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Die Ubuntu-Oberfläche Unity

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Die Oberfläche „Unity“ ist eine Eigenentwicklung von Ubuntu (Canonical), die in Linux-Kreisen umstritten ist. Ihre puristische Übersichtlichkeit kommt aber Windows-Umsteigern durchaus entgegen.

In Benutzeroberflächen steckt eine Menge Philosophie und Usability-Forschung. Unity ist ästhetisch überzeugend. Es zeigt aber wirklich nur das Allernötigste, nimmt dadurch sich und das System zurück und priorisiert die produktive Software. Das ist gut für Einsteiger, für pragmatisches Arbeiten, aber auch generell für Zweitgeräte mit begrenzten Aufgaben. Auf folgenden Seiten erklären wir die wesentlichen Bedienelemente der Oberfläche.

Die Starter-Leiste: Aufgaben und Anpassungen

Auffälligstes Merkmal von Unity ist die Starter-Leiste auf der linken Seite des Bildschirms. Ähnlich wie unter Windows ist diese Leiste eine Kombination aus Taskleiste und Favoritenleiste: Sie zeigt alle derzeit offenen Programme, die mit einem (Programm läuft im Hintergrund) oder zwei grauen Markern (Programm ist aktiv im Vordergrund) gekennzeichnet sind. Zusätzlich enthält die Starter-Leiste aber auch Verknüpfungen zu den wichtigsten Programmen. Standardmäßig sind hier unter anderem das „Ubuntu Software Center“, der Dateimanager („Dateien“), einige Libre-Office-Komponenten, Browser und die „Systemeinstellungen“ anzutreffen.

Unity-Starterleiste und Programmmenüs
Unity-Starterleiste und globales Menü: Laufende Programme erhalten im Starter kleine graue Marker. Das Menü des Programms im Vordergrund erscheint oben im Hauptpanel.

Das Dashboard: Das oberste Symbol in der Starter-Leiste mit dem Ubuntu-Logo öffnet das Dashboard, kurz Dash. Das Dash-Symbol ist fix und auch positionell unverrückbar. Es handelt sich um die Suchzentrale für Programme und Dateien. Was Sie jeweils suchen wollen, können Sie unteren Rand über Lupen („Lenses“) filtern, die zu „Anwendungen durchsuchen“ oder zu „Suche nach Musik“ führen. Schneller als das Filtern über die „Lenses“ ist es meist, rechts auf das Dash-Symbol zu klicken und im aufklappenden Auswahlmenü den Filter zu setzen – etwa auf „Anwendungen“. Noch schneller ist die Tastenkombination Windows-Taste und Taste A, um eine Programmsuche zu starten. Für die konkrete Suche tippen Sie dann oben in das Suchfeld den Namen oder einen Namensteil ein. Wenn Sie einen Gesamtüberblick über alle installierten Programme haben wollen, klicken Sie ohne Sucheingabe auf die Rubrik „Installiert … weitere Ergebnisse anzeigen“.
Anpassungen: Was Sie im Starter für unnötig halten, klicken Sie rechts an und wählen „Aus Starter entfernen“. Wenn Sie umgekehrt Neues hinzufügen möchten, starten Sie das betreffende Programm (über das Dashboard). Als laufender Task erscheint es nun im Starter, und nach Rechtsklick auf das Symbol können Sie es „Im Starter behalten“. Für größere Umbauten öffnen Sie eine Anwendungsübersicht im Dashboard und ziehen die gewünschten Programme einfach mit der Maus in den Starter.

Das Hauptpanel: Aufgaben und Anpassungen

Die eher unscheinbare schmale Leiste am oberen Bildschirmrand ist das Hauptpanel und erfüllt eine Reihe von wichtigen Aufgaben. Fundamental ist ganz rechts das Sitzungsmenü, das alle Optionen des Systemabschlusses bietet – vom „Sperren“ über „Abmelden“ bis „Bereitschaft“ und „Herunterfahren“. Außerdem kommen Sie hier zu den „Systemeinstellungen“, die aber standardmäßig auch im Starter vertreten sind.

Sitzungsmenü
Sitzungsmenü: Ganz rechts oben im Hauptpanel finden Sie alle Optionen zum Systemabschluss.

Neben dem Sitzungsmenü folgt im rechten Teil des Hauptpanels eine Reihe wichtiger Indikatoren wie Zeitanzeige mit Kalender, Lautstärke-Regelung mit integrierter Steuerung des Standard-Players, Messenger-Status mit Mail-Integration oder der Netzwerkstatus mit WLAN-Auswahl.
Anwendungsmenüs: Auf der linken Seite zeigt das Hauptpanel den Programmnamen des aktiven Vordergrund-Programms. Sobald Sie den Mauszeiger in diesen Bereich bringen, erscheint dort das Programm-Menü dieser Anwendung. Diese Ubuntu-Eigenheit ist nicht nur für Windows-Umsteiger gewöhnungsbedürftig, sondern hat auch viele Linux-Nutzer irritiert. In den Programmfenstern erscheint hingegen kein Menü. Ist man einmal mit der Tatsache vertraut, dass Programm-Menüs ungeachtet der Position des Programmfensters immer oben links zu finden ist, kann man diese Ubuntu-Spezialität als Vereinfachung sehen.
Anpassungen: Diese Indikatoren im rechten Bereich lassen sich sinnvoll erweitern. Allerdings bietet Ubuntu das in seinem typischen Purismus nicht von sich aus an – etwa über das Panel selbst. So gibt es ein klassisches, in Kategorien sortiertes Menü („classicmenu-indicator“), einen einfachen Systemmonitor („indicator-multiload“) oder eine Wetteranzeige („indicator-weather“). Sie können im Ubuntu-Software-Center nach „indicator“ suchen oder namentliche bekannte Erweiterungen auf der Kommandozeile nachinstallieren.

ClassicMenu Indicator
Das klassische Kategorienmenü ist am Unity-Desktop standardmäßig nicht vorgesehen, lässt sich aber mühelos nachrüsten.

Voreingestellte Tastenkombinationen

Unity bietet nützliche Tastenkombinationen. Wenn Sie die Windows-Taste (unter Linux: „Super“-Taste) länger gedrückt halten, erscheint eine Übersicht dieser Standard-Hotkeys. Kurzes Drücken der Super-Taste öffnet zum Beispiel das Dashboard. Eine Reihe von Hotkeys setzen für die Dash-Suche vorab Filter – so führt zum Beispiel Super-A direkt zu „Anwendungen suchen“, Super-F zur Dateisuche.
Ein kurzer Druck auf die Alt-Taste öffnet das HUD-Suchfeld (Head-up-Display), das langfristig die Menüleiste ablösen soll. Das HUD ist keine allgemeine Suche, sondern bezieht sich auf die aktuelle Anwendung im Vordergrund. Ist also etwa die Tabellenkalkulation von Libre Office aktiv, zeigt das HUD nach der Eingabe von „format“ passende Menüoptionen dieses Programms wie etwa „Format > Zellen“ oder „Format > Formular“.

Erweiterte Optionen des Unity-Tweak-Tools

Die Stellschrauben der Unity-Shell sind sehr begrenzt. Das liegt im Konzept der Ubuntu-Macher (Canonical). Ähnlich den zusätzlichen Indikatoren in der Hauptleiste können aber nachinstallierte Tools die Optionen deutlich erweitern. An erster Stelle ist das Unity Tweak Tool zu nennen, dessen Programmpaket im Ubuntu-Software-Center bereitsteht oder in Sekunden über das Terminal installiert ist:
sudo apt-get install unity-tweak-tool
Das Tool bietet zahlreiche Optimierungen hinsichtlich Optik, Fensterverhalten, Desktop-Symbole, Schriften, Privatsphäre oder Desktop-Effekte.

Desktop-Alternativen

Wem Unity gar nicht gefällt, hat jederzeit die Möglichkeit, eine alternative Benutzeroberfläche zu nutzen. Bei Linux können Sie vor jeder Sitzung entscheiden, welchen Desktop Sie verwenden möchten. Sind alternative Desktops installiert, so erscheint bei der Systemanmeldung über dem Kennwortfeld ein kleines Logo. Ein Klick darauf führt zur Auswahl der gewünschten Oberfläche (siehe Abbildung). Alternative Desktops, die sich in den Standard-Paketquellen von Ubuntu befinden, sind das schlankere XFCE (Xubuntu-Desktop) und das besonders ressourcensparende LXDE (Lubuntu-Desktop). Diese lassen sich auf der Kommandozeile etwa mit sudo apt-get install xubuntu-desktop leicht nachinstallieren. Einsteigern empfehlen wir, beim Standard-Unity zu bleiben, da die genannten Alternativen vergleichsweise spröde ausfallen und erst nach manuellen Anpassungen gefallen können.

Desktop-Auswahl
Auswahl des gewünschten Desktops vor der Anmeldung

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Ubuntu installieren

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Im Hinblick auf den Themen-Fokus „Linux statt Windows XP“ bespreche ich hier nur den einfachen Fall der Installation auf Bios-basierten Rechnern (nicht UEFI). Dort Ubuntu solo oder als Zweitsystem auf die Festplatte zu bringen, ist eine leichte Übung. In den typischen Szenarien übernimmt der Installer alle Schritte automatisch. Für Kundige gibt es eine manuelle Partitionierung.

Das Ubuntu-Setup erfordert im Wesentlichen nur, die richtige Zielpartition zu wählen. Dies geschieht in dem wichtigen Dialog „Installationsart“ des Setup-Assistenten, den folgender Beitrag genau erklärt. Ein häufiges Hindernis ist ferner ein fehlendes DVD-Laufwerk etwa auf Netbooks – ein Problem, das dieser Beitrag ebenfalls aufgreift.

1. Installationsmedium starten oder nötigenfalls erstellen

Besorgen Sie sich zunächst das ISO-Image der gewünschten Linux-Distribution. Eine Kurzbeschreibeung der interessantesten Umsteiger-Systeme finden Sie hier. Die wichtigsten Projektadressen stelle ich hier noch einmal zusammen:
Fedora: https://fedoraproject.org/de
Mageia: http://www.mageia.org/de
OpenSuse: http://www.opensuse.org/de
Linux Mint: http://www.linuxmint.com
Ubuntu: http://www.ubuntu.com
Xubuntu: http://xubuntu.org
Kubuntu: http://www.kubuntu.org
Lubuntu: http://www.lubuntu.net

Wenn das Zielgerät ein DVD-Laufwerk besitzt oder wenn Sie ein externes DVD-Laufwerk via USB anschließen können, dann brennen Sie das ISO-Image – am besten mit der Freeware Imgburn (Download: http://www.imgburn.com/) – auf einen DVD-Rohling. Dann booten Sie dne PC mit dieser DVD. Falls dies bei eingelegter DVD beim PC-Start nicht automatisch geschieht, so aktivieren Sie das Bootmenü des Bios und wählen dort das DVD-Laufwerk, das in der Regel als „ATAPI…“ angezeigt wird. Im Auswahlmenü der DVD starten Sie dann die gewünschte Ubuntu-Variante, und danach geht es weiter mit Punkt 2.

Ohne DVD-Laufwerk müssen Sie den Umweg über einen USB-Stick nehmen. Um das gewünschte ISO-Image bootfähig auf USB-Stick zu befördern, formatieren Sie diesen zunächst unter Windows mit dem Dateisystem FAT32. Dann besorgen Sie sich das kleine Tool unetbootin-windows-585.exe von http://unetbootin.sourceforge.net/. Wählen Sie dort unten zunächst die Option „Abbild“, und navigieren Sie dann (rechts auf gleicher Höhe) mit der Schaltfläche „…“ zur gewünschten ISO-Datei . Nach Klick auf „Öffnen“ sollten Pfad- und Dateiname im Eingabefeld von Unetbootin erscheinen. Neben „Typ“ wählen Sie dann „USB-Laufwerk“, und neben „Laufwerk“ geben Sie die Kennung des USB-Sticks an. Kontrollieren Sie den Kennbuchstaben des USB-Sticks genau, damit Unetbootin nicht das falsche Medium überschreibt. Nach „OK“ startet der Kopiervorgang.
Danach sollte der USB-Stick bootfähig sein. Aktivieren Sie beim Neustart das Bootmenü des Bios, und wählen Sie den USB-Stick als Bootlaufwerk. Der Unetbootin-Bootloader bietet mehrere Optionen: Wir empfehlen „Default“, was das Live-System der Linux-Distribution lädt und Ausprobieren ebenso wie eine Installation anbietet.
Probleme beim Booten via USB-Stick sind selten, aber nicht ganz auszuschließen: Sehr alte Geräte unterstützen USB-Boot eventuell nur teilweise oder gar nicht. Letzteres erkennen Sie dies daran, dass beim Aufruf des Bios-Bootmenüs ein angeschlossener Stick nicht anzeigt wird. Manchmal verursachen auch USB-Sticks Bootprobleme. Hier hilft der Versuch mit einem zweiten.

Unetbootin
Setup ohne DVD-Laufwerk: Unetbootin erstellt ein bootfähiges Live-System auf USB-Stick. Dazu geben Sie die ISO-Datei an sowie die Kennung des Sticks.
USB-Boot mit Unetbootin
USB-Boot mit Unetbootin - das typische Auswahlmenü des Tools nach dem PC-Start

2. Im Setup-Assistenten von Ubuntu

Nach dem Start des gewünschten Ubuntu finden Sie am Desktop einen Link, der das Setup anstößt – etwa mit dem Namen „Ubuntu 13.10 installieren“. Sie können sich vorher umsehen, ob die Wahl für Sie richtig ist: Das Live-System zeigt alles Wesentliche des Systems und ist nur – auf DVD oder Stick – deutlich langsamer.
Optimale Bedingungen für die Installation schaffen Sie, wenn Sie sich schon vorher mit dem Internet verbinden. Bei einer Kabelverbindung ist das standardmäßig der Fall, bei WLAN klicken Sie rechts oben im Hauptpanel auf das Fächer-artige Funknetzsymbol, klicken in der Liste Ihr WLAN an und tippen das Zugangskennwort ein. Falls Sie vorab keinen Netzzugang herstellen, werden Sie später vom Setup dazu aufgefordert.
Mit dem „Installieren“-Link starten Sie das Setup. Nach der Sprachauswahl und der zu empfehlenden Option „Software von Drittanbietern [zu] installieren“ erscheint der Dialog „Installationsart“: Das Ubuntu-Setup erkennt ein vorhandenes Windows oder Linux und bietet an, Ubuntu parallel zu installieren oder das bestehende System zu ersetzen. Diese beiden Optionen bieten komfortabelste Ausführung für 95 Prozent aller Ausgangssituationen:
„Windows … mit Ubuntu ersetzen“: Wählen Sie diese Installationsart, wenn Sie sich etwa auf einem Netbook definitiv vom alten Windows XP verabschieden wollen. Die Option hat den Vorteil, dass die Kapazität der gesamten Festplatte für Ubuntu bereitsteht und dass die Systemauswahl beim Booten entfällt. Sie dürfen diese Option aber definitiv nur dann wählen, wenn Sie keine Benutzerdaten mehr vom alten System benötigen.
„Ubuntu neben Windows … installieren“: Die Default-Option wählen Sie dann, wenn Sie Windows selbst oder Daten auf der Windows-Partition weiterhin benötigen. Beachten Sie, dass Ubuntu für diese Installationsoption keine bereits bestehende Partition benötigt, sondern diese während des Setups automatisch erstellt. Mehr noch: Sie müssen sich auch nicht um die Swap-Partition kümmern, die ebenfalls automatisch entsteht. Sobald Sie bei dieser Option auf „Weiter“ klicken, erscheint ein Dialog, mit dem Sie per Maus die Größe der neuen Ubuntu-Partition festlegen. Je größer Sie diese ziehen, desto kleiner schrumpft die bestehende Windows-Partition.
„Etwas Anderes“: Diese dritte Option ist nichts für Linux-Einsteiger. Sie ist auch nur notwendig, wenn eine komplexere Partitionierung vorliegt oder ein Ubuntu nicht auf die primäre, sondern etwa auf eine externe Festplatte installiert werden soll.
Die Schaltfläche „Etwas Anderes -> Weiter“ bringt Sie zu einem mächtigen Partitionierungswerkzeug. Bei Unklarheiten ist es ratsam, vorab für eindeutige Datenträgerbezeichnungen zu sorgen, sei es unter Windows oder im Live-System mit dem hilfreichen Werkzeug Gparted.
Um eine bestehende Partition für Ubuntu freizumachen, müssen Sie diese markieren und mit der Minus-Schaltfläche löschen. Im entstehenden „Freien Speicherplatz“ lässt sich dann mit der Plus-Schaltfläche die benötigte neue Partition erstellen. Dabei wählen Sie für Ubuntu & Co. am besten das Dateisystem „Ext4-Journaling“ und als Einbindungspunkt „/“. Zurück im Hauptdialog „Installationsart“ muss der Installer nun noch wissen, wohin er die Bootumgebung schreiben soll („Gerät für die Bootloader-Installation“). Mit „/dev/sda“ ist hier die primäre Festplatte vorgegeben (sda). Für eine mobile Installation auf USB sollten Sie den Bootloader hingegen besser auf das USB-Laufwerk schreiben. Zu guter Letzt verlangt der Installer das Festlegen einer kleinen Swap-Partition (in der Größe des RAM-Speichers).

Ubuntu-Setup
Das Ubuntu-Setup (Ubuntu, Mint, Kubunt, Xubuntu, Lubunt) erkennt die Windows-Partition und bietet automatisch an, diese zu verkleinern.
Ubuntu-Setup, manuelle Partitionierung
Manuelle Methode: Die Partitionsoption „Etwas Anderes“ benötigt fundamentale Kenntnisse. Sie ist aber für die typischen Ziele „Linux statt Windows“ und „Linux plus Windows“ nicht nötig.

3. Abschluss der Installation

Nach absolvierter „Installationsart“ starten Sie mit „Jetzt installieren“ den eigentlichen Vorgang. Neben der Auswahl der Zeitzone, des Tastaturlayouts und der Benutzerangaben ist nicht mehr viel zu tun. Die Anmeldung beim Cloud-Dienst Ubuntu One ist optional. Das Setup meldet den Vollzug mit „Installation abgeschlossen“. Beim nächsten Neustart ohne das Installationsmedium startet je nach Installationsart entweder Ubuntu oder das GRUB-Bootmenü mit der Wahl zwischen „Ubuntu“ und „Windows (loader)“.

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Welches Linux ist das richtige für Umsteiger?

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Linux-Stammbaum (kleiner Teil)

Welches Linux ist das richtige?

Der gesamte Stammbaum der Linux-Distributionen und Projekte ist auf üblichen Medien nicht mehr komplett darstellbar. Trotz zahlloser Systeme fällt aber die Entscheidung für Windows-Umsteiger gar nicht so schwer.

Die obige Abbildung zeigt einen Teil des Stammbaums von Linux Debian und eine Hälfte der Ubuntu-Familie, die auf Debian basiert. Neben diesen zahllosen Debian-Systemen gibt es noch die Slackware- und Red-Hat- sowie die kleineren Arch- und Gentoo-Zweige. Insgesamt nutzen etwa lebende 350 Distributionen den Linux-Kernel, eine ebenfalls dreistellige Anzahl wurde im Laufe der Jahre eingestellt. Viele Varianten sind eng spezialisiert und scheiden als Desktop-System von vornherein aus, viele weitere sind zwar Desktop-tauglich, aber für Windows-Umsteiger ungeeignet. Lesen Sie hier, was für Einsteiger taugt und zugleich eine verlässliche Zukunft bietet.

Vorsortierung für Windows-Umsteiger
Etwas Linux-Familiengeschichte muss hier sein, denn damit können Sie schon mal ganz grob vorsortieren: Gentoo- und Arch-basierte Systeme sind Inseln für Linux-Kenner und für Windows-Umsteiger definitiv ungeeignet. Bei den Red Hat-Systemen lassen sich zwei Distributionen herausheben, die für technisch versiertere Umsteiger in Betracht kommen:

Fedora Linux ist in fast jeder neuen Version (aktuell 24) ein Hingucker mit innovativen Funktionen. Fedora ist aber weder auf Sparsamkeit getrimmt (falls Sie älteres Windows durch neues Linux ersetzen wollen) noch auf Einsteigerfreundlichkeit. Es ist das von Red Hat gesponserte Vorzeigeprojekt für Linux mit dem Fokus auf Aktualität. Fedora ist ein Desktop-System – für Server eignet es sich aufgrund häufiger Updates und Änderungen nicht (aber dafür gibt es ja Red Hat Enterprise bzw. Cent OS).
Infos und Download zu Fedora: https://fedoraproject.org/de.

Mageia, aktuell in Version 5, gehört ebenfalls zur Red-Hat-Familie. Es ist neben Fedora eine weitere Variante, die ganz eindeutig auf den Endanwender-Desktop zielt. Der Installationsassistent gehört zum Besten, was Linux zu bieten, und die Oberfläche ist bei jeder Wahl intuitiv (KDE oder Gnome). Gegen Mageia spricht aktuell nur, dass die junge Distribution (seit 2010) keine Tradition hat und ihre Nachhaltigkeit noch ungewiss ist.
Infos und Download zu Mageia: www.mageia.org/de.

Mageia 3
Mageia 3: Diese Distribution hat am Desktop das Potential, mittelfristig zu den Ubuntu-Systemen aufzuschließen. Besonders gelungen sind die Installation und Systemverwaltung.

Open Suse, aktuell in Version 42.1, ist der einzige hier zu nennende Slackware-Abkömmling. Es war über mehr als ein Jahrzehnt fast unangefochten das einzige Linux, das mit komfortabler grafischer Bedienung und Konfigurierbarkeit (Yast – „Yet another Setup Tool“) auf den PC-Desktop zielte. Die grundsolide, aber durchaus komplexe Distribution hat in den letzten Jahren zugunsten der Ubuntu-Familie an Bedeutung eingebüßt. Open Suse tendiert neuerdings eher Richtung Innovation und Experimentierfreude, weniger Richtung Einsteiger- und Umsteigerfreundlichkeit.
Infos und Download zu OpenSuse: www.opensuse.org/de.

Ubuntu & Co., aktuell in Version 16.10 / 16.04 LTS, sind Debian-Abkömmlinge und mit gutem Grund erste Wahl bei Einsteigern und Umsteigern. Wer einfach und schnell ein funktionierendes System braucht, ohne sich in der Tiefe mit dem System selbst und der Administrierung befassen zu wollen, ist hier richtig. Außerdem bietet die Ubuntu-Familie bei identischer Basis und vergleichbaren Installern fertig konfektionierte Varianten mit unterschiedlicher Ausstattung für jeden Einsatzzweck und Geschmack: Neben Ubuntu selbst sind das unter anderem Linux Mint (Version 18), Kubuntu mit dem alternativen KDE-Desktop, Xubuntu mit geringen Hardware-Anforderungen und das besonders leichtgewichtige Lubuntu. Die nachfolgenden Artikel beziehen sich allesamt auf Ubuntu und dessen Varianten.
Infos und Downloads: www.linuxmint.com, www.ubuntu.com, http://xubuntu.org, www.kubuntu.org, www.lubuntu.net.

Die interessantesten „Ubuntus“
Ubuntu 16.10 (und 16.04 LTS): Seit der ersten Version 2004 hat sich Ubuntu zur beliebtesten Distributionen und für viele Anwender wie Entwickler zum Quasi-Standard für Linux auf dem Desktop entwickelt. Die Installation, jedenfalls als Solo-System, gelingt mit dem grafischen Installer Ubiquity mühelos (alle Ubuntu-Ableger wie Linux Mint, Zorin OS oder Bodhi Linux verwenden diesen Installer).

Die Benutzung des Standard-Ubuntu über ein Hauptpanel oben und ein Startpanel links überzeugt nicht nur ästhetisch, sondern leuchtet auch sofort ein – obwohl sie mit klassischen Regeln bricht. Diese Desktop-Eigenentwicklung Unity wird daher von vielen Linux-Fans kritisiert, auch die Zusammenarbeit mit Amazon und Ebay gefallen nicht jedem. Windows-Umsteiger werden dies alles gelassener sehen: Die reduzierte Unity-Oberfläche ist ideal für Linux-Anfänger, die wenig System und viel Software sehen wollen. Und das Einblenden von Amazon-Angeboten lässt sich technisch abschalten oder durch präzisere Sucheingaben verhindern.
Von Ubuntu gibt es immer eine aktuelle Variante (im Moment 16.10) und eine LTS-Variante (Long Term Support, im Moment Version 16.04). Die LTS-Versionen enthalten zwar nach kurzer Zeit nicht mehr die neuesten Funktionen, werden aber in Unternehmen wie bei vielen Privat-Anwendern bevorzugt, weil sie fünf Jahre durch Updates versorgt werden. Die Zwischenversionen erhalten nur neun Monate Support. Wenn Sie sich heute für ein Ubuntu 16.10 entscheiden, läuft der Support im Juli 2017 aus, bei 16.04 LTS läuft er bis 2021. Aber auch die Entscheidung für eine Nicht-LTS-Version ist keine kurzlebige Sackgasse, denn Ubuntu erlaubt das Upgrade auf die nächsthöhere Version (wird über die „Aktualisierungsverwaltung angezeigt, alternativ geht es auch im Terminal mit dem Befehl „sudo apt-get install dist-upgrade“).

Xubuntu: Dieses schlanke Ubuntu ist ideal für ältere Hardware und schwach ausgestattete Netbooks. Nach der Installation mit dem Ubuntu-üblichen Installer präsentiert sich die Distribution zwar eher unvorteilhaft und düster, aber der leichtgewichtige und exzellente XFCE-Desktop bietet jeden Spielraum für individuelle Gestaltung. Etwas (Windows-) Erfahrung sollten Sie dafür mitbringen. Xubuntu bietet Leisten mit allem Transparenz-Schick, ein stets verfügbares Anwendungsmenü (nach Rechtsklick am Desktop) und ein Drag & Drop mit rechter Maustaste, wie Sie es sonst nur unter Windows finden.

Xubuntu 13.10
Xubuntu: Das Ubuntu-Leichtgewicht mit XFCE-Desktop kommt nach der Installation recht unscheinbar daher, erweist sich aber als vorbildlich anpassungsfähig.

Kubuntu: Kubuntu ist ein Ubuntu, das statt dem Standard-Desktop Unity die anspruchsvolle KDE-Oberfläche mitbringt. KDE vereint zweifellos Eleganz mit Funktionalität durch maximale Konfigurierbarkeit. Diese Oberfläche kann ihre Stärken aber nur auf leistungsstarken PC und großen Bildschirmen ausspielen und eignet sich dort insbesondere kompetente Nutzer, die Spaß am Optimieren ihrer Arbeitsumgebung haben. Bei der vorinstallierten Software findet sich nur Libre Office als gemeinsame Schnittmenge mit dem Standard-Ubuntu. Beachten Sie, dass das Live-Kubuntu eine englische Oberfläche besitzt, das installierte Kubuntu jedoch komplett deutsch lokalisiert ist.

Kubuntu
Schickes, aber gewöhnungsbedürftiges Kubuntu 13.10: Der KDE-Desktop lässt keinen Transparenz-Effekt aus und bietet Desktop-Widgets und Panels nach Belieben.

Ubuntu Gnome ersetzt den Ubuntu-Standard Unity durch den aktuellen Gnome-Desktop 3.8. Gnome ist ein anspruchsvoller Desktop mit gewissen Hardware-Ansprüchen und hat ein avantgardistisches Bedienkonzept ohne typisches Programmmenü – mit per Mausaktion oder Hotkey einblendbaren „Aktivitäten“ und einem zentralen Suchfeld. Was erst gewöhnungsbedürftig aussieht, erweist sich als funktional, schick und durchdacht. Umsteiger, die sich sowieso umstellen müssen, sollten sich auf Anhieb zurechtfinden. Die enthaltenen Programme und Systemtools orientieren sich durchgehend am Ubuntu-Standard, auch das Ubuntu Software-Center ist an Bord.

Ubuntu Gnome
Ubuntu mit modernem Gnome: Hier ist alles anders als unter Windows und trotzdem sofort parat – eine echte Alternative für Umsteiger, die den Umstieg ernst meinen.

Linux Mint 18 basiert zu großen Teilen auf dem Ubuntu-Code. Die derzeit beliebteste Distribution bringt aber als wesentlichste Eigenentwicklung die Desktop-Oberfläche „Cinnamon“. Diese klassische Oberfläche ist eine Absage an Ubuntus Unity-Oberfläche und insbesondere das Startmenü eine einladende Haustür für Windows-Umsteiger. Daneben bringt Mint eine Vielzahl kleinerer Überarbeitungen des Ubuntu-Standards, so etwa einen verbesserten Dateimanager („Nemo“) und diverse Mint-Tools wie das grafische Sicherungsprogramm Mintbackup.
Mint nutzt ausschließlich LTS-Versionen von Ubuntu als Basis. Das aktuelle Mint 18 basiert auf dem jüngsten Ubuntu 16.04 LTS und wird wie dieses bis 2021 mit Updates versorgt.

Linux Mint 16
Wie Windows, aber Linux: Die „Systemsteuerung“ heißt „Einstellungen“, und was Sie als „Explorer“ erwarten, finden Sie unter „Dateien“. Mint ist das Linux für konservative Umsteiger.

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