Linux für ältere Hardware

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Wo bisher ein XP gedient hat, liegt oft Hardware mit schwachen CPUs und magerer RAM-Ausstattung zugrunde. Für ältere Geräte und Notebooks eignet sich minimalistisches Linux, das keineswegs minimalistisch aussehen muss.

Ab einer CPU der Pentium-III-Klasse oder AMD Athlon und einem Arbeitsspeicher ab 512 MB (theoretisch ab 256 MB) finden Sie in jedem Fall eine Linux-Distribution, die Windows XP leistungstechnisch ersetzen kann. Generell kommt alles mit den schlanken XFCE- und LXDE-Desktops schwächeren Rechnern entgegen. Die betreffenden Ubuntu-Varianten heißen Xubuntu (mit XFCE) sowie das noch schlankere Lubuntu (mit LXDE). Noch Ressourcen-schonender arbeiten Bodhi Linux und Precise Puppy Linux. Abgesehen von Puppy Linux basieren alle genannten System auf Ubuntu, verwenden dessen komfortablen Installer und können auch dessen Software-Repositories nutzen – dies mindestens per apt-get auf Kommandozeile, zum Teil auch mit grafischen Tools.

Darüber hinaus gab und gibt es einige interessant erscheinende Ubuntu-basierte Systeme für schwache Hardware und kleine Displays, die inzwischen entweder eingestellt oder veraltet sind: Dazu gehören Easy Peasy 1.6, Fuduntu 2013.1, Joli OS 1.2 und Ubuntu Netbook Edition 10.10. Sofern vier Distributionen nicht explizite Auffrischung durch neue Versionen erfahren, sollten Sie diese besser links liegen lassen. Eine Empfehlung, die wir hier noch stehen lassen, ist Bodhi Linux (siehe unten). Allerdings scheint auch dessen Zukunft inzwischen ungewiss.

Ohne Risiko: Lubuntu und Mint MATE

Wenn Sie XP auf älterer Hardware pragmatisch, schnell und ohne Lernaufwand ersetzen wollen, sind Lubuntu und Linux Mint 17 MATE erste Wahl: Lubuntu läuft notfalls schon mit 256 MB RAM, bei besser ausgestatteten Rechnern nimmt sich dieses System etwa 300 MB ab Start, als CPU reicht ein Pentium III.

Linux Mint 17 MATE hat ähnlich moderate Hardwareanforderungen, darf aber im Vergleich zu Lubuntu die attraktivere Oberfläche beanspruchen. Beide Systeme sind nicht nur sehr genügsam, sondern bieten durch ihren konservativen Desktop mit Hauptleiste inklusive Startmenü jedem XP-Nutzer auf Anhieb eine neue Heimat. Es kommt hinzu, dass beide Distributionen eine zwar anspruchslose, aber vollständige Softwareausstattung mitbringen. Nach der Installation können Sie sofort loslegen.

Infos und Download zu Lubuntu: www.lubuntu.net

Infos und Download zu Mint MATE: www.linuxmint.com

Anpassungen erwünscht: Xubuntu mit XFCE

Das nicht mehr ganz so schlanke Xubuntu sollte sich mit 512 MB RAM und einer CPU ab Pentium IV zufriedengeben. Auf besser ausgestatteter Hardware nimmt es sich aber ab Start bereits circa 400 MB. Für ordentliche Reserven bei der Software ist daher 1 GB RAM zu empfehlen – also noch im Rahmen der typischen Netbook-Ausstattung.

Xubuntu zeigt nach der Erstinstallation kaum Vorzüge gegenüber dem schlankeren Lubuntu oder Mint LXDE. Auch hier findet sich ein klassisches Anwendungsmenü in der Hauptleiste. Der exzellente und ausgereifte XFCE-Desktop zeigt seine Überlegenheit erst bei genauerem Hinsehen: Zum XFCE-Feinschliff gehört das zusätzlich nach Rechtsklick am Desktop stets verfügbare Anwendungsmenü oder das Drag & Drop von Dateien mit rechter Maustaste und folgendem Kontextmenü, wie Sie es unter Windows kennen. Im Hauptmenü unter „Einstellungen“ finden Sie zahlreiche Angebote, Themes, Dateimanager-Verhalten oder die Fensteroptik einzustellen. Die Anpassungsmöglichkeiten für Symbolleisten, Desktop und Dateimanager sind unerschöpflich detailliert, und dies nicht nur optisch. Xubuntu eignet sich besonders für etwas erfahrenere Nutzer, die sich die Oberfläche gerne optimal und individuell anpassen.

Infos und Download zu Xubuntu: http://xubuntu.org

Xubuntu 13.10
Ausgereiftes System für schwächere Hardware: Xubuntu mit XFCE lädt ein zur individuellen Anpassung und hat dabei etwas höhere RAM-Ansprüche als ein Windows XP.

Empfehlung für Bastler: Bodhi Linux

Auch Bodhi Linux 2.4.0 basiert auf Ubuntu, davon sieht man aber nichts. Bodhi nutzt als Oberfläche die Eigenentwicklung Enlightenment 17 (E17). Hier wird es Hardware-technisch wirklich minimalistisch, nicht aber optisch-ästhetisch: Bodhi läuft angeblich schon mit 128 MB und einer 300-MHz-CPU. Auf unserem Test-Netbook mit einem GB RAM schlägt Bodhi nach der Anmeldung tatsächlich mit nur 103 MB zu Buche, mehr als 150 MB sind für das reine System auch im Dauerbetrieb nie zu messen. Mit 512 MB oder einem GB RAM hat Bodhi somit richtig Reserven für Browser und Anwendungen.

Was Bodhi noch spektakulärer macht: E17 ist ein ästhetisch ansprechender Desktop, der sich sogar noch verspielte Effekte leistet. Mit der „Einstellungskonsole“ lässt sich jedes winzige Detail der Oberfläche minutiös konfigurieren, Starterleiste „Engage“ und Hauptpanel „Shelf“ können Sie nach Belieben bestücken. Ein globales Startmenü ist beim Klick auf den Desktop jederzeit abrufbereit.

Bodhi hat leider auch Nachteile: So ist ein gemischtsprachiges System in Kauf zu nehmen, und die vorinstallierte Software bringt kaum das Mindeste mit. Neben Nachinstallationen muss der Bodhi-Nutzer auch Geduld mit einigen Ungereimtheiten in den unzähligen Einstellungsoptionen mitbringen.

Ein ganz großer Mangel: Der E17-eigene Dateimanager kann keinen LAN-Zugriff. Daher ist es erste Pflicht, einen zusätzlichen Dateimanager zu installieren. Hier kommen nicht beliebige in Frage, da etwa Nautilus oder Nemo die Desktop-Arbeitsfläche verändern und damit das E17-Design empfindlich stören. Es bietet sich der schlanke pcmanfm an (sudo apt-get install pcmanfm).

Infos und Download zu Bodhi Linux: www.bodhilinux.com
Zukunft und Weiterentwicklung von Bodhi Linux sind leider ungewiss. Die lange angekündigte Version 3.0 kam über den Status als Release Candidate nicht hinaus. Die Aufgabe des vielversprechenden Projekts wäre sehr bedauerlich.

Bodhi Linux
Unglaublich sparsam: Bodhi Linux begnügt sich mit 100 bis 150 MB und bietet trotzdem einen eleganten Desktop – ein System für Nutzer, die sich auf Neues einlassen und kleinere Mängel tolerieren.

Ausgereifter Minimalist: Puppy Linux

Puppy Linux spielt als spezialisierter Minimalist etwa in der Öko-Liga von Bodhi Linux und bietet dabei eine Reihe von Varianten. In erster Linie kommt Precise Puppy in Betracht, weil Sie damit die komplette Software der Ubuntu-Repositories nutzen können. Nach der Anmeldung benötigt das System circa 115 MB, als CPU genügt ein 400 MHz-Prozessor. Anders als Bodhi Linux sieht man Puppy, das primär für den mobilen Einsatz auf USB- und CD-Medien konzipiert ist, seinen Sparkurs deutlich an. Installation und Einrichtung setzen etwas Erfahrung voraus. Ungeachtet seiner pragmatisch-spröden Bedienung hat Puppy Linux 10 Jahre Entwicklung hinter sich und ist neben Bodhi Linux der reifere Minimalist.

Infos und Download zu Puppy Linux: http://puppylinux.org

Abschließend ein Wort zu PAE

Die meisten der hier genannten Systeme wie Mint XFCE, Xubuntu, Lubuntu setzen eine CPU mit PAE voraus (Physical Address Extension). Diese Fähigkeit von 32-Bit-CPUs, mehr als vier GB RAM zu adressieren, wurde schon Mitte der 90er-Jahre beim Pentium Pro und AMD Athlon eingeführt. Allerdings gibt es einige stromsparende Intel-CPUs insbesondere für Notebooks, die noch bis 2003 Verwendung fanden. Ob ein älterer Prozessor PAE besitzt oder nicht, kann am besten ein bootfähiges Tool wie HDT (ISO-Download) bei der Analyse helfen.

Auch Uralt-CPUs ohne PAE werden noch durch einige Linux-Distributionen unterstützt: Von Bodhi Linux gibt es eine Variante, die auch ohne PAE läuft (www.bodhilinux.com). Weitere Optionen für Uralt-CPUs sind Antix MX 14.2 (http://antix.mepis.org und Download bei Sourceforge) und spezielle Varianten von Puppy Linux (http://puppylinux.org). Maßgebliches Stichwort ist jeweils „non-pae“.

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