Archiv der Kategorie: Uncategorized

Odroid-Miniserver (2018)

Seit fünf Jahren versuchen zahlreiche Platinenrechner, sich neben dem erfolgreichen Raspberry Pi zu positionieren. Die Odroid-Familie war und ist dabei besonders umtriebig. Dieser Beitrag bringt einen Überblick über die Mini-Rechner aus Südkorea.

Wer meint, die koreanische Firma Hardkernel mit ihren diversen Odroid-Produkten („Open Droid“) sei ein typischer Raspberry-Trittbrettfahrer, liegt mindestens teilweise falsch. Die Firma gibt es schon länger und ihr erster Platinenrechner „Odroid-PC“ datiert aus dem Jahr 2011, also ein Jahr vor dem ersten Raspberry Pi. Richtig ist aber, dass Hardkernel früh und umtriebig auf den Erfolg des Raspberry Pi reagiert hat und seit 2012 die komplette Produktpalette als Raspberry-Konkurrenz ausrichtet. Der Raspberry-Boom veranlasste Hardkernel zur Fokussierung auf Mini-Server und Platinenrechner.
Die an sich vernünftige Kernstrategie war offenbar immer, für moderat höhere Preise deutlich mehr Leistung anzubieten als der Raspberry Pi. Die zahlreichen Odroid-Varianten der Jahre 2012 bis 2015 zeugen allerdings von hektischer Betriebsamkeit, die beim Konsumenten eine gewisse Ratlosigkeit hinterlässt, inwiefern sich die Produkte unterscheiden. Nachhaltigkeit und Weitblick war hier nicht zu erkennen, und diverse Odroid-Projekte kamen und starben wie Eintagsfliegen: Die sehr lange Spalte „Obsolete products“ auf der Herstellerseite http://www.hardkernel.com/main/products/prdt_info.php spricht für sich. Inzwischen hat Hardkernel seine Produktpalette konsolidiert. Der Durchblick ist heute einfacher, verlangt aber immer noch genaueres Hinsehen. Dies sollen die nachfolgenden Seiten leisten. Die aktuell noch gepflegten Odroid-Platinen verdienen diese Übersicht, da sie qualitativ und zumeist auch in der Komponentenzusammensetzung überzeugen. Eine Produktübersicht des Herstellers bietet die oben genannte Hardkernel-Webseite. Deutscher Vertreiber für alle Odroid-Platinen und Odroid-Zubehör ist Pollin (www.pollin.de).

Odroid XU4: Das aktuelle Spitzenmodell

Die Platine Odroid XU4 ist nicht nur das aktuelle Spitzenmodell der Hardkernel-Palette, sondern zugleich die Basis für die Varianten HC1, HC2 und MC1. Der Achtkerner arbeitet mit zwei Quadcore-CPUs, wobei je nach Auslastung der Vierkerner Cortex A15 mit 2 GHz oder der sparsamere Vierkerner Cortex A7 mit 1,4 GHz zum Zuge kommt. Mit 2 GB DDR3-RAM ist die Platine für den Serverbetrieb mehr als ausreichend bestückt. Entscheidender noch für den Datendurchsatz ist die stimmige Kombination von USB 3.0 (zweimal) mit echtem Gigabit-Ethernet. Die damit theoretisch möglichen 1000 MBit/s (125 MB/s) erreicht die Platine zwar nicht, aber 80 bis 90 MB/s sind maximal möglich. Damit gerät auch das Hantieren mit ISO-Abbildern und Filmen zur flotten Aufgabe. Als Boot- und Systemmedium kommt sowohl die typische Micro-SD-Karte als auch eine eMMC-Karte infrage. Die Auswahl des Medium erfolgt über einen kleinen Schalter auf der Platine. Für Erweiterungen und Bastellösungen gibt es zwei Pin-Anschlüsse (30 plus 12), die allerdings nicht Raspberry-kompatibel sind und daher eigene Produktlösungen benötigen. Die Platine verbraucht unter Volllast bis zu 11 Watt, im Normalbetrieb etwa 4-8 Watt.

Odroid XU4 mit und ohne Lüfter: Die flexible Platine bleibt mit Netzteil und Gehäuse knapp unter 100 Euro. Wer einen lautlosen Job erwartet, greift zur XU4Q-Variante mit passivem Kühlkörper.

Odroid XU4 als Desktop: Mit den genannten Spezifikationen ist die Platine ein idealer Datenserver für das private Netzwerk und Home Office. CPU, RAM, Mali-GPU T628 MP6 und HDMI-Port scheinen auch zum Einsatz als Desktop-Zweitrechner einzuladen, aber hier muss man nach unserer Erfahrung einige Einschränkungen akzeptieren. Das von uns getestete Ubuntu Mate 16.04.3 ist als Ersatzsystem durchaus akzeptabel, läuft aber nicht wirklich flüssig. Die Ladezeiten von großen Programmen wie Browser oder Libre-Office-Komponenten sind unbefriedigend. Alles, was mit grafischen Fenstern zu tun hat, reagiert etwas zäher als vom PC gewohnt, mit gelegentlichem Verschwinden des Mauszeigers und sporadischen Artefakten am Bildschirm. Selbst der deutlich schwächere Raspberry schlägt sich hier besser. Da die Hardware des Odroid XU4 an sich eine bessere Leistung verspricht, liegt es vermutlich an der mangelhaften Treiberanpassung.
Lüfter oder Kühlkörper: Das Kühlkonzept des Odroid XU4 wurde seit seinem Erscheinen 2015 vielfach kritisiert. Von Platinenrechnern erwarten die Kunden lautlosen, lüfterlosen Betrieb. Der XU4 kommt aber standardmäßig mit einem Lüfter, der seine kleine Maße mit hoher Drehzahl ausgleicht. Im Serverbetrieb läuft er vor allem bei größeren Datentransfers und beim Booten, im Desktop-Betrieb sehr häufig. Der Lüfter ist nicht laut, aber aufgrund der hohen Frequenz unüberhörbar. Beim Einsatz als Medienserver im Wohnzimmer kann das je nach Anspruch durchaus stören.
Hardkernel hat inzwischen doppelt reagiert: Erstens gibt es für Neukunden die Variante Odroid XU4Q mit einem passiven Kühlkörper („Q“ für „quiet“). Die ist etwas günstiger als die Variante mit Lüfter, aber etwas leistungsärmer, weil die XU4 hier häufiger auf die schwächere A7-CPU schaltet. Wer bereits einen XU4 besitzt, kann den Lüfter durch den passiven Kühlkörper ersetzen, der mittlerweile als Einzelzubehör für etwa acht Euro verkauft wird.
Preis und Ausstattung: Der Odroid XU4 kostet etwa 80, der lüfterlose XU4Q circa 75 Euro (www.pollin.de). Das sind Preisangaben, die allerdings so nicht realistisch sind: Denn dafür gibt es nur die pure Platine ohne Netzteil, ohne Gehäuse. Mit Gehäuse (8 Euro) und Netzteil (10 Euro) liegt man dann bei knapp 100 Euro Gesamtkosten.

Odroid HC1/HC2: Kleine Home-Server

„HC“ steht für „Home Cloud“. Diese beiden Odroid-Varianten basieren auf dem Modell XU4 und sind hinsichtlich CPU, GPU, RAM und Gigabit-Ethernet identisch ausgestattet. Als Betriebssysteme kommt daher alles in Betracht, womit auch dem XU4 läuft. Statt schnellem USB 3.0 (nur einmal USB 2.0) gibt es eine SATA-3-Schnittstelle für eine Festplatte oder SSD, die ähnlich typischen NAS-Geräten direkt in das Alu-Gehäuse eingeschoben und dadurch angeschlossen wird. HC1 und HC2 fokussieren ganz klar auf einen kleinen, schnellen Netzwerkspeicher für private Zwecke: klein, weil nur ein SATA-Anschluss vorliegt – schnell, weil die Kombination SATA und Gigabit-LAN noch etwas mehr Tempo liefert als die Kombination mit USB 3.0.
Achtung: HC1 und HC2 haben kein HDMI oder sonstigen Monitor-Anschluss: Das System kann nur über das Netzwerk mit SSH oder Nginx/Apache-Server (etwa mit dem NAS-System Openmediavault) erreicht und verwaltet werden.
Preis und Ausstattung: Die lüfter- und lautlosen HC1 und HC2 kosten circa 60 und 65 Euro. Der einzige Unterschied der beiden Varianten ist das Alu-Gehäuse, das beim kleinen HC1 nur ein 2,5-Zoll-Laufwerk, beim HC2 auch eine größere 3,5-Zoll-Festplatte aufnimmt. Das Gehäuse ist im Preis inbegriffen, das unentbehrliche Netzteil (ca. 8 Euro) beim Hauptvertreiber Pollin hingegen nicht.

Odroid HC1 („Home Cloud“): HC1 und HC2 können am SATA-Port genau eine Festplatte aufnehmen. Wo dies genügt, bieten die HC-Platinen ein aufgeräumtes Mini-NAS.

Odroid MC1: Rechenknecht ohne Schnittstellen

„My Cluster One“ (MC1) ist kein Produkt für Normalverbraucher. Das Gehäuse mit großem Lüfter stapelt vier abgespeckte Odroid XU4 zu einem Rechner-Cluster. Die vier Platinen besitzen lediglich Gigabit-Ethernet und einmal USB 2.0. Damit ist weder ein Server-Dienst realistisch noch ein Monitor-Output möglich. Zum Rechner-Cluster wird MC1 nicht direkt über Gehäuseanschlüsse, sondern über das Netzwerk. Dabei übernimmt eine Platine die Master-Rolle, die drei übrigen dienen als Nodes. Anleitungen zur nicht trivialen Einrichtung bietet unter anderem das hauseigene Odroid-Magazine (https://magazine.odroid.com/article/odroid-mc1-docker-swarmgetting-started-guide/). Der circa 260 Euro teure 4-Platinen-Cluster kann dann etwa komplexe mathematische Berechnungen erledigen, und dies schneller als vergleichsweise teure x86-CPUs.

Odroid MC1 („My Cluster One“): Es handelt sich um vier gestapelte, abgespeckte XU4-Platinen, die durch Cluster-Software zu einer Recheneinheit gekoppelt werden.

Odroid N1: Das künftige Spitzenmodell

Mit einem Sechskerner, der noch leistungsstärker ausfällt als die CPU des XU4, ferner mit 4 GB RAM, einer neueren Mail-GPU (T860MP4) und zwei SATA-3-Anschlüssen ist das nächste Spitzenmodel Odroid N1 angekündigt. Die beiden USB-3.0-Ports und das Gigabit-Ethernet wie beim Odroid XU4 wird diese Platine ebenfalls mitbringen und damit weiter Richtung Highspeed-NAS gehen. Die SATA-Ports sollen einen Durchsatz von mehr als 400 MB/s erreichen, was dann allerdings nur den Transfer zwischen zwei angeschlossenen Platten optimieren wird, denn via Gigabit-Ethernet ist ja bei 125 MBit/s Schluss. Mit Netzteil und Gehäuse wird der Odroid N1 etwa 120 Euro kosten. Die Platine kommt demnächst, voraussichtlich Juni/Juli 2018, auf den Markt.

Odroid N1 ab Sommer 2018: Dieser Mini-Rechner übertrifft das bisherige Spitzenmodell XU4 noch einmal in allen Komponenten. Zudem gibt es zwei schnelle SATA-3-Anschlüsse.

Odroid C1+ und C2: Die Raspberry-Konkurrenz

Die größeren C-Varianten verstehen sich als etwas leistungsstärkere Raspberry-Konkurrenten, können aber spätestens jetzt, neben dem eben erschienenen Raspberry 3 B+ kaum noch bestehen. Odroid C1+ hat bei CPU (Quadcore, 1,5 GHz), GPU (Mali 450) und RAM (1 GB) keine überzeugenden Vorteile gegenüber dem Raspberry, und der Wert des Gigabit-Ethernet wird durch die vier USB-2.0-Ports relativiert, die den Durchsatz auf 25 bis 30 MB/s ausbremsen. Die I/O-Leistung ist damit vergleichbar mit dem jüngsten Raspberry (siehe Exkurs unten zum Raspberry Pi 3 B+). In dieser Situation wird man besser zum Original greifen. Der Odroid C2 hat zwar einen moderneren Prozessor (Cortex-A53) und 2 GB RAM, die Einschränkungen bei der I/O-Leistung gelten aber auch hier.
Preis und Ausstattung: Odroid C1+ und C2 kosten 45 und knapp 60 Euro. Diese Preise bei Pollin beinhalten weder Netzteil (5 Euro) noch Gehäuse (7 Euro).

Odroid C1+: Für diese Platine sind die Tage wohl gezählt, nachdem das jüngste Raspberry-Modell 3 B+ leistungstechnisch praktisch gleichzieht.

Odroid C0: Nackte Bastlerplatine

Odroid C0 ist ein extrem reduzierter C1+ und System-kompatibel mit diesem. Anders als der C1+ richtet sich die kleinste C-Variante aber ausschließlich an Elektronikbastler. Abgesehen vom HDMI-Ausgang ist die Platine praktisch unbestückt. Ethernet gibt es nicht, USB-Ports und GPIO-Pins können von Bastlern bei Bedarf manuell nachgerüstet werden. Die 16-Gramm-Platine bietet für circa 35 Euro praktisch nur die CPU (ARM Cortex-A5, Quadcore mit 1.5 GHz), Mali-GPU, HDMI-Port und 1 GB DDR3-RAM.

Odroid C0 nur für Elektronikbastler: Die nackte Platine hat keine Input-Schnittstellen. Schon die Einrichtung eines Systems erfordert vorab den manuellen Einbau etwa eines USB-Ports.

Alle Odroids: WLAN gibt es nur als Extra

Falls Sie bei obigen Beschreibungen den Hinweis auf WLAN vermisst haben: Die Odroid-Platinen haben tatsächlich allesamt keinen Funkchip an Bord. Das ist letztlich konsequent, weil die typischen Serveraufgaben eines XU4 oder HC1 nur mit Ethernet Sinn machen. Wer trotzdem Wifi benötigt, muss dies über einen Wifi-USB-Dongle nachrüsten. Die Hardkernel-eigenen Sticks sind allerdings in Deutschland kaum zu bekommen und müssten direkt aus Südkorea bestellt werden. Jedoch werden die Platinen auch jeden anderen Linux-kompatiblen Wifi-USB-Dongle wie den Edimax EW-7811UN, Asus N10 Nano oder CSL 300 akzeptieren. Der uns zufällig vorliegende Hercules 300 N mini funktionierte ebenfalls auf Anhieb.

Auswahl der Betriebssysteme

Für alle Odroid-Platinen gibt es ordentliche Auswahl an Linux- und Android-Betriebssystemen, die Sie nur herunterladen und mit den üblichen Werkzeugen auf Micro-SD schreiben müssen (Etcher, dd, Win 32 Disk Imager). Der Weg zu den passenden Systemen ist aber nicht optimal organisiert, weil man auf der Hersteller-Hauptseite www.hardkernel.com nicht fündig wird. Anlaufstelle ist vielmehr das Wiki https://wiki.odroid.com, das auch über die Hauptseite erreichbar ist (wenn man weiß, wo man hin muss). Hier finden Sie in der linken Spalte die Platinenmodelle, unter dem einzelnen Modell jeweils den Eintrag „os_images“. Hier erscheinen dann die offiziellen Android- und Linux-Images, ferner inoffizielle „Third party OS images“. Mit den Hardkernel-Images sind Sie auf der sicheren Seite, jedoch lohnt sich unbedingt auch die Durchsicht der inoffiziellen Systeme: Darunter befinden sich interessante Spezialsysteme wie Libreelec, Openmediavault, Volumio, Kali Linux oder Diet Pi.

Betriebssysteme für Odroid-Platinen: Der schnellste Weg zum passenden System führt über das Wiki https://wiki.odroid.com.

Exkurs 1: X86 und ARM – ein CPU-Vergleich am Beispiel Odroid XU4

Die Octacore-CPU des Odroid XU4 mit 2 GHz klingt nach mächtig viel Leistung. Jedoch handelt es sich um zwei Quadcore-ARM-Einheiten, die je nach Anforderung zur schnelleren oder stromsparenderen umschalten. Vor allem aber darf man generell die Taktraten und die Kernzahlen von ARM-Prozessoren nicht annähernd den x86-CPUs von PCs und Notebooks gleichsetzen. Die kleine Tabelle zeigt, dass die Intel Atom-CPU eines 10 Jahre alten Netbooks immer noch knapp vor der ARM-Quadcore-CPU eines Raspberry 3 liegt. Die Platine Odroid XU4 lässt diese Netbook-CPU zwar deutlich hinter sich, kommt aber nicht annähernd an Notebook- und PC-Prozessoren heran. Unser Vergleich wurde mit Sysbench auf der Kommandozeile ausgeführt.

Exkurs 2: Der neue Raspberry Pi 3 B+

Mitte März hat der Raspberry ein Upgrade erhalten. Das Modell Raspberry Pi 3 B+ ist im einschlägigen Elektronikhandel bereits erhältlich, zum üblichen Preis von knapp 40 Euro. Der Takt des Quadcore-Prozessors ist von 1,2 auf 1,4 GHz erhöht. Entscheidender sind aber die Neuerungen beim Funkmodul und beim Ethernet-Port: Der Raspberry funkt nun schneller nach dem aktuellen 802.11ac-Standard und neben dem bisherigen 2,4-GHz auch im 5-GHz-Frequenzbereich. Ebenso bemerkenswert ist der neue Gigabit-Ethernet-Port: Das ist zweifellos die Komponente, die sich Raspberry-Kunden seit Jahren am meisten wünschen. Allerdings handelt es sich um einen Kompromiss, der nicht alle zufriedenstellen wird: Da die Daten vom Ethernet-Anschluss über die USB-2.0-Schnittstelle laufen, ist der Durchsatz von 1000 MBit/s auf die maximalen 320 MBit/s von USB 2.0 gedrosselt. Im Alltag wird der Raspberry mit dieser Konstellation erfahrungsgemäß kaum mehr als 250 MBit/s schaffen, also etwa 30 MB/s. Das ist gegenüber dem bisherigem Fast Ethernet mit 100 MBit/s (etwa 12,5 MB/s) ein signifikanter Schub, aber natürlich nicht das erhoffte Gigabit-LAN. Echtes Gigabit-Ethernet wird es frühestens beim Raspberry 4 geben, der voraussichtlich 2019 erscheinen wird.

Seit März 2018: Raspberry Pi 3 B+ mit gedrosseltem Gigabit-Ethernet und WLAN 802.11ac

AppImages: Portable Software für Linux

Die traditionelle Paketverwaltung unter Linux hat fundamentale Vorzüge gegenüber dem Software-Wildwuchs à la Windows. Es ist aber andererseits auch unflexibel und wartungsaufwendig. Appimages sind eine willkommene Ergänzung.

Containerformate haben Konjunktur. Sie bieten Distributions-unabhängige Software, umgehen das Problem der Paketabhängigkeiten und erlauben den portablen Einsatz der Software. Gegenüber den technisch aufwendigeren Techniken Snap, Flatpak und Docker haben hier die Appimages einen entscheidenden Vorteil: Auf dem Zielrechner ist keinerlei Werkzeug erforderlich – keine Laufzeitumgebung, kein Paketwerkzeug. Die Images werden einfach heruntergeladen, ausführbar geschaltet und – laufen. Da Appimages keine Sandbox-Isolation (wie Docker & Co.) gegenüber dem übrigen System gewährleisten, wird der Einsatz allerdings zur Vertrauensfrage – ganz ähnlich zu Windows. Wer sich an die vertrauenswürdigen Quellen hält, hat jedoch eine überaus komfortable Technik an der Hand, seine Software-Ausstattung zu ergänzen oder gezielt auf den portablen Einsatz auszurichten.

Das Appimage-Format

Appimages gehen auf das schon 2004 geschaffene Format „klik“ zurück. Über dessen Folgeprojekt „Portable Linux Apps“ erhielt die Weiterentwicklung 2013 die Bezeichnung „Appimage“. Es gilt das Prinzip „1 app = 1 file“. Typischerweise hat diese eine Containerdatei die Endung .appimage oder nur .app. Dies dient nur der Erkennung für den Nutzer, technisch ist die Endung bedeutungslos und kann nach dem Download auch gelöscht werden. Die Containerdatei enthält neben dem eigentlichen Programm alle notwendigen Komponenten und Bibliotheken. Beim Start durch Doppelklick mountet ein Wrapper-Script zur Laufzeit alle Komponenten in das Dateisystem und lädt dann das eigentliche Programm. Typischerweise erscheint die Software in Taskmanagern dann zweimal – eine Instanz für das eigentliche Programm, die zweite für den Start-Wrapper. Der gesamte Ladevorgang ist komplexer als bei einer nativ installierten Software, was sich aber auf modernen Rechnern allenfalls messbar, aber nicht spürbar auswirkt. Der autarke Container benötigt kein besonderes Ausgangverzeichnis, sondern ist an beliebiger Stelle, auch auf externen USB-Medien lauffähig.

Appimages in der Praxis

Die wichtigsten und vertrauenswürdigen Quellen für Appimages sind folgende: https://github.com/AppImage/AppImageKit/wiki/AppImages: Diese Liste wurde zwar inzwischen durch https://appimage.github.io/apps/ ersetzt, ist aber einfacher und übersichtlicher als sein Nachfolger. Hier finden Sie namhafte Software wie Avidemux, Etcher, Gimp, Kdenlive, Krita, Openshot, Qupzilla, Scribus oder Xnview. Zum Download führt jeweils der Link „Releases“ neben dem Produktnamen und nachfolgend der Download-Link mit der Extension „.AppImage“ im Dateinamen.
https://bintray.com/probono/AppImages/ ist eine weitere große Fundgrube für Appimages unter anderem mit relativ aktuellen Browsern (Firefox, Chromium, Vivaldi) und viel Software-Prominenz wie Calibre, Clementine, Fritzing, Geany, Inkscape, Nightingale, Thunderbird, VLC, Wireshark. Nutzen Sie hier bei der jeweiligen Software den Link „Files“ und dort das Download-Angebot mit der Endung „.AppImage“. Hier lohnt es sich ferner, auf den Zeithinweis „Updated“ zu achten, um das möglichst aktuelle Image auszuwählen.
Ergänzend kann das kleinere Angebot auf https://www.linux-appimages.org/ besucht werden. Es führt aber aktuell nur in Einzelfällen über den Umfang der beiden bereits genannten Quellen hinaus.
Nach dem Download sollten Sie bei aller Portabilität des Pakets dieses in ein Verzeichnis verschieben, wo es dann voraussichtlich verbleiben wird. Das dient erstens der Ordnung und ist zweitens sogar notwendig, wenn Sie die spätere Option zur Systemintegration wahrnehmen wollen (siehe unten). Danach schalten Sie die Imagedatei ausführbar, entweder mit

chmod +x [name]

im Terminal oder über „Eigenschaften -> Zugriffsrechte“ im Dateimanager. Ab sofort ist die Software einsatzbereit. Beim ersten Start erscheint häufig die Abfrage „Would you like to integrate…“. Wenn Sie mit „Yes“ zustimmen, schreibt das Programm unter /usr/share/app-install/desktop seine .desktop-Datei. Dies führt dazu, dass es künftig im Startmenü oder Such-Dash des Systems auftaucht, außerdem im „Öffnen mit“-Dialog des Dateimanager, was die Verknüpfung mit Dateitypen erlaubt. Kurz: Das portable Programm ist damit praktisch wie eine echt installierte Software in das System integriert.
Beachten Sie ferner, dass die Image-Software selbst zwar „readonly“ ist, aber durchaus anpassungsfähig, da sie die Einstellungen im Home-Verzeichnis des Benutzers unter ~/.config/[Software], zum Teil auch direkt unter ~/.[Software] speichert. Das gewährleistet eine weitestgehend normale Nutzung. Ein Chromium-Appimage kann also durchaus Designs integrieren, eine Software wie Openshot kann wie gewohnt individuell eingerichtet werden.
Die „De-Installation“ ist natürlich ebenso einfach: Es genügt, die Appimage-Datei auf Dateiebene manuell zu löschen, gegebenenfalls auch noch den Konfigurationsordner unter ~/.config.
Da Appimages nicht update-fähig sind, sind sicherheitskritische Programme wie Browser und Mail nicht unbedingt erste Kandidaten. Einschlägig sind hingegen Tools wie Avidemux, Etcher, Krita, Openshot, Xnview, die man immer wieder mal und eventuell auf verschiedenen Linux-Systemen benötigt.

Theoretisch sind Appimages Update-fähig: Auf https://github.com/AppImage/AppImageUpdate/releases gibt es das Tool „AppImageUpdate“ – bei Redaktionsschluss AppImageUpdate-233-628bef8-x86_64.AppImage. Das Tool ist noch Beta und seinerseits ein Appimage. Nach dem Aufruf navigiert man im Dialog „Please choose an AppImage for updating“ zum fraglichen Appimage. Nach Doppelklick sucht das Tool nach Versions- und URL- Informationen im Image. Gibt es eine aktuellere Version, dann verbindet sich das Update-Tool mit der Seite des Entwicklers und lädt diese Version. Dabei sorgt eine Delta-Analyse für minimalen Download-Aufwand. Die ältere Version bleibt bestehen, kann aber natürlich gelöscht werden, wenn die neue Version problemlos läuft. Eine noch bequemere Integration in die Systemshell, die für Appimages ein Kontextmenü „Update“ anzeigt, ist noch nicht in allen Distributionen umgesetzt.

Unterm Strich ist AppImageUpdate eine sehr vielversprechende Technik, portable Linux-Programme aktuell zu halten. Leider haben viele Appimage-Entwickler die Update-Technik noch nicht auf dem Radar. Fehlen die nötigen Infos im Container, dann zeigt AppImageUpdate eine Fehlermeldung und den Rat, man solle den Entwickler informieren.

Appimages: Vorteile und Nachteile

+ universelles, Distributions-unabhängiges Format: Appimages laufen auf den allermeisten Linux-Distributionen

+ keine Installation, keine Paketabhängigkeiten

+ keine root-Rechte erforderlich, da keine Systemdateien berührt werden

+ eine Software = eine einzige Datei: läuft portabel aus jedem Ordner – auch von USB oder DVD

+ Appimages erlauben die Verwendung verschiedener Versionen nebeneinander

+ simple „De-Installation“ durch Löschen der Appimage-Datei

+ individuelle Einstellungen durch Konfigurationsdateien unter ~/.config/[Software] oder ~/.[Software]

+ optionale Systemintegration (Menü, „Öffnen mit“-Dialog) durch .desktop-Datei

– Appimages sind readonly. Für Updates ist eine besondere Technik erforderlich (siehe oben das Tool „AppImageUpdate“).

– Appimage bieten keine Sandbox-Isolation

– Appimages stammen ohne Drittkontrolle direkt vom Software-Entwickler

Der Clementine-Player ist nur als Appimage präsent, aber dennoch über die Gnome-Suche erreichbar. Dafür sorgt die beim Erststart erstellte .desktop-Datei.

Linux-Hürden für Umsteiger

Linux ist anders als Windows. Wer bisherigen Windows-Nutzern allein mit der Wahl des richtigen Linux ein Quasi-Windows verspricht, unterschlägt strategische und technische Hürden. Das Wichtigste bespricht dieser Beitrag.

Aufmacher_WinLin

Da es hier um Linux für Windows-Umsteiger geht, geht es logischerweise um Desktopsysteme für PCs und Notebooks. Die großartigen Möglichkeiten, die Linux (und zwar nur Linux) auf kleinen Servern eröffnet, bleiben komplett außen vor. Klipp und klar: Linux kann Windows auf dem Desktop ersetzen – aber nicht überall und nicht immer ohne Hindernisse.

1. Die Vielfalt der Distributionen

Für Windows-Umsteiger ist der artenreiche Linux-Zoo undurchsichtig: Es gibt eine dreistellige Anzahl von Linux-Varianten (http://distrowatch.com). Empfehlungen mit dem Motto „Das beste Linux für Windows-Umsteiger“ sind nicht verkehrt, aber zu relativieren. Solche Aussagen insinuieren, dass die Wahl des richtigen Systems alle Umstiegsprobleme aus dem Weg räumte. Richtig ist, dass manche Distributionen für Einsteiger überhaupt nicht in Betracht kommen, weil Installation, Konfiguration, Oberfläche oder alles zusammen unzumutbare Anforderungen stellen würden. Richtig ist ferner, dass Windows-Umsteiger sich nicht auf Linux-Exoten einlassen sollten: Die Nachhaltigkeit solcher Projekte ist ungewiss, und eine heute hochgelobte Neuerscheinung kann zwei Jahre später eingestellt sein.

Dieser Artikel ist keine Distributionsberatung. Wir begnügen uns hier mit der pauschalen Empfehlung für Debian/Ubuntu-basierte Distributionen (Debian, Ubuntu, Kubuntu, Ubuntu Mate, Xubuntu, Lubuntu, Linux Mint). Diese garantieren Nachhaltigkeit und lange Supportzeiträume. Der Installer aller Ubuntu-Varianten inklusive Linux Mint ist das Komfortabelste, was unter Linux anzutreffen ist, und auch der Debian-Installer ist Einsteiger-tauglich. Unter den Bedienkonzepten dieser Systeme kommt Linux Mint mit dem Cinnamon-Desktop den Gewohnheiten eines Windows-Nutzers am meisten entgegen. Die Ubuntu-Spielarten Ubuntu und Kubuntu erfordern mehr Gewöhnung, sind aber wie Ubuntu Mate, Xubuntu und Lubuntu schnell „habituiert“.

Ubuntu mit Gnome: Der innovative Desktop ist auf einfache Bedienung mit Windows-Taste und wenigen Mausklicks ausgelegt. Beste konservative Alternative ist Linux Mint mit Cinnamon.
2. Die Vielfalt der Desktop-Oberflächen

Punkt 1 hat es schon angesprochen: Zur Vielzahl der Linux-Distributionen kommt eine weitere, für Windows-Nutzer verwirrende Diversifizierung: Populäre Systeme wie Debian, Ubuntu und Linux Mint bieten für denselben Systemunterbau mehrere Desktop-Umgebungen an (Oberflächen), und die Wahl der Oberfläche ist mehr als nur eine Geschmacksfrage: Sie bestimmt maßgeblich die Konfigurierbarkeit und Anpassungsfähigkeit des Systems, die mitgelieferte Standardsoftware und den Ressourcenverbrauch.

Die wichtigsten Desktops sind die Schwergewichte KDE und Gnome 3 sowie die Leichtgewichte XFCE und LXDE (ideal für ältere Rechner). Cinnamon, Standardoberfläche von Linux Mint, und Mate sind wichtige Abspaltungen der älteren Gnome-2-Basis und führen dessen klassisches Bedienkonzept mit Systemleisten und Hauptmenü fort. Mate und Cinnamon, ebenso die sparsamen Oberflächen XFCE und LXDE für schwächere Hardware sind für Umsteiger leicht nachvollziehbar. KDE ist extrem anpassungsfreudig, aber auch relativ komplex, während Gnome 3 mit gewissen Parallelen zu Windows 10 ungewöhnlich, aber klar und simpel ausfällt. Es gibt neben den genannten eine Reihe weiterer Linux-Oberflächen mit exotischem Charme oder verblüffender Anspruchslosigkeit. Windows-Nutzer sollten davon besser Abstand halten.

Beachten Sie, dass einige Ubuntu-Distributionsnamen den benutzten Desktop anzeigen: Der Name „Kubuntu“ ist zu lesen als „Ubuntu mit KDE“, während Xubuntu“ und „Lubuntu“ als „Ubuntu mit XFCE bzw. LXDE“ aufzulösen ist. Das „Ubuntu“ ohne Zusatz meint die Hauptvariante mit Gnome-Desktop.

Sparsame Desktops: Distributionen mit XFCE und LXDE (im Bild Mint mit XFCE) laufen auch auf älterer Hardware mit wenig Speicher. Die Optik ist konservativ, aber nicht spartanisch.
3. Das Kriterium „Homogenität“

Windows ist Windows, und alles, was das System mitbringt, trägt die Microsoft-Handschrift. Linux ist der Systemkern – der Rest jedoch ist modular. Für Umsteiger ist es ein oft unterschätztes Problem, dass Oberfläche, Systemzubehör, Software nicht aus einer Hand sind. Der Nutzer muss mit unterschiedlicher Fehlertoleranz und Qualität rechnen: Die eine Komponente ist einsteigerfreundlich und warnt vor Fehlgriffen, die nächste erwartet hingegen einen Benutzer, der genau weiß, was er tut.

Wer als Umsteiger solches Gefälle vermeiden will, nimmt am besten ein Ubuntu oder Linux Mint und nutzt für die Systemverwaltung ausschließlich die Systemwerkzeuge, welche die Distribution mitbringt. Die vorinstallierten Systemtools populärer Distributionen sind hinsichtlich Zielgruppe und Qualität homogen und ausgereift.

Win 32 Disk Imager für 1:1-Kopien von ISO-Abbildern: Das Hilfsprogramm ist das technische Windows-Äquivalent des Linux-Tools dd. Wichtig ist die genaue Kontrolle des Ziellaufwerks.
4. Handarbeit mit ISO-Abbildern

Suche und Download einer Distribution sind kein Abenteuer, da eine Websuche nach einem populären System wie etwa „Kubuntu“ mühelos zur Projektseite und von dort zum ISO-Download führt. Das ISO-Abbild muss dann aber bootfähig auf DVD oder USB kopiert werden. Diese für Linux-User vertraute Prozedur ist für Windows-Nutzer keineswegs selbstverständlich.

Das einschlägige Windows-Werkzeug, um ISO-Abbilder auf CDs (ISO bis 700 MB) oder DVDs (ISO größer als 700 MB) zu brennen, ist das Tool Imgburn (auf Heft-DVD, Download unter http://imgburn.com). Wählen Sie hier die Option „Imagedatei auf Disc schreiben“. Der wichtigste Punkt des Folgedialogs ist links oben „Quelle“ mit dem kleinen Ordnersymbol, über das Sie dann zur ISO-Quelldatei navigieren. Bei eingelegtem Rohling wird dann die bunte Schaltfläche links unten aktiv, mit der Sie den Schreibvorgang auslösen.

Das beste Werkzeug, um unter Windows ISO-Abbilder auf USB oder SD-Karten zu kopieren, ist der Win 32 Disk Imager (auf Heft-DVD, Download unter http://sourceforge.net/projects/win32diskimager). Hier genügt es, die Quelldatei („Image File“) und das Zielgerät („Device“) anzugeben. Die Schaltfläche „Write“ startet den Kopiervorgang. Der Win 32 Disk Imager schreibt eine bitgenaue Rohkopie auf das Zielgerät und wird nur dann ein bootfähiges Medium erstellen, wenn das ISO-Abbild eine Bootumgebung enthält. Dies ist aber bei allen uns bekannten Abbildern der Fall.

Eine Alternative, um unter Windows ISO-Abbilder auf USB oder SD-Karten zu kopieren, ist Unetbootin (auf Heft-DVD, Download unter http://unetbootin.sourceforge.net). Hier wählen Sie im Dialog unten die Option „Abbild“ und navigieren mit der Schaltfläche „…“ zur gewünschten Datei. Nach Klick auf „Öffnen“ erscheint der komplette Pfadname im Eingabefeld. Danach wählen Sie neben „Typ“ die Option „USB-Laufwerk“, und neben „Laufwerk“ geben Sie den Laufwerksbuchstaben des USB-Sticks an. „OK“ startet den Kopiervorgang. Anders als der Win 32 Disk Imager schreibt Unetbootin seine eigene Bootumgebung auf das Zielmedium. Das Medium wird somit auch bootfähig, wenn das ISO-Abbild keine Bootumgebung beinhaltet. Andererseits funktioniert diese Bootumgebung aber nur für Ubuntu-basierte Distributionen.

5. Livesystem und Installationsmedium

Windows-Nutzer kennen eine Setup-DVD zur Systeminstallation, aber keine Livesysteme. Die ISO-Abbilder aller populären Linux-Desktop-Distributionen sind aber beides – Livesystem inklusive Installer. Das ist ein großzügiger Service, weil er das Ausprobieren eines Systems erlaubt und die tatsächliche Installation direkt aus dem laufenden Livesystem. Die weitreichenden Möglichkeiten, die ein Livesystem bietet, sind aber auch Anlass zu Missverständnissen: Ist ein ISO-Livesystem, das auf ein beschreibbares Medium (USB) kopiert wird, nicht genau dasselbe wie ein auf USB installiertes Linux? Nein! Livesysteme bleiben auch auf einem beschreibbaren Laufwerk unveränderlich, alle Änderungen gehen beim nächsten Shutdown wieder verloren. Wer Linux auf USB installieren will, muss die Installation genauso durchlaufen wie bei der Einrichtung auf interner Festplatte.

6. Hürden bei der Installation

Ein Linux-Setup fordert mehr Angaben als ein Windows-Setup, das im Kern nur die Zielpartition (sofern eine Auswahl besteht) und den Erstbenutzer abfragt. Erste Ursache dafür ist, dass Linux kein kommerzielles Lizenzmodell und keine Bindung an die Hardware kennt, daher beliebig oft und auch auf USB-Datenträger installiert werden kann. Ein zweiter Grund ist die Tatsache, dass der Bootloader auf einem beliebigen Datenträger gespeichert werden kann. Diese großzügigen Möglichkeiten sind komplexer als bei Windows und äußern sich notgedrungen auch in technischer Weise. Wenn die Partitionierung im Linux-Installer manuell erfolgt, gibt es eine weitere technische Hürde: Die meisten Distributionen wollen für die Speicherauslagerung eine extra Swap-Partition.

Ohne auf die unterschiedlichen Installer einzeln einzugehen, unter denen der Ubuntu/Mint-Installer „Ubiquity“ Komfortmaßstäbe setzt, gelten überall folgende Prinzipien:

  1. Linux benötigt wie Windows nicht unbedingt eine komplette Festplatte, aber eine eigene Partition. Verfügbare Partitionen wird der Installer in der Form „/dev/sd[x][n]“ anzeigen – etwa „/dev/sda1“. Es muss absolute Sicherheit herrschen, hier das richtige Laufwerk „[x]“ und die richtige Partition „[n]“ anzugeben, weil diese Partition komplett überschrieben wird. Wichtigste Orientierung bieten die Größenangaben für die Partitionen. Weitere Abfragen für eine Linux-Systempartition gelten dem Dateisystem („ext4“ empfohlen) und dem Einhängepunkt („/“ für das Wurzelverzeichnis).
  2. Für den Bootloader ist im Normalfall „/dev/sda“ vorgegeben. Das ist die erste interne Festplatte, so wie es auch Windows automatisch festlegt, und das ist in Ordnung, wenn Sie Linux auf eine interne Festplatte installieren. Bei Installation auf USB-Laufwerke müssen Sie hingegen als Bootloader-Ziel das Laufwerk angeben, wohin Sie auch das System installieren: Ist die Systempartition etwa „/dev/sdc1“, dann gehört der Bootloader auf das Gerät „/dev/sdc“. Wird dies übersehen, ist der USB-Stick nicht bootfähig.
  3. Je nach Installer kann das Einrichten der zusätzlichen Swap-Partition lästig bis unrealisierbar sein, da nicht jeder Installer ein Partitionierungswerkzeug anbietet. Einfachste Lösung ist es, auf die Swap-Partition zu verzichten. Jedoch lässt sich eine Festplatte auch vorab mit Gparted unter Linux oder mit der Windows-Datenträgerverwaltung so aufteilen, dass eine große Partition für das System und eine kleine (etwa 8 GB) für die Auslagerung entsteht. Die richtigen Dateisysteme – „ext4“ für das System, „swap“ für die Auslagerung kann dann später der Linux-Installer einrichten.

Bei Verwendung des Ubuntu-Installers werden Sie mit diesen technischen Fragen nur belästigt, wenn Sie unter „Installationsart“ die manuelle Einrichtung „Etwas Anderes“ wählen (etwa für ein Setup auf USB). Bei anderen Optionen  – Installation auf primäre Festplatte oder Dualboot neben Windows – übernimmt das Setup alles automatisch.

Ubuntu-Installer: Bei USB-Installationen müssen Sie Partitionen und Bootloader manuell einrichten (hier auf /dev/sdc). Die Einrichtung auf interne Festplatten verläuft vollautomatisch, sofern die vom Installer analysierte Situation zutrifft.
7. Unter Linux funktioniert nicht jede Hardware

Nicht jeder Hersteller hält es für nötig, Linux-Treiber für seine Hardware zu entwickeln. Resultat ist, dass dann dieses Gerät unter Linux schlicht nicht funktioniert. Kernkomponenten wie Sata, Ethernet, Grafikarte, Monitor, Maus, Tastatur sind nicht betroffen, wohl aber USB-Drucker, Scanner, WLAN-Adapter, TV-Sticks insbesondere von Billiganbietern. Die Chancen, anhand exakter Gerätekennungen und Chip-Revisionen doch noch Abhilfe im Web zu finden, sind begrenzt und gegebenenfalls für Umsteiger zu knifflig.

Keine Abhilfe, aber präventive Problemerkennung bieten die Livesysteme der Linux-Distributionen. Alles, was im Livesystem problemlos funktioniert, wird im selben System auch nach Installation auf Festplatte funktionieren. Ein Sonderfall sind brandneue Rechner mit aktuellsten Prozessoren: Hier ist es wichtig, ein Linux mit möglichst aktuellem Kernel zu verwenden, der den neuesten CPU-Entwicklungen bereits Rechnung trägt. Am Beispiel Ubuntu wäre in solchen Fällen die jüngste Version 17.10 (Kernel 4.13) der Langzeitversion 16.04.3 (Kernel 4.10) vorzuziehen.

8. Energiesparfunktionen unter Linux

Windows-Umsteiger müssen damit rechnen, dass sich der Akku desselben Notebooks unter Linux schneller entleert als unter Windows. Standardmäßig bietet Linux (Ubuntu: „Systemeinstellungen -> Leistung“, Mint: „Energieverwaltung“) fundamentale Stromspartechniken mit Timeouts für Bildschirm und Bereitschaftsmodus, jedoch bietet Windows hier in enger Absprache mit den Hardware-Herstellern filigranere Regeln. Immerhin ist eine Näherung an Windows-Verhältnisse mit spezialisierten Tools zu erreichen, die der Beitrag ab Seite [[502]] in diesem Heft erklärt.

Fundamentale Stromsparfunktionen: Die Akkulaufzeiten von Notebooks sind unter Linux kürzer. Die Basiseinstellungen des Systems können aber durch externe Tools ergänzt werden.
9. Fehlende Software und Spiele

Anpassungsfähige Windows-Umsteiger werden unter Linux für jedes Einsatzgebiet geeignete Software vorfinden. Wenn es aber statt Gimp oder Libre Office ganz bestimmte Microsoft- oder Adobe-Software sein muss, kann Linux nicht dienen. Wer aus beruflichen Gründen uneingeschränkte Kompatibilität mit Excel, Word, Indesign oder Photoshop benötigt, wird mit Linux mittelfristig nicht froh: Der durchaus realisierbare Austausch der Formate erfordert immer wieder lästige Korrekturen am Detail.

Auch die Erfolge, die das Projekt Wine mit dem Nachbau der Windows-API vorweisen kann (https://appdb.winehq.org/), fallen qualitativ sehr unterschiedlich aus: Dass hier genau die benötigte Version einer Windows-Software einen störungsfreien „Platinum“- oder „Gold“-Status erreicht, bleibt ein Glücksfall. Ferner bedeutet die Benutzung von Wine eine weitere Hürde: Die Einrichtung ist einfach, der produktive Umgang damit aber keineswegs trivial.

PC-Spiele? Trotz Anbindung an die Spielplattform Steam ist Linux in Konkurrenz zu Windows keine Gaming-Plattform. Das Angebot bleibt gegenüber Windows reduziert, und leistungstechnisch kann selbst das dedizierte Gaming-Linux Steam OS (http://store.steampowered.com/steamos/) ein Windows nicht schlagen.

10. Die Installation von Software (Paketmanagement)

Der Bezug von Software bedeutet für Umsteiger eine große Umstellung. Linux bezieht seine Software aus den Paketquellen der jeweiligen Linux-Distribution. Die Softwarepakete sind signiert und garantiert virenfrei – ein unschätzbarer Vorteil gegenüber Windows. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, ein komplettes System einschließlich Software mit einem einzigen Befehl zu aktualisieren (sudo apt dist-upgrade).

Auf der anderen Seite sehen Windows-Nutzer, die es gewöhnt sind, sich aus dem gesamten Web zu bedienen, auch Nachteile: Was die Distributions-Paketquellen bereitstellen, ist hinsichtlich Umfang und Aktualität begrenzt. Die Debian/Ubuntu-Repositories sind quantitativ zwar sehr gut gefüllt, doch stagnieren hier oft die Programmversionen während des Lebenszyklus einer Distribution. Wer nicht selbst den Quellcode kompilieren will, bleibt oft auf ältere Versionen beschränkt.

Dieses strikte Software-Deployment ist allerdings längst aufgeweicht. Programmentwickler können ihre Software auf einem PPA (Personal Package Archive) anbieten. Wenn der Anwender solche PPAs etwa mit apt-add-repository ppa:libreoffice/ppa (Beispiel für Libre Office) in seine Standardpaketquellen aufnimmt, kann er das Software-Angebot erweitern oder aktueller halten.

Zusätzlich zu den PPAs kommen zunehmend Programme in Container-Paketen in Mode (Snap, Flatpak, Appimage). Solche Pakete bringen alle benötigten Systembibliotheken mit und sind somit Distributions-unabhängig, ohne Installation lauffähig und portabel.

Jenseits der offiziellen Software-Quellen: PPAs (Personal Package Archives) für Ubuntu und Mint erweitern oder aktualisieren den Software-Bestand der Distributionspaketquellen.
11. Software-Verwaltung: Grafische Tools oder Terminal

Der Komplex der Paketverwaltung unter Ubuntu (und ähnlich Linux Mint) ist für Umsteiger gewöhnungsbedürftig, da er sich auf drei grafische Werkzeuge aufteilt. Was Ubuntu als Softwarequellen nutzt, ist unter „Systemeinstellungen -> Anwendungen & Aktualisierungen“ einstellbar. Aktives Aktualisieren findet aber nicht in diesem Tool statt, sondern in der „Aktualisierungsverwaltung“. Für Neu- oder De-Installationen ist wiederum das Tool „Ubuntu Software“ zuständig, das allerdings nur einen Bruchteil der etwa 40000 Pakete der Ubuntu-Repositories anbietet.

Umsteiger, die mit der Kommandozeile nicht gänzlich auf Kriegsfuß stehen, sind mit apt-Befehlen im Terminal oft besser beraten, wo sich alles zentral an einem Ort erledigen lässt. Eine Handvoll Kommandos genügt für fundamentale Aufgaben (weitere Optionen zeigt der Kasten „Software, Updates, Upgrades“). Der Befehl

sudo  apt  install  vlc

installiert eine Software, dessen Paketnamen Sie kennen (im Beispiel der VLC-Player). Wenn Sie einen Paketnamen nicht kennen, hilft apt-cache, das auch nach Beschreibungen filtern kann:

apt-cache search  dateimanager

Für das Deinstallieren genügt ein remove-Kommando:

sudo apt remove vlc

Achtung: Das De-Installieren von Programmen ist unter Linux vollständiger als vom Windows-Nutzer gewohnt. Wenn Sie im jeweiligen Software-Center oder im Terminal mit sudo apt remove […] ein Programmpaket entfernen, berücksichtigt Linux alle verzeichneten abhängigen Pakete. Im Extremfall kann eine kleine Desktop-Komponente, die aber integraler Teil der grafischen Oberfläche ist, den kompletten Desktop de-installieren. Dies geschieht aber nach Anzeige der entsprechenden Paketliste und einer Rückfrage. Wenn der Löschauftrag eine Liste von abhängigen Paketen meldet, sollten Sie den Auftrag abbrechen.

Vorsicht mit abhängigen Paketen beim De-Installieren: Das Beispiel zeigt Libre Office Draw, das sich nicht deinstallieren lässt, ohne das komplette Office-Paket mitzuziehen.
12. Updates und Upgrades

Windows hat seinen monatlichen Patchday, an dem es optional auch Microsoft-Anwendungssoftware aktualisiert (Office). Die komplette restliche Software benötigt allerdings ihre je eigenen Updates. Bei Linux genügt hingegen ein Befehl (sudo apt dist-upgrade) oder ein Klick auf die automatisch erscheinende Meldung der „Aktualisierungsverwaltung“ für ein Komplett-Update inklusive Software.

Heikler als Updates sind Upgrades. Bei Ubuntu sind Upgrades auf die jeweils nächste Version vorgesehen. Sie können also von 17.04. auf 17.10 wechseln oder demnächst von der LTS-Version 16.04 auf 18.04 LTS. Sobald ein Upgrade verfügbar ist, meldet sich die Aktualisierungsverwaltung automatisch. Sie müssen dann nur auf „System aktualisieren“ klicken und den weiteren Anweisungen folgen. Wenn Sie das Angebot aus Zeitmangel zunächst ablehnen, können Sie die Option später über die „Aktualisierungsverwaltung“ nachholen.

Der Terminalbefehl für ein Upgrade lautet

sudo do-release-upgrade

und sollte durch eine normale Systemaktualisierung mit

sudo apt update
sudo apt dist-upgrade

vorbereitet werden.

Linux Mint zeigt in der „Aktualisierungsverwaltung“ im Menü „Bearbeiten“ die Option „System aktualisieren auf Linux Mint xx.x“, sobald ein jüngere Version erhältlich ist. Bevor man das tut, ist es ratsam, das System erst auf den neuesten Stand zu bringen (wie bei Ubuntu).

Sollte ein Upgrade wegen eines Abhängigkeitsfehlers abbrechen, nutzen Sie diese beiden Befehle:

sudo apt -f install
sudo apt dist-upgrade

Achtung: System-Upgrades sind ein langwieriger und kritischer Vorgang. Viele Distributionen bieten das Upgrade daher gar nicht erst an. Ubuntu und Linux Mint haben den Vorgang aber nach unserer Erfahrung gut im Griff. Ärgerlich sind Upgrade-Angebote, die überwiegend scheitern und am Ende doch eine Neuinstallation erfordern (wie etwa beim NAS-System OMV).

Exkurs: Software – Updates – Upgrades

Aus Gründen, die der Haupttext darlegt, ist der Komplex der Paketverwaltung im Terminal am besten aufgehoben. Das Tool apt (Advanced Package Tool) ist das Terminal-Werkzeug unter Debian/Ubuntu/Mint für alle Aufgaben der Paketverwaltung (Software-Quellen, Aktualisierung, Neu- und De-Installation). Alle Befehle außer apt-cache search benötigen root-Recht (vorangestelltes sudo):

apt update
Software-Paketquellen aktualisieren (fundamental)

apt upgrade [Paket]
komplettes System [oder bestimmte Software] aktualisieren

apt full-upgrade 
komplette Aktualisierung des Systems (inkl. Löschen alter Pakete)

apt install [Paket]
Programm installieren

apt remove [Paket]
Programm deinstallieren

apt purge [Paket] 
Programm komplett löschen

apt autoremove
nach Deinstallationen überflüssige gewordene Pakete löschen

apt-add-repository [Quelle]
externe Software-Paketquelle erlauben

apt-cache search [Name]
sucht nach Paketnamen und Beschreibungen

do-release-upgrade
Upgrade auf nächsthöhere Version

13. „sudo“ und Administratorrechte

Die Verhältnisse zwischen Standard- und Administrator/root-Konto sind unter Linux und Windows ähnlich, aber der bedarfsweise Wechsel von eingeschränkten Benutzerrechten zu uneingeschränkten root-Rechten folgt anderen Regeln. Möglich ist dieser Wechsel bei Windows wie Linux nur Systemkonten, die zur Gruppe der Administratoren gehören. Während Windows nur einen „Ja“-Klick auf die Abfrage der „Benutzerkontensteuerung“ verlangt, fordert Linux die Eingabe des Benutzerkennworts. Diese Abfrage an der grafischen Oberfläche erscheint bei allen systemnahen Aktionen (Installation, Paketquellen, Benutzerkonten, Aktualisierungsverwaltung). Im Terminal kann dem eigentlichen Befehl sudo vorangestellt werden, um dem Befehl root-Recht zu verleihen. Auch hier fordert Linux die Eingabe des Benutzerkennworts.

Die Erlaubnis, mit sudo den Rechtekontext zu wechseln, erhält normalerweise jedes Benutzerkonto vom Typ „Administrator“ automatisch. Es ist aber darüber hinaus möglich, sudo-Erlaubnis über die Konfigurationsdatei „/etc/sudoers“ manuell und individuell einzurichten.

Im grafischen Dateimanager sind alle Schreibaktionen wie „Ordner anlegen“ oder „Löschen“ inaktiv, wenn man sich jenseits von /home, /tmp oder /media aufhält. Jedoch bieten Desktopsysteme wie Ubuntu und Mint das Kontextmenü „Als Systemverwalter öffnen“, um im Dateimanager uneingeschränkt mit root-Recht zu arbeiten. Wenn ein Dateimanager diese Option nicht selbst anbietet, können Sie ihn im Terminal mit vorangestellten sudo starten – also etwa sudo nautilus, um root-Recht zu erzwingen.

Kontextmenü für Administrator-Recht: Die Dateimanager von Ubuntu und Mint machen es einfach, Ordner oder Dateien zu bearbeiten, die den Wechsel zu root-Rechten erfordern.
14. Die lokalen Dateirechte

Das Thema Dateibesitz und Dateirechte ist unter Windows wie Linux kompliziert und Ursache für manche Zugriffsprobleme, zumal auch Netzfreigaben für einen User „xyz“ mindestens auch lokale Leserechte für „xyz“ voraussetzen. Linux-Einsteiger können nichts Klügeres machen, als manuelle Rechteänderungen möglichst zu vermeiden. Dabei helfen Ubuntu-Systeme inklusive Linux Mint mit Dateimanagern, die lokale Datenträger und Netzwerklaufwerke automatisch (Automount) so ins Dateisystem mounten, dass keine Rechtekonflikte entstehen. Die typische Nutzung von Netzressourcen über „Netzwerk durchsuchen“, Klick auf den gewünschten Server und dessen Freigabe, lädt die Netzfreigabe automatisch in einen Mountpunkt, der keine lokalen root-Rechte benötigt. Im Hintergrund arbeitet bei allen Gnome-affinen Desktops das Tool gvfs-mount, das auch im Terminal benutzt werden kann und stets in den Pfad „/run/user/[user-id]/gvfs/“ mountet. Dieses Automount geht Rechteproblemen aus dem Weg und hat nur den Nachteil, dass es nicht dauerhaft gilt: Es muss einmal in der laufenden Linux-Sitzung geschehen und gilt bis zur Abmeldung.

Bei typischen Zugriffsproblemen, wo statt dem normalen User nur root die nötigen Dateirechte besitzt, ist daher die richtige Antwort eine andere Mount-Methode – und nicht das rekursive Ändern massenhafter Dateirechte. Dennoch ist das im Notfall natürlich möglich. Dateimanager eignen sich über „Eigenschaften -> Zugriffsrechte“ nur für einzelne Ordner und Dateien. Der Terminalbefehl chown („change ownership“) ändert den Besitzer und arbeitet sich mit Schalter „-R“ auch rekursiv durch ganze Ordnerebenen:

sudo chown -R [Benutzer] [Pfad]

Zum Ändern der Rechte dient der Befehl chmod – mit leider zwei Beschränkungen. Er arbeitet nicht rekursiv, was sich mit Hilfe des find-Befehls kompensieren lässt. Chmod unterscheidet aber auch nicht zwischen Dateien und Ordnern. Wenn man Dateien und Ordnern dieselben Zugriffsrechte zuteilt, führt das zu dem Dilemma, dass sich entweder Ordner nicht öffnen lassen oder Dateien allesamt das „Ausführen“-Recht erhalten. Beides wäre fehlerhaft. Daher sind zwei Befehle notwendig:

find . -type f -exec chmod 664 {} \;
find . -type d -exec chmod 775 {} \;

„type f“ bearbeitet nur Dateien, „type d“ nur Ordner. Die Beispielbefehle würden ab dem aktuellen Verzeichnis (Punkt „.“) alle Unterordner verarbeiten.

Eine Rechteänderung, die jeder Linux-Nutzer kennen muss, betrifft das „Ausführen“-Bit von Scripts, das sich über „Eigenschaften -> Zugriffsrechte“ oder mit

chmod +x [Dateiname]

setzen lässt. Ohne dieses Bit gelten Scripts als Textdatei und werden nur angezeigt statt ausgeführt.

Ausführen-Bit setzen: Scripts werden erst ausführbar, wenn das Execute-Bit gesetzt ist. Das erledigt der Dateimanager oder auch chmod +x [name] im Terminal.
15. Automount von Netzwerk-Ressourcen

Beim erstmaligen Mounten von Samba-Freigaben im Dateimanager (siehe Punkt 14) muss sich der zugreifende Benutzer ausweisen und Samba-Kontonamen und -Kennwort eingeben. Diese Zugangsdaten können auf Wunsch dauerhaft hinterlegt werden („Nie vergessen“). Zusätzlich – und für Windows-Umsteiger ungewohnt – wird hier die „Domäne“ abgefragt. Im lokalen Netzwerk verwenden Sie hier wahlweise den Rechnernamen des Servers wie „raspberry“ oder „fritz-nas“ oder die Arbeitsgruppe, typischerweise „workgroup“, sofern keine explizit angelegt wurde.

Eine weitere Hürde für Windows-Nutzer ist der relativ abgelegene Automount-Pfad von Netzwerkfreigaben unter „/run/user/[…]/gvfs/“. Im Dateimanager, wo eingehängte Ressourcen unter „Geräte“ mit einem Klick erreichbar sind, spielt dieser Mountpunkt keine Rolle, bei der Nutzung anderer Programme oder des Terminals hingegen schon. Wird nun versucht, mit einem manuellen mount-Befehl ein Netzlaufwerk in einen angenehmeren User-Pfad einzubinden, dann stellt sich das Problem, dass der mount-Befehl root-Rechte erfordert, was dann unweigerlich zu Rechteproblemen im Mount-Ordner führt. Hier hilft nur ein Eingriff in eine Konfigurationsdatei, hier in die „/etc/fstab“ (Beispiel):

//192.168.178.20/archiv   /home/ha/Archiv   cifs user=ha,password=0815,domain=raspi,users  0  0

Die Freigabe wird dann automatisch bei der Systemanmeldung eingehängt. Die Option „users“ sorgt dafür, dass man die Freigabe außerdem mit User-Rechten ein- und aushängen darf. Die Befehle

mount /home/ha/Archiv
umount /home/ha/Archiv

funktionieren dann ohne root-Recht und benötigen nur den Mountpunkt als Parameter.

Netzwerk-Authentifizierung mit „Domäne“: Diese Abfrage beantworten Sie am einfachsten mit dem Rechnernamen des Servers, der die Freigabe bereitstellt.
16. Netz-Protokolle und Anwendungssoftware

Die Dateimanager Nautilus, Nemo, Dolphin, Caja prominenter Desktopsysteme beherrschen den Umgang mit diversen Netzwerkprotokollen – neben Samba (smb://) und FTP (ftp://) auch SSH (sftp://) oder Webdav (webdav://). Solche Netzadressen zeigt der Dateimanager, wenn Sie über „Netzwerk durchsuchen“ einen Datenserver anklicken, Adressen wie „smb://raspberry/“ können Sie aber auch direkt in die Adresszeile des Dateimanagers eingeben.

Für Einsteiger irritierend ist die Tatsache, dass ein solcher Netzwerkpfad zwar im Dateimanager ans Ziel führt, im Terminal oder einer Anwendungssoftware jedoch scheitert. Einfacher Grund ist, dass diese Programme die Protokolle nicht beherrschen: Sie erwarten, dass solche Netzressourcen in das lokale Dateisystem eingehängt wurden, und arbeiten nur über diesen lokalen Mountpfad. Also – zunächst im Dateimanager mounten, erst danach in der Software nutzen!

17. Übersicht über sämtliche Laufwerke

Der Windows-Explorer zeigt interne und externe Laufwerke mit allen Partitionen auf oberster Ebene an. Viele Linux-Umsteiger vermissen diese Ebene, die von dort ein Herabsteigen in die Verzeichnisebenen gestattet. Der Einstieg über das Wurzelverzeichnis („/“) des Dateisystems ermöglicht dies nicht, da Laufwerke oder Netzfreigaben in beliebigen Verzeichnissen eingehängt sein können. Jedoch bietet die Navigationsleiste in den Dateimanagern eine solche Übersicht: Unter „Geräte“ sind dort üblicherweise alle Partitionen aufgelistet. Wer zusätzlich eine Übersicht der Laufwerke im Hauptfenster sehen will, kann in das Adressfeld des Dateimanagers „computer:///“ eingeben und diese Laufwerkübersicht mit Strg-D („Lesezeichen -> Lesezeichen hinzufügen“) dauerhaft in der Navigationsspalte ablegen. Bei manchen Dateimanagern ist dieser Eintrag „Rechner“ standardmäßig vorhanden.

18. Die Laufwerksbezeichnungen /dev/sd[x][n]

Unter Windows dienen aufsteigende Buchstaben als Kennung für Datenträger. Aus historischen Gründen beginnt das Alphabet bei „C“, da „A“ und „B“ ungenutzt weiterbestehen (ehemals Diskettenlaufwerke). Linux ist hier eigentlich klarer, dennoch sind die Kennungen ein häufiges Problem für Umsteiger. Laufwerke und Partitionen eindeutig zu bestimmen, ist aber fundamental bei der Installation oder beim Schreiben von ISO-Abbildern.

Eine Kennung wie /dev/sda1 beginnt mit /dev/ für „Device“, „sd“ kennzeichnet die Schnittstelle „Sata Device“ (seltener sind „sc“ für SCSI-Device oder „m“ für RAID). Wichtig wird es danach: „a“ bedeutet die erste interne Festplatte, „b“ die zweite oder – falls nicht vorhanden – bereits das erste externe USB-Laufwerk. Die abschließende Zahl ist die Partitionsangabe.

Die Kennungen sind über grafische Werkzeuge wie „Laufwerke“ (gnome-disks) oder Gparted zu ermitteln. Eine schnelle Übersicht bietet der Terminalbefehl lsblk, der sich optional mit Output-Parametern („-o“)

lsblk -o name,type,label,size,mountpoint,fstype

gesprächiger schalten lässt.

Wichtig vor Installationen oder Kopieren von ISO-Abbildern: lsblk im Terminal liefert einen schnellen Überblick über alle Partitionen – rechts das Systemtool gnome-disks („Laufwerke“).
19. Groß-/Kleinschreibung und Sonderzeichen

Unter Windows spielt die Schreibung weder bei Dateinamen noch bei Befehlen und Schaltern eine Rolle. „DIR“ ist dasselbe wie „dir“ oder „diR“. Unter Linux ist genaue Schreibung hingegen zwingend: Den Befehl „LSBLK“ gibt es nicht, und ein Schalter „-X“ bedeutet etwas anderes als „-x“. Folgerichtig können auch Dateiobjekte wie „Musik“, „musik“ und „MUSIK“ nebeneinander existieren.

Nonchalant verhält sich Linux hingegen bei Sonderzeichen in Datei- und Ordnernamen. Die Sortierung von Ordnern und Dateien im Dateimanager wie im Terminal fällt bei Verwendung von Sonderzeichen deutlich anders aus. Während Windows einen Ordner „_Start“ vor allen Ordner mit alphanumerischen Startzeichen einsortiert, ignoriert Linux das Sonderzeichen und ordnet ihn unter „S“ ein. Zum echten Problem beim Datenaustausch zwischen Linux und Windows können Sonderzeichen in Dateinamen werden, da Linux mehr Sonderzeichen erlaubt als Windows. So können Linux-Dateinamen auch Doppelpunkt, Fragezeichen, Asterisk (*) oder Backslash enthalten.

20. Abmelden – Shutdown – Bereitschaft

Unter Windows 10 führt ein Rechtsklick auf das Hauptmenü zum Punkt „Herunterfahren oder abmelden“. Der Klickweg ist nicht intuitiv, aber immerhin ist hier alles an Ort und Stelle. Unter Linux handhaben die Desktop-Oberflächen das jeweils eigen: Unter Linux Mint sind alle Abschaltfunktionen wie Abmelden, Ausschalten, Neustart oder Bereitschaft im Hauptmenü versammelt – übersichtlich und leicht zu finden. Andere Linux-Desktops wie etwa Gnome folgen der technischen Logik und trennen die echten Abschaltfunktionen von jenen der Benutzer-Session. Hinter dem typischen Abschaltsymbol gibt es daher nur Shutdown und Neustart, während die Abmeldung oder die Bildschirmsperre unter dem Kontonamen zu finden sind.

Alle Abschalt-Optionen an Ort und Stelle: Das Menü von Linux Mint versammelt Abmeldung und Shutdown-Varianten übersichtlich an zentraler Stelle.

Linux-Systemtools in der Praxis

Um ein Linux-System zu beherrschen, greifen die Klicks in den „Systemeinstellungen“ zu kurz. Lesen Sie hier, wo Sie Systeminfos einholen, Protokolle und Konfiguration abgreifen, über User, Rechte und Tasks herrschen und Ihre Datenträger verwalten.

Systemtools

Wie viel Speicher steckt im Rechner? Sind noch Bänke frei? Wo ist die Konfigurationsdatei für den Samba-Server? Wie beende ich ein eingefrorenes Programmfenster? Und wo ist das Mount-Verzeichnis für das eingehängte Netzlaufwerk? Diese und viele weitere Fragen soll der folgende Beitrag praxisnah beantworten. Dabei kommen prominenteste grafische Programme unter den Desktop-Systemen Ubuntu und Linux Mint zu Wort, aber den größeren Anteil erhalten die typischen Terminalprogramme. Diese haben nämlich zwei entscheidende Vorteile: Erstens funktionieren sie auf allen Linux-Distributionen, zweitens sind sie alternativlos, wenn ein Server per SSH im Terminal administriert wird.

Alle Themen zu Netzwerk, Freigaben, Fernwartung, Internet bleiben außen vor. Einzige kleine Ausnahme sind Tipps zum Mountpunkt von Netzressourcen. Ein vergleichbares Praxis-Special zum Thema „Netzwerk“ ist für die nächste LinuxWelt geplant.

Hardware- und Systeminfos (1): Grafische Werkzeuge

Ubuntu gibt an der grafischen Oberfläche wenig über Hardware und System preis: Was hier unter „Systemeinstellungen -> Informationen“ angezeigt wird, kommt über Gesamtspeicher, CPU und die Angabe der Ubuntu-Version nicht hinaus. Wer ein grafisches Übersichtsprogramm vermisst, kann mit

sudo apt-get install hardinfo

ein bewährtes Tool nachinstallieren. hardinfo nennt sich auf deutschem System „System Profiler und Benchmark“ und ist unter Linux Mint standardmäßig an Bord (im Menü unter den „Systemtools“). Das Tool hat links eine Kategorienspalte, zeigt im rechten Fenster die zugehörigen Werte und generiert auf Wunsch auch einen HTML-Export. Hardinfo ist übersichtlich, klickfreundlich und zeigt wesentliche Infos – auch zum Betriebssystem, zum Dateisystem und zum Netzwerk. Außerdem gibt es einige Standardbenchmarks.

Ein weiteres empfehlenswertes grafisches Tool ist i-nex 0.5.2, das Sie unter https://launchpad.net/i-nex als DEB-Paket erhalten und mit Doppelklick unter Ubuntu/Mint installieren und danach verwenden können. Das Programm ähnelt CPU-Z für Windows, ist übersichtlicher und präziser als hardinfo, beschränkt sich aber ausschließlich auf die Hardware-Komponenten.

Empfehlung für Deskop-Nutzer: „System Profiler und Benchmark“ (hardinfo) hat ein umfassendes Repertoire zur Recherche der System-, Hardware- und Netzwerk-Eigenschaften.
Ganz auf Hardware spezialisiert: i-nex ist das übersichtlichste und präziseste grafische Werkzeug zur Hardware-seitigen Rechner-Inventur.

Hardware- und Systeminfos (2): Terminal-Werkzeuge

Die meisten grafischen Tools gießen nur die Ausgabe von Konsolen-Kommandos in eine hübschere grafische Form. Daher suchen und filtern Sie die gewünschten Daten letztlich zielsicherer, wenn Sie sich mit Konsolenwerkzeuge wie dmidecode, hwinfo und dmesg anfreunden und häufiger benötigte Infos als Script oder als Alias-Abkürzungen für das Terminal ablegen.

hwinfo: Das Tool ist meistens nicht Standard, aber über den gleichnamigen Paketnamen überall schnell nachinstalliert. Während

hwinfo --short

nur einen knappen Überblick über CPU, Grafikkarte, Festplatten, Netzwerk-Adapter und Festplatten-Controller verschafft, sammelt hwinfo ohne Parameter einen sehr umfangreichen Hardware-Bericht, der dann allerdings kaum mehr lesbar erscheint. Daher gibt es eine Vielzahl von (kombinierbaren) Schlüsselwörtern, um die Recherche einzugrenzen:

hwinfo --disk --partition

Die insgesamt 50 verfügbaren Kategorien zeigt das Tool nach hwinfo –help an.

Sämtliche USB-Geräte und PCI-Ports können auch die spezialisierten Standardtools lspci und lsusb, wobei Sie die Gesprächigkeit der Ausgabe durch die Parameter „-v“ und „-vv“ erhöhen können.

dmidecode: Nicht ganz so ausführlich wie hwinfo, aber für alle prakitschen Zwecke ausreichend arbeitet dmidecode, das root-Rechte oder vorangestelltes sudo benötigt. dmidecode unterstützt nach dmidecode -t einige Schlüsselwörter wie „bios“, „system“, „baseboard“, „processor“, „memory“, erwartet aber normalerweise eine Kennziffer (siehe man dmidecode). Eine detaillierte Aufstellung der Speicherbestückung liefert dmidecode beispielsweise mit der Kennziffer „17“:

sudo dmidecode -t 17

Hier erhalten Sie für jedes „Memory Device“ eine exakte Info über Größe, Typ und Geschwindigkeit. dmidecode kann auch gezielt mehrere Infos abfragen:

sudo dmidecode -t 5,6,16,17

Dieses Beispiel entspräche diesem Befehl

sudo dmidecode -t memory

mit dem Schlüsselwort „memory“.

dmesg: Bei Boot- und Hardware-Problemen ist dmesg („driver message“) das einschlägige Tool. Es zeigt die Kernel-Meldungen der laufenden Sitzung. Die Hauptmenge des dmesg-Protokolls fallen naturgemäß beim Booten des Rechners an. Wenn Sie den ungefähren Zeitpunkt des Hardware-Problems kennen, lassen Sie sich mit Schalter „-T“ die exakte Zeit der Kernelmeldung ausgeben:

dmesg -T

Damit können Sie die Mehrzahl der Meldungen zeitlich ausfiltern. Bei reproduzierbaren Problemen hilft auch dmesg -c: Das löscht nämlich alle bisherigen Meldungen, und Sie können dann die problematische Aktion ausführen und anschließend noch einmal dmesg -T befragen. Die Interpretation der Meldung ist dann freilich ein weiteres Problem: Eventuell enthält diese einen Hinweis auf ein konkretes Gerät. Details müssen Sie aber in der Regel über das Web recherchieren.

Hardware- und Systeminfos (3): Das Tool inxi

Das Kommandozeilen-Tool inxi ist nicht so detailliert wie hwinfo oder dmidecode, aber eine kompakte und schnelle Info-Perle für den Blick aufs Wesentliche. Sie erhalten das Bash-Monster unter Ubuntu/Mint über die Paketquellen:

sudo apt-get install inxi

Wer die aktuellste Version haben will, kann das Installationspaket für Ubuntu und Co. auch mit

wget ftp://cathbard.com/binary/inxi*.deb

laden und das Deb-Paket dann per Doppelklick installieren. Die Terminal-Eingabe

inxi –v7 –c12

wirft alle wesentlichen Hardware-Infos aus. „-v7“ steht für maximale Gesprächigkeit, „-c12“ ist nur eine Farbcodierung zur besseren Lesbarkeit. Selbstverständlich kann inxi auch gezielt Einzelinfos abrufen, etwa inxi –S zur detaillierten Anzeige des Betriebssystems oder inxi –s zur Abfrage der Temperatursensoren. man inxi zeigt die ganze, nicht ganz triviale Schalterpalette des Tools.

Komprimierte Anzeige nach typischer Parameterkombination: Was inxi auf wenigen Zeilen an Infos anbietet, ist beeindruckend.

Zur Abfrage der CPU- und System-Temperatur nutzt inxi das Tool lm-sensors, das daher ergänzend installiert werden sollte:

sudo apt-get install lm_sensors

Danach konfigurieren Sie das Tool mit

sudo sensors-detect

ein, wobei Sie alle Fragen bejahen. Nach dem Scan nach vorhandenen Sensoren erhalten Sie dann durch die Eingabe sensors oder auch mit inxi die aktuellen Temperatur-Infos.

Ausgabe des Kommandos sensors: Das Tool nennt auch gleich kritische Vergleichswerte, so dass Sie die aktuellen Werte beurteilen können.

inxi durch Aliases vereinfachen: Das Tool inxi hat annähernd 100 Schalter zur Auswahl bestimmter Infos und ihrer Darstellung (siehe inxi –help). Am einfachsten ist der Einsatz der Verbose-Level v0 bis v7, so etwa der Befehl inxi –v7 mit maximaler Gesprächigkeit innerhalb dieser Levels. Diese vereinfachenden Levels decken aber nicht das ganze Spektrum ab. So ist folgende Task-Analyse in diesen Levels gar nicht vorgesehen:

inxi –tc3 –tm3

Dies liefert die drei jeweils Ressourcen-intensivsten Tasks für CPU (c) und Speicher (m). Genauso wenig ist eine Anzeige der Repositories mit inxi –r in den Verbose-Level enthalten.

Wer mit einem Befehl noch mehr Infos abrufen will, kann dies mit einem Alias in der Datei ~/.bashrc erzielen, das mehrere inxi-Schalter kombiniert:

alias info='inxi -v7; echo " "; inxi -tm3; echo " "; inxi -tc3

Da inxi die Informationen äußerst komprimiert präsentiert, erzielen Sie ein besser lesbareres Resultat, wenn Sie mit einem Alias obigen Musters einzelne Infos abfragen und durch Leerzeilen trennen.

An dieser Stelle finden Sie ein Beispiel-Script ii.sh, das die Benutzung von inxi weiter vereinfacht. Es zeigt, wie Sie sich das Memorieren und Durchsuchen der zahlreichen inxi-Schalter ersparen und wie Sie außerdem weitere Informationen einbauen. Das Script ist am besten unter /usr/bin aufgehoben und benötigt das Execute-Flag (chmod +x ii.sh). Eine Alternative ist der Einbau als function in die versteckte Datei ~/.bashrc. Dazu ist der gesamte Code einfach zwischen

function ii ()
{
[Code]
}

zu kopieren.

Benutzung von inxi vereinfachen und erweitern: Ein einfaches Bash-Script nutzt inxi, sorgt aber für mehr Übersicht und zeigt Erweiterungsmöglichkeiten.

Hardware- und Systeminfos (4): Hardware Detection Tool (HDT)

Das Tool HDT (http://hdt-project.org/) verschafft einen umfassenden Überblick zur Hardware eines Computers, auf dem kein funktionierendes Betriebssystem installiert ist. HDT ist aber auch dann nützlich, wenn Sie mit dem installierten Betriebssystem nicht ausreichend vertraut sind, um damit schnell die erforderlichen Hardware-Informationen zu recherchieren.

Wählen Sie am besten den komfortableren „Menu Mode“. HDT zeigt alle Basisinformationen zur Hardware auf x86-kompatiblen Systemen an, unter anderem zu CPU, Hauptplatine, PCI-Karten, RAM-Speicher, DMI-Geräte, Soundchip, Festplatten und VESA-Fähigkeiten der Grafikkarte. Unter „Processor“ finden Sie auch sämtliche CPU-Extensions wie etwa die PAE-Fähigkeit (Physical Address Extension). Mit dem Eintrag „Reboot“ im textbasierten „Main Menu“ verlassen Sie das Tool und starten den Rechner neu.

Alle wichtigen Hardware-Infos mit HDT: Das Tool ist die schnellste Option einer Hardware-Inventur, wenn ein Betriebssystem fehlt oder dafür zu umständlich ist.

Verwaltung der User und Rechte

Der Kernel arbeitet mit numerischen User-IDs (UID) und Group-IDs (GID). Für die Übersetzung von Namen zu Nummern und umgekehrt sorgen die Konfigurationsdateien /etc/passwd (Benutzer) und /etc/group (Gruppen). So zeigt cat /etc/passwd alle Benutzerkonten einschließlich der impliziten Systemkonten. Eine Sortierung nach der User-ID mit

sort -t ":" -nk 3 /etc/passwd

macht die Liste übersichtlicher, da alle explizit eingerichteten Konten (Ids ab „1000“ aufwärts) ans Ende sortiert werden.

Desktop-Distributionen wie Ubuntu und Mint, aber auch NAS-Systeme wie Openmediavault bieten auch grafische Tools zur Benutzerverwaltung (Ubuntu: „Systemeinstellungen -> Benutzer“). Darauf verlassen kann man sich aber nicht. Der klassische Weg, neue Benutzer anzulegen, erfolgt mit daher root-Recht über diesen Befehl:

sudo useradd sepp

Das Home-Verzeichnis entsteht dabei automatisch. Die Dateien mit der Basis-Konfiguration im neu erstellen Home-Verzeichnis werden aus dem Vorlagenverzeichnis /etc/skel kopiert. Das neue Konto ist eröffnet, sobald mit

sudo passwd sepp

ein Kennwort hinterlegt ist. Löschen kann man Konten samt zugehörigen Ordner unter /home und dem Mail-Spool-Verzeichnis mit diesem Befehl:

userdel -r ich

Dateirechte rekursiv setzen: Um Zugriffsrechte für Dateien zu setzen, gibt es wieder die Wahl zwischen dem grafischen Dateimanager (Ubuntu: „Eigenschaften -> Zugriffsrechte -> Zugriff“) oder Terminalkommandos. Für rekursive Änderungen über ganze Verzeichnisse ist das Terminaltool chmod erste Wahl: Mit

chmod -R 777 ~/Dokumente

erlauben Sie allen Systemkonten die Rechte Lesen, Schreiben, Ausführen/Suchen für den Ordner „Dokumente“ inklusive aller enthaltenen Dateien und Ordner. Bei dieser numerischen Schreibweise gilt die erste Ziffer für das Konto, die zweite für die Gruppe, die dritte für alle anderen Konten. Nach dem Kommando

chmod -R 770 ~/Dokumente

hätten daher die andere Konten (dritte Stelle) keine Daterechte unter ~/Dokumente.

Zugriffsrechte: Über einen Dateimanager wie Nautilus ermitteln Sie, welche Rechte bei einer Datei oder einem Ordner gesetzt sind. Sie können die Berechtigungen hier auch ändern.

Systemprotokolle im Griff (1): Die Protokolldateien

Die Systemprotokolle sind unter „/var/log“ zu finden. Mit root-Rechten auf der Konsole können Sie diese mit den üblichen Kommando-Tools durchsuchen (cat, less oder tail). Beachten Sie dabei die Möglichkeit, gleich mehrere Dateien zu durchforsten und auf jüngste Einträge zu sichten (Beispiel):

tail -n20 auth.log syslog dpkg.log

auth.log protokolliert im Klartext und ausführlich alle Systemanmeldungen. Wer in aller Kürze die erfolgreichen und gescheiterten Log-ins kontrollieren will, kann sich zusätzlich an die Dateien „/var/log/wtmp“ (erfolgreich) und „/var/log/btmp“ (gescheitert) halten. Diese Dateien sind allerdings binär codiert und lassen sich am bequemsten mit last (erfolgreich) und lastb (gescheitert) auslesen:

last -200

lastb -200 root

Gezeigt werden hier jeweils die letzten 200 Anmeldungen, die sich – wie das zweite Beispiel zeigt – auch auf ein bestimmtes Konto filtern lassen.

syslog ist das Systemlogbuch und zeigt Ereignisse aller Art, die an den syslog-Daemon berichten – vorwiegend Kernel-, Hardware- und Cron-Ereignisse.

dpkp.log vermerkt alle manuellen (De-) Installationen und automatischen Updates. Ergänzend und in mancher Hinsicht übersichtlicher lohnt sich in diesem Zusammenhang auch der Blick in die Datei „/var/log/apt/history.log“.

Im Unterverzeichnis „/var/log/samba“ finden Sie für jedes zugreifende Netzgerät ein eigenes Protokoll – entweder mit Host-Namen oder lokaler IP-Adresse.

Die Webserver Apache und Nginx protokollieren unter /var/log/apache2 (oder ../nginx) in die Dateien access.log und error.log. Je nach Rechnerrolle sind auch diese Protokolle eine wichtige Infoquelle.

Systemprotokolle im Griff (1): Tools für Protokolldateien

Das grafische Standardprogramm „Systemprotokoll“ unter Ubuntu und Linux Mint (gnome-system-log) fasst immerhin vier wesentliche Protokolldateien in einem Fenster zusammen: Auth.log, Syslog, Dpkg.log, Xorg.0.log. Hübsch ist die Möglichkeit, bestimmte Ereignisse durch farbige Filter hervorzuheben und damit die Lesearbeit zu erleichtern. Diese Option ist recht unscheinbar in dem kleinen Zahnradsymbol rechts in der Titelleiste untergebracht („Filter -> Filter verwalten“).

Mehrere Dateien mit multitail im Blick: Der übliche Befehl zur Überwachung von Log-Dateien tail -f [Datei] zeigt die letzten Zeilen einer angegebenen Logdatei an und aktualisiert die Ausgabe in Echtzeit. Ein naher Verwandter von tail ist multitail, das in den Paketquellen der populären Linux-Distributionen zur Installation bereitsteht und mehrere Log-Dateien gleichzeitig und in Echtzeit anzeigt. Der Aufruf erfolgt einfach mit

sudo multitail [Datei1] [Datei2]

und der Angabe der gewünschten Dateien als Parameter. Vorangestelltes „sudo“ ist nur dann nötig, wenn nur root die Log-Datei lesen darf. Multitail teilt dazu das Konsolenfenster in mehrere Abschnitte auf, um alle angegebene Log-Dateien anzuzeigen. Praktisch ist  beispielsweise bei der Einrichtung von Webservern, um die Logs access.log und error.log im Auge zu behalten.

Ideal ist ein Script oder eine kleine Funktion, die immer das Wesentlichste einsammelt:

Echo Protokolle unter /var/log…
lastb
last -20
tail -20 /var/log/syslog
tail -20 /var/log/auth.log
tail /var/log/dpkg.log
tail /var/log/user.log
tail /var/log/apt/history.log

Ein solches Bashscript lässt sich mit einigen kommentierenden und abschnittsbildenden Echo-Befehlen natürlich noch lesbarer gliedern. Ein Grundgerüst finden Sie hier.

Konfigurationsdateien im Griff

Die meisten Konfigurationsdateien mit globaler Geltung liegen im Pfad „/etc“. Je nach Umfang erscheint die Datei dort als Einzeldatei wie etwa /etc/crontab oder in einem Unterverzeichnis wie /etc/samba/smb.conf, wenn die betreffende Software mehrere Konfigurationsdateien benötigt. Für die benutzerspezifische Konfiguration gibt es den Sammelordner unter ~/.config, also im Home-Verzeichnis.

Namen und Extensionen folgen keinen strengen Regeln: Manche Konfigurationsdateien tragen den Namen der betreffenden Software wie etwa „nginx.conf“ oder „vsftpd.conf“, andere heißen schlicht „ini“ oder „config“, und die Zuordnung zur Software erschließt sich durch einen Ordner wie „/mc/“ oder „/radicale/“, in dem sie liegen.

Das übliche Zeichen für Kommentare ist überall die Raute „#“. Es ist sehr zu empfehlen, eigene Eingriffe zu kommentieren, dies zweitens so, dass sich die eigenen Einträge von den Standardkommentaren unterscheiden. Möglich wäre etwa diese Form:

#ha# SSH-Standardport 22 geändert…

Dann erkennen Sie eigene Eingriffe sofort, auch wenn Sie die Datei monatelang nicht mehr angefasst haben.

In einfachen Fällen kann es genügen, für die wichtigsten Konfigurationsdateien einige Aliases in der Datei ~/.bashrc anzulegen, so etwa

alias ed1='nano /home/ha/.bashrc'

für das Editieren der bashrc selbst oder etwa

alias ed2='sudo nano /etc/ssh/sshd_config'

für das Ändern der SSH-Konfiguration.

Wer häufig mit diversen Dateien zugange ist, wird mit Alias-Abkürzungen schnell an seine Grenzen stoßen. Hier eignet sich ein kleines Shellscript, das alle wesentlichen Dateien anzeigt

echo " 0 /etc/ssh/sshd_config             SSH-Server"
echo " 1 …"

und dann mit

read -p " " answer
case $answer in
0) sudo nano /etc/ssh/sshd_config
1) …

die Auswahl mit Kennziffer oder Kennbuchstabe vorsieht. Das nebenstehende Bild zeigt, wie eine solche Config-Zentrale aussehen könnte. Das zugehörige Beispielscript config.sh finden Sie finden Sie hier. Die Pfade müssen an einigen Stellen angepasst werden und das Script muss über „Eigenschaften -> Zugriffsrechte“ ausführbar gemacht werden. Das Script bringen Sie am besten im home-Verzeichnis unter und spendieren ihm dann ein Alias

alias conf='sh ~/config.sh $1'

in der ~/bashrc. Dann können Sie Dateien noch schneller etwa mit „conf 1“ laden, deren Kennziffer Sie auswendig wissen.

Die nachfolgende Tabelle zeigt eine Anzahl prominenter Konfigurationsdateien inklusive Pfad.

Linux-Konfgurationsdateien

Selbst wenn Ihnen alle diese Dateien und Pfade geläufig sind, kann ein Script den Alltag vereinfachen: Ein für den betreffenden Pfad benötigtes „sudo“ ist schnell übersehen, und eine Sicherungskopie wäre nützlich gewesen, wenn man sich einmal schwer vergriffen hat.

Tipp: Wenn Sie erfahrungsgemäß gleichzeitig mehrere Konfigurationsdateien benötigen, dann können Sie alle gewünschten Dateien in den Editor Ihrer Wahl mit einem Befehl laden:

alias conf='sudo gedit ~/.bashrc /etc/inputrc /etc/rc.local'

Mit diesem Alias in ~/.bashrc lädt der Befehl conf alle genannten Konfigurationsdateien in gedit.

Config-Zentrale im Terminal: Wer sich die Mühe macht, ein kleines Script anzulegen, erreicht die meistgenutzten Konfigurationsdateien ohne lange Suche.

Datenträger (1): Dateimanager und Mountpunkte

Der Umgang mit internen Festplatten und Hotplug-Medien wie USB-Sticks oder DVDs ist auf jedem Desktop-Linux einfach. Sie schließen einen USB-Datenträger an oder legen eine DVD ein, und es erscheint umgehend ein Dateimanager-Fenster, das den Inhalt anzeigt, oder ein Dialog, der Zugriffsoptionen anbietet. Unter der Haube muss dabei jeder Datenträger oder auch eine Netzressource eingebunden werden (Automount) – standardmäßig unter /media. Die eingebundenen Datenträger sind in der Navigationsspalte des jeweiligen Dateimanagers unter „Mein Rechner“ oder unter „Geräte“ erreichbar sind. Wenn eingebundene Laufwerke nach dem ersten Hotplug erneut benötigt werden, empfiehlt sich daher der Gang zur Navigationsspalte des Dateimanagers. Im Terminal kann der Befehl

mount | grep /dev/sd

alle eingehängten Laufwerke und ihre Mountverzeichnisse anzeigen. grep ist nicht notwendig, filtert aber temporäre Dateisysteme weg. Für eine genauere Übersicht, die neben Gerätekennung, Mountpunkt und Label auch die eindeutige UUID anzeigt, sorgt der Befehl

blkid -o list

Tipp: Im Dateimanager geben Sie zur Auflistung aller angeschlossener Geräte „computer:///“ in das Adressfeld ein. Dazu müssen Sie vorher mit der Tastenkombination Strg-L von der Breadcrumb-Leiste zum editierbaren Adressfeld wechseln. Wenn Sie den realen Pfad, also den Mountpunkt eines Laufwerks im Dateisystem benötigen, etwa für Terminalarbeiten oder Scripts, dann hilft bei physischen Datenträgern ebenfalls das Adressfeld des Dateimanagers: Sie klicken erst das Gerät in der Navigationsspalte an und lassen sich dann mit Strg-L dessen Mountpunkt anzeigen.

Tipp: Standardmäßig sind einige Desktop-Distributionen so eingestellt, dass während der Sitzung gemountete Laufwerke nicht nur im Dateimanager auftauchen, sondern zusätzlich als Desktop-Symbol. Das kann lästig sein, wenn viele USB- oder Netzlaufwerke eingebunden werden. Unter „Systemeinstellungen -> Schreibtisch -> Eingehängte Datenträger“ können Sie das Verhalten unter Linux Mint abstellen, unter Ubuntu ist dafür das externe „Unity Tweak Tool“ erforderlich („Schreibtischsymbole“).

Datenträger (2): Automount von Netzfreigaben

Netzlaufwerke mountet Linux nicht unter /media, sondern in Gnome-affinen Systemen wie Ubuntu und Mint unter /run/user/1000/gvfs/. „1000“ ist die User-ID des ersteingerichteten Hauptkontos und lautet anders, wenn ein davon abweichendes Konto benutzt wird. „gvfs“ steht für Gnome-Virtual-Filesystem. Bei Netzlaufwerken führt das Adressfeld des Dateimanagers mit Protokollangaben wie „smb://server/data“ nicht zum Mountverzeichnis.

Tipp: Die Dateimanager typischer Linux-Desktops hängen angeklickte Samba- oder Windows-Freigaben automatisch ins Dateisystem ein (Automount). Unter Gnome-affinen Desktops wie Unity, Gnome, Cinnamon, Mate arbeitet dabei im Hintergrund das Gnome Virtual Filesystem (GVFS) und mountet unter /run/user/1000/gvfs/ in sprechende, aber unhandliche Mountordner.

Solange Sie im Dateimanager bleiben, kann es Ihnen gleichgültig sein, dass ein Mountordner etwa „/run/user/1000/gvfs/smb-share:server=odroid,share=data“ lautet. Wenn Sie die Ressource aber auf der Kommandozeile nutzen, etwa für rsync- oder cp-Befehle, ist der lange Pfad lästig. Abhilfe schafft manuelles Mounten in einen handlichen Pfad (Beispiel):

sudo mount -t cifs -o user=ha,domain=odroid,password=geheim //192.168.0.6/Data ~/mount/odroid

Das Mountverzeichnissen muss bereits existieren. Eine noch einfachere Alternative dazu ist eine Variable in der Datei ~/.bashrc:

data=/run/user/1000/gvfs/smb-share:server=odroid,share=data

Danach können Sie den unhandlichen Pfad im Terminal nun sehr handlich mit „$data“ ansprechen, und das Terminal bietet dabei sogar automatische Pfadergänzung (mit Tab-Taste).

Datenträger (3): Verwaltung mit gnome-disks

Unter den Gnome-affinen Oberflächen Cinnamon, Mate und XFCE hat sich das Programm gnome-disks als Standard etabliert, das auf deutschem Desktop als „Laufwerke“ im Hauptmenü oder Dash erscheint. gnome-disks kann alles, was für die Kontrolle und wichtigsten Partitionsarbeiten nötig ist. Links erscheint die Liste aller Datenträger, ein Klick auf einen Eintrag visualisiert dessen Partitionierung, zeigt Gerätenamen (/dev/…), Partitionsgrößen, Dateisystem und den Mountpunkt als Link, der auf Wunsch den Dateimanager öffnet. Die weiteren Bearbeitungsmöglichkeiten sind gewöhnungsbedürftig, aber durchaus logisch aufgeteilt:

Laufwerksoptionen: Schaltflächen rechts oben bieten Laufwerks-bezogene Aufgaben. Ob nur eine, zwei oder drei Schaltflächen erscheinen, hängt vom gerade markierten Laufwerkstyp ab. So lassen sich zum Beispiel interne Festplatten nicht aushängen oder abschalten, sodass in diesem Fall diese Schaltflächen fehlen. Immer vorhanden ist die Hauptschaltfläche, die das Formatieren, das Arbeiten mit Images („Laufwerksabbild erzeugen/wiederherstellen“), das Einstellen von Energieoptionen („Laufwerkseinstellungen“), ferner Tests und Smart-Analysen vorsieht. Funktionen, die der jeweilige Datenträger nicht hergibt, bleiben deaktiviert.

Die Möglichkeit, hier Images vom markierten Datenträger in eine IMG-Datei zu schreiben („erzeugen“) oder eine IMG-Datei wieder zurück auf einen Datenträger („wiederherstellen“), machen manche andere Tools überflüssig.

Partitionsoptionen: Was Sie mit einzelnen Partitionen auf Laufwerken anstellen können, ist in den kleinen Schaltflächen unterhalb des Partitionsschemas untergebracht. Sie müssen erst das Rechteck der gewünschten Partition markieren und dann die gewünschte Schaltfläche anklicken. Sie können Partitionen aus- und einhängen, löschen (Minus-Schaltfläche), formatieren und auch als Image sichern („Partitionsabbild erstellen“) oder ein Image auf die Partition zurückschreiben.

Tipp: Die Automount-Funktion hängt angeschlossene USB-Wechseldatenträger unter /media/[user]/ ein. Die dort anzutreffenden Mount-Ordner sind nicht immer aussagekräftig, sondern können etwa „144EB7A373084FB6“ lauten. Dies ist die UUID (Universally Unique Identifier) des Datenträgers, die als Mountpunkt einspringt, wenn keine Datenträgerbezeichnung vorliegt. In der Navigationsspalte der Dateimanager erscheint ein solches Laufwerk etwas freundlicher als „Datenträger XX GB“ unter „Geräte“. Wenn Sie sowohl im Mountpunkt als auch im Dateimanager eine aussagekräftige Bezeichnung sehen möchten, dann sollten Sie dem Laufwerk ein Label verpassen. Unter Ubuntu/Mint geht das am bequemsten mit „Laufwerke“ (gnome-disks). Sie müssen nur den Datenträger markieren, ihn mit dem ersten quadratischen Symbol unterhalb der Grafik „Datenträger“ aushängen und danach das Zahnradsymbol und hier die Option „Dateisystem bearbeiten“ wählen. Dann geben Sie einen sprechenden Namen ein, klicken auf „Ändern“ und hängen den Datenträger danach wieder ein (erstes Symbol). Mountverzeichnis und Name im Dateimanager halten sich nun an die Datenträgerbezeichnung.

Aussagekräftige Mount-Verzeichnisse: Wenn USB-Datenträger eine Bezeichnung haben, übernimmt die Automount-Funktion diesen Namen für den Mountpunkt.
Mächtiges gnome-disks („Laufwerke“): Das Standard-Tool beherrscht fast alle Datenträger-relevanten Aufgaben, unter anderem auch das Schreiben von System-Images.

Datenträger (4): Das meist unentbehrliche Gparted

Das Einzige, was gnome-disks nicht mitbringt, ist die Fähigkeit, bei Bedarf die Partitionsgrößen zu ändern. Software der Wahl hierfür ist Gparted. Zum Teil ist es bereits vorinstalliert, wo nicht, mit

sudo apt-get install gparted

schnell nachinstalliert. Gparted kann nicht nur nach Rechtsklick über „Größe ändern/verschieben“ bestehende Partitionsgrößen ohne Datenverlust ändern, sondern ist generell das umfassendste und zugleich übersichtlichste Programm für Formatierung, Partitionierung, Label- und UUID-Anpassung. Beachten Sie, dass das Hauptfenster immer nur die Partition(en) des rechts oben gewählten Datenträgers anzeigt. Beachten Sie ferner, dass Gparted angeforderte Aktionen niemals sofort tätigt, sondern in einem Auftragsstapel sammelt, den Sie erst mit „Bearbeiten -> Alle Vorgänge ausführen“ auslösen.

Das Standardprogramm gnome-disks verliert neben Gparted keineswegs seine Berechtigung: Es ist schneller und viel breiter angelegt mit seinen Image-Funktionen, Smart- und Leistungstests sowie Energieeinstellungen.

Datenträger (5): Tools für die Plattenbelegung

Unter Ubuntu und Linux Mint finden Sie die „Festplattenbelegungsanalyse“ oder „Festplattenbelegung analysieren“ im Hauptmenü. Dahinter steht das Tool Baobab, das nach dem Start erst einmal eine Übersicht der Datenträger zeigt. Hier sind die jeweilige Gesamtkapazität und der derzeitige Füllstand ersichtlich. Nach Klick auf dem Pfeil ganz rechts startet Baobab eine Ordneranalyse, die es wahlweise als Kreis- oder Kacheldiagramm visualisiert. Das sieht hübsch aus, doch der Erkenntniswert hält sich in Grenzen. Viele Linux-Nutzer werden sich von einem df -h oder

df -h | grep /dev/sd

schneller und besser informiert fühlen. Wer dann wirklich eine Größenanalyse der Verzeichnisse benötigt, ist mit einem weiteren Terminalwerkzeug

du -h

ebenfalls übersichtlicher beraten.

Belegung mit Ncdu prüfen: Ein Spezialist ist das nützliche Ncdu („NCurses Disk Usage“, wohl kaum zufällig auch als „Norton Commander Disk Usage“ auflösbar). Das Terminalprogramm sortiert die Verzeichnisse standardmäßig nach der enthaltenen Datenmenge und bietet eine sehr viel bequemer bedienbare Festplattenanalyse als das Standardwerkzeug du. Denn Ncdu wechselt wie ein orthodoxer Dateimanager zwischen den Verzeichnissen und kann auch aktiv löschen, wo Sie dies für nötig erachten. Ncdu gehört auf jeden Server, verdient aber selbst auf Desktop-Systemen den Vorzug gegenüber den grafischen Alternativen wie Baobab. In Debian/Raspbian/Ubuntu/Mint-basierten Systemen ist Ncdu mit

sudo apt-get install ncdu

schnell installiert. Die einzig wirklich maßgebliche Bedienregel ist die Auswahl des Startverzeichnisses. Ist Ncdu nämlich einmal gestartet, wird es in keine höhere Verzeichnisebene wechseln. Wenn Sie daher das komplette Dateisystem durchforsten wollen, sollten Sie das Tool daher mit

ncdu /

starten. Das Einlesen kann dauern, wenn Sie auf diese Weise das ganze Dateisystem untersuchen. Ncdu sortiert immer automatisch nach Ordnergrößen, kann aber mit Taste „n“ auch nach Namen sortieren, mit „s“ wieder nach Größen („size“). Wichtige Tastenkommandos sind ferner „g“ („graph/percentage“) für die Anzeige von Prozentzahlen (und wieder zurück) und „d“ als Löschbefehl („delete“). Wer nur kontrollieren, keinesfalls löschen will, kann das Tool mit „ncdu -r“ starten, wonach es im Readonly-Modus arbeitet.

Verzeichnisgrößen ermitteln mit „NCurses Disk Usage“: Ncdu ist ein Muss auf SSH-verwalteten Systemen und selbst auf Desktop-Installationen mit grafischer Oberfläche eine Empfehlung.

Task-Verwaltung (1): „Systemüberwachung“ und htop

Auf einem Desktop-System wie Ubuntu und Mint werden Sie die grafische „Systemüberwachung“ (gnome-system-monitor) bevorzugen, um Tasks zu kontrollieren oder zu beenden. Das Tool beherrscht nach Rechtsklick auf einen Prozess alle Aufgaben bis hin zur Prioritätsanpassung, sortiert nach der gewünschten Spalte und zeigt nach Rechtslick auf den Spaltenkopf auf Wunsch noch wesentlich mehr Spalten (etwa „CPU-Zeit“ oder „Befehlszeile“). Die Echtzeitüberwachung von CPU, Speicher und Netzwerk unter „Ressourcen“ ist ebenfalls vorbildlich.

Auf Servern oder wo sonst ein grafisches Werkzeug fehlt, liefert htop auf der Konsole einen präzisen und auch ästhetisch ansprechenden Überblick. Es macht andere Tools weitgehend überflüssig, so etwa das oft standardmäßig installierte Top oder spezialisiertere Tools wie iotop oder dstat. htop zeigt beliebig detaillierte Infos zu allen laufenden Prozessen und erlaubt den gezielten Abschuss einzelner Tasks, die aus dem Ruder laufen (F9). Zudem lässt sich die Prozesspriorität steuern (F7/F8). Htop ist in den Paketquellen aller Distributionen verfügbar und etwa unter allen Debian/Raspbian/Ubuntu/Mint-basierten System mit

sudo apt-get install htop

nachzurüsten. Es lohnt sich, das hervorragend anpassbare Tool über „F2 Setup“ sorgfältig einzurichten. Die Navigation im Setup erfolgt über Cursortasten:

„Meters“ betrifft den Kopfbereich mit den Basisinformationen in zwei Spalten. Hier sollten CPU-Auslastung, Speicher, Uptime und ähnlich grundlegende Angaben organisiert werden. Die verfügbaren Infos unter „Available meters“ können mit den angezeigten Funktionstasten in die rechte oder linke Spalte integriert werden. Die ideale Anzeige lässt sich mühelos finden, weil Htop die gewählte Einstellung sofort anzeigt.

„Columns“ betrifft die eigentliche Taskanzeige. Hier sind annähernd 70 Detailinfos pro Prozess möglich, fünf bis acht (etwa „Percent_CPU“, „Percent_MEM“, „Command“) sind ausreichend und noch übersichtlich. Wer die Prozesspriorität mit den Tasten F7 und F8 steuern will, muss sich zur optischen Kontrolle der Änderung den „Nice“-Wert einblenden. Je nachdem, was Sie genauer analysieren, können Sie die Taskliste jederzeit mit Taste F6 („SortBy“) nach einem anderen Kriterium sortieren – nach CPU-Anteil, Speicher oder Festplattenzugriffen. Zum Eingrenzen auf bestimmte Pfade oder Prozessnamen gibt es außerdem einen Textfilter (Taste F4)

Beachten Sie, dass die htop-Konfiguration sehr viel anbietet, jedoch nicht das Refresh-Intervall seiner Analyse. Dieses lässt sich mit

htop -d 20

beim Aufruf steuern, wobei die Angabe in Zehntelsekunden erfolgt.

Tipp: Das auf den meisten Distributionen standardmäßig installierte top verliert neben htop seine Berechtigung nicht ganz: Sein einziger, aber nicht unwesentlicher Vorzug ist die Weitergabe der Prozessinfos an eine Datei:

top -b -d 10.0 > top.txt

Der Schalter „-b“ sorgt für den Batchmodus, der die eigene Anzeige von top abschaltet. Die Prozessliste wird in diesem Fall alle 10 Sekunden („-d“ für „delay“) an die Ausgabedatei geschickt. Filter mit grep können die Prozessanalyse eingrenzen.

Mehr Spalten – mehr Infos: Wenn der grafische gnome-system-monitor („Systemüberwachung“) verfügbar ist, ist das der Taskmanager der Wahl. Er kann alles und zeigt alles.
Was läuft hier (falsch)? Htop ist glänzender Taskmanager für die Kommandozeile, weil er informativ und anpassungsfähig ist und aus dem Ruder laufende Prozesse beenden kann.

Task-Verwaltung (2): Die Tools xprop und xkill

xprop zeigt zahlreiche interne Eigenschaften grafischer Programme an. Das einfachste und häufigste Motiv, xprop zu verwenden, ist die Frage nach dem Programmnamen eines Fensters. Also etwa die Frage: Wie lautet der Name des Dateimanagers, den ich gerade benutze? Folgender Befehl filtert den xprop-Output auf die gewünschte Antwort:

xprop | grep CLASS

Der Mauszeiger verwandelt sich in ein Kreuz, mit dem Sie auf das gewünschte Fenster klicken. Im Terminal erscheint dann der zugehörige Programmname. Der herausgefundene Name ist nützlich, um Programme in Zukunft direkt über den Ausführen-Dialog zu starten, oder um hängengebliebene Anwendungen mit killall [name] zu beenden.

xkill kann grafische Programme zuverlässig beenden, wenn dessen Fenster nicht mehr reagiert. Bei xkill müssen Sie weder den Programmnamen noch die Prozess-ID kennen. Auch beim Aufruf von xkill im Terminal verwandelt sich der Mauszeiger in ein Kreuz, mit dem Sie das störrische Programm anklicken und beenden. Idealerweise ist xkill mit einer globalen Tastenkombination verknüpft, die es jederzeit aufruft. Einige Distributionen verwenden den Hotkey Strg-Alt-Esc, in den meisten Linux-Varianten ist allerdings kein globaler Hotkey voreingestellt. Holen Sie das unter „Systemeinstellungen -> Tastatur -> Tastaturkürzel“ manuell nach, indem Sie dort xkill unter „Eigene Tastaturkürzel“ eintragen und dem Programm durch Drücken der Tastenkombination Strg-Alt-Esc selbige zuweisen.

Task-Verwaltung (3): Autostarts im Griff

Unter Ubuntu und Linux Mint finden Sie das Applet „Startprogramme“ unter den Systemeinstellungen (gnome-session-properties). Durch Deaktivieren eines Häkchens schalten Sie dort Autostarts ab, über die Schaltfläche „Entfernen“ verschwindet es komplett aus dem Verwaltungstool (bleibt aber als Programm erhalten). Alle Autostarts des Benutzers werden als desktop-Dateien unter ~/.config/autostart, und die vom System benötigten Autostarts stehen unter /etc/xdg/autostart. Es handelt sich um Textdateien, die Sie mit jedem Editor bearbeiten können, wobei unter /etc/xdg/autostart root-Rechte notwendig sind.

bashrc: Die versteckte Datei ~/.bashrc liegt im Home-Verzeichnis jedes Benutzers und gilt folglich für den angemeldeten Benutzer. Alle dort enthaltenen Kommandos werden bei jedem Start des Terminals abgearbeitet.

/etc/rc.local: Für Befehle, die unabhängig vom angemeldeten Benutzer vor der Benutzeranmeldung abgearbeitet werden sollen, eignet sich auf allen Debian-Systemen einschließlich Ubuntu und Mint die Datei /etc/rc.local. Um die Datei zu bearbeiten, benötigen Sie root-Rechte:

sudo gedit /etc/rc.local

crontab: Der Zeitplaner Cron ist auf allen Linux-Systemen vorinstalliert und nutzt eine systemweite Datei /etc/crontab, die für alle Benutzer gilt und im Terminal mit root-Rechten bearbeitet werden kann:

sudo crontab –e

Zusätzlich kann es Benutzer-Crontabs geben, die unter /var/spool/cron/crontabs/ zu orten sind. Kontrolle über Systemdienste

Dienste: Neben automatisch gestarteten Programmen lädt jedes Linux zahlreiche Systemdienste, die das Tool „Startprogramme“ grundsätzlich nicht auflistet. Im Terminal ist mit

service --status-all

eine Übersicht möglich. Wer Systemdienste bequem kontrollieren und bei Bedarf auch deaktivieren will, kann den „Boot Up Manager“ nachinstallieren:

sudo apt-get install bum

Die Bedienung ist selbsterklärend. Sie können Dienste nach Rechtsklick „Jetzt stoppen“ (für die aktuelle Sitzung) oder dauerhaft abschalten, indem Sie das Häkchen entfernen. Das Abschalten von Diensten setzt aber gründliche Kenntnis über deren Funktion voraus.

Typische Crontab: Hier gibt es vier Jobs, die das System täglich um 8:00 und 9:00 Uhr sowie stündlich abarbeitet.

 

 

 

Openbox / Bunsenlabs für Puristen

Genau so viel Desktop wie Sie brauchen, ist das Motto bei Openbox. Der Fenstermanager ist ein funktionaler und anpassungsfähiger Minimalist mit sehr geringen Hardware-Ansprüchen und kann dabei richtig gut aussehen.

Openbox ist nichts für PC-Anfänger. Diese Oberfläche setzt voraus, dass man ihre Bestandteile kennt und zielsicher konfigurieren kann. Die Distribution Bunsenlabs leistet viel verdienstvolle Vorarbeit – wieviel Vorarbeit, das erschließt sich erst, falls man ein Openbox von Grund auf neu einrichten will. Mehr als ein schlichtes Rechtsklick-Menü für den Desktop ist hier nicht zu sehen. Daher orientiert sich dieser Artikel an der Distribution Bunsenlabs, die den Fenstermanager Openbox vorbildlich ausstattet. Neben Bunsenlabs gibt es nicht viele Distributionen, die auf Openbox setzen. Zu nennen wären noch Salent OS (http://salentos.it/) oder Madbox (http://madbox.tuxfamily.org/).

Motive für Openbox

Warum sollte man sich Openbox in Kleinarbeit zurechtlegen, wo es doch diverse, scheinbar komfortablere Desktops gibt? Openbox hat einige sehr starke Argumente:

1. Der Fenstermanager ist klein, schnell, anspruchslos und macht auf älterer Hardware oder auf USB-Mobilsystemen eine gute Figur. In Form der gut ausgestatteten Distribution Bunsenlabs ist das System mit 1 GB RAM hochzufrieden und kommt auch mit der Hälfte klar, da für System (32 Bit) und Desktop nur etwa 150 MB erforderlich sind. Auf dem Datenträger sind 3 GB Minimum, für Installationen und Benutzerdaten sollten es natürlich entsprechend mehr sein.

2. Wer sich auf Openbox einlässt, kann sich die Oberfläche im Detail zurechtlegen. Die großartige Anpassungsfähigkeit betrifft Aussehen, Farben, Schriftgrößen, Menüangebot, Desktop-Infos, Tastenkombinationen. Openbox kennt keine Zwangselemente: Alle Desktopelemente lassen sich modular ein- und ausschalten.

3. Ein gut eingerichtetes Openbox ist funktional und ästhetisch. Bunsenlabs „Hydrogen“ legt als würdiger Crunchbang-Nachfolger ein Desktop-Angebot vor, das bei puristisch veranlagten Ästheten Kultcharakter hat. Bunsenlabs präsentiert Openbox in einer ansprechenden und über weite Teile mit grafischen Mitteln anpassbaren Optik. Jedoch spricht auch Bunsenlabs primär erfahrene Systembastler an.

Installation von Bunsenlabs oder Openbox

Den Punkt der Installation halten wir relativ kurz, da er vom eigentlichen Thema der Openbox-Einrichtung wegführt. Das Setup erledigt der Debian-Installer strukturiert und vorbildlich informativ. Auch der heikelste Abschnitt „Festplatten partitionieren“ ist übersichtlich – mit klaren Infos und Sicherheitsrückfragen.
Bunsenlabs lädt nach der allerersten Anmeldung ein Startscript „bl-welcome“, das ein Systemupdate und Nachinstallationen vorsieht. Das Script ist umfangreich (Paketquellen-Update, Upgrade, Power-Manager für Notebooks, Wallpapers, Libre Office, Druckertreiber, Java, Flashplayer, Open SSH, LAMP) und lohnt in jedem Fall eine Durchsicht.

Openbox als Desktop nachrüsten: Natürlich lässt sich der Fenstermanager Openbox auch unter einem laufenden System einrichten. Dazu installieren Sie folgende Pakete im Terminal:

sudo apt install openbox openbox-themes obconf obmenu

Danach melden Sie sich ab, gehen Sie in der Sitzungsauswahl auf „Openbox“, und melden Sie sich wieder an. Es erscheint ein komplett leerer Desktop, doch nach Rechtsklick erhalten Sie das Openbox-Menü. Alles Weitere müssen Sie manuell nachrüsten – etwa im Stil von Bunsenlabs.

Openbox-Menü und Menü-Editor: Für Anpassungen des hierarchischen Textmenüs gibt es das bequeme grafische Tool obmenu.

Die Desktop-Zutaten in Bunsenlabs

Die wesentlichen Standardkomponenten am Desktop sind folgende:

1. Das Menü: Das Textmenü erscheint nach Rechtsklick auf eine freie Desktopstelle und startet das dort gewählte Programm. Das Menü erscheint an der Stelle, wo Sie den Rechtsklick auslösen. Gibt es keinen freien Desktopbereich, weil auf dem jeweiligen Desktop-Workspace ein Programm im Vollbild läuft, dann hilft der Rechtsklick auf die Systemleiste. Die Beenden-Optionen wie Herunterfahren oder Abmelden finden Sie im untersten Eintrag „Exit“. Das Menü ist das einzige angestammte Bedienelement von Openbox und ist inhaltlich beliebig anpassbar (siehe unten).

2. Die Tint2-Leiste: Die Systemleiste erscheint standardmäßig am oberen Bildschirmrand. Als typische Ausstattung enthält die Leiste ganz links einige Programmfavoriten mit Icon, dann folgt die Taskbar mit so vielen Bereichen wie Desktop-Workspaces definiert sind. Rechts ist der Systray-Bereich mit Netzwerk, Lautstärkeregler, Multiclipboard und ganz rechts schließlich die Zeitanzeige.
Als Systemleiste dient das externe Programm Tint2. Für mehrere Leisten müssen mehrere Tint2-Instanzen geladen werden mit je eigener Konfigurationsdatei (unter ~/.config/tint2). Tint2 ist ungemein anpassungsfähig, fordert aber intensive Einarbeitung in die Konfigurationsdirektiven (www.mankier.com/1/tint2). Das grafische Tool Tint2conf ist unter Bunsenlabs vorinstalliert, ist aber keine große Hilfe, weil es die aktuellen Werte zwar anzeigt, aber derzeit noch nicht ändern kann. Das Openbox-Menü führt über „Preferences -> Tint2 -> Edit Tint2s“ zur Konfigurationsdatei des aktuellen Tint2.

3. Der Conky-Systemmonitor: Ebenfalls Standard ist ein Systemmonitor, der typischerweise transparente Infos wie CPU- und RAM-Auslastung, Uptime, Zeit, Hostname sowie die wichtigsten Hotkeys anzeigt. Hier arbeitet das externe Programm Conky, das wie Tint2 in einer oder mehreren Instanzen laufen kann. Conky kann im Prinzip alles anzeigen von invariablen Textinfos über dynamische Daten wie Kalender oder Festplattenbelegung bis zur grafischen Darstellung solcher Infos.

4. Die Dmenu-Kommandozeile: Neben dem normalen Menü gibt es mit Hotkey Alt-F3 noch ein „Dynamic Menu“, das alphabetisch alle Programmnamen auflistet, die es im Pfad vorfindet. Mit Tab-, Cursor- oder Bildtasten blättern Sie im Angebot, mit einer Eingabe wie „fi“ filtern Sie etwa schnell Firefox, Filezilla, File-Roller. Der Programmstart erfolgt mit Eingabetaste, wobei aber nur grafische Programme startbar sind. Dmenu leistet aber eine gute Info über alle installierten Tools. Der Desktop wird erst wieder benutzbar, wenn Sie ein Programm gestartet haben oder Dmenu mit Esc verlassen.

Themen und Einstellungen: Für die fundamentale Fensteroptik ist der „Openbox-Einstellungsmanager“ zuständig (obconf), der im Menü als „GUI Menu Editor“ erscheint.

Die grafischen Anpassungshilfen

Wer die Möglichkeiten der skizzierten Desktop-Zutaten ausschöpfen will, landet früher oder später mit dem Editor in den zugehörigen Konfigurationsdateien. Für die wichtigsten Desktop-Anpassungen liefert Bunsenlabs aber grafische Werkzeuge mit:

1. Das Tool Obconf: Den „Openbox Einstellungsmanager“ erreichen Sie im Menü über „Preferences -> Openbox -> GUI Config Tool“) oder durch direkten Aufruf von obconf. Es handelt sich um grundlegende Einstellungen der Openbox-Fensterverwaltung und des Openbox-Menüs. Änderungen an Themen und Fenstereinstellungen (Titelleiste und Controls), Arbeitsflächen, Maus werden sofort angezeigt. Während „Thema“ farbliche Vorgaben definiert, bestimmt „Erscheinungsbild“ die Controls der Fenstertitel und die Schriftgrößen in Fenstertitel und im Openbox-Menü. Einige weitere Punkte wie „Arbeitsflächen“ sind weitgehend selbsterklärend. Der Punkt „Dock“ hat keine Bedeutung, wenn man auf den Einsatz der „Dockapps“ verzichtet.
Die Einstellung „Ränder“ ist wichtig, falls Sie auf die Tint2-Systemleiste verzichten. Das Openbox-Menü kann durch Rechtsklick auf eine freie Desktopstelle oder die Tint2-Leiste ausgelöst werden. Ohne Leiste müssten Sie ein Vollbildprogramm erst verkleinern oder minimieren, um an das Openbox-Menü zu kommen. Hier helfen „Ränder“. Ein Pixel etwa auf der rechten Seite genügt: Dann setzt man einfach die Maus ganz nach rechts, um mit Rechtsklick das Menü auszulösen.

2. Das Tool Lxappearance: Den Dialog „Erscheinungsbild anpassen“ finden Sie im Menü unter „Preferences -> Appearance“. Das vom LXDE-Desktop ausgeliehene Programm bestimmt das Aussehen von Icons, Mauszeiger und Schriften. Der wichtigste Punkt „Fenster“ gibt die Optik für Programm-Menüs und -Dialoge vor. Die Größe der Menü-Schrift ist hier neben „Schrift“ ab 6 Punkt aufwärts beliebig skalierbar.

3. Das Tool Obmenu: Zur inhaltlichen Anpassung des Openbox-Menüs dient Obmenu, das Sie über „Preferences -> Openbox -> GUI Menu Editor“ erreichen. Das Löschen, Umbenennen oder Verschieben von Menüeinträgen ist mit den vorgegebenen Schaltflächen und Eingabefeldern selbsterklärend. Neue Menüordner fügen Sie mit „New menu“ hinzu, Einzeleinträge über „New Item“ nach dem Muster der vorhandenen. Ein neuer Menüpunkt wird immer oberhalb des aktuell markierten Eintrags eingefügt. Über „Label“ vergeben Sie den Namen, neben „Execute“ tragen Sie den Programmaufruf ein. Die gewünschte Aktion („Action“) ist gewöhnlich der Programmstart mit „Execute“, alle anderen Vorgaben („Exit“, „Restart“) beziehen sich auf Openbox. Wenn Sie mit einem Menüeintrag ein Programm beenden wollen, verwenden Sie etwa „pkill conky“ als Execute-Eintrag. Alle Änderungen in Obmenu gelten sofort nach „File -> Speichern“.

4. Das Tool Nitrogen: Für die Auswahl des Hintergrundbildes gehen Sie auf „Preferences -> Choose Wallpaper“. Bunsenlabs nutzt für diese Aufgabe das externe Programm Nitrogen.

In den Openbox-Konfigurationsdateien

Openbox nutzt lediglich drei zentrale Konfigurationsdateien unter ~/.config/openbox, deren Editieren auch im Menü über „Preferences -> Openbox“ angeboten wird:
1. Die Datei menu.xml enthält das Menüangebot. Diese Datei ist bequem über das grafische Tool Obmenu zu bearbeiten.
2. Die Datei rc.xml definiert sämtliche Hotkeys. Openbox nutzt zahllose Tastenkombinationen und bietet im Menü über „Display Keybinds“ einen lohnenden Überblick. Die Vorgaben der der rc.xml können Sie manuell beliebig ändern. Ein typischer Eintrag

<keybind key="W-f">

 

<action name="Execute"><execute>filezilla</execute></action>

 

</keybind>

definiert für Windows-Taste und Taste F den Start des FTP-Client Filezilla. „W“ steht also für die Windows-Taste, ferner „A“ für Alt, „C“ für Strg und „S“ für die Shift-Taste. Damit Änderungen wirksam werden, rufen Sie „Preferences -> Openbox -> Reconfigure“ auf.
3. Die kleine Datei autostart ist das zentrale Startscript, das alle Desktop-Module oder sonstige Programme aufruft. Sie können den Umfang mit jedem Editor reduzieren oder erweitern. Um etwa den Conky-Monitor zu deaktivieren, kommentieren Sie die Zeile mit „bl-conky-session“) einfach mit führendem #-Zeichen aus. Eigene Autostarts fügen Sie mit dem zugehörigen Programmaufruf an geeigneter Stelle als zusätzliche Zeile hinzu. Das Script startet alles einfach in der angegebenen Reihenfolge.

Openbox nutzt zahlreiche Hotkeys: Es lohnt sich ein genauerer Blick auf die vordefinierten „Keybinds“. Zuständig ist die Datei rc.xml, die Sie beliebig manuell anpassen können.

Tint2-Leisten und Conky-Anzeigen

Tint2-Systemleisten sind ungemein flexibel, aber über die Textdateien unter ~/.config/tint2/ relativ mühsam zu editieren. Da sich dieser Aufwand jedoch lohnt, nennen wir an dieser Stelle zumindest die allerwichtigsten Direktiven. Der Eintrag (Beispiel)

panel_items = LTSC

definiert, welche Elemente die Leiste in welcher Reihenfolge anzeigen soll. Möglich sind der Launcher (L) mit Programmfavoriten, die Taskbar (T), der Systray-Bereich (S), der Batterieladezustand (B) und die Uhrzeit (C). Die weiteren Optionen E und F lassen wir außen vor, zumal sie mit dem Verzicht auf die unentbehrliche Taskbar (T) einhergehen.
Wenn Sie einen Launcher-Bereich (L) nutzen, dann können Sie die gewünschten Favoriten unter „#Launcher“ in der Form

launcher_item_app = /usr/share/applications/firefox-esr.desktop

eintragen. Notwendig ist hier also der komplette Pfad zur passenden Desktop-Datei.
Die wichtigsten Direktiven für Position, Ausrichtung und Größe sind folgende:

panel_position = top right vertical
panel_size = 95% 120

Dies würde eine vertikale Leiste am rechten Bildschirmrand zeichnen, die nicht ganz von oben nach unten reicht (95 Prozent) und 120 Pixel breit ist. Werteangaben sind sowohl in Prozent als auch in absoluten Pixelwerten möglich.

Änderungen in der Konfigurationsdatei wirken sich erst aus, wenn Sie Tint2 über „Preferences -> Tint2 -> Restart Tint2“ neu starten. Wer sich intensiv in die Tint2-Konfiguration einfuchsen will, sollte die Manpage unter www.mankier.com/1/tint2 aufsuchen.
Conky-Monitor: Gemessen am Ergebnis – nämlich der Darstellung einiger Systeminfos am Desktop – ist die Anpassung von Conkys ein ambitionierter Sport (zumal sich mit Windows-H jederzeit der Htop-Taskmanager starten lässt). Immerhin gibt es eine Reihe vorinstallierter Conky-Vorlagen unter „~/.config/conky“, die Sie am einfachsten im Menü über „Preferences -> Conky -> Conky Chooser“ erreichen. Wer über „Edit Conkys“ tatsächlich selbst Hand anlegen will, kann mit „alignment“ die Position am Desktop festlegen, mit „xftfont“ die Schriftgröße. Der eigentliche Inhalt des Conkys steht am Ende der Konfigurationsdatei unter „TEXT“. Dies sind nur die allerwichtigsten Direktiven der komplexen Conky-Konfigurationsdateien, weitere Infos finden Sie unter https://wiki.ubuntuusers.de/Conky/. Beim Speichern der Datei ~/.conkyrc startet ein Conky automatisch neu. Conkys lassen sich auch temporär anzeigen: conky -i 30 blendet die Info 30 Sekunden ein und beendet dann das Conky.

Tint2-Leiste und zugehörige Konfigurationsdatei: Das Eintragen der gewünschten Launcher-Favoriten ist eine der leichtesten Übungen.

Openbox und Bunsenlabs „Hydrogen“

Bunsenlabs basiert auf Debian 8 und präsentiert ein sorgfältig eingerichtetes Openbox inklusive grafischen Tools und Scripts. Als Paketverwaltung dient Synaptic oder apt im Terminal. Bunsenlabs ist in der 32-Bit-Variante bootfähig auf Heft-DVD.
Projektseite: www.bunsenlabs.org
Download: www.bunsenlabs.org/installation.html
Infos: https://forums.bunsenlabs.org/
https://wiki.ubuntuusers.de/Openbox/
https://wiki.mageia.org/de/Openbox
https://wiki.archlinux.de/title/Openbox

Noch ein Tipp: Der Desktop von Openbox hat keine Ordnerfunktionalität, kann also nicht als Dateiablage dienen. Wer diese Eigenschaft für unentbehrlich hält, hat theoretisch zwei Möglichkeiten: Eine Option ist das Nachinstallieren eines Dateimanagers wie Nautilus, der diese Fähigkeit mitbringt (nautilus –force-desktop). Eine Alternative sind Tools wie idesk (http://idesk.sourceforge.net). Doch können beide Lösungen nicht überzeugen: idesk ist technisch unbefriedigend, und Nautilus deaktiviert logischerweise das zentrale Rechtsklick-Menü. Ein simples Workaround ist der automatische Start einer Dateimanager-Instanz mit

 thunar ~/Desktop

in der Datei „~/.config/openbox/autostart“. Während man in weiteren Desktop-Workspaces arbeitet, bleibt am ersten Desktop dauerhaft der Transferordner geöffnet. Programme wie Browser oder Office können Sie leicht anweisen, den betreffenden Ordner standardmäßig als Arbeits- oder Download-Ordner zu nutzen.

 

Moksha/Bodhi für Desktop-Abenteurer

Moksha, ehemals Enlightenment, ist genauso exotisch wie sein Name. Wer hier mit konservativen Erwartungen herangeht, wird sich verirren oder kapitulieren. Der Desktop ist aber schnell und hat neben exotischem Charme enorme Anpassungstiefe.

Moksha ist kein Desktop für Pragmatiker. Wer sein System schnell eingerichtet haben will und auf seine Software fokussiert ist, wird sich mit den minutiösen Einstellungen dieser Oberfläche nicht anfreunden. Zielgruppe sind vielmehr Nutzer, die Wert auf einen individualisierten Desktop legen und bereit sind, dafür auch einige Zeit zu investieren.
Bodhi Linux ist die einzige Distribution, die standardmäßig auf Moksha setzt. Der Desktop ist eine Abspaltung vom sehr ähnlichen Vorbild Enlightenment (oder schlicht „E“), der bis Version E17 in Bodhi Linux enthalten war. Nach der mangelhaften „E“-Version 18 haben die Bodhi-Entwickler experimentelle Funktionen aus „E“ entfernt und pflegen für ihre Distribution den solideren Fork Moksha weiter. Gegenstand dieses Artikels ist daher Bodhi Linux mit seiner angestammten Moksha-Oberfläche. Die meisten Aussagen sollten aber auch für Enlightenment gelten.

Motive für Moksha und Bodhi

Bodhi Linux spielt seit jeher in der Ökoliga der Linux-Distributionen und liefert für sehr alte Hardware sogar noch eine non-pae-Variante aus (für Rechner vor circa 2002). Das entscheidende Motiv für Moksha/Bodhi sollte das aber nicht mehr sein: Für schwache Hardware gibt es einfachere und solidere Distributionen. Außerdem ist Moksha modular aufgebaut – bei größter Sparsamkeit sollte das komplette System nach Anmeldung mit 150 MB auskommen. Sind jedoch alle Module aktiviert und einige Desktop-Elemente eingerichtet, liegt der Speicherbedarf schnell bei 250, 300 MB und mehr. Hauptmotive für Moksha/Bodhi sind daher eher andere Aspekte:
1. Bodhi ist ein Speed-Ubuntu: Beim Systemstart zur Anmeldung zählen wir auf schneller Hardware (mit SSD) gerade mal neun Sekunden. Mittelschwere Programme sind schneller eingabebereit als der Mausfinger von der Auslösetaste zurückkommt.

2. Moksha ist ganz Linux-untypisch eine komplett grafisch konfigurierbare Oberfläche. Wirklich jedes Detail ist über grafische Anpassungsdialoge per Maus zu erreichen. Das gelingt nicht überall konsistent, führt zu unzähligen kleingliedrigen Einstellungsfenstern, erspart aber jedes Editieren von Konfigurationsdateien.

3. Moksha ist ein extravaganter und äußerst liberaler Desktop. Der Benutzer kann über jedes Modul selbst entscheiden, ob er es überhaupt benötigt und wie sich ein gewähltes Element optisch und funktional verhalten soll. Dieser Desktop ist ein Gegenentwurf zu den simplifizierenden Oberflächen Gnome oder Unity.

Installation von Bodhi Linux

Die Auswahl der Bodhi-Varianten finden Sie auf www.bodhilinux.com/download: Neben der 32-Bit-Version liegt auch eine 64-Bit-Variante bereit. Bei beiden Architekturen können Sie sich jeweils für das „Standard Release“ oder das größere „AppPack Release“ entscheiden. Da die Bodhi-Entwickler beim „AppPack Release“ eher seltsame Entscheidungen treffen und auch hier Nachinstallationen unerlässlich sind, ist das kleinere „Standard Release“ die bessere Wahl. Das fünfte Bodhi „Legacy“ für alte non-pae-Hardware gibt es nur in der Standardausführung. Das Setup erledigt der bewährte Ubuntu-Installer Ubiquity.

 

Moksha-Schaltzentrale: Die Einstellungskonsole ist der Dreh- und Angelpunkt der Desktop-Konfiguration. Der Umfang lässt sich unter „Erweiterungen -> Module“ festlegen.

Erste Orientierung in Moksha

Bodhi Linux präsentiert standardmäßig eine Systemleiste, die sich hier „Shelf“ oder deutsch „Modulablage“ nennt. Die ist ab Start durchaus konservativ bestückt mit Startmenü, Favoritenbereich, Taskübersicht und einem Systray-ähnlichen Bereich. Im Grunde handelt es bei den „Shelves“ um Modulcontainer, die an beliebigen Bildschirmrändern beliebig mit „Modulen“ befüllt werden können.
Das Startmenü ist nicht nur über die Shelf-Leiste, sondern auch mit normalem (Links-) Klick auf eine freie Desktop-Stelle zu erreichen, während der Rechtsklick am Desktop eine Auswahl von Programmfavoriten anbietet, die Sie allerdings erst definieren müssen. Der Menüstart am Desktop bringt es wie bei Openbox/Bunsenlabs mit sich, dass der Desktop nicht als Dateiablage dienen kann.
Die Einstellungskonsole: Die entscheidende Konfigurationszentrale ist im Menü über „Einstellungen -> Einstellungskonsole“ zu erreichen („Settings -> Settings Panel“). Es handelt sich um einen internen Bestandteil des Moksha/Enlightenment-Desktops, der nicht als eigenes Programm vorliegt und daher nicht als Terminal-Kommando aufrufbar ist (einige fundamentale Einstellungen sind über den Terminalbefehl enlightenment_remote abrufbar). Die grafische Zentrale ziehen Sie am besten so breit, dass Sie oben alle Kategorien im Blick haben und damit einen ersten Überblick erhalten.

Spracheinstellung: Da die Oberfläche zunächst englischsprachig vorliegt und dieser Artikel ab dieser Stelle ausschließlich die deutschen Bezeichnungen verwenden wird, führt ein erster wesentlicher Gang nach „Language“. Sehr wahrscheinlich fehlt diese Kategorie noch, und dies ist erste Gelegenheit, den modularen Aufbau von Moksha kennenzulernen: Unter „Extensions -> Modules“ („Erweiterungen -> Module“) finden Sie die komplette Sammlung der verfügbaren Module, geordnet nach Kategorien. Das Sprachmodul findet sich unter „Settings“ und lässt sich mit Klick auf „Load“ aktivieren. Dies erweitert die Einstellungskonsole dann um den neuen Punkt „Language“, wo Sie die Oberfläche nach Deutsch umstellen. Bei besserer Kenntnis der Oberfläche können Sie später den Punkt „Erweiterungen -> Module“ der Einstellungskonsole aufsuchen, um detailliert weitere Module zu aktivieren oder auch auszumisten.

Profile: Ein wichtiger Verwaltungspunkt in der Einstellungskonsole sind die „Einstellungen“ mit dem Unterpunkt „Profile“. Hier ist es nämlich möglich, den gerade aktuellen Desktop über „Hinzufügen“ als neues Profil zu speichern. Außerdem liegen die Standardprofile „Bodhi Linux“ und „Default“ vor, auf die Sie durch Markieren und „Übernehmen“ jederzeit zurückkehren können. Die Gefahr, sich in Moksha zu verlaufen, ist nicht gering, daher ist die einfache Rückkehr auf bewährte Profile eine wichtige Absicherung.
Fundamente der Optik richten Sie in der ersten Kategorie „Aussehen“ ein. Während „Thema“ die Moksha-eigenen Dialoge und die Fenstertitel betrifft, ändert „Anwendungsthema“ das Aussehen von Programmen, die auf GTK basieren. Ein wichtiger Unterpunkt ist hier ferner die „Skalierung“, die alle Moksha-Fenster stufenlos in der gewünschten Größe einstellt.

Programmstarter: In der zweiten Kategorie „Anwendungen“ lohnt es sich, „Bevorzugte Anwendungen“ zu definieren, sofern Sie am Desktop das Rechtsklick-Menü verwenden wollen. Dazu markieren Sie in der angebotenen Liste das betreffende Programm und klicken auf „Hinzufügen“.
Der nachfolgende Punkt „iBar-Anwendungen“ (unter „Anwendungen“) ist nur dann relevant, wenn Sie in einer Systemleiste („Shelf“) das Modul iBar tatsächlich verwenden – es handelt sich ebenfalls um einen Favoritenstarter. Das Modul iBar ist ein Beispiel für die zum Teil konfuse Komplexität des Desktops: Das Modul muss unter „Erweiterungen -> Module“ aktiviert sein, und es muss unter „Erweiterungen -> Modulablagen -> Inhalte“ in eine Modulablage (Shelf) integriert werden. Konfiguriert und bestückt wird es aber nicht an Ort und Stelle in der Leiste, sondern unter „Anwendungen -> iBar-Anwendungen“.

Arbeitsflächen: Weitere wichtige Einstellungen finden Sie in der Einstellungskonsole unter „Bildschirm“ mit den Arbeitsflächenoptionen: Moksha erlaubt Linux-üblich beliebig viele virtuelle Desktops und kann diese attraktiv mit je eigenen Hintergrundbildern ausstatten und beim Wechsel Übergangseffekte anzeigen. Beim Einsatz des „Arbeitsflächenumschalters“, der als Modul in einer Systemleiste oder solo als „Helfer“ am Desktop realisiert werden kann, können Sie Programmfenster einfach mit der Maus von einer Arbeitsfläche zur anderen ziehen. Diese Funktion ist komfortabel, wenn die verkleinerte Desktop-Darstellung im Arbeitsflächenumschalter nicht zu mikroskopisch, als der Umschalter eher groß ausfällt.
Maus und Tastatur: Unter „Eingabe“ gibt es als „Kantenbelegungen“ das, was andere Desktops „Aktive Ecken“ nennen. Jedoch bietet Moksha hier ungleich mehr an Fenster- oder Programmaktionen an als jeder andere Desktop. Ähnlich uneingeschränkt lassen sich unter „Eingabe“ die Maus und Tastatur minutiös einrichten. Allein die Durchsicht der voreingestellten Möglichkeiten dürfte überraschen: Dass man etwa jedes Fenster mit Alt-Taste plus Mausradklick skalieren kann, ohne in eine Fensterecke fummeln zu müssen, bedeutet wie vieles Weitere echten Komfort.

Moksha-Elemente: Hier arbeiten drei Modulablagen, eine iBar-Favoritenleiste (links), ein Desktop-Umschalter (unten), eine weitere Leiste links. Die Prozessliste und die Laufwerksanzeige sind als „Helfer“ realisiert. Das Hauptmenü ist immer erreichbar und startet hier die Einstellungskonsole.

Leisten und „Helfer“ optimieren

Neben dem Hauptmenü sind Leisten („Modulablagen“) und Desktop-Gadgets („Helfer“) die prägenden Elemente. Eine Leiste kann viele Module aufnehmen, ein „Helfer“ ist ein einzelnes Modul am Desktop. Die Module sind aber hier und dort dieselben. Angebot und Anzahl hängt, wie beschrieben, davon ab, was in der Einstellungskonsole unter „Erweiterungen -> Module“ aktiviert ist.
„Modulablagen“ (Leisten): Wenn Sie eine bestehende Leiste rechts anklicken, erscheint unter anderem die Option „Shelf…“ (sofern Sie der Leiste bislang keinen eigenen Namen gegeben haben). Hier kommen Sie dann über „Inhalte“ an die Module und können aktuell enthaltene (farbiges Symbol) entfernen oder inaktive (graues Symbol) zur Leiste hinzufügen. Auf demselben Weg kommen statt an die „Inhalte“ an die „Einstellungen“ der Leiste, wo sich Position, Größe und Optik ändern lassen. Bei der Position am Bildschirmrand sind nicht weniger als 12 Möglichkeiten vorgesehen. Außerdem gibt es natürlich Optionen zum automatischen Verbergen der Leisten. Wenn eine Modulablage mehrere Module enthält, gibt es nach Rechtsklick außerdem die Möglichkeit, die Einzelteile innerhalb der Leiste zu verschieben. Das funktioniert dann per Drag & Drop, ist aber mitunter fummelig. Das Verschieben von Leistenmodulen ist die einzige Aktion, die Sie direkt an der Leiste auslösen müssen, alles andere ist auch zentral über die Einstellungskonsole unter „Erweiterungen -> Modulablagen“ zu erreichen.
„Helfer“ (Gadgets): Ein einzelnes Modul am Desktop definieren Sie in der Einstellungskonsole unter „Erweiterungen -> Helfer -> Ebenen -> Hintergrund“. Das neue Desktop-Modul kann danach am Desktop verschoben und skaliert werden. Dies funktioniert später auch jederzeit nach Rechtsklick auf das Modul, Klick auf den Modulnamen und „Einstellungen“. Ein Helfer hat gegenüber einer Modulablage mit nur einem Modul nur den einen Vorteil, dass er beliebig positionierbar ist.

Komplexe Leistenanpassung: Um die Modulablage selbst und nicht etwa nur ein Modul anzupassen, müssen Sie nach Rechtsklick den blau-roten Eintrag wählen.
Moksha-Fensteroptionen: Hier ist alles drin, was technisch geht. In jedem Fall nützlich ist das „Erinnern“ von Größe und Position.

Weitere Spezialitäten in Moksha und Bodhi

Fensterposition: Moksha hat deutlich mehr Fensterfunktionen als andere Desktops – unter anderem auch eine Erinnerungsfunktion für Programmfenster. Nach Rechtsklick auf die Titelleiste eines Fensters können Sie über „Fenster -> Erinnern“ die aktuelle Größe und Position für alle künftigen Programmstarts festlegen.
Screenshots: Unter Moksha zeigt jedes Programmfenster die Option „Foto machen“. Dadurch entsteht ein Screenshot des jeweiligen Fensters. Im Hauptmenü gibt es standardmäßig die Option „Bildschirmfoto machen“, die ein Desktop-Vollbild erstellt. Feinheiten hierzu bietet die Einstellungskonsole unter „Erweiterungen -> Screenshot Settings“.
Terminal: „Terminology“ ist speziell wie vieles unter Bodhi. Es entspricht zwar in den Grundfunktionen dem Gnome-Terminal, hält aber elegante Spezialitäten bereit, die sich nach Rechtsklick automatisch einblenden. Mit Split-Funktionen, Kopieren und Einfügen per Mausklick wird der Terminal-Komfort deutlich erhöht. Unter „Einstellungen“ gibt es weitere Raffinessen wie Hintergrundbilder.
Everything: Dieses Tool ist ein Programmstarter mit Kategorien, kann aber auch durch Verzeichnisse navigieren oder Bilder anzeigen. Hilfreich ist das Tool auch durch seine Optionen „Fenster“ und „Einstellungen“. Dies bietet alternativen Zugriff auf die laufenden Tasks und die Optionen der Moksha-Einstellungskonsole.

Exzellentes Terminal: „Terminology“ hat auf Rechtsklick sehr komfortable Funktionen parat. Einige schrille Optionen sind Geschmackssache.

 

Moksha und Bodhi Linux

Das aktuelle Bodhi Linux 4.1.0 nutzt als Systembasis Ubuntu 16.04.1 LTS. Die Distribution definiert sich in erster Linie durch die Moksha-Oberfläche 0.2.1 und eine zunächst eher spartanische Software-Ausstattung. Als Paketverwaltung dienen vorzugweise Synaptic oder apt im Terminal, während das alternative „Bodhi AppCenter“ eher abfällt. Bodhi Linux ist in der 32-Bit-Variante bootfähig auf Heft-DVD.

Projektseite: www.bodhilinux.com

Download: https://sourceforge.net/projects/bodhilinux

Infos: www.bodhilinux.com/w/wiki
https://wiki.archlinux.org/index.php/Enlightenment
www.enlightenment.org

Pro und Contra

Bodhi mit Moksha ist sparsam und frappierend schnell. Und wer die Zeit investiert, schafft sich mit Moksha ein absolutes Desktop-Unikat – nicht nur optisch, sondern auch in der Bedienung. Das muss man sich aber erarbeiten: Ausufernde Aktionslisten etwa bei Tastatur- und Mausbelegungen nötigen zu langer Suche. In der Einstellungskonsole stehen fundamentale und marginale Optionen ohne rechte Gewichtung nebeneinander. Die Unterscheidung zwischen wichtig und unwichtig ist daher ein mühsamer Lernprozess. In den Anpassungsdialogen wird wenig erklärt und Wissen und Terminologie vorausgesetzt. Daneben gibt es auch kleinere technische Mängel: Manche kleine Moksha-Dialoge lassen sich nicht skalieren und geraten dadurch unübersichtlich. Nicht im Benutzeralltag, aber bei intensiver Konfigurationstätigkeit mit Einstellungskonsole und Leisten ist auch gelegentlich ein Moksha-Absturz im Repertoire, was sich am sanftesten in der virtuellen Konsole (Strg-Alt-F1) mit sudo pkill lightdm beantworten lässt. Moksha ist ein Abenteuer.

Linux-Mini-Server mit Python

Http-Server mit Python: Mit einem Terminalbefehl ist ein Downloadserver für das aktuelle Verzeichnis eingerichtet. Hier erfolgt der Zugriff über Firefox unter Windows.

Nahezu jedes Linux-System verfügt über eine ungeahnte Möglichkeit, einen Ordnerinhalt ganz einfach anderen Teilnehmern im Netzwerk per Webbrowser (lesend) zugänglich zu machen. Der Scriptinterpreter Python, der in den meisten Linux-Distributionen vorinstalliert ist, enthält einen Webserver, der mit einem einzigen Befehl bei Bedarf im Terminal aus dem gewünschten Verzeichnis heraus in Gang gesetzt wird:

python -m SimpleHTTPServer 4444

Jeder andere Teilnehmer mit Webbrowser kann nun, während dieser Mini-Webserver läuft, über die IP-Adresse des Linux-Rechners und der Portnummer auf die Dateien in diesem Verzeichnis lesend im Browser zugreifen und Dateien herunterladen. Je nachdem, wo der Python-Befehl ausgeführt wird, steht das komplette Dateisystem oder nur ein Unterverzeichnis zur Verfügung.

Hat der Linux-PC beispielsweise die IP-Adresse 192.168.0.2, so kommt man auf jedem Rechner mit dem Browser und der Adresse

http://192.168.0.2:4444

zur Freigabe. Auf dem Linux-Rechner beendet Strg-C den temporären Mini-Webserver wieder.

 

Android für PCs, Notebooks und Netbooks

301_5_Android_Notebook
Einfach. Funktional. Hübsch: Wer Senioren, Kinder und Einsteiger davon überzeugen will, dass die Computer-Benutzung einfach ist und Spaß macht, sollte ein Android-x86 anbieten.

Android – das ist ja eigentlich das Linux für Smartphone und Tablets. Aber bei passender Zielgruppe kann sich Android als ideale Lösung für PCs, Notebooks und Netbooks entpuppen. Mit der Portierung Android-x86 liegt ein System für solche Zielgeräte vor. Wo es sich eignet, lesen Sie hier.

Android-x86 für Intel- und AMD-Rechner besitzt zwei Eigenschaften, die es für bestimmte Szenarien attraktiv machen: Es ist erstens Hardware-technisch relativ anspruchslos und läuft auch auf älterer und schwächerer Hardware. Es hat zweitens mit dem Google Play Store eine einfache und relativ sichere Software-Quelle und vor allem ein simples Bedienkonzept, dessen Hauptelemente Sie jedem Anfänger und Einsteiger schnell erklärt haben. Die Nachteile und Einschränkungen sind aber auch deutlich: Ein Android-System ist auf rezeptive Ansprüche ausgerichtet – Surfen, Mails abholen, E-Books lesen, Musik hören. Mails oder Notizen zu verfassen, ist sicher auch kein Problem, aber für richtig produktives Arbeiten taugt es nur bedingt. Android-x86 ist daher genau dort die richtige Wahl, wo ein Rechner technisch Unbedarften den Zugang zu Internet, Mail und Medien bereitstellen soll. Und die Android-Ausrichtung auf kleine Displays prädestiniert das System noch einmal in besonderer Weise für Netbooks und Notebooks.

Android-x86 auf USB-Stick oder SD-Karte

Auf der Seite www.android-x86.org/download gibt es aktuell folgende Versionen:

Android-x86 4.4 (android-x86-4.4-r5.iso) ist die stabile Version, die wir aufgrund des geringen Speicherbedarfs als beste Wahl einschätzen. Dieser Artikel bezieht sich überwiegend auf Version 4.4.

Android-x86 5.1 (android-x86-5.1-rc1.iso) ist als RC1 noch „Release Candidate“ und daher noch in der Entwicklung. Die überschaubaren optischen und funktionalen Vorteile dieser Version können die Nachteile insbesondere beim Speicherbedarf nicht aufwiegen.

Für ganz Experimentierfreudige gibt es unter www.fosshub.com/Android-x86.html auch noch eine Vorversion 6.0, die ausdrücklich mit „for testing“ gekennzeichnet ist.

Nach dem Download des nur circa 440 MB großen ISO-Images schreiben Sie das System zunächst bootfähig auf USB-Stick oder SD-Karte. Unter Windows ist der Win 32 Disk Imager das geeignete Tool (auf Heft-DVD), unter Linux das Kommandozeilen-Tool dd:

dd if=android-x86-4.4-r5.iso of=/dev/sdb

Wie immer in solchen Fällen ist bei der Angabe des Zielgeräts (hier im Beispiel „sdb“) beziehungsweise bei der „Device“-Angabe beim Win 32 Diskimager hundertprozentige Gewissheit erforderlich, das richtige Medium zu beschreiben.

301_1_Android-x86-Bootoptionen
Test vor der eigentlichen Installation: Der Live-Betrieb ist etwas lästig, weil Android-x86 auch hier diverse Setup-ähnliche Angaben fordert. Aber danach wissen Sie, ob die Installation lohnt.

Nach dem Booten vom Flash-Medium erscheint ein Bootmenü mit vier Optionen, die erste und vierte davon sind wesentlich:

„Run Android-x86 without installation“ bedeutet einen Testlauf im Live-System. Der kann nicht schaden, weil Sie hier empirisch feststellen, ob Android-x86 auf dem genutzten Gerät die komplette Hardware erkennt (WLAN-Adapter, Kamera, USB-Peripherie, Funktionstasten, Energiesparfunktionen). Außerdem erhalten Sie einen Eindruck von Bedienung und Optik. Etwas umständlich ist der Live-Modus jedoch deshalb, weil Sie diverse Voreinstellungen treffen müssen (Sprache, WLAN, Google-Konto), obwohl diese nur temporär für diese Sitzung gelten. Wer noch vor einem Testlauf im Live-System sichergehen will, ob das gewünschte Zielgerät für Android-x86 in Betracht kommt, kann sich auch unter www.android-x86.org/hardware-list informieren. In der realen Welt dürften aber deutlich mehr als die hier angezeigten Netbooks und Notebooks problemlos oder mit tolerierbaren Detailmängeln unter Android-x86 laufen.

„Install Android-x86 to harddisk“ installiert das System auf eine Festplatte oder ein Flashmedium. Im englischsprachigen Textinstaller erscheinen die verfügbaren Partitionen zur Auswahl, die erste Festplatte als „sda“. Für den Fall, dass die Partitionsverhältnisse erst eingerichtet werden müssen, gibt es mit „Create/Modify partitions“ den einfachen, textbasierten Partitionsmanager cfdisk. Der reicht aus, um Partitionen zu löschen und neu anzulegen. Wenn Sie Partitionsgrößen ändern müssen, erledigen Sie das besser vorab mit einem Linux-Live-System und dem Tool Gparted.

Anschließend erfolgt die Abfrage des Dateisystems, wobei neben ext2/3/4 auch „ntfs“ oder fat32″ möglich sind. Die Frage, ob GRUB installiert werden soll, sollte man unbedingt bejahen, um das Zielmedium bootfähig zu machen.

Die Kopie des kleinen Systems auf den Zieldatenträger ist schnell erledigt, und nach der Schlussmeldung „Run Android-x86“ oder „Reboot“ kann das Installationsmedium entnommen werden. Nun erfolgt die eigentliche Einrichtung, zunächst die Auswahl der Systemsprache, die Sie – nicht ganz offensichtlich – durch die Cursor-Taste nach oben auf „Deutsch (Deutschland)“ umstellen können. Danach geht es unter anderem um dem Zugang zum Standard-WLAN und die Angabe des Google-Kontos. Dabei ist nur die persönliche Adresse erforderlich – also ohne „@googlemail.com“ oder „@gmail.com“, das nach Sprung in nächste Eingabefeld automatisch ergänzt wird. Diese Info ist nicht ganz überflüssig, da Sie an dieser Stelle noch mit englischem Tastaturlayout arbeiten und die Suche nach dem @-Zeichen eine lästige, aber völlig unnötige Bremse bedeuten kann.

Die Anmeldung bei Google ist unbedingt zu empfehlen, weil nur so der Zugang zum Google Play Store offensteht. Wenn mit dem Google-Konto bereits ein weiteres Gerät verknüpft ist (also ein Android-Smartphone oder Tablet), dann werden automatisch alle dort eingerichteten Apps auch auf dem x86-Gerät installiert. Das kann praktisch sein, aber eventuell auch lästig, falls das Zielgerät andere Apps nutzen soll. Die Synchronisierung zahlreicher Apps wird Android erst einmal einige Minuten voll beschäftigen und auslasten. Am besten warten Sie mit der weiteren Einrichtung ab, bis diese Aktion abgeschlossen ist.

301_2_Android-x86-Partitionierung
Textbasierter Partitionierer: Der Android-x86-Installer bringt das Tool cfdisk mit, das zum Erstellen neuer Partitionen ausreicht. Komplizierteres erledigen Sie

Hardware und Leistung

Android-x86 ist auf älterer Hardware kein Schnell-Booter. Der Start dauert auf unserem EEE-Netbook mit Atom-CPU gut 50 Sekunden, was aber kein Hinweis auf einen zähen Benutzeralltag ist. Einmal gestartet, verhält sich das System auch bei bescheidener Hardware jederzeit performant. Einzige Ausnahme ist der schon erwähnte Synchronisierungsvorgang bei der Ersteinrichtung, wenn zahlreiche Apps gemäß der Ausstattung eines anderen Android-Geräts installiert werden.

Beim älteren Android 4.4-r5 liegt die Speicherauslastung für das pure System bei nur etwa 200 MB. Dies sind die angezeigten Werte auf einem Netbook mit 1 GB RAM, auf einem Notebook mit 4 GB RAM nimmt es sich mit 250 bis 300 MB etwas mehr (gemessen mit dem „System Monitor Lite“ von Christian Göllner). Das ist weit weniger als jedes Windows-System fordert, die Werte sind aber auch mit Linux-Systemen kaum zu unterbieten.

Das jüngere Android-x86 5.1-rc1 belegt circa 470 MB bei installiertem 1 GB RAM. Die Differenz zur Vorgängerversion fällt damit so gravierend aus, dass wir auf Zielgeräten mit nur einem GB RAM (wie typischerweise Netbooks) die ältere Version 4.4-r5 empfehlen.

301_3_Android-4.4.-RAM
Android-x86 in Version 4.4-r5: Wenn das Zielgerät keine üppige Speicherausstattung bietet, ist diese Version die beste Empfehlung. Das jüngere Android-x86 5.1-rc1 benötigt über 450 MB.

Bei verkabelten wie auch kabellosen Netzwerkverbindungen hat Android-x86 keine Schwierigkeiten, solange es sich bei den WLAN-Adaptern um integrierte Netbook- und Notebook-Chips handelt. Heikler dürften, wie bei Linux generell, externe WLAN-Empfänger am USB-Anschluss sein.

Angeschlossene USB-Geräte werden problemlos erkannt. Das gilt für optionale Eingabeperipherie wie Mäuse ebenso wie für USB-Festplatten oder Sticks. Bei Datenspeichern erfolgt aber keine automatische Benachrichtigung: Sie finden die Medien dann in der Navigationspalte des Standard-Dateimanagers oder im stets zu empfehlenden Total Commander für Android unter „USB“.

Die speziellen Funktionstasten zur Helligkeits- und Lautstärkesteuerung von Netbooks und Notebooks arbeiten erstaunlich gut unter Android-x86, aber mit der einen oder anderen Fehlfunktion ist immer wieder mal zu rechnen. Hier muss dann gegebenenfalls eine passende App aushelfen.

Wer sich für Android auf einem größeren Monitor entscheidet, muss sich im Klaren sein, dass er hier mit Apps im Vollbildmodus arbeiten wird, die auf kleine Tablet- und Smartphone-Displays optimiert sind. Android hat nur bescheidene Möglichkeiten, die Smartphone-GUI auf Monitor-Dimensionen zu trimmen: Unter „Einstellungen -> Display -> Schriftgröße“ hilft die Einstellung „klein“ ein Stück, ändert aber nichts daran, dass manche Vollbild-App ins Auge bombt.

Zum Herunterfahren des Systems tippen Sie den Power-Knopf des Geräts zweimal kurz an. Dann erscheint das Android-Popupfenster mit mehreren Optionen wie „Herunterfahren“ oder „Neustarten“, das nach Mausklick den gewählten Job erledigt. Diese Methode ist auf Netbooks und Notebooks die einfachste. Ob bei dieser Methode auch PCs mitspielen, haben wir nicht getestet. Bei der älteren Version 4.4-r5 funktioniert aber auch der Klick auf das Datum oben rechts und dort die Option „Herunterfahren“. Und nicht zuletzt gibt es wieder diverse Shutdown-Apps im Google Store.

301_4_Android-x86
Home-Screen mit Standardhintergrund: Die Einrichtung von Android-x86 auf dem PC entspricht technisch vollständig der Anpassung eines Android-Smartphones oder Tablets.

Bedienung und Anpassung

Die Systemsprache lässt sich schon bei der Installation auf Deutsch setzen. Das Tastaturlayout bleibt danach allerdings weiter Englisch. Dies ist unter „Einstellungen -> Sprache & Eingabe -> Tastatur & Eingabemethoden“ zu korrigieren. Als eine weitere der allerersten Einstellungen (unter „Einstellungen -> Display“) sollten Sie das automatische Drehen der Anzeige abstellen: Auf Geräten ohne Lagesensor bereitet es erhebliche Probleme, ein gedrehtes Display wieder in die horizontale Standardlage zu bringen. Früher oder später wird das kleine Malheur in jedem Fall geschehen, da manche App ohne Rücksicht auf eine gewünschte Standardausrichtung den Bildschirm dreht. Meist hilft es, diese App über die Taskliste (rechter „Recents“-Button) zu beenden, um dadurch automatisch wieder zur Standardanzeige zurückzukehren. Besorgen Sie sich dennoch vorsorglich eine spezielle App wie „Rotation Control“ aus dem Google Store, mit der Sie bequem die Ausrichtung korrigieren können.

Die wesentlichen Aktionen erfolgen über den linken „Zurück“-Button, mittigen „Home“-Button und rechten „Recents“-Button. Dies ist einfach genug, wird aber mit physischer Tastatur noch einfacher, weil auch die Tasten Esc, Windows und die Kontextmenü-Taste (neben der rechten Strg-Taste) dieselben Funktionen erfüllen. Und statt dem Wischen auf dem Touchscreen hilft hier die gedrückte Maustaste und Ziehen in die gewünschte Richtung, je nach App funktioniert auch das Scrollen mit dem Mausrad.

Die Anpassung von Android-x86 folgt den Regeln eines Android auf ARM-Architektur. Längerer Klick auf eine freie Stelle des Home-Bildschirms eröffnet die Möglichkeit, das Hintergrundbild zu ändern oder Widgets auf dem Home-Bildschirm zu platzieren. Apps in der Gesamtliste können durch längerem Mausklick markiert und danach auf den Home-Bildschirm gezogen werden. Sammelordner am Home-Screen entstehen durch Drag & Drop bereits vorhandener App-Icons aufeinander.

Den Task-Wechsel und das Beenden von Apps erledigen Sie über den rechten „Recents“-Button: In der älteren Version 4.4 ziehen Sie dort eine App aus dem Bildschirm, um sie zu beenden. Im jüngeren 5.1 warten Sie kurz, bis alle Apps das Schließen-Symbol („x“) anzeigen. Sie lassen sich dann per Klick auf dieses Control beenden.

Android-x86 ist ohne nähere Konfiguration ein Einbenutzersystem ohne Anmeldung und startet ungeschützt zum Desktop. Eine Authentifizierung lässt sich über „Einstellungen -> Sicherheit -> Display-Sperre wählen“ einrichten. Über „Einstellungen -> Nutzer“ können Sie auch weitere Konten und damit ein Mehrbenutzersystem konfigurieren.

Remix OS: Aufgebohrtes Android-x86

Android ist ein schlankes System für Smartphones und Tablets, die Portierung Android-x86 eine attraktive Alternative für Netbooks und Notebooks. Das ist aber früheren Google-Mitarbeitern längst nicht genug, die sich unter dem Firmennamen Jide Technology zusammengetan haben: Als Remix OS soll Android-x86 den PC-Desktop generell erobern. Auf der Projektseite www.jide.com können Sie sich über Remix OS informieren, Downloads der 32- und 64-Bit-Varianten gibt es unter www.jide.com/remixos-for-pc#downloadNow. Das Zip-Archiv hat je nach Ausführung bis zu 717 MB, beim Extrahieren entsteht das ISO-Image mit circa 2,5 GB, ferner eine ausführbare Datei (Remixos-installation-tool-B2016030102.exe) für die Einrichtung unter Windows.

Wer kein Windows-System verwendet, kann das ISO-Image einfach mit dem Kommandozeilen-Tool dd auf einen USB-Stick schreiben. Beim Einsatz von Remix OS auf USB kommt nur USB 3.0 in Betracht. Bei langsameren 2.0-Medien oder 2.0-Ports am Gerät startet das System erfahrungsgemäß nicht, bringt aber keine Fehlermeldungen, sondern bearbeitet das Medium in Endlosschleife.

Da es im Live-System (Option „Guest mode“ beim Booten) keinen Installer gibt, macht es etwas Mühe, Remix OS auf eine Festplatte zu bringen. Einfach geht das nur, wenn auf dem Gerät ein Windows vorliegt und das genannte Windows-Tool genutzt werden kann. Ist kein Windows vorhanden oder soll dieses durch Remix OS ersetzt werden, dann helfen zwei USB-Sticks – der eine mit dem ISO-Image von Remix OS, der zweite mit einem beliebigen Linux-Live-System. Mit dd im Live-System schreiben Sie dann das ISO-Image auf die Festplatte des Zielgeräts.

Remix OS hat inzwischen zwar bereits Versionsnummer 2.0, bezeichnet sich aber immer noch als „Beta Version“ – mit gutem Grund: Der Systemstart ist sehr zäh, die Einstellung der deutschen Oberfläche führt zu einem gemischtsprachigen System (Deutsch-Englisch), und das Keyboardlayout bleibt komplett Englisch. Mit Hängern und App-Abstürzen muss man jederzeit rechnen, und nicht zuletzt fehlt diesem Android-x86 der Google Play Store. Im Prinzip lassen sich die unentbehrlichen Google Services (inklusive Google Play Store) einbauen, indem Sie das Android Package GMSActivator.apk manuell herunterladen und unter Remix OS installieren. Dafür muss unter „Einstellungen -> Sicherheit -> Unbekannte Herkunft“ die Installation aus Fremdquellen erlaubt werden. Wir hatten danach allerdings erhebliche Probleme inklusive Abstürze bei der Benutzung von Google Play. Eine Alternative sind noch seriöse APK-Quellen wie www.apkmirror.com, wo Sie Android-Pakete downloaden können, um sie anschließend manuell zu installieren.

Das Konzept von Remix OS ist offensichtlich: Mit Startmenü, Taskleiste und skalierbaren App-Fenstern wird aus Android ein echter Multitasking-Desktop. Damit gehen Android aber alle Merkmale verloren, die es für spezielle Einsatzgebiete interessant machen: Der Speicherbedarf des Systems liegt weit über einem GB und die GUI-Bedienung ist weit entfernt vom simplen Android-Konzept (wenn auch nicht wirklich kompliziert). Somit hinterlässt dieses Projekt etwas Rätselraten, denn Desktop-Systeme auf Linux-Basis gibt es genug – besser, ökonomischer und mit großem Software-Angebot.

301_6_Remix_OS_TotalCommander
Sieht besser aus als es ist: Remix OS macht Android-x86 zum Desktop-System. Das klingt ambitioniert, ist aber tendenziell überflüssig und aktuell meilenweit von einem reifen Zustand entfernt.

 

 

Wer ist Bommel?

Bommel_20150416

Das abgebildete schwarze Tier hat gut 70 cm Risthöhe und 34 kg Gewicht. Es nennt sich Bommel und wird von den meisten Menschen als Hund wahrgenommen. In der Tat interessiert er sich für Individuen dieser Spezies, insbesondere für weibliche, jedoch mit tendenziell bisexueller Ausrichtung auch für kastrierte männliche. Trotz weiterer hündischer Merkmale des Prinzips „Immer der Nase nach“ bin ich mir nach drei Jahren mit diesem Tier so gut wie sicher, dass es sich um KEINEN Hund handelt:

Hunde rennen Stöckchen und Frisbees hinterher, Bommel nur Weibern.
Hunde denken nur ans Fressen, Bommel will eine Einladung zum Napf plus Bestätigung am Napf, dass die Einladung wirklich gilt.
Hunde wälzen sich in schlammigen Pfützen, Bommel macht einen Bogen.
Hunde danken dir für ein Leckerli, indem sie noch den halben Finger als Zugabe nehmen. Bommel holt es sich mit zartester Rücksicht.
Hunde hören auf „Stop“ und „Down“, Bommel schaut, ob das im Moment sinnvoll ist. Sieht er keinen Anlass („Hier ist kein Auto!“), schaut er mich tadelnd an – und lässt es.

Bommel ist wahrscheinlich kein Hund, sondern ein Pudel. Nach Goethe und Schopenhauer ist ein Pudel ein Wesen mit durchaus ungewissem Kern. Ich werde die nächsten Jahre nutzen, Genaueres herauszufinden.

Sonne mag ich nicht...

Windows-Software unter Linux: Wine und PlayOnLinux

Wine ist bekanntlich ein Nachbau der Windows-API unter Linux, der eine Vielzahl von Windows-Programmen unter Linux lauffähig macht. Wo immer dies möglich ist, ist dies der direktere Weg gegenüber einer Virtualisierungslösung.

Über Wine und sein komfortables Frontend PlayOnLinux allgemeingültige, praxisnahe technische Anleitungen zu liefern, ist nicht ganz einfach: Streng genommen kann man immer nur das erfolgreiche Einrichten genau eines Windows-Programms erklären. Bei der nächsten Software kann sich der Vorgang schon wieder deutlich unterscheiden, und einen dritten Kandidaten überreden auch trickreiche Nachbesserungen nicht zur Zusammenarbeit. Dieser Artikel kann daher nur die Grundregeln beschreiben.

playonllinux und wine
Winecfg und PlayOnLinux: Hinter dem Frontend bleibt Winecfg (rechts) das maßgebliche Konfigurationstool, das unter anderem festlegt, welche Laufwerke die Windows-Software „sieht“.

Zum Verhältnis Wine und PlayOnLinux

Wine („Wine Is Not an Emulator“) stellt die eigentliche Laufzeitumgebung und Windows-API (Application Programming Interface) bereit und basiert auf mühevoller Rekonstruktion des nicht offenen Windows-Quellcodes durch Experimentieren und Reverse-Engineering. Aufgrund dieser Arbeitsweise ist die von Wine angebotene Windows-API auch nach über 20 Jahren der Entwicklung immer noch lückenhaft, aber inzwischen ausreichend für viele und zum Teil auch komplexe Windows-Programme und –Spiele wie Photoshop oder Halflife. Welche Windows-Software unter Wine zuverlässig läuft, zeigt die Datenbank http://appdb.winehq.org. Linux-Nutzer mit wenig Erfahrung sollten sich an die Kategorien „Platin“ und „Gold“ halten, alle anderen Einstufungen erfordern manuelles Nachbessern.

PlayOnLinux ist im Prinzip nur ein zusätzliches Konfigurationswerkzeug für Wine. Aber es vereinfacht Installationen von Software und bietet vor allem eine komfortable Verwaltung für mehrere Wine-Versionen auf einem Rechner. Es ist nämlich leider keineswegs so, dass die aktuellste Wine-Version auch die beste für jede Windows-Software darstellt. Vielmehr gibt es vor allem für ältere Software ältere Wine-Versionen, welche die optimalen Bedingungen garantieren.

Mit PlayOnLinux nimmt zwar die Wine-Komplexität weiter zu, dennoch gehen wir nachfolgend davon aus, dass Sie Wine in Kombination mit diesem grafischen Frontend nutzen. Ursprüngliches Ziel des Frontends war es, populäre Windows-Spiele besonders komfortabel lauffähig zu machen – daher der Name des Tools. Heute hat Playonlinux aber auch Windows-Programme wie Microsoft Office oder Dreamweaver im Repertoire.

Der Installationsdialog von PlayOnLinux
Der Installationsdialog von PlayOnLinux

Installation über PlayOnLinux

Obwohl es unter den Distributionen auch einige Ausnahmen gibt: In den meisten Fällen sind die Pakete Wine und PlayOnLinux nicht vorinstalliert, weil sie relativ viel Platz beanspruchen und die installierbaren Live-Systeme um circa 200 MB anwachsen ließen. Unter Debian, Ubuntu, Mint und Varianten installiert der Befehl

sudo apt-get install playonlinux curl p7zip-full

alle notwendigen Komponenten. Beachten Sie, dass PlayOnLinux ein aktuelles Wine automatisch mitbringt. Beim Verfassen dieses Beitrags handelte es sich unter Ubuntu um Wine 1.7.12. PlayOnLinux ist aktuell bei Version 4.2.5, bei der Installation über die Ubuntu-Repositories erhalten Sie derzeit Version 4.2.2.

Bei der Installation gibt es unter einigen Distributionen eine irritierende Bremse: Es erscheint ein Textfenster „Konfiguriere ttf-mscorefonts-installer“. Es handelt sich um die EULA (End User License Agreement) für einige Windows-Truetype-Standardschriften, die Sie bestätigen sollen. Allerdings lässt sich das „OK“ in diesem Textfenster nicht direkt mit Eingabetaste erreichen. Vielmehr müssen Sie erst mit der Tab-Taste das „OK“ aktivieren, um den Vorgang mit Eingabetaste fortsetzen zu können.

Vor dem Start von PlayOnLinux sollten Sie erst winecfg aufrufen, am einfachsten via Terminal. Beim Start dieses Konfigurationstools werden oft noch fehlende Komponenten angemahnt und die automatische Nachinstallation angeboten. Außerdem können Sie vorab festlegen, welche Laufwerke die Windows-Software nutzen darf. Erst danach starten Sie PlayOnLinux über das Startmenü oder das Dash. Nach diesen Aktionen sind bereits wichtige Ordnerstrukturen und virtuelle Laufwerke angelegt. Sie finden im home-Verzeichnis den versteckten Ordner ~/.PlayOnLinux/wineprefix, der die virtuellen Laufwerke für alle späteren Installationen aufnimmt.

Exkurs: Neueste Versionen

Wenn es die allerneueste Wine-Version sein soll, gibt es für Ubuntu und Mint ein alternatives PPA mit jüngsten Entwicklerversionen. Dafür nehmen Sie in der Kommandozeile das PPA auf und installieren dann die aktuellste Version:

sudo add-apt-repository ppa:ubuntu-wine/ppa
sudo apt-get update
sudo apt-get install wine1.7

die neueste verfügbare Wine-Version.

Auch PlayOnLinux bieten die meisten Repositories nicht in der aktuellsten Version. Diese lautet bei Redaktionsschluss 4.2.5, während etwa Ubuntu die Version 4.2.2 installiert. Die jeweils aktuellste Version erhalten Sie mit diesen vier Befehlen:

wget -q "http://deb.playonlinux.com/public.gpg" -O- | sudo apt-key add -
sudo wget http://deb.playonlinux.com/playonlinux_trusty.list -O /etc/apt/sources.list.d/playonlinux.list

sudo apt-get update

sudo apt-get install playonlinux

Anleitungen zur Installation unter anderen Distributionen bietet die Webseite https://www.playonlinux.com/en/download.html.

Beachten Sie jedoch, dass die Entwicklung bei Wine zwar stetig, aber langsam voranschreitet. Die Notwendigkeit ganz aktueller Versionen ergibt sich nur dann, wenn Sie genau wissen, dass die gewünschte Windows-Software die neueste Wine-Version unbedingt voraussetzt.

Setup mit dem normalen Installationsmedium: Der PlayOnLinux-Assistent fragt nach dem Setup-Medium oder der gemounteten ISO-Datei.
Setup mit dem normalen Installationsmedium: Der PlayOnLinux-Assistent fragt nach dem Setup-Medium oder der gemounteten ISO-Datei.

Varianten der Software-Installation

Nach dem Aufruf vom Playonlinux klicken Sie zunächst auf „Datei -> Installieren“. Das damit geöffnete Installationsmenü zeigt zahlreiche Windows-Programme und Spiele, für die es bewährte Installations-Scripts gibt. Mit der Auswahl und dem Klick auf „Installieren“ einer dieser Software-Vorgaben sind Sie auf einer relativ sicheren Seite. „Relativ sicher“ deswegen, weil sich beispielsweise eine genau analysierte Software wie ein Microsoft Office standardmäßig problemlos installieren lässt, das Setup jedoch scheitert, wenn man versucht, eine benutzerdefinierte Auswahl der Komponenten zu treffen.

In den meisten Fällen benötigen Sie ein reguläres Installationsmedium, also CD/DVD oder auch eine ISO-Datei, die Sie am besten schon vorher über „Öffnen mit -> Einhängen von Laufwerksabbildern“ gemountet haben. Bei frei verfügbarer Open-Source-Software fragt PlayOnLinux nach keinem Installationsmedium, sondern lädt die Dateien aus dem Internet und installiert automatisch. Das bei der Installation neu entstehende Wine-Prefix und auch das zugehörige Verzeichnis unter ~/.PlayOnLinux/wineprefix erhält jeweils den Namen der Software.

Die manuelle Setup-Variante: Ist die gewünschte Software in den Vorgaben unter „Datei -> Installieren“ nicht enthalten, können Sie folgenden Weg versuchen: Im Installationsdialog klicken Sie auf ganz unten auf „Installiere ein Programm, das nicht aufgelistet ist“. Damit startet die manuelle Installation, bei der Sie die Option „Installiere ein Programm in einem neuen virtuellen Laufwerk“ anklicken und für die neue Umgebung einen Namen vergeben. Den nächsten Dialog überspringen Sie mit „Weiter“, sofern Sie mit den dortigen Optionen nichts anfangen können. Wenn die Aufforderung „Bitte wähle die Installationsdatei…“ erscheint, navigieren Sie mit „Durchsuchen“ zur gewünschten Setup-Datei. Ob die Installation funktioniert und anschließend auch die Software, muss der Versuch zeigen.

Manuelle Kopie portabler Software: Portable Windows-Programme benötigen bekanntlich keine Installation. Mit solcher Software lässt es sich besonders einfach experimentieren: Kopieren Sie in eine bereits existierende Laufzeitumgebung unter ~/.PlayOnLinux/wineprefix/[Name]/drive_c/Program Files beliebige portable Programme einfach mit dem Dateimanager. Danach gehen Sie im Hauptdialog von Playonlinux auf „Konfigurieren“ und markieren den Namen der betreffenden Laufzeitumgebung. Nun erscheint die Schaltfläche „Lege eine neue Verknüpfung dieses virtuellen Laufwerks an“, die eine Suche nach ausführbaren Windows-Executables (*.exe) startet. Hier klicken Sie auf die gewünschte Programmdatei und auf „Weiter“. Dadurch entsteht ein neuer Programmeintrag im Hauptdialog von PlayOnLinux, zusätzlich auch noch eine Desktop-Verknüpfung.

Ob das portable Programm dann tatsächlich läuft, erweist sich nach Klick auf „Ausführen“ im Hauptdialog. Der Erfolg ist ungewiss, aber Sie können in einem einzigen Wine-Prefix durch schlichtes Kopieren in den virtuellen Programme-Ordner Dutzende von Programmen ausprobieren. Bei kleineren Tools und einfachen Spielen stehen die Chancen generell gut.

Oft unproblematische portable Software: Viele Windows-Programme sind nach schlichtem Kopieren in den virtuellen Programme-Ordner sofort startklar.
Oft unproblematische portable Software: Viele Windows-Programme sind nach schlichtem Kopieren in den virtuellen Programme-Ordner sofort startklar.

Ergebnis aller Installationsvarianten: Für jede Software ist immer eine bestimmte Wine-Version zuständig. Bei den Programmen, die der Installationsdialog anbietet, holt PlayOnLinux automatisch die passende Wine-Version mit an Bord. Bei manuellen Installationen arbeitet normalerweise die Default-Version des Betriebssystems. Einmal installierte Programme erscheinen im Hauptdialog von PlayOnLinux und lassen sich dort „Ausführen“, „Debuggen“, „Deinstallieren“ und genauer „Konfigurieren“. Eine komplette Prefix-Umgebung können Sie unter „Konfigurieren -> Entfernen“ wieder löschen. Falls dies nicht klappt, löschen Sie einfach den betreffenden Ordner unter ~/.PlayOnLinux/wineprefix.

Hauptdialog von PlayOnLinux nach erfolgten Installationen: Die rechte Spalte bietet die Links für alle Aktionen wie das Starten, Debuggen oder detaillierteres Konfigurieren.
Hauptdialog von PlayOnLinux nach erfolgten Installationen: Die rechte Spalte bietet die Links für alle Aktionen wie das Starten, Debuggen oder detaillierteres Konfigurieren.

Debugging und Experimente

Wine bietet eine erstaunlich zuverlässige Basis der Windows-API, kann aber natürlich nicht die zahllosen Spezialitäten berücksichtigen, wie sie Tausende von Windows-Programmen voraussetzen. Das beginnt bei harmlosen Registry-Einträgen und geht bis zu speziellen DLL-Versionen, .Net- oder DirectX-Versionen. Bei besonders prominenter Software ist der Ehrgeiz der Community groß, diesen Spezialitäten mit genau recherchierten Installations-Scripts Rechnung zu tragen. Bei weniger prominenter Software ist Wine die solide Basis, die aber oft erst durch eigenes Experimentieren zum Erfolg führt: Wenn ein Windows-Programm nach der Installation nicht läuft, bedeutet das nicht, dass es prinzipiell nicht funktioniert. Wer einerseits die Struktur von PlayOnLinux verstanden hat, andererseits einige Windows-Kenntnisse mitbringt, hat gute Chancen, eine störrische Software durch Experimentierten zur Arbeit zu bewegen:

Jedes installierte Programm lässt sich im PlayOnLinux-Hauptdialog markieren, danach auf der rechten Seite mit dem Link „Ausführen“ starten. Wenn dies nicht funktioniert, starten Sie das Programm an gleicher Stelle mit dem Link „Debug“, um das Debug-Logfile anzuzeigen. Das Logfile nennt die Probleme deutlich beim Namen– etwa „Library XYZ.DLL not found…“. Allgemeine Windows-Komponenten wie DirectX und .Net lassen sich über den Link „Konfigurieren“ unter der Registerkarte „Installiere Komponenten“ genau für dieses Programm nachrüsten. Wenn aber – wie im obigen Beispiel – ganz spezielle, fehlende DLL-Dateien genannt werden, hilft nur eines: Kopieren Sie die fehlenden Dateien von einer parallelen Windows-Installation manuell nach Linux. Zielordner ist dann entweder ~/.PlayOnLinux/wineprefix/[Prefix-Name]/drive_c/windows/system32 oder direkt das Programmverzeichnis ~/.PlayOnLinux/wineprefix/[Prefix-Name]/drive_c/Program Files/[Programm].

Wenn Sie die DLL-Dateien unter System32 ablegen, starten Sie dann in PlayOnLinux über „Konfigurieren -> Wine -> Wine konfigurieren“ das Tool winecfg, um dort unter „Bibliotheken -> Neue Überschreibung für“ die gewünschte Bibliothek auszuwählen. Mit „Festlegen“ erstellen Sie eine neue Regel, die Sie mit „Bearbeiten“ ändern. Mit der Einstellung „Native“ nutzt Wine dann die manuell kopierte, originale Windows-DLL im virtuellen System32-Ordner statt der eingebauten Wine-Bibliothek (Builtin).

native dlls
Windows-Bibliotheken manuell ersetzen: Wenn Programme laut Debug-Meldung originale Windows-DLLs fordern, kopieren Sie diese und teilen das winecfg mit.

Was für fehlende Komponenten gilt, gilt ähnlich auch für fehlende Informationen in der Windows-Registry. Diese liegt in Form der beiden Dateien system.reg und user.reg im Basisverzeichnis des jeweiligen Wine-Prefix – also unter ~/.PlayOnLinux/wineprefix/[Prefix-Name]. Theoretisch können Sie diese Dateien manuell bearbeiten, was für eine Handvoll Zeilen sicher noch praktikabel ist. Es gibt aber einen wesentlich komfortableren Weg: Auch hier benötigen Sie wieder ein Windows-Referenz-System, auf dem die betreffende Software fehlerlos läuft. Dort nutzen Sie den Registry-Editor Regedit und suchen den Hauptschlüssel der Software auf – typischer Weise [Hkey_Current_User\Software\[Programmname]. Nach Rechtsklick und „Exportieren“ wählen Sie als Ausgabeformat „Win9x-/NT-Registrierungsdateien“ und einen sprechenden Dateinamen.

Diese Exportdatei lässt sich dann bequem in die Registry auf dem Linux-System importieren. Dazu markieren Sie im Hauptdialog von PlayOnLinux das maßgebliche Programm und klicken dann in der rechten Spalte auf den Link „Konfigurieren“, dann auf die Registerkarte „Wine“. Hier finden Sie die Schaltfläche „Registrierungseditor“. Der entspricht exakt jenem unter Windows, und mit „Registry -> Registry importieren“ holen Sie die vorher erstellte Reg-Datei in die Registry Ihres Wine-Prefixes.

Dateizuordnungen festlegen

Wie der Hauptdialog von PlayOnLinux unter „Einstellungen -> Dateizuordnungen“ verspricht, lassen sich Dateitypen anhand ihrer Extension mit einem Wine-Windows-Programm verknüpfen. Ziel ist es, mit einem Doppelklick im Linux-Dateimanager direkt die passende Windows-Software zu laden.

Legen Sie unter „Dateizuordnungen“ mit der Schaltfläche „Neu“ einen neuen Eintrag an. Ein Beispiel wäre etwa die Extension „.xlsx“, falls Sie diese mit Microsoft Excel verknüpfen wollen. Danach klappen Sie neben „Zugewiesenes Programm“ die Drop-Down-Liste der möglichen Wine-Programme auf, wählen das gewünschte Excel und klicken auf „Anwenden“. Damit haben Sie PlayOnLinux darüber informiert, dass es für die Extension „.xlsx“ eine Standardanwendung gibt, der Linux-Dateimanager weiß davon allerdings noch nichts.

Wie der Dateimanager am besten zu informieren ist, darüber finden Sie im Web einige halbrichtige Anleitungen. Nach unserer Erfahrung (mit Nautilus unter Ubuntu und Nemo unter Mint) ist der sicherste Weg folgender: Sie gehen im Terminal mit cd zu einem Verzeichnis, das eine Datei mit der gewünschten Extension enthält. Dort geben Sie nach mimeopen –d den Dateinamen an:

mimeopen –d [Dateiname.ext]

Geben Sie dann die Ziffer ein, die vor „Other“ steht. Damit weisen Sie dem Dateityp unabhängig von bisherigen Vorgaben ein neues Standardprogramm zu. Neben „use command:“ geben Sie jetzt einfach den Befehl „playonlinux“ ein. Damit gibt der Dateimanager die Verantwortung für diesen Typ an PlayOnLinux weiter und dieses weiß wiederum aufgrund der vorher getätigten Dateizuordnung, was es starten soll.

Im letzten Schritt klicken Sie jetzt im Dateimanager eine beliebige Datei dieses Typs rechts an und wählen „Eigenschaften -> Öffnen mit“. Dort sollte jetzt unter anderem auch der Eintrag „playonlinux“ auftauchen, den Sie mit Klick auf die gleichnamige Schaltfläche „Als Vorgabe festlegen“.

mimeopen
Windows-Programm als Standardanwendung: Das Einrichten fordert mehrere (drei) Schritte – hier der Zwischenschritt mit der Umleitung zu PlayOnLinux.