DVD-Variante. Achten Sie in der Liste der ISO-Dateien auf „-DE“ im Dateinamen (KNOPPIX_V8.6-2019-08-08-DE.iso), um das System mit deutscher Benutzerführung herunterzuladen.

Knoppix live: Ungeachtet mancher irreführender Hinweise ist das originale Knoppix-ISO nicht auf den DVD-Start reduziert, sondern bietet eine moderne, hybride Startumgebung. Ein Zwischenschritt über einen DVD-Rohling ist daher nicht nötig, Knoppix bootet auch von einer Rohkopie auf USB-Stick. Als Werkzeug für diese Rohkopie taugen die üblichen Tools wie dd, Gnome-Disks („Laufwerksabbild wiederherstellen“), Etcher (https://etcher.io) oder der Win 32 Disk Imager unter Windows.

Nach dem Schreiben als Rohkopie ist Knoppix ein pures Livesystem, das keinerlei Änderungen speichert – egal ob auf DVD oder auf USB. Das Dateisystem wird in den Arbeitsspeicher geladen und somit gehen die in der Sitzung getätigten Änderungen beim Herunterfahren wieder verloren. Typischerweise erkennen Sie ein laufendes Live-System mit dem mount-Befehl im Terminal, der ein „loop0“-Device, ein „cloop“-Device (komprimiert), ein „squashfs“ (komprimiert) oder auch ein „aufs“-Dateisystem anzeigt (Another Union File System). Im Falle von Knoppix gibt es mehrere cloops- und unionfs-Geräte.

Das originale Knoppix live ist ausreichend, wenn Sie gelegentlich ein transportables Zweitsystem für Reparaturen, Surfen oder Spielen benötigen.

Knoppix live mit Overlay-Partition: Die ideale Knoppix-Einrichtungsvariante für den Dauerbetrieb ist der Einsatz einer zusätzlichen, beschreibbaren Overlay-Partition. Diese speichert und transportiert nicht nur persönliche Dokumente, sondern erlaubt auch dauerhafte Anpassungen, Installation, Deinstallationen. Diese Variante ist nach unserer Kenntnis nur aus einem bereits laufendem Knoppix zu erreichen, dies aber ganz einfach: Das maßgebliche Tool liegt standardmäßig als Link „Flash Knoppix“ auf dem Desktop. Im Menü ist es unter „Knoppix -> Knoppix auf Flash kopieren“ zu erreichen. Wie der Name sagt, ist „Flash Knoppix“ der Installationsassistent für Kopien auf beschreibbare USB- und SD-Medien, kann aber auch für die Einrichtung auf Festplatten genutzt werden.

1. Der erste Dialog fragt ab, ob nur Wechselmedien oder auch interne Festplatten als Ziel infrage kommen. Je nach Ihrer Antwort ermittelt das Tool anschließend die passenden Datenträger. Das Medium, auf dem Knoppix gerade läuft, wird erfreulicherweise nicht angeboten – ein logischer, aber nicht selbstverständlicher Service des Tools.

2. Nach Auswahl des gewünschten Zieldatenträgers wählen Sie die Option „Installation auf FAT32 mit zusätzlicher Overlay-Partition“. Um das Dateisystem FAT32 der Systempartition müssen Sie sich nicht kümmern, dafür sorgt das Tool automatisch. Die Overlay-Partition („Knoppix-Data“) erhält das Dateisystem ReiserFS.

3. Die nächste Abfrage „Möchten Sie Knoppix remastern?“ ist nur relevant, wenn Sie das Knoppix-System, mit dem Sie gerade installieren, bereits individuell angepasst haben. Mit anderen Worten: Wenn Sie gerade Ihr erstes Knoppix mit Overlay-Partition erstellen, beantworten Sie die Frage mit „Nein“. In einem späteren, angepassten Knoppix ist diese Option jedoch umso wichtiger: Mit der Antwort „Ja“ erreichen Sie, dass Ihre nächste Knoppix-Kopie wieder alle persönlichen Einstellungen mitbringt.

4. Die Abfrage zur Größe der Overlay-Partition können Sie auf einem USB-Stick normaler Größe einfach mit „OK“ übernehmen. Dann erhält die Overlay-Partition auf dem Stick die komplette Restkapazität, die das eigentliche Knoppix-System übriglässt. Bei Installation auf Festplatte schränken Sie die Größe mit dem Schieberegler auf Wunsch ein.

5. Die letzte Frage betrifft den optionalen Verschlüsselungsschutz der Overlay-Partition. Es handelt sich um die einzige Möglichkeit, ein Knoppix-System systemweit zu schützen. Knoppix als Livesystem hat nämlich keine Benutzerverwaltung. Der Live-User „knoppix“ kommt ohne Anmeldung an den Desktop und ist sudo-berechtigt. Wählt man bei der Einrichtung hingegen die Verschlüsselung, dann stoppt später der Bootvorgang relativ früh (vor dem Umschalten in den grafischen Textmodus) und fragt nach dem Kennwort („passphrase“). Dieses muss ohne Feedback eingegeben werden. Ein Start des Systems ohne Kennwort ist nicht möglich; ebenso erfolglos bleibt der Versuch, die Daten mit einem Fremdsystem auszulesen. Diese Verschlüsselung ist für USB-Sticks sehr zu empfehlen, umso mehr, wenn die Overlay-Partition nicht nur Systemeinstellungen, sondern auch persönliche Daten speichert.

Knoppix auf Festplatte: Trotz ausufernder Software und verspielter Effekte ist Knoppix mit seinem pragmatischen Standarddesktop LXDE äußerst bescheiden und fordert nur circa 300 MB RAM für System plus Oberfläche. Damit ist Knoppix mit LXDE, eventuell auch mit KDE, auch ein geeigneter Kandidat für eine Festplatteninstallation auf älteren Notebooks/PCs. Der dafür vorgesehene Assistent unter „Knoppix -> Knoppix HD-Installation“ ist im Vergleich mit dem Tool „Flash Knoppix“ allerdings konfus, fehlerträchtig, wahrscheinlich fehlerhaft. Wir raten definitiv davon ab und empfehlen auch für die Festplatteninstallation das Tool „Flash Knoppix“. Dabei erhalten Sie ein Livesystem mit üppiger Overlay-Partition, das im Alltag wie ein normal installiertes Linux arbeitet – nur ohne Benutzerkonten und Anmeldesicherung. Die Overlay-Partition erhält das Dateisystem ReiserFS, das keinerlei Beschränkungen für Dateigrößen besitzt. Die fehlende Benutzersicherheit können Sie bei der Einrichtung durch die Verschlüsselungsoption kompensieren.

Das wichtigste Knoppix-Tool: Nicht ohne Grund ist „Flash Knoppix“ Dauergast auf dem Desktop. Damit machen Sie aus einem Livesystem ein flexibles Linux.
Empfohlene Einrichtungsvariante mit Persistenz: Die Overlay-Partition ermöglicht dem Livesystem Desktop-Anpassungen, Installationen und Deinstallationen.

Entscheidungen bei der Einrichtung: „Remastern“ ist praktisch, wenn bereits ein angepasstes (Overlay-) Knoppix vorliegt, das identisch kopiert werden soll. Verschlüsselung kompensiert die fehlende Benutzersicherheit.

Knoppix individuell einrichten

Mit Overlay-Persistenz erlaubt Knoppix Anpassungen aller Art, auch Nachinstallationen und Entfernen überflüssiger Pakete. (De-) Installationen sind über Apt im Terminal zu realisieren, auf Wunsch auch über „Einstellungen -> Synaptic-Paketverwaltung“. Voraussetzung ist zunächst das übliche

sudo apt update

zum Einlesen der Paketquellen. Danach können Sie aufräumen

sudo apt remove cheese evolution gerbera scribus […]

oder auch Fehlendes nachrüsten.

Um das sehr umfangreiche Hauptmenü nicht für jeden Software-Favoriten bemühen zu müssen, empfiehlt sich nach Rechtsklick auf die „Anwendungsstartleiste“ die Einrichtung der wichtigsten Programme in der Hauptleiste. Alternativ sind auch Desktop-Links möglich, indem Sie im Hauptmenü nach Rechtsklick auf ein Tool die Option „Der Arbeitsfläche hinzufügen“ nutzen.

Wenn Sie den Knoppix-LXDE-Desktop versachlichen möchten, finden Sie mit „Einstellungen -> CompizConfig-Einstellungsverwaltung“ unter „Effekte“ die zuständigen Optionen. Zumindest die „wackeligen Fenster“ sind nicht jedermanns Geschmack. Weitere LXDE-Anpassungen zeigen die „Einstellungen“ unter „Desktop-Einstellungen“ und „Erscheinungsbild anpassen“.

Knoppix hat neben LXDE noch zwei weitere Desktops an Bord. Alternativ lassen sich auch die anspruchsvolleren Oberflächen Gnome 3 oder KDE Plasma 5 starten, dies aber, da es keine Systemanmeldung gibt, nur im laufenden System über den Menüpunkt „Knoppix-Desktop Auswahl/Neustart“. Gnome halten wir unter Knoppix für unproduktiv, weil die opulente Software-Ausstattung in der großen Gnome-Anwendungsübersicht sehr unübersichtlich wird. Außerdem ist der Gnome-Desktop für USB-Sticks (2.0) eine erhebliche Last. KDE Plasma ist mit seinem durchsuchbaren Hauptmenü die bessere und schlankere Alternative. Knoppix startet künftig so lange mit einem einmal gewählten Desktop, bis Sie über den genannten Menüpunkt wieder zu einer anderen Oberfläche wechseln.

Der schlanke LXDE-Desktop ist Knoppix-Standard. Von den angebotenen Alternativen Gnome und KDE ist nur KDE zu empfehlen.

Die interessantesten Knoppix-Tools

Das wichtigste Knoppix-Werkzeug ist „Flash Knoppix“, das wir bereits im obigen Punkt ausführlich beschrieben haben. Das Menü „Knoppix“ versammelt aber eine Reihe weiterer nützlicher Tools: Mit „Knoppix -> Netzlaufwerke suchen/mounten“ startet das System eine sehr zuverlässige Suche nach Samba-Freigaben. Zur Verbindung zu einem der dann angezeigten Server ist dann nur noch die Eingabe des Kontonamens und des Samba-Passworts nötig. Die danach automatisch eingehängte Freigabe erscheint im Dateimanager.

Umgekehrt kann Knoppix auch schnell mal selbst Daten freigeben. Während sich das veraltete Script Sambastart („Knoppix -> Samba Server“) in einer Endlosschleife verfängt, gelingt der Start des SSH-Servers über „Knoppix -> SSH Server starten“ problemlos. Zugriff erhält das Konto „knoppix“ mit dem zu vergebenden Kennwort. Linux-Rechner im lokalen Netz können sich dann mit dem Dateimanager und der Adresse „sftp://[IP-Adresse]“ bequem verbinden. Für Windows-Rechner ist der Datenzugriff über typische SSH-Clients wie Putty etwas umständlicher, weil man dann – etwa über den Midnight Commander – erst eine Shellverbindung zu einem dritten Rechner als Übergangsstation aufbauen muss.

Die Option „Knoppix -> TOR Proxy“ bereitet den Weg in das anonymisierende Tor-Netzwerk vor. Sobald das Tool die Erfolgsmeldung „TOR wurde gestartet“ bringt, können Sie über „Internet -> Tor Browser“ den Browser laden. Beim allerersten Mal muss dieser erst aus dem Web nachgeladen werden.

Eine interessante Sicherheitsfunktion bietet der Punkt „Knoppix -> Start Knoppix in KVM“. Sofern die Rechner-Hardware mitspielt, lädt Knoppix hier eine Original-Kopie seiner selbst (ohne Overlay-Anpassungen) als virtuelle Maschine mit dem Virtualisierer Qemu. Start wie Betrieb der VM verlaufen auch auf USB frappierend flott. Die VM kann etwa für den doppelt gesicherten Surfausflug mit dem Browser dienen (VM unter einem Livesystem!). Nebenbei haben Sie mit der VM immer ein originales Knoppix zur Hand, falls Sie das Overlay-System zu weitreichend abgespeckt haben.

Die Option „Knoppix -> Desktop zeigen/exportieren“ erlaubt die Remotefreigabe des Knoppix-Desktops. Dabei benutzt Knoppix das VNC-Protokoll, unterscheidet bei der Freigabe zwischen „Nur beobachten“ und „Steuerung erlauben“ und sichert die Freigabe durch ein optionales Kennwort, das Sie vor der Desktopfreigabe eingeben. Der zugreifende Rechner benötigt einen Client wie das verbreitete Remmina, das Knoppix natürlich auch an Bord hat („Internet -> Remmina“). Remmina benötigt für den Zugriff nur die IP-Adresse, das Kennwort und die Protokollangabe „VNC“. Das unter Knoppix installierte Remmina hat neben VNC und SSH auch das RDP-Plugin an Bord, das Windows für die Desktopfreigabe verwendet.

Komfortables Systemtool: „Netzlaufwerke suchen/mounten“ findet Samba/Windows-Freigaben im lokalen Netz.

Systemwerkzeuge und Zubehör

Unter den Kategorien „Systemwerkzeuge“ und „Zubehör“ versammelt Knoppix alle Gnome- und KDE-Kandidaten, die für Datenträger-, Datei-, Task- und Netzwerkverwaltung Rang und Namen haben. Knoppix will jeden Nutzer versorgen, egal von welcher Distribution und welchem Desktop er kommt. Das führt zu erheblicher Redundanz und erschwert den Durchblick gerade für weniger Erfahrene, denen Namen wie „Dolphin“, „Htop“ oder „Leafpad“ nicht auf Anhieb etwas sagen. Außerdem geht es im Hauptmenü munter hin und her zwischen beschreibenden Bezeichnungen und tatsächlichen Programmnamen. Wer hier mehr Klarheit haben will, kann auf seinem Overlay-Knoppix selbst aufräumen und aus dem jeweils halben Dutzend an Dateimanagern, Systemmonitoren, Terminals oder Texteditoren die irrelevanten herausfiltern. Ein „apt remove…“ ist die radikale Antwort, etwas sanfter ist nach

sudo pcmanfm /etc/share/applications

das Löschen oder Umbenennen von Desktop-Dateien. Geht es nur um das Entschlacken des Menüs, ist unter „Zubehör -> Hauptmenü“ der Menü-Editor Alacarte an Bord. Änderungen mit diesem Editor gelten erst nach einer Abmeldung vom Desktop.

Ungeachtet dieser eher kritischen Bemerkungen steht auf der positiven Seite außer Frage, dass jeder Linux-Nutzer unter Knoppix sein favorisiertes Systemtool vorfindet: Klassiker wie Gparted, Gnome-Disks („Laufwerke“), Hardinfo („System Profiler“) oder Gnome-System-Monitor („Systemüberwachung“) sind ebenso an Bord wie bewährte Editoren (Kate, Kwrite, Bluefish, Geany, Emacs, Leafpad), kleine Helfer wie Sweeper (Aufräumen), Baobab (Festplattenbelegung), Ark (Archivmanager) oder die Wine-Umgebung für Windows-Programme.

Office, Medien, Unterhaltung und Spiele

Das Livesystem versammelt auf komprimierten 4,3 GB eine Armada an Anwendungssoftware – auch hier mit bewusster funktionaler Redundanz, um jedem das Gewohnte anbieten zu können. Mit Alternativen wie Firefox und Chromium, Thunderbird und Evolution, VLC und MPV Player, Kdenlive und Openshot, Eog und Gpicview, Evince, Xournal, Okular (Dokumentenbetrachter) fallen die Doppelungen aber dosierter aus als bei den Systemwerkzeugen. Ansonsten steht mit Libre Office, Calibre (Ebook-Verwaltung), Gimp (Bildbearbeitung), Amarok, Audacity, Blender, Brasero, Freecad, Handbrake, Mediathekview, Inkscape, Keypassx, Ktorrent Pidgin, Remmina, Putty wirklich alles parat, was ein Linux-Nutzer für den Medien-Konsum und für den produktiven Alltag benötigt (wobei unsere kleine Liste nur die prominentesten Programme erwähnt).

Nicht zu vergessen: Annähernd 80 Spiele bringt Knoppix auch noch unter. Da ist – freundlich formuliert – auch Krimskrams dabei, aber auch viel Unterhaltsames. Spiele wie Kobi Deluxe, Kapman oder Kblocks sind nicht ganz der aktuelle Stand der Spieleentwicklung, haben aber das Suchtpotential für viele verlorene Stunden (dieser Artikel wurde trotzdem rechtzeitig fertig).

Auch das ist Knoppix: Das Livesystem bringt nicht nur Nutzwert pur, sondern auch eine ganze Menge Spielspaß mit.

Linux und die Datenträger

Um Festplatten, SSDs und USB-Datenträger zu bearbeiten und zu kontrollieren, bringt der Linux-Desktop alles mit. Der Installer sorgt für die Einrichtung der Systempartition, Gnome-Disks & Co arbeiten als Allrounder im Alltag, und Gparted ist der Partitionierer für alle Fälle.

Hardware-seitig arbeiten Festplatten, SSDs und USB-Laufwerke unter Linux wie unter allen anderen Betriebssystemen. Einmal partitioniert, formatiert und eingebunden benötigen Datenträger nur noch gelegentliche Kontrollen der aktuellen Belegung und SMART-Checks auf eventuelle Fehler. Optimales Partitionieren, Formatieren und Mounten erforderten aber schon immer einiges Basiswissen, und diese Anforderungen an den PC-Nutzer sind in der aktuellen Übergangsphase mit fundamental unterschiedlichen Partitionsmethoden noch einmal gewachsen. Dieser Grundlagenbeitrag komprimiert die wesentlichen theoretischen und praktischen Probleme

Partitionieren und Partitionsstil

Grundlegendste Aktion bei der Festplattenverwaltung ist das Anlegen der Partitionstabelle mit dem Partitionsstil, ferner der optionalen Einteilung in mehrere Teile (Partitionen) sowie der optionalen Festlegung der Partitionsgrößen. Viele PC-Nutzer bekommen von der Partitionierung (zumindest auf der primären Systemfestplatte) gar nichts mit, weil diese das Installationsprogramm automatisch erledigt. Liegt dabei nur eine interne Festplatte vor, die nicht weiter unterteilt werden soll, entfallen alle Entscheidungen zum Partitionsstil und zur Aufteilung. Die Installer aller Ubuntu-basierten Systeme entscheiden dann selbständig anhand der Datenträgerkapazität über den Partitionsstil: Auf großen Laufwerken über 2 TB Kapazität kommt modernes GPT (GUID Partition Table) zum Einsatz, auf kleineren Laufwerken der alte MBR-Stil.

Der alte MBR-Partitionsstil (Master Boot Record, auch „msdos“-Partitionstabelle) kann Partitionen bis zu maximal 2,2 TB Größe verwalten. Für die mittlerweile gebräuchlichen Größen von 4 bis 12 TB ist der GPT-Partitionsstil erforderlich, sofern solche Festplatten als Ganzes genutzt und nicht in mehrere Partitionen aufgeteilt werden. Bei Festplatten mit mehr als 2 TB sollten Sie besser immer GPT verwenden. Bei kleineren Laufwerken ist GPT zur Nutzung der kompletten Kapazität nicht erforderlich, aber eventuell trotzdem sinnvoll, wenn der PC mit Uefi-Firmware (Unified Extensible Firmware Interface) ausgestattet ist und Sie vielleicht auch Windows parallel installieren wollen.

Werkzeuge: Die grafischen Systemtools Gnome-Disks („Laufwerke“) oder die KDE-Partitionsverwaltung können den Partitionsstil einer Festplatte kontrollieren und ändern. Die Umstellung des bestehenden Partitionsstils geht allerdings immer mit komplettem Datenverlust einher. Wir beschreiben den Vorgang nicht mit den Desktop-spezifischen Werkzeugen, sondern mit dem bekannten Partitionierungswerkzeug Gparted. Gparted ist zwar nicht überall Standard, aber bei Bedarf schnell nachinstalliert (sudo apt install gparted in Debian/Ubuntu/Mint). In Gparted sehen Sie über „Ansicht -> Geräteinformationen“ in der Zeile „Partitionsstil“ den aktuellen Partitionsstil der gewählten Festplatte – meistens „msdos“ (MBR) oder „gpt“ (GPT). Über das Menü „Gerät -> Partitionstabelle erstellen“ können Sie den bisherigen Stil ändern. Nach einem Klick auf „Anwenden“ erzeugt Gparted eine neue Partitionstabelle. Über „Partition -> Neu“ erstellen Sie danach eine neue Partition.

Hinweis 1: Partitionen lassen sich, egal ob mit Gparted oder einem anderen Werkzeug, nur bearbeiten, wenn sie vorher aus dem Dateisystem ausgehängt wurden. Gparted erledigt dies nach Rechtsklick auf die Partition mit „Aushängen“. Falls das Aushängen scheitert, schließen Sie alle Programme inklusive Dateimanager, die den Vorgang durch ihren Zugriff verhindern könnten. Auch Netzwerkdienste wie Samba können die Bearbeitung blockieren. Wer Unmount-Blockaden ausschließen will, bootet am besten ein unabhängiges Livesystem mit Gparted.

Hinweis 2: Gparted sammelt Aufträge wie das Löschen, Erstellen oder Formatieren von Partitionen zunächst, ohen sie auszuführen. Erst „Bearbeiten -> Alle Vorgänge ausführen“ startet die eigentliche Aktion.

Unter Windows zeigt die „Datenträgerverwaltung“ (diskmgmt.msc) nach Rechtsklick auf „Datenträger [x]“ und „Eigenschaften“ auf der Registerkarte „Volumes“ den Partitionsstil an („MBR“ oder „GPT“).

Wenn keine grafische Oberfläche zur Verfügung steht, gibt es auch Terminaltools für die Festplattenverwaltung. Der Befehl

sudo fdisk -l

zeigt für die Laufwerke auch den aktuellen Partitionsstil an – hier neben „Festplattenbezeichnungstyp“ als „dos“ oder „gpt“. Für das Schreiben einer anderen Partitionstabelle, also zum Ändern des bisherigen Partitionsstils, verwenden Sie

sudo sgdisk -g /dev/sd[X]

nach GPT oder

sudo sgdisk -m /dev/sd[X]

zum Schreiben einer MBR-Partitionstabelle. Ersetzen Sie dabei „[X]“ jeweils durch die richtige Kennung des Laufwerks. Bei reinen Datenpartitionen (nur Benutzerdaten) kann mit diesen Befehlen sogar eine Umwandlung des Partitionsstils ohne Datenverlust gelingen. Wir raten aber davon ab, sich darauf ohne Sicherung zu verlassen.

Auch große Festplatten lassen sich im MBR-Stil durch Partitionierung komplett nutzen. Jedoch scheitert der Versuch, große Festplatten (hier mehr als 5 TB) als eine Partition anzulegen.
Ändern des Partitionsstils nach GPT: Dies schreibt die Partitionstabelle neu und bedeutet in der Regel einen kompletten Datenverlust auf dieser Festplatte

Partitionen löschen und anlegen

Das Löschen von Partitionen und Einrichten neuer Partitionen erledigen die typischen Gnome- und KDE-Tools ebenso wie Gparted. Gparted zeigt nach Rechtsklick auf die symbolische Partitionsfläche die Option „Löschen“. Dies impliziert in der Regel (und mit Gewissheit nach anschließenden Größenänderungen und Formatierung) den kompletten Datenverlust auf dieser Partition. Die Option „Neu“ zum Erstellen einer neuen Partition ist im Kontextmenü nur aktiv, wenn ein freier, nicht genutzter Bereich angeklickt wurde. Es muss also erst eine Partition gelöscht werden, um deren Platz („nicht zugeteilt“) dann neu zu nutzen. Mit dem anschließend angezeigten Schieberegler bestimmen Sie dann, ob die neue Partition den kompletten Platz erhalten soll oder eine Aufteilung in mehrere Partitionen erfolgen soll. Wenn Sie nur einen Teil der Kapazität verwenden, verbleibt danach „nicht zugeteilter“ Platz, den Sie danach mit „Neu“ auf analoge Weise partitionieren.

Partitionsstil (MBR/GPT) und Multiboot

Der Partitionsstil (GPT) ist nicht nur wichtig für große Datenträger jenseits der 2,2-TB-Grenze, sondern spielt auch eine entscheidende Rolle, wenn mehrere Systeme parallel installiert werden sollen – oft Linux neben Windows. Das Thema ist komplex, weil hier auch das Rechner-Bios mitspielt – Uefi (Unified Extensible Firmware Interface) oder Bios (Basic Input Output System). Theoretisch gibt es jede Kombination: Typisch ist Bios/MBR sowie Uefi/GPT, jedoch ist auch Bios/GPT und Uefi/MBR möglich. Das heisst, dass auch ein altes Bios Systeme von GPT-Partitionen oder ein modernes Uefi vom alten MBR booten kann. Ein Multiboot mit Windows funktioniert aber nur auf Bios/MBR oder Uefi/GPT.

Der theoretisch anspruchsvolle Knoten ist aber in der Praxis leicht zu lösen: Sie orientieren sich bei einer Parallelinstallationen einfach daran, was schon vorliegt und installieren dann im selben Modus. Ob das schon vorhandene System den Bios- oder Uefi-Modus verwendet, erfahren Sie unter Linux im Terminal durch Aufruf dieses Tools:

efibootmgr

Ist das Tool nicht vorhanden oder lautet dessen Ausgabe „EFI variables are not supported on this system“, dann läuft das System im Bios-Modus. Unter Windows informiert das Systemtool Msinfo32. Hinter „BIOS-Modus“ steht bei Systemen im Bios-Modus „Vorgängerversion“, andernfalls „UEFI“. Letzteres ist bei allen neueren PCs mit vorinstalliertem OEM-Windows die Regel.

A. Liegt ein altes Bios und ein im MBR-Stil installiertes Erstsystem vor, ist die Lage eindeutig und es kann jedes 32- oder 64-Bit-System (Linux oder Windows) parallel installiert werden.

B. Liegt altes Bios, aber GPT-Partitionierung vor, kann nur ein 64-Bit-Linux installiert werden.

C. Liegt neues Uefi mit altem MBR-Stil vor (das geht vorläufig noch via Compatibility Support Module), kann jedes 32- oder 64-Bit-System (Linux oder Windows) parallel installiert werden. Dabei muss man den Rechner über das Bootmenü des Uefi-Bios starten (frühzeitiges Drücken der Taste F8, F12 oder Esc). Dort erscheinen dann die Laufwerke zwei Mal – einmal mit, einmal ohne den Vorsatz „UEFI“. Für MBR-Parallelinstallation wählen Sie Eintrag des betreffenden Installationslaufwerks ohne „UEFI“.

D. Liegt Uefi mit GPT-Stil vor, kann ein 64-Bit-System (Linux oder Windows) parallel installiert werden. Dabei muss man den Rechner über das Bootmenü des Uefi-Bios starten (frühzeitiges Drücken der Taste F8, F12 oder Esc). Für GPT-Parallelinstallation wählen Sie Eintrag des betreffenden Installationslaufwerks mit der Angabe „UEFI“.

Tipp: Trotz dieser relativ einfachen Fallunterscheidung kann man etwas falsch machen, was sich dann aber während der Installation des zweiten Systems schnell zeigt: Wenn kein Erstsystem erkannt wird und das neue System die gesamte Festplatte in Anspruch nehmen will, müssen Sie die Installation abbrechen.

System im Bios- oder Uefi-Modus? Unter Linux beantwortet der Befehl efibootmgr diese Frage. Unter Windows hilft das Standardprogramm Msinfo32.
Friedliche Koexistenz: Ubuntu & Co installieren sich im Uefi-Modus neben dem Windows Boot-Manager und integrieren den Windows-Bootloader in das Grub-Menü.

Partitionsgrößen nachträglich ändern

Die Einteilung (oder Nicht-Einteilung) eines Datenträgers kann sich nachträglich als ungünstig herausstellen. In diesem Fall besteht die Möglichkeit, eine bestehende Partition ohne Datenverlust zu verkleinern und auf dem frei werdenden Speicherplatz eine neue Partition anzulegen. Wirklich notwendig ist dieses Vorgehen aber nur in dem Fall, dass Sie ein weiteres Betriebssystem installieren wollen.

Werkzeuge: Erfreulicherweise sind die Installationsprogramme aller Ubuntu-Desktopsysteme auf die Situation vorbereitet, dass die Partition eines bestehenden Betriebssystems verkleinert werden muss. Mit der Option „Ubuntu neben [XXX] installieren“ schlägt der Installer eine neue Aufteilung der Partitionen vor, indem er die Partition des bestehenden Systems verkleinert und Platz für das neue System schafft. Die gewünschten Partitionsgrößen lassen sich einfach mit der Maus über die Aufteilungsmarkierung einstellen.

Im Falle einer gewünschten Größenänderung ohne Installation oder ohne einen Installer, der solche Größenänderungen beherrscht, hilft wieder Gparted. Beachten Sie, dass Gparted nur ausgehängte Partitionen bearbeiten kann und folglich die Systempartition eines laufenden Systems tabu bleibt. Zugriff auf alle Festplatten hat Gparted nur, wenn es auf einem unabhängigen Livesystem läuft. In Gparted wählen Sie zunächst rechts oben Sie den gewünschten Datenträger. Klicken Sie dann die Partition an, die Sie bearbeiten wollen, und wählen Sie im Kontextmenü „Größe ändern/Verschieben“. Wählen Sie mit dem Regler die gewünschte Partitionsgröße oder tragen Sie die Größe hinter „Neue Größe (MiB):“ manuell ein. Danach klicken Sie auf „Größe ändern“. Gparted erledigt diesen wie alle Aufträge erst nach „Bearbeiten -> Alle Vorgänge ausführen“.

Unter Windows gibt es die Datenträgerverwaltung (diskmgmt.msc), die nach Rechtsklick auf einer Partition die Option „Volume verkleinern“ anbietet. Die Größe der neuen Partition definieren Sie dann mit dem Wert neben „Zu verkleinernder Speicherplatz“. Dies ist eine weitere Möglichkeit, um eine Parallelinstallation eines Linux vorzubereiten, das kein ausreichendes Partitionierwerkzeug mitbringt.

Gparted verkleinert Partitionen ohne Datenverlust: Das können inzwischen auch andere Partitionsmanager, aber keiner so zuverlässig wie der Altmeister.

Formatieren: Die Dateisysteme

Partitionieren und Formatieren erscheinen in grafischen Tools in einem Dialog wie eine Tateinheit. Tatsächlich bedeutet Partitionieren das Aufteilen von Festplattenbereichen, während Formatieren bereits weitaus Betriebssystem-näher das Dateisystem für die jeweilige Partition bestimmt. Dateisysteme wie FAT32 beschränken sich auf eine relativ simple Verweisbibliothek zum Auffinden der Daten, Dateisysteme wie Ext4 oder NTFS erweitern diese Basisfunktion um Rechteattribute und Wiederherstellungsprotokolle (Journaling), Dateisysteme wie BTRFS erlauben sogar Snapshots des Partitionszustands und die Rückkehr zu einem früheren Zustand.

Trotz zahlreicher weiterer Dateisysteme wie F2FS, JFS, ZFS, ReiserFS, XFS ist die Wahl auf einem Desktopsystem nicht schwer: Für die Systempartition, aber auch für alle sonstigen Datenträger, die nur am Linux-System genutzt werden, ist Ext4 die solideste Wahl. Das gilt auch für Laufwerke, die Netzfreigaben leisten sollen.

Dateisysteme sind allerdings nicht beliebig kompatibel. So kann (oder will) Windows mit Ext4-formatieren Datenträgern nichts anfangen. Wenn Datenträger wie also interne Festplatten (bei Multiboot) oder mobile USB-Datenträger für den Datenaustausch zwischen Linux und Windows genutzt werden, sind andere Dateisysteme zu erwägen:

* Für kleinere interne oder externe Laufwerke (USB-Sticks), die für unkomplizierten Datenaustausch dienen sollen, eignet sich im einfachsten Fall eine Formatierung mit dem FAT32, das alle Betriebssystem ohne Hilfsmittel beherrschen und auch selbst formatieren können. Auf FAT32 ist allerdings die maximale Dateigröße auf vier GB limitiert. Wenn diese Grenze stört, kommt eventuell das Microsoft-Dateisystem exFAT in Betracht. Linux beherrscht exFAT demnächst standardmäßig, vorläufig ist noch die Nachinstallation des kleinen exFAT-Treibers ist mit

sudo apt install exfat-fuse exfat-utils

erforderlich. Danach können Sie exFAT-Datenträger sofort mit Linux-Dateimanagern nutzen und mit Werkzeugen wie Gnome-Disks („Laufwerke“) auch mit exFAT formatieren („Partition formatieren -> Andere -> exFAT“). Gparted hat exFAT zwar in seiner Dateisystemliste, will aber bislang nicht mit exFAT formatieren (inaktiv).

* Sind nur Linux- und Windows-Rechner im Spiel, ist das Microsoft-Dateisystem NTFS erste Wahl. Linux wie Windows haben dort Lese- und Schreibzugriff, Linux wie Windows können mit NTFS formatieren. Mac OS X kann NTFS standardmäßig nur lesen.

Werkzeuge: Gparted erledigt die Formatierung einer Partition nach Rechtsklick und „Formatieren als“, wonach die Liste der unterstützten Dateisysteme angeboten wird. Standardprogramme wie Gnome-Disks beherrschen diese Pflichtaufgabe natürlich ebenso („Partition / Laufwerk formatieren“), bieten dabei zwar weniger Dateisysteme, leisten aber Anfängerunterstützung, indem sie die Kompatibilität der Dateisysteme skizzieren – etwa „Zur Nutzung mit Windows (NTFS)“.

Wenn Sie die Kommandozeile benutzen müssen, verwenden Sie den Befehl mkfs („make filesystem“):

sudo mkfs.ext4 -L [Bezeichnung] /dev/sd[XY]

Nach „mkfs.“ folgt die Angabe des Dateisystems „ext4“, hinter „-L“ („Label“) geben Sie optional eine Bezeichnung an, anhand derer sich die Partition später im Dateimanager leichter identifizieren lässt. Den Platzhalter „[XY]“ ersetzen Sie durch die Laufwerksbezeichnung und Partitionsnummer, etwa „/dev/sdb1“ oder „/dev/sdc2“. Für andere Dateisysteme gibt es entsprechende Tools, beispielsweise mkfs.ntfs oder mkfs.vfat (FAT32).

Formatieren mit Gnome-Disks: Das Tool „Laufwerke“ beschränkt sich auf die populärsten Dateisysteme, hilft aber bei der Auswahl. Gparted ist mächtiger, setzt aber Kompetenz voraus.
Formatieren im Terminal: Für jedes Dateisystem gibt es ein eigenes mkfs-Tool. Rufen Sie das Tool ohne Parameter auf, um eine Übersicht der Optionen zu erhalten.

Mounten: Statisch und dynamisch

Mounten ist Pflicht: Jede Partition muss an definierter Stelle (Mountpunkt) in das Dateisystem eingebunden werden. Die einzige Partition, die in jedem Fall statisch beim Systemstart eingebunden wird, ist die Systempartition. Dies wird schon bei Installation festgelegt, wenn Sie den Installationsort bestimmen und als Mountpunkt („Einbindungspunkt“) das Wurzelverzeichnis „/“ angeben. Resultat dieser Aktion ist ein Eintrag in der Datei /etc/fstab, die für alle statischen Mountaufträge zuständig ist (Beispiel):

UUID=[xxxxxxx] / ext4 errors=remount-ro 0 1

Manuelles Bearbeiten der /etc/fstab für weitere statische Mount-Aktionen kann sinnvoll oder notwendig sein: Auf Servern, die Laufwerke automatisch bereitstellen sollen, ist es unbedingt notwendig, diese Laufwerke in die fstab einzutragen. Auf Desktop-Rechnern übernimmt der Dateimanager durch dynamisches Mounten (siehe unten) viele Mount-Aufgaben. Dennoch kann es komfortabel sein, interne Laufwerke mit Benutzerdaten via /etc/fstab in einen klicknahen Ordner zu mounten. Unbedingt notwendig ist ein fstab-Eintrag auf Desktop-PCs, wenn Sie ein zusätzliches Laufwerk exakt an einer bestimmten Stelle des Dateisystems einhängen wollen.

Die für die /etc/fstab notwendigen Informationen sind die eindeutige UUID des Laufwerks (eine hexadezimale Ziffern- und Buchstabenfolge), der Mountpunkt und dessen Dateisystem (ext4, ntfs…). Alle diese Angaben liefert der Befehl

lsblk -f

Ein Eintrag für die fstab sieht dann im Prinzip so aus

UUID=[…] [Mountordner] [Dateisystem] [Optionen] 0 0

und im konkreten Beispiel etwa so:

UUID=BE43818F4A8138A3 /srv/data ext4 defaults 0 0

Die Partition/Festplatte mit dieser UUID wird dann automatisch im Ordner „/srv/data“ bereitgestellt. Der angegebene Mountordner muss existieren und sollte leer sein.

Die Komma-getrennten „Optionen“ enthalten im einfachsten Fall nur den Wert „defaults“, können aber auch komplex ausfallen (Fehlertoleranz, Dateirechte). Die Mount-Optionen sind schon deshalb eine Wissenschaft für sich, weil manche Dateisysteme ganz spezielle Eigenschaften besitzen, die mit den Optionen abgerufen werden können. Mit „defaults“, das eine Zusammenfassung von mehreren typischen Optionen ist, kommen Sie aber in den meisten Fällen ans Ziel.

Bevor Sie einen Rechner mit geänderter Datei /etc/fstab neu starten, lohnt sich immer ein manueller Test:

sudo mount -a

Dies lädt alle Geräte, die in der Datei /etc/fstab eingetragen sind.

Dynamisches Mounten: Auf dem Linux-Desktop erledigt der grafische Dateimanager den Großteil des Mount-Geschäfts. Wenn Sie ein USB-Laufwerk anschließen oder ein neues Laufwerk gerade neu formatiert haben, taucht dieses sofort in der Navigationsspalte des Dateimanagers auf. Nach einem Mausklick darauf erledigt der Dateimanager das Mounten in das Dateisystem, und zwar unter „/media/[Benutzername]/[Volume-Label]“. Bei Ubuntu verhält sich der Dateimanager abhängig von Benutzerrechten, Dateisystem und Laufwerkstyp unterschiedlich:

* Benutzer mit administrativen Rechten (Systemverwalter) dürfen interne und externe Laufwerke über den Dateimanager ein- und aushängen.

* Auch Systemverwalter erhalten bei Linux-Dateisystemen wie Ext4, BTRFS und XFS nur Lesezugriff, Schreibzugriff gibt es auf FAT32- und NTFS-Partitionen..

* Standardbenutzer dürfen über den Dateimanager nur externe Geräte (USB-Sticks und Festplatten) ein- und aushängen. Auf FAT32- und NTFS-Partitionen gibt es Lese- und Schreibzugriff.

* Standardbenutzer werden bei einem Klick auf interne, nicht eingebundene Laufwerke zur Eingabe des Systemverwalter-Passworts aufgefordert. Bei FAT32 und NTFS räumt Ubuntu Lese- und Schreibzugriff ein, auf Linux-Dateisystemen gibt es nur Leserechte.

Zusammengefasst gibt es beim dynamischen Mounten von USB-Laufwerken mit FAT32 und NTFS die wenigsten Rechteprobleme. Wenn USB-Laufwerke ein Linux-Dateisystem besitzen, müssen Sie die Rechte wie bei internen Laufwerken setzen, um Schreibrecht zu erreichen.

Mountpunkt ab Installation: Das Wurzelverzeichnis („/“) für die Systempartition wird schon bei der Installation festgelegt.
Statisches Mounten mit /etc/fstab: Alle Partitionen, die hier eingetragen sind, lädt Linux beim Systemstart automatisch in den angegebenen Mountpunkt.

Zugriffsrechte im Dateisystem setzen

Bei neu in das Dateisystem eingebundenen Ext4-Partitionen (ebenso XFS oder BTRFS) hat nur „root“ Schreibzugriff, andere Benutzer erhalten nur Lesezugriff. Wenn Sie der einzige Benutzer des Systems sind, können Sie es sich einfach machen. Mit

sudo chmod -cR 777 /mnt/Data

setzen Sie im betreffenden Mountpunkt (hier „/mnt/Data“) maximale Zugriffsrechte.

Bei Mehrbenutzersystemen ist die Rechtevergabe komplizierter. Hier steuern Sie den Zugriff über die Gruppenzugehörigkeit und Access Control Lists (ACL) mit dem Tool setfacl. Führen Sie im Terminalfenster folgende Befehle aus:

sudo chgrp plugdev /mnt/Data

sudo chmod g+rwx /mnt/Data

sudo chmod g+s /mnt/Data

sudo setfacl -R -dm u::rwx,g:plugdev:rwx,o::rx /mnt/Data

Diese Befehlszeilen erstellen ein Verzeichnis „/mnt/Data“ für den Datenaustausch. Es gehört der Gruppe „plugdev“, die Vollzugriff erhält. „chmod g+s“ bewirkt, dass das Gruppenattribut erhalten bleibt, wenn ein Benutzer neue Dateien oder Ordner anlegt. Mit setfacl setzen Sie die Standard-Zugriffsrechte, die auf alle enthaltenen und zukünftigen Elemente vererbt werden. Im Ergebnis erhalten alle Mitglieder der Gruppe „plugdev“ Lese- und Schreibzugriff. Zur Gruppe „plugdev“ gehören unter Ubuntu/Mint standardmäßig alle Benutzer.

Kapazitäten einfach erweitern

Das Verzeichnis /home mit den Benutzerdateien erfordert in aller Regel den meisten Plattenplatz. Sollte der Platz knapp werden, können Sie die Daten auf eine zweite Festplatte mit mehr Kapazität verlagern. Wichtig ist, dass gerade keine Dateien geöffnet sind, welche die Aktion blockieren.

Das Beispiel geht davon aus, dass eine zusätzliche Festplatte unter „/mnt/data“ eingebunden ist. Schließen Sie alle Programme und wechseln Sie mit Strg-Alt-F1 in die erste virtuelle Konsole. Dort kopieren Sie alle Verzeichnisse unter /home auf das zusätzliche Laufwerk und benennen das bisherige Home-Verzeichnis um:

sudo rsync -av /home/ /mnt/data/home

mv /home /home.bak

Beachten Sie beim rsync-Befehl den abschließenden Slash hinter „/home/“. Mit folgenden Befehlen erstellen Sie einen neuen Ordner „/home“ und hängen das Verzeichnis des neuen Laufwerks an dieser Stelle ein:

sudo mkdir /home

sudo mount -o bind /mnt/data/home /home

Funktioniert alles problemlos, dann sorgen Sie dafür, dass Linux den Ordner beim Systemstart automatisch vom primären Mount-Ordner nach /home abbildet. Dazu genügt eine zusätzliche Zeile der Datei /etc/fstab:

/mnt/data/home /home none bind 0 0

Mit Strg-Alt-F7 kehren Sie nun zur grafischen Oberfläche zurück und melden sich an. Ihr Home-Verzeichnis finden Sie so vor, wie Sie es verlassen haben – aber mit mehr Platz.

Tipp: Als alleiniger Systembenutzer lassen sich Plattenplatznöte unter /home/[user] noch einfacher beheben. Im Beispiel nehmen wir an, dass der Ordner ~/Videos zu viel Platz benötigt. Auch hier schließen Sie alle Programme und mounten im Terminal nach

mv ~/Videos ~/Videos.old

mkdir ~/Videos

den neuen Datenträger:

sudo mount /dev/sd[xy] ~/Videos

Danach verschieben Sie alle Inhalte aus „Videos.old“ nach „Videos“, was auch im Dateimanager geschehen kann. Eventuelle Rechteprobleme beheben Sie so:

sudo chmod -cR 777 ~/Videos

Hat dies alles geklappt, tragen Sie den Datenträger mit seiner UUID und Mountpunkt „/home/[user]/Videos“ in die Datei /etc/fstab ein.

Mount-Trick in der Datei /etc/fstab: Das unter /mnt/data eingehängte Laufwerk wird über eine zweite Zeile mit der Option „bind“ einfach ins Home-Verzeichnis verschoben.

Kontrolle des Datenträgerzustands (SMART)

Festplatten und SSDs protokollieren Statusinformationen (SMART-Werte), die Hinweise auf Fehler und Defekte geben. Die Werkzeuge Gnome-Disks und KDE-Partitionmanager zeigen die SMART-Werte interner Festplatten an. Das KDE-Tool äußert sich unter „Gerät -> Status“ relativ knapp, jedoch sollte eine positive „Gesamtbewertung: Healthy“ für einen Gesamteindruck ausreichen. Das Gnome-Tool ist unter „SMART-Werte und Selbsttests“ recht gesprächig, sollte aber vor allem hinter „Allgemeine Einschätzung“ die Aussage zeigen: „Das Laufwerk ist in Ordnung“. Bei SSDs steht hinter „wear-leveling-count“ in der Spalte „Normalisiert“ ein wichtiger Wert: Neue SSDs starten bei „100“ und der Wert reduziert sich mit der Zeit. Nähert er sich der „0“, müssen Sie das Laufwerk ersetzen.

Per USB angeschlossene Festplatten berücksichtigt das KDE-Tool ebenfalls, Gnome-Disks allerdings nicht. Hier benötigen Sie das zusätzliche Paket „smartmontools“ und folgenden Terminalbefehl:

sudo smartctl -H /dev/sd[x]

Wenn der Health-Test mit „PASSED“ beantwortet wird, ist die Tauglichkeit des Laufwerks schon erwiesen. Weitere Details gibt es nach

sudo smartctl -A /dev/sd[x]

und noch ausführlicher mit dem Parameter „-a“. Ein wichtiger Wert ist “ Reallocated_Sectors_Ct“, der die Zahl defekter Sektoren anzeigt und im Optimalfall eine „0“ bieten sollte. Gleiches gilt für „Spin_Retry_Count“, weil die hier gezählten, gescheiterten Anlaufversuche auf mechanische Mängel deuten. Seek- und Read-Errors sind hingegen kaum relevant.

Gnome-Disks und die KDE-Partitionsverwaltung lesen die SMART-Werte von Datenträgern aus. Die angezeigte SSD ist neuwertig und darf weitermachen:

Kontrolle der Festplattenbelegung

Auf Gnome-Desktops finden Sie das Tool Baobab („Festplattenbelegung“) im Hauptmenü. Es zeigt die Gesamtkapazität und den Füllstand von Datenträgern. Nach Klick auf dem Pfeil ganz rechts startet Baobab eine Ordneranalyse, die es nach kurzer Wartezeit als Kreis- oder Kacheldiagramm visualisiert. Das sieht hübsch aus, doch der Erkenntniswert hält sich in Grenzen. Viele Nutzer werden sich von

df -h | grep /dev/sd

im Terminal schneller und besser informiert fühlen. Vor allem die Prozentzahl („Verw%“) bietet gute Orientierung. Wer eine Größenanalyse der Verzeichnisse benötigt, ist mit einem weiteren Terminalwerkzeug

du -h

übersichtlich beraten. Wer es genauer wissen muss, kann auch das Tool Ncdu nachinstallieren. Das Terminalprogramm sortiert die Verzeichnisse nach der enthaltenen Datenmenge und kann auch aktiv löschen. Um das komplette Dateisystem zu durchforsten, muss man Ncdu auf der obersten Ebene starten („ncdu /“).

Verzeichnisgrößen mit Ncdu ermitteln: Auf SSH-verwalteten Servern ist Ncdu unverzichtbar und selbst auf dem Desktop eine Empfehlung.

Festplatten zusammenlegen

Der Logical Volume Manager (LVM) erlaubt das Anlegen einer „Volume Group“, in welche mehrere physische Laufwerke und Partitionen zu einem logischen Laufwerk zusammengefasst werden. Der angelegte Verbund ist dynamisch erweiterbar, enthaltene Datenträger können also wieder entnommen oder durch andere ersetzt werden. Das ist sehr flexibel, erhöht aber die Komplexität, zumal der Ausfall eines Datenträgers den ganzen Verbund gefährdet. LVM hat seinen Platz eindeutig auf Serversystemen mit flexiblen Kapazitätsansprüchen und ist nur erfahrenen Admins zu empfehlen.

In Ubuntu & Co kann LVM bereits bei der Installation gewählt werden. Damit wird die Systempartition zum ersten Volume der LVM-Gruppe. Notwendig ist dies nicht, da sich LVM auch nachträglich einrichten lässt – unabhängig von der Systempartition und ausschließlich für Datensammlungen. Mit dem standardmäßig installierten Terminaltool lvm ist die Einrichtung von LVM-Pools allerdings eine mühsame Angelegenheit. Ein grafisches Tool gibt es aktuell nur für KDE – den „KDE-Manager für Laufwerkspartitionen“ (KVPM), der durch das gleichnamige Paket installiert werden kann:

sudo apt install kvpm

Die Installation von kvpm ist auch unter Gnome-affinen Oberflächen (Gnome, Cinnamon, XFCE) möglich.

Mit KVPM ist der Ablauf dann recht bequem. Nachdem alle Laufwerke für den künftigen Datenpool angeschlossen, starten Sie den Manager mit root-Recht:

sudo kvpm

Klicken Sie in der Übersicht nacheinander mit rechter Maustaste auf alle Laufwerke und Partitionen, die zum neuen Pool gehören sollen, und wählen Sie „Filesystem operations -> Unmount filesystem“. Danach verwenden Sie das Menü „Volume Groups -> Create Volume Group“, markieren die Datenträger mit Kreuzchen und vergeben einen Gruppennamen. Nach „OK“ finden Sie im Register „Group: [Name]“ den zusammengelegten Speicher, den Sie nun – am einfachsten nach Rechtsklick auf den grünen Balken – mit „Create logical volume“ als ein logisches Volume definieren. Nutzen Sie mit dem Schieberegler den maximalen Platz und vergeben Sie einen Volumenamen. Der Speicherbalken ändert nun seine Farbe und nach Rechtsklick darauf können Sie den Speicherplatz in das Dateisystem mounten. Dabei ist noch ein beliebiges Dateisystem zu wählen und der gewünschte Mountpunkt.

KDE-Manager für Laufwerkspartitionen (KVPM): Hier werden drei Laufwerke unter dem Namen „The_Big“ zusammengefasst. Das Gesamtvolume muss dann noch formatiert werden.

Datenträger im Bereitschaftsmodus

Festplatten lassen sich in den Ruhemodus schicken. Die Gnome-affinen Ubuntus inklusive Mint können mit Gnome-Disks („Laufwerke“) einstellen, wann sich eine Festplatte abschalten soll. Wählen Sie dort die gewünschte Festplatte aus, und gehen Sie im Menü auf „Laufwerkseinstellungen“. Auf der Registerkarte „Bereitschaft“ setzen Sie den Schalter auf „An“ und stellen die Zeit ein, nach der die Festplatte sich abschalten soll. Die Zeitspanne reicht von „Niemals“ bis „3 Stunden“. Das funktioniert neuerdings auch mit externen USB-Laufwerken.

Wenn Gnome-Disks fehlt, kann auch hdparm im Terminal den Bereitschaftsmodus konfigurieren. Ermitteln Sie zuerst mit

blkid

die Laufwerke, Bezeichnungen und UUID-Kennungen. Ist die gewünschte Festplatte beispielsweise „/dev/sdb“, dann aktivieren Sie mit diesem Befehl den Ruhezustand:

sudo hdparm -y /dev/sdb

Wenn das funktioniert, können Sie eine automatische Abschaltung festlegen:

sudo hdparm -S 180 /dev/sdb

Der Wert hinter „-S“ steht für 180 mal 5 Sekunden, also 900 Sekunden oder 15 Minuten. Verwenden Sie „-S 0“, wenn sich eine bestimmte Festplatte niemals abschalten soll (siehe auch: man hdparm). Diese Maßnahme wirkt allerdings nur bis zum nächsten Neustart. Für eine dauerhafte Änderung bearbeiten Sie die hdparm-Konfigurationsdatei:

sudo nano /etc/hdparm.conf

Fügen Sie im Editor folgende Zeile am Ende der Datei an:

/dev/disk/by-uuid/[UUID] { spindown_time = 180 }

Die UUID-Kennungen ermittelt das Kommando blkid.

Hinweis: Der Bereitsschaftsmodus ist nur bei Daten- oder Backupplatten sinnvoll. Auf der Festplatte mit der Systempartition finden ständig Laufwerkszugriffe statt – die Festplatte würde also nach dem Abschalten sofort wieder anlaufen. Die Folge wäre mehr Verschleiß statt weniger.

Datenfestplatten in den Ruhemodus schicken: Gnome-Disks beherrscht diese Aufgabe, notfalls ist dies aber auch über hdparm im Terminal zu steuern.

Linux-Verzeichnisstruktur

 /  Wurzelverzeichnis, bei vielen Dateimanagern als „Rechner“ bezeichnet  
 /boot  systemkritischer Ordner mit den zum Booten notwendigen Dateien: Kernel, Bootmanager und Ramdisk  „initramrd“ mit Treiberausstattung  
 /boot/grub  systemkritischer Ordner mit den Konfigurationsdaten für den Grub-Bootmanager; optionale Eingriffe in die Datei  grub.cfg nur für erfahrene Benutzer  
 /bin  systemkritischer Ordner mit den zentralen ausführbaren Programmen, die für den Systembetrieb notwendig sind   (etwa bash, chmod, login, lsblk, mount …);  s. a. /sbin und /usr/bin
 /cdrom  alter Mountordner für den Inhalt optischer Laufwerke, eigentlich obsolet (ähnlich das inzwischen seltene /floppy)  
 /dev  Systemverzeichnis für Gerätedateien: Alle erkannten Geräte sind hier konsequent als Datei abgebildet  
 /etc  zentrales Verzeichnis für alle systemweiten Konfigurationsdateien, zum Teil als Einzeldateien im Hauptverzeichnis /etc wie etwa sudoers (sudo-Rechte), fstab (Laufwerke), mime-types (Dateitypen), shadow (Konten und Kenn wörter), zum größeren Teil in Extra-Verzeichnissen – prominente Beispiele: 
  /etc/apache2 für die Konfiguration des Apache-Webservers 
  /etc/apt/ mit der Liste der angemeldeten Paketquellen (sources.list und /etc/apt/sources.list.d) 
  /etc/samba mit der Konfiguration des Samba-Servers und der Windows-Freigaben (smb.conf) 
  /etc/ssh mit der Konfiguration von Open SSH als Client (ssh_config) und Server (sshd_config)  
  /etc/X11 für Konfigurationen der grafischen Oberfläche  
 /home  Sammelordner für alle sämtliche Benutzerkonten (mit Ausnahme von root)  
 /home/[user]/  Home-Verzeichnis eines Benutzers mit typischen Unterordnern für Benutzerdaten („Dokumente“, „Bilder“ etc.)
  /home/[user] ist neben den temporären Mountordnern /media/[user] und /run/user/[Konto-ID] das einzige Ver zeichnis mit allen Rechten für den Benutzer inklusive Besitzrecht 
 /home/[user]/.cache  benutzerbezogener Zwischenspeicher hauptsächlich für Schriften, Bildminiaturen und Systemicons  
 /home/[user]/.config  wichtiger versteckter Sammelordner für benutzerspezifische Softwareeinstellungen (Desktop-einstellungen, Sprache, Autostart, Webbrowser, Mail, Mime-Dateitypen, Software aller Art) 
 /home/[user]/.local  weiterer Sammelordner für Desktop-Benutzereinstellungen, die Priorität über allgemeine Einstellungen erhalten,  zum Beispiel eigene oder geänderte Verknüpfungen (.desktop-Dateien) unter ../.local/share/applications
 /lost+found  enthält nach Dateisystemprüfungen mit fsck gerettete Dateifragmente (in der Regel nur für Forensiker verwertbar)  
 /media  Mountordner für Wechseldatenträger wie USB- oder DVD-Laufwerke, wird beim Automount grafischer Oberflächen nach Anschluss von Medien in der Regel als Mountpunkt genutzt (macht /cdrom und /floppy obsolet). Die Inhalte werden dabei unter /media/[user]/[Laufwerk] mit allen Rechten für den aktuellen Benutzer geladen.
 /mnt  optionaler Ordner für temporäres und statisches Mounten externer Datenträger wie USB- oder DVD-Laufwerke   (wird vom Automount auf heutigen Systemen nicht mehr genutzt, siehe /media)
 /lib  und /lib64   systemkritische Ordner mit unentbehrlichen Systembibliotheken (32 und 64 Bit). Weitere lib-Ordner mit System bibliotheken (etwa /usr/lib, /var/lib) sind für Anwendungssoftware notwendig, aber nicht systemkritisch
 /opt  optionaler Sammelordner für nachträglich installierte Programme, die nicht zum Standardrepertoire einer Linux-Distribution gehören    
 /proc  und /sys Sammelordner für dynamisch abgefragte System- und Hardwaredaten aller Art, insbesondere zu CPU, RAM,  Kernel, Datenträger und Prozesse;  /proc ist Informationsquelle für viele Systemtools, etwa für CPU- oder RAM-Abfragen (Beispiel-Quelldateien: cpuinfo, meminfo, modules, mounts, partitions, uptime)  
 /tmp  Sammelordner für temporär benötigte Dateien bei der Softwareausführung und bei installationen – das einzige  Verzeichnis, auf das alle Systemkonten uneingeschränkten Schreibzugriff haben   
 /root  Home-Verzeichnis des Pseudo-Kontos root;  falls root aktiviert und genutzt wird, entstehen dieselben Unterver zeichnisse für Benutzerdaten und Konfigationsdaten wie bei /home/[user]
 /run   dynamische Informationsablage für alle Programme (tmpfs-Ordner während der Systemlaufzeit)  
 /run/user/[user-id]/gvfs/  Mountordner für automatisch eingehängte Netzressourcen unter Gnome-artigen Desktops (Gnome, Budgie, Cinnamon, XFCE)  
 /usr  kein „User“- oder „Benutzer“-Ordner, sondern der umfangreiche Sammelordner für die nicht-systemnahe Anwen dungssoftware („User System Resources“), also die am Desktop meistgenutzen Programme  
 /usr/bin  enthält die meiste Anwendungssoftware für die grafische Oberfläche (vgl. /bin und /sbin)  
 /usr/lib  bevorratet die zugehörigen Systembibliotheken für nicht-systemnahe Anwendungssoftware  
 /usr/local  ergänzender Softwareordner: ausführbare Programme unter /usr/local/bin haben Vorrang gegenüber dem Pfad /usr/bin  
 /usr/share/applications  Sammelordner für Programmstarter, die in Menüs oder am Desktop angezeigt werden  
 /sbin  systemkritischer Ordner mit zentralen ausführbaren Programmen für die Systemverwaltung, die nur mit root- Recht laufen (etwa fdisk, fsck, hdparm, mkfs, parted …); s. a. /bin und /usr/bin
 /srv  gemäß FSH-Standard (Filesystem Hierarchy) der Standard-Mountordner für Datenträger auf Serversystemen,  wobei manche Serversysteme nach wie vor /mnt oder /media verwenden
 /var/log  Sammelordner für Systemprotokolle  
 /var/spool  Verzeichnis für abzuarbeitende Warteschlangen, in erster Linie Druckaufträge  
 /var/www/html  Standardordner für Apache- oder Nginx-Webdienste  
VIRTUELLE ORDNER
 computer:///  Übersicht über alle physischen Datenträger sowie der aktuell eingehängten Netzwerkfreigaben  
 applications:///  Übersicht der installierten (Gnome-)Programme  
 burn:///  Dateien, die für das Brennen auf CD/DVD vorgemerkt sind  
 fonts://  Übersicht über die installierten Schriften  
 preferences:///  Systemeinstellungen – gleichbedeutend mit dem Aufruf gnome-control-center  
 trash:///  Papierkorb – gleichbedeutend mit Klick auf „Papierkorb“ im Dateimanager  

Rtcwake automatisiert Systemstart

Systemstart und Shutdown können Sie komplett automatisieren: Das Tool rtcwake ist auf Linux Mint vorinstalliert und kann einen Rechner ausschalten (oder in einen ACPI-Ruhezustand zu versetzen) und zur gewünschten Zeit wieder starten. Das „rtc“ im Toolnamen steht für Real Time Clock und bezieht sich auf die physikalische Hardware-Uhr. Diese läuft auch, wenn der Rechner in einem Ruhezustand oder komplett ausgeschaltet ist und kann den Neustart auslösen, wenn ein definierter Zeitpunkt erreicht ist. Unter Linux ist dieser Zeitpunkt in der Datei „/sys/class/rtc/rtc0/wakealarm“ abgelegt, und das Tool rtcwake ist das Werkzeug, diesen Zeitpunkt vorzugeben. Im einfachsten Fall sieht ein Kommando so aus:

sudo rtcwake -m off -s 60

Der Befehl ist gut geeignet, um zu testen, ob die Hardware mitspielt (x86-Hardware praktisch immer, ARM-Rechner nicht immer). Der Schalter „-m“ bestimmt den ACPI-Modus. Mögliche Werte sind „standby“, „mem“, „disk“ oder „off“ (komplettes Ausschalten). Als zweiter Parameter ist hier „-s“ („seconds“) mit einer nachfolgenden Zeitangabe in Sekunden angegeben. Der obige Testbefehl wird also das System herunterfahren und nach einer Minute neu starten (60 Sekunden).

Als zweiter Parameter ist hier „-s“ („seconds“) mit einer nachfolgenden Zeitangabe in Sekunden angegeben. Der Testbefehl wird also das System in die Bereitschaft versetzen nach einer Minute neu starten (60 Sekunden). Obwohl mit Schalter „-t“ („time) auch eine exakte Zeitangabe möglich ist, empfehlen wir, den geplanten Neustart immer mit Parameter „-s […]“ anzugeben, selbst wenn es sich um viele Stunden handelt. Es ist wenig Mühe, etwa zehn Stunden in Sekunden umzurechnen (10*3600=36000).

Um Shutdown und Start zu automatisieren, kommt nun der Zeitplaner Cron ins Spiel: Nach dem Aufruf der Crontab-Editors mit

sudo crontab -e

schaltet folgender Crontab-Eintrag

0  22  *  *  *  /usr/sbin/rtcwake -m off -s 36000

den Rechner täglich um 22:00 Uhr ab und startet ihn nach 36000 Sekunden (10 Stunden) wieder – somit exakt um 8:00 Uhr.

Odroid-Miniserver (2019)

Wer meint, die koreanische Firma Hardkernel mit ihren diversen Odroid-Produkten („Open Droid“) sei ein typischer Raspberry-Trittbrettfahrer, liegt mindestens teilweise falsch. Die Firma gibt es schon länger und ihr erster Platinenrechner „Odroid-PC“ datiert aus dem Jahr 2011, also ein Jahr vor dem ersten Raspberry Pi. Richtig ist aber, dass Hardkernel früh und umtriebig auf den Erfolg des Raspberry Pi reagiert hat und seit 2012 die komplette Produktpalette als Raspberry-Konkurrenz ausrichtet. Der Raspberry-Boom veranlasste Hardkernel zur Fokussierung auf Mini-Server und Platinenrechner.
Die an sich vernünftige Kernstrategie war offenbar immer, für moderat höhere Preise deutlich mehr Leistung anzubieten als der Raspberry Pi. Die zahlreichen Odroid-Varianten der Jahre 2012 bis 2019 zeugen allerdings von hektischer Betriebsamkeit, die beim Konsumenten eine gewisse Ratlosigkeit hinterlässt, inwiefern sich die Produkte unterscheiden. Nachhaltigkeit und Weitblick war hier nicht zu erkennen, und diverse Odroid-Projekte kamen und starben wie Eintagsfliegen: Die sehr lange Spalte „Obsolete products“ auf der Herstellerseite http://www.hardkernel.com/main/products/prdt_info.php spricht für sich. Inzwischen hat Hardkernel seine Produktpalette konsolidiert. Der Durchblick ist heute einfacher, verlangt aber immer noch genaueres Hinsehen. Dies sollen die nachfolgenden Seiten leisten. Die aktuell noch gepflegten Odroid-Platinen verdienen diese Übersicht, da sie qualitativ und zumeist auch in der Komponentenzusammensetzung überzeugen. Eine Produktübersicht des Herstellers bietet die oben genannte Hardkernel-Webseite.

Verträgt der südkoreanische Hersteller Hardkernel, der die Odroids baut, noch mehr Konkurrenz? Die Odroid-Platinen kannibalisieren sich nämlich bereits ordentlich untereinander. Die zahlreichen Odroid-Varianten der Jahre 2012 bis 2019 beweisen viel innovatives Potential, aber keine nachhaltige Strategie. Der nächste Odroid in der jeweiligen Preisklasse ist quasi immer der Killer des letzten Odroid. Aber vielleicht ist das ja die Strategie – und beim Raspberry ja auch nicht anders. Im Unterschied zum Raspberry skalieren die Odroids aber gewaltig und bieten eine Auswahl für unterschiedliche Leistungsansprüche. Außerdem hat uns bislang jede Odroid-Hardware qualitativ und in der Komponentenzusammensetzung überzeugt. Ein eventueller Schwachpunkt ist die Systemsoftware.

Die Odroids: Allgemeine Vorbemerkungen

Für alle Odroid-Platinen gibt es eine Reihe von Linux- und Android-Betriebssystemen, die Sie herunterladen und mit den üblichen Werkzeugen auf Micro-SD schreiben. Anlaufstelle ist das Wiki https://wiki.odroid.com, das auch über die Hauptseite erreichbar ist (www.hardkernel.com). Sie finden in der linken Spalte die aktuellen Platinenmodelle, und unter dem einzelnen Modell jeweils den Eintrag „os_images“. Hier erscheinen dann die offiziellen Android- und Linux-Images, ferner unter „third party“ weitere inoffizielle, aber beachtenswerte Systeme wie etwa Dietpi oder Openmediavault.

Die Auswahl an Systemen ist insgesamt nicht üppig, aber jederzeit ausreichend: Ein ausbaufähiges LTS-Ubuntu, oft mit Mate-Desktop, ist für alle Platinen im Angebot. Problematischer als die Systemauswahl ist die Tatsache, dass ständig neue Odroid-Geräte die älteren verdrängen und diese dann Software-technisch nicht mehr gepflegt werden. So wird etwa der ältere, sehr brauchbare Odroid U3 längst nicht mehr verkauft und auch nicht mehr gepflegt. Über das letztaktuellste Ubuntu 16.04.6 (mit Update-Support bis 2021) auf dieser Platine wird daher wohl keine jüngere Version mehr hinausführen. Eine ähnliche Entwicklung ist für alle Odroids (außer H2) zu bedenken: Unter Umständen muss dann das Gerät ohne Updates weiterlaufen, was beim lokalen Heimserver kein ernstes Problem ist, aber jede Öffnung für den Internetzugriff verbietet.

Eine weitere Einschränkung gilt für alle Odroids: Die Platinen haben allesamt keinen WLAN/Bluetooth-Funkchip an Bord. Das ist letztlich konsequent, weil ein H2, N2, XU4 oder HC1 für Serveraufgaben prädestiniert ist, die nur mit verkabeltem Ethernet Sinn machen. Wer zusätzliches WLAN oder Bluetooth benötigt, muss dies über einen WLAN- oder Bluetooth-USB-Stick nachrüsten. Die Firma Hardkernel bietet dafür eigene Dongles, jedoch funktionieren auch alle anderen Linux-kompatiblen Dongles wie Edimax EW-7811UN, Asus N10 Nano oder CSL 300.

Deutscher Vertreiber für sämtliche Odroid-Platinen und Zubehör ist Pollin (www.pollin.de). Das Meiste finden Sie auch bei Reichelt (www.reichelt.de) und Amazon.

Kein Platinenrechner, sondern eher ein Ausbau-Barebone mit Intel-CPU: Der Odroid H2 ist flexibel mit RAM, eMMC-Karte oder NVME-SSD bestückbar, bootet aber auch via USB oder SATA.

Odroid H2: Ein Ausbau-Barebone

Der Odroid H2 wurde Ende 2018 erstmalig angeboten, war nach zwei Tagen ausverkauft und dann erst wieder ab Juli 2019 verfügbar. Das in mehrfacher Hinsicht außergewöhnliche Gerät gehört nicht wirklich in die Kategorie der Platinenrechner, sondern ist ein Ausbau-Barebone, der eher mit Zotac-Boxen oder Intel NUCs konkurriert. Dies zeigt sich schon an der Größe der Platine (11 mal 11 Zentimeter) und an der Tatsache, dass die typische GPIO-Leiste mit den programmierbaren Pins für Bastelprojekte fehlt. Der Odroid H2 ist ganz klar als Barebone für Heimserver oder Zweit-Desktops konzipiert.

Intel-CPU: Mit dem Intel Processor J4105 (Quadcore mit 1,5 bis 2,5 GHz) verlässt der Odroid H2 die sonst übliche ARM-Plattform. Diese Celeron-CPU auf der 130-Euro-Platine ist natürlich kein Gaming-Renner, kann aber mit älteren AMD Phenom/Athlon oder schwächeren Intel-i3-CPUs mithalten und ist jederzeit Desktop-tauglich. Aufgrund der x86-CPU gibt es keinerlei Einschränkungen hinsichtlich des Betriebssystems: Windows kann ebenso installiert werden wie jede Linux-Distribution. Angemessen ist ein leichtgewichtiges Ubuntu, mit dem sich der Odroid H2 geradezu spielt.

DDR4-RAM: Der Arbeitsspeicher kann je nach Bedarf auf zwei Bänken auf bis zu 32 GB bestückt werden (DDR4 SO-DIMM). Für eine der Platine angemessenen Rolle als Daten- oder Medienserver sollten aber 4 GB oder allenfalls 8 GB allemal ausreichen.

Anschlüsse: Für Serverrollen ist der Odroid H2 auch sonst bestens gerüstet: Zwei SATA-3.0-Ports und zweimal USB 3.0 (ferner zweimal USB 2.0) sorgen für schnellen Datentransfer auf angeschlossenen Festplatten. Für den Netztransport sind zwei schnelle Gigabit-Ethernet-Anschlüsse vorhanden, die auch einen Einsatz als Netzwerkbrücke zwischen zwei lokalen Netzen oder als Hardware-Firewall hinter dem Router anbieten. Unter halbwegs idealen Umständen messen wir bis zu 115 MB/s, die der Rechner als Samba-Server ausliefert, was sich dem theoretischem Maximum von Gigabit-Ethernet nähert.

Der Rechner besitzt ein Uefi-Bios wie ein PC und kann sein Betriebssystem von SATA, USB, eMMC-Karte oder NVM-Express-SSD booten. Ein Micro-SD-Einschub wie auf typischen Platinenrechnern ist nicht vorhanden und auch nicht nötig. Die Installation eines Betriebssystems erfolgt wie auf einem PC über ein Linux-Livesystem via USB-Stick oder über ein DVD-Laufwerk am USB-Anschluss. Für Monitoranschluss sind ein HDMI-Ausgang und ein Display-Port 1.2 (4K) vorhanden. Neben der Soundausgabe via HDMI gibt es auch noch analoge Aus- und Eingänge für Klinkenstecker.

Mit solcher Ausstattung kann die Platine locker mehrere Rollen erledigen: In unserem Fall arbeitet er mühelos als zentraler Samba- und SSH-Server, als Apache-Server für eine Dokumentenzentrale und als Kodi-Mediencenter für das TV-Gerät via HDMI.

Lautlos: Die lüfterlose Platine macht keinerlei Betriebsgeräusche und zeigt trotz passiver Kühlung moderate Temperaturen zwischen 40 und 55 Grad. Die Leistungsaufnahme liegt höher als bei Raspberry & Co bei etwa 5 Watt im Leerlauf, 7-8 Watt bei Last und gelegentlichen Spitzen bis zu 12 Watt.

Preise: Der Preis von 130 Euro darf nicht täuschen: Dafür gibt es nur die nackte Platine ohne Netzteil, ohne RAM, ohne Gehäuse, ohne Bootmedium, ohne Kabel. Um das Barebone-ähnliche Ausbau-Board zum Laufen zu bringen, sind folgende Ergänzungen einzuplanen: ein Netzteil (ca. 14 Euro), ein Gehäuse (ca. 12 Euro), 4 GB RAM (DDR4-SO-DIMM, ca. 50 Euro), eMMC-Karte mit 64 GB (ca. 55 Euro), eventuelle Kabel wie Displayport nach HDMI (10 Euro), SATA-Kabel (5 Euro). Es ist ratsam, den Kauf der Komponenten so abzusichern, dass am Ende alles passt. Der Vertrieb pollin.de kann da manche Zweifel beseitigen, insofern er das H2-taugliche Zubehör direkt anzeigt.

Der Gesamtpreis geht dann schnell Richtung 300 Euro, wobei die angeführten Beispiele bei RAM und eMMC sowohl nach oben wie nach unten zu skalieren sind. Eine schnelle eMMC-Karte ist optimal, aber optional, da der Odroid H2 auch reichlich andere Bootoptionen besitzt.

Odroid N2 auf großem Kühler: Das Beste an dieser Hardware sind 6-Kern-CPU, Coolness und geringer Stromverbrauch. Die Input/Output-Leistung ist nicht besser als beim Odroid XU4.

Odroid N2: Coole Platine

Nimmt man den beschriebenen Odroid H2 aus den genannten Gründen aus der Rechnung, ist der Odroid N2 das aktuelle Spitzenmodell der Odroid-Platinenrechner. Der seit Frühjahr 2019 erhältliche Odroid N2 versteht sich mit 40-poliger GPIO-Leiste auch als Bastelplatine, ist aber in erster Linie als Heimserver oder Zweit-Desktop konzipiert. Auffällig ist das Kühlkonzept der relativ breiten Platine, die komplett auf einem ebenso großen, passiven Kühlkörper sitzt.

6-Kern-CPU: Die Platine kombiniert sechs ARM-Kerne – zwei kleine Kerne (Cortex A53 mit 1,9 GHz) und vier große (Cortex A73 mit 1,8 GHz). Die Leistung ist spürbar, aber nicht dramatisch besser als beim neuen Raspberry. Mit dieser CPU und dem Mali-Grafikchip G52 liefert der Odroid N2 einen nahezu flüssigen Desktop. Beim Einsatz als Zweit-Desktop ist die Hardware dem Raspberry Pi 4 eindeutig überlegen.

Anschlüsse: Der Odroid N2 bietet kein SATA, aber viermal USB 3.0. Für den Netzverkehr gibt es einen Gigabit-Ethernet-Anschluss, womit der Rechner als Samba-Server bis zu 110 MB/s liefert. Weniger erfreulich ist die Leistung der USB-Ports, die sich per internen Hub einen USB-3.0-Kanal teilen. Dies führt beim lokalen Austausch zwischen diesen USB-Laufwerken zu eher enttäuschendem Durchsatz. Eine große Datenfestplatte ist daher die klügere Ausstattung als mehrere kleine, zumal diese einen zusätzlichen Hub erfordern.

Alternativ zur Micro-SD-Karte kann das Betriebssystem auch von einer schnelleren eMMC-Karte gebootet werden. Die Auswahl des Boot-Mediums erfolgt über einen kleinen Schalter auf der Platine. Zur Soundausgabe gibt es neben dem typischen HDMI-Ausgang (Standardgröße) einen analogen Ausgang für Klinkenstecker. Außerdem ist ein Infrarot-Empfänger an Bord.

Lautlos und kühl: Die mit 10 mal 9 Zentimeter relativ breite Platine auf dem großen passiven Kühler arbeitet lüfterlos und somit absolut lautlos. Das Kühlkonzept scheint überzeugend, da die Platine im Leerlauf nur 35 Grad meldet und unter Last kaum über 45 Grad zu heizen ist. Das ist auch haptisch anhand der offenen Platine leicht zu verifizieren, während man beim Raspberry Pi 4 die Finger besser weglässt. Das Gerät bestätigt seine Coolness auch beim Stromverbrauch: Nur 2 bis 3 Watt fordert der Leerlaufbetrieb und bei Last geht es maximal Richtung 5 Watt.

Für die Stromversorgung externer 2,5-Zoll-USB-Festplatten über die USB-Ports gilt Ähnliches wie beim Raspberry: Zwei Laufwerke sind bereits zu viel, spätestens dann, wenn die Laufwerke Arbeit bekommen. Ohne zusätzlichen, aktiven USB-Hub geht es also auch hier nicht.

Preise: Die Platine gibt es mit 2 oder 4 GB DDR4-RAM für circa 80 beziehungsweise 95 Euro. Wenn Kabel für HDMI und eine SD-Karte vorhanden sind, ist der Odroid N2 damit bereits vollständig ausgestattet. Das optionale Gehäuse für etwa 7 Euro ist eigentlich nur eine Abdeckung, die in die Schiene des Lüftersockels geschoben wird.

Odroid XU4: Das Auslaufmodell

Bis Ende 2018 noch Spitzenmodell gerät der Odroid XU4 durch die hauseigene Konkurrenz und den Raspberry Pi 4 zum Auslaufmodell. Die Platine hat gegen den Pi 4 nur noch schwache Argumente, und wem dieser nicht genügt, kann zum Odroid N2 greifen. Das ist fast bedauerlich, denn der XU4 hat sich im Server-Dauerbetrieb als äußerst robust und zuverlässig erwiesen. Solche Nachhaltigkeit als unermüdlicher Rechenknecht muss der Odroid N2 erst noch nachweisen. Desktop-tauglich ist der XU4 allerdings im Unterschied zum N2 definitiv nicht. Die besten Chancen hat die XU4-Hardware eventuell noch in ihren spezialisierten Varianten HC1 und HC2, die ebenfalls auf Odroid XU4 basieren (siehe unten).

CPU und RAM: Der Achtkerner arbeitet mit zwei Quadcore-CPUs, wobei je nach Auslastung der Vierkerner Cortex A15 mit 2 GHz oder der sparsamere Vierkerner Cortex A7 mit 1,4 GHz zum Zuge kommt. Mit standardmäßig zwei GB DDR3-RAM ist die Platine für den Serverbetrieb ausreichend bestückt.

Anschlüsse: Entscheidend für den Datendurchsatz ist die Kombination von USB 3.0 (zweimal) mit Gigabit-Ethernet. Die theoretischen 125 MB/s erreicht die Platine zwar nicht, aber 80 bis 90 MB/s sind maximal möglich. Als Boot- und Systemmedium kommt sowohl die typische Micro-SD-Karte als auch eine eMMC-Karte infrage. Die Auswahl des Medium erfolgt über einen kleinen Schalter auf der Platine. Für Erweiterungen und Bastellösungen gibt es zwei Pin-Anschlüsse (30 plus 12).

Mit und ohne Lüfter: Das Kühlkonzept des Odroid XU4 wurde seit seinem Erscheinen 2015 vielfach kritisiert. Von Platinenrechnern erwarten die Kunden lautlosen Betrieb. Der XU4 hat einen aktiven Lüfter, der seine kleinen Maße mit hoher Drehzahl ausgleicht. Das Geräusch ist nicht laut, aber aufgrund der hohen Frequenz unüberhörbar. Beim Einsatz als Medienserver im Wohnzimmer kann das durchaus stören. Daher hat Hardkernel den Odroid XU4Q mit passivem Kühlkörper nachgeschoben („Q“ für „quiet“). Die Variante ist etwas preiswerter, aber etwas leistungsärmer, weil die Platine hier häufiger auf die schwächere A7-CPU schaltet. Wer einen XU4 besitzt, kann den aktiven Lüfter auch durch den passiven Kühlkörper ersetzen, der als Einzelzubehör für etwa acht Euro verkauft wird.

Stromverbrauch: Die Platine kommt im Idle-Betrieb auf etwa 4 Watt und fordert bei Last und laufendem Lüfter bis zu 10 Watt.

Preise: Die Preise für den Odroid XU4 dürften demnächst purzeln. Bislang kostet er immer noch etwa 80 Euro, als lüfterloser XU4Q circa 75 Euro (www.pollin.de). Aktuelle Bundles liegen aber bereits unter 100 Euro und liefern Gehäuse, Netzteil, SD- und eMMC-Karte mit.

Odroid XU4 mit und ohne Lüfter: Die bewährte Platine bleibt mit Netzteil, Gehäuse, eMMC- und SD-Karte unter 100 Euro. Die lautlose XU4Q-Variante mit passiver Kühlung taktet etwas niedriger.

Odroid HC1/HC2: Kleine Heimserver

„HC“ steht für „Home Cloud“. Die beiden Odroid-Varianten basieren auf XU4 und sind hinsichtlich CPU, GPU, RAM und Gigabit-Ethernet identisch ausgestattet. Statt USB 3.0 (nur einmal USB 2.0) gibt es hier eine SATA-3-Schnittstelle für genau eine Festplatte oder SSD, die in das Alu-Gehäuse eingeschoben wird. HC1 und HC2 fokussieren auf einen kleinen, schnellen Netzwerkspeicher für private Zwecke. HC1 und HC2 haben kein HDMI oder sonstigen Monitor-Anschluss: Das System kann nur über das Netzwerk mit SSH erreicht und verwaltet werden.

Preise: Die lüfter- und lautlosen HC1 und HC2 kosten circa 60 und 65 Euro. Der einzige Unterschied der beiden Varianten ist das Alu-Gehäuse, das beim HC1 nur ein 2,5-Zoll-Laufwerk, beim größeren HC2 wahlweise eine 2,5- oder 3,5-Zoll-Festplatte aufnimmt. Das unentbehrliche Netzteil kostet circa 8 Euro.

HC1/2 („Home Cloud“) basieren auf dem XU4, haben aber einen SATA-Anschluss für eine Festplatte (HC1 nur 2,5 Zoll). Wo dies genügt, bietet die Hardware ein aufgeräumtes Mini-NAS.

Odroid C1/C2: Obsolet

Die soliden Platinen Odroid C1 und C2 waren 2015 mit Quadcore-CPU, 1 oder 2 GB RAM sowie Gigabit-Ethernet als Raspberry-Konkurrenz geplant. Sie konnten aber schon neben dem Raspberry Pi 3 B+ (Anfang 2018) nur noch aufgrund der schnelleren Ethernet-Schnittstelle bestehen – neben dem aktuellen Raspberry 4 wohl definitiv nicht mehr. Der Odroid C2 wird derzeit immer noch für knapp 55 Euro verkauft – Tendenz fallend. Die Pi-Variante mit 2 GB RAM kostet 50 Euro und schlägt den Odroid C2 (ebenfalls 2 GB RAM) in allen anderen Belangen.

Solide Platinen für kleine Aufgaben: Odroid C1/C2 eignen sich besonders für kleine Apache-Webdienste, dürften aber neben dem Raspberry Pi 4 ausgespielt haben.

Exkurs: X86 und ARM – ein CPU-Vergleich am Beispiel Odroid XU4

Die Octacore-CPU des Odroid XU4 mit 2 GHz klingt nach mächtig viel Leistung. Jedoch handelt es sich um zwei Quadcore-ARM-Einheiten, die je nach Anforderung zur schnelleren oder stromsparenderen umschalten. Vor allem aber darf man generell die Taktraten und die Kernzahlen von ARM-Prozessoren nicht annähernd den x86-CPUs von PCs und Notebooks gleichsetzen. Die kleine Tabelle zeigt, dass die Intel Atom-CPU eines 10 Jahre alten Netbooks immer noch knapp vor der ARM-Quadcore-CPU eines Raspberry 3 liegt. Die Platine Odroid XU4 lässt diese Netbook-CPU zwar deutlich hinter sich, kommt aber nicht annähernd an Notebook- und PC-Prozessoren heran. Unser Vergleich wurde mit Sysbench auf der Kommandozeile ausgeführt.

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Angry Search (Dateisuche)

Die Dateisuche in Linux-Dateimanagern genügt für gelegentliche Suchläufe, für häufige Suche in großen Archiven ist sie zu langsam. Das Python-Script „Angry Search“ kann hier aushelfen. Dieser Beitrag bespricht Anspruch und Realität des Tools.

Angry Search hat die erklärte Absicht, das Vorbild „Everything“ unter Windows zu kopieren. Das ist ein ziemlich hoher Anspruch, denn die Freeware Everything gilt Windows-Kennern seit vielen Jahren als Muss: ein stupend schnelles Suchtool mit Suchoperatoren und Serverkomponente, das Millionen Dateien in Millisekunden filtert (www.voidtools.com). Angry Search leistet eine vergleichbar schnelle Instant-Suche beim Tippen der Suchbegriffe, bedarf aber mehr Pflege als sein Windows-Vorbild.

Beachten Sie, dass Angry Search ein reines Dateiwerkzeug ist, das nach Pfaden und Namen sucht, nicht nach Dateiinhalten. Das entspricht seinem Vorbild, das zwar neuerdings optional auch Dateiinhalte durchsuchen kann, dabei aber seinen Leistungsfokus aus den Augen verliert.

Download und Einrichtung

Angry Search ist ein Python-Script (mit drei weiteren Python Hilfsscripts) und somit unter Linux überall lauffähig, da ein Python-Interpreter zum Linux-Standard gehört. Unter https://github.com/DoTheEvo/ANGRYsearch/releases findet sich der Download als zip– oder tar.gz-Archiv, das Sie nach dem Download zunächst an beliebiger Stelle entpacken. Im Terminal suchen Sie dann den entpackten Ordner auf, schalten das kleine Install-Shellscript mit

chmod +x install.sh

ausführbar und starten dieses dann mit diesem Befehl:

sudo sh install.sh

Das war’s schon: Das Script kopiert lediglich einige Python-Scripts nach „/usr/share/angrysearch“ und legt den Link unter /usr/bin/angrysearch.py an. Daher ist spätere eine De-Installation mit dem manuellen Löschen dieser Dateien erledigt.

Nach der Einrichtung ist Angry Search als „ANGRYsearch“ im Hauptmenü oder im Gnome-Dash erreichbar, aber auch im Terminal über den Befehl angrysearch. Download-Archiv und der entpackte Ordner können danach im Prinzip gelöscht werden.

Neben dem benötigten Python-Interpreter hat das Tool nur zwei abhängige Pakete: Das Paket xdg-utils ist auf praktisch jeder Desktop-Distribution anzutreffen, das Paket python3-pyqt5 meistens auch. Sollte nach der Einrichtung der Aufruf scheitern, wiederholen Sie den Start im Terminal mit dem Befehl angrysearch, um die Ursache herauszufinden. Unter Ubuntu Gnome erhielten wir etwa die Meldung:

„No module named ‚PyQt5′“

In diesem Fall fehlt das genannte Paket python3-pyqt5, das Sie mit

sudo apt install python3-pyqt5

schnell nachinstalliert haben.

Suchoptionen und Konfiguration

Beim ersten Aufruf erhalten Sie einige Infos über die Konfigurationsdateien und die fundamentale Nutzung. Diese Startinfo lässt sich jederzeit wiederholen, indem der Dateiindex gelöscht oder der Suchmodus geändert wird. Konfiguration und Index liegen benutzerbezogen unter „~/.config/angrysearch/angrysearch.conf“ und „~/.cache/angrysearch/angry_database.db“. Den Index erstellen Sie im Tool mit der Schaltfläche „update“. Dabei berücksichtigt Angry Search standardmäßig das komplette Dateisystem. Die Indexierung erfolgt auf lokalen Datenträger extrem schnell, bei eingehängten Netzwerkressourcen kann der Vorgang zwei, drei Minuten dauern.

Wenn Sie bestimmte Pfade ausschließen wollen, tragen Sie diese in die angrysearch.conf nach

directories_excluded=

ein – und zwar mit Leerzeichen getrennt (etwa „directories_excluded=/bin /var /etc“). Umgekehrt müssen Sie dafür sorgen, dass der Index tatsächlich alle Ressourcen erfasst, die Sie durchsuchen möchten. Diese müssen also vor dem Klick auf „update“ ordnungsgemäß gemountet sein.

Anders als beim Vorbild Everything ist der Index statisch, muss also von Zeit zu Zeit erneuert werden. Der Entwickler empfiehlt einen Cronjob, wobei einfach das Hilfstool angrysearch_update_database.py alle sechs Stunden gestartet wird. Der Eintrag (nach crontab -e) sieht dann wie folgt aus:

0 */6 * * *
/usr/share/angrysearch/angrysearch_update_database.py

Im Prinzip reicht aber auch im grafischen Tool ein gelegentlicher Klick auf „update“, bevor Sie eine Kaffeepause machen.

Standardmäßig gilt eine einfache UND-Syntax, wobei Angry Search praktisch ohne Verzögerung auf Tippeingaben reagiert: Auf „büro steuer“ wird das Tool vom ersten Buchstaben an das Datenmaterial sofort auf die passenden Dokumente filtern. Teilstrings von Wörtern berücksichtigt das Script nur, wenn Sie das Häkchen rechts vom Suchfeld abschalten. Das Häkchen steht für den schnellsten Modus und ist der Standard, würde aber bei der Eingabe „büro teuer“ keine Dateien zu „Steuer“ finden.

Angry Search hat nach unserer Kenntnis keine darüber hinausgehenden Möglichkeiten mit „NOT“- oder „OR“-Operatoren – so jedenfalls mit dem Standardsuchfeld. Wer höhere Ansprüche hat, muss auf die komplexen Regular Expressions ausweichen, die das Tool mit der Taste F8 anbietet: Nach F8 erhält das Suchfeld eine Orange-Färbung und akzeptiert Regex-Syntax, etwa eine OR-Suche mit „händel|haendel“ oder etwas komplexer:

(händel|haendel).*trio

Angry Search ist auch im Regex-Modus richtig schnell, jedoch haben vermutlich nur wenige Anwender die Kompetenz, aus dem Handgelenk korrekte Regex-Abfragen zu tippen.

Die im Fenster angezeigten Suchergebnisse können Sie einfach per Doppelklick mit dem zugeordneten Standardprogramm laden. Außerdem gibt es nach Rechtsklick die Option „Open Path“, um das Verzeichnis der gewählten Datei im Dateimanager anzuzeigen. Je nach Distribution kann es hier eventuell Korrekturbedarf geben: Beim von uns zufällig genutzten Linux Mint Mate verabschiedete sich Angry Search regelmäßig kommentarlos, wenn für ein Suchergebnis „Open Path“ gewählt wurde. Offensichtliche Ursache war, dass das Paket xdg-utils den Dateimanager Nemo an Angry Search meldet, der Dateimanager in dieser Mint-Variante aber „Caja“ heisst. Dies lässt sich in der Konfigurationsdatei angrysearch.conf über die Zeile

file_manager=caja

leicht korrigieren, sofern man die Ursache erkannt hat.

Fazit: Eine empfehlenswerte Systemergänzung

Wer eine Menge Dateien an Bord hat und eine halbwegs systematische Namensgebung für Ordner und Dateien, sollte sich Angry Search einrichten. Das Tool ist ein phänomenaler Zeitsparer. Ein Beispiel: Die Suche mit dem Dateimanager nach der UND-Verknüpfung „metallica reed“ dauerte mehr als eine Minute, bis sie die Lulu-Suite dieser Band ans Licht beförderte. Etwa doppelt so schnell arbeitet ein find-Befehl im Terminal – mit allen Nachteilen der mühsamen Eingabe und Weiterverarbeitung der Suchergebnisse. Angry Search? Das Tool zeigt die Resultate sofort – noch während des Eintippens. Dabei sollten die Standardeinstellungen im Alltag die besten Ergebnisse liefern, für eine Berücksichtigung von Teilstrings genügt es, das Häkchen neben dem Suchfeld zu deaktivieren. Die optionale Regex-Suche dürfte hingegen die meisten Anwender überfordern. Etwas Erfahrung sollte der Suchtool-Nutzer aber in jedem Fall mitbringen, damit die indexierten Orte stets ordnungsgemäß eingehängt sind, der Index aktuell bleibt (Crontab) und eventuelle Korrekturen in der Konfigurationsdatei (angrysearch.conf) keine Hürde darstellen.

Ob der Entwickler den Vergleich zu Everything suchen sollte, bleibt aber fraglich: Das Windows-Tool aktualisiert dynamisch, bietet erweiterte Suchoperatoren und sogar eine Client-Server-Komponente für die Suche übers Netzwerk.


Schlanke Konfiguration: Die wenigen Einstellungen der Konfigurationsdatei sind auf der Projektseite https://github.com/DoTheEvo/ANGRYsearch gut dokumentiert.