Mit Hunderten unterschiedlich spezialisierter Distributionen lädt Linux dazu ein, für ältere Geräte passende Systeme und Rollen zu finden. Oder für benötigte Aufgaben sogar gezielt ältere Hardware einzukaufen.

„Linux auf älterer Hardware“ ist ein facettenreiches Thema: Zunächst ist es ja so, dass leichtgewichtige Linux-Desktops und erst recht Server-Distributionen ohne Desktop sehr genügsam sind und daher auf älterer Hardware (5-10 Jahre) und alter Hardware (10-15 Jahre) klaglos laufen. Und dann gibt es ja auch noch Distributionen mit dem spezialisierten Fokus, richtig alte Hardware (15-20 Jahre) mit wenig Speicher und moosalten CPUs wiederzubeleben. Auch 32-Bit-CPUs und CPUs ohne PAE-Erweiterung werden nach wie vor unterstützt.
Ab einer CPU der Pentium-III-Klasse oder AMD Athlon und einem Arbeitsspeicher ab 512 MB (theoretisch ab 256 MB) finden Sie in jedem Fall eine Linux-Distribution, die Windows XP leistungstechnisch ersetzen kann. Generell kommt alles mit den schlanken XFCE- und LXDE-Desktops schwächeren Rechnern entgegen. Die betreffenden Ubuntu-Varianten heißen Xubuntu (mit XFCE) sowie das noch schlankere Lubuntu (mit LXDE/LXQT). Noch Ressourcen-schonender arbeiten Bodhi Linux und Puppy-Varianten.
Das theoretisch mögliche Recycling obsoleter Hardware ist aber letztlich ein Sport ohne Endorphine. Uns geht es hier um ältere Hardware, die unter Linux noch einen richtig guten Job macht. Dabei gibt es eine Reihe von Aspekten und Gegenanzeigen, die manches Altgerät dann doch zum Elektronikschrott erklären. Neben der Hardware geht es natürlich auch um die Aufgabe, die diese Hardware erledigen soll: Geräte, die an einer Desktop-Rolle scheitern, können in anderer Rolle zur Starbesetzung werden.
Kriterien für taugliche Hardware
Ein paar technische Fakten müssen Sie kennen, bevor Sie ein Linux-Abenteuer auf alter Hardware starten. Die nachfolgenden Kriterien und Hardware-Analysen können notfalls mit einem externen Linux-Livesystem erfolgen, falls noch kein Linux vorliegt. Eine weitere Option ist das Minisystem HDT (siehe Kasten). Trotz solider Vorrecherche ist aber oft nur durch praktisches Ausprobieren zu verifizieren, ob die Leistung für den beabsichtigten Einsatzzweck taugt.
Prozessor (CPU): Für brauchbare Leistung sollte ein älterer Rechner eine 64-Bit-CPU mit mindestens zwei Kernen und einer Taktrate von 1-2 GHz mitbringen. Diese schon von 20 Jahre alten Netbooks erreichte Ausstattung reicht für kleine Serverrollen, grenzwertig auch noch als Zweitdesktop oder als „Thin Client“. Leistungsstärker sind 10 bis 15 Jahre alte Notebooks mit höherer Taktfrequenz. Die oberen Ausgabezeilen eines lscpu-Befehls
lscpu | head -8
liefern auf jedem Linux die wesentlichen Daten zum Prozessor. Wenn ein 64-Bit-Prozessor vorliegt, werden als Operationsmodi „32-bit, 64-bit“ angezeigt. Die Anzahl der Kerne steht neben „CPU(s)“, weiter unten die maximale Taktfrequenz in MHz (neben „CPU MHz“ oder auch „Maximale Taktfrequenz der CPU“). Ein Test mit Sysbench wie
sysbench cpu --threads=1 run
sollte unter „CPU speed“ eine möglichst hohe dreistellige Zahl für „events per second“ liefern. Ein noch tauglicher Wert beginnt ab 500 „events“. Zum Vergleich: Ein Raspberry 5 kommt auf etwa 2500 „events“, ein moderner PC auf „4500“.
Das CPU-Thema „PAE“ – eine Eigenschaft, um mit 32-Bit-CPUs mehr als 3,2 GB RAM zu adressieren – sollte man ad acta legen. Prozessoren ohne PAE (lscpu | grep pae bleibt dann ohne Antwort) ist ein Fall für den Elektronikschrott, wenngleich einige Linux-Distributionen solche CPUs immer noch unterstützen (Antix, Bodhi Linux).
Arbeitsspeicher (RAM): 2-4 GB RAM sind für kleine Linux-Distributionen ausreichend. Für kleine Serverrollen mit Samba- oder Apache-Diensten sind 1-2 GB RAM die absolute Untergrenze. Der Befehl
free -m
gibt unter Linux Auskunft, wieviel RAM „gesamt“ („total“) zur Verfügung steht.
Grafikchip (GPU): Die Grafikleistung spielt keine Rolle, wenn ältere Hardware als Daten- (Samba) oder Webserver (Apache) arbeiten soll. Für einen Desktop-Einsatz mit Browser, auch für die Wiedergabe von SD-Videos niedriger Qualität reicht die integrierte Grafikeinheit des Prozessors aus, sofern die CPU die oben genannten Mindestkriterien erfüllt. Kritisch ist der Grafikchip nur beim Einsatz als Mediencenter und Streaming-Server (für das TV-Gerät per HDMI), das 2K- und 4K-Filme (UHD) ohne Aussetzer abspielen soll. Eine Basisinformation zur GPU liefert dieser Befehl
lspci -v
in der Zeile „VGA compatible controller“. Die Web-Recherche zu einem Beispielergebnis wie „UHD Graphics 600“ zeigt dann, was von der verbauten Grafikeinheit zu erwarten ist.
USB-Version: USB 3.0 wäre optimal, wenn ein Altgerät als Datenserver arbeiten soll. USB 3.0 ist äußerlich an den blauen Anschlüssen leicht zu erkennen. Die Befehle
lsusb
inxi --usb
liefern Basisinfos für jeden einzelnen Anschluss, inxi etwas informativer als lsusb. Wer die USB-Ausstattung mit HDT ermitteln muss („PCI-Devices“ -> „USB (Host) Controller“), kann sich an die Regel halten, dass „OHCI“ die veraltete USB-Version 1.1, „EHCI“ (oder „OHCI2“) USB-Version 2.0 und „XHCI“ Version 3.0 indiziert.
Netzadapter: Betagte Rechner haben oft einen Fast-Ethernet-Adapter (100 MBit/s). Für den Einsatz als Zweitdesktop oder als Thin Client mag das ausreichen, für einen Datenserver eher nicht. Ob ein brauchbarer Gigabit-Adapter vorliegt, zeigen etwa diese Terminalbefehle:
networkctl status --all
inxi -N
Boot-Möglichkeiten: Für die Linux-Installation ist ein bootendes Installationsmedium erforderlich. Das kann von einem internen DVD-Laufwerk geschehen, in der Regel aber über USB. Wenn kein DVD-Laufwerk vorliegt und das Gerät über USB nicht bootet (sehr selten), können Sie immer noch auf die unter Punkt 3 beschriebene Methode zurückgreifen.
Lüfter und Geräusche: Welche Betriebsgeräusche verursacht das Altgerät? Die Frage spielt keine Rolle, wenn das Recycling in einer Server-Rolle im Keller stattfindet, aber im Wohnzimmer sind laute Lüfter störend.
Stromverbrauch: Ein Gerät in der Serverrolle sollte zumindest tagsüber permanent laufen. Mehr als 20 Watt Stromverbrauch im Idle-Betrieb sind nicht optimal. Zur Einordnung: Ein Dauerläufer mit 40 Watt kostet im Jahr mindestens 100 Euro. Ob der Stromverbrauch eines Altgeräts im Dauerbetrieb tolerierbar ist, kann nur der Test mit einem Verbrauchsmessgerät ermittelt werden. Einfache Messgeräte sind ab acht Euro erhältlich und zeigen die Leistungsaufnahme in Watt an (pro Stunde). PC-Veteranen benötigen mindestens 60 bis 70 Watt (ohne Monitor) und sind schlechte Kandidaten als Server-Dauerläufer. Notebook-Oldies liegen oft bei 40 Watt und darüber, dies aber immerhin inklusive Display. Das ist weit mehr als ein Home-NAS oder Platinenrechner verbraucht, lässt sich aber im Servereinsatz um bis zu 50 Prozent verringern: Das Display kann als wesentlicher Stromverbraucher per Funktionstaste maximal verdunkelt werden. Ferner ist der Akku im stationären Serverbetrieb überflüssig und sollte entfernt werden. Das verringert den Stromverbrauch signifikant. Mehr als 20 Watt unter Last wird dann auch ein älteres Notebook nach nicht mehr fordern.
Tolerierbare Peripheriemängel
Nach den oben genannten Kriterien sind die bevorzugten Recycling-Kandidaten ältere Notebooks (eventuell auch Netbooks). Nicht mehr Desktop-taugliche Notebooks mit akzeptablem Stromverbrauch sind in der Serverrolle manchem Platinenrechner oder NAS-Gerät sogar überlegen. Es kommt aber noch ein weiteres Motiv hinzu: Bei einem Notebook gibt es durch die integrierte Bauweise mehrere Komponentendefekte, die es für den mobilen Desktop-Einsatz disqualifizieren, aber beim stationären Servereinsatz keine Rolle spielen:
Schwacher oder defekter Akku: Die Preise für einen originalen Hersteller-Akku liegen bei etwa 100 Euro. Das ist für ein jüngeres Notebook sicher zu rechtfertigen, für ein 10 Jahre altes eher nicht mehr. Wie schon angesprochen, ist der Akku bei stationärem Einsatz komplett entbehrlich und die Entnahme spart zudem Strom.
Kaputte Tastatur, defektes Display: Die fachmännische Reparatur kostet sowohl bei Tastaturen wie bei Displays wenigstens 150, bei hochwertigeren Displays 200 bis 250 Euro. Für ältere Notebooks lohnt sich das meist nicht mehr, zumal dafür fast schon leistungstechnisch bessere Refurbished-Gebrauchtware erhältlich ist. Die für den Desktopeinsatz gravierenden Defekte spielen aber beim Einsatz als Headless-Server keine Rolle: Das Notebook als Daten- oder Webserver benötigt weder Eingabe- noch Ausgabeperipherie. Selbst der Grafikchip der Hauptplatine darf defekt sein.
WLAN/Bluetooth und Sound: Für den Server-Einsatz sind auch diese Komponenten kaum relevant. Der WLAN-Funkchip sollte zugunsten des schnelleren Ethernet-Adapters generell ungenutzt bleiben oder deaktiviert werden. Ist er defekt, ist das kein Schaden.
Linux-Setup bei Peripheriedefekten
Wenn die CPU-Leistung stimmt, außerdem Gigabit-Ethernet und USB3 vorliegen, dann sind Notebooks mit Teilmängel geradezu ideale Kandidaten für einen Linux-Headless-Server (Samba, Webserver), der keine lokalen Ein- und Ausgabegeräte braucht. Ein wenig Terminalerfahrung ist aber für die SSH-Fernwartung unerlässlich, da sich viel, aber nicht alles im Browser (via Webserver) erledigen lässt. Einige SSH-Basics und Empfehlungen für den Servereinsatz lesen Sie im Artikel ab Seite 44.
Das primäre Problem gehört aber hier in den Hardware-Artikel: Wie bekommt man ein System auf eine Hardware installiert, wenn dort die Tastatur, Monitor, Grafikchip oder mehrere dieser Komponenten nicht funktionieren?
1. Tastatur defekt: Die einfachste Lösung ist es, für den Vorgang der Installation eine zweite USB-Tastatur per Kabel anzuschließen. Diese arbeiten – im Unterschied zu Bluetooth-Funktastaturen – schon beim Firmware-Start zuverlässig. Das ist entscheidend, weil fast immer der Gang ins Bios oder der Start des Bios-Bootmenüs notwendig ist, um dem Rechner das Linux-Installationsmedium mitzuteilen (meist ein USB-Stick).
2. Display/Grafikchip defekt: Der Anschluss eines externen Monitors am verfügbaren Notebook-Port (VGA-, HDMI- oder Displayport?) funktioniert meistens nicht in der hier wichtigen, frühen Bootphase. Externe Monitore bleiben schwarz und werden erst später durch das Betriebssystem aktiviert. Eventuelle Tricks für manche Firmware, einen sekundären Monitor zu priorisieren, scheitern daran, dass man die Firmware-Optionen mangels Bildausgabe nicht erreicht. Es gibt aber eine relativ einfache Methode, trotzdem ein Linux-System auf die Hardware zu bringen. Die funktioniert praktisch immer, egal ob Tastatur, Display oder Grafikchip defekt ist.

Installation auf anderer Hardware: Linux hat per se keine Hardware-Bindung. Daher lässt sich ein auf anderer Hardware installiertes Linux problemlos umziehen. Die Lösung für ein Notebook mit defektem Display (Tastatur, Grafikchip) sieht daher so aus, dass Sie die SSD oder Festplatte dort entnehmen und temporär in ein anderes Notebook einbauen. Das ist etwas Bastelei, beschränkt sich aber auf ein, zwei Schrauben auf der Unterseite, Deckelabnahme und Abziehen des Datenträgers vom SATA-Port. Auf der zweiten Hardware installieren Sie dann das gewünschte Linux als alleiniges System auf dem Datenträger und wechseln diesen dann wieder zurück zum teildefekten Altgerät. Das wird funktionieren, wenn Sie die folgenden einfachen Regeln beachten:
1. Die Prozessor-Architektur muss identisch sein. Das ist bei praktisch allen Notebooks der Fall (x86-Architektur mit 64-Bit-Intel/AMD).
2. Der Boot-Modus (Uefi oder Bios/Legacy) muss identisch sein. Wenn der defekte Rechner ausschließlich im Uefi- oder nur im Bios-Modus bootet, dann muss Linux auf dem temporären Rechner im passenden Modus installiert werden. Das Problem ist eher theoretisch, weil die Firmware-Standardeinstellung der vergangenen 10 bis 15 Jahre ein Hybrid-Modus war, der beides ermöglicht. Wenn Sie aber wissen, dass Sie dies selbst umgestellt haben auf „Nur Uefi“ oder „Nur Legacy“ (oder ähnlich benannt), dann ist der Installationsmodus wichtig.
3. Belassen Sie nach der Installation auf dem temporären Gerät die Open-Source-Standardtreiber. Installieren Sie keine Herstellertreiber.
4. Stellen Sie nach der Installation am temporären Gerät sicher, dass sich das System mit dem Ethernet-Adapter im lokalen Netz anmeldet. Der Terminalbefehl
ip address
sollte also eine IPv4-Adresse für den Netzadapter melden (Gerätebezeichnung des Adapters ist meistens eth0 oder enp2s0). Falls Sie einen grafischen Desktop installiert haben (für die weitere Serverrolle kaum sinnvoll), können Sie diese Info auch dem Netzwerksymbol in der Systemleiste unter „Kabelverbunden“ entnehmen. Einen eventuellen WLAN-Adapter ignorieren Sie einfach.
Die gemeldete IP-Adresse wird nicht diejenige sein, mit der Sie sich später am Zielgerät über SSH anmelden können. Dort ist ein anderer Ethernet-Adapter (mit anderer Hardware-Mac-Adresse) verbaut, dem der Heimrouter per DHCP dann eine andere IP-Adresse zuweisen wird. Im Prinzip ist es möglich, auf DHCP zu verzichten und dadurch schon am temporären System für eine bleibende Wunsch-IP zu sorgen. Da es aber geringe Mühe ist, die spätere IP-Adresse im Router zu erfragen (Fritzbox: „Heimnetz -> Netzwerk“), verzichten wir an dieser Stelle auf eine Anleitung zu dieser Option.
5. Typische Server-Distributionen bringen den Openssh-Server standardmäßig mit. Kontrollieren Sie nach der Installation am temporären Gerät mit
systemctl status ssh
unbedingt, ob der SSH-Dienst läuft. Wenn nicht, holen Sie den Dienst mit
sudo apt install openssh-server
auf das System und starten ihn dauerhaft:
sudo systemctl start ssh
Ein funktionierender Ethernet-Adapter, eine (später zu recherchierende) IP-Adresse, ein bei der Installation eingerichtetes Benutzerkonto und ein laufender SSH-Dienst: Mehr ist nicht nötig, um das Gerät später über das Netzwerk zu steuern. Sie können aber optional schon am temporären Rechner weitere Software oder einen Serverdienst wie Cockpit (sudo apt install cockpit) einrichten oder das root-Konto aktivieren (sudo passwd root).
Platinen-PCs gegen ältere Netbooks/Notebooks
Beim direkten Vergleich solider älterer Hardware kehrt nach etlichen Jahren des Raspberry-Hypes inzwischen gesunder Pragmatismus ein: Man kann und sollte kleine Platinenrechner nicht zu beliebigen Serveraufgaben prügeln. Selbst der aktuellste Raspberry Pi 3 ist mit USB 2.0 und Fast Ethernet oder gedrosseltem Gigabit-Ethernet kein Favorit für die Rolle als Datenserver.
Netbooks und Notebooks haben bauartbedingte Vorteile: Kontrollmonitor, Tastatur, Maus sind ohne Fummelei jederzeit verfügbar. Auch die Stromversorgung für passiv angeschlossene USB-Datenträger ohne eigenen Netzadapter funktioniert zuverlässig, was bei Platinen nicht immer gegeben ist. Mit der oft gar nicht so kleinen Festplatte ab 160, 200 und bis 500 GB ist auch schon mal ein Basislaufwerk an Bord, das neben dem System die wichtigsten Daten aufnehmen kann.
Die Leistung typischer Atom-CPUs von Netbooks liegt mindestens im Bereich des jüngsten Raspberry 3, lediglich schnellste Platinen wie Odroid XU4 oder Asus Tinker Board schneiden im CPU-Benchmark etwas schneller ab. 10 Jahre alte Notebooks sind meistens leistungsstärker als die ARM-CPUs von Platinen. Hinzu kommt auf Notebooks eine vergleichsweise üppige RAM-Ausstattung mit oft 4 GB (Raspberry 1 GB, Netbooks 1-2 GB).
Der Trend: Während der Raspberry-Hype etwas abflaut, ist der dadurch gewachsene Serverbedarf im Heimnetz ungebrochen. Die Home-Admins halten aber vermehrt Ausschau nach älteren, aber soliden Notebooks und Netbooks als Hardware-Basis für den Linux-Server.
Netbooks: Ideal für Nebenrollen
Netbooks hatten 2007 bis 2010 eine kurze Blütezeit, die durch noch handlichere Tablets ab 2010 jäh beendet wurde. Hardwaretechnisch sind die kleinen Geräte komplette PCs, die aber für den Preis von etwa 250 bis 450 Euro gezielt mit kostengünstigen, leistungsschwächeren und stromsparenden Komponenten bestückt wurden. Typisch sind stromsparende Intel-Atom-CPUs (seltener Celeron) mit bis zu 1,66 GHz, 1 GB RAM (seltener 2 GB), drei USB-2.0-Ports, Fast-Ethernet, WLAN (802.11n), Audio-Chip (Mikro-Eingang und Lautsprecher-Ausgang), Kartenleser, kleines Display mit der Auflösung 1024×600 sowie VGA-Ausgang für einen sekundären Monitor (auch Dual-Monitor-Betrieb). Die mechanische Festplatte bietet meistens 160 bis 250 GB. Netbooks arbeiten zwar nicht lüfterlos, sind aber in Regel sehr leise – leiser als Notebooks. Der Stromverbrauch liegt auch bei Hochlast unter 20 Watt, im Leerlauf unter 10 Watt.
Mit diesen Eigenschaften erreicht oder schlägt ein altes Netbook die meisten aktuellen Platinenrechner. Der Fast-Ethernet-Durchsatz (100 MBit/s) lässt sich mit der Investition in einen USB-to-Ethernet-Adapter zusätzlich verbessern. Der Delock Adapter (ca. 21,50 Euro etwa bei www.reichelt.de) mit schnellem USB 3.0 und schnellem Gigabit-Ethernet kommt am USB-2.0.Port eines Netbooks immerhin auf 300 MBit/s – das entspricht dem gleichermaßen gebremsten Gigabit-Netzadapter beim jüngsten Raspberry 3 B+.
Als komplette Arbeits-Desktops werden Netbooks trotzdem nicht befriedigen. Zum Surfen kann aber ein solches Gerät noch genügen, wenn am Desktop gespart, also etwa ein Lubuntu (www.lubuntu.net) oder Bunsenlabs (www.bunsenlabs.org) gewählt wird. Zudem empfiehlt sich als Webbrowser ein Leichtgewicht, das vielleicht nicht alles kann, aber dafür schnell ist. Falkon (Qupzilla) ist hier ein sehr guter Kompromiss und in allen Standardpaketquellen verfügbar – entweder als Paket „falkon“ oder zumindest als Vorgängerpaket „qupzilla“.
Noch besser eignen sich solide Kandidaten wie ein Asus EEE für kleine Serverrollen im Netzwerk. Flaschenhals für den Dienst als Dateiserver ist USB 2.0: Mit dem bereits erwähnten USB-to-Ethernet-Adapter und damit erreichbaren 300 MBit/s sind aber Heimnetzansprüche in der Regel gut erfüllt. Überhaupt keine Gegenanzeigen gibt es, wenn das Netbook Aufgaben übernimmt, die kein hohes Datenaufkommen haben: Das kann etwa ein Mediawiki (benötigt komplettes LAMP-Paket mit Linux, Apache, Mysql und PHP, siehe www.mediawiki.org) oder ein Dokuwiki sein (benötigt Linux, Apache und PHP, siehe www.dokuwiki.org), das alle wichtigen Notizen, Adressen, Bilder im Heimnetz anbietet. Das kann aber auch eine Web-basierte Dokumentensuche mit dem Tool Recoll sein oder eine PDF-Bibliothek mit der Software Calibre.
Professionelles Renovieren („Refurbish“) von Netbooks scheint sich für Händler nicht zu lohnen. Gebrauchte Netbooks finden Sie praktisch nur über Ebay und private Kleinanzeigen. Die typischen Preise liegen zwischen 50 und 100 Euro. Beim Kauf eines gebrauchten Netbooks sollten Sie Atom-CPUs wie N270, N280 oder höher bevorzugen, ferner eine – allerdings seltene – RAM-Ausstattung mit 2 GB.

Notebooks: Refurbished oder B-Ware als Datenserver
Mit soliden älteren Notebooks können selbst leistungsstarke Platinenrechner wie Raspberry 4/5 kaum mithalten. Neben den allgemeinen Vorteilen des Notebooks wie Display, Tastatur, Maus, Stromversorgung für USB kann das Notebook in der Regel die schnellere CPU und mehr RAM vorweisen. Lediglich der Stromverbrauch ist beim Notebook etwas höher: Nicht allzu alte Notebooks verbrauchen bis zu 25 Watt, sehr alte bis zu 40 Watt (Platinenrechner nur circa 4 bis 10 Watt).
Wer keinen Notebook-Oldie vorrätig hat, sondern ein gebrauchtes Gerät für eine Rolle als Datenserver gezielt erwerben will, sollte penibel auf die Input/Output-Komponenten achten. Ideal wäre USB 3.0 in Verbindung mit Gigabit-Ethernet. Fehlendes USB 3.0 lässt sich kaum kompensieren, langsameres Fast Ethernet (100 MBit/s) hingegen relativ leicht durch einen externen USB-to-Ethernet-Adapter mit Gigabit-Leistung.
Gute gebrauchte Notebooks, die alle diese Voraussetzungen mitbringen und sich mit i3-CPU aufwärts und 4 GB RAM aufwärts für Serveraufgaben ideal eignen, kosten typischerweise 150 bis 300 Euro. Solche Notebooks bieten viele Fachhändler an – zum Teil B-Ware mit leichten Mängeln, ferner Vorführgeräte sowie fachmännisch renovierte („refurbished“) Gebrauchtgeräte. Besonders zu empfehlen sind nach unserer Erfahrung die unverwüstlichen Thinkpads von Lenovo, ferner auch Pro Books oder Elitebooks von HP. Andere HP-Serien wie Pavilion sind hingegen qualitativ allenfalls ausreichend. Dell-Notebooks werden im Server-Dauerbetrieb gerne zu heiß.
Eine größere Auswahl finden Sie bei folgenden Händlern:
www.amazon.de (z. B. „Thinkpad gebraucht“ ab 150 Euro)
www.conrad.de („Refurbished“ oder „Vorführware“ ab 199 Euro)
www.pollin.de („Refurbished“ ab 229 Euro)
www.itsco.de/notebooks („B-Ware“ ab 179 Euro)
www.gebrauchtcomputer24.de/ (ab 89 Euro)
www.luxnote-hannover.de (ab 199 Euro)
www.esm-computer.de (ab 219 Euro)
Wer auf die Sicherheit, die der Kauf bei einem Händler bietet, verzichten kann, wird bei Ebay und Co noch günstigere Angebote finden.
Beachten Sie, dass der größte Schwachpunkt gebrauchter Notebook für den Einsatz als stationärer Linux-Server keine Rolle spielt – der Akku nämlich. Wenn Netbooks oder Notebooks im Dauerbetrieb an der Steckdose hängen, können Sie den Akku komplett entfernen. Das verringert auch den Stromverbrauch, weil das Gerät dann keine Veranlassung mehr hat, den Akku nachzuladen. Das Display, das ebenfalls nur eine Nebenrolle spielt und auch mit Pixelfehler für einen Server taugt, sollte per Funktionstasten so dunkel wie möglich eingestellt werden.
Ältere Platinenrechner, PCs und NUCs
12 Jahre nach dem ersten Raspberry Pi werden die Nachteile von Einplatinenrechnern deutlich: Sie sind nicht skalierbar und veralten rasend schnell. Wer von Anfang an mitgespielt hat und mehrfach auf leistungsstärkere Nachfolger oder Alternativplatinen umgestiegen ist, hat jetzt vermutlich die eine oder andere Platine in der Schublade, mit der sich nichts Ernsthaftes mehr anstellen lässt. Im Vergleich zu aktuellen Platinen sind die frühen Einkerner mit 512 MB RAM, langsamen Ethernet und fehlendem WLAN bestenfalls noch Bastlermaterial. Wer nicht gerne und hobby-mäßig mit Platinen experimentiert, sondern einfach eine nachhaltige Server-Hardware betreiben will, fährt vermutlich mit einem älteren Netbook, Notebook oder Intel NUC besser.
Schlecht steht es auch um die Verwertbarkeit älterer PCs: Die Größe spricht ebenso gegen einen Einsatz im Wohnzimmerschrank wie die typischen Betriebsgeräusche durch alte Lüfter und Festplatten. Außerdem verbrauchen alte wie neue Tower-PCs typischerweise 50 bis 100 Watt pro Stunde (ohne Monitor) und sind damit per se keine idealen Kandidaten für den Dauerbetrieb. Wenn diese Kriterien für Sie keine Rolle spielen, stellen sich immer noch die üblichen Fragen zur Tauglichkeit von CPU, RAM und I/O-Schnittstellen.
Die für den Servereinsatz attraktiven Mini-PCs der Sorte Intel NUC oder Zotac Zbox sind bei kommerziellen Händlern noch kaum anzutreffen. Auf Ebay und privaten Kleinanzeigen müssen Sie bei dieser Geräteklasse besonders genau verifizieren, ob das angebotene Gerät ein Laufwerk und RAM-Bausteine mitbringt.
Oldies als Desktop
Für KDE- oder Gnome-Distributionen sind alte Rechner ab Baujahr 2010 keine idealen Kandidaten, für Windows 11 sowieso nicht. Ein Cinnamon- oder ein pragmatischer XFCE-Desktop läuft aber oft mühelos. Und wenn es sein muss, geht es auch noch sparsamer.
Die Desktop-Nutzung bedeutet deutlich höhere Ansprüche an CPU, RAM und Grafik als ein Servereinsatz. Nicht allzu betagte Rechner taugen aber durchaus als Desktop, wenn man das geeignete Linux installiert. Die nachfolgend empfohlenen Desktop-Distributionen können nicht zaubern, minimieren aber die Ressourcenansprüche zum Teil dramatisch. Da wird mancher Oldie wieder zum Sprinter. Ein ergänzendes Thema ist der Einsatz als „Thin Client“: Ein Hardware-Oldie muss keine Software-Dickschiffe selbst installieren und ausführen. Es gibt komfortable Möglichkeiten, Software über das Netzwerk zu nutzen und die Arbeitslast einem leistungsstarken PC zu überlassen.
Vorentscheidung und Strategie
Das Thema „32 Bit“ klammern wir komplett aus. Inzwischen hat sich nämlich auch Debian, die Basis der meisten Oldie-Distributionen, von 32 Bit verabschiedet. Das einzige aktuelle 32-Bit-Linux ist Antix (Version 26 von März 2026, siehe https://antixlinux.com). Weitere Kandidaten wie Kanotix, MX Linux, Bodhi Linux bieten ältere 32-Bit-Varianten immer noch an, entwickeln aber nur noch in 64 Bit. Das ist nachvollziehbar, weil es bald keine 32-Bit-Anwendungssoftware mehr gibt.
Bei der Wahl eines passenden 64-Bit-Systems sollten Sie nicht mit Minimalisten beginnen. Die Gewöhnung an Distributionen wie Antix, Bodhi Linux oder Q4-OS mit exotischen Desktops wie Icewm, Moksha und Trinity kostet Zeit, die Sie nur bei echtem Bedarf investieren sollten. Es ist klüger, mit vergleichsweise komfortablem Linux zu beginnen und nur dann zu sparsameren Kandidaten zu wechseln, wenn die Hardware nicht mitspielt. Die nachfolgenden Empfehlungen gehen daher Schritt für Schritt von „komfortabel“ bis „minimal“.
Komfortable Distributionen für Oldies
Entscheidend für sparsamen Umgang mit CPU-, RAM- und Grafikressourcen ist die Desktopumgebung. Für ältere Hardware kommen im Wesentlichen Cinnamon, XFCE, LXQT, Trinity, Moksha, LXDE, Fluxbox, Icewm in Betracht.
LMDE: Die Linux Mint Debian Edition (https://linuxmint.com/download_lmde.php) hat mit Cinnamon den attraktivsten Desktop in dieser Liste, der auf Debian-Basis kaum mehr als 800 MB nach der Anmeldung fordert. Das System ist eine Empfehlung für bis zu 12 Jahre alte Hardware und verzichtet im Unterschied zu Ubuntu-Varianten auf Snap-Software.
Xubuntu (https://xubuntu.org) ist eine Ubuntu-Empfehlung für ältere, aber noch nicht moosalte Hardware. Xubuntu bietet mit XFCE eine zwar nicht moderne, aber klassische und ansehnliche Oberfläche, ferner eine komfortable Einstellungszentrale und weitreichende Anpassungsoptionen. Xubuntu unterliegt wie alle Ubuntus dem Snap-Zwang.
MX Linux (https://mxlinux.org/) auf Debian-Basis verwendet in seiner Hauptvariante ebenfalls den XFCE-Desktop, dersich bereits ab Installation voroptimiert von seiner feinsten Seite zeigt. Ein eventueller Vorteil gegenüber Xubuntu ist der Verzicht von MX Linux auf Snap-Software. Ältere Notebooks mit etwa 4 GB RAM sind – wie für Xubuntu – ideale Ziele für die Distribution.
Lubuntu (www.lubuntu.me) unterliegt wie alle Ubuntus dem Snap-Zwang und verwendet den LXQT-Desktop. Damit hat das System ähnliche Hardware-Ansprüche wie XFCE, ist aber ein Stück flotter als die voranstehenden Empfehlungen. Desktop-Komponenten wie das Konfigurationszentrum sind aber pragmatisch reduziert, Zubehör wie der Dateimanager eher von der schlichteren Sorte.
Debian (www.debian.org/distrib) ist neben seinen Derivaten (wie MX Linux oder Kanotix) immer eine leichtgewichtige und solide Wahl. Wenn Sie zur Debian-Installation den Netinstaller wählen (www.debian.org/CD/netinst und hier das „CD image“ für „amd64“), können Sie bei der Installation unter anderem zwischen XFCE-, LXQT- und dem einfachen LXDE-Desktop wählen. Debian verzichtet aber auf Desktop-Vorkonfigurationen: Es erfordert immer etwas Zeit, Einstellungen und Optik zu optimieren.
Minimale Distributionen für Oldies
Kanotix (https://iso.kanotix.com) auf Debian-Basis ist eine gute Wahl für Nutzer, die einen anspruchslosen Desktop suchen, sich aber auf keine Desktop-Experimente einlassen wollen. Dafür eignet sich aktuell die Variante „kanotix64-towelfire-nightly-LXDE“ mit dem pragmatischen LXDE. Das vollständig deutschsprachige System belegt nach der Anmeldung etwa 400 MB RAM. Zur Installation aus dem Livesystem nimmt man besser „Kanotix installieren“ (Calamares) als den „Acritoxinstaller“ – das Livesystem enthält beide Optionen.
Bodhi Linux (www.bodhilinux.com) ist Ubuntu-basiert, aber deutlich schneller und kleiner. Bodhi bootet schnell und ist am Desktop frappierend flott. Das System bleibt nach der Anmeldung klar unter 400 MB RAM. Der Moksha-Desktop ist aber mindestens gewöhnungsbedürftig. Die „Einstellungskonsole“ ist chaotisch, das Fehlen typischer Konfigurationszentralen macht Terminal-Knowhow unerlässlich. Bodhi eignet sich aus dem Stand für Anwendungs-orientierte Nutzer, die auf älterer Hardware ein möglichst schnelles System nutzen wollen. Wer Moksha optimieren will, muss Zeit investieren.
Q4-OS (https://q4os.org) ist ein Debian-System, das sich auf die zwei Oberflächen KDE und Trinity fokussiert. Die Variante mit KDE ist auf Heft-DVD, aber nicht erste Wahl für Rechner-Oldies. Der federleichte Trinity-Desktop (alte KDE-Abspaltung) ähnelt dem Stil alter Windows-Versionen, ist optisch altbacken, aber klassisch, anpassungsfähig und reaktionsschnell. Q4-OS bootet schnell und konsumiert mit Trinity nur 300 MB RAM.
Antix ist ein Debian-Derivat und gilt als der Oldie-Spezialist schlechthin. Mit seinem minimalem Fenstermanager Icewm (oder Fluxbox) fordert Antix nach der Anmeldung kaum mehr als 200 MB. Antix schafft das, was typische Nutzer deutlich überfordern dürfte – nämlich aus den sehr einfachen Fenstermanagern eine erstaunlich hübsche Oberfläche zu bauen. 15 bis 20 Jahre alte Notebooks werden hier wieder zu richtig schnellen Arbeitsmaschinen. Die Auswahl der Antix-Variante auf https://antixlinux.com/download/ sollte mit „full“ beantwortet werden, denn alternative ISOs mit „base“ im Namen enthalten kaum Software.

Oldies als „Thin Clients“
Linux bietet mehr Techniken als jedes andere Betriebssystem, zwei Geräte über das Netzwerk zu verbinden und danach die Software des „Servers“ am zugreifenden Client zu nutzen. In unserem Szenario ist der Client der leistungsschwache Oldie-Rechner. Dessen Last ist bei den nachfolgend beschriebenen Methoden so gering, dass sie jede ältere Hardware stemmt. Die Einschränkungen liegen eher an anderer Stelle:
1. Flotter Remotezugriff auf grafische Programme oder auf die komplette Arbeitsumgebung benötigt ein schnelles Netzwerk, vorzugsweise direkt verkabelt.
2. Mindestens ein leistungsstarker Rechner muss als Server ständig verfügbar sein (auch Energiesparzustände sind ungünstig). Je nach Remote-Methode ist es von Vorteil, wenn dieser Server nicht intensiv genutzt wird. Ein optimaler Server wäre etwa ein Wohnzimmer-PC, der nur für gelegentliche Recherchen oder als TV-Zuspieler dient.
3. Die Remote-Techniken haben ihre je eigenen Vorzüge und Einschränkungen. Wir beschreiben nachfolgend nur die einfachsten Optionen – den RDP-Remotedesktop und SSH mit grafischem X11-Forwarding. Remotelösungen wie VNC oder X2go sind komplizierter und fragiler.
Thin Client: Der RDP-Remotedesktop
Beim Remotedesktop erhält der zugreifende Client den kompletten Desktop des Servers präsentiert und im aktiven Zugriff. Der RDP-Remotedesktop ist bei flottem Netzwerk schick und kann bei Bedarf qualitativ justiert werden, falls es das Netzwerk erfordert. Es gibt aber Einschränkungen:
1. Als Linux-Serversystem kommt derzeit nur eine Distribution mit aktuellem Gnome-Desktop in Frage. Dort genügt es, unter „Systemeinstellungen -> System -> Bildschirmfreigabe“ beide Optionen zu aktivieren. Beim Remote-Zugriff ist das Gnome-Serversystem lokal weiter benutzbar, allerdings kann die sichtbare, gleichzeitige Nutzung durch den lokalen und den entfernten Benutzer irritieren.
2. Windows bietet die RDP-Bildschirmfreigabe nur in der Pro-Version („Einstellungen -> System -> Remotedesktop“). Beim Remote-Zugriff auf Windows wird das Serversystem lokal gesperrt und zeigt den Anmeldebildschirm. Wenn sich ein lokaler Benutzer anmeldet, wird der Client-Nutzer rausgeworfen.
Auf dem zugreifenden Oldie empfiehlt sich das Programm Remmina und das Plugin remmina-plugin-rdp, das man aber am einfachsten immer gleich mit allen Plugins installiert:
sudo apt install remmina remmina-plugin-*
Remmina kann für jede Verbindung (hier RDP, aber auch für SSH oder VNC) ein Profil einstellen, um unter anderem die Zugangsdaten oder die Verbindungsqualität zu übergeben. Zum Start eines Verbindungsprofils genügt dann der Doppelklick.
Thin Client: SSH mit X11-Forwarding
SSH mit X11-Forwarding hat gegenüber dem Remotedesktop den entscheidenden Vorteil, dass ein lokaler Benutzer auf dem SSH-Server ungestört arbeiten kann. Bei leistungsstarker Hardware wird er gar nicht bemerken, dass ein Thin Client eine Software über das Netzwerk verwendet. Eine Einschränkung gibt es aber auch hier: SSH mit grafischen Programmen setzt das alte X11-Protokoll voraus. Bei Gnome oder KDE ist X11 bereits Wayland ersetzt. Als Server kommt daher nur ein System mit einem anderen Desktop in Frage – etwa Cinnamon oder XFCE. Dort muss der SSH-Server laufen und X11-Forwarding erlaubt sein („X11Forwarding yes“ in der Datei /etc/ssh/sshd_config).
Den Start der Software auf dem entfernten Rechner kann man interaktiv oder weitgehend automatisiert erledigen. Der interaktive Weg ist es, erst mit („-X“ groß)
ssh -X sepp@192.168.178.20
in das Terminal des entfernten Servers zu gehen und dort die gewünschte Software zu starten – etwa mit dem Befehl firefox. Das lässt abkürzen:
ssh -X sepp@192.168.178.20 firefox
Eine weitere Komfortsteigerung bei häufiger SSH-Anmeldung ist die Schlüsselanmeldung, um sich die Passworteingabe zu ersparen. Mit
ssh-keygen -t rsa
erstellen Sie zunächst auf Oldie-Client den Zugangsschlüssel. Weitere Optionen sind dabei möglich, aber nicht zwingend. Der Schlüssel wird in diesem Fall unter ~/.ssh/id_rsa.pub gespeichert, was Sie bestätigen müssen. Das abgefragte Passwort zum Schutz des Schlüssels ignorieren Sie zweimal mit Eingabetaste. Anschließend kopieren Sie den Schlüssel zum Server (die nach „-i“ angegebene Datei kann abweichen, falls man bei ssh-keygen eine andere Verschlüsselungsmethode verwendet):
ssh-copy-id -i ~/.ssh/id_rsa.pub sepp@192.168.178.20
Künftig legitimiert der Schlüssel die Verbindung und die Passwortabfrage entfällt. Der Start entfernter Programme erfordert dann nur noch einen knappen Befehl (als Alias oder als Verknüpfung, wie es die Abbildung unten zeigt).
Oldies als Heimserver
Je nach Leistungsstärke der Altgeräte eröffnet sich breiter Spielraum für den Einsatz als Server. Dieser Beitrag diskutiert typische Rollen, die ein Hardware-Oldie übernehmen kann, wenn er mit den passenden Systemen und Diensten betrieben wird.
Die Rolle als Heimserver für eine Handvoll Personen ist für jede Hardware ein lässiger Nebenjob. Als SSH-, Samba-, Web- (WordPress, Wiki, Cockpit, Nextcloud), Bittorrent- oder Medien-Server (Foto, Audio, E-Book) können ältere Notebooks und sogar alte Netbooks voll überzeugen. Anspruchsvoller sind Aufgaben als Mediencenter (Kodi, Plex), wenn der Altrechner die Medien nicht nur ausliefern, sondern selbst abspielen muss (etwa an den HDMI-Anschluss des TV-Geräts). Auch für eine Nextcloud mit sehr vielen Server-Apps ist ein „jüngerer“ Oldie zu empfehlen. Sie skalieren Ihre Server-Ansprüche einfach nach Bedarf minimalistisch bis multifunktional – je nach Hardware und Know-how: Ganz grob, mit diversen Abstufungen, stehen diese vier Optionen zur Wahl: Headless mit SSH – Headless mit SSH plus Webserver – spezialisierte Server-Distribution – Desktop plus SSH- und Webserver.
Headless-Server mit SSH
Zu SSH auf Client-Seite hat schon der vorige Beitrag (S. 40 ff.) das Wichtigste erklärt (Anmeldung, Schlüsselanmeldung, grafisches X11-Forwarding). Auf der Server-Seite muss nur der SSH-Dienst installiert und gestartet werden, alles weitere ist optional. Auch dazu gab es die wichtigsten Infos schon an früherer Stelle (Artikel ab S. 36 ff.), wo es darum ging, ein Gerät mit Defekten für den SSH-Headless-Betrieb vorzubereiten. Jedes Systemkonto, das auf dem SSH-Server eingerichtet ist, hat mit seinem Kennwort Zugriff.
Ein SSH-Server bietet erst einmal das Terminal. Linux-Kennern genügt das vollauf. Das Terminal ist aber generell nicht „wenig“, weil es auf dem Server beliebige weitere Dienste und Terminalprogramme installieren kann, um damit diverse Aufgaben zu erfüllen: Ein Htop oder Btop genügt als Systemmonitor, ein MC ist ein universeller Dateimanager, ein Moc macht den Server zum ferngesteuerten Musikplayer.
SSH bringt außerdem sein eigenes Dateiübertragungsprotokoll SFTP mit. Da alle grafischen Linux-Dateimanager dieses Protokoll beherrschen (Beispieladresse: „sftp://sepp@192.168.178.10/srv/Filme), eröffnet dies den unkomplizierten Zugriff für Desktop-Rechner. Windows-Systeme benötigen Filezilla, um bei SFTP mitspielen zu können – bedingt allerdings, weil Filezilla zwar anzeigt und kopiert, aber Medien nicht anzeigt oder abspielt.
Sudo-berechtigte Konten dürfen per SSH alles. Daher ist es nur eine Frage des Kenntnisstands, zusätzlich einen Windows-freundlichen Samba-Dienst einzurichten. Dazu an dieser Stelle nur eine Minimalanleitung: Falls der Dienst noch nicht vorliegt, ist er mit
sudo apt install samba samba-common
sudo systemctl start smb
schnell installiert und dauerhaft gestartet. Zugriffsberechtigte benötigen neben dem obligatorischen Systemkonto ein Samba-Konto:
sudo smbpasswd -a sepp
Das Samba-Kennwort wählt man am besten identisch mit dem Systemkennwort. Die gewünschten Freigaben sind dann mit sudo-Recht und einem beliebigen Terminaleditor ans Ende der Datei „/etc/samba/smb.conf“ einzutragen. Ein einfaches Beispiel zeigt die Abbildung.
Welche Distribution? SSH und SSH plus Samba sind die anspruchslosesten Serverdienste und wirklich jeder Hardware zuzumuten. Falls Sie von vornherein einen solchen Einsatz planen, empfiehlt sich eine Distribution, die Desktop und grafische Programme gar nicht erst mitbringt, dafür aber bereits den unverzichtbaren Openssh-Server. Eine geeignete Basis sind etwa der Netinstaller von Debian (www.debian.org/distrib/netinst), das Server-ISO von Ubuntu (https://ubuntu.com/download/server) oder das „Network Image“ von Open Suse Leap (https://get.opensuse.org/leap/). Diese bieten eine Einrichtung ohne Desktop, andererseits bereits eine Vorauswahl fundamentaler Serverdienste wie SSH, Samba, Webserver.
Hinweis 1: Das Mini-ISO von Ubuntu (https://cdimage.ubuntu.com/ubuntu-mini-iso) scheint sich ebenfalls anzubieten, braucht aber bei der Installation 6 bis 8 GB RAM – dies zwar nur für die Installation, aber dafür wird nicht jedes Altgerät ausreichen.
Hinweis 2: Im Prinzip kann jedes Linux jeden Serverdienst nachrüsten. Umgekehrt kann jedes Linux den Desktop oder grafische Software deinstallieren, die sich als überflüssig erweist. Spezialisierte Server-Distributionen sind trotzdem von Vorteil, weil sie sich von vornherein auf das Wesentliche fokussieren.

Headless-Server mit Weboberfläche
Erstens überfordert pure SSH-Administration manche Home-Admins, zweitens eröffnen Webserver-Dienste ganz andere Möglichkeiten. Webserver (auf Basis Apache oder Nginx) sind mit jedem Browser im lokalen Netz klickfreundlich zu bedienen und bieten Servermonitore, Server-Konfigurationsoberflächen, Medienpräsentation, Wissenszentralen, Kalender, E-Book-Bibliotheken, Audiostreaming, Kollaboration und vieles mehr. Fast alle spezialisierteren Webserver sind für ältere Hardware keine Herausforderung. Es folgen einige einfachere Empfehlungen:
Cockpit als Verwaltungshilfe: Cockpit ist eine hübsche Ergänzung zum SSH-Server (und läuft auch unabhängig davon). Wichtige Systeminfos und auch aktive Einstellungen sind über die Adresse [Server-IP]:9090 angenehm im Browser erreichbar, außerdem ist ein Terminal integriert, welches das SSH-Terminal im Prinzip ersetzen kann. Unter Ubuntu & Co genügt
sudo apt install cockpit
zur Installation. Die Software wird unmittelbar nach der Installation gestartet und somit das System überwacht. Neben allen wesentlichen Infos (CPU- und Speicherauslastung, Schreib- und Lesevorgänge der Datenträger, Netzwerkverkehr, Betriebssystem, Protokolle etc.) kann Cockpit auch aktiv eingreifen und Installationen, Updates und Dienstekonfiguration steuern.
Multifunktionale Nextcloud: Eine Nextcloud-Instanz ist auf älterer Hardware problemlos zu betreiben, solange man die App-Auswahl passend dosiert. Viele Komponenten können schon bei der Installation, viele weitere im laufenden Betrieb abgewählt werden. Wer also etwa nur einen Kalender und einen Foto-Viewer im Netzwerk nutzen will, kann Nextcloud entsprechend reduzieren. Ein weiteres Motiv für Nextcloud ist die unkomplizierte Installation als Snap-Container:
sudo snap install nextcloud
Danach ist die Nextcloud sofort einsatzbereit und mit der IP-Adresse des Servers mit jedem Browser erreichbar – genau genommen unter [Server-IP]:80. Diese Port-Information kann wichtig werden, wenn bereits ein anderer Webserver auf diesem Standardport läuft (die Korrektur dieses Konflikts würde an dieser Stelle zu weit führen). Die benötigten Apps erreichen Sie als Nextcloud-Admin jederzeit über die Einstellungen („Zahnrad“ rechts oben) und den Menüeintrag „Apps“.
Audioserver mStream: mStream ermöglicht eine zentrale Musiksammlung (keine Filme und Bilder) und ist unter https://mstream.io/ zu beziehen – für Linux aktuell ausschließlich als Appimage. Das Appimage muss man dann nur ausführbar schalten und starten. Danach erscheint es in jedem Browser unter der Adresse [Server-IP]:3000. Die Bedienung des englischsprachigen Servers ist schick und einfach. Das Einrichten der Musikordner geschieht unter „Admin Panel“.
Bittorrent-Server: Ein zentraler Bittorrent-Empfänger, den alle Netzteilnehmer im Browser nutzen können, erspart die Einrichtung verstreuter Torrent-Programme. Das Tool installieren Sie auf dem Server mit
sudo apt install qbittorrent-nox
und nach dem Start
qbittorrent-nox
ist der Server über „[Server-IP]:8080“ mit jedem Browser erreichbar. Der Zugang erfolgt als Benutzer „admin“ mit Kennwort „adminadmin“. Jeder Netzrechner kann nun Torrent-Dateien zum Server hochladen („Datei -> Torrent-Datei hinzufügen“) und den Download auslösen, der dann auf dem Server landet. Das Downloadverzeichnis am Server sollte daher per Samba erreichbar sein.
Spezialisierte Server-Distributionen
Linux-Distributionen, die sich auf einen bestimmten Servereinsatz fokussieren, sind für diese Rolle optimiert und verzichten gezielt auf alles Unnötige. Das ist ein starkes Argument für deren Einsatz auf schwächerer Hardware. Der gravierende Nachteil ist, dass die Hardware dann ganz auf diese Rolle fixiert ist. Ein Audioserver Volumio, ein Spieleemulator Retro Pie oder ein Router Openwrt kann nicht mal eben nebenbei noch ein Wiki installieren oder als Desktop dienen. Die zwei nachfolgend kurz beschriebenen Distributionen sind aber populär genug, um sie als Installationskandidaten zu erwägen.
NAS-System Openmediavault: Dieses Debian-System (www.openmediavault.org) ist ein NAS-ähnlicher Datenserver mit den Netzprotokollen NFS, Samba, FTP, SFTP den auch ältere Geräte ohne Mühe stemmen. Die OMV-Oberfläche ist nicht ganz einfach, aber klickfreundlich und sicher hübscher als manuelles Editieren der smb.conf. Das Download-ISO ist ein Installer, der die wenigen Schritte gut erklärt. Nach der Installation erfolgt alles Weitere über das Netzwerk im Browser. Sie benötigen nur die IP-Adresse des OMV-Rechners. Voreingestellt ist der Benutzer „admin“ mit Passwort „openmediavault“. OMV mountet angeschlossene Datenträger automatisch ins Dateisystem und zeigt sie als physische Festplatten unter „Datenspeicher -> Reale Festplatten“. Wesentliche Einstellungen finden Sie unter „Dienste“, wo Sie für Netzfreigaben an Windows, Linux, Mac OS „SMB/CIFS“ aktivieren. Danach kann im Register „Freigaben“ ein Datenträger oder Ordner freigegeben werden. Die zugriffsberechtigten Konten richten Sie unter „Zugriffskontrolle -> Benutzer“ ein. Unter „Zugriffskontrolle -> Freigegebene Ordner“ finden Sie die vorher unter „SMB/CIFS“ eingerichteten Freigaben, die hier über „Privilegien“ (Netzwerkrechte) detaillierter konfiguriert werden können.
Libreelec und Kodi-Mediencenter: Kodi ist einem mittelalten Notebook zuzumuten, wenn es ausschließlich dieser Aufgabe dienen darf. Dafür sorgt die schlanke Distribution Libreelec („Just enough OS for Kodi“), die es neben Platinen-Images auch für x86-PCs gibt. Download und Schreiben auf USB oder SD ist mit dem kleinen Tool „LibreELEC USB-SD Creator“ komfortabel automatisiert (https://libreelec.tv), allerdings muss dafür derzeit ein Windows aushelfen. Das Tool holt dann das gewünschte Installer-Image („Generic AMD/Intel/Nvidia“ für PCs und Notebooks) aus dem Netz und schreibt es auf USB. Nach dem Booten dieses Images auf dem Zielgerät kopiert der Installer das System auf einen zweiten, endgültigen USB-Stick. Eine Installation auf Festplatte ist nicht vorgesehen, denn diese soll die Film- und Musikmedien anbieten. Kodi arbeitet bekanntlich sowohl als Abspielstation als auch als Samba- und UPnP-Server, auf den andere Netzwerkgeräte zugreifen können. Diese Serverdienste können unter „Einstellungen -> Dienste“ aktiviert werden.

Desktop plus Serverdienste
Auf einem nicht uralten Notebook muss man nicht knausern: Neben Samba, SSH, Apache, Nextcloud ist durchaus ein Desktop vertretbar, was vor allem für weniger erfahrene Heim-Admins eine komfortable Rückversicherung bedeutet. Um die Server-Rolle zu priorisieren, ist ein pragmatischer Desktop wie LXDE zu empfehlen. Der muss nicht durch die Distribution vorgegeben sein, sondern kann auch gezielt mit
sudo apt install lxde
nachgerüstet werden.


