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Netzwerk und Internet: Befehle und Tools
Lokalen Netz Kurzbeschreibung
arp MAC-Adressen aller in letzter Zeit verbundenen Netzgeräte ermitteln
Beispiel: arp -a
ifconfig zeigt alle wesentlichen Netzwerkinfos wie IP und MAC-Adresse, schaltet Adapter ab, holt neue IP-Adresse
Beispiel 1: ifconfig (zeigt Adapter, IPv4- und IPv6-Adresse, MAC-Hardware-Adresse, Download- und Upload-Menge – „RX/TX-Bytes“)
Beispiele 2: sudo ifconfig eth0 down (deaktiviert Adapter eth0) l sudo ifconfig eth0 192.168.1.25 (bezieht neue IP für Adapter eth0)
Befehle aktivieren oder deaktivieren den angegebenen Netzwerkadapter („if“ für „Interface“). Wegen ifconfig weitgehend entbehrlich.
Beispiele: ifup eth0 l ifdown eth0
iwlist nur auf Headless-Servern ohne grafischen Network Manager notwendig: sucht nach verfügbaren Funknetzen und zeigt diese an, ist Voraussetzung für nachfolgendes iwconfig
Beispiel: sudo iwlist scanning
iwconfig nur auf Headless-Servern ohne grafischen Network Manager notwendig: verbindet den WLAN-Adapter mit dem gewünschten Funknetz
Beispiel: sudo iwconfig wlan0 essid [Wlan-Name] key s:[Passwort]
net Sammlung von Befehlen zur Netzwerk-, Samba- und Serveradministration analog zum gleichnamigen Windows-Tool net
Beispiel: net lookup master (Anzeige des Masterbrowsers im lokalen Netz)
net usershare wichtigster Unterbefehl von net für die Samba-Freigabepraxis: informiert über Freigaben, erstellt neue und löscht bestehende
Beispiele 1: net usershare list l net usershare info (knappe und ausführlichere Info über Samba-Freigaben)
Beispiel 2: sudo net usershare add musik /media/music „Musik“ sepp:f (neue Freigabe einrichten)
Beispiel 3: sudo net usershare delete musik (Freigabe entfernen)
rfkill zeigt alle drahtlosen Adapter (Bluetooth, WLAN, UMTS) und schaltet sie bei Bedarf ein oder aus
Beispiele: rfkill list l rfkill block 0 l rfkill unblock 0 (die Adapter müssen mit der Nummer gemäß „rfkill list“ angesprochen werden)
route zeigt die Routing-Tabelle des Systems und die IP-Adresse des Gateways (Router)
Beispiel: route -n (einfachster Weg, die IP-Adresse des Routers zu ermitteln)
smbpasswd verwaltet die Samba-Benutzer für Netzzugriff; fügt Samba-Benutzer hinzu (-a) oder löscht (-x), aktiviert (-e) und deaktiviert sie (-d)
Beispiele: sudo smbpasswd -a sepp l sudo smbpasswd -x sepp
Internet Kurzbeschreibung
curl beherrscht sowohl den Download von Web-Servern wie den Upload auf Web-Server
Download-Beispiel: curl –user sepp:passw0rt –remote-name ftp://seite.de/Download/datei.txt
Upload-Beispiel: curl –upload-file /home/sepp/datei.txt ftp://seite.de/Upload/datei.txt –user sepp:passw0rt
dig liefert Infos zu Internet-Domains gemäß Auskunft des DNS-Name-Servers (ähnlich nslookup)
Beispiele: dig wikipedia.de ANY (alle Infos abfragen) l dig wikipedia.de MX (Mailserver abfragen)
ftp Zugang zu FTP-Servern auf Kommandozeile mit allen wesentlichen Dateibefehlen. Interaktiv obsolet durch Filezilla u. a. Vorteil: ftp ist scriptfähig, automatisierbar und läuft auch auf Servern ohne Oberfläche.
Wichtigste Befehle: open meineseite.de (Verbindung aufbauen) l get datei.txt (Download einer Datei) l put datei.txt (Upload einer Datei)
host liefert die IPv4-, IPv6-Adresse und den Mailserver der abgefragten Domain
Beispiel: host pcwelt.de
mtr ähnlich traceroute: verfolgt den Weg eines IP-Pakets vom Rechner zur Zieladresse, hier aber mit genauen Werten zur Verbindungsqualität
Beispiel: mtr wikipedia.de
nslookup liefert Infos zu Internet-Domains gemäß Auskunft des DNS-Name-Servers (ähnlich und in der Syntax klarer: dig)
Beispiele: nslookup wikipedia.de l nslookup -query=mx pcwelt.de (Mailexchange-Server der Domain ermitteln)
traceroute verfolgt den Weg eines IP-Pakets vom Rechner zur Zieladresse (Gateway, Zwischenstationen („Hops“) und die IP-Adresse des Zielrechners/-Servers
Beispiel: traceroute wikipedia.de
wget lädt Dateien von Web-Servern, Kernsyntax: wget [Protokoll]://[Adresse]/[Datei]
Beispiel 1: wget -q –user=sepp –password=passw0rt http://seite.de/Download/datei.pdf (Download einer Datei von passwortgeschütztem Website-Bereich)
Beispiel 2: wget –r -l6 http://seite.de (Massendownload bis zur sechsten Verzeichnisebene („-l6“))
whois liefert gegebenenfalls umfangreiche Domain-Infos über Hosting, Domain-Besitzer, Adresse, Telefon. Der Informationsumfang ist abhängig von der Domain-Konfiguration.
Beispiel: whois pcwelt.de
Lokales Netz und Internet Kurzbeschreibung
iptables erstellt auf Kommandozeile Firewall-Filterregeln für das Netzwerk. Nur für Admins und Profis: Selbst diese bevorzugen in der Regel Frontends wie Firehol.
Beispiele: iptables -P INPUT ACCEPT (erlaubte eingehende Regeln anzeigen) iptables -F (alle bestehenden Regeln löschen)
nmap Komplettübersicht der lokalen LAN-Adressen und Analyse von öffentlichen WAN-Adressen
Beispiele 1: nmap -sP 192.168.0.1-50 l nmap -sP 192.168.0.* (Ping-Anfragen an die ersten 50 sowie an alle 255 Adressen des lokalen Netzwerk)
Beispiel 2: sudo nmap -Pn 178.23.136.15 (prüft eine öffentliche IP-Adresse auf offene Ports, ohne Angabe der Ports standardmäßig Port 1-1000)
Beispiel 3: sudo nmap -Pn -p0-65535 178.23.136.15 (prüft eine öffentliche IP-Adresse auf alle 65535 Ports)
Beispiel 4: sudo nmap -sV -Pn -p22 178.23.136.15 (ermittelt den für einen offenen Port verantwortlichen Dienst mit Schalter „-sV“; Beispielport ist hier 22 („-p22“))
netstat zeigt alle aktuell geöffneten Netzwerkverbindungen und Ports; zahlreiche Schalteroptionen, die sich zwischen Linux und Windows deutlich unterscheiden, meist ist nmap die bessere Alternative
Beispiel: netstat -aon | grep :22 (zeigt Prozesse, die aktuell auf Port 22 kommunizieren)
ping informiert, ob eine Internet-Site oder ein lokaler Rechner erreichbar ist
Beispiele: ping pcwelt.de l ping -c 4 192.168.1.1
ssh öffnet den Fernzugriff auf Server oder Linux-Desktops, Schalter -X für X11-Forwarding, Schalter -p für Portangabe (falls von Standardport 22 abweichend); das Zugriffskonto kann bereits im Befehl angegeben werden
Beispiele 1: ssh 192.168.0.10 l ssh -p 2020 -X root@192.168.0.10 (im zweiten Fall abweichender Port, grafisches X11-Forwarding und Kontoangabe)
Beispiel 2: ssh root@188.192.80.217 (SSH-Fernzugriff auf öffentliche Internet-Adresse, Standardport 22 muss dazu im Router freigegeben und an den Zielrechner geleitet werden)
Grafische Tools Kurzbeschreibung
Network Manager auf vielen Desktop-Distributionen vorinstalliert, Indikator-Symbol in der Systemleiste mit wesentlichen Funktionen: Funknetzwerk aktivieren, Funknetzwerk verbinden, IPv4-Einstellungen bearbeiten (feste IP oder DHCP)
Putty / Kitty SSH-Clients für Windows-Rechner mit zahlreichen Optionen für eingerichtete Server (auf Heft-DVD). Im einfachsten Fall genügt die Eingabe der IP-Adresse im Feld „Host Name or IP address“.
Wicd grafische Alternative zum Network Manager, Python-Tool (Download https://launchpad.net/wicd)
Wireshark mächtiger Netzwerksniffer zum Abhören des lokalen Netzwerks. Setzt für Filterregeln und Interpretation des Netzverkehrs intime Netzwerkkenntnisse voraus.
Zenmap grafische Oberfläche zu nmap: Funktionsumfang wie nmap, aber Bedienung durch erheblich vereinfacht
LinssId, Iwscanner Hilfsprogramme zur grafischen Darstellung der Funknetzleistung und zur Optimierung von Kanaleinstellung und Antennenausrichtung.
Einfache Terminal-Alternative: watch -n 3 cat /proc/net/wireless (alle drei Sekunden die dynamische Datei „wireless“ auslesen)

Linux-Hürden für Umsteiger

Linux ist anders als Windows. Wer bisherigen Windows-Nutzern allein mit der Wahl des richtigen Linux ein Quasi-Windows verspricht, unterschlägt strategische und technische Hürden. Das Wichtigste bespricht dieser Beitrag.

Aufmacher_WinLin

Da es hier um Linux für Windows-Umsteiger geht, geht es logischerweise um Desktopsysteme für PCs und Notebooks. Die großartigen Möglichkeiten, die Linux (und zwar nur Linux) auf kleinen Servern eröffnet, bleiben komplett außen vor. Klipp und klar: Linux kann Windows auf dem Desktop ersetzen – aber nicht überall und nicht immer ohne Hindernisse.

1. Die Vielfalt der Distributionen

Für Windows-Umsteiger ist der artenreiche Linux-Zoo undurchsichtig: Es gibt eine dreistellige Anzahl von Linux-Varianten (http://distrowatch.com). Empfehlungen mit dem Motto „Das beste Linux für Windows-Umsteiger“ sind nicht verkehrt, aber zu relativieren. Solche Aussagen insinuieren, dass die Wahl des richtigen Systems alle Umstiegsprobleme aus dem Weg räumte. Richtig ist, dass manche Distributionen für Einsteiger überhaupt nicht in Betracht kommen, weil Installation, Konfiguration, Oberfläche oder alles zusammen unzumutbare Anforderungen stellen würden. Richtig ist ferner, dass Windows-Umsteiger sich nicht auf Linux-Exoten einlassen sollten: Die Nachhaltigkeit solcher Projekte ist ungewiss, und eine heute hochgelobte Neuerscheinung kann zwei Jahre später eingestellt sein.

Dieser Artikel ist keine Distributionsberatung. Wir begnügen uns hier mit der pauschalen Empfehlung für Debian/Ubuntu-basierte Distributionen (Debian, Ubuntu, Kubuntu, Ubuntu Mate, Xubuntu, Lubuntu, Linux Mint). Diese garantieren Nachhaltigkeit und lange Supportzeiträume. Der Installer aller Ubuntu-Varianten inklusive Linux Mint ist das Komfortabelste, was unter Linux anzutreffen ist, und auch der Debian-Installer ist Einsteiger-tauglich. Unter den Bedienkonzepten dieser Systeme kommt Linux Mint mit dem Cinnamon-Desktop den Gewohnheiten eines Windows-Nutzers am meisten entgegen. Die Ubuntu-Spielarten Ubuntu und Kubuntu erfordern mehr Gewöhnung, sind aber wie Ubuntu Mate, Xubuntu und Lubuntu schnell „habituiert“.

Ubuntu mit Gnome: Der innovative Desktop ist auf einfache Bedienung mit Windows-Taste und wenigen Mausklicks ausgelegt. Beste konservative Alternative ist Linux Mint mit Cinnamon.
2. Die Vielfalt der Desktop-Oberflächen

Punkt 1 hat es schon angesprochen: Zur Vielzahl der Linux-Distributionen kommt eine weitere, für Windows-Nutzer verwirrende Diversifizierung: Populäre Systeme wie Debian, Ubuntu und Linux Mint bieten für denselben Systemunterbau mehrere Desktop-Umgebungen an (Oberflächen), und die Wahl der Oberfläche ist mehr als nur eine Geschmacksfrage: Sie bestimmt maßgeblich die Konfigurierbarkeit und Anpassungsfähigkeit des Systems, die mitgelieferte Standardsoftware und den Ressourcenverbrauch.

Die wichtigsten Desktops sind die Schwergewichte KDE und Gnome 3 sowie die Leichtgewichte XFCE und LXDE (ideal für ältere Rechner). Cinnamon, Standardoberfläche von Linux Mint, und Mate sind wichtige Abspaltungen der älteren Gnome-2-Basis und führen dessen klassisches Bedienkonzept mit Systemleisten und Hauptmenü fort. Mate und Cinnamon, ebenso die sparsamen Oberflächen XFCE und LXDE für schwächere Hardware sind für Umsteiger leicht nachvollziehbar. KDE ist extrem anpassungsfreudig, aber auch relativ komplex, während Gnome 3 mit gewissen Parallelen zu Windows 10 ungewöhnlich, aber klar und simpel ausfällt. Es gibt neben den genannten eine Reihe weiterer Linux-Oberflächen mit exotischem Charme oder verblüffender Anspruchslosigkeit. Windows-Nutzer sollten davon besser Abstand halten.

Beachten Sie, dass einige Ubuntu-Distributionsnamen den benutzten Desktop anzeigen: Der Name „Kubuntu“ ist zu lesen als „Ubuntu mit KDE“, während Xubuntu“ und „Lubuntu“ als „Ubuntu mit XFCE bzw. LXDE“ aufzulösen ist. Das „Ubuntu“ ohne Zusatz meint die Hauptvariante mit Gnome-Desktop.

Sparsame Desktops: Distributionen mit XFCE und LXDE (im Bild Mint mit XFCE) laufen auch auf älterer Hardware mit wenig Speicher. Die Optik ist konservativ, aber nicht spartanisch.
3. Das Kriterium „Homogenität“

Windows ist Windows, und alles, was das System mitbringt, trägt die Microsoft-Handschrift. Linux ist der Systemkern – der Rest jedoch ist modular. Für Umsteiger ist es ein oft unterschätztes Problem, dass Oberfläche, Systemzubehör, Software nicht aus einer Hand sind. Der Nutzer muss mit unterschiedlicher Fehlertoleranz und Qualität rechnen: Die eine Komponente ist einsteigerfreundlich und warnt vor Fehlgriffen, die nächste erwartet hingegen einen Benutzer, der genau weiß, was er tut.

Wer als Umsteiger solches Gefälle vermeiden will, nimmt am besten ein Ubuntu oder Linux Mint und nutzt für die Systemverwaltung ausschließlich die Systemwerkzeuge, welche die Distribution mitbringt. Die vorinstallierten Systemtools populärer Distributionen sind hinsichtlich Zielgruppe und Qualität homogen und ausgereift.

Win 32 Disk Imager für 1:1-Kopien von ISO-Abbildern: Das Hilfsprogramm ist das technische Windows-Äquivalent des Linux-Tools dd. Wichtig ist die genaue Kontrolle des Ziellaufwerks.
4. Handarbeit mit ISO-Abbildern

Suche und Download einer Distribution sind kein Abenteuer, da eine Websuche nach einem populären System wie etwa „Kubuntu“ mühelos zur Projektseite und von dort zum ISO-Download führt. Das ISO-Abbild muss dann aber bootfähig auf DVD oder USB kopiert werden. Diese für Linux-User vertraute Prozedur ist für Windows-Nutzer keineswegs selbstverständlich.

Das einschlägige Windows-Werkzeug, um ISO-Abbilder auf CDs (ISO bis 700 MB) oder DVDs (ISO größer als 700 MB) zu brennen, ist das Tool Imgburn (auf Heft-DVD, Download unter http://imgburn.com). Wählen Sie hier die Option „Imagedatei auf Disc schreiben“. Der wichtigste Punkt des Folgedialogs ist links oben „Quelle“ mit dem kleinen Ordnersymbol, über das Sie dann zur ISO-Quelldatei navigieren. Bei eingelegtem Rohling wird dann die bunte Schaltfläche links unten aktiv, mit der Sie den Schreibvorgang auslösen.

Das beste Werkzeug, um unter Windows ISO-Abbilder auf USB oder SD-Karten zu kopieren, ist der Win 32 Disk Imager (auf Heft-DVD, Download unter http://sourceforge.net/projects/win32diskimager). Hier genügt es, die Quelldatei („Image File“) und das Zielgerät („Device“) anzugeben. Die Schaltfläche „Write“ startet den Kopiervorgang. Der Win 32 Disk Imager schreibt eine bitgenaue Rohkopie auf das Zielgerät und wird nur dann ein bootfähiges Medium erstellen, wenn das ISO-Abbild eine Bootumgebung enthält. Dies ist aber bei allen uns bekannten Abbildern der Fall.

Eine Alternative, um unter Windows ISO-Abbilder auf USB oder SD-Karten zu kopieren, ist Unetbootin (auf Heft-DVD, Download unter http://unetbootin.sourceforge.net). Hier wählen Sie im Dialog unten die Option „Abbild“ und navigieren mit der Schaltfläche „…“ zur gewünschten Datei. Nach Klick auf „Öffnen“ erscheint der komplette Pfadname im Eingabefeld. Danach wählen Sie neben „Typ“ die Option „USB-Laufwerk“, und neben „Laufwerk“ geben Sie den Laufwerksbuchstaben des USB-Sticks an. „OK“ startet den Kopiervorgang. Anders als der Win 32 Disk Imager schreibt Unetbootin seine eigene Bootumgebung auf das Zielmedium. Das Medium wird somit auch bootfähig, wenn das ISO-Abbild keine Bootumgebung beinhaltet. Andererseits funktioniert diese Bootumgebung aber nur für Ubuntu-basierte Distributionen.

5. Livesystem und Installationsmedium

Windows-Nutzer kennen eine Setup-DVD zur Systeminstallation, aber keine Livesysteme. Die ISO-Abbilder aller populären Linux-Desktop-Distributionen sind aber beides – Livesystem inklusive Installer. Das ist ein großzügiger Service, weil er das Ausprobieren eines Systems erlaubt und die tatsächliche Installation direkt aus dem laufenden Livesystem. Die weitreichenden Möglichkeiten, die ein Livesystem bietet, sind aber auch Anlass zu Missverständnissen: Ist ein ISO-Livesystem, das auf ein beschreibbares Medium (USB) kopiert wird, nicht genau dasselbe wie ein auf USB installiertes Linux? Nein! Livesysteme bleiben auch auf einem beschreibbaren Laufwerk unveränderlich, alle Änderungen gehen beim nächsten Shutdown wieder verloren. Wer Linux auf USB installieren will, muss die Installation genauso durchlaufen wie bei der Einrichtung auf interner Festplatte.

6. Hürden bei der Installation

Ein Linux-Setup fordert mehr Angaben als ein Windows-Setup, das im Kern nur die Zielpartition (sofern eine Auswahl besteht) und den Erstbenutzer abfragt. Erste Ursache dafür ist, dass Linux kein kommerzielles Lizenzmodell und keine Bindung an die Hardware kennt, daher beliebig oft und auch auf USB-Datenträger installiert werden kann. Ein zweiter Grund ist die Tatsache, dass der Bootloader auf einem beliebigen Datenträger gespeichert werden kann. Diese großzügigen Möglichkeiten sind komplexer als bei Windows und äußern sich notgedrungen auch in technischer Weise. Wenn die Partitionierung im Linux-Installer manuell erfolgt, gibt es eine weitere technische Hürde: Die meisten Distributionen wollen für die Speicherauslagerung eine extra Swap-Partition.

Ohne auf die unterschiedlichen Installer einzeln einzugehen, unter denen der Ubuntu/Mint-Installer „Ubiquity“ Komfortmaßstäbe setzt, gelten überall folgende Prinzipien:

  1. Linux benötigt wie Windows nicht unbedingt eine komplette Festplatte, aber eine eigene Partition. Verfügbare Partitionen wird der Installer in der Form „/dev/sd[x][n]“ anzeigen – etwa „/dev/sda1“. Es muss absolute Sicherheit herrschen, hier das richtige Laufwerk „[x]“ und die richtige Partition „[n]“ anzugeben, weil diese Partition komplett überschrieben wird. Wichtigste Orientierung bieten die Größenangaben für die Partitionen. Weitere Abfragen für eine Linux-Systempartition gelten dem Dateisystem („ext4“ empfohlen) und dem Einhängepunkt („/“ für das Wurzelverzeichnis).
  2. Für den Bootloader ist im Normalfall „/dev/sda“ vorgegeben. Das ist die erste interne Festplatte, so wie es auch Windows automatisch festlegt, und das ist in Ordnung, wenn Sie Linux auf eine interne Festplatte installieren. Bei Installation auf USB-Laufwerke müssen Sie hingegen als Bootloader-Ziel das Laufwerk angeben, wohin Sie auch das System installieren: Ist die Systempartition etwa „/dev/sdc1“, dann gehört der Bootloader auf das Gerät „/dev/sdc“. Wird dies übersehen, ist der USB-Stick nicht bootfähig.
  3. Je nach Installer kann das Einrichten der zusätzlichen Swap-Partition lästig bis unrealisierbar sein, da nicht jeder Installer ein Partitionierungswerkzeug anbietet. Einfachste Lösung ist es, auf die Swap-Partition zu verzichten. Jedoch lässt sich eine Festplatte auch vorab mit Gparted unter Linux oder mit der Windows-Datenträgerverwaltung so aufteilen, dass eine große Partition für das System und eine kleine (etwa 8 GB) für die Auslagerung entsteht. Die richtigen Dateisysteme – „ext4“ für das System, „swap“ für die Auslagerung kann dann später der Linux-Installer einrichten.

Bei Verwendung des Ubuntu-Installers werden Sie mit diesen technischen Fragen nur belästigt, wenn Sie unter „Installationsart“ die manuelle Einrichtung „Etwas Anderes“ wählen (etwa für ein Setup auf USB). Bei anderen Optionen  – Installation auf primäre Festplatte oder Dualboot neben Windows – übernimmt das Setup alles automatisch.

Ubuntu-Installer: Bei USB-Installationen müssen Sie Partitionen und Bootloader manuell einrichten (hier auf /dev/sdc). Die Einrichtung auf interne Festplatten verläuft vollautomatisch, sofern die vom Installer analysierte Situation zutrifft.
7. Unter Linux funktioniert nicht jede Hardware

Nicht jeder Hersteller hält es für nötig, Linux-Treiber für seine Hardware zu entwickeln. Resultat ist, dass dann dieses Gerät unter Linux schlicht nicht funktioniert. Kernkomponenten wie Sata, Ethernet, Grafikarte, Monitor, Maus, Tastatur sind nicht betroffen, wohl aber USB-Drucker, Scanner, WLAN-Adapter, TV-Sticks insbesondere von Billiganbietern. Die Chancen, anhand exakter Gerätekennungen und Chip-Revisionen doch noch Abhilfe im Web zu finden, sind begrenzt und gegebenenfalls für Umsteiger zu knifflig.

Keine Abhilfe, aber präventive Problemerkennung bieten die Livesysteme der Linux-Distributionen. Alles, was im Livesystem problemlos funktioniert, wird im selben System auch nach Installation auf Festplatte funktionieren. Ein Sonderfall sind brandneue Rechner mit aktuellsten Prozessoren: Hier ist es wichtig, ein Linux mit möglichst aktuellem Kernel zu verwenden, der den neuesten CPU-Entwicklungen bereits Rechnung trägt. Am Beispiel Ubuntu wäre in solchen Fällen die jüngste Version 17.10 (Kernel 4.13) der Langzeitversion 16.04.3 (Kernel 4.10) vorzuziehen.

8. Energiesparfunktionen unter Linux

Windows-Umsteiger müssen damit rechnen, dass sich der Akku desselben Notebooks unter Linux schneller entleert als unter Windows. Standardmäßig bietet Linux (Ubuntu: „Systemeinstellungen -> Leistung“, Mint: „Energieverwaltung“) fundamentale Stromspartechniken mit Timeouts für Bildschirm und Bereitschaftsmodus, jedoch bietet Windows hier in enger Absprache mit den Hardware-Herstellern filigranere Regeln. Immerhin ist eine Näherung an Windows-Verhältnisse mit spezialisierten Tools zu erreichen, die der Beitrag ab Seite [[502]] in diesem Heft erklärt.

Fundamentale Stromsparfunktionen: Die Akkulaufzeiten von Notebooks sind unter Linux kürzer. Die Basiseinstellungen des Systems können aber durch externe Tools ergänzt werden.
9. Fehlende Software und Spiele

Anpassungsfähige Windows-Umsteiger werden unter Linux für jedes Einsatzgebiet geeignete Software vorfinden. Wenn es aber statt Gimp oder Libre Office ganz bestimmte Microsoft- oder Adobe-Software sein muss, kann Linux nicht dienen. Wer aus beruflichen Gründen uneingeschränkte Kompatibilität mit Excel, Word, Indesign oder Photoshop benötigt, wird mit Linux mittelfristig nicht froh: Der durchaus realisierbare Austausch der Formate erfordert immer wieder lästige Korrekturen am Detail.

Auch die Erfolge, die das Projekt Wine mit dem Nachbau der Windows-API vorweisen kann (https://appdb.winehq.org/), fallen qualitativ sehr unterschiedlich aus: Dass hier genau die benötigte Version einer Windows-Software einen störungsfreien „Platinum“- oder „Gold“-Status erreicht, bleibt ein Glücksfall. Ferner bedeutet die Benutzung von Wine eine weitere Hürde: Die Einrichtung ist einfach, der produktive Umgang damit aber keineswegs trivial.

PC-Spiele? Trotz Anbindung an die Spielplattform Steam ist Linux in Konkurrenz zu Windows keine Gaming-Plattform. Das Angebot bleibt gegenüber Windows reduziert, und leistungstechnisch kann selbst das dedizierte Gaming-Linux Steam OS (http://store.steampowered.com/steamos/) ein Windows nicht schlagen.

10. Die Installation von Software (Paketmanagement)

Der Bezug von Software bedeutet für Umsteiger eine große Umstellung. Linux bezieht seine Software aus den Paketquellen der jeweiligen Linux-Distribution. Die Softwarepakete sind signiert und garantiert virenfrei – ein unschätzbarer Vorteil gegenüber Windows. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, ein komplettes System einschließlich Software mit einem einzigen Befehl zu aktualisieren (sudo apt dist-upgrade).

Auf der anderen Seite sehen Windows-Nutzer, die es gewöhnt sind, sich aus dem gesamten Web zu bedienen, auch Nachteile: Was die Distributions-Paketquellen bereitstellen, ist hinsichtlich Umfang und Aktualität begrenzt. Die Debian/Ubuntu-Repositories sind quantitativ zwar sehr gut gefüllt, doch stagnieren hier oft die Programmversionen während des Lebenszyklus einer Distribution. Wer nicht selbst den Quellcode kompilieren will, bleibt oft auf ältere Versionen beschränkt.

Dieses strikte Software-Deployment ist allerdings längst aufgeweicht. Programmentwickler können ihre Software auf einem PPA (Personal Package Archive) anbieten. Wenn der Anwender solche PPAs etwa mit apt-add-repository ppa:libreoffice/ppa (Beispiel für Libre Office) in seine Standardpaketquellen aufnimmt, kann er das Software-Angebot erweitern oder aktueller halten.

Zusätzlich zu den PPAs kommen zunehmend Programme in Container-Paketen in Mode (Snap, Flatpak, Appimage). Solche Pakete bringen alle benötigten Systembibliotheken mit und sind somit Distributions-unabhängig, ohne Installation lauffähig und portabel.

Jenseits der offiziellen Software-Quellen: PPAs (Personal Package Archives) für Ubuntu und Mint erweitern oder aktualisieren den Software-Bestand der Distributionspaketquellen.
11. Software-Verwaltung: Grafische Tools oder Terminal

Der Komplex der Paketverwaltung unter Ubuntu (und ähnlich Linux Mint) ist für Umsteiger gewöhnungsbedürftig, da er sich auf drei grafische Werkzeuge aufteilt. Was Ubuntu als Softwarequellen nutzt, ist unter „Systemeinstellungen -> Anwendungen & Aktualisierungen“ einstellbar. Aktives Aktualisieren findet aber nicht in diesem Tool statt, sondern in der „Aktualisierungsverwaltung“. Für Neu- oder De-Installationen ist wiederum das Tool „Ubuntu Software“ zuständig, das allerdings nur einen Bruchteil der etwa 40000 Pakete der Ubuntu-Repositories anbietet.

Umsteiger, die mit der Kommandozeile nicht gänzlich auf Kriegsfuß stehen, sind mit apt-Befehlen im Terminal oft besser beraten, wo sich alles zentral an einem Ort erledigen lässt. Eine Handvoll Kommandos genügt für fundamentale Aufgaben (weitere Optionen zeigt der Kasten „Software, Updates, Upgrades“). Der Befehl

sudo  apt  install  vlc

installiert eine Software, dessen Paketnamen Sie kennen (im Beispiel der VLC-Player). Wenn Sie einen Paketnamen nicht kennen, hilft apt-cache, das auch nach Beschreibungen filtern kann:

apt-cache search  dateimanager

Für das Deinstallieren genügt ein remove-Kommando:

sudo apt remove vlc

Achtung: Das De-Installieren von Programmen ist unter Linux vollständiger als vom Windows-Nutzer gewohnt. Wenn Sie im jeweiligen Software-Center oder im Terminal mit sudo apt remove […] ein Programmpaket entfernen, berücksichtigt Linux alle verzeichneten abhängigen Pakete. Im Extremfall kann eine kleine Desktop-Komponente, die aber integraler Teil der grafischen Oberfläche ist, den kompletten Desktop de-installieren. Dies geschieht aber nach Anzeige der entsprechenden Paketliste und einer Rückfrage. Wenn der Löschauftrag eine Liste von abhängigen Paketen meldet, sollten Sie den Auftrag abbrechen.

Vorsicht mit abhängigen Paketen beim De-Installieren: Das Beispiel zeigt Libre Office Draw, das sich nicht deinstallieren lässt, ohne das komplette Office-Paket mitzuziehen.
12. Updates und Upgrades

Windows hat seinen monatlichen Patchday, an dem es optional auch Microsoft-Anwendungssoftware aktualisiert (Office). Die komplette restliche Software benötigt allerdings ihre je eigenen Updates. Bei Linux genügt hingegen ein Befehl (sudo apt dist-upgrade) oder ein Klick auf die automatisch erscheinende Meldung der „Aktualisierungsverwaltung“ für ein Komplett-Update inklusive Software.

Heikler als Updates sind Upgrades. Bei Ubuntu sind Upgrades auf die jeweils nächste Version vorgesehen. Sie können also von 17.04. auf 17.10 wechseln oder demnächst von der LTS-Version 16.04 auf 18.04 LTS. Sobald ein Upgrade verfügbar ist, meldet sich die Aktualisierungsverwaltung automatisch. Sie müssen dann nur auf „System aktualisieren“ klicken und den weiteren Anweisungen folgen. Wenn Sie das Angebot aus Zeitmangel zunächst ablehnen, können Sie die Option später über die „Aktualisierungsverwaltung“ nachholen.

Der Terminalbefehl für ein Upgrade lautet

sudo do-release-upgrade

und sollte durch eine normale Systemaktualisierung mit

sudo apt update
sudo apt dist-upgrade

vorbereitet werden.

Linux Mint zeigt in der „Aktualisierungsverwaltung“ im Menü „Bearbeiten“ die Option „System aktualisieren auf Linux Mint xx.x“, sobald ein jüngere Version erhältlich ist. Bevor man das tut, ist es ratsam, das System erst auf den neuesten Stand zu bringen (wie bei Ubuntu).

Sollte ein Upgrade wegen eines Abhängigkeitsfehlers abbrechen, nutzen Sie diese beiden Befehle:

sudo apt -f install
sudo apt dist-upgrade

Achtung: System-Upgrades sind ein langwieriger und kritischer Vorgang. Viele Distributionen bieten das Upgrade daher gar nicht erst an. Ubuntu und Linux Mint haben den Vorgang aber nach unserer Erfahrung gut im Griff. Ärgerlich sind Upgrade-Angebote, die überwiegend scheitern und am Ende doch eine Neuinstallation erfordern (wie etwa beim NAS-System OMV).

Exkurs: Software – Updates – Upgrades

Aus Gründen, die der Haupttext darlegt, ist der Komplex der Paketverwaltung im Terminal am besten aufgehoben. Das Tool apt (Advanced Package Tool) ist das Terminal-Werkzeug unter Debian/Ubuntu/Mint für alle Aufgaben der Paketverwaltung (Software-Quellen, Aktualisierung, Neu- und De-Installation). Alle Befehle außer apt-cache search benötigen root-Recht (vorangestelltes sudo):

apt update
Software-Paketquellen aktualisieren (fundamental)

apt upgrade [Paket]
komplettes System [oder bestimmte Software] aktualisieren

apt full-upgrade 
komplette Aktualisierung des Systems (inkl. Löschen alter Pakete)

apt install [Paket]
Programm installieren

apt remove [Paket]
Programm deinstallieren

apt purge [Paket] 
Programm komplett löschen

apt autoremove
nach Deinstallationen überflüssige gewordene Pakete löschen

apt-add-repository [Quelle]
externe Software-Paketquelle erlauben

apt-cache search [Name]
sucht nach Paketnamen und Beschreibungen

do-release-upgrade
Upgrade auf nächsthöhere Version

13. „sudo“ und Administratorrechte

Die Verhältnisse zwischen Standard- und Administrator/root-Konto sind unter Linux und Windows ähnlich, aber der bedarfsweise Wechsel von eingeschränkten Benutzerrechten zu uneingeschränkten root-Rechten folgt anderen Regeln. Möglich ist dieser Wechsel bei Windows wie Linux nur Systemkonten, die zur Gruppe der Administratoren gehören. Während Windows nur einen „Ja“-Klick auf die Abfrage der „Benutzerkontensteuerung“ verlangt, fordert Linux die Eingabe des Benutzerkennworts. Diese Abfrage an der grafischen Oberfläche erscheint bei allen systemnahen Aktionen (Installation, Paketquellen, Benutzerkonten, Aktualisierungsverwaltung). Im Terminal kann dem eigentlichen Befehl sudo vorangestellt werden, um dem Befehl root-Recht zu verleihen. Auch hier fordert Linux die Eingabe des Benutzerkennworts.

Die Erlaubnis, mit sudo den Rechtekontext zu wechseln, erhält normalerweise jedes Benutzerkonto vom Typ „Administrator“ automatisch. Es ist aber darüber hinaus möglich, sudo-Erlaubnis über die Konfigurationsdatei „/etc/sudoers“ manuell und individuell einzurichten.

Im grafischen Dateimanager sind alle Schreibaktionen wie „Ordner anlegen“ oder „Löschen“ inaktiv, wenn man sich jenseits von /home, /tmp oder /media aufhält. Jedoch bieten Desktopsysteme wie Ubuntu und Mint das Kontextmenü „Als Systemverwalter öffnen“, um im Dateimanager uneingeschränkt mit root-Recht zu arbeiten. Wenn ein Dateimanager diese Option nicht selbst anbietet, können Sie ihn im Terminal mit vorangestellten sudo starten – also etwa sudo nautilus, um root-Recht zu erzwingen.

Kontextmenü für Administrator-Recht: Die Dateimanager von Ubuntu und Mint machen es einfach, Ordner oder Dateien zu bearbeiten, die den Wechsel zu root-Rechten erfordern.
14. Die lokalen Dateirechte

Das Thema Dateibesitz und Dateirechte ist unter Windows wie Linux kompliziert und Ursache für manche Zugriffsprobleme, zumal auch Netzfreigaben für einen User „xyz“ mindestens auch lokale Leserechte für „xyz“ voraussetzen. Linux-Einsteiger können nichts Klügeres machen, als manuelle Rechteänderungen möglichst zu vermeiden. Dabei helfen Ubuntu-Systeme inklusive Linux Mint mit Dateimanagern, die lokale Datenträger und Netzwerklaufwerke automatisch (Automount) so ins Dateisystem mounten, dass keine Rechtekonflikte entstehen. Die typische Nutzung von Netzressourcen über „Netzwerk durchsuchen“, Klick auf den gewünschten Server und dessen Freigabe, lädt die Netzfreigabe automatisch in einen Mountpunkt, der keine lokalen root-Rechte benötigt. Im Hintergrund arbeitet bei allen Gnome-affinen Desktops das Tool gvfs-mount, das auch im Terminal benutzt werden kann und stets in den Pfad „/run/user/[user-id]/gvfs/“ mountet. Dieses Automount geht Rechteproblemen aus dem Weg und hat nur den Nachteil, dass es nicht dauerhaft gilt: Es muss einmal in der laufenden Linux-Sitzung geschehen und gilt bis zur Abmeldung.

Bei typischen Zugriffsproblemen, wo statt dem normalen User nur root die nötigen Dateirechte besitzt, ist daher die richtige Antwort eine andere Mount-Methode – und nicht das rekursive Ändern massenhafter Dateirechte. Dennoch ist das im Notfall natürlich möglich. Dateimanager eignen sich über „Eigenschaften -> Zugriffsrechte“ nur für einzelne Ordner und Dateien. Der Terminalbefehl chown („change ownership“) ändert den Besitzer und arbeitet sich mit Schalter „-R“ auch rekursiv durch ganze Ordnerebenen:

sudo chown -R [Benutzer] [Pfad]

Zum Ändern der Rechte dient der Befehl chmod – mit leider zwei Beschränkungen. Er arbeitet nicht rekursiv, was sich mit Hilfe des find-Befehls kompensieren lässt. Chmod unterscheidet aber auch nicht zwischen Dateien und Ordnern. Wenn man Dateien und Ordnern dieselben Zugriffsrechte zuteilt, führt das zu dem Dilemma, dass sich entweder Ordner nicht öffnen lassen oder Dateien allesamt das „Ausführen“-Recht erhalten. Beides wäre fehlerhaft. Daher sind zwei Befehle notwendig:

find . -type f -exec chmod 664 {} \;
find . -type d -exec chmod 775 {} \;

„type f“ bearbeitet nur Dateien, „type d“ nur Ordner. Die Beispielbefehle würden ab dem aktuellen Verzeichnis (Punkt „.“) alle Unterordner verarbeiten.

Eine Rechteänderung, die jeder Linux-Nutzer kennen muss, betrifft das „Ausführen“-Bit von Scripts, das sich über „Eigenschaften -> Zugriffsrechte“ oder mit

chmod +x [Dateiname]

setzen lässt. Ohne dieses Bit gelten Scripts als Textdatei und werden nur angezeigt statt ausgeführt.

Ausführen-Bit setzen: Scripts werden erst ausführbar, wenn das Execute-Bit gesetzt ist. Das erledigt der Dateimanager oder auch chmod +x [name] im Terminal.
15. Automount von Netzwerk-Ressourcen

Beim erstmaligen Mounten von Samba-Freigaben im Dateimanager (siehe Punkt 14) muss sich der zugreifende Benutzer ausweisen und Samba-Kontonamen und -Kennwort eingeben. Diese Zugangsdaten können auf Wunsch dauerhaft hinterlegt werden („Nie vergessen“). Zusätzlich – und für Windows-Umsteiger ungewohnt – wird hier die „Domäne“ abgefragt. Im lokalen Netzwerk verwenden Sie hier wahlweise den Rechnernamen des Servers wie „raspberry“ oder „fritz-nas“ oder die Arbeitsgruppe, typischerweise „workgroup“, sofern keine explizit angelegt wurde.

Eine weitere Hürde für Windows-Nutzer ist der relativ abgelegene Automount-Pfad von Netzwerkfreigaben unter „/run/user/[…]/gvfs/“. Im Dateimanager, wo eingehängte Ressourcen unter „Geräte“ mit einem Klick erreichbar sind, spielt dieser Mountpunkt keine Rolle, bei der Nutzung anderer Programme oder des Terminals hingegen schon. Wird nun versucht, mit einem manuellen mount-Befehl ein Netzlaufwerk in einen angenehmeren User-Pfad einzubinden, dann stellt sich das Problem, dass der mount-Befehl root-Rechte erfordert, was dann unweigerlich zu Rechteproblemen im Mount-Ordner führt. Hier hilft nur ein Eingriff in eine Konfigurationsdatei, hier in die „/etc/fstab“ (Beispiel):

//192.168.178.20/archiv   /home/ha/Archiv   cifs user=ha,password=0815,domain=raspi,users  0  0

Die Freigabe wird dann automatisch bei der Systemanmeldung eingehängt. Die Option „users“ sorgt dafür, dass man die Freigabe außerdem mit User-Rechten ein- und aushängen darf. Die Befehle

mount /home/ha/Archiv
umount /home/ha/Archiv

funktionieren dann ohne root-Recht und benötigen nur den Mountpunkt als Parameter.

Netzwerk-Authentifizierung mit „Domäne“: Diese Abfrage beantworten Sie am einfachsten mit dem Rechnernamen des Servers, der die Freigabe bereitstellt.
16. Netz-Protokolle und Anwendungssoftware

Die Dateimanager Nautilus, Nemo, Dolphin, Caja prominenter Desktopsysteme beherrschen den Umgang mit diversen Netzwerkprotokollen – neben Samba (smb://) und FTP (ftp://) auch SSH (sftp://) oder Webdav (webdav://). Solche Netzadressen zeigt der Dateimanager, wenn Sie über „Netzwerk durchsuchen“ einen Datenserver anklicken, Adressen wie „smb://raspberry/“ können Sie aber auch direkt in die Adresszeile des Dateimanagers eingeben.

Für Einsteiger irritierend ist die Tatsache, dass ein solcher Netzwerkpfad zwar im Dateimanager ans Ziel führt, im Terminal oder einer Anwendungssoftware jedoch scheitert. Einfacher Grund ist, dass diese Programme die Protokolle nicht beherrschen: Sie erwarten, dass solche Netzressourcen in das lokale Dateisystem eingehängt wurden, und arbeiten nur über diesen lokalen Mountpfad. Also – zunächst im Dateimanager mounten, erst danach in der Software nutzen!

17. Übersicht über sämtliche Laufwerke

Der Windows-Explorer zeigt interne und externe Laufwerke mit allen Partitionen auf oberster Ebene an. Viele Linux-Umsteiger vermissen diese Ebene, die von dort ein Herabsteigen in die Verzeichnisebenen gestattet. Der Einstieg über das Wurzelverzeichnis („/“) des Dateisystems ermöglicht dies nicht, da Laufwerke oder Netzfreigaben in beliebigen Verzeichnissen eingehängt sein können. Jedoch bietet die Navigationsleiste in den Dateimanagern eine solche Übersicht: Unter „Geräte“ sind dort üblicherweise alle Partitionen aufgelistet. Wer zusätzlich eine Übersicht der Laufwerke im Hauptfenster sehen will, kann in das Adressfeld des Dateimanagers „computer:///“ eingeben und diese Laufwerkübersicht mit Strg-D („Lesezeichen -> Lesezeichen hinzufügen“) dauerhaft in der Navigationsspalte ablegen. Bei manchen Dateimanagern ist dieser Eintrag „Rechner“ standardmäßig vorhanden.

18. Die Laufwerksbezeichnungen /dev/sd[x][n]

Unter Windows dienen aufsteigende Buchstaben als Kennung für Datenträger. Aus historischen Gründen beginnt das Alphabet bei „C“, da „A“ und „B“ ungenutzt weiterbestehen (ehemals Diskettenlaufwerke). Linux ist hier eigentlich klarer, dennoch sind die Kennungen ein häufiges Problem für Umsteiger. Laufwerke und Partitionen eindeutig zu bestimmen, ist aber fundamental bei der Installation oder beim Schreiben von ISO-Abbildern.

Eine Kennung wie /dev/sda1 beginnt mit /dev/ für „Device“, „sd“ kennzeichnet die Schnittstelle „Sata Device“ (seltener sind „sc“ für SCSI-Device oder „m“ für RAID). Wichtig wird es danach: „a“ bedeutet die erste interne Festplatte, „b“ die zweite oder – falls nicht vorhanden – bereits das erste externe USB-Laufwerk. Die abschließende Zahl ist die Partitionsangabe.

Die Kennungen sind über grafische Werkzeuge wie „Laufwerke“ (gnome-disks) oder Gparted zu ermitteln. Eine schnelle Übersicht bietet der Terminalbefehl lsblk, der sich optional mit Output-Parametern („-o“)

lsblk -o name,type,label,size,mountpoint,fstype

gesprächiger schalten lässt.

Wichtig vor Installationen oder Kopieren von ISO-Abbildern: lsblk im Terminal liefert einen schnellen Überblick über alle Partitionen – rechts das Systemtool gnome-disks („Laufwerke“).
19. Groß-/Kleinschreibung und Sonderzeichen

Unter Windows spielt die Schreibung weder bei Dateinamen noch bei Befehlen und Schaltern eine Rolle. „DIR“ ist dasselbe wie „dir“ oder „diR“. Unter Linux ist genaue Schreibung hingegen zwingend: Den Befehl „LSBLK“ gibt es nicht, und ein Schalter „-X“ bedeutet etwas anderes als „-x“. Folgerichtig können auch Dateiobjekte wie „Musik“, „musik“ und „MUSIK“ nebeneinander existieren.

Nonchalant verhält sich Linux hingegen bei Sonderzeichen in Datei- und Ordnernamen. Die Sortierung von Ordnern und Dateien im Dateimanager wie im Terminal fällt bei Verwendung von Sonderzeichen deutlich anders aus. Während Windows einen Ordner „_Start“ vor allen Ordner mit alphanumerischen Startzeichen einsortiert, ignoriert Linux das Sonderzeichen und ordnet ihn unter „S“ ein. Zum echten Problem beim Datenaustausch zwischen Linux und Windows können Sonderzeichen in Dateinamen werden, da Linux mehr Sonderzeichen erlaubt als Windows. So können Linux-Dateinamen auch Doppelpunkt, Fragezeichen, Asterisk (*) oder Backslash enthalten.

20. Abmelden – Shutdown – Bereitschaft

Unter Windows 10 führt ein Rechtsklick auf das Hauptmenü zum Punkt „Herunterfahren oder abmelden“. Der Klickweg ist nicht intuitiv, aber immerhin ist hier alles an Ort und Stelle. Unter Linux handhaben die Desktop-Oberflächen das jeweils eigen: Unter Linux Mint sind alle Abschaltfunktionen wie Abmelden, Ausschalten, Neustart oder Bereitschaft im Hauptmenü versammelt – übersichtlich und leicht zu finden. Andere Linux-Desktops wie etwa Gnome folgen der technischen Logik und trennen die echten Abschaltfunktionen von jenen der Benutzer-Session. Hinter dem typischen Abschaltsymbol gibt es daher nur Shutdown und Neustart, während die Abmeldung oder die Bildschirmsperre unter dem Kontonamen zu finden sind.

Alle Abschalt-Optionen an Ort und Stelle: Das Menü von Linux Mint versammelt Abmeldung und Shutdown-Varianten übersichtlich an zentraler Stelle.

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Openbox / Bunsenlabs für Puristen

Genau so viel Desktop wie Sie brauchen, ist das Motto bei Openbox. Der Fenstermanager ist ein funktionaler und anpassungsfähiger Minimalist mit sehr geringen Hardware-Ansprüchen und kann dabei richtig gut aussehen.

Openbox ist nichts für PC-Anfänger. Diese Oberfläche setzt voraus, dass man ihre Bestandteile kennt und zielsicher konfigurieren kann. Die Distribution Bunsenlabs leistet viel verdienstvolle Vorarbeit – wieviel Vorarbeit, das erschließt sich erst, falls man ein Openbox von Grund auf neu einrichten will. Mehr als ein schlichtes Rechtsklick-Menü für den Desktop ist hier nicht zu sehen. Daher orientiert sich dieser Artikel an der Distribution Bunsenlabs, die den Fenstermanager Openbox vorbildlich ausstattet. Neben Bunsenlabs gibt es nicht viele Distributionen, die auf Openbox setzen. Zu nennen wären noch Salent OS (http://salentos.it/) oder Madbox (http://madbox.tuxfamily.org/).

Motive für Openbox

Warum sollte man sich Openbox in Kleinarbeit zurechtlegen, wo es doch diverse, scheinbar komfortablere Desktops gibt? Openbox hat einige sehr starke Argumente:

1. Der Fenstermanager ist klein, schnell, anspruchslos und macht auf älterer Hardware oder auf USB-Mobilsystemen eine gute Figur. In Form der gut ausgestatteten Distribution Bunsenlabs ist das System mit 1 GB RAM hochzufrieden und kommt auch mit der Hälfte klar, da für System (32 Bit) und Desktop nur etwa 150 MB erforderlich sind. Auf dem Datenträger sind 3 GB Minimum, für Installationen und Benutzerdaten sollten es natürlich entsprechend mehr sein.

2. Wer sich auf Openbox einlässt, kann sich die Oberfläche im Detail zurechtlegen. Die großartige Anpassungsfähigkeit betrifft Aussehen, Farben, Schriftgrößen, Menüangebot, Desktop-Infos, Tastenkombinationen. Openbox kennt keine Zwangselemente: Alle Desktopelemente lassen sich modular ein- und ausschalten.

3. Ein gut eingerichtetes Openbox ist funktional und ästhetisch. Bunsenlabs „Hydrogen“ legt als würdiger Crunchbang-Nachfolger ein Desktop-Angebot vor, das bei puristisch veranlagten Ästheten Kultcharakter hat. Bunsenlabs präsentiert Openbox in einer ansprechenden und über weite Teile mit grafischen Mitteln anpassbaren Optik. Jedoch spricht auch Bunsenlabs primär erfahrene Systembastler an.

Installation von Bunsenlabs oder Openbox

Den Punkt der Installation halten wir relativ kurz, da er vom eigentlichen Thema der Openbox-Einrichtung wegführt. Das Setup erledigt der Debian-Installer strukturiert und vorbildlich informativ. Auch der heikelste Abschnitt „Festplatten partitionieren“ ist übersichtlich – mit klaren Infos und Sicherheitsrückfragen.
Bunsenlabs lädt nach der allerersten Anmeldung ein Startscript „bl-welcome“, das ein Systemupdate und Nachinstallationen vorsieht. Das Script ist umfangreich (Paketquellen-Update, Upgrade, Power-Manager für Notebooks, Wallpapers, Libre Office, Druckertreiber, Java, Flashplayer, Open SSH, LAMP) und lohnt in jedem Fall eine Durchsicht.

Openbox als Desktop nachrüsten: Natürlich lässt sich der Fenstermanager Openbox auch unter einem laufenden System einrichten. Dazu installieren Sie folgende Pakete im Terminal:

sudo apt install openbox openbox-themes obconf obmenu

Danach melden Sie sich ab, gehen Sie in der Sitzungsauswahl auf „Openbox“, und melden Sie sich wieder an. Es erscheint ein komplett leerer Desktop, doch nach Rechtsklick erhalten Sie das Openbox-Menü. Alles Weitere müssen Sie manuell nachrüsten – etwa im Stil von Bunsenlabs.

Openbox-Menü und Menü-Editor: Für Anpassungen des hierarchischen Textmenüs gibt es das bequeme grafische Tool obmenu.

Die Desktop-Zutaten in Bunsenlabs

Die wesentlichen Standardkomponenten am Desktop sind folgende:

1. Das Menü: Das Textmenü erscheint nach Rechtsklick auf eine freie Desktopstelle und startet das dort gewählte Programm. Das Menü erscheint an der Stelle, wo Sie den Rechtsklick auslösen. Gibt es keinen freien Desktopbereich, weil auf dem jeweiligen Desktop-Workspace ein Programm im Vollbild läuft, dann hilft der Rechtsklick auf die Systemleiste. Die Beenden-Optionen wie Herunterfahren oder Abmelden finden Sie im untersten Eintrag „Exit“. Das Menü ist das einzige angestammte Bedienelement von Openbox und ist inhaltlich beliebig anpassbar (siehe unten).

2. Die Tint2-Leiste: Die Systemleiste erscheint standardmäßig am oberen Bildschirmrand. Als typische Ausstattung enthält die Leiste ganz links einige Programmfavoriten mit Icon, dann folgt die Taskbar mit so vielen Bereichen wie Desktop-Workspaces definiert sind. Rechts ist der Systray-Bereich mit Netzwerk, Lautstärkeregler, Multiclipboard und ganz rechts schließlich die Zeitanzeige.
Als Systemleiste dient das externe Programm Tint2. Für mehrere Leisten müssen mehrere Tint2-Instanzen geladen werden mit je eigener Konfigurationsdatei (unter ~/.config/tint2). Tint2 ist ungemein anpassungsfähig, fordert aber intensive Einarbeitung in die Konfigurationsdirektiven (www.mankier.com/1/tint2). Das grafische Tool Tint2conf ist unter Bunsenlabs vorinstalliert, ist aber keine große Hilfe, weil es die aktuellen Werte zwar anzeigt, aber derzeit noch nicht ändern kann. Das Openbox-Menü führt über „Preferences -> Tint2 -> Edit Tint2s“ zur Konfigurationsdatei des aktuellen Tint2.

3. Der Conky-Systemmonitor: Ebenfalls Standard ist ein Systemmonitor, der typischerweise transparente Infos wie CPU- und RAM-Auslastung, Uptime, Zeit, Hostname sowie die wichtigsten Hotkeys anzeigt. Hier arbeitet das externe Programm Conky, das wie Tint2 in einer oder mehreren Instanzen laufen kann. Conky kann im Prinzip alles anzeigen von invariablen Textinfos über dynamische Daten wie Kalender oder Festplattenbelegung bis zur grafischen Darstellung solcher Infos.

4. Die Dmenu-Kommandozeile: Neben dem normalen Menü gibt es mit Hotkey Alt-F3 noch ein „Dynamic Menu“, das alphabetisch alle Programmnamen auflistet, die es im Pfad vorfindet. Mit Tab-, Cursor- oder Bildtasten blättern Sie im Angebot, mit einer Eingabe wie „fi“ filtern Sie etwa schnell Firefox, Filezilla, File-Roller. Der Programmstart erfolgt mit Eingabetaste, wobei aber nur grafische Programme startbar sind. Dmenu leistet aber eine gute Info über alle installierten Tools. Der Desktop wird erst wieder benutzbar, wenn Sie ein Programm gestartet haben oder Dmenu mit Esc verlassen.

Themen und Einstellungen: Für die fundamentale Fensteroptik ist der „Openbox-Einstellungsmanager“ zuständig (obconf), der im Menü als „GUI Menu Editor“ erscheint.

Die grafischen Anpassungshilfen

Wer die Möglichkeiten der skizzierten Desktop-Zutaten ausschöpfen will, landet früher oder später mit dem Editor in den zugehörigen Konfigurationsdateien. Für die wichtigsten Desktop-Anpassungen liefert Bunsenlabs aber grafische Werkzeuge mit:

1. Das Tool Obconf: Den „Openbox Einstellungsmanager“ erreichen Sie im Menü über „Preferences -> Openbox -> GUI Config Tool“) oder durch direkten Aufruf von obconf. Es handelt sich um grundlegende Einstellungen der Openbox-Fensterverwaltung und des Openbox-Menüs. Änderungen an Themen und Fenstereinstellungen (Titelleiste und Controls), Arbeitsflächen, Maus werden sofort angezeigt. Während „Thema“ farbliche Vorgaben definiert, bestimmt „Erscheinungsbild“ die Controls der Fenstertitel und die Schriftgrößen in Fenstertitel und im Openbox-Menü. Einige weitere Punkte wie „Arbeitsflächen“ sind weitgehend selbsterklärend. Der Punkt „Dock“ hat keine Bedeutung, wenn man auf den Einsatz der „Dockapps“ verzichtet.
Die Einstellung „Ränder“ ist wichtig, falls Sie auf die Tint2-Systemleiste verzichten. Das Openbox-Menü kann durch Rechtsklick auf eine freie Desktopstelle oder die Tint2-Leiste ausgelöst werden. Ohne Leiste müssten Sie ein Vollbildprogramm erst verkleinern oder minimieren, um an das Openbox-Menü zu kommen. Hier helfen „Ränder“. Ein Pixel etwa auf der rechten Seite genügt: Dann setzt man einfach die Maus ganz nach rechts, um mit Rechtsklick das Menü auszulösen.

2. Das Tool Lxappearance: Den Dialog „Erscheinungsbild anpassen“ finden Sie im Menü unter „Preferences -> Appearance“. Das vom LXDE-Desktop ausgeliehene Programm bestimmt das Aussehen von Icons, Mauszeiger und Schriften. Der wichtigste Punkt „Fenster“ gibt die Optik für Programm-Menüs und -Dialoge vor. Die Größe der Menü-Schrift ist hier neben „Schrift“ ab 6 Punkt aufwärts beliebig skalierbar.

3. Das Tool Obmenu: Zur inhaltlichen Anpassung des Openbox-Menüs dient Obmenu, das Sie über „Preferences -> Openbox -> GUI Menu Editor“ erreichen. Das Löschen, Umbenennen oder Verschieben von Menüeinträgen ist mit den vorgegebenen Schaltflächen und Eingabefeldern selbsterklärend. Neue Menüordner fügen Sie mit „New menu“ hinzu, Einzeleinträge über „New Item“ nach dem Muster der vorhandenen. Ein neuer Menüpunkt wird immer oberhalb des aktuell markierten Eintrags eingefügt. Über „Label“ vergeben Sie den Namen, neben „Execute“ tragen Sie den Programmaufruf ein. Die gewünschte Aktion („Action“) ist gewöhnlich der Programmstart mit „Execute“, alle anderen Vorgaben („Exit“, „Restart“) beziehen sich auf Openbox. Wenn Sie mit einem Menüeintrag ein Programm beenden wollen, verwenden Sie etwa „pkill conky“ als Execute-Eintrag. Alle Änderungen in Obmenu gelten sofort nach „File -> Speichern“.

4. Das Tool Nitrogen: Für die Auswahl des Hintergrundbildes gehen Sie auf „Preferences -> Choose Wallpaper“. Bunsenlabs nutzt für diese Aufgabe das externe Programm Nitrogen.

In den Openbox-Konfigurationsdateien

Openbox nutzt lediglich drei zentrale Konfigurationsdateien unter ~/.config/openbox, deren Editieren auch im Menü über „Preferences -> Openbox“ angeboten wird:
1. Die Datei menu.xml enthält das Menüangebot. Diese Datei ist bequem über das grafische Tool Obmenu zu bearbeiten.
2. Die Datei rc.xml definiert sämtliche Hotkeys. Openbox nutzt zahllose Tastenkombinationen und bietet im Menü über „Display Keybinds“ einen lohnenden Überblick. Die Vorgaben der der rc.xml können Sie manuell beliebig ändern. Ein typischer Eintrag

<keybind key="W-f">

 

<action name="Execute"><execute>filezilla</execute></action>

 

</keybind>

definiert für Windows-Taste und Taste F den Start des FTP-Client Filezilla. „W“ steht also für die Windows-Taste, ferner „A“ für Alt, „C“ für Strg und „S“ für die Shift-Taste. Damit Änderungen wirksam werden, rufen Sie „Preferences -> Openbox -> Reconfigure“ auf.
3. Die kleine Datei autostart ist das zentrale Startscript, das alle Desktop-Module oder sonstige Programme aufruft. Sie können den Umfang mit jedem Editor reduzieren oder erweitern. Um etwa den Conky-Monitor zu deaktivieren, kommentieren Sie die Zeile mit „bl-conky-session“) einfach mit führendem #-Zeichen aus. Eigene Autostarts fügen Sie mit dem zugehörigen Programmaufruf an geeigneter Stelle als zusätzliche Zeile hinzu. Das Script startet alles einfach in der angegebenen Reihenfolge.

Openbox nutzt zahlreiche Hotkeys: Es lohnt sich ein genauerer Blick auf die vordefinierten „Keybinds“. Zuständig ist die Datei rc.xml, die Sie beliebig manuell anpassen können.

Tint2-Leisten und Conky-Anzeigen

Tint2-Systemleisten sind ungemein flexibel, aber über die Textdateien unter ~/.config/tint2/ relativ mühsam zu editieren. Da sich dieser Aufwand jedoch lohnt, nennen wir an dieser Stelle zumindest die allerwichtigsten Direktiven. Der Eintrag (Beispiel)

panel_items = LTSC

definiert, welche Elemente die Leiste in welcher Reihenfolge anzeigen soll. Möglich sind der Launcher (L) mit Programmfavoriten, die Taskbar (T), der Systray-Bereich (S), der Batterieladezustand (B) und die Uhrzeit (C). Die weiteren Optionen E und F lassen wir außen vor, zumal sie mit dem Verzicht auf die unentbehrliche Taskbar (T) einhergehen.
Wenn Sie einen Launcher-Bereich (L) nutzen, dann können Sie die gewünschten Favoriten unter „#Launcher“ in der Form

launcher_item_app = /usr/share/applications/firefox-esr.desktop

eintragen. Notwendig ist hier also der komplette Pfad zur passenden Desktop-Datei.
Die wichtigsten Direktiven für Position, Ausrichtung und Größe sind folgende:

panel_position = top right vertical
panel_size = 95% 120

Dies würde eine vertikale Leiste am rechten Bildschirmrand zeichnen, die nicht ganz von oben nach unten reicht (95 Prozent) und 120 Pixel breit ist. Werteangaben sind sowohl in Prozent als auch in absoluten Pixelwerten möglich.

Änderungen in der Konfigurationsdatei wirken sich erst aus, wenn Sie Tint2 über „Preferences -> Tint2 -> Restart Tint2“ neu starten. Wer sich intensiv in die Tint2-Konfiguration einfuchsen will, sollte die Manpage unter www.mankier.com/1/tint2 aufsuchen.
Conky-Monitor: Gemessen am Ergebnis – nämlich der Darstellung einiger Systeminfos am Desktop – ist die Anpassung von Conkys ein ambitionierter Sport (zumal sich mit Windows-H jederzeit der Htop-Taskmanager starten lässt). Immerhin gibt es eine Reihe vorinstallierter Conky-Vorlagen unter „~/.config/conky“, die Sie am einfachsten im Menü über „Preferences -> Conky -> Conky Chooser“ erreichen. Wer über „Edit Conkys“ tatsächlich selbst Hand anlegen will, kann mit „alignment“ die Position am Desktop festlegen, mit „xftfont“ die Schriftgröße. Der eigentliche Inhalt des Conkys steht am Ende der Konfigurationsdatei unter „TEXT“. Dies sind nur die allerwichtigsten Direktiven der komplexen Conky-Konfigurationsdateien, weitere Infos finden Sie unter https://wiki.ubuntuusers.de/Conky/. Beim Speichern der Datei ~/.conkyrc startet ein Conky automatisch neu. Conkys lassen sich auch temporär anzeigen: conky -i 30 blendet die Info 30 Sekunden ein und beendet dann das Conky.

Tint2-Leiste und zugehörige Konfigurationsdatei: Das Eintragen der gewünschten Launcher-Favoriten ist eine der leichtesten Übungen.

Openbox und Bunsenlabs „Hydrogen“

Bunsenlabs basiert auf Debian 8 und präsentiert ein sorgfältig eingerichtetes Openbox inklusive grafischen Tools und Scripts. Als Paketverwaltung dient Synaptic oder apt im Terminal. Bunsenlabs ist in der 32-Bit-Variante bootfähig auf Heft-DVD.
Projektseite: www.bunsenlabs.org
Download: www.bunsenlabs.org/installation.html
Infos: https://forums.bunsenlabs.org/
https://wiki.ubuntuusers.de/Openbox/
https://wiki.mageia.org/de/Openbox
https://wiki.archlinux.de/title/Openbox

Noch ein Tipp: Der Desktop von Openbox hat keine Ordnerfunktionalität, kann also nicht als Dateiablage dienen. Wer diese Eigenschaft für unentbehrlich hält, hat theoretisch zwei Möglichkeiten: Eine Option ist das Nachinstallieren eines Dateimanagers wie Nautilus, der diese Fähigkeit mitbringt (nautilus –force-desktop). Eine Alternative sind Tools wie idesk (http://idesk.sourceforge.net). Doch können beide Lösungen nicht überzeugen: idesk ist technisch unbefriedigend, und Nautilus deaktiviert logischerweise das zentrale Rechtsklick-Menü. Ein simples Workaround ist der automatische Start einer Dateimanager-Instanz mit

 thunar ~/Desktop

in der Datei „~/.config/openbox/autostart“. Während man in weiteren Desktop-Workspaces arbeitet, bleibt am ersten Desktop dauerhaft der Transferordner geöffnet. Programme wie Browser oder Office können Sie leicht anweisen, den betreffenden Ordner standardmäßig als Arbeits- oder Download-Ordner zu nutzen.

 

Moksha/Bodhi für Desktop-Abenteurer

Moksha, ehemals Enlightenment, ist genauso exotisch wie sein Name. Wer hier mit konservativen Erwartungen herangeht, wird sich verirren oder kapitulieren. Der Desktop ist aber schnell und hat neben exotischem Charme enorme Anpassungstiefe.

Moksha ist kein Desktop für Pragmatiker. Wer sein System schnell eingerichtet haben will und auf seine Software fokussiert ist, wird sich mit den minutiösen Einstellungen dieser Oberfläche nicht anfreunden. Zielgruppe sind vielmehr Nutzer, die Wert auf einen individualisierten Desktop legen und bereit sind, dafür auch einige Zeit zu investieren.
Bodhi Linux ist die einzige Distribution, die standardmäßig auf Moksha setzt. Der Desktop ist eine Abspaltung vom sehr ähnlichen Vorbild Enlightenment (oder schlicht „E“), der bis Version E17 in Bodhi Linux enthalten war. Nach der mangelhaften „E“-Version 18 haben die Bodhi-Entwickler experimentelle Funktionen aus „E“ entfernt und pflegen für ihre Distribution den solideren Fork Moksha weiter. Gegenstand dieses Artikels ist daher Bodhi Linux mit seiner angestammten Moksha-Oberfläche. Die meisten Aussagen sollten aber auch für Enlightenment gelten.

Motive für Moksha und Bodhi

Bodhi Linux spielt seit jeher in der Ökoliga der Linux-Distributionen und liefert für sehr alte Hardware sogar noch eine non-pae-Variante aus (für Rechner vor circa 2002). Das entscheidende Motiv für Moksha/Bodhi sollte das aber nicht mehr sein: Für schwache Hardware gibt es einfachere und solidere Distributionen. Außerdem ist Moksha modular aufgebaut – bei größter Sparsamkeit sollte das komplette System nach Anmeldung mit 150 MB auskommen. Sind jedoch alle Module aktiviert und einige Desktop-Elemente eingerichtet, liegt der Speicherbedarf schnell bei 250, 300 MB und mehr. Hauptmotive für Moksha/Bodhi sind daher eher andere Aspekte:
1. Bodhi ist ein Speed-Ubuntu: Beim Systemstart zur Anmeldung zählen wir auf schneller Hardware (mit SSD) gerade mal neun Sekunden. Mittelschwere Programme sind schneller eingabebereit als der Mausfinger von der Auslösetaste zurückkommt.

2. Moksha ist ganz Linux-untypisch eine komplett grafisch konfigurierbare Oberfläche. Wirklich jedes Detail ist über grafische Anpassungsdialoge per Maus zu erreichen. Das gelingt nicht überall konsistent, führt zu unzähligen kleingliedrigen Einstellungsfenstern, erspart aber jedes Editieren von Konfigurationsdateien.

3. Moksha ist ein extravaganter und äußerst liberaler Desktop. Der Benutzer kann über jedes Modul selbst entscheiden, ob er es überhaupt benötigt und wie sich ein gewähltes Element optisch und funktional verhalten soll. Dieser Desktop ist ein Gegenentwurf zu den simplifizierenden Oberflächen Gnome oder Unity.

Installation von Bodhi Linux

Die Auswahl der Bodhi-Varianten finden Sie auf www.bodhilinux.com/download: Neben der 32-Bit-Version liegt auch eine 64-Bit-Variante bereit. Bei beiden Architekturen können Sie sich jeweils für das „Standard Release“ oder das größere „AppPack Release“ entscheiden. Da die Bodhi-Entwickler beim „AppPack Release“ eher seltsame Entscheidungen treffen und auch hier Nachinstallationen unerlässlich sind, ist das kleinere „Standard Release“ die bessere Wahl. Das fünfte Bodhi „Legacy“ für alte non-pae-Hardware gibt es nur in der Standardausführung. Das Setup erledigt der bewährte Ubuntu-Installer Ubiquity.

 

Moksha-Schaltzentrale: Die Einstellungskonsole ist der Dreh- und Angelpunkt der Desktop-Konfiguration. Der Umfang lässt sich unter „Erweiterungen -> Module“ festlegen.

Erste Orientierung in Moksha

Bodhi Linux präsentiert standardmäßig eine Systemleiste, die sich hier „Shelf“ oder deutsch „Modulablage“ nennt. Die ist ab Start durchaus konservativ bestückt mit Startmenü, Favoritenbereich, Taskübersicht und einem Systray-ähnlichen Bereich. Im Grunde handelt es bei den „Shelves“ um Modulcontainer, die an beliebigen Bildschirmrändern beliebig mit „Modulen“ befüllt werden können.
Das Startmenü ist nicht nur über die Shelf-Leiste, sondern auch mit normalem (Links-) Klick auf eine freie Desktop-Stelle zu erreichen, während der Rechtsklick am Desktop eine Auswahl von Programmfavoriten anbietet, die Sie allerdings erst definieren müssen. Der Menüstart am Desktop bringt es wie bei Openbox/Bunsenlabs mit sich, dass der Desktop nicht als Dateiablage dienen kann.
Die Einstellungskonsole: Die entscheidende Konfigurationszentrale ist im Menü über „Einstellungen -> Einstellungskonsole“ zu erreichen („Settings -> Settings Panel“). Es handelt sich um einen internen Bestandteil des Moksha/Enlightenment-Desktops, der nicht als eigenes Programm vorliegt und daher nicht als Terminal-Kommando aufrufbar ist (einige fundamentale Einstellungen sind über den Terminalbefehl enlightenment_remote abrufbar). Die grafische Zentrale ziehen Sie am besten so breit, dass Sie oben alle Kategorien im Blick haben und damit einen ersten Überblick erhalten.

Spracheinstellung: Da die Oberfläche zunächst englischsprachig vorliegt und dieser Artikel ab dieser Stelle ausschließlich die deutschen Bezeichnungen verwenden wird, führt ein erster wesentlicher Gang nach „Language“. Sehr wahrscheinlich fehlt diese Kategorie noch, und dies ist erste Gelegenheit, den modularen Aufbau von Moksha kennenzulernen: Unter „Extensions -> Modules“ („Erweiterungen -> Module“) finden Sie die komplette Sammlung der verfügbaren Module, geordnet nach Kategorien. Das Sprachmodul findet sich unter „Settings“ und lässt sich mit Klick auf „Load“ aktivieren. Dies erweitert die Einstellungskonsole dann um den neuen Punkt „Language“, wo Sie die Oberfläche nach Deutsch umstellen. Bei besserer Kenntnis der Oberfläche können Sie später den Punkt „Erweiterungen -> Module“ der Einstellungskonsole aufsuchen, um detailliert weitere Module zu aktivieren oder auch auszumisten.

Profile: Ein wichtiger Verwaltungspunkt in der Einstellungskonsole sind die „Einstellungen“ mit dem Unterpunkt „Profile“. Hier ist es nämlich möglich, den gerade aktuellen Desktop über „Hinzufügen“ als neues Profil zu speichern. Außerdem liegen die Standardprofile „Bodhi Linux“ und „Default“ vor, auf die Sie durch Markieren und „Übernehmen“ jederzeit zurückkehren können. Die Gefahr, sich in Moksha zu verlaufen, ist nicht gering, daher ist die einfache Rückkehr auf bewährte Profile eine wichtige Absicherung.
Fundamente der Optik richten Sie in der ersten Kategorie „Aussehen“ ein. Während „Thema“ die Moksha-eigenen Dialoge und die Fenstertitel betrifft, ändert „Anwendungsthema“ das Aussehen von Programmen, die auf GTK basieren. Ein wichtiger Unterpunkt ist hier ferner die „Skalierung“, die alle Moksha-Fenster stufenlos in der gewünschten Größe einstellt.

Programmstarter: In der zweiten Kategorie „Anwendungen“ lohnt es sich, „Bevorzugte Anwendungen“ zu definieren, sofern Sie am Desktop das Rechtsklick-Menü verwenden wollen. Dazu markieren Sie in der angebotenen Liste das betreffende Programm und klicken auf „Hinzufügen“.
Der nachfolgende Punkt „iBar-Anwendungen“ (unter „Anwendungen“) ist nur dann relevant, wenn Sie in einer Systemleiste („Shelf“) das Modul iBar tatsächlich verwenden – es handelt sich ebenfalls um einen Favoritenstarter. Das Modul iBar ist ein Beispiel für die zum Teil konfuse Komplexität des Desktops: Das Modul muss unter „Erweiterungen -> Module“ aktiviert sein, und es muss unter „Erweiterungen -> Modulablagen -> Inhalte“ in eine Modulablage (Shelf) integriert werden. Konfiguriert und bestückt wird es aber nicht an Ort und Stelle in der Leiste, sondern unter „Anwendungen -> iBar-Anwendungen“.

Arbeitsflächen: Weitere wichtige Einstellungen finden Sie in der Einstellungskonsole unter „Bildschirm“ mit den Arbeitsflächenoptionen: Moksha erlaubt Linux-üblich beliebig viele virtuelle Desktops und kann diese attraktiv mit je eigenen Hintergrundbildern ausstatten und beim Wechsel Übergangseffekte anzeigen. Beim Einsatz des „Arbeitsflächenumschalters“, der als Modul in einer Systemleiste oder solo als „Helfer“ am Desktop realisiert werden kann, können Sie Programmfenster einfach mit der Maus von einer Arbeitsfläche zur anderen ziehen. Diese Funktion ist komfortabel, wenn die verkleinerte Desktop-Darstellung im Arbeitsflächenumschalter nicht zu mikroskopisch, als der Umschalter eher groß ausfällt.
Maus und Tastatur: Unter „Eingabe“ gibt es als „Kantenbelegungen“ das, was andere Desktops „Aktive Ecken“ nennen. Jedoch bietet Moksha hier ungleich mehr an Fenster- oder Programmaktionen an als jeder andere Desktop. Ähnlich uneingeschränkt lassen sich unter „Eingabe“ die Maus und Tastatur minutiös einrichten. Allein die Durchsicht der voreingestellten Möglichkeiten dürfte überraschen: Dass man etwa jedes Fenster mit Alt-Taste plus Mausradklick skalieren kann, ohne in eine Fensterecke fummeln zu müssen, bedeutet wie vieles Weitere echten Komfort.

Moksha-Elemente: Hier arbeiten drei Modulablagen, eine iBar-Favoritenleiste (links), ein Desktop-Umschalter (unten), eine weitere Leiste links. Die Prozessliste und die Laufwerksanzeige sind als „Helfer“ realisiert. Das Hauptmenü ist immer erreichbar und startet hier die Einstellungskonsole.

Leisten und „Helfer“ optimieren

Neben dem Hauptmenü sind Leisten („Modulablagen“) und Desktop-Gadgets („Helfer“) die prägenden Elemente. Eine Leiste kann viele Module aufnehmen, ein „Helfer“ ist ein einzelnes Modul am Desktop. Die Module sind aber hier und dort dieselben. Angebot und Anzahl hängt, wie beschrieben, davon ab, was in der Einstellungskonsole unter „Erweiterungen -> Module“ aktiviert ist.
„Modulablagen“ (Leisten): Wenn Sie eine bestehende Leiste rechts anklicken, erscheint unter anderem die Option „Shelf…“ (sofern Sie der Leiste bislang keinen eigenen Namen gegeben haben). Hier kommen Sie dann über „Inhalte“ an die Module und können aktuell enthaltene (farbiges Symbol) entfernen oder inaktive (graues Symbol) zur Leiste hinzufügen. Auf demselben Weg kommen statt an die „Inhalte“ an die „Einstellungen“ der Leiste, wo sich Position, Größe und Optik ändern lassen. Bei der Position am Bildschirmrand sind nicht weniger als 12 Möglichkeiten vorgesehen. Außerdem gibt es natürlich Optionen zum automatischen Verbergen der Leisten. Wenn eine Modulablage mehrere Module enthält, gibt es nach Rechtsklick außerdem die Möglichkeit, die Einzelteile innerhalb der Leiste zu verschieben. Das funktioniert dann per Drag & Drop, ist aber mitunter fummelig. Das Verschieben von Leistenmodulen ist die einzige Aktion, die Sie direkt an der Leiste auslösen müssen, alles andere ist auch zentral über die Einstellungskonsole unter „Erweiterungen -> Modulablagen“ zu erreichen.
„Helfer“ (Gadgets): Ein einzelnes Modul am Desktop definieren Sie in der Einstellungskonsole unter „Erweiterungen -> Helfer -> Ebenen -> Hintergrund“. Das neue Desktop-Modul kann danach am Desktop verschoben und skaliert werden. Dies funktioniert später auch jederzeit nach Rechtsklick auf das Modul, Klick auf den Modulnamen und „Einstellungen“. Ein Helfer hat gegenüber einer Modulablage mit nur einem Modul nur den einen Vorteil, dass er beliebig positionierbar ist.

Komplexe Leistenanpassung: Um die Modulablage selbst und nicht etwa nur ein Modul anzupassen, müssen Sie nach Rechtsklick den blau-roten Eintrag wählen.
Moksha-Fensteroptionen: Hier ist alles drin, was technisch geht. In jedem Fall nützlich ist das „Erinnern“ von Größe und Position.

Weitere Spezialitäten in Moksha und Bodhi

Fensterposition: Moksha hat deutlich mehr Fensterfunktionen als andere Desktops – unter anderem auch eine Erinnerungsfunktion für Programmfenster. Nach Rechtsklick auf die Titelleiste eines Fensters können Sie über „Fenster -> Erinnern“ die aktuelle Größe und Position für alle künftigen Programmstarts festlegen.
Screenshots: Unter Moksha zeigt jedes Programmfenster die Option „Foto machen“. Dadurch entsteht ein Screenshot des jeweiligen Fensters. Im Hauptmenü gibt es standardmäßig die Option „Bildschirmfoto machen“, die ein Desktop-Vollbild erstellt. Feinheiten hierzu bietet die Einstellungskonsole unter „Erweiterungen -> Screenshot Settings“.
Terminal: „Terminology“ ist speziell wie vieles unter Bodhi. Es entspricht zwar in den Grundfunktionen dem Gnome-Terminal, hält aber elegante Spezialitäten bereit, die sich nach Rechtsklick automatisch einblenden. Mit Split-Funktionen, Kopieren und Einfügen per Mausklick wird der Terminal-Komfort deutlich erhöht. Unter „Einstellungen“ gibt es weitere Raffinessen wie Hintergrundbilder.
Everything: Dieses Tool ist ein Programmstarter mit Kategorien, kann aber auch durch Verzeichnisse navigieren oder Bilder anzeigen. Hilfreich ist das Tool auch durch seine Optionen „Fenster“ und „Einstellungen“. Dies bietet alternativen Zugriff auf die laufenden Tasks und die Optionen der Moksha-Einstellungskonsole.

Exzellentes Terminal: „Terminology“ hat auf Rechtsklick sehr komfortable Funktionen parat. Einige schrille Optionen sind Geschmackssache.

 

Moksha und Bodhi Linux

Das aktuelle Bodhi Linux 4.1.0 nutzt als Systembasis Ubuntu 16.04.1 LTS. Die Distribution definiert sich in erster Linie durch die Moksha-Oberfläche 0.2.1 und eine zunächst eher spartanische Software-Ausstattung. Als Paketverwaltung dienen vorzugweise Synaptic oder apt im Terminal, während das alternative „Bodhi AppCenter“ eher abfällt. Bodhi Linux ist in der 32-Bit-Variante bootfähig auf Heft-DVD.

Projektseite: www.bodhilinux.com

Download: https://sourceforge.net/projects/bodhilinux

Infos: www.bodhilinux.com/w/wiki
https://wiki.archlinux.org/index.php/Enlightenment
www.enlightenment.org

Pro und Contra

Bodhi mit Moksha ist sparsam und frappierend schnell. Und wer die Zeit investiert, schafft sich mit Moksha ein absolutes Desktop-Unikat – nicht nur optisch, sondern auch in der Bedienung. Das muss man sich aber erarbeiten: Ausufernde Aktionslisten etwa bei Tastatur- und Mausbelegungen nötigen zu langer Suche. In der Einstellungskonsole stehen fundamentale und marginale Optionen ohne rechte Gewichtung nebeneinander. Die Unterscheidung zwischen wichtig und unwichtig ist daher ein mühsamer Lernprozess. In den Anpassungsdialogen wird wenig erklärt und Wissen und Terminologie vorausgesetzt. Daneben gibt es auch kleinere technische Mängel: Manche kleine Moksha-Dialoge lassen sich nicht skalieren und geraten dadurch unübersichtlich. Nicht im Benutzeralltag, aber bei intensiver Konfigurationstätigkeit mit Einstellungskonsole und Leisten ist auch gelegentlich ein Moksha-Absturz im Repertoire, was sich am sanftesten in der virtuellen Konsole (Strg-Alt-F1) mit sudo pkill lightdm beantworten lässt. Moksha ist ein Abenteuer.

Linux-Mini-Server mit Python

Http-Server mit Python: Mit einem Terminalbefehl ist ein Downloadserver für das aktuelle Verzeichnis eingerichtet. Hier erfolgt der Zugriff über Firefox unter Windows.

Nahezu jedes Linux-System verfügt über eine ungeahnte Möglichkeit, einen Ordnerinhalt ganz einfach anderen Teilnehmern im Netzwerk per Webbrowser (lesend) zugänglich zu machen. Der Scriptinterpreter Python, der in den meisten Linux-Distributionen vorinstalliert ist, enthält einen Webserver, der mit einem einzigen Befehl bei Bedarf im Terminal aus dem gewünschten Verzeichnis heraus in Gang gesetzt wird:

python -m SimpleHTTPServer 4444

Jeder andere Teilnehmer mit Webbrowser kann nun, während dieser Mini-Webserver läuft, über die IP-Adresse des Linux-Rechners und der Portnummer auf die Dateien in diesem Verzeichnis lesend im Browser zugreifen und Dateien herunterladen. Je nachdem, wo der Python-Befehl ausgeführt wird, steht das komplette Dateisystem oder nur ein Unterverzeichnis zur Verfügung.

Hat der Linux-PC beispielsweise die IP-Adresse 192.168.0.2, so kommt man auf jedem Rechner mit dem Browser und der Adresse

http://192.168.0.2:4444

zur Freigabe. Auf dem Linux-Rechner beendet Strg-C den temporären Mini-Webserver wieder.

 

Android für PCs, Notebooks und Netbooks

301_5_Android_Notebook
Einfach. Funktional. Hübsch: Wer Senioren, Kinder und Einsteiger davon überzeugen will, dass die Computer-Benutzung einfach ist und Spaß macht, sollte ein Android-x86 anbieten.

Android – das ist ja eigentlich das Linux für Smartphone und Tablets. Aber bei passender Zielgruppe kann sich Android als ideale Lösung für PCs, Notebooks und Netbooks entpuppen. Mit der Portierung Android-x86 liegt ein System für solche Zielgeräte vor. Wo es sich eignet, lesen Sie hier.

Android-x86 für Intel- und AMD-Rechner besitzt zwei Eigenschaften, die es für bestimmte Szenarien attraktiv machen: Es ist erstens Hardware-technisch relativ anspruchslos und läuft auch auf älterer und schwächerer Hardware. Es hat zweitens mit dem Google Play Store eine einfache und relativ sichere Software-Quelle und vor allem ein simples Bedienkonzept, dessen Hauptelemente Sie jedem Anfänger und Einsteiger schnell erklärt haben. Die Nachteile und Einschränkungen sind aber auch deutlich: Ein Android-System ist auf rezeptive Ansprüche ausgerichtet – Surfen, Mails abholen, E-Books lesen, Musik hören. Mails oder Notizen zu verfassen, ist sicher auch kein Problem, aber für richtig produktives Arbeiten taugt es nur bedingt. Android-x86 ist daher genau dort die richtige Wahl, wo ein Rechner technisch Unbedarften den Zugang zu Internet, Mail und Medien bereitstellen soll. Und die Android-Ausrichtung auf kleine Displays prädestiniert das System noch einmal in besonderer Weise für Netbooks und Notebooks.

Android-x86 auf USB-Stick oder SD-Karte

Auf der Seite www.android-x86.org/download gibt es aktuell folgende Versionen:

Android-x86 4.4 (android-x86-4.4-r5.iso) ist die stabile Version, die wir aufgrund des geringen Speicherbedarfs als beste Wahl einschätzen. Dieser Artikel bezieht sich überwiegend auf Version 4.4.

Android-x86 5.1 (android-x86-5.1-rc1.iso) ist als RC1 noch „Release Candidate“ und daher noch in der Entwicklung. Die überschaubaren optischen und funktionalen Vorteile dieser Version können die Nachteile insbesondere beim Speicherbedarf nicht aufwiegen.

Für ganz Experimentierfreudige gibt es unter www.fosshub.com/Android-x86.html auch noch eine Vorversion 6.0, die ausdrücklich mit „for testing“ gekennzeichnet ist.

Nach dem Download des nur circa 440 MB großen ISO-Images schreiben Sie das System zunächst bootfähig auf USB-Stick oder SD-Karte. Unter Windows ist der Win 32 Disk Imager das geeignete Tool (auf Heft-DVD), unter Linux das Kommandozeilen-Tool dd:

dd if=android-x86-4.4-r5.iso of=/dev/sdb

Wie immer in solchen Fällen ist bei der Angabe des Zielgeräts (hier im Beispiel „sdb“) beziehungsweise bei der „Device“-Angabe beim Win 32 Diskimager hundertprozentige Gewissheit erforderlich, das richtige Medium zu beschreiben.

301_1_Android-x86-Bootoptionen
Test vor der eigentlichen Installation: Der Live-Betrieb ist etwas lästig, weil Android-x86 auch hier diverse Setup-ähnliche Angaben fordert. Aber danach wissen Sie, ob die Installation lohnt.

Nach dem Booten vom Flash-Medium erscheint ein Bootmenü mit vier Optionen, die erste und vierte davon sind wesentlich:

„Run Android-x86 without installation“ bedeutet einen Testlauf im Live-System. Der kann nicht schaden, weil Sie hier empirisch feststellen, ob Android-x86 auf dem genutzten Gerät die komplette Hardware erkennt (WLAN-Adapter, Kamera, USB-Peripherie, Funktionstasten, Energiesparfunktionen). Außerdem erhalten Sie einen Eindruck von Bedienung und Optik. Etwas umständlich ist der Live-Modus jedoch deshalb, weil Sie diverse Voreinstellungen treffen müssen (Sprache, WLAN, Google-Konto), obwohl diese nur temporär für diese Sitzung gelten. Wer noch vor einem Testlauf im Live-System sichergehen will, ob das gewünschte Zielgerät für Android-x86 in Betracht kommt, kann sich auch unter www.android-x86.org/hardware-list informieren. In der realen Welt dürften aber deutlich mehr als die hier angezeigten Netbooks und Notebooks problemlos oder mit tolerierbaren Detailmängeln unter Android-x86 laufen.

„Install Android-x86 to harddisk“ installiert das System auf eine Festplatte oder ein Flashmedium. Im englischsprachigen Textinstaller erscheinen die verfügbaren Partitionen zur Auswahl, die erste Festplatte als „sda“. Für den Fall, dass die Partitionsverhältnisse erst eingerichtet werden müssen, gibt es mit „Create/Modify partitions“ den einfachen, textbasierten Partitionsmanager cfdisk. Der reicht aus, um Partitionen zu löschen und neu anzulegen. Wenn Sie Partitionsgrößen ändern müssen, erledigen Sie das besser vorab mit einem Linux-Live-System und dem Tool Gparted.

Anschließend erfolgt die Abfrage des Dateisystems, wobei neben ext2/3/4 auch „ntfs“ oder fat32″ möglich sind. Die Frage, ob GRUB installiert werden soll, sollte man unbedingt bejahen, um das Zielmedium bootfähig zu machen.

Die Kopie des kleinen Systems auf den Zieldatenträger ist schnell erledigt, und nach der Schlussmeldung „Run Android-x86“ oder „Reboot“ kann das Installationsmedium entnommen werden. Nun erfolgt die eigentliche Einrichtung, zunächst die Auswahl der Systemsprache, die Sie – nicht ganz offensichtlich – durch die Cursor-Taste nach oben auf „Deutsch (Deutschland)“ umstellen können. Danach geht es unter anderem um dem Zugang zum Standard-WLAN und die Angabe des Google-Kontos. Dabei ist nur die persönliche Adresse erforderlich – also ohne „@googlemail.com“ oder „@gmail.com“, das nach Sprung in nächste Eingabefeld automatisch ergänzt wird. Diese Info ist nicht ganz überflüssig, da Sie an dieser Stelle noch mit englischem Tastaturlayout arbeiten und die Suche nach dem @-Zeichen eine lästige, aber völlig unnötige Bremse bedeuten kann.

Die Anmeldung bei Google ist unbedingt zu empfehlen, weil nur so der Zugang zum Google Play Store offensteht. Wenn mit dem Google-Konto bereits ein weiteres Gerät verknüpft ist (also ein Android-Smartphone oder Tablet), dann werden automatisch alle dort eingerichteten Apps auch auf dem x86-Gerät installiert. Das kann praktisch sein, aber eventuell auch lästig, falls das Zielgerät andere Apps nutzen soll. Die Synchronisierung zahlreicher Apps wird Android erst einmal einige Minuten voll beschäftigen und auslasten. Am besten warten Sie mit der weiteren Einrichtung ab, bis diese Aktion abgeschlossen ist.

301_2_Android-x86-Partitionierung
Textbasierter Partitionierer: Der Android-x86-Installer bringt das Tool cfdisk mit, das zum Erstellen neuer Partitionen ausreicht. Komplizierteres erledigen Sie

Hardware und Leistung

Android-x86 ist auf älterer Hardware kein Schnell-Booter. Der Start dauert auf unserem EEE-Netbook mit Atom-CPU gut 50 Sekunden, was aber kein Hinweis auf einen zähen Benutzeralltag ist. Einmal gestartet, verhält sich das System auch bei bescheidener Hardware jederzeit performant. Einzige Ausnahme ist der schon erwähnte Synchronisierungsvorgang bei der Ersteinrichtung, wenn zahlreiche Apps gemäß der Ausstattung eines anderen Android-Geräts installiert werden.

Beim älteren Android 4.4-r5 liegt die Speicherauslastung für das pure System bei nur etwa 200 MB. Dies sind die angezeigten Werte auf einem Netbook mit 1 GB RAM, auf einem Notebook mit 4 GB RAM nimmt es sich mit 250 bis 300 MB etwas mehr (gemessen mit dem „System Monitor Lite“ von Christian Göllner). Das ist weit weniger als jedes Windows-System fordert, die Werte sind aber auch mit Linux-Systemen kaum zu unterbieten.

Das jüngere Android-x86 5.1-rc1 belegt circa 470 MB bei installiertem 1 GB RAM. Die Differenz zur Vorgängerversion fällt damit so gravierend aus, dass wir auf Zielgeräten mit nur einem GB RAM (wie typischerweise Netbooks) die ältere Version 4.4-r5 empfehlen.

301_3_Android-4.4.-RAM
Android-x86 in Version 4.4-r5: Wenn das Zielgerät keine üppige Speicherausstattung bietet, ist diese Version die beste Empfehlung. Das jüngere Android-x86 5.1-rc1 benötigt über 450 MB.

Bei verkabelten wie auch kabellosen Netzwerkverbindungen hat Android-x86 keine Schwierigkeiten, solange es sich bei den WLAN-Adaptern um integrierte Netbook- und Notebook-Chips handelt. Heikler dürften, wie bei Linux generell, externe WLAN-Empfänger am USB-Anschluss sein.

Angeschlossene USB-Geräte werden problemlos erkannt. Das gilt für optionale Eingabeperipherie wie Mäuse ebenso wie für USB-Festplatten oder Sticks. Bei Datenspeichern erfolgt aber keine automatische Benachrichtigung: Sie finden die Medien dann in der Navigationspalte des Standard-Dateimanagers oder im stets zu empfehlenden Total Commander für Android unter „USB“.

Die speziellen Funktionstasten zur Helligkeits- und Lautstärkesteuerung von Netbooks und Notebooks arbeiten erstaunlich gut unter Android-x86, aber mit der einen oder anderen Fehlfunktion ist immer wieder mal zu rechnen. Hier muss dann gegebenenfalls eine passende App aushelfen.

Wer sich für Android auf einem größeren Monitor entscheidet, muss sich im Klaren sein, dass er hier mit Apps im Vollbildmodus arbeiten wird, die auf kleine Tablet- und Smartphone-Displays optimiert sind. Android hat nur bescheidene Möglichkeiten, die Smartphone-GUI auf Monitor-Dimensionen zu trimmen: Unter „Einstellungen -> Display -> Schriftgröße“ hilft die Einstellung „klein“ ein Stück, ändert aber nichts daran, dass manche Vollbild-App ins Auge bombt.

Zum Herunterfahren des Systems tippen Sie den Power-Knopf des Geräts zweimal kurz an. Dann erscheint das Android-Popupfenster mit mehreren Optionen wie „Herunterfahren“ oder „Neustarten“, das nach Mausklick den gewählten Job erledigt. Diese Methode ist auf Netbooks und Notebooks die einfachste. Ob bei dieser Methode auch PCs mitspielen, haben wir nicht getestet. Bei der älteren Version 4.4-r5 funktioniert aber auch der Klick auf das Datum oben rechts und dort die Option „Herunterfahren“. Und nicht zuletzt gibt es wieder diverse Shutdown-Apps im Google Store.

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Home-Screen mit Standardhintergrund: Die Einrichtung von Android-x86 auf dem PC entspricht technisch vollständig der Anpassung eines Android-Smartphones oder Tablets.

Bedienung und Anpassung

Die Systemsprache lässt sich schon bei der Installation auf Deutsch setzen. Das Tastaturlayout bleibt danach allerdings weiter Englisch. Dies ist unter „Einstellungen -> Sprache & Eingabe -> Tastatur & Eingabemethoden“ zu korrigieren. Als eine weitere der allerersten Einstellungen (unter „Einstellungen -> Display“) sollten Sie das automatische Drehen der Anzeige abstellen: Auf Geräten ohne Lagesensor bereitet es erhebliche Probleme, ein gedrehtes Display wieder in die horizontale Standardlage zu bringen. Früher oder später wird das kleine Malheur in jedem Fall geschehen, da manche App ohne Rücksicht auf eine gewünschte Standardausrichtung den Bildschirm dreht. Meist hilft es, diese App über die Taskliste (rechter „Recents“-Button) zu beenden, um dadurch automatisch wieder zur Standardanzeige zurückzukehren. Besorgen Sie sich dennoch vorsorglich eine spezielle App wie „Rotation Control“ aus dem Google Store, mit der Sie bequem die Ausrichtung korrigieren können.

Die wesentlichen Aktionen erfolgen über den linken „Zurück“-Button, mittigen „Home“-Button und rechten „Recents“-Button. Dies ist einfach genug, wird aber mit physischer Tastatur noch einfacher, weil auch die Tasten Esc, Windows und die Kontextmenü-Taste (neben der rechten Strg-Taste) dieselben Funktionen erfüllen. Und statt dem Wischen auf dem Touchscreen hilft hier die gedrückte Maustaste und Ziehen in die gewünschte Richtung, je nach App funktioniert auch das Scrollen mit dem Mausrad.

Die Anpassung von Android-x86 folgt den Regeln eines Android auf ARM-Architektur. Längerer Klick auf eine freie Stelle des Home-Bildschirms eröffnet die Möglichkeit, das Hintergrundbild zu ändern oder Widgets auf dem Home-Bildschirm zu platzieren. Apps in der Gesamtliste können durch längerem Mausklick markiert und danach auf den Home-Bildschirm gezogen werden. Sammelordner am Home-Screen entstehen durch Drag & Drop bereits vorhandener App-Icons aufeinander.

Den Task-Wechsel und das Beenden von Apps erledigen Sie über den rechten „Recents“-Button: In der älteren Version 4.4 ziehen Sie dort eine App aus dem Bildschirm, um sie zu beenden. Im jüngeren 5.1 warten Sie kurz, bis alle Apps das Schließen-Symbol („x“) anzeigen. Sie lassen sich dann per Klick auf dieses Control beenden.

Android-x86 ist ohne nähere Konfiguration ein Einbenutzersystem ohne Anmeldung und startet ungeschützt zum Desktop. Eine Authentifizierung lässt sich über „Einstellungen -> Sicherheit -> Display-Sperre wählen“ einrichten. Über „Einstellungen -> Nutzer“ können Sie auch weitere Konten und damit ein Mehrbenutzersystem konfigurieren.

Remix OS: Aufgebohrtes Android-x86

Android ist ein schlankes System für Smartphones und Tablets, die Portierung Android-x86 eine attraktive Alternative für Netbooks und Notebooks. Das ist aber früheren Google-Mitarbeitern längst nicht genug, die sich unter dem Firmennamen Jide Technology zusammengetan haben: Als Remix OS soll Android-x86 den PC-Desktop generell erobern. Auf der Projektseite www.jide.com können Sie sich über Remix OS informieren, Downloads der 32- und 64-Bit-Varianten gibt es unter www.jide.com/remixos-for-pc#downloadNow. Das Zip-Archiv hat je nach Ausführung bis zu 717 MB, beim Extrahieren entsteht das ISO-Image mit circa 2,5 GB, ferner eine ausführbare Datei (Remixos-installation-tool-B2016030102.exe) für die Einrichtung unter Windows.

Wer kein Windows-System verwendet, kann das ISO-Image einfach mit dem Kommandozeilen-Tool dd auf einen USB-Stick schreiben. Beim Einsatz von Remix OS auf USB kommt nur USB 3.0 in Betracht. Bei langsameren 2.0-Medien oder 2.0-Ports am Gerät startet das System erfahrungsgemäß nicht, bringt aber keine Fehlermeldungen, sondern bearbeitet das Medium in Endlosschleife.

Da es im Live-System (Option „Guest mode“ beim Booten) keinen Installer gibt, macht es etwas Mühe, Remix OS auf eine Festplatte zu bringen. Einfach geht das nur, wenn auf dem Gerät ein Windows vorliegt und das genannte Windows-Tool genutzt werden kann. Ist kein Windows vorhanden oder soll dieses durch Remix OS ersetzt werden, dann helfen zwei USB-Sticks – der eine mit dem ISO-Image von Remix OS, der zweite mit einem beliebigen Linux-Live-System. Mit dd im Live-System schreiben Sie dann das ISO-Image auf die Festplatte des Zielgeräts.

Remix OS hat inzwischen zwar bereits Versionsnummer 2.0, bezeichnet sich aber immer noch als „Beta Version“ – mit gutem Grund: Der Systemstart ist sehr zäh, die Einstellung der deutschen Oberfläche führt zu einem gemischtsprachigen System (Deutsch-Englisch), und das Keyboardlayout bleibt komplett Englisch. Mit Hängern und App-Abstürzen muss man jederzeit rechnen, und nicht zuletzt fehlt diesem Android-x86 der Google Play Store. Im Prinzip lassen sich die unentbehrlichen Google Services (inklusive Google Play Store) einbauen, indem Sie das Android Package GMSActivator.apk manuell herunterladen und unter Remix OS installieren. Dafür muss unter „Einstellungen -> Sicherheit -> Unbekannte Herkunft“ die Installation aus Fremdquellen erlaubt werden. Wir hatten danach allerdings erhebliche Probleme inklusive Abstürze bei der Benutzung von Google Play. Eine Alternative sind noch seriöse APK-Quellen wie www.apkmirror.com, wo Sie Android-Pakete downloaden können, um sie anschließend manuell zu installieren.

Das Konzept von Remix OS ist offensichtlich: Mit Startmenü, Taskleiste und skalierbaren App-Fenstern wird aus Android ein echter Multitasking-Desktop. Damit gehen Android aber alle Merkmale verloren, die es für spezielle Einsatzgebiete interessant machen: Der Speicherbedarf des Systems liegt weit über einem GB und die GUI-Bedienung ist weit entfernt vom simplen Android-Konzept (wenn auch nicht wirklich kompliziert). Somit hinterlässt dieses Projekt etwas Rätselraten, denn Desktop-Systeme auf Linux-Basis gibt es genug – besser, ökonomischer und mit großem Software-Angebot.

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Sieht besser aus als es ist: Remix OS macht Android-x86 zum Desktop-System. Das klingt ambitioniert, ist aber tendenziell überflüssig und aktuell meilenweit von einem reifen Zustand entfernt.

 

 

Wer ist Bommel?

Bommel_20150416

Das abgebildete schwarze Tier hat gut 70 cm Risthöhe und 34 kg Gewicht. Es nennt sich Bommel und wird von den meisten Menschen als Hund wahrgenommen. In der Tat interessiert er sich für Individuen dieser Spezies, insbesondere für weibliche, jedoch mit tendenziell bisexueller Ausrichtung auch für kastrierte männliche. Trotz weiterer hündischer Merkmale des Prinzips „Immer der Nase nach“ bin ich mir nach drei Jahren mit diesem Tier so gut wie sicher, dass es sich um KEINEN Hund handelt:

Hunde rennen Stöckchen und Frisbees hinterher, Bommel nur Weibern.
Hunde denken nur ans Fressen, Bommel will eine Einladung zum Napf plus Bestätigung am Napf, dass die Einladung wirklich gilt.
Hunde wälzen sich in schlammigen Pfützen, Bommel macht einen Bogen.
Hunde danken dir für ein Leckerli, indem sie noch den halben Finger als Zugabe nehmen. Bommel holt es sich mit zartester Rücksicht.
Hunde hören auf „Stop“ und „Down“, Bommel schaut, ob das im Moment sinnvoll ist. Sieht er keinen Anlass („Hier ist kein Auto!“), schaut er mich tadelnd an – und lässt es.

Bommel ist wahrscheinlich kein Hund, sondern ein Pudel. Nach Goethe und Schopenhauer ist ein Pudel ein Wesen mit durchaus ungewissem Kern. Ich werde die nächsten Jahre nutzen, Genaueres herauszufinden.

Sonne mag ich nicht...

Windows-Software unter Linux: Wine und PlayOnLinux

Wine ist bekanntlich ein Nachbau der Windows-API unter Linux, der eine Vielzahl von Windows-Programmen unter Linux lauffähig macht. Wo immer dies möglich ist, ist dies der direktere Weg gegenüber einer Virtualisierungslösung.

Über Wine und sein komfortables Frontend PlayOnLinux allgemeingültige, praxisnahe technische Anleitungen zu liefern, ist nicht ganz einfach: Streng genommen kann man immer nur das erfolgreiche Einrichten genau eines Windows-Programms erklären. Bei der nächsten Software kann sich der Vorgang schon wieder deutlich unterscheiden, und einen dritten Kandidaten überreden auch trickreiche Nachbesserungen nicht zur Zusammenarbeit. Dieser Artikel kann daher nur die Grundregeln beschreiben.

playonllinux und wine
Winecfg und PlayOnLinux: Hinter dem Frontend bleibt Winecfg (rechts) das maßgebliche Konfigurationstool, das unter anderem festlegt, welche Laufwerke die Windows-Software „sieht“.

Zum Verhältnis Wine und PlayOnLinux

Wine („Wine Is Not an Emulator“) stellt die eigentliche Laufzeitumgebung und Windows-API (Application Programming Interface) bereit und basiert auf mühevoller Rekonstruktion des nicht offenen Windows-Quellcodes durch Experimentieren und Reverse-Engineering. Aufgrund dieser Arbeitsweise ist die von Wine angebotene Windows-API auch nach über 20 Jahren der Entwicklung immer noch lückenhaft, aber inzwischen ausreichend für viele und zum Teil auch komplexe Windows-Programme und –Spiele wie Photoshop oder Halflife. Welche Windows-Software unter Wine zuverlässig läuft, zeigt die Datenbank http://appdb.winehq.org. Linux-Nutzer mit wenig Erfahrung sollten sich an die Kategorien „Platin“ und „Gold“ halten, alle anderen Einstufungen erfordern manuelles Nachbessern.

PlayOnLinux ist im Prinzip nur ein zusätzliches Konfigurationswerkzeug für Wine. Aber es vereinfacht Installationen von Software und bietet vor allem eine komfortable Verwaltung für mehrere Wine-Versionen auf einem Rechner. Es ist nämlich leider keineswegs so, dass die aktuellste Wine-Version auch die beste für jede Windows-Software darstellt. Vielmehr gibt es vor allem für ältere Software ältere Wine-Versionen, welche die optimalen Bedingungen garantieren.

Mit PlayOnLinux nimmt zwar die Wine-Komplexität weiter zu, dennoch gehen wir nachfolgend davon aus, dass Sie Wine in Kombination mit diesem grafischen Frontend nutzen. Ursprüngliches Ziel des Frontends war es, populäre Windows-Spiele besonders komfortabel lauffähig zu machen – daher der Name des Tools. Heute hat Playonlinux aber auch Windows-Programme wie Microsoft Office oder Dreamweaver im Repertoire.

Der Installationsdialog von PlayOnLinux
Der Installationsdialog von PlayOnLinux

Installation über PlayOnLinux

Obwohl es unter den Distributionen auch einige Ausnahmen gibt: In den meisten Fällen sind die Pakete Wine und PlayOnLinux nicht vorinstalliert, weil sie relativ viel Platz beanspruchen und die installierbaren Live-Systeme um circa 200 MB anwachsen ließen. Unter Debian, Ubuntu, Mint und Varianten installiert der Befehl

sudo apt-get install playonlinux curl p7zip-full

alle notwendigen Komponenten. Beachten Sie, dass PlayOnLinux ein aktuelles Wine automatisch mitbringt. Beim Verfassen dieses Beitrags handelte es sich unter Ubuntu um Wine 1.7.12. PlayOnLinux ist aktuell bei Version 4.2.5, bei der Installation über die Ubuntu-Repositories erhalten Sie derzeit Version 4.2.2.

Bei der Installation gibt es unter einigen Distributionen eine irritierende Bremse: Es erscheint ein Textfenster „Konfiguriere ttf-mscorefonts-installer“. Es handelt sich um die EULA (End User License Agreement) für einige Windows-Truetype-Standardschriften, die Sie bestätigen sollen. Allerdings lässt sich das „OK“ in diesem Textfenster nicht direkt mit Eingabetaste erreichen. Vielmehr müssen Sie erst mit der Tab-Taste das „OK“ aktivieren, um den Vorgang mit Eingabetaste fortsetzen zu können.

Vor dem Start von PlayOnLinux sollten Sie erst winecfg aufrufen, am einfachsten via Terminal. Beim Start dieses Konfigurationstools werden oft noch fehlende Komponenten angemahnt und die automatische Nachinstallation angeboten. Außerdem können Sie vorab festlegen, welche Laufwerke die Windows-Software nutzen darf. Erst danach starten Sie PlayOnLinux über das Startmenü oder das Dash. Nach diesen Aktionen sind bereits wichtige Ordnerstrukturen und virtuelle Laufwerke angelegt. Sie finden im home-Verzeichnis den versteckten Ordner ~/.PlayOnLinux/wineprefix, der die virtuellen Laufwerke für alle späteren Installationen aufnimmt.

Exkurs: Neueste Versionen

Wenn es die allerneueste Wine-Version sein soll, gibt es für Ubuntu und Mint ein alternatives PPA mit jüngsten Entwicklerversionen. Dafür nehmen Sie in der Kommandozeile das PPA auf und installieren dann die aktuellste Version:

sudo add-apt-repository ppa:ubuntu-wine/ppa
sudo apt-get update
sudo apt-get install wine1.7

die neueste verfügbare Wine-Version.

Auch PlayOnLinux bieten die meisten Repositories nicht in der aktuellsten Version. Diese lautet bei Redaktionsschluss 4.2.5, während etwa Ubuntu die Version 4.2.2 installiert. Die jeweils aktuellste Version erhalten Sie mit diesen vier Befehlen:

wget -q "http://deb.playonlinux.com/public.gpg" -O- | sudo apt-key add -
sudo wget http://deb.playonlinux.com/playonlinux_trusty.list -O /etc/apt/sources.list.d/playonlinux.list

sudo apt-get update

sudo apt-get install playonlinux

Anleitungen zur Installation unter anderen Distributionen bietet die Webseite https://www.playonlinux.com/en/download.html.

Beachten Sie jedoch, dass die Entwicklung bei Wine zwar stetig, aber langsam voranschreitet. Die Notwendigkeit ganz aktueller Versionen ergibt sich nur dann, wenn Sie genau wissen, dass die gewünschte Windows-Software die neueste Wine-Version unbedingt voraussetzt.

Setup mit dem normalen Installationsmedium: Der PlayOnLinux-Assistent fragt nach dem Setup-Medium oder der gemounteten ISO-Datei.
Setup mit dem normalen Installationsmedium: Der PlayOnLinux-Assistent fragt nach dem Setup-Medium oder der gemounteten ISO-Datei.

Varianten der Software-Installation

Nach dem Aufruf vom Playonlinux klicken Sie zunächst auf „Datei -> Installieren“. Das damit geöffnete Installationsmenü zeigt zahlreiche Windows-Programme und Spiele, für die es bewährte Installations-Scripts gibt. Mit der Auswahl und dem Klick auf „Installieren“ einer dieser Software-Vorgaben sind Sie auf einer relativ sicheren Seite. „Relativ sicher“ deswegen, weil sich beispielsweise eine genau analysierte Software wie ein Microsoft Office standardmäßig problemlos installieren lässt, das Setup jedoch scheitert, wenn man versucht, eine benutzerdefinierte Auswahl der Komponenten zu treffen.

In den meisten Fällen benötigen Sie ein reguläres Installationsmedium, also CD/DVD oder auch eine ISO-Datei, die Sie am besten schon vorher über „Öffnen mit -> Einhängen von Laufwerksabbildern“ gemountet haben. Bei frei verfügbarer Open-Source-Software fragt PlayOnLinux nach keinem Installationsmedium, sondern lädt die Dateien aus dem Internet und installiert automatisch. Das bei der Installation neu entstehende Wine-Prefix und auch das zugehörige Verzeichnis unter ~/.PlayOnLinux/wineprefix erhält jeweils den Namen der Software.

Die manuelle Setup-Variante: Ist die gewünschte Software in den Vorgaben unter „Datei -> Installieren“ nicht enthalten, können Sie folgenden Weg versuchen: Im Installationsdialog klicken Sie auf ganz unten auf „Installiere ein Programm, das nicht aufgelistet ist“. Damit startet die manuelle Installation, bei der Sie die Option „Installiere ein Programm in einem neuen virtuellen Laufwerk“ anklicken und für die neue Umgebung einen Namen vergeben. Den nächsten Dialog überspringen Sie mit „Weiter“, sofern Sie mit den dortigen Optionen nichts anfangen können. Wenn die Aufforderung „Bitte wähle die Installationsdatei…“ erscheint, navigieren Sie mit „Durchsuchen“ zur gewünschten Setup-Datei. Ob die Installation funktioniert und anschließend auch die Software, muss der Versuch zeigen.

Manuelle Kopie portabler Software: Portable Windows-Programme benötigen bekanntlich keine Installation. Mit solcher Software lässt es sich besonders einfach experimentieren: Kopieren Sie in eine bereits existierende Laufzeitumgebung unter ~/.PlayOnLinux/wineprefix/[Name]/drive_c/Program Files beliebige portable Programme einfach mit dem Dateimanager. Danach gehen Sie im Hauptdialog von Playonlinux auf „Konfigurieren“ und markieren den Namen der betreffenden Laufzeitumgebung. Nun erscheint die Schaltfläche „Lege eine neue Verknüpfung dieses virtuellen Laufwerks an“, die eine Suche nach ausführbaren Windows-Executables (*.exe) startet. Hier klicken Sie auf die gewünschte Programmdatei und auf „Weiter“. Dadurch entsteht ein neuer Programmeintrag im Hauptdialog von PlayOnLinux, zusätzlich auch noch eine Desktop-Verknüpfung.

Ob das portable Programm dann tatsächlich läuft, erweist sich nach Klick auf „Ausführen“ im Hauptdialog. Der Erfolg ist ungewiss, aber Sie können in einem einzigen Wine-Prefix durch schlichtes Kopieren in den virtuellen Programme-Ordner Dutzende von Programmen ausprobieren. Bei kleineren Tools und einfachen Spielen stehen die Chancen generell gut.

Oft unproblematische portable Software: Viele Windows-Programme sind nach schlichtem Kopieren in den virtuellen Programme-Ordner sofort startklar.
Oft unproblematische portable Software: Viele Windows-Programme sind nach schlichtem Kopieren in den virtuellen Programme-Ordner sofort startklar.

Ergebnis aller Installationsvarianten: Für jede Software ist immer eine bestimmte Wine-Version zuständig. Bei den Programmen, die der Installationsdialog anbietet, holt PlayOnLinux automatisch die passende Wine-Version mit an Bord. Bei manuellen Installationen arbeitet normalerweise die Default-Version des Betriebssystems. Einmal installierte Programme erscheinen im Hauptdialog von PlayOnLinux und lassen sich dort „Ausführen“, „Debuggen“, „Deinstallieren“ und genauer „Konfigurieren“. Eine komplette Prefix-Umgebung können Sie unter „Konfigurieren -> Entfernen“ wieder löschen. Falls dies nicht klappt, löschen Sie einfach den betreffenden Ordner unter ~/.PlayOnLinux/wineprefix.

Hauptdialog von PlayOnLinux nach erfolgten Installationen: Die rechte Spalte bietet die Links für alle Aktionen wie das Starten, Debuggen oder detaillierteres Konfigurieren.
Hauptdialog von PlayOnLinux nach erfolgten Installationen: Die rechte Spalte bietet die Links für alle Aktionen wie das Starten, Debuggen oder detaillierteres Konfigurieren.

Debugging und Experimente

Wine bietet eine erstaunlich zuverlässige Basis der Windows-API, kann aber natürlich nicht die zahllosen Spezialitäten berücksichtigen, wie sie Tausende von Windows-Programmen voraussetzen. Das beginnt bei harmlosen Registry-Einträgen und geht bis zu speziellen DLL-Versionen, .Net- oder DirectX-Versionen. Bei besonders prominenter Software ist der Ehrgeiz der Community groß, diesen Spezialitäten mit genau recherchierten Installations-Scripts Rechnung zu tragen. Bei weniger prominenter Software ist Wine die solide Basis, die aber oft erst durch eigenes Experimentieren zum Erfolg führt: Wenn ein Windows-Programm nach der Installation nicht läuft, bedeutet das nicht, dass es prinzipiell nicht funktioniert. Wer einerseits die Struktur von PlayOnLinux verstanden hat, andererseits einige Windows-Kenntnisse mitbringt, hat gute Chancen, eine störrische Software durch Experimentierten zur Arbeit zu bewegen:

Jedes installierte Programm lässt sich im PlayOnLinux-Hauptdialog markieren, danach auf der rechten Seite mit dem Link „Ausführen“ starten. Wenn dies nicht funktioniert, starten Sie das Programm an gleicher Stelle mit dem Link „Debug“, um das Debug-Logfile anzuzeigen. Das Logfile nennt die Probleme deutlich beim Namen– etwa „Library XYZ.DLL not found…“. Allgemeine Windows-Komponenten wie DirectX und .Net lassen sich über den Link „Konfigurieren“ unter der Registerkarte „Installiere Komponenten“ genau für dieses Programm nachrüsten. Wenn aber – wie im obigen Beispiel – ganz spezielle, fehlende DLL-Dateien genannt werden, hilft nur eines: Kopieren Sie die fehlenden Dateien von einer parallelen Windows-Installation manuell nach Linux. Zielordner ist dann entweder ~/.PlayOnLinux/wineprefix/[Prefix-Name]/drive_c/windows/system32 oder direkt das Programmverzeichnis ~/.PlayOnLinux/wineprefix/[Prefix-Name]/drive_c/Program Files/[Programm].

Wenn Sie die DLL-Dateien unter System32 ablegen, starten Sie dann in PlayOnLinux über „Konfigurieren -> Wine -> Wine konfigurieren“ das Tool winecfg, um dort unter „Bibliotheken -> Neue Überschreibung für“ die gewünschte Bibliothek auszuwählen. Mit „Festlegen“ erstellen Sie eine neue Regel, die Sie mit „Bearbeiten“ ändern. Mit der Einstellung „Native“ nutzt Wine dann die manuell kopierte, originale Windows-DLL im virtuellen System32-Ordner statt der eingebauten Wine-Bibliothek (Builtin).

native dlls
Windows-Bibliotheken manuell ersetzen: Wenn Programme laut Debug-Meldung originale Windows-DLLs fordern, kopieren Sie diese und teilen das winecfg mit.

Was für fehlende Komponenten gilt, gilt ähnlich auch für fehlende Informationen in der Windows-Registry. Diese liegt in Form der beiden Dateien system.reg und user.reg im Basisverzeichnis des jeweiligen Wine-Prefix – also unter ~/.PlayOnLinux/wineprefix/[Prefix-Name]. Theoretisch können Sie diese Dateien manuell bearbeiten, was für eine Handvoll Zeilen sicher noch praktikabel ist. Es gibt aber einen wesentlich komfortableren Weg: Auch hier benötigen Sie wieder ein Windows-Referenz-System, auf dem die betreffende Software fehlerlos läuft. Dort nutzen Sie den Registry-Editor Regedit und suchen den Hauptschlüssel der Software auf – typischer Weise [Hkey_Current_User\Software\[Programmname]. Nach Rechtsklick und „Exportieren“ wählen Sie als Ausgabeformat „Win9x-/NT-Registrierungsdateien“ und einen sprechenden Dateinamen.

Diese Exportdatei lässt sich dann bequem in die Registry auf dem Linux-System importieren. Dazu markieren Sie im Hauptdialog von PlayOnLinux das maßgebliche Programm und klicken dann in der rechten Spalte auf den Link „Konfigurieren“, dann auf die Registerkarte „Wine“. Hier finden Sie die Schaltfläche „Registrierungseditor“. Der entspricht exakt jenem unter Windows, und mit „Registry -> Registry importieren“ holen Sie die vorher erstellte Reg-Datei in die Registry Ihres Wine-Prefixes.

Dateizuordnungen festlegen

Wie der Hauptdialog von PlayOnLinux unter „Einstellungen -> Dateizuordnungen“ verspricht, lassen sich Dateitypen anhand ihrer Extension mit einem Wine-Windows-Programm verknüpfen. Ziel ist es, mit einem Doppelklick im Linux-Dateimanager direkt die passende Windows-Software zu laden.

Legen Sie unter „Dateizuordnungen“ mit der Schaltfläche „Neu“ einen neuen Eintrag an. Ein Beispiel wäre etwa die Extension „.xlsx“, falls Sie diese mit Microsoft Excel verknüpfen wollen. Danach klappen Sie neben „Zugewiesenes Programm“ die Drop-Down-Liste der möglichen Wine-Programme auf, wählen das gewünschte Excel und klicken auf „Anwenden“. Damit haben Sie PlayOnLinux darüber informiert, dass es für die Extension „.xlsx“ eine Standardanwendung gibt, der Linux-Dateimanager weiß davon allerdings noch nichts.

Wie der Dateimanager am besten zu informieren ist, darüber finden Sie im Web einige halbrichtige Anleitungen. Nach unserer Erfahrung (mit Nautilus unter Ubuntu und Nemo unter Mint) ist der sicherste Weg folgender: Sie gehen im Terminal mit cd zu einem Verzeichnis, das eine Datei mit der gewünschten Extension enthält. Dort geben Sie nach mimeopen –d den Dateinamen an:

mimeopen –d [Dateiname.ext]

Geben Sie dann die Ziffer ein, die vor „Other“ steht. Damit weisen Sie dem Dateityp unabhängig von bisherigen Vorgaben ein neues Standardprogramm zu. Neben „use command:“ geben Sie jetzt einfach den Befehl „playonlinux“ ein. Damit gibt der Dateimanager die Verantwortung für diesen Typ an PlayOnLinux weiter und dieses weiß wiederum aufgrund der vorher getätigten Dateizuordnung, was es starten soll.

Im letzten Schritt klicken Sie jetzt im Dateimanager eine beliebige Datei dieses Typs rechts an und wählen „Eigenschaften -> Öffnen mit“. Dort sollte jetzt unter anderem auch der Eintrag „playonlinux“ auftauchen, den Sie mit Klick auf die gleichnamige Schaltfläche „Als Vorgabe festlegen“.

mimeopen
Windows-Programm als Standardanwendung: Das Einrichten fordert mehrere (drei) Schritte – hier der Zwischenschritt mit der Umleitung zu PlayOnLinux.

Everything, exFAT und das Script Linker.vbs

Kennen Sie das glückliche Tool mit dem unglücklichen Namen Everything?
Sie sollten es kennen, denn es ist die unbestritten schnellste Software für die Dateisuche überhaupt und kostenlose Freeware unter Windows (Projektseite, FAQ und Download unter www.voidtools.com).

Suchtool Everything
Suchtool Everything

Eine nähere Beschreibung von Everything erspare ich mir (die einfache Suchsyntax wäre durchaus einige Zeilen wert), denn hier geht es um etwas anderes. Nur so viel: Everything ist eine reine Suche nach Dateiattributen – also nach Namen, Pfad, eventuell noch Erstelldatum. Bei diesem Job erscheinen ihm aber auch Dateimengen im Millionenbereich ein Klacks: Auch aus solchen Massen filtert es in Zehntelsekunden bei Eingabe in das Instant-Search-Suchfeld die passenden Dateien.

Nun funktioniert Everything allerdings ausschließlich auf NTFS-formatierten Partitionen. Das war mir zwar klar, dachte aber nicht daran, als ich meine große Musik-, Bilder- und Texte-Sammlung auf eine neue 2-TB-USB-Festplatte kopierte, die mit exFAT formatiert war. exFAT war eine bewußte Wahl, weil ich mich in diesem Fall nicht mit Benutzerrechten herumärgern wollte, falls die Platte mal an einen anderen Rechner gehängt wird.

Klar, als Everything später die exFAT-Platte erst gar nicht „sah“, wusste ich sofort warum. Aber jetzt war es zu spät – oder doch nicht? Ich hatte da mal vor langer Zeit ein kleines VB-Script gebastelt, das komplette Ordnerstrukturen einschließlich Verzeichnisse und Dateien an anderer Stelle verlinkt. Das war dann auch – mit Hilfe von Everything – auf meiner Systemplatte schnell gefunden (Download Linker.zip).

Damit habe ich dann den kompletten Inhalt meines Medienarchivs auf der exFAT-Platte zur NTFS-Systempartition verlinkt. Somit habe ich jetzt alles wie gewünscht: Medien ohne Benutzerrechte auf exFAT, die ich dennoch mit dem rasenden Everything durchforsten kann. Einziger Komfortnachteil: Wenn sich in meinem Medienarchiv viel Neues tut, muss ich gelegentlich wieder das Script Linker.vbs laufen lassen.

Linker.vbs zeigt zweimal einen BrowseForFolder-Dialog – erst zur Angabe des Quellordners und dann zur Wahl des Zielordners. Am Ende des Vorgangs (der kann je nach Datenmenge mehrere Minuten dauern) erscheint eine Abschlussmeldung, eine Fortschrittsanzeige gibt es nicht.

Linker
Linker.vbs bei der Auswahl der Datenquelle…

Noch eine Anmerkung: Mit Linker.vbs lassen sich natürlich auch Netzwerk-Ressourcen auf NTFS verlinken. Damit gelangen auch Netzlaufwerke in den Wahrnehmungshorizont der Everything-Suche…

Noch eine Anmerkung: Linker.vbs kann Quell- und Zielordner auch als Parameter übernehmen, etwa nach dem Aufrufmuster
cscript linker.vbs x:\Archiv c:\Tools
Damit lässt sich die periodische Verlinkung eines Ordners komplett automatisieren.

Browser im Kiosk-Modus

Sie möchten Kunden oder Familienangehörigen Zugang ins Web bieten, aber möglichst so, dass diese an System und Browser nichts ändern können? Der Artikel zeigt, wie weit Sie Firefox und Chrome bei dieser Aufgabenstellung bringen.

Unter einem Kiosk-System versteht man strenggenommen ein öffentliches Terminal mit inhaltlich sehr eingeschränkten Funktionen. Der Kiosk-Modus im Web-Browser hat aber nicht die Aufgabe, das Web inhaltlich zu filtern oder gar auf eine Site zu reduzieren. Es geht hier schlicht darum, die Surfer vom Betriebssystem fernzuhalten, und zwar möglichst ohne Wartungs- und Erklärungsaufwand.

Internet pur: Der Browser zeigt das Web und sonst nichts. Adresszeile, Navigation und Browser-eigene Einstellungen entfallen ebenso wie der Zugriff auf das System.
Internet pur: Der Browser zeigt das Web und sonst nichts. Adresszeile, Navigation und Browser-eigene Einstellungen entfallen ebenso wie der Zugriff auf das System.

1. Kiosk-Modus für Chrome/Chromium

Google Chrome und sein Open-Source-Ableger Chromium bieten unter Hunderten und größtenteils undokumentierten Startparametern auch einen für den Kiosk-Start:

google-chrome --user-data-dir=/home/%username%/TEMP --kiosk google.de

Wesentlich ist der Parameter „—kiosk“, die Angabe des User-Verzeichnisses sorgt zusätzlich für eine komplett autarke Chrome-Sitzung. Die an Schluss angegebene Seite erscheint im Vollbild ohne Adresszeile, Titelleiste, Menü, Navigationselemente und Lesezeichenleiste. Die Ansicht lässt sich im Unterschied zum normalen Vollbild nicht mit Taste F11 abschalten. Allerdings gibt es für den Chrome-Kiosk-Modus Einschränkungen, die unter -> Punkt 3 genannt werden.

Exkurs App-Verknüpfungen: Für einen gewissen Schutz vor unkontrollierter Internet-Nutzung durch Kinder oder gelegentliche Mitbenutzer bietet Chrome eine besonders einfache Option. Über das Menü „Tools –> Erstellen von App-Verknüpfungen“ legt Chrome Web-Seiten als Links wahlweise am Desktop oder im Programm-Menü ab, die er ohne Bedienelemente und vor allem ohne Adresszeile darstellt. Solche Verknüpfungen etwa zu den Kindersuchmaschinen http://blindekuh.de oder www.fragfinn.de bieten jede Menge kindgerechtes Internet – und führen erst mal nicht darüber hinaus. Eine wirksame Abschottung zum übrigen Internet sind solche App-Verknüpfungen natürlich nur mit Websites, die nur interne Links verwenden. Eine Abschottung des Systems ist mit App-Verknüpfungen nicht zu erreichen.

2. Besserer Kiosk-Modus für den Firefox

Der Mozilla-Browser hat keinen Startparameter für den Kiosk-Modus, aber es gibt die Erweiterung R-Kiosk 0.9.0 für Linux und Windows. Verwenden Sie das Firefox-Menü und „Add-ons“ und dort „Add-ons suchen“, um „R-Kiosk“ zu installieren. Die Erweiterung wird dann beim nächsten Browser-Start aktiv. Legen Sie vor diesem Browser-Start unter „Einstellungen -> Allgemein -> Startseite“ jene Start-Adresse, die Ihre Surfer als Ausgangspunkt nutzen dürfen – etwa http://www.google.de. Beachten Sie, dass R-Kiosk keine Navigation erlaubt: Wenn ein Surfer über Google auf eine abgelegene Seite gelangt, gibt es scheinbar keinen Weg zurück. Sie sollten Ihrer Firefox-Surfstation daher den klaren Hinweis aufkleben, dass die Tastenkombination Alt-Pos1 (Alt-Home) zur Startseite zurückführt. Das ist zwar Standard, aber keineswegs jedem geläufig.

Firefox mit R-Kiosk ist dem Kiosk-Modus von Chrome deutlich überlegen wie am Ende von -> Punkt 3 kurz skizziert. Beachten Sie aber, dass ein einmal installiertes R-Kiosk nicht so ohne weiteres zu beseitigen ist: Der radikale Weg ist es, unter /home/[user]/.mozilla/firefox das gesamte Profil zu löschen, also das Verzeichnis mit der Erweiterung „.default“. Sanfter ist es, mit dem abgesicherten Modus von Firefox Erweiterungen und Plug-ins vorübergehend abzuschalten. Dazu starten Sie den Browser mit diesem Kommando im Terminal:

firefox -safe-mode
Dann finden über das Menü „Add-ons“ unter anderem das deaktivierte R-kiosk und können es dort dauerhaft „Deaktivieren“ oder sogar „Entfernen“.

Der beste Kiosk-Modus mit reinen Browser-Mitteln: Firefox plus R-Kiosk-Erweiterung ist für diese Aufgabe dem Google-Browser klar vorzuziehen.
Der beste Kiosk-Modus mit reinen Browser-Mitteln: Firefox plus R-Kiosk-Erweiterung ist für diese Aufgabe dem Google-Browser klar vorzuziehen.

3. Nachbesserungen und Einschränkungen

Zahlreiche System-Hotkeys machen es leicht, absichtlich oder zufällig den Vollbild-Browser zu verlassen und Zugriff auf das Linux-System zu gewinnen. Daher sollten sämtliche Vorgaben konsequent abgeschaltet werden. Unter Ubuntu und Linux Mint geht das recht bequem unter „Systemeinstellungen -> Tastatur -> Tastaturkürzel“, indem Sie Einträge markieren und mit der Rücktaste die Hotkeys jeweils auf „Deaktiviert“ setzen. Die Hotkeys Alt-Tab und Umschalt-Alt-Tab sind hier nicht aufgeführt, sollten aber ebenfalls ausgeschaltet werden. Das erledigen Sie am elegantesten, indem Sie ihnen eine Dummy-Aktion zuweisen – etwa unter „Ton und Medien“ die Aktionen „Vorheriger Titel“ und „Nächster Titel“. Damit wird die normale Funktion dieser Hotkeys als Taskswitcher durch die selbstdefinierten Aktionen überdeckt und funktionslos.

Damit Sie als Administrator nicht selbst im Vollbild-Browser gefangen sind, vergeben Sie in der Kategorie „Starter“ ein bereits vorgegebenes Programm mit einem möglichst ungewöhnlichen Hotkey. Als Beispiel könnte etwa „Terminal starten“ mit Umschalt-Win-Rücktaste belegt werden, was Linux als „Umschalt-Super-Löschen“ einträgt. Dieser Hotkey lädt dann bei Bedarf das grafische Terminal und befördert dabei immer auch das Hauptpanel und unter Ubuntu die Starterleiste zu Tage, womit Sie vollen Zugang zum System erhalten.

Mit diesen Zusatzmaßnahmen ist der Browser, jedenfalls der Firefox, ein ziemlich stabiles Gefängnis für normale Anwender. Chrome kann insofern nicht mithalten, weil er im Kiosk-Modus ein großes Scheunentor offenlässt – den Rechtsklick auf URLs: Sobald man das Angebot „Link in neuem Fenster öffnen“ annimmt, hat man einen normalen Chrome im Fenstermodus vor sich und zudem den Linux-Desktop mit allen Elementen.

Exkurs Windows: Unter Windows würde es den Einsatz eines Tools wie Autohotkey erfordern, um die System-Hotkeys zu überdecken und damit zu deaktivieren. Deutlich einfacher ist es, vor dem Browser-Start im Kiosk-Modus den Explorer zu beenden, der für fast alle Hotkeys verantwortlich ist. Bleibt aber der System-Hotkey Strg-Alt-Del: Der ist durch keine Maßnahme abzufangen und bietet den Aufruf des Task-Managers an. Damit hat ein fortgeschrittener Nutzer das System in der Hand, und somit ist Windows für diese Aufgabe unterm Strich nicht geeignet.

4. Der Kiosk-Modus und das Fazit

Die Möglichkeiten, welche Chrome/Chromium mit Startparameter anbieten, vor allem aber der Firefox mit der Erweiterung R-kiosk bereitstellt, reichen ziemlich weit und sollten genügen, etwa einen Familien-PC oder eine Surfstation in einem übersichtlichen Laden oder einem Café hinreichend abzusichern. Der große Vorteil eines Firefox mit R-Kiosk ist es, dass sich das jeweilige Gerät für den Administrator ohne Umstände sofort wieder uneingeschränkt nutzen lässt.

Wenn eine Surfstation über Wochen und Monate unbeaufsichtigt und wartungsfrei funktionieren soll und auch mit destruktiv gesinnten Nutzern fertig werden muss, ist der Kiosk-Modus aber ungenügend. In solchen Fällen empfiehlt sich ein Linux-Live-System, das erstens immer jungfräulich bootet und zweitens am besten schon als Surfstation spezialisiert ist. Aktueller Favorit für diesen Job ist Porteus 3.0 (http://build.porteus.org, auch auf Heft-DVD), das es übrigens auch in einer restriktiven Kiosk-Variante mit Firefox pur gibt (http://porteus-kiosk.org). Siehe dazu auch den Beitrag in diesem Blog: Surfsystem Porteus.