Alle Beiträge von Hermann Apfelböck

Ubuntu/Mint: Individuell angepasste Livesysteme

[[Korrektur 1.3.2019: Der Beitrag ist veraltet, aber mit Einschränkungen weiterhin gültig. Das nicht mehr gepflegte Systemback produziert beim direkten Schreiben auf USB bootunfähige Medien. Allerdings kann das Live-Abbild erst als ISO-Image konvertiert werden (mit Systemback) und danach mit den üblichen Image-Werkzeugen auf USB geschrieben werden. Über diesen Umweg kann man mit Systemback weiterhin individuelle Ubuntu-basierte Livesysteme für den USB-Stick bauen.]]

Aus sorgfältig angepassten Debian-/Ubuntu-/Linux-Mint-Systemen lassen sich ohne Umstände eingefrorene Live-Systeme schreiben. Die technisch unkomplizierte Möglichkeit mit Systemback eignet sich auch für weniger erfahrene Linux-Nutzer.

Das externe Tool Systemback 1.6 kann aus einem konfigurierten, laufenden Ubuntu/Mint-System ein identisches Live-System schreiben. Das erlaubt ein subtil abgestimmtes Betriebssystem mit der genau benötigten Software, mit detaillierten Voreinstellungen für Browser, Mail-Programm, Dateimanager, Funknetzzugang, LAN- oder FTP-Freigaben sowie Beispieldateien, Benutzer-Dokumenten und Scripts: Das ist eine ideale Methode für individuelle Live-Systeme, die Mitarbeitern, Gastnutzern, Familienangehörigen oder Schulungsteilnehmern eine komplett ausgerüstete Arbeitsumgebung anbieten sollen.

Hauptfenster von Systemback: Der Punkt „Erstellung Live System“ bringt Sie zum entscheidenden Unterdialog, mit dem Sie das laufende System als Live-System ablegen.
Hauptfenster von Systemback: Der Punkt „Erstellung Live System“ bringt Sie zum entscheidenden Unterdialog, mit dem Sie das laufende System als Live-System ablegen.

Hauptaufgabe ist die Systemkonfiguration

Sie benötigen zunächst ein normal installiertes Ubuntu oder Linux Mint. Die Anpassung dieses Ausgangssystems ist der mit Abstand aufwändigste Teil der Aktion. Denn richtig lohnend ist der Umweg über ein vorab installiertes System nur, wenn Sie das künftige Live-System sorgfältig von unnötigem Software-Ballast befreien (auch unter „Startprogramme“), zusätzliche Programme nachinstallieren oder etwa den Dateimanager detailliert auf den Zugriff auf Netzfreigaben vorbereiten. Das Vorkonfigurieren eines FTP-Clients wie Filezilla mit allen nötigen Serverdaten ist ebenfalls ein nützlicher Service, wenn die späteren Nutzer den Live-Systems diese FTP-Server brauchen. Beim Browser sollten Sie die gewünschte Startseite vorgeben und am besten auch gleich eine Lesezeichen-Leiste, die zu Ihrem Heim-, Schulungs- oder Firmen-Bedarf passt. Bei den Anpassungen, die auch gewünschte Voreinstellungen am Linux-Desktop oder in Libre Office einbeziehen können, gibt es einige triviale, aber leicht zu übersehende Fallen:

* Richten Sie vor allen Einstellungen einen Benutzer ein („Systemeinstellungen -> Benutzer“), mit dem sich die künftigen System-Benutzer identifizieren können und erledigen Sie dann die komplette Konfiguration in diesem Konto.

* Verwenden Sie keine proprietären Treiber („Systemeinstellungen -> Anwendungen & Aktualisierungen -> Zusätzliche Treiber“), und verzichten Sie auf die Sparoptionen der „Energieverwaltung“, wenn das Live-System auf anderer Hardware als das Basissystem zuverlässig laufen soll.

* Das Einrichten und Speichern von WLAN- und Freigabe-Kennwörtern ist nur sinnvoll, wenn das Live-System künftig im gleichen Umfeld genutzt wird.

* Das Live-System wird nur solche Benutzerdateien dauerhaft erhalten, die auf einen externen Datenträger außerhalb des home-Verzeichnisses gespeichert werden. Das muss den Nutzern erklärt werden oder – noch besser – vorab in der jeweiligen Software konfiguriert werden. Wenn das Live-System etwa die Nachrichten eines Mail-Client Konten erhalten soll, müssen Sie Speicherpfad für die Nachrichten auf einen externen Datenträger umstellen. In Thunderbird geht dies über „Bearbeiten -> Konten-Einstellungen -> [Konto] -> Server-Einstellungen -> Nachrichtenspeicher“.

* Machen Sie mit Ihrem Basissystem nach allen Maßnahmen mindestens einen Neustart und probieren Sie alle wesentliche Software durch: Nichts ist lästiger als ein Live-System, das Sie später standardmäßig mit einer Fehlermeldung begrüßt, oder eine Software, die bei jedem Start nachfragt, ob es als Standardprogramm genutzt werden soll. Jede solche Bremse ist im Basissystem mühelos zu lösen, im späteren Live-System nicht mehr.

Live-System schreiben mit Systemback

Das Tool Systemback ist bislang nur über ein externes PPA zu beziehen. Folgende Terminal-Befehle integrieren das PPA und installieren das Programm:

sudo add-apt-repository ppa:nemh/systemback

sudo apt-get update

sudo apt-get install systemback

Danach finden Sie das Tool unter seinem Namen im Ubuntu-Dash oder im Menü von Linux Mint unter „Systemverwaltung“. Der Aufruf erfordert prinzipiell root-Rechte, die das Programm in einem eigenen Dialog abfragt. Systemback erscheint auf einem konsequent deutschsprachigen System deutsch, andernfalls englisch. Als wesentliche Voreinstellung definieren Sie bei Bedarf zunächst das „Speicherverzeichnis“ („Storage directory“) rechts oben. Standardmäßig nutzt Systemback das home-Verzeichnis – und zwar nicht das des angemeldeten Benutzers, sondern den Hauptordner /home.

Die für unseren Einsatz einschlägige Schaltfläche lautet „Erstellung Live System“ („Live system create“). Dieses öffnet einen gleichnamigen Unterdialog („Erstellung Live System“), wo Sie mit „Neu erstellen“ („Create new“) zunächst ein Image des laufenden Basissystems anlegen – dieses landet mit der Endung .sblive standardmäßig im Verzeichnis /home. Ist der Vorgang abgeschlossen, erscheint das Image unter „Erstellte Live-Abbilder“ („Created Live images“). Danach stecken Sie einen USB-Stick an, sorgen mit dem Refresh-Knopf neben „Ziel schreiben“ („Write target“), dass der Stick hier auftaucht, und markieren dort den Datenträger. Ferner klicken Sie unter „Erstellte Live-Abbilder“ auf das Image. Sind Quelle und Zieldatenträger markiert, wird die Schaltfläche „In den Zielort schreiben“ („Write to target“) aktiviert, die Sie nunmehr auslösen.

Systemback schreibt ähnlich Unetbootin seinen eigenen Bootloader auf den USB-Stick. Die so erstellen Live-Systeme starteten nach passender Bios-Einstellung in unseren Tests alle einwandfrei. Wer das Live-System in einer virtuellen Maschine nutzen oder bootfähig auf DVD bringen will, muss es im Unterdialog „Erstellung Live System“ erst „In ein ISO umwandeln“ („Convert to ISO“). Das Schreiben der ISO-Datei auf einen Rohling beherrscht Systemback nicht selbst, aber dafür können Sie dann etwa ein Brasero unter Linux oder ein Imgburn (auf Heft-DVD) unter Windows verwenden. Auf USB-Stick läuft das Live-System deutlich schneller als auf DVD, und insbesondere mit USB 3.0 ist praktisch kein Unterschied zu einer Festplatteninstallation spürbar.

Live-System aus einem laufenden Ubuntu/Mint erstellen: Das vorher erzeugte Live-Abbild und der Zieldatenträger müssen markiert sein, damit die Schaltfläche „In den Zielort schreiben“ aktiv wird.
Live-System aus einem laufenden Ubuntu/Mint erstellen: Das vorher erzeugte Live-Abbild und der Zieldatenträger müssen markiert sein, damit die Schaltfläche „In den Zielort schreiben“ aktiv wird.

Haltbarkeit und Gegenanzeigen

Ein sorgfältig eingerichtetes Live-Ubuntu/Mint auf schnellem USB wird dem Benutzer das Gefühl einer normalen Systemumgebung vermitteln. Gerade hier kann es irritieren, dass jeder Neustart sämtliche Anpassungen verwirft. Dies und die Tatsache, dass Benutzerdateien extern gespeichert werden müssen, ist daher je nach Einsatzzweck klar zu kommunizieren. Außerdem ist das Live-System natürlich nicht update-fähig. Daher empfiehlt es sich, das Basissystem weiter zu pflegen, auf dem aktuellen Update-Stand zu halten und in größeren Abständen mit Systemback das Live-System neu zu schreiben. Sonderlich zeitkritisch ist das nicht, weil das schreibgeschützte Live-System durch eventuelle Sicherheitslücken nicht geschädigt werden kann.

Das Bootmenü des Live-Systems: Systemback nutzt ähnlich Unetbootin einen eigenen Bootloader. Dies ist der Grund, warum es sich nur für Debian/Ubuntu/Mint eignet.
Das Bootmenü des Live-Systems: Systemback nutzt ähnlich Unetbootin einen eigenen Bootloader. Dies ist der Grund, warum es sich nur für Debian/Ubuntu/Mint eignet.

Autokey-Makros für Ubuntu/Mint

Multifunktionales Autokey

Das Tool Autokey ist – ähnlich seinem Windows-Pendant Autohotkey – ein typisches interaktives Werkzeug für den Linux-Desktop. Bastler finden hier eine ergiebige Arena für globale Textbausteine und Hotkeys.

Das englischsprachige Autokey ist ein vielseitiges Tool für einfache Automatismen bis hin zu raffinierten Scripts. Nützliche Funktionen wie globale Textbausteine, die in der Textverarbeitung genau so gelten wie im Terminal oder einem Mail-Programm, sind ohne Programmierkenntnisse mühelos zu realisieren. Ebenso einfach ist es, Programme oder Shell-Scripts via Autokey mit globalen Hotkeys zu belegen. Wer Programmierkenntnisse mitbringt, im Optimalfall in Python, kommt mit dem Tool noch erheblich weiter.

Autokey unter Ubuntu: Die Integration des Tools ist hier aufgrund des Panel-Indikators optimal (Symbol "A"). Autokey funktioniert aber auch unter anderen Distributionen.
Autokey unter Ubuntu: Die Integration des Tools ist hier aufgrund des Panel-Indikators optimal (Symbol „A“). Autokey funktioniert aber auch unter anderen Distributionen.

Autokey installieren und starten

Autokey gehört bei vielen Distributionen zu den Standardpaketen und lässt sich daher über den Paketmanager installieren, so etwa in Ubuntu oder Linux Mint über das Software-Center oder auch auf der Kommandozeile:

sudo apt-get install autokey-gtk

Die Autokey-Variante für den KDE-Desktop heißt autokey-qt. Falls Ihre Distribution Autokey nicht anbietet, erreichen Sie das Programm über das Entwickler-PPA https://launchpad.net/~cdekter/+archive/ppa.

Das Tool finden Sie nach der Installation im Ubuntu-Dash oder im Startmenü. Nach dem Aufruf erscheint der Konfigurationsdialog, außerdem nistet sich der Autokey-Indikator dauerhaft im Ubuntu-Hauptpanel mit seinem „A“-Symbol ein. Dieser Indikator bringt Sie jederzeit zum Konfigurationsdialog („Show Main Window“) und listet jene Makros auf, die in der Konfiguration mit der Option „Show in notification icon menu“ eingerichtet wurden. Sorgen Sie zunächst dafür, dass Autokey automatisch mit Linux startet: Die Option lautet „Edit -> Preferences -> General -> Automatically start AutoKey at login“.

Unter Ubuntu ist Autokey durch den Panel-Indikator am besten integriert. In Distributionen wie Linux Mint muss der Konfigurationsdialog über das Startmenü geladen werden. Das ist für die Phase der Makro-Einrichtung etwas umständlicher, funktional läuft Autokey aber auch dort einwandfrei.

Ein genereller Tipp: Wenn Autokey nach diversen Änderungen von Hotkeys und Eingabekürzel nicht korrekt arbeitet, ist Beenden und Neustart immer eine gute Antwort. Dann liest das Tool seine Vorgaben unter ~/.config/autokey/data neu ein, was gelegentliche Konflikte zuverlässig löst. Dieser Hinweis gilt ausschließlich für die Einrichtungsphase oder für größere Aufräumarbeiten.

Typischer statischer Textbaustein mit empfohlenen Einstellungen: Aus der Eingabe „mu“ und dem definierten Trigger (etwa Tab-Taste) wird hier die volle Adresse.
Typischer statischer Textbaustein mit empfohlenen Einstellungen: Aus der Eingabe „mu“ und dem definierten Trigger (etwa Tab-Taste) wird hier die volle Adresse.

 

„Phrases“: Textbausteine einfügen

Im Konfigurationsfenster finden Sie im linken Bereich unter „My Phrases“ einige vordefinierte Textbausteine. Um Ihren ersten eigenen Textbaustein anzulegen, verwenden Sie das Menü „New -> Phrase“. Vergeben Sie einen Namen wie etwa „Adresse“, und bestätigen Sie mit „OK“. Der Name hat rein organisatorische Funktion und keinen Einfluss auf die Kürzelvergabe. Im Editorfenster rechts oben steht der Standard „Enter phrase contents“, den Sie nun durch den tatsächlichen Text ersetzen – etwa mit Ihrer Adresse. Der Text kann nur ein Wort oder auch mehrere Absätze umfassen.

Die entscheidende Konfiguration findet nun im Bereich unter dem Editorfenster statt: Typischerweise werden Sie einen Textbaustein beim Schreiben durch ein knappes Tastenkürzel auslösen wollen – etwa „adr“ für die Adresse. Dazu klicken Sie neben „Abbreviations“ auf „Set“. Im Unterdialog „Set Abbreviations“ wählen Sie „Hinzufügen“ und geben „adr“ ein. Quittieren Sie solche Kürzel immer mit der Eingabetaste – es gibt keine grafische Schaltfläche, um die Kürzeleingabe zu bestätigen. Rechts daneben definieren Sie den Auslöser („Trigger on:“). Mit „All non word“ löst jedes Sonderzeichen wie Leerzeichen, Eingabetaste, Tabulator, Punkt oder Bindestrich den Textbaustein aus. Die Eingaben „adr “ (mit nachfolgendem Leerzeichen) oder auch „adr.“ würden demnach die Adresse einfügen.

Wenn Sie versehentliches Auslösen ausschließen möchten, verwenden Sie besser nur die Tabulatortaste („Tab“) als Trigger. Umgekehrt ist es möglich, Textautomatismen ganz ohne signalisierendes Sonderzeichen auszulösen. Wenn Sie die Optionen „Trigger when typed as part of a word“ und „Trigger immediately…“ aktivieren, löst die Eingabe des betreffenden Kürzels in jedem Kontext den Text aus. Dies ist nur mit eindeutigen Kürzeln praktikabel, die bei normaler Texteingabe nie auftreten.

Weitere wichtige Optionen dieses Dialogs sind „Remove typed abbreviation“ und  „Omit trigger character“. Beides sollten Sie immer aktivieren, damit sowohl das Eingabekürzel (etwa „adr“) als auch das Auslöserzeichen (etwa der Tabulator) gelöscht wird. „Ignore case…“ löst den Textbaustein auch dann aus, wenn Sie bei der Kürzeleingabe die Groß- und Kleinschreibung missachten.

Ist alles definiert, klicken Sie auf „OK“ und im Hauptdialog auf „Save“. Neue Kürzel sind nach „Save“ sofort aktiv. Wenn Sie das Kürzel in einem beliebigen Programm schreiben und das Trigger-Zeichen folgen lassen, erscheint Ihr Textbaustein.

Dynamische Textbausteine: Die Scriptfähigkeit des Tools eröffnet neben konstantem Text auch dynamische Texteingaben. Dafür muss man nicht zwingend einen Python-Kurs besuchen, wie das Beispiel in der nebenstehenden Abbildung zeigt: Das Script legt Datumsinformationen in Variablen ab, die danach mit „Keyboard.Send_Keys“ in das aktuelle Programm geschrieben werden. Dass dafür neun Code-Zeilen notwendig sind, ist nur der gewünschten Formatierung geschuldet. Beachten Sie, dass Sie Script-Automatismen als Script anlegen müssen – also nicht als „Phrase“, sondern über „Neu -> Script“.

Dynamischer Textbaustein: Mit einigen Script-Zeilen erstellen Sie globale Funktionen, wie sie sonst nur die Feldfunktionen von Textverarbeitungen beherrschen.
Dynamischer Textbaustein: Mit einigen Script-Zeilen erstellen Sie globale Funktionen, wie sie sonst nur die Feldfunktionen von Textverarbeitungen beherrschen.

 

Programme per Autokey-Script starten

Autokey eignet sich auch als globaler Programmstarter. Auch hier benötigen Sie das Menü „New -> Script“. Nach der Namensvergabe überschreiben Sie im Editorfenster die Vorgabe „# Enter script code“ durch den gewünschten Code. Ein einfacher Programmaufruf sieht so aus:

system.exec_command("firefox",True)

Besser ist meist diese Variante:

import subprocess

subprocess.Popen(["firefox"])

Wenn Firefox bereits läuft, wird hier nur das Fenster im Vordergrund geöffnet, während die erste Variante immer eine neue Instanz des Programms startet. Anders als bei Textbausteinen werden Sie bei Programmaufrufen einen Auslöser per Tastenkombination bevorzugen. Dazu klicken Sie unterhalb des Code-Fensters neben „Hotkey:“ auf den „Set“-Button und tippen nach „Press to Set“ einfach die gewünschte Tastenkombination ein. Nach „OK“ und „Save“ im Hauptfenster ist der Hotkey scharfgeschaltet. Testen Sie vor der Vergabe des globalen Hotkeys immer vorab, ob das System diese Tastenkombination benutzt. Ist dies nämlich der Fall, dominiert im günstigsten Fall der Autokey-Automatismus, die Kollision von Hotkeys kann aber auch Systemhänger auslösen.

Alternative Menü-Darstellung

Längeren Text durch Textkürzel auszulösen, ist die effektivste fürs Schreiben, Hotkeys eignen sich insbesondere für Programmaufrufe. Weil man mit zahlreichen Kürzeln aber schnell an seine Kapazitätsgrenzen gelangt, kann man sich eine beliebige Auswahl seiner Autokey-Elemente auch in einem Popup-Menü anzeigen lassen und dort den gewünschten Textbaustein durch Mausklick auslösen. Das Ergebnis kann so aussehen wie in der nebenstehenden Abbildung. Wenn Sie im Autokey-Hauptdialog einen Ordner wie „My Phrases“ markieren, sehen Sie rechts die Option „Hotkey“. Mit dem Button „Set“ definieren Sie eine beliebige Taste oder eine Tastenkombination als Auslöser. Das damit gestartete Popup-Menü erscheint dort, wo der Mauszeiger aktuell steht und zeigt alle Elemente, die sich unterhalb des Ordners befinden. Sie können für jeden beliebigen Ordner Ihrer Autokey-Sammlung ein solches Hotkey-Menü anlegen und gleichzeitig alle anderen Autokey-Möglichkeiten mit Kürzeln und Hotkeys nutzen.

Einige Textbausteine als Menüangebot: Bei dieser Variante lassen Sie sich die Elemente einfach anzeigen und fügen den Text per Klick in das aktive Fenster ein.
Einige Textbausteine als Menüangebot: Bei dieser Variante lassen Sie sich die Elemente einfach anzeigen und fügen den Text per Klick in das aktive Fenster ein.

Praktische Tipps zu Autokey

Autokey kann die komplette Systemnutzung umkrempeln. Da Sie aber für jedes Phrase- oder Script-Element Kürzel und Hotkeys nutzen, ferner für jedes Ordnerobjekt Kürzel- oder Hotkey-Menüs anlegen können, ist eine logische Organisation in thematische Gruppen unerlässlich. Diese Ordnung erzielen Sie im rechten Teil der Autokey-Konfiguration durch Ordner und Unterordner. Eine bessere Struktur lässt sich jederzeit nachträglich realisieren, allerdings kann Autokey bei großen Aufräumarbeiten durch Umbenennen, Verschieben oder Löschen von Einträgen vorübergehend kapitulieren. Hier hilft praktisch immer Beenden und Neustarten. Außerdem finden Sie alle Ordner und Elemente in identischer Hierarchie auf Dateiebene unter ~/.config/autokey/data. Wenn Sie Ordner und Dateien (je einmal .txt und .json) lieber hier organisieren und danach Autokey neu starten, übernimmt Autokey die auf Dateiebene vorgefundene Organisation.

Beschränkte Debug-Möglichkeiten: Mit Textbausteinen, Programmstarter und Popup-Menüs bietet Autokey jede Menge Potential, komfortabler zu arbeiten. Aufwändige Scripts zu erstellen, bleibt hingegen Python-Kennern vorbehalten. Mit Autokey Python zu erlernen, ist keine erfolgversprechende Idee, weil das Tool keine Problembehandlung anbietet: Bei Fehlern im Code geschieht entweder gar nichts oder es erscheint die Standardmeldung „The script […] encountered an error“. Immerhin produziert der Start von Autokey im Terminal mit dem Parameter „autokey -l“ sehr viel Output, den Sie mit

autokey -l | grep -v "DEBUG"

eingrenzen sollten. Die „Debug“-Informationen helfen Ihnen nämlich bei Scriptfehlern nicht weiter und machen die Ausgabe unübersichtlich. Was mit diesem Grep-Filter übrig bleibt, sind fundamentale Ablauf-Infos und vor Hinweise auf Scriptfehler mit der genauen Zeilenangabe. Woran es dann exakt hakt, müssen Sie sich, sofern nicht offensichtlich, in Python-Tutorials erarbeiten.

Automatismen auf ein Programm begrenzen: Die Ersetzungsautomatik von Textbausteinen gilt ebenso wie jede definierte Tastenkombination global im gesamten System. Das ist an sich ein großer Vorteil, der spezialisierte Lösungen in Textverarbeitung, Mailprogramm oder Terminal klar aussticht. Trotzdem gibt es sicher speziellere Textbausteine, die nur in einem bestimmten Programm gelten sollen. Dafür hält Autokey unter „Script-Settings“ den „Window Filter“ parat: Das betreffende Programm muss gestartet und dessen Fenster sichtbar sein. Dann klicken Sie in Autokey neben „Window Filter“ auf „Set“ und anschließend auf „Detect Window Properties“. Nun klicken Sie in das Fenster der Anwendung und bestätigen wiederum in Autokey die angezeigte „Window class“ mit „OK“. Mit „Save“ speichern Sie die Änderung. Egal ob Hotkey, Textbaustein oder beides: Der Automatismus gilt jetzt nur noch innerhalb des einen angegebenen Programms.

203_5_autokey_debug
Begrenztes Debugging für Python-Scripts: Nach dem Aufruf mit Parameter „-l“ zeigt das Terminal zumindest die Zeilennummer des fehlerhaften Codes.

 

Infozentrale mit Dokuwiki

Eine zentrale Ablage für Adressen, Notizen und oft benötigte Dateien wird nur dann angenommen und gerne genutzt, wenn sie einfach erreichbar ist und auch sonst keine technischen Ansprüche stellt. Dokuwiki ist ein Favorit für diese Aufgabe.

Schon Sie als Heim-Admin haben Mühe, Ihre digitalen Unterlagen zu finden, erst recht aber Ihre Familie, Ihre Mitbewohner oder Ihre Mitarbeiter? Eine per Browser erreichbare Zentrale mit den wichtigsten Dokumenten, Notizen, Anleitungen und Bildern bietet eine ansprechende Lösung. Dokuwiki erledigt diesen Job optisch überzeugend, ist schnell installiert und für alle Teilnehmer einfach zu nutzen.

Dokuwiki
Der Link „Admin“ führt jederzeit zur „Konfiguration“ oder zu den Erweiterungen: Änderungen an den Basiseinstellungen sind selten erforderlich, eine Ausnahme ist ein alternatives Design (Template).

Voraussetzungen und Vorbereitungen

Das ideale Gerät für das Dokuwiki ist ein ständig laufender Server von der Sorte Raspberry Pi, Odroid oder Banana Pi. Diese zusätzliche Aufgabe übernehmen Raspberry & Co. mühelos neben sonstigen Server-Diensten, denn das Dokuwiki stellt bei einer zwei- oder dreistelligen Anzahl von Wiki-Seiten kaum Ansprüche an die Hardware. Dokuwiki arbeitet ohne Datenbank ausschließlich mit kleinen TXT-Dateien und strukturierenden „Namensräumen“, die auf Dateiebene als Verzeichnisse erscheinen.

Voraussetzung ist ein laufender Apache-Server mit PHP. Sofern dieser noch nicht vorliegt, installieren Sie diesen unter Raspbian, Debian oder Ubuntu mit diesem Kommando:

sudo apt-get install apache2 php5 libapache2-mod-php5 php5-curl

Holen Sie sich dann mit wget das kleine Installationspaket von Dokuwiki ins Home-Verzeichnis:

cd ~
wget http://download.dokuwiki.org/src/dokuwiki/dokuwiki-stable.tgz

Unter den Debian/Raspbian-Distributionen liegt das vorbereitete Web-Verzeichnis von Apache unter /var/www, unter Ubuntu seit Version 14.04 unter /var/www/html. Entpacken Sie daher mit

sudo tar xzvf dokuwiki-stable.tgz -C /var/www/[html/]

das Archiv an die richtige Stelle. Das dort entstandene Verzeichnis mit Versionsangabe im Namen benennen Sie mit

sudo mv /var/www/[html/]dokuwiki* /var/www/[html/]dokuwiki

nach „dokuwiki“ um und setzen die Zugriffsrechte für Apache:

sudo chown -R www-data:www-data /var/www/[html/]dokuwiki

Ab sofort ist das Wiki betriebsbereit, und die weitere Einrichtung erfolgt im Browser mit dieser Adresszeile: http://[IP-Adresse]/dokuwiki/install.php?l=de

Folgen Sie den wenigen weiteren Schritten. Notwendig sind das Einrichten eines Administrator-Kontos und die Vergabe eines Wiki-Namens. Weitere Einstellungen wie das Festlegen der Startseite oder der Sprache Deutsch finden Sie jederzeit unter „Admin -> Konfiguration“. Damit Sie und die übrigen Teilnehmer das Wiki mit einem Browser-Lesezeichen zuverlässig erreichen, sollte der Server eine feste lokale IP besitzen. Dies erledigen Sie am besten im Router. Bei der Fritzbox findet sich der Punkt unter „Heimnetz -> Netzwerk“ und dann „…gleiche IPv4-Adresse zuweisen“ beim betreffenden Gerät. Ihre Lesezeichen können dann etwa mit „192.168.1.10/dokuwiki“ die Startseite anspringen oder jede andere Seite mit „192.168.1.10/dokuwiki/doku.php?id=adressen“.

Dokuwiki im Aufbau: Dieser Seitenindex zeigt erst wenige Seiten und Ordner („Namensräume“). Für private Heimnetze reicht aber oft schon eine zweistellige Seitenzahl.
Dokuwiki im Aufbau: Dieser Seitenindex zeigt erst wenige Seiten und Ordner („Namensräume“). Für private Heimnetze reicht aber oft schon eine zweistellige Seitenzahl.

Seiten anlegen und hierarchisch organisieren

Eine neue Seite entsteht typischerweise dadurch, dass Sie in der Browseradresse hinter „[IP]/dokuwiki/doku.php?id=“ einen bisher nicht benutzten Namen eintragen und dann auf den Link „Seite anlegen“ klicken. Der Editor erlaubt fundamentale Auszeichnungen wie Fett oder Kursiv, mehrere Überschriftenebenen und das Einfügen von Bildern, Dateien und URLs. Der Editor entspricht weitgehend demjenigen anderer Wikis oder Blog-Editoren wie WordPress. Einige Eigenheiten sollte man aber kennen:

Beachten Sie bei geschriebenem oder per Zwischenablage eingefügtem Text, dass ein Return keinen Zeilenumbruch bewirkt. Sie müssen mit zwei Returns eine sichtbare Leerzeile erzeugen oder das Zeilenende durch Doppelbackslash (\\) erzwingen.

Bei Listen aller Art (Telefonliste, Adressen, Scripts) wäre es nicht zumutbar, die notwendigen Zeileumbrüche manuell einzutragen. Fügen Sie daher Ihre Liste in den Editor ein, markieren Sie alles und formatieren Sie den gesamten Text mit dem Button „Listenpunkt“. Wenn Sie die Liste oder einen Listenteil später an anderer Stelle brauchen, kopieren Sie den Text in der Browseransicht (nicht im Editor mit dem störenden Formatierungszeichen).

Einige Zeichenkombinationen interpretiert Dokuwiki als Formatierungen, so etwa „//“ bei Linux-Pfadangaben. Hier lässt sich Klartext durch Maskieren mit „%%“ erzwingen – etwa %%//home/user%%.

Ohne weitere Gliederung landen alle Seiten auf oberster Ebene, was selbst bei kleinen Sammlungen schnell unübersichtlich wird. Um hierarchische Ebenen zu organisieren, also etwa für jeden Teilnehmer seinen eigenen Bereich, gibt es „Namensräume“ (Namespaces). Um einen Namensraum anzulegen, verwenden Sie statt „[IP]/dokuwiki/doku.php?id=[Seitenname]“ die Adresse „[IP]/dokuwiki/doku.php?id=[Name:][Seitenname]“ – also etwa „[IP]/dokuwiki/doku.php?id=Sepp:Adressen“. Die neue Wiki-Seite „Adressen“ wird dann unter der neuen Ebene „Sepp“ eingerichtet und in der Übersicht angezeigt.

Da Namensräume auf Dateiebene durch Verzeichnisse, Wiki-Seiten durch TXT-Dateien repräsentiert werden, ist es für den Basisaufbau oder bei größeren Umbauten des Wikis oft einfacher, die Grundstruktur unter /var/www/[html/]dokuwiki/data/pages auf Dateiebene zu unternehmen. Die Browseransicht folgt solchen Änderungen sofort oder spätestens nach dem Seiten-Refresh mit Taste F5.

Apropos Umbauten: Für das Löschen oder Umbenennen von Seiten werden Sie keine Option finden. Entweder erledigen Sie das auf Dateiebene oder im Browser – und hier so: Öffnen Sie die Wikiseite, und gehen Sie auf „Diese Seite bearbeiten“. Nach Löschen des kompletten Inhalts und „Speichern“ ist die Seite gelöscht. Namensräume verschwinden automatisch, sobald alle Seiten unterhalb des Namensraums gelöscht wurden. Zum Umbenennen von Seiten kopieren Sie kompletten Inhalt in eine neue Seite mit dem gewünschten Namen und löschen dann die ursprüngliche Seite auf die beschriebene Weise.

Erweiterungen und Themes

Über „Admin -> Erweiterungen verwalten -> Suchen und Installieren“ ist das Dokuwiki erweiterbar. Es gibt zahlreiche funktionale Erweiterungen und alternative Templates. Auch der standardmäßig vorhandene Konfigurationsdialog und die hier angesprochene Erweiterungsverwaltung sind bereits externe Plugins.

Unter „Suchen und Installieren“ können Sie nicht stöbern, sondern müssen einen Suchbegriff vorgeben. Wer stöbern will, sollte die Seite www.dokuwiki.org/extensions aufsuchen, die gewünschte Erweiterung danach aber über „Suchen und Installieren“ einrichten. Ein auf diese Weise heruntergeladenes Template können Sie dann unter „Admin -> Konfiguration -> Designvorlage“ auswählen und dann ganz unten auf „Speichern“ gehen. In der Regel benötigt der Browser mit Taste F5 einen Seiten-Refresh, um das neue Theme anzuzeigen.

Wer über das Dokuwiki viele Downloads anbieten will, sich aber das Hochladen über den „Medien-Manager“ in das Wiki sparen will, sollte das Plugin „directorylist“ nachrüsten. Dann listet nämlich eine neue Wikiseite (etwa „downloads“) mit folgender Code-Zeile

<directorylist: path="/home/ha/usb2/Transfer">

sämtliche Dateien des eingetragenen Pfads auf und erlaubt per Mausklick den Download. Eine mediengerechte Darstellung bietet diese Methode allerdings im Gegensatz zum eingebauten „Medien-Manager“ nicht, sie zeigt nur Dateinamen und Größen.

Versionsverwaltung: Dokuwiki speichert alle Bearbeitungszustände und ist damit auch für Teamarbeit an einem Dokument vorbereitet.
Versionsverwaltung: Dokuwiki speichert alle Bearbeitungszustände und ist damit auch für Teamarbeit an einem Dokument vorbereitet.

 

Designvorlage anpassen

Über „Admin -> Konfiguration“ erreichen Sie im Browser bequem die zahlreichen Basis-Einstellungen, die Sie sonst über die Datei …/conf/dokuwiki.php steuern müssten. Ganz oben unter „Basis“ definieren Sie die Designvorlage. Das ist beim Dokuwiki nicht nur eine optische Entscheidung, sondern bestimmt auch, ob und wo die Wiki-Übersicht, die Editieraktionen und die Konfiguration erreichbar sind. Beachten Sie, dass jedes Design im allerletzten Punkt „Template“ der Konfiguration noch diverse Detailanpassungen vorsieht: Das betrifft nicht nur die Farben, sondern auch die gewünschte Position der Elemente.

Rechtevergabe im Dokuwiki

Das Rechtesystem ist zunächst einfach: Der nach der Installation eingerichtete Administrator wird „Superuser“ (siehe „Admin -> Konfiguration -> Authentifizierung“) und hat Zugriff auf alle Seiten, auch auf solche anderer Benutzer. Alle weiteren Benutzer, die über „Admin -> Benutzerverwaltung“ angelegt werden (oder sich selbst registrieren), sind automatisch normale „user“. Sie dürfen Beiträge lesen und neue anlegen, es fehlt ihnen aber der Link „Admin“, der zur Konfiguration und Benutzerverwaltung führt.

Komplizierter wird es durch ACL-Rechte, die Sie über „Admin -> Zugangsverwaltung“ definieren können. Um den Überblick zu behalten, sind zwei einfache Grundstrategien möglich: Variante 1 ist ein offenes Wiki, das nur einen „privaten“ Bereich für den Superuser enthält, Variante 2 macht aus dem Dokuwiki eine Art private Notizensammlung für mehrere User:

Variante 1: Für „[Wurzel]“ gilt unter „Admin -> Zugangsverwaltung“ für die Gruppe „@user“ mindestens die Berechtigung „Anlegen“ (es gibt sechs Berechtigungen von „Keine“ über „Lesen“, „Bearbeiten“ bis maximal „Entfernen“). Ein einziger darunterliegender Namensraum etwa mit dem Namen „1st_user“ erhält hingegen die User-Berechtigung „Keine“. Das heißt, dass sich alle Benutzer überall austoben dürfen, aber den Namensraum „1st_user“ nicht betreten können. Das Dokuwiki bietet unter „Admin -> Konfiguration“ im Abschnitt „Darstellung“ sogar eine Option „sneaky_index“, die unzugängliche Namensräume bei anderen Benutzer automatisch ausblendet.

Variante 2: Auch hier sollte für „[Wurzel]“ und für die Gruppe „@user“ mindestens die Berechtigung „Anlegen“ gelten. Darunter setzen Sie für die Bereiche („Namensräume“) der einzelnen Benutzer die Gruppe „@user“ auf die Berechtigung „Keine“, geben aber dem jeweiligen Benutzer das maximale Recht „Entfernen“. Dieser Namensraum gehört damit exklusiv diesem Benutzer. Auch hier sorgt „sneaky_index“ dafür, dass andere Benutzer diesen Namensraum erst gar nicht sehen.

Links der Inhalt von "Alex", rechts der des "Superusers": ACLs ermöglichen geschützte Bereiche, die für andere Benutzer nicht zugänglich und optional ganz ausgeblendet werden.
Links der Inhalt von „Alex“, rechts der des „Superusers“: ACLs ermöglichen geschützte Bereiche, die für andere Benutzer nicht zugänglich und optional ganz ausgeblendet werden.

Dokuwiki im Internet

Wenn Sie das Wiki über eine Portfreigabe im Internet erreichbar machen, gelten verschärfte Sicherheitsansprüche. Dies vor allem dann, wenn Ihr Dokuwiki keinen öffentlichen Wiki-Charakter hat, sondern als persönliche Infozentrale dient. Die angesprochenen ACL-Rechte sind in diesem Fall nicht einschlägig, weil es hier nicht um differenzierte Rechte geht, sondern darum, Fremde kategorisch fernzuhalten:

  1. Wesentlichste Sicherheitsmaßnahme ist der Gang zu „Admin -> Konfiguration -> Authentifizierung“. Hier gibt es einen Punkt „DokuWiki-Aktionen deaktivieren“, wo die Option „Registrieren“ unbedingt ein Häkchen benötigt. Damit ist das offene Registrieren beliebiger Nutzer verboten. Dies würde nämlich dazu führen, dass jeder Internet-Nutzer, der zufällig Ihr Wiki findet, sich ein Konto anlegen könnte und Zugriff auf alle oder einige Inhalte hätte.
  2. Weitere Sicherheitsregeln sind banal: Vermeiden Sie die Benutzernamen „admin“ und „root“, die das Ratespiel eines Eindringlings stark vereinfachen. Verwenden Sie ferner sehr sichere, komplexe Passwörter für alle erlaubten Benutzer und so wenige Konten wie möglich.

Textimport statt „Seiten anlegen“

Normale Benutzer legen neue Seiten dadurch an, dass sie in der Browser-Adresszeile hinter http://[IP-Adresse]/dokuwiki/doku.php/ einfach einen neuen Seitennamen angeben und nach Eingabetaste die Option „Seite anlegen“ wählen. Die einfache Struktur ermöglicht aber auch einen Massenimport von Seiten. Es gibt dafür etliche Plugins, die aber entweder recht speziell ausfallen oder durch Hinweise auf Fehleranfälligkeit nicht zum Produktiveinsatz einladen. Der hier beschriebene Weg geschieht unter der Haube auf Dateiebene etwa in der SSH-Konsole:

  1. Die künftigen Dokuwiki-Seiten müssen im einfachen Textformat vorliegen und die Dateiendung .txt erhalten. Binär-Formate wie odt, pdf, docx, rtf müssen also gegebenenfalls erst konvertiert werden. Die Massenkonvertierung solcher Dateien ist ein Thema für sich und kann hier nicht vertieft werden. An dieser Stelle soll der Hinweis genügen, dass etwa der Writer aus Libre Office einen Schalter bietet, um alle Dateien eines Ordners umzuwandeln:
libreoffice –writer –convert-to "txt:Text (encoded):UTF8" *.odt
  1. Die Textdateien kopieren Sie dann etwa mit dem Midnight Commander nach /var/www/html/dokuwiki/data/pages (bei manchen Distributionen nach /var/www/dokuwiki/…/) oder in ein passendes Unterverzeichnis des Wikis.
  2. Was Sie jetzt als root oder mit einem anderen Systemkonto kopiert haben, hat nicht die korrekten Dateirechte. Sie könnten die Dateien im Dokuwiki lesen, aber nicht bearbeiten. Legen Sie daher mit chown den Benutzer „www-data“ und die gleichnamige Gruppe als Besitzer fest – etwa wieder im Midnight Commander unter „Datei -> Chown“.
  3. Falls in der Browseransicht des Dokuwikis trotzdem noch Seiten fehlen, dann hat das die triviale Ursache, dass das Dokuwiki Dateien mit Großbuchstaben und Leerzeichen im Dateinamen ignoriert. Das systematische Umbenennen von Dateien ist erneut ein komplexes Thema, das wir hier nur mit zwei kurzen Beispielbefehle andeuten können:
rename 'y/A-Z/a-z/' *
rename 's/ /_/g' *

Das erste Kommando sorgt für Kleinschreibung, das zweite ersetzt Leerzeichen durch Unterstriche.

Nach diesen Schritten sollten alle auf Dateiebene integrierten Textdateien als Wiki-Seiten erscheinen. Für bessere Lesbarkeit wird manche Nachbearbeitung nötig sein, aber das geht weit schneller als einzelnes Anlegen und manuelles Copy & Paste.

Deaktivieren von Aktionslinks: Das Dokuwiki wird dadurch übersichtlicher und sicherer. Vor allem das freie "Registrieren" ist nur für öffentliche Wikis geeignet.
Deaktivieren von Aktionslinks: Das Dokuwiki wird dadurch übersichtlicher und sicherer. Vor allem das freie „Registrieren“ ist nur für öffentliche Wikis geeignet.

Cubox i4 Pro als Desktop

Das Cubox-Top-Modell i4 Pro ist eine beeindruckende Handvoll Linux-/Android-Hardware. Der gefühlte Würfel (ist keiner) hat Reserven, die ihn nicht nur für kleine Serverrollen ausstatten. Lesen Sie hier, ob er auch als Desktop-PC in Frage kommt.

Hersteller Solidrun bewirbt auf www.solid-run.com die Cubox als kleinsten Computer der Welt mit den Maßen 5,5 x 5,5 x 4,5 Zentimeter. Trotzdem wird man die Cubox angesichts der Einrichtung, Bedienung und der potentiellen Einsatzgebiete eher als teureren Platinen-Rechner denn als günstigen PC oder Barebone klassifizieren. Primäre Rollen sind daher solche als Streaming-Server oder als klassischer Dateiserver. Trotzdem nehmen wir den Hersteller hier beim Wort und nutzen die Cubox als Desktop-Hardware.

Cubox i4 Pro (Quelle: ecservices.de)
Cubox i4 Pro (Quelle: ecservices.de)

Die Eckdaten der Hardware

Die israelische Cubox wird in Deutschland über www.ecservices.de vertrieben. Aktuell beginnen die Preise bei 90 Euro. Die hier besprochene Cubox i4 Pro kostet 139 Euro, ist das Spitzenmodell der Serie und zugleich die einzige Cubox-Variante, mit der ein Desktop-Einsatz in Betracht kommt. Die Cubox i4 Pro enthält folgende Hardwarekomponenten: ARM Quad-Core-CPU mit 1 GHz Taktfrequenz, 2 GB RAM, Gigabit-Ethernet gedrosselt auf 470 MBit/s, 2 x USB2.0, 1 x Micro USB, 1 x eSata sowie WLAN 11n, Bluetooth und Infrarot-Empfänger. Hinzu kommen der obligatorische HDMI- und der Audio-Ausgang (S/PDIF).

Beim Stromverbrauch messen wir Spitzenwerte von 5-7 Watt, wenn die Cubox richtig viel zu tun hat, 4 Watt bei Alltagsbelastung (etwa bei Filmwiedergabe) und im Idle-Zustand etwa 3 Watt. Das ist zwar geringfügig mehr als der Verbrauch anderer Platinen-Rechner, aber auch im Dauerbetrieb auf der Stromrechnung praktisch zu vernachlässigen. Der Würfel arbeitet lüfterlos und absolut geräuschlos.

Die notwendige Micro-SD-Karte für das Betriebssystem können Sie im einfachsten Fall im Bundle mit der Hardware kaufen (aktuell 146 Euro), wobei dann auf der Karte das System Openelec mit dem Mediencenter XBMC/Kodi bootfähig vorinstalliert ist. Falls Sie SD-Karten im Vorrat haben: Für die nachfolgend genannten Systeme Debian Wheezy und Android genügen Kapazitäten ab 8 GB.

Im Vergleich zu anderen Mini-Rechnern und Platinen-PCs sollte die Cubox i4 Pro eine kompromisslose Wahl darstellen. Allerdings bietet inzwischen sogar der Raspberry Pi 2 eine Quad-Core-CPU, und eine Quad-Core-CPU und 2 GB RAM gibt es fürs halbe Geld etwa bei einem Odroid U3. Aber die Cubox i4 Pro hat ja noch einige weitere Vorteile an Bord, insbesondere den WLAN-Adapter, Gigabit-Ethernet und einen eSATA-Port, nicht zu vergessen auch das Gehäuse, das bei einigen Platinen 20 Euro und mehr Aufpreis verursacht.

Alles top? Einige prinzipbedingte Einschränkungen und einige konkrete Minuspunkte muss sich der Würfel gefallen lassen: So wird man beim Anschluss von USB-Platte(n) die 470 MBit/s des Ethernet-Adapters nicht ausschöpfen können: USB 2.0 bremst den Durchsatz in der Praxis auf 25 bis maximal 28 MB pro Sekunde, somit auf 200 bis 220 MBit/s. Das ist immer noch hübsch flott, aber doch ein gutes Stück von den maximalen 470 MBit/s des gedrosselten Gigabit-Adapters entfernt. Die volle Netzwerkleistung ist nur mit einer Festplatte an der eSata-Schnittstelle auszureizen.

Der eingebaute WLAN-Adapter soll laut Spezifikation dem noch aktuellen Funkstandard 802.11n entsprechen. Er erreicht aber unter guten Funknetz-Bedingungen direkt neben dem Access Point ziemlich konstant nur 3,1 MB pro Sekunde, also kaum 25 MBit/s. Auch damit kann man sicher arbeiten und durchschnittliche Streaming-Jobs erledigen, aber im Dauerbetrieb als Server kann der WLAN-Chip nur als Notnagel aushelfen, wenn die Verkabelung nicht oder vorübergehend nicht möglich ist.

Dass die Cubox alle Anschlüsse außer dem Audio-Ausgang an derselben Gehäusewand hat, ist lästig, wenn viele Anschlüsse besetzt sind. Dann wird es eng und meist unumgänglich, mehrere Kabel abzuziehen, um an eines in der Mitte zu kommen. Generell etwas fummelig ist der Einschub der Micro-SD-Karte. Solange kein HDMI-Kabel angeschlossen ist, lassen sich Micro-SDs einigermaßen problemlos einlegen und mit dem Fingernagel einschieben, bis die Karte leicht spürbar einrastet. Leider funktioniert die Entnahme in der Regel nicht ohne Zuhilfenahme eines kleinen Schraubendrehers oder eines Messers. Mit angeschlossenem HDMI-Kabel in enger Nachbarschaft wird dann auch das Einlegen der SD-Karte unkomfortabel.

Alle Anschlüsse an einer Gehäusewand: Um einen Stecker zu ziehen, müssen ob der Enge oft auch Nachbarstecker entfernt werden.
Alle Anschlüsse an einer Gehäusewand: Um einen Stecker zu ziehen, müssen ob der Enge oft auch Nachbarstecker entfernt werden.

Betriebssysteme und Ignition-Installer

Unter www.solid-run.com/support/downloads bietet der Hersteller angepasste System-Images für die Cubox. An erster Stelle empfohlen wird dort der universelle Installer Ignition. Dieser grafische Setup-Assistent hat nur 36 MB und muss nach dem Download mit dd unter Linux

dd if=[Pfad/]ignition.img of=/dev/sd[x]

oder mit dem Win 32 Diskimager unter Windows auf eine SD-Karte kopiert werden. Die meisten jüngeren PCs und Notebooks haben einen Anschlussport für SD/MMC, wobei die Micro-SD-Karte mit dem üblichen Plastik-Adapter einzuschieben ist. Achten Sie beim Kopieren des Abbilds unbedingt darauf, das richtige Zielgerät anzugeben, weil das Medium komplett überschrieben wird. Nach dem Übertragen von Ignition, was nur einige Sekunden dauern sollte, entnehmen Sie die Karte, nehmen dann die Micro-SD aus dem Adaptergehäuse und schieben sie in den vorgesehenen Port der Cubox. Der liegt unterhalb des HDMI-Ports und ist, wie schon angedeutet, etwas fummelig zu bestücken.

Schließen Sie über ein HDMI-Kabel einen Monitor oder ein TV-Gerät an. Falls der Monitor keinen HDMI-Anschluss hat, benötigen Sie einen HDMI-auf-DVI-Adapter (etwa 5 Euro). Schließen Sie ferner Ethernet-Kabel (zu empfehlen), Maus und Tastatur via USB an. Wenn Sie den Cubox-Würfel nun mit Strom versorgen, bootet Ignition und zeigt nach kurzer Zeit ein Auswahlmenü mit vier empfohlenen Systemen, weitere nach Klick auf „Show all distributions“. Wenn der Monitor den Ignition-Installer nicht nach kurzer Zeit anzeigt, schalten Sie ihn kurz aus und wieder an.

Der Ignition-Installer: Das ist bei bestehender Internet-Verbindung der komfortabelste Weg, ein System für die Cubox zu installieren.
Der Ignition-Installer: Das ist bei bestehender Internet-Verbindung der komfortabelste Weg, ein System für die Cubox zu installieren.

Ignition ist eine nette Hilfe, aber kein Software-Glanzstück: Im Prinzip geht es nur darum, dass der grafische Installer die Download-Adressen der angezeigten Systeme kennt, das ausgewählte aus dem Internet holt und auf die SD-Karte schreibt. Eine Internet-Verbindung ist daher Voraussetzung – die leistet Ignition aber sowohl verkabelt wie per WLAN zuverlässig. Funknetz wird in der Tat schon an dieser Stelle unterstützt, falls eine Ethernet-Verkabelung zu umständlich wäre. Dazu verwenden Sie die Schaltfläche „Setup Wifi“, wonach die Liste der Funknetze angezeigt wird, und Sie sich mit dem eigenen verbinden können. Das Eingabefeld für das Passwort befindet sich oberhalb der Schaltfläche „Connect“.

Beachten und notieren Sie bei der Auswahl des gewünschten Systems eventuelle Angaben zu voreingestellten root-Kennwörtern. Klicken Sie dann auf „Install“. Nun können Sie entweder die SD-Karte mit Ignition gleich durch das neue System überschreiben oder – gemäß angezeigtem Dialog – eine andere Micro-SD-Karte einsetzen (und damit Ignition für spätere Installationen behalten). Der Download verläuft bis 99 Prozent recht flott und stagniert dann ziemlich lange. Bleiben Sie geduldig, bis der Dialog „Installation done. Restart?“ erscheint.

Leider laufen nicht alle Systeme problemlos, die Solidrun über Ignition oder den direkten Download anbietet. Auch bei empfohlenen Systemen ist mit Fehlern und Bootproblemen zu rechnen, so in unserem Fall bei Geexbox mit XBMC, nachdem es über Ignition installiert wurde. Aus unserer Sicht technisch wie funktional uneingeschränkt zu empfehlen sind Android Kitkat 4.4.4, Debian Wheezy, Open Elec und direkt über die Web-Site geladenes Geexbox. Generell fallen Software-Unterstützung, Anbieter-Website und Community gegenüber der soliden Hardware etwas ab.

Cubox als Desktop: Debian Wheezy plus LXDE-Desktop überlässt alle Ressourcen der Software. Mit laufendem Browser zeigt Htop hier gut 300 MB RAM belegt und durchschnittliche CPU-Auslastung.
Cubox als Desktop: Debian Wheezy plus LXDE-Desktop überlässt alle Ressourcen der Software. Mit laufendem Browser zeigt Htop hier gut 300 MB RAM belegt und durchschnittliche CPU-Auslastung.

Desktop-System mit Debian Wheezy

Wenn Sie die Cubox als Datenserver oder – wie hier geplant – als Desktop-System einsetzen möchten, starten Sie am besten mit einem Debian Wheezy. Dieses ist über den Ignition-Installer verfügbar, sofern Sie die Option „Show all distributions“ aktivieren. Nach erfolgreichem Download und Reboot der Cubox landen Sie auf der Konsole von Debian und können sich dort als root mit dem Standardkennwort „1234“ anmelden. Debian fordert nach dem ersten root-Login sofort die Änderung des Kennworts.

Die Debian-Distribution ist für den Server-Betrieb vorgesehen und erwartet die nachfolgende Einrichtung auf der Konsole oder über das Netzwerk mit SSH. Eine Oberfläche ist aber schnell nachinstalliert. Wir entscheiden uns mit

apt-get install task-lxde-desktop

für den sparsamen LXDE-Desktop. Nach dem nächsten Reboot erscheint der grafische Login-Bildschirm, wo Sie sich als root anmelden – und zwar mit dem nach dem ersten Login im Terminal vergebenen Passwort.

LXDE ist erst mal keine Desktop-Schönheit, gewinnt aber sofort erheblich, wenn Sie die Systemleisten anpassen und einen frischen Desktop-Hintergrund festlegen. Die Sprache können Sie nach der Terminaleingabe

dpkg-reconfigure locales

umstellen, indem Sie nachfolgend alle drei „de_DE…“-Optionen aktivieren. Die nächste Abfrage beantworten Sie mit der Wahl „de_DE.UTF.8“.

Diverse Nachinstallationen sind unerlässlich, wenn Debian auf der Cubox als Desktop arbeiten soll: Als Browser kommt auf ARM-Rechnern nur die Firefox-Abspaltung Iceweasel in Betracht:

apt-get install iceweasel

Um mit dem Browser Flash-Inhalte wiedergeben zu können, benötigen Sie ferner noch einen Ersatz für Adobe Flash wie Gnash:

apt-get install gnash browser-plugin-gnash

Einen guten Mail-Client erhalten Sie mit icedove (apt-get install icedove), das weitestgehend auf Mozilla Thunderbird basiert und genauso zu bedienen ist. Ebenso ist Software wie ein Libre Office (Paketname „libreoffice“) schnell nachinstalliert. Das LXDE-Grundsystem ist so reduziert, dass sicher noch weitere Nachbesserungen anfallen, etwa die eines Audio- oder Videoplayers (im Zweifel VLC).

Mit solcher Ausstattung und funktionalem Desktop kommt Cubox i4 Pro mühelos klar: Da Debian mit LXDE nur etwa 100 bis 125 MB fordert, bleiben bei 2 GB Speicher alle RAM-Reserven für die Software. Anwendungen wie Browser, VLC oder Office starten flott und laufen flüssig. Nur der Iceweasel-Browser mit vielen Tabs fordert die ARM-CPU deutlich messbar und spürbar. Zwar werden selten mehr als 40 Prozent Auslastung erreicht, dennoch läuft der Browser hier zäher als bei der nachfolgenden Android-Alternative. Gut zu tun hat die Cubox auch bei der Fensterverwaltung im Multitasking, dies ist jedoch nur messbar und ohne spürbare Folgen.

Insgesamt bietet die Variante mit Debian Anwendern mit etwas Linux-Kompetenz einen produktiven Desktop mit allen Möglichkeiten. Bei den allermeisten Aktionen vergisst man schnell, dass nur ein etwas größerer Platinenrechner mit ARM-Prozessor arbeitet. Lediglich der hier alternativlose Browser Iceweasel arbeitet etwas zäh.

Blick den Task-Manager: Trotz geladenem Screenshot-Programm Shutter meldet das Debian-System mehr oder weniger volle Reserven bei CPU und RAM.
Blick den Task-Manager: Trotz geladenem Screenshot-Programm Shutter meldet das Debian-System mehr oder weniger volle Reserven bei CPU und RAM.

Desktop mit Android Kitkat

Android Kitkat 4.4.4 ist beim Ignition-Installer das erste Angebot („Android AOSPBox-i R1 KitKat 4.4.4“). Nach unserer Erfahrung ist es stabiler als das mit diversen vorinstallierten Apps umfangreichere Android Kitkat 4.4.2 (zweite Option bei Ignition), wo gelegentlich das wichtige Systemprogramm „Einstellungen“ abstürzt. Nach Download und Installation mit Ignition und dem ersten Start von Android bestücken Sie den Home-Screen mit den wichtigsten Apps und holen sich aus dem Google Play Store unentbehrliche Helfer wie den Total Commander plus Plugins. Damit haben Sie schon mal Zugriff auf aller lokalen Netzwerkfreigaben und auf FTP-Server. Weitere Downloads aus dem Play Store sind eine Frage des Einsatzzwecks oder des Geschmacks (Word, Excel, Chrome, VLC, Mail, Cloud-Apps).

Wer sich für ein Android auf einem PC-Monitor entscheidet, sollte sich allerdings vorab bewusst sein, dass er hier mit Apps im Vollbildmodus arbeiten wird, die auf kleine Tablet- und Smartphone-Displays optimiert sind. Android hat nur ganz bescheidene Möglichkeiten, die Smartphone/Tablet-GUI auf Monitor-Dimensionen zu trimmen: Unter „Einstellungen -> Display -> Schriftgröße“ hilft die Einstellung „klein“ ein Stück, ändert aber nichts daran, dass manche Vollbild-App ordentlich ins Auge bombt. Ideal ist ein Android am PC für Kinder, für Senioren oder für ein Surf- und Zweitsystem mit kleinem TFT-Bildschirm. Überblick und Bedienung könnten nicht einfacher und schicker sein. Andererseits fehlen Produktivitätsmerkmale wie skalierbare Fenster, umwegloser Taskwechsel oder einfaches Mounten externer Datenträger. Weitere Apps aus dem Google Play Store können manches kompensieren, aber kein vollwertiges Desktop-System nachbauen. Für das Mounten von USB-Datenträgern sind wieder Plugins für den Total Commander („USB Stick Plugin-TC“, „USB plugin for Total Commander“ von Paragon) allen Alternativen vorzuziehen.

Cubox i4 Pro arbeitet mit Android 4.4.4 so flüssig, dass man sich nach erstem Zögern sogar einen animierten Live-Hintergrund für den Home-Screen leistet. Bei der Speicherauslastung meldet die App Droid Info trotz vieler laufender Programme immer deutlich mehr als 50, meist 70 Prozent freies RAM. Die CPU-Auslastung messen wir über SSH, nachdem der SSH-Server von Ice Cold Apps installiert wurde: HD-Filmwiedergabe schlägt mit etwa 20 Prozent zu Buche und systemnahe Aktionen wie Installation und Einstellungsänderungen können die Cubox-CPU bis zu 40 Prozent fordern. Ähnlich oder noch mehr gefordert ist die Quadcore-CPU mit dem Browser inklusive diverse Tabs und Internetvideo. Mehr als 50 oder 60 Prozent sind aber nie zu messen. Im Multitasking, etwa während eines Downloads aus Google Play, gibt es sehr selten sporadisches Ruckeln der Android-Animation beim Aktivieren einer anderen App.

Ungewöhnlicher Desktop: Android ist das System mit dem flüssigsten Benutzererlebnis auf der Cubox. Andererseits hat die Smartphone-/Tablet-GUI unvermeidliche Produktivitätsnachteile gegenüber einem Debian.
Ungewöhnlicher Desktop: Android ist das System mit dem flüssigsten Benutzererlebnis auf der Cubox. Andererseits hat die Smartphone-/Tablet-GUI unvermeidliche Produktivitätsnachteile gegenüber einem Debian.

 

Ein Desktop-System für 244 Euro

Der Beitrag sollte zeigen, dass die Cubox mit geringen Abstrichen und Einschränkungen als Desktop-PC geeignet ist. Sofern Sie nicht die eine oder andere Peripherie sowieso in der Schublade haben, fallen insgesamt die nachfolgend angezeigten Kosten an. Diese liegen in jedem Fall deutlich unter dem Preis eines günstigen, kompletten Desktop-PCs inklusive Ein- und Ausgabegeräte:

  • Cubox i4 Pro                   139 Euro
  • SD-Karte (16 GB)          10 Euro
  • Monitor (21 Zoll)          60 Euro
  • Maus                                 10 Euro
  • Tastatur                            15 Euro
  • HDMI                                5 Euro
  • HDMI auf DVI                5 Euro

Beachten Sie, dass für den Anschluss externer USB-Datenträger zusätzlich ein USB-2.0-Hub mit eigener Stromversorgung erforderlich wird (ab 11 Euro), weil die beiden USB-Ports in einem Desktop-Szenario bereits durch Tastatur und Maus belegt sind.

Platine Odroid-XU4 als Top-NAS

USB 2.0 und Fast Ethernet des Raspberry Pi 2/3 sind nicht überall ausreichend. Für einen leistungsstarken Home-Server wird man andere Platinenrechner bevorzugen. Dieser Beitrag wirft einen kritischen Blick auf das Odroid-Spitzenmodell XU4.

Die Platinenfamilie Odroid des koreanischen Herstellers Hardkernel (www.hardkernel.com) gehört mit Recht zu den populärsten Raspberry-Konkurrenten. Die Odroid-Hardware ist solide und ausgewogen konzipiert, die offiziellen Systemimages werden durch eine aktive Community um zahlreiche Systemalternativen erweitert und Forum, Wiki und das kostenlose „Odroid Magazine“ bieten Tipps und Infos. Das einfache Odroid-Grundkonzept war schon immer, für etwas mehr Geld deutlich mehr Leistung als der Raspberry zu liefern. Das Spitzenmodell XU4 ist freilich deutlich teurer als ein Raspberry – ist es auch deutlich besser?

Odroid XU4 (Quelle: pollin.de)
Odroid XU4 (Quelle: pollin.de)

Die technischen Daten des Odroid XU4

Der Odroid-XU4 bleibt nur knapp unter der psychologischen Schmerzgrenze von 100 Euro: Inklusive dem empfehlenswerten Gehäuse liegt er mit circa 95 plus 8 Euro bei etwa 103 Euro (www.pollin.de). Dafür gibt es aber eine Achtkern-CPU (Samsung Exynos 5422), deren vier schnelle Kerne (Cortex-A15) mit 2 GHz takten, vier sparsame Kerne (Cortex-A7) mit 1,4 GHz. Der Arbeitsspeicher beträgt 2 GB, und als GPU-Chip arbeitet ein Mali-T628 MP6, der auch in hochpreisigen Samsung-Tablets zum Einsatz kommt. Fast noch wichtiger für den Einsatz als Server sind der Gigabit-Netzadapter und die beiden USB-3.0-Anschlüsse (plus einer mit USB 2.0). Nicht jedermanns Sache ist der aktive CPU-Lüfter, der zwar akustisch recht dezent bleibt, aber unter Last recht häufig anläuft. Insgesamt scheint diese Hardware in Kombination mit ein, zwei externen Festplatten an USB 3.0 ideal für einen richtig schnellen, NAS-ähnlichen Datenserver im Gigabit-Netz.

Die Auswahl des Betriebssystems

Die Auswahl an offiziellen Systemen des Herstellers und weiteren inoffiziellen Alternativen ist mehr als zufriedenstellend und deckt alle Bereiche ab (siehe http://odroid.com/dokuwiki/doku.php?id=en:odroid-xu4). Unter anderen finden sich hier mehrere Android-Versionen, Ubuntu, ferner das NAS-System Open Media Vault 2.1.1, Odrobian (ein Debian 8.3 „Jessie“ mit vorinstalliertem Kodi und Mate-Desktop), Ubuntu-Server sowie schlanke Debian-8-Server-Varianten. Damit lässt sich die Platine ohne viel Handarbeit sowohl für Desktop- wie für Server-Aufgaben nutzen.
Für den Serverbetrieb sind Open Media Vault (OMV, Download https://sourceforge.net/projects/openmediavault/files/Odroid-XU3_XU4/) oder ein Debian/Ubuntu erste Wahl. Wer für die Verwaltung mit dem SSH-Terminal auskommt, wird sich für eines der letztgenannten Systeme entscheiden. Das voreingestellte Passwort für root ist in der Regel „odroid“, das Odroid-Forum gibt dazu Auskunft für jeden Einzelfall.

OMV hat den Vorteil einer attraktiven Konfigurationsoberfläche, die via Nginx-Server auf dem OMV-System im Netzwerk über jeden Browser erreichbar ist (standardmäßig ist der User „admin“ mit dem Passwort „openmediavault“ zugangsberechtigt). Ein Datenserver in einem nicht sicherheitskritischen Heimnetz oder Home Office ist aber über das SSH-Terminal mit einigen „net usershare“-Befehl oft schneller eingerichtet als über OMV. Das unentbehrliche Samba ist bei Serversystemen wie OMV oder Ubuntu-Server vorinstalliert, muss aber etwa bei Odrobian noch mit

 apt-get install samba samba-common

nachinstalliert werden.
Die Odroid-Images kommen wie üblich als gz-Archive, die auf Linux-Systemen mit der vorinstallierten Archivverwaltung zu entpacken sind. Unter Windows ist dafür der freie Packer 7-Zip erforderlich (auf Heft-DVD). Unter Linux nutzen Sie dann das Tool dd zum bootfähigen Übertragen des entpackten Systems auf SD-Karte, unter Windows den Win 32 Diskimager (auf Heft-DVD). Acht GB auf der SD-Karte sollte für alle erwähnten Systeme und für einen Server-Einsatz ausreichen. Für einen Desktop-Einsatz sollte wenigstens das Doppelte bereitstehen.

Klickfreundliches Serversystem für Odroid-XU4: Für die Platine gibt es ein gutes Dutzend Systemimages. Wer die SSH-Administration scheut, kann zu Open Media Vault greifen.
Klickfreundliches Serversystem für Odroid-XU4: Für die Platine gibt es ein gutes Dutzend Systemimages. Wer die SSH-Administration scheut, kann zu Open Media Vault greifen.

Datenträger einrichten und Leistung messen

Kommerzielle NAS-Systeme bestehen bei der Nutzung der eingeschobenen Festplatten obligatorisch auf ihrem Linux-eigenen Dateisystem – heute meist Ext4. Das heißt, dass Datenträger mit anderen Dateisystemen wie etwa NTFS zwangsläufig neu formatiert werden müssen. Im Hinblick auf eine optimale Leistung ist dies auch für jeden Platinenserver dringend zu empfehlen: Der getestete Odroid-XU4 erreichte mit NTFS- und exFAT-Partitionen nicht etwa relativ schlechtere, sondern dramatisch schlechte Durchsatzwerte von kaum 5 MB pro Sekunde.
Das Formatieren unter OMV geschieht unter „Datenspeicher -> Dateisysteme“, im SSH-Terminal mit mkfs.ext4 /dev/sd[xy] oder auch mit X11-Forwarding und dem Tool gparted. Für die Netzwerkfreigaben aktivieren Sie in OMV zunächst Samba unter „Dienste -> SMB/CIFS -> Einstellungen“ und geben unter „Dienste -> SMB/CIFS -> Freigaben“ die Datenträger im Netz frei. Dazu muss vorher unter „Zugriffskontrolle -> Benutzer“ mindestens einen Benutzer angelegt sein. Die Vorgehensweise im SSH-Terminal mit smbpasswd -a [user] (Samba-User anlegen) und net usershare add [name] /[Mountpunkt]/ „[Name]“ [user]:f (Samba-Freigabe) ist analog.

Nach diesen Vorbereitungen sind durch Messungen von Netzwerkkopien praktische Aussagen über die Leistung des Odroid-XU4 möglich: Die Platine ist flott, leistet aber nicht ganz, was sie verspricht: Sehr schnell ist das Kopieren vom Platinenrechner zum Samba-Client (im Gigabit-Ethernet): Diese Kopien erreichen 80 bis maximal 95 MB pro Sekunde – dieser Durchsatz liegt mit etwas Wohlwollen nahe am Gigabit-Bereich. Beim Kopieren vom Client zum Odroid-XU4-Platinenserver erreicht wir hingegen nur maximal 45 MB/s, im Schnitt eher nur 40 MB/s. Dies liegt ziemlich eindeutig an den USB-3.0-Schnittstellen, wie Kopiervorgänge direkt am Odroid-XU4 zwischen den beiden angeschlossenen Festplatten belegen: Auch hier kommt die Platine nur auf etwa 55 MB pro Sekunde. Die von uns genutzten Festplatten sind keine Top-Geräte (WD Mybook 4 TB und Intenso Memory 2 TB), sollten aber beim Schreiben 110 MB/s beziehungsweise 80 MB/s erreichen. Einen Teil des eher durchschnittlichen Schreibdurchsatzes rechnen wir daher der Platine an.

Die Schreibleistung ist suboptimal: Wie internes Kopieren zwischen den angeschlossenen Festplatten (ohne Netzwerk) zeigt, bleibt die Platine hier unter den Möglichkeiten der Datenträger.
Die Schreibleistung ist suboptimal: Wie internes Kopieren zwischen den angeschlossenen Festplatten (ohne Netzwerk) zeigt, bleibt die Platine hier unter den Möglichkeiten der Datenträger.

Aber lassen wir die Kirche im Dorf: Unterm Strich hat der Odroid-XU4 das Attribut eines Top-Datenservers trotzdem verdient. Er liefert die Daten acht- bis neunmal schneller aus als ein Raspberry Pi und empfängt sie vier- bis fünfmal schneller. Durch Top-Festplatten ist dies eventuell noch zu steigern. CPU und Speicher bieten deutlich mehr als typische kommerzielle Home-NAS-Geräte und sind beim Einsatz als Datenserver kaum ernsthaft gefordert. Leistung und aktiver Lüfter schlagen sich allerdings nicht nur beim Preis nieder, sondern auch beim Stromverbrauch: Die Platine kommt im Idle-Betrieb kaum unter 4 Watt und fordert bei Last und laufendem Lüfter bis zu 10 Watt – das ist jeweils circa der doppelte Verbrauch eines Raspberry.

 

Feng Office: Office im Web

Feng Office bietet online Kalender, Notizen, Texte, Lesezeichen, Kontakte in einem durchdachten Konzept mit Projektkategorien („Workspaces“) und Benutzerverwaltung. Trotz Fokus auf Firmenkollaboration ist es auch für den privaten Einsatz attraktiv.

Für die Zusammenarbeit, die Terminplanung und den Datenaustausch im Web greift man gerne auf kostenlose Angebote wie Google Docs zurück – mit den Vorteilen technischer Reife und relativ unkomplizierter Bedienung, mit dem gravierenden Nachteil, seine Daten aus der Hand zu geben. Eine Alternative wie Owncloud hat daher Konjunktur, aber dessen Kernfunktion liegt beim Datei- und Medienaustausch. Das Projekt Feng Office (www.fengoffice.com) eignet sich dafür zwar auch, zielt aber primär auf Kommunikation und Projektzusammenarbeit. Der Beitrag soll zeigen, dass es sich auch für private Nutzer eignet, die nur für einen kleinen Kreis Dateien, Termine und Notizen im Web verwalten wollen.

0_fengoffice

Feng Office in drei kostenlosen Varianten

Feng Office ist Open Source, finanziert sich aber durch kommerzielle Varianten mit Support und erweitertem Funktionsumfang. Für eine kostenlose Nutzung gibt es drei Möglichkeiten:

  1. Unter www.fengoffice.com/web können Sie sich mit „Get a Free Trial“ online registrieren (Mail, Passwort, Name, Firmenname genügen) und erhalten dann ein Online-Office direkt auf dem Server des Herstellers. Das ist zwar der einfachste Weg, aber damit geben Sie Ihre Daten genauso aus der Hand wie bei Google Docs und Co.
  2. Wenn Sie eine Homepage besitzen, lohnt der Blick in das Kundencenter des Hosters. Einige Webhoster wie Strato bieten Feng Office als Server-Applikation an. Hier genügt es, im Kundencenter auf den AppWizard zu klicken und dort „Feng Office“ unter „Teamarbeit & CRM“ zu wählen. Für die Einrichtung genügen dann die Angaben des Benutzers mit Passwort und Mail-Adresse (das wird dann der Administrator) nebst Definition einer Subdomain wie etwa „office.meineseite.de“ und Anlegen einer MySQL-Datenbank. Alles Weitere erledigt der Installationsassistent, und Feng Office ist danach unter der vorher angegebenen Subdomain „office.meineseite.de“ zu erreichen.
  3. Die Community Edition von Feng Office erhalten Sie auf www.fengoffice.com/web/community/downloads.php auch als ZIP-Archiv fengoffice-3.4.zip. Erfahrene Linux-Nutzer können das Paket manuell auf jedem Home- oder Web-Server entpacken, typischerweise unter /var/www/[Verzeichnis]. Die üblichen Voraussetzungen sind eine vollständige LAMP-Umgebung mit Linux, Apache-Server (oder Nginx), MySQL-Datenbank und PHP. Die eigentliche Einrichtung des Office-Pakets starten Sie dann mit der Adresse http://[Server-IP]/[Feng-Office-Ordner]/public/install/ im Browser. Auch hier müssen Sie unter Angabe des Hostnamen die Datenbank bestimmen, die verwendet werden soll. Bei einer Installation auf heimischem Server sollte „localhost“ genügen.

Grundeinstellungen, Benutzer und Datenstruktur

Feng Office hat komplexe Funktionen, Objekte zu verlinken und dadurch in Beziehung zu setzen, die den Rahmen dieses Beitrags sprengen würden. Die grundlegende Verwaltung, auf die wir uns hier beschränken, ist jedoch eingängig: Wenn Sie als ersteingerichteter Superuser angemeldet sind, erscheint links oben Ihr Name, und mit Klick darauf können Sie nicht nur Ihr eigenes Konto verwalten, sondern über „Administration“ die gesamte Suite. Die allerwichtigsten Punkte sind „Benutzer“ zum Einrichten weiterer Konten, „Konfiguration“ mit den Basiseinstellungen wie die Sprache oder die automatische Dokumentsperrung bei Bearbeitung sowie „Dimensions“ mit den kategorisierenden „Workspaces“ und qualifizierenden „Tags“. Wer mit Englisch kein Problem hat, sollte unter „Account -> General“ bei „English (U.S.)“ bleiben, weil die deutsche Lokalisierung nicht fehlerfrei ist. Wir benutzen im Folgenden die englischen Bezeichnungen.

Ein überlegtes Einrichten von „Workspaces“ wie beispielsweise „LinuxWelt“, „Projekt XXL“, „Tech-Info“, „Privates“ ist für die Struktur unverzichtbar, auch wenn Sie das Office nur für sich oder wenige Personen verwenden. Workspaces können wie Ordner hierarchisch untergliedert werden. Die „Tags“ sind eine weitere Hilfe, um die Objekte innerhalb eines Workspace schnell thematisch zu filtern. Tags in Feng Office haben keine Hierarchie.

Alle Registerkarten wie „Overview“, „Dokuments“, „Notes“ oder „Calendar“ zeigen jeweils an, was aktuell in der Organisationsspalte (links) via „Workspaces“, „Tags“ und „People“ gefiltert wird. Ein grundsätzliches Verständnis dieser Struktur ist unerlässlich, sonst gerät Feng Office zur vielleicht immer noch praktischen, aber chaotischen Online-Datenhalde.

Dokumentenliste eines Workspace: Feng Office ist geprägt durch kategorisierende Workspaces, Benutzerkonten und beschreibende Tags. Das bringt Ordnung, aber auch etwas Verwaltungsaufwand.
Dokumentenliste eines Workspace: Feng Office ist geprägt durch kategorisierende Workspaces, Benutzerkonten und beschreibende Tags. Das bringt Ordnung, aber auch etwas Verwaltungsaufwand.

Dateien hochladen, anlegen und organisieren

Über die Registerkarte „Documents“ und den Link „New“ laden Sie Dateien hoch („Upload“) oder legen sie mit „Document“ manuell an. Beim zweiten Weg entsteht eine HTML-Datei, die Sie auch aus einer Text- oder Tabellenkalkulation durch Copy und Paste erstellen können. Alle Formatierungen bleiben erhalten, im Falle einer Calc- oder Excel-Tabelle jedoch keine Formeln, sondern ausschließlich die Werte. Dokumente in HTML oder purem Text lassen sich weiter bearbeiten. Uploads können jedes beliebige Format haben, stehen dann aber nur als Download zur Verfügung. Sie erkennen bearbeitbare Dokumente an dem zusätzlichen Stift-Symbol, während sonst nur ein Download-Pfeil angezeigt wird. Feng Office akzeptiert beim Upload zwar nur jeweils eine Datei, jedoch auch ZIP-Archive, welche die Suite nach dem Upload mit Klick auf „Extract files“ auf dem Server zu den Einzeldateien entpackt.

Neue Dateien sollten durch die Vorauswahl des passenden „Workspace“ gleich in der richtigen logischen Struktur landen. Aber selbstverständlich kann Feng Office falsch eingeordnete Dokumente auch nachträglich umsortieren: Dazu aktivieren Sie in der Listenansicht das Kästchen vor dem Objekt und ziehen es dann mit der Maus auf den passenden Workspace in der Organisationsspalte links.

Vor der Arbeit an (HTML- und Text-) Dateien empfiehlt sich im Mehrbenutzerbetrieb ein Klick auf „Available“. Die „Status“-Anzeige ändert sich zu „in use, Check in“. Die Datei ist damit für andere nicht mehr erreichbar und kann exklusiv editiert werden. Danach machen Sie die Datei mit Klick in der „Status“-Spalte wieder allgemein zugänglich.

Neu erstellte Dokumente weisen Sie am besten gleich im Editierdialog mit "Related to" eine Kategorie zugewiesen. Dies kann auch nachträglich (oder bei Uploads) durch Drag & Drop erledigt werden.
Neu erstellte Dokumente weisen Sie am besten gleich im Editierdialog mit „Related to“ eine Kategorie zugewiesen. Dies kann auch nachträglich (oder bei Uploads) durch Drag & Drop erledigt werden.

Kurz angeklickt: Notizen, Linksammlungen, Kalender

Für „Notes“, „Web Links“, „Calendar“ und für „Email“ gelten dieselben Workspace-Kategorisierungsregeln wie bereits für Dokumente besprochen. Die Option, Feng Office als Mailclient einzusetzen („Email -> Accounts -> Add…“) sei hier nur erwähnt: Sie ist nur dann interessant, wenn Nachrichten bei der Projektarbeit an Workspaces geknüpft werden sollen – was mit Mails ebenso funktioniert wie bei sonstigen Dokumenten. Um Notizen und URLs online abzulegen, nutzen Sie die betreffende Registerkarte und klicken auf „New“. Der Rest ist selbsterklärend. Die Zuordnung in eine passende Workspace-Kategorie geschieht am besten gleich hier im Editierfenster über „Related to“. Der Kalender muss nicht manuell neu befüllt werden, sondern importiert auch die Daten existierender Kalender im iCal-Format. Diese Funktion finden Sie unter „Calendar -> Import / Export“.

 

Der eigene Kalender mit Radicale

Wer Termine, Projekte und Privatinteressen in Form eines Online-Kalenders Google, Microsoft oder anderen Gratis-Anbietern anvertraut, gibt sehr viel von sich preis. Mit etwas Handarbeit kommt Ihr Kalender nach Hause.

Funktionalität, Komfort und Optik eines Google-Kalenders sind auch auf einem autarken Kalender zu erzielen. Während Google & Co. dies aus dem Stand bieten, kommen Datenschutzbewusste an einiger Konfigurationsarbeit nicht vorbei. Wer eine eigene Homepage besitzt, sollte zunächst die Angebote seines Providers beachten: Diese bieten meist eine Web-App wie etwa den Web Calender. Die Installation ist über das Kundencenter des Providers einfach, der Import von iCal-Daten (.ics), vor allem aber die Konfiguration und ansprechende Anpassung sind mit einigem Aufwand verbunden. Wer keine Homepage besitzt oder seine Kalenderdaten auch keinem deutschen Provider anvertrauen will, kann auch einen heimischen Linux-Rechner verwenden, vorzugsweise einen anspruchslosen Mini-PC von der Sorte Raspberry. Das nachfolgende Szenario nutzt den sehr anspruchslosen CalDAV und CardDAV-Server Radicale auf einem Debian-basierten Linux (Debian, Raspbian, Ubuntu, Mint).

0_radicale

Die Kalender-Software Radicale

Radicale (http://radicale.org/) ist ein sehr einfacher Server ohne Datenbank, ohne Konfigurationshilfen und ohne Kalender-Frontend. Zur Darstellung des Kalenders benötigen Sie eine Client-Software, vorzugsweise Thunderbird (mit Lightning) unter Linux und Windows. Als Clients funktionieren aber auch Outlook, DAVdroid unter Android oder der Apple-Calendar unter iOS/Mac OS. Radicale sorgt für die Bereitstellung von iCal-Dateien und deren Synchronisierung mit den jeweiligen Kalender-Clients; eine einfache Benutzerverwaltung ermöglicht mehreren Anwendern mit je eigenen Kalenderdaten die Nutzung des Servers.

Radicale liegt in den offiziellen Paketquellen, daher ist die Installation unter Debian/Raspbian/Ubuntu mit

apt-get install radicale

denkbar einfach. Zum ersten manuellen Start genügt der Befehl radicale. Danach sollte jeder Browser im Adressraum des Radicale-Servers nach Eingabe der Adresse

[Server-IP]:5232

die Meldung „Radicale works!“ anzeigen. Gesprächiger ist Radicale nicht: Alles Weitere müssen Sie in Konfigurationsdateien erledigen und eventuelle Fehler durch optionales Logging verifizieren.

Die folgenden Konfigurationsdateien sind substantiell:

/etc/radicale/config ist die Zentrale und enthält die wichtigsten Angaben, unter anderem die Server-IP, den Pfad zu den iCal-Kalenderdaten (*.ics) und die erlaubten Benutzer.

/etc/radicale/users enthält die Benutzer und das zugehörige Kennwort – entweder im Klartext oder verschlüsselt.

/etc/radicale/rights benennt die detaillierten Lese-/Schreibrechte für jeweils jede einzelne ics-Datei.

Minimalkonfiguration für einen User (Beispiel): Die komplexe config-Datei lässt sich auf diese Anweisungen reduzieren. Das Logging ist vor allem während der Einrichtung zu empfehlen.
Minimalkonfiguration für einen User (Beispiel): Die komplexe config-Datei lässt sich auf diese Anweisungen reduzieren. Das Logging ist vor allem während der Einrichtung zu empfehlen.

Die Dateien sind in diesem Artikel in einer minimalen, aber funktionierenden Ausstattung inhaltlich abgebildet. Die möglichst einfache gehaltene Beispielkonfiguration sieht nur einen Benutzer vor. Erlaubte User müssen in der Datei mit config nach „private_users =“ mit Komma separiert eingetragen sein. Das zugehörige Kennwort ermittelt Radicale in der Datei users. Soll dieses Kennwort verschlüsselt werden (siehe „htpasswd_encryption = sha1“ in der Datei config, unverschlüsselt wäre „= plain“), dann fügen Sie den Benutzer mit dem Befehl

htpasswd -cs /etc/radicale/users [username]

in die Datei users ein. Lassen Sie den Create-Schalter „c“ weg, wenn die Datei bereits existiert und Sie weitere Benutzer hinzufügen. Für die unverschlüsselte Speicherung unter users funktioniert der gleiche Befehl mit Schalter „-p“ („plain“) oder einfach manuelles Eintragen in dieser Form:

user:kennwort

Die Kalenderdateien befinden sich standardmäßig unter /var/lib/radicale/collections mit Unterverzeichnissen der Benutzer. Wenn Sie Ihren Kalender nicht von Null aufbauen möchten, sondern die Daten eines bereits bestehenden übernehmen wollen, speichern Sie die betreffende ics-Datei unter /var/lib/radicale/collections/[username]. So bietet etwa der Google-Kalender den ics-Export unter „Einstellungen -> Kalender -> [Kalendername] -> Diesen Kalender exportieren“. In Thunderbird/Lightning eingebaute Kalender sind in der Kalenderliste nach Rechtsklick und „Kalender exportieren“ mühelos zu speichern.

Verschlüsselt oder Klartext: Die Datei users enthält die erlaubten Benutzer und ihre Kennwörter. Die Einträge erledigt das Tool htpasswd.
Verschlüsselt oder Klartext: Die Datei users enthält die erlaubten Benutzer und ihre Kennwörter. Die Einträge erledigt das Tool htpasswd.

Damit ein Benutzer Lese- und Schreibrechte auf seine ics-Dateien erhält, muss dies in der bereits genannten Datei /etc/radicale/rights exakt geregelt sein. Ein Eintrag wie

[hermann/privat.ics]

hermann: rw

gibt dem User „Hermann“ die vollen Rechte an der Datei /var/lib/radicale/collections/hermann/privat.ics. Die abgebildete rights-Datei simplifiziert die Rechtevergabe.

Und noch eine Konfigurationsdatei gilt es zu bearbeiten: Die Datei /etc/default/radicale/ enthält diesen auskommentierten Eintrag:

#ENABLE_RADICALE=yes

Wenn Sie das #-Zeichen entfernen, startet Radicale künftig automatisch beim Systemstart.

Noch ein wichtiger Hinweis bei Konfigurationsänderungen: Änderungen an config, users, rights werden erst aktiv, wenn Sie den Server neu starten. Mit

service radicale restart

ist das schnell erledigt.

Rechte für /var/lib/radicale/collections/: Diese rights-Datei geht auf einzelne ics-Dateien gar nicht ein, sondern sorgt einfach für alle Rechte im Collections-Ordner und im User-Verzeichnis darunter.
Rechte für /var/lib/radicale/collections/: Diese rights-Datei geht auf einzelne ics-Dateien gar nicht ein, sondern sorgt einfach für alle Rechte im Collections-Ordner und im User-Verzeichnis darunter.

Die Kalender-Clients einrichten

Auch wenn Sie das „collections“-Verzeichnis mit exportierten ics-Dateien gefüttert haben: Bis hierher haben Sie keinen einzigen Kalender-Termin gesehen, da Radicale mit der Ausgabe und Darstellung nichts zu tun hat. Diese geschieht erst mit der Einbindung in einen Kalender-Client wie vorzugsweise Thunderbird (Lightning). Öffnen Sie den Kalender über „Termine und Aufgabe -> Kalender“. Falls die Seitenleiste mit der Kalenderliste nicht aktiv ist, gehen Sie auf „Ansicht -> Kalender -> Seitenleiste -> Kalenderliste“. Nach Rechtsklick und „Neuer Kalender“ wählen Sie „Im Netzwerk“ und als Format vorzugsweise „CalDAV“. Das Adressformat folgt dieser Form

http://[Radicale-Server-IP]:5232/[Benutzer]/[Kalendername].ics/

und lautet dann etwa http.//192.168.0.6:5232/hermann/privat.ics/. Achten Sie auf den Slash (/) am Ende der Importadresse. Die Kalenderdaten werden dann sofort eingelesen. Durch unterschiedliche Färbung der einzelnen Kalender (Rechtsklick auf den Kalender und „Eigenschaften -> Farbe“) erreichen Sie eine übersichtliche Darstellung, die Google & Co. kaum toppen können.

Die Erreichbarkeit der Kalenderdaten via Internet folgt den üblichen Regeln: Sie müssen im Router einen Port Ihrer Wahl freigeben und an den Standardport 5232 (sofern in der config-Datei beibehalten) des Radicale-Servers weiterleiten.


Ähnlicher, vereinfachter Ratgeber (ohne Benutzerrechte) vom Kollegen T. Eggeling siehe Kalender-Server auf pcwelt.de

Interne CMD-Kommandos

Diese Sammlung beansprucht keinerlei Vollständigkeit, weder im Moment noch künftig. Es geht mir nur darum, einige besonders interessante Aspekte (die ich selbst ständig vergesse) an dieser Stelle zu sammeln.

Initialisierungsbatch
Man spart sich erheblich Mühe und Frust am CMD-Prompt, wenn man diesen durch eine Initialisierungsbatch (Datei mit der Endung CMD oder BAT) standardisiert. Das ist recht mühelos möglich, weil die CMD beim Start eine Batch automatisch lädt, die im Registry-Schlüssel „HKEY_CURRENT_USER\Software\Microsoft\Command Processor“ in der Zeichenfolge „Autorun“ mit vollem Pfadnamen eingetragen ist.

Typischer Inhalt der Initialisierungsdatei sind dann Farbdefinition (Color), Prompt, Titel (title) und Doskey-Definitionen, also Kommandoabkürzungen wie etwa „doskey d=pushd „%userprofile%\desktop“ oder „doskey x=explorer.exe .“.
Eine einfache Init.cmd, die sich selbst ins Benutzerprofil kopiert und in die Registry einträgt, können Sie hier herunterladen. Einfach Zip entpacken, Init.cmd starten mit Doppelklick – erledigt. Die enthaltenen Befehle sind natürlich Geschmackssache. Wenn Sie am Prompt „init“ eingeben, erhalten Sie die Initialisierungsbatch im Editor und können Sie nach eigenen Wünschen verändern. Ich beschreibe hier nur das – ausbaufähige – Prinzip, da ich selbst den alternativen Kommandointerpreter 4NT klar bevorzuge.

DOSKEY
Der antiquierte Name Doskey steht für Alias-Abkürzungen wie unter Unix.
Wenn das Alias „doskey x=explorer.exe .“ definiert wurde, startet „x“ ein Explorer-Fenster mit dem aktuellen Verzeichnis. Um einem Alias einen Parameter übergeben zu können, verwenden Sie „$*“:

doskey n=notepad.exe $*

Der Befehl „n datei.txt“ würde nun die angegebene Datei in Notepad laden.
Mehrere Befehle lassen sich mit „$T“ verketten:

doskey xkill=taskkill.exe /f /im explorer.exe $T pause $T explorer.exe

Dieses Doskey-Alias

doskey clip=$* $T $*^>%temp%\temp.txt $T notepad.exe %temp%\temp.txt

zeigt, dass man auch Dateiumleitungen nutzen kann. Dazu muss aber das Umleitungszeichen „>“ mit „^“ maskiert werden. Das Alias würde etwa nach „dir /s /b“ diesen Befehl ausführen und die Ausgabe in Notepad laden.

ECHO
Mit Batch-Code temporäre Dateien zu schreiben ist recht lästig: Typischerweise müssen Sie Textzeile für Textzeile mit ‚Echo‘ und Umleitungszeichen in die Datei setzen:
echo Bla > Datei.txt
echo Bla >>Datei.txt
echo Bla >>Datei.txt
echo Bla >>Datei.txt

Das ist nicht nur mühsam, sondern auch fehleranfällig.
Folgende Syntax-Variante macht die Sache viel bequemer:

(echo Bla
echo Bla
echo Bla
echo Bla
)>Datei.txt

Die Ausgabedatei müssen Sie hier nur ein einziges Mal am Ende angeben. Die Unterscheidung der Umleitungszeichen zwischen „>“ (Erstellen der neuen Datei) und „>>“ (Anhängen an bestehende Datei) wird ebenfalls obsolet.

Arbeiten in zwei Netzen

604_0_zwei-routerZwei Internetzugänge sind im Hinblick auf Ausfallsicherheit eine feine Sache. Dann hat man aber auch zwei Router und zwei lokale Netze an der Backe – mit allerlei Chancen und logischen Problemen.

Dieser Beitrag bespricht ganz klar ein Minderheitenthema: Die Luxusprobleme, die sich mit zwei Internetzugängen, zwei Routern und zwei lokalen Netzen ergeben, dürften in privaten Haushalten und Home-Office-Umgebungen die große Ausnahme sein. Wer allerdings beruflich auf ein funktionierendes Internet angewiesen ist, wird über ein günstiges Fallback-Internet zumindest schon mal nachgedacht haben – insbesondere in Situationen, wo sich der aktuelle Provider mal wieder eine Auszeit nahm.

Hier geht es ausschließlich um die logische Organisation und praktikables Arbeiten mit zwei Netzen, nicht um Bandbreitenoptimierung und Load Balancing mit speziellen Dual-WAN-Routern. Einen Beitrag zu diesem Thema finden Sie auf pcwelt.de unter http://goo.gl/xNQNI8.

Zweites Netz als pures Backup-Netz

Das einfachste Szenario ist ein Entweder-Oder, wobei das zweite Netz als reine Fallback-Aushilfe dient, wenn das primäre ausfällt. Damit geht man allen organisatorischen Problemen aus dem Weg. Etwas Planung ist aber sogar hier zu empfehlen: Damit der sekundäre Router im Ernstfall sofort sämtliche Geräte versorgen kann, sollte er nach einer einzigen Kabelverbindung an einem Switch zum Netzwerk-Chef werden. Theoretisch kann der zweite Router sogar dauerhaft am Switch verbunden bleiben, sofern man ihn prinzipiell nur dann einschaltet, wenn vorher der primäre Router abgeschaltet wurde.

Bei dieser konsequent einfachen Konstellation ist es komfortabel, wenn beide Router eine identische Konfiguration aufweisen, also mit der gleichen Router-IP und den gleichen festen IP-Adressen für die Netzgeräte. Die Router-IP und damit den Adressraum für das lokale Netz können Sie etwa bei Fritzboxen unter „Heimnetz -> Netzwerk -> Netzwerkeinstellungen -> IP-Adressen“ vorgeben. Feste IPs für Geräte (sofern nötig) sind unter „Heimnetz -> Netzwerk -> Geräte und Benutzer -> Gerät hinzufügen“ einzustellen. Bei sehr ähnlichen Routern desselben Herstellers kann sogar der Import aller Einstellungen über eine Datei gelingen. Eine identische Konfiguration der beiden Router hat den großen Vorteil, dass man Konfigurations-Backends, Web-Server, Intranet-Wikis, Freigabenallesamt mit der gleichen IP sowie Browser-Lesezeichen und Dateimanager-Lesezeichen erreicht – egal, welches Netz gerade läuft.

Zweites Netz im Parallelbetrieb

Das Fallback-Netz über Wochen oder Monate brachliegen zu lassen, ist oft zu schade. Es eröffnet Möglichkeiten, das Gesamtnetzwerk in privilegierte und nicht privilegierte Bereiche zu trennen. Auch die sicherheitskritische Öffnung für das Internet über Portfreigaben, ist risikoloser, wenn sie in einem sekundären Netz stattfindet, das nicht viel Sensibles zu bieten hat. Das prinzipbedingte Problem beim Parallelbetrieb ist aber, dass am Ende für den Gesamtbetrieb wieder beide Netze unentbehrlich werden und beim Ausfall eines Netzes erheblicher Konfigurationsaufwand anfällt. Daher: Keep it simple!

Für einen Parallelbetrieb gibt es diverse Spielarten. Am einfachsten sind zwei getrennte Netze, etwa eines für Ethernet und eines für WLAN, oder eines für private und eines für berufliche Zwecke. Sobald ein Datenaustausch zwischen den Netzen möglich sein soll, gelten einige Grundregeln:

1. Die beiden Router benötigen unbedingt verschiedene IP-Adressen, etwa 192.168.1.1 und 192.168.178.1, womit die resultierenden Netze ebenfalls unterschiedliche Adressbereiche erhalten.

2. Jedes Gerät, das zwei Netzwerkadapter mitbringt (etwa Ethernet und WLAN), kann sich mit beiden Netzen verbinden – also etwa auf Freigaben im Netz 1 wie auch im Netz 2 zugreifen. Die beiden Adapter eines solchen Clients sollten aber so konfiguriert werden, dass der Rechner standardmäßig nur über ein bestimmtes Gateway ins Internet geht (vorzugsweise über das schnellere). Bleibt dies ungeregelt, führt das praktisch zwangsläufig zu massiven Einbrüchen der Internet-Leistung. Unter Linux ist die Datei /etc/network/interfaces für die Adapterkonfiguration zuständig. Hier benötigt der zweite Adapter, der ausschließlich im lokalen (zweiten) Netz arbeiten soll, eine manuelle, statische IP und – wichtig: Das „gateway“ wird einfach weggelassen.

# Adapter 2
auto wlan0
iface wlan0 inet static
address 192.168.1.100
netmask 255.255.255.0

Bei Windows-Rechnern ist es über das „Netzwerk- und Freigabecenter“ auch kein Problem, für einen Adapter die IPv4-Einstellungen mit fester Adresse vorzunehmen und dabei „Standardgateway“ und „DNS-Server“ leer zu lassen.

604_2_USB-LAN
Zweiter Ethernet-Adapter via USB: Für Server oder Brücken, die in zwei Netzen arbeiten, ist dies eine lohnende Ergänzung (circa 10 bis 25 Euro je nach USB- und LAN-Leistung).

3. Einfacher als mehrere Client-Rechner so einzurichten wie unter 2. beschrieben, ist ein zentraler Datenserver für beide Netze. Dann muss man die Adapter via /etc/network/interfaces nur bei diesem Server konfigurieren, der dann beide Netze bedient. Der Server sollte aber zwei Ethernetports mitbringen, die dann per Kabel mit den beiden Routern verbunden sind. Da ein zweiter Ethernetport meist fehlt, ist ein LAN-Adapter via USB eine ideale Ergänzung. Der nicht ganz billige Delock Adapter (circa 22 Euro) mit schnellem USB 3.0 und schnellem Gigabit-Ethernet ist eine Empfehlung, weil er auf jedem getesteten Platinenserver (mit Debian, Ubuntu, Open Media Vault, Windows IoT) auf Anhieb funktionierte.

604_1_Zwei_Adapter
Server für zwei Netze: Diese Platine arbeitet mit zwei Adapter „eth2“ und „eth3“ für zwei getrennte Netze, deren IP4-Adressräume unten angezeigt werden.

Parallelbetrieb mit Netzwerkbrücke

Eine elegante Option, zwei Netze zu vereinen, ist eine Netzwerkbrücke. Diese sorgt dafür, dass jedes Gerät, das sich in einem Netz anmeldet, automatisch auch im zweiten Netz eine IP-Adresse erhält und somit auch dort verfügbar ist. Alle Freigaben, Netzdrucker, Intranet-Ressourcen sind überall zugänglich. Voraussetzung ist, dass ein Rechner, der in beiden Netzen hängt (am besten per Ethernet), dauerhaft diese Brückenrolle übernimmt. Diese Abhängigkeit von einem laufenden Rechner hat auch einen Vorteil, nämlich dass nach Abschaltung des Brückenrechners wieder der getrennte Zustand eintritt.

Linux benötigt lediglich ein winziges Toolpaket:

sudo apt-get install bridge-utils

Eine temporäre Brücke ist dann mit

brctl addbr br0
brctl addif br0 eth0 eth1

schnell gebaut. Die im Beispiel genannten Schnittstellen „eth0“ und „eth1“ können natürlich anders heißen, was mit ifconfig vorab abzufragen ist. Diese temporäre Brücke überlebt keinen Neustart des Brückenrechners, eine dauerhafte Brückenkonfiguration muss in die Datei /etc/network/interfaces eingetragen werden. Die wesentlichen Anweisungen lauten so:

auto br0
iface br0 inet manual
bridge_ports eth0 eth1

Nach dem Eintragen der Brücke ist ein Neustart des Geräts zu empfehlen. Bei einer neu eingerichteten Brücke kann es etwas dauern, bis alle laufenden Netzgeräte erkannt und berücksichtigt sind. Ein Blick in die Geräteliste der beiden Router wird aber umgehend zeigen, dass die Geräte vom jeweils anderen Netz hier neu auftauchen.

Das Prinzip der Brücke ist nicht wirklich kompliziert: Der Brückenrechner sieht nach, welche Geräte in beiden Netzen vorhanden sind und vergibt für jedes Gerät eine IP-Adresse für das jeweils andere Netzwerk.

Unter Windows ist eine Brücke bequem über das „Netzwerk- und Freigabecenter“ in den Adaptereinstellungen zu errichten. Dabei werden einfach beide Adapter markiert und dann nach Rechtsklick zur Brücke zusammengefasst.

604_3_Bridge
Beispiel einer Brückendefinition in der Datei interfaces: Die entscheidende Anweisung ist „bridge_ports“ mit nachfolgender Angabe der Adapternamen.

 

 

 

Android für PCs, Notebooks und Netbooks

301_5_Android_Notebook
Einfach. Funktional. Hübsch: Wer Senioren, Kinder und Einsteiger davon überzeugen will, dass die Computer-Benutzung einfach ist und Spaß macht, sollte ein Android-x86 anbieten.

Android – das ist ja eigentlich das Linux für Smartphone und Tablets. Aber bei passender Zielgruppe kann sich Android als ideale Lösung für PCs, Notebooks und Netbooks entpuppen. Mit der Portierung Android-x86 liegt ein System für solche Zielgeräte vor. Wo es sich eignet, lesen Sie hier.

Android-x86 für Intel- und AMD-Rechner besitzt zwei Eigenschaften, die es für bestimmte Szenarien attraktiv machen: Es ist erstens Hardware-technisch relativ anspruchslos und läuft auch auf älterer und schwächerer Hardware. Es hat zweitens mit dem Google Play Store eine einfache und relativ sichere Software-Quelle und vor allem ein simples Bedienkonzept, dessen Hauptelemente Sie jedem Anfänger und Einsteiger schnell erklärt haben. Die Nachteile und Einschränkungen sind aber auch deutlich: Ein Android-System ist auf rezeptive Ansprüche ausgerichtet – Surfen, Mails abholen, E-Books lesen, Musik hören. Mails oder Notizen zu verfassen, ist sicher auch kein Problem, aber für richtig produktives Arbeiten taugt es nur bedingt. Android-x86 ist daher genau dort die richtige Wahl, wo ein Rechner technisch Unbedarften den Zugang zu Internet, Mail und Medien bereitstellen soll. Und die Android-Ausrichtung auf kleine Displays prädestiniert das System noch einmal in besonderer Weise für Netbooks und Notebooks.

Android-x86 auf USB-Stick oder SD-Karte

Auf der Seite www.android-x86.org/download gibt es aktuell folgende Versionen:

Android-x86 4.4 (android-x86-4.4-r5.iso) ist die stabile Version, die wir aufgrund des geringen Speicherbedarfs als beste Wahl einschätzen. Dieser Artikel bezieht sich überwiegend auf Version 4.4.

Android-x86 5.1 (android-x86-5.1-rc1.iso) ist als RC1 noch „Release Candidate“ und daher noch in der Entwicklung. Die überschaubaren optischen und funktionalen Vorteile dieser Version können die Nachteile insbesondere beim Speicherbedarf nicht aufwiegen.

Für ganz Experimentierfreudige gibt es unter www.fosshub.com/Android-x86.html auch noch eine Vorversion 6.0, die ausdrücklich mit „for testing“ gekennzeichnet ist.

Nach dem Download des nur circa 440 MB großen ISO-Images schreiben Sie das System zunächst bootfähig auf USB-Stick oder SD-Karte. Unter Windows ist der Win 32 Disk Imager das geeignete Tool (auf Heft-DVD), unter Linux das Kommandozeilen-Tool dd:

dd if=android-x86-4.4-r5.iso of=/dev/sdb

Wie immer in solchen Fällen ist bei der Angabe des Zielgeräts (hier im Beispiel „sdb“) beziehungsweise bei der „Device“-Angabe beim Win 32 Diskimager hundertprozentige Gewissheit erforderlich, das richtige Medium zu beschreiben.

301_1_Android-x86-Bootoptionen
Test vor der eigentlichen Installation: Der Live-Betrieb ist etwas lästig, weil Android-x86 auch hier diverse Setup-ähnliche Angaben fordert. Aber danach wissen Sie, ob die Installation lohnt.

Nach dem Booten vom Flash-Medium erscheint ein Bootmenü mit vier Optionen, die erste und vierte davon sind wesentlich:

„Run Android-x86 without installation“ bedeutet einen Testlauf im Live-System. Der kann nicht schaden, weil Sie hier empirisch feststellen, ob Android-x86 auf dem genutzten Gerät die komplette Hardware erkennt (WLAN-Adapter, Kamera, USB-Peripherie, Funktionstasten, Energiesparfunktionen). Außerdem erhalten Sie einen Eindruck von Bedienung und Optik. Etwas umständlich ist der Live-Modus jedoch deshalb, weil Sie diverse Voreinstellungen treffen müssen (Sprache, WLAN, Google-Konto), obwohl diese nur temporär für diese Sitzung gelten. Wer noch vor einem Testlauf im Live-System sichergehen will, ob das gewünschte Zielgerät für Android-x86 in Betracht kommt, kann sich auch unter www.android-x86.org/hardware-list informieren. In der realen Welt dürften aber deutlich mehr als die hier angezeigten Netbooks und Notebooks problemlos oder mit tolerierbaren Detailmängeln unter Android-x86 laufen.

„Install Android-x86 to harddisk“ installiert das System auf eine Festplatte oder ein Flashmedium. Im englischsprachigen Textinstaller erscheinen die verfügbaren Partitionen zur Auswahl, die erste Festplatte als „sda“. Für den Fall, dass die Partitionsverhältnisse erst eingerichtet werden müssen, gibt es mit „Create/Modify partitions“ den einfachen, textbasierten Partitionsmanager cfdisk. Der reicht aus, um Partitionen zu löschen und neu anzulegen. Wenn Sie Partitionsgrößen ändern müssen, erledigen Sie das besser vorab mit einem Linux-Live-System und dem Tool Gparted.

Anschließend erfolgt die Abfrage des Dateisystems, wobei neben ext2/3/4 auch „ntfs“ oder fat32″ möglich sind. Die Frage, ob GRUB installiert werden soll, sollte man unbedingt bejahen, um das Zielmedium bootfähig zu machen.

Die Kopie des kleinen Systems auf den Zieldatenträger ist schnell erledigt, und nach der Schlussmeldung „Run Android-x86“ oder „Reboot“ kann das Installationsmedium entnommen werden. Nun erfolgt die eigentliche Einrichtung, zunächst die Auswahl der Systemsprache, die Sie – nicht ganz offensichtlich – durch die Cursor-Taste nach oben auf „Deutsch (Deutschland)“ umstellen können. Danach geht es unter anderem um dem Zugang zum Standard-WLAN und die Angabe des Google-Kontos. Dabei ist nur die persönliche Adresse erforderlich – also ohne „@googlemail.com“ oder „@gmail.com“, das nach Sprung in nächste Eingabefeld automatisch ergänzt wird. Diese Info ist nicht ganz überflüssig, da Sie an dieser Stelle noch mit englischem Tastaturlayout arbeiten und die Suche nach dem @-Zeichen eine lästige, aber völlig unnötige Bremse bedeuten kann.

Die Anmeldung bei Google ist unbedingt zu empfehlen, weil nur so der Zugang zum Google Play Store offensteht. Wenn mit dem Google-Konto bereits ein weiteres Gerät verknüpft ist (also ein Android-Smartphone oder Tablet), dann werden automatisch alle dort eingerichteten Apps auch auf dem x86-Gerät installiert. Das kann praktisch sein, aber eventuell auch lästig, falls das Zielgerät andere Apps nutzen soll. Die Synchronisierung zahlreicher Apps wird Android erst einmal einige Minuten voll beschäftigen und auslasten. Am besten warten Sie mit der weiteren Einrichtung ab, bis diese Aktion abgeschlossen ist.

301_2_Android-x86-Partitionierung
Textbasierter Partitionierer: Der Android-x86-Installer bringt das Tool cfdisk mit, das zum Erstellen neuer Partitionen ausreicht. Komplizierteres erledigen Sie

Hardware und Leistung

Android-x86 ist auf älterer Hardware kein Schnell-Booter. Der Start dauert auf unserem EEE-Netbook mit Atom-CPU gut 50 Sekunden, was aber kein Hinweis auf einen zähen Benutzeralltag ist. Einmal gestartet, verhält sich das System auch bei bescheidener Hardware jederzeit performant. Einzige Ausnahme ist der schon erwähnte Synchronisierungsvorgang bei der Ersteinrichtung, wenn zahlreiche Apps gemäß der Ausstattung eines anderen Android-Geräts installiert werden.

Beim älteren Android 4.4-r5 liegt die Speicherauslastung für das pure System bei nur etwa 200 MB. Dies sind die angezeigten Werte auf einem Netbook mit 1 GB RAM, auf einem Notebook mit 4 GB RAM nimmt es sich mit 250 bis 300 MB etwas mehr (gemessen mit dem „System Monitor Lite“ von Christian Göllner). Das ist weit weniger als jedes Windows-System fordert, die Werte sind aber auch mit Linux-Systemen kaum zu unterbieten.

Das jüngere Android-x86 5.1-rc1 belegt circa 470 MB bei installiertem 1 GB RAM. Die Differenz zur Vorgängerversion fällt damit so gravierend aus, dass wir auf Zielgeräten mit nur einem GB RAM (wie typischerweise Netbooks) die ältere Version 4.4-r5 empfehlen.

301_3_Android-4.4.-RAM
Android-x86 in Version 4.4-r5: Wenn das Zielgerät keine üppige Speicherausstattung bietet, ist diese Version die beste Empfehlung. Das jüngere Android-x86 5.1-rc1 benötigt über 450 MB.

Bei verkabelten wie auch kabellosen Netzwerkverbindungen hat Android-x86 keine Schwierigkeiten, solange es sich bei den WLAN-Adaptern um integrierte Netbook- und Notebook-Chips handelt. Heikler dürften, wie bei Linux generell, externe WLAN-Empfänger am USB-Anschluss sein.

Angeschlossene USB-Geräte werden problemlos erkannt. Das gilt für optionale Eingabeperipherie wie Mäuse ebenso wie für USB-Festplatten oder Sticks. Bei Datenspeichern erfolgt aber keine automatische Benachrichtigung: Sie finden die Medien dann in der Navigationspalte des Standard-Dateimanagers oder im stets zu empfehlenden Total Commander für Android unter „USB“.

Die speziellen Funktionstasten zur Helligkeits- und Lautstärkesteuerung von Netbooks und Notebooks arbeiten erstaunlich gut unter Android-x86, aber mit der einen oder anderen Fehlfunktion ist immer wieder mal zu rechnen. Hier muss dann gegebenenfalls eine passende App aushelfen.

Wer sich für Android auf einem größeren Monitor entscheidet, muss sich im Klaren sein, dass er hier mit Apps im Vollbildmodus arbeiten wird, die auf kleine Tablet- und Smartphone-Displays optimiert sind. Android hat nur bescheidene Möglichkeiten, die Smartphone-GUI auf Monitor-Dimensionen zu trimmen: Unter „Einstellungen -> Display -> Schriftgröße“ hilft die Einstellung „klein“ ein Stück, ändert aber nichts daran, dass manche Vollbild-App ins Auge bombt.

Zum Herunterfahren des Systems tippen Sie den Power-Knopf des Geräts zweimal kurz an. Dann erscheint das Android-Popupfenster mit mehreren Optionen wie „Herunterfahren“ oder „Neustarten“, das nach Mausklick den gewählten Job erledigt. Diese Methode ist auf Netbooks und Notebooks die einfachste. Ob bei dieser Methode auch PCs mitspielen, haben wir nicht getestet. Bei der älteren Version 4.4-r5 funktioniert aber auch der Klick auf das Datum oben rechts und dort die Option „Herunterfahren“. Und nicht zuletzt gibt es wieder diverse Shutdown-Apps im Google Store.

301_4_Android-x86
Home-Screen mit Standardhintergrund: Die Einrichtung von Android-x86 auf dem PC entspricht technisch vollständig der Anpassung eines Android-Smartphones oder Tablets.

Bedienung und Anpassung

Die Systemsprache lässt sich schon bei der Installation auf Deutsch setzen. Das Tastaturlayout bleibt danach allerdings weiter Englisch. Dies ist unter „Einstellungen -> Sprache & Eingabe -> Tastatur & Eingabemethoden“ zu korrigieren. Als eine weitere der allerersten Einstellungen (unter „Einstellungen -> Display“) sollten Sie das automatische Drehen der Anzeige abstellen: Auf Geräten ohne Lagesensor bereitet es erhebliche Probleme, ein gedrehtes Display wieder in die horizontale Standardlage zu bringen. Früher oder später wird das kleine Malheur in jedem Fall geschehen, da manche App ohne Rücksicht auf eine gewünschte Standardausrichtung den Bildschirm dreht. Meist hilft es, diese App über die Taskliste (rechter „Recents“-Button) zu beenden, um dadurch automatisch wieder zur Standardanzeige zurückzukehren. Besorgen Sie sich dennoch vorsorglich eine spezielle App wie „Rotation Control“ aus dem Google Store, mit der Sie bequem die Ausrichtung korrigieren können.

Die wesentlichen Aktionen erfolgen über den linken „Zurück“-Button, mittigen „Home“-Button und rechten „Recents“-Button. Dies ist einfach genug, wird aber mit physischer Tastatur noch einfacher, weil auch die Tasten Esc, Windows und die Kontextmenü-Taste (neben der rechten Strg-Taste) dieselben Funktionen erfüllen. Und statt dem Wischen auf dem Touchscreen hilft hier die gedrückte Maustaste und Ziehen in die gewünschte Richtung, je nach App funktioniert auch das Scrollen mit dem Mausrad.

Die Anpassung von Android-x86 folgt den Regeln eines Android auf ARM-Architektur. Längerer Klick auf eine freie Stelle des Home-Bildschirms eröffnet die Möglichkeit, das Hintergrundbild zu ändern oder Widgets auf dem Home-Bildschirm zu platzieren. Apps in der Gesamtliste können durch längerem Mausklick markiert und danach auf den Home-Bildschirm gezogen werden. Sammelordner am Home-Screen entstehen durch Drag & Drop bereits vorhandener App-Icons aufeinander.

Den Task-Wechsel und das Beenden von Apps erledigen Sie über den rechten „Recents“-Button: In der älteren Version 4.4 ziehen Sie dort eine App aus dem Bildschirm, um sie zu beenden. Im jüngeren 5.1 warten Sie kurz, bis alle Apps das Schließen-Symbol („x“) anzeigen. Sie lassen sich dann per Klick auf dieses Control beenden.

Android-x86 ist ohne nähere Konfiguration ein Einbenutzersystem ohne Anmeldung und startet ungeschützt zum Desktop. Eine Authentifizierung lässt sich über „Einstellungen -> Sicherheit -> Display-Sperre wählen“ einrichten. Über „Einstellungen -> Nutzer“ können Sie auch weitere Konten und damit ein Mehrbenutzersystem konfigurieren.

Remix OS: Aufgebohrtes Android-x86

Android ist ein schlankes System für Smartphones und Tablets, die Portierung Android-x86 eine attraktive Alternative für Netbooks und Notebooks. Das ist aber früheren Google-Mitarbeitern längst nicht genug, die sich unter dem Firmennamen Jide Technology zusammengetan haben: Als Remix OS soll Android-x86 den PC-Desktop generell erobern. Auf der Projektseite www.jide.com können Sie sich über Remix OS informieren, Downloads der 32- und 64-Bit-Varianten gibt es unter www.jide.com/remixos-for-pc#downloadNow. Das Zip-Archiv hat je nach Ausführung bis zu 717 MB, beim Extrahieren entsteht das ISO-Image mit circa 2,5 GB, ferner eine ausführbare Datei (Remixos-installation-tool-B2016030102.exe) für die Einrichtung unter Windows.

Wer kein Windows-System verwendet, kann das ISO-Image einfach mit dem Kommandozeilen-Tool dd auf einen USB-Stick schreiben. Beim Einsatz von Remix OS auf USB kommt nur USB 3.0 in Betracht. Bei langsameren 2.0-Medien oder 2.0-Ports am Gerät startet das System erfahrungsgemäß nicht, bringt aber keine Fehlermeldungen, sondern bearbeitet das Medium in Endlosschleife.

Da es im Live-System (Option „Guest mode“ beim Booten) keinen Installer gibt, macht es etwas Mühe, Remix OS auf eine Festplatte zu bringen. Einfach geht das nur, wenn auf dem Gerät ein Windows vorliegt und das genannte Windows-Tool genutzt werden kann. Ist kein Windows vorhanden oder soll dieses durch Remix OS ersetzt werden, dann helfen zwei USB-Sticks – der eine mit dem ISO-Image von Remix OS, der zweite mit einem beliebigen Linux-Live-System. Mit dd im Live-System schreiben Sie dann das ISO-Image auf die Festplatte des Zielgeräts.

Remix OS hat inzwischen zwar bereits Versionsnummer 2.0, bezeichnet sich aber immer noch als „Beta Version“ – mit gutem Grund: Der Systemstart ist sehr zäh, die Einstellung der deutschen Oberfläche führt zu einem gemischtsprachigen System (Deutsch-Englisch), und das Keyboardlayout bleibt komplett Englisch. Mit Hängern und App-Abstürzen muss man jederzeit rechnen, und nicht zuletzt fehlt diesem Android-x86 der Google Play Store. Im Prinzip lassen sich die unentbehrlichen Google Services (inklusive Google Play Store) einbauen, indem Sie das Android Package GMSActivator.apk manuell herunterladen und unter Remix OS installieren. Dafür muss unter „Einstellungen -> Sicherheit -> Unbekannte Herkunft“ die Installation aus Fremdquellen erlaubt werden. Wir hatten danach allerdings erhebliche Probleme inklusive Abstürze bei der Benutzung von Google Play. Eine Alternative sind noch seriöse APK-Quellen wie www.apkmirror.com, wo Sie Android-Pakete downloaden können, um sie anschließend manuell zu installieren.

Das Konzept von Remix OS ist offensichtlich: Mit Startmenü, Taskleiste und skalierbaren App-Fenstern wird aus Android ein echter Multitasking-Desktop. Damit gehen Android aber alle Merkmale verloren, die es für spezielle Einsatzgebiete interessant machen: Der Speicherbedarf des Systems liegt weit über einem GB und die GUI-Bedienung ist weit entfernt vom simplen Android-Konzept (wenn auch nicht wirklich kompliziert). Somit hinterlässt dieses Projekt etwas Rätselraten, denn Desktop-Systeme auf Linux-Basis gibt es genug – besser, ökonomischer und mit großem Software-Angebot.

301_6_Remix_OS_TotalCommander
Sieht besser aus als es ist: Remix OS macht Android-x86 zum Desktop-System. Das klingt ambitioniert, ist aber tendenziell überflüssig und aktuell meilenweit von einem reifen Zustand entfernt.