Das abgebildete schwarze Tier hat gut 70 cm Risthöhe und 34 kg Gewicht. Es nennt sich Bommel und wird von den meisten Menschen als Hund wahrgenommen. In der Tat interessiert er sich für Individuen dieser Spezies, insbesondere für weibliche, jedoch mit tendenziell bisexueller Ausrichtung auch für kastrierte männliche. Trotz weiterer hündischer Merkmale des Prinzips „Immer der Nase nach“ bin ich mir nach drei Jahren mit diesem Tier so gut wie sicher, dass es sich um KEINEN Hund handelt:
Hunde rennen Stöckchen und Frisbees hinterher, Bommel nur Weibern.
Hunde denken nur ans Fressen, Bommel will eine Einladung zum Napf plus Bestätigung am Napf, dass die Einladung wirklich gilt.
Hunde wälzen sich in schlammigen Pfützen, Bommel macht einen Bogen.
Hunde danken dir für ein Leckerli, indem sie noch den halben Finger als Zugabe nehmen. Bommel holt es sich mit zartester Rücksicht.
Hunde hören auf „Stop“ und „Down“, Bommel schaut, ob das im Moment sinnvoll ist. Sieht er keinen Anlass („Hier ist kein Auto!“), schaut er mich tadelnd an – und lässt es.
Bommel ist wahrscheinlich kein Hund, sondern ein Pudel. Nach Goethe und Schopenhauer ist ein Pudel ein Wesen mit durchaus ungewissem Kern. Ich werde die gemeinsamen Jahre nutzen, Genaueres herauszufinden.
Some people like cats exclusively. I for one care less for them.
I say there is not, nor ought there be nothing so exalted on the face of God’s great earth as that prince of pets: The king size poodle in the incarnation of Bommel… (Frank Zappa in memoriam et variationem)

Bommel in memoriam
geboren 13.04.2013, viel zu früh verstorben am 10.09.2025
Bommel war unfassbar sozial und freute sich über alle Begegnungen (eine Handvoll intimer Rüden-Feinde ausgenommen) – über Menschen fast noch mehr als über Hunde. Das blieb nicht einseitig: Hundert Mal hörte ich bei noch weiter entfernten Personen (mit oder ohne Hund), die vielleicht erst besorgt einen großen Hund hatte kommen sehen, den erleichteren, nun erfreuten Ruf „Das ist doch der Bommel!“.
Bommel war witzig: Mit Gras unter den Beinen und ausreichend Platz blieb er stocksteif stehen, spreizte die Vorderbeine und blitzte mit den Augen. Das hieß – steig ab vom Rad, wir MÜSSEN raufen! Und das gönnte ich ihm oft und gerne, denn der Spaß seiner spielerischen Angriffe und meiner Abwehr war beidseitig. Jeder schlaue Hundelehrer wird unsere „harten“ Raufereien als pädagogische Todsünde verurteilen, aber wir liebten sie – und sie blieben EXKLUSIV (wie auch ähnliche Verfolgungsjagden auf dem Fahrrad und Beiß-Simulationsspiele mit meiner Tochter): Es ist dem Hund niemals eingefallen, Ähnliches mit anderen Personen zu beginnen.
Bommel war hingebungsvoll aufmerksam. Er wollte jedes an ihn gerichtete Wort verstehen. Bei Worten, die er nicht kannte, legte er fragend den Kopf um 45 Grad schief. Das hieß: Ich verstehe es nicht, aber ich will es verstehen!
Bommel kannte Reue und Entschuldigung – ein Beispiel: Als er mir im Laufspiel die Wegkurve so gekreuzt hatte, dass ich stürzte, setzte er sich sofort vor mich und hob mehrfach entschuldigend eine Vorderpfote.
Bommel war eigensinnig auf eine liebenswürdige Weise, die ihn ein Stück über das „Hund-Sein“ erhob. Tatsächlich habe ich in all den Jahren keinen Hundehalter in basisdemokratischer Diskussion mit seinem Hund erlebt. Bei uns war das vor allem bei Wegentscheidungen überaus häufig: Bog ich „falsch“ ab, blieb er stehen: Er würde die andere Richtung bevorzugen… Oft gab ich nach, wenn nicht, akzeptierte er – früher oder später, bei deutlicher Mahnung früher. Man kann das Verhalten des Hundes kritisieren, das des Halters, der solche Autoritätszweifel erzogen hat – ich vermisse diese „Gespräche“ schmerzlich.
Bommel war kein Schmusehund, aber er war dankbar. In seinen Kraftjahren nahm er Huldigungen mit Genuss, ohne sie jemals infantil oder unterwürfig einzufordern. Mit zunehmendem Alter zeigte er seine unverbrüchliche Bindung immer deutlicher. Unvergesslich emotional war seine Heimkehr nach mehrtägigem und traumatischem Klinikaufenthalt. Er leckte Hände und Arme (NIE zuvor in zehn Jahren!) und zeigte bei aller Schwäche überdeutlich, dass eine Tonnenlast an Verlustangst von ihm gefallen war – zurück bei uns und am vertrauten Ort. Er genas und blieb uns für weitere zwei Jahre.
Gibt es irgendwas, was ich an Bommel kritisieren könnte? Vielleicht, dass er (der Pudel!) wasserscheuer war als jede Katze. Er ist in seinem Leben genau drei Meter geschwommen – dies nach einem instinktiven Sprung (Fisch?) in einen Weiher sofort zurück ans Ufer. Über seine Tat selbst erschrocken, schüttelt er sich und beschließt, solches Abenteuer nie mehr zu unternehmen…



