Alle Beiträge von Hermann Apfelböck

Netzwerk und Internet: Befehle und Tools
Lokalen Netz Kurzbeschreibung
arp MAC-Adressen aller in letzter Zeit verbundenen Netzgeräte ermitteln
Beispiel: arp -a
ifconfig zeigt alle wesentlichen Netzwerkinfos wie IP und MAC-Adresse, schaltet Adapter ab, holt neue IP-Adresse
Beispiel 1: ifconfig (zeigt Adapter, IPv4- und IPv6-Adresse, MAC-Hardware-Adresse, Download- und Upload-Menge – „RX/TX-Bytes“)
Beispiele 2: sudo ifconfig eth0 down (deaktiviert Adapter eth0) l sudo ifconfig eth0 192.168.1.25 (bezieht neue IP für Adapter eth0)
Befehle aktivieren oder deaktivieren den angegebenen Netzwerkadapter („if“ für „Interface“). Wegen ifconfig weitgehend entbehrlich.
Beispiele: ifup eth0 l ifdown eth0
iwlist nur auf Headless-Servern ohne grafischen Network Manager notwendig: sucht nach verfügbaren Funknetzen und zeigt diese an, ist Voraussetzung für nachfolgendes iwconfig
Beispiel: sudo iwlist scanning
iwconfig nur auf Headless-Servern ohne grafischen Network Manager notwendig: verbindet den WLAN-Adapter mit dem gewünschten Funknetz
Beispiel: sudo iwconfig wlan0 essid [Wlan-Name] key s:[Passwort]
net Sammlung von Befehlen zur Netzwerk-, Samba- und Serveradministration analog zum gleichnamigen Windows-Tool net
Beispiel: net lookup master (Anzeige des Masterbrowsers im lokalen Netz)
net usershare wichtigster Unterbefehl von net für die Samba-Freigabepraxis: informiert über Freigaben, erstellt neue und löscht bestehende
Beispiele 1: net usershare list l net usershare info (knappe und ausführlichere Info über Samba-Freigaben)
Beispiel 2: sudo net usershare add musik /media/music „Musik“ sepp:f (neue Freigabe einrichten)
Beispiel 3: sudo net usershare delete musik (Freigabe entfernen)
rfkill zeigt alle drahtlosen Adapter (Bluetooth, WLAN, UMTS) und schaltet sie bei Bedarf ein oder aus
Beispiele: rfkill list l rfkill block 0 l rfkill unblock 0 (die Adapter müssen mit der Nummer gemäß „rfkill list“ angesprochen werden)
route zeigt die Routing-Tabelle des Systems und die IP-Adresse des Gateways (Router)
Beispiel: route -n (einfachster Weg, die IP-Adresse des Routers zu ermitteln)
smbpasswd verwaltet die Samba-Benutzer für Netzzugriff; fügt Samba-Benutzer hinzu (-a) oder löscht (-x), aktiviert (-e) und deaktiviert sie (-d)
Beispiele: sudo smbpasswd -a sepp l sudo smbpasswd -x sepp
Internet Kurzbeschreibung
curl beherrscht sowohl den Download von Web-Servern wie den Upload auf Web-Server
Download-Beispiel: curl –user sepp:passw0rt –remote-name ftp://seite.de/Download/datei.txt
Upload-Beispiel: curl –upload-file /home/sepp/datei.txt ftp://seite.de/Upload/datei.txt –user sepp:passw0rt
dig liefert Infos zu Internet-Domains gemäß Auskunft des DNS-Name-Servers (ähnlich nslookup)
Beispiele: dig wikipedia.de ANY (alle Infos abfragen) l dig wikipedia.de MX (Mailserver abfragen)
ftp Zugang zu FTP-Servern auf Kommandozeile mit allen wesentlichen Dateibefehlen. Interaktiv obsolet durch Filezilla u. a. Vorteil: ftp ist scriptfähig, automatisierbar und läuft auch auf Servern ohne Oberfläche.
Wichtigste Befehle: open meineseite.de (Verbindung aufbauen) l get datei.txt (Download einer Datei) l put datei.txt (Upload einer Datei)
host liefert die IPv4-, IPv6-Adresse und den Mailserver der abgefragten Domain
Beispiel: host pcwelt.de
mtr ähnlich traceroute: verfolgt den Weg eines IP-Pakets vom Rechner zur Zieladresse, hier aber mit genauen Werten zur Verbindungsqualität
Beispiel: mtr wikipedia.de
nslookup liefert Infos zu Internet-Domains gemäß Auskunft des DNS-Name-Servers (ähnlich und in der Syntax klarer: dig)
Beispiele: nslookup wikipedia.de l nslookup -query=mx pcwelt.de (Mailexchange-Server der Domain ermitteln)
traceroute verfolgt den Weg eines IP-Pakets vom Rechner zur Zieladresse (Gateway, Zwischenstationen („Hops“) und die IP-Adresse des Zielrechners/-Servers
Beispiel: traceroute wikipedia.de
wget lädt Dateien von Web-Servern, Kernsyntax: wget [Protokoll]://[Adresse]/[Datei]
Beispiel 1: wget -q –user=sepp –password=passw0rt http://seite.de/Download/datei.pdf (Download einer Datei von passwortgeschütztem Website-Bereich)
Beispiel 2: wget –r -l6 http://seite.de (Massendownload bis zur sechsten Verzeichnisebene („-l6“))
whois liefert gegebenenfalls umfangreiche Domain-Infos über Hosting, Domain-Besitzer, Adresse, Telefon. Der Informationsumfang ist abhängig von der Domain-Konfiguration.
Beispiel: whois pcwelt.de
Lokales Netz und Internet Kurzbeschreibung
iptables erstellt auf Kommandozeile Firewall-Filterregeln für das Netzwerk. Nur für Admins und Profis: Selbst diese bevorzugen in der Regel Frontends wie Firehol.
Beispiele: iptables -P INPUT ACCEPT (erlaubte eingehende Regeln anzeigen) iptables -F (alle bestehenden Regeln löschen)
nmap Komplettübersicht der lokalen LAN-Adressen und Analyse von öffentlichen WAN-Adressen
Beispiele 1: nmap -sP 192.168.0.1-50 l nmap -sP 192.168.0.* (Ping-Anfragen an die ersten 50 sowie an alle 255 Adressen des lokalen Netzwerk)
Beispiel 2: sudo nmap -Pn 178.23.136.15 (prüft eine öffentliche IP-Adresse auf offene Ports, ohne Angabe der Ports standardmäßig Port 1-1000)
Beispiel 3: sudo nmap -Pn -p0-65535 178.23.136.15 (prüft eine öffentliche IP-Adresse auf alle 65535 Ports)
Beispiel 4: sudo nmap -sV -Pn -p22 178.23.136.15 (ermittelt den für einen offenen Port verantwortlichen Dienst mit Schalter „-sV“; Beispielport ist hier 22 („-p22“))
netstat zeigt alle aktuell geöffneten Netzwerkverbindungen und Ports; zahlreiche Schalteroptionen, die sich zwischen Linux und Windows deutlich unterscheiden, meist ist nmap die bessere Alternative
Beispiel: netstat -aon | grep :22 (zeigt Prozesse, die aktuell auf Port 22 kommunizieren)
ping informiert, ob eine Internet-Site oder ein lokaler Rechner erreichbar ist
Beispiele: ping pcwelt.de l ping -c 4 192.168.1.1
ssh öffnet den Fernzugriff auf Server oder Linux-Desktops, Schalter -X für X11-Forwarding, Schalter -p für Portangabe (falls von Standardport 22 abweichend); das Zugriffskonto kann bereits im Befehl angegeben werden
Beispiele 1: ssh 192.168.0.10 l ssh -p 2020 -X root@192.168.0.10 (im zweiten Fall abweichender Port, grafisches X11-Forwarding und Kontoangabe)
Beispiel 2: ssh root@188.192.80.217 (SSH-Fernzugriff auf öffentliche Internet-Adresse, Standardport 22 muss dazu im Router freigegeben und an den Zielrechner geleitet werden)
Grafische Tools Kurzbeschreibung
Network Manager auf vielen Desktop-Distributionen vorinstalliert, Indikator-Symbol in der Systemleiste mit wesentlichen Funktionen: Funknetzwerk aktivieren, Funknetzwerk verbinden, IPv4-Einstellungen bearbeiten (feste IP oder DHCP)
Putty / Kitty SSH-Clients für Windows-Rechner mit zahlreichen Optionen für eingerichtete Server (auf Heft-DVD). Im einfachsten Fall genügt die Eingabe der IP-Adresse im Feld „Host Name or IP address“.
Wicd grafische Alternative zum Network Manager, Python-Tool (Download https://launchpad.net/wicd)
Wireshark mächtiger Netzwerksniffer zum Abhören des lokalen Netzwerks. Setzt für Filterregeln und Interpretation des Netzverkehrs intime Netzwerkkenntnisse voraus.
Zenmap grafische Oberfläche zu nmap: Funktionsumfang wie nmap, aber Bedienung durch erheblich vereinfacht
LinssId, Iwscanner Hilfsprogramme zur grafischen Darstellung der Funknetzleistung und zur Optimierung von Kanaleinstellung und Antennenausrichtung.
Einfache Terminal-Alternative: watch -n 3 cat /proc/net/wireless (alle drei Sekunden die dynamische Datei „wireless“ auslesen)

Die Linux-Desktops

Die Linux-Vielfalt hat zwei Ebenen: Neben der Auswahl des System-Unterbaus steht auch noch die Entscheidung für eine bestimmte Oberfläche. Derselbe Unterbau kann viele Desktop-Gesichter haben, derselbe Desktop verschiedenen Systemen dienen.

Eine saubere Grenzziehung zwischen Distributions- und Desktop-Vielfalt ist schwierig bis unmöglich. Ubuntu hat sich je nach Standarddesktop unterschiedliche „Distributionsnamen“ wie Kubuntu oder Xubuntu gegeben, obwohl dabei nur ein anderer Desktop (KDE und XFCE) auf demselben Ubuntu arbeitet. Wenn sich eine Linux-Mint-Variante als „Linux Mint XFCE Edition“ bezeichnet, darf man die Frage stellen, wieviel „Mint“ noch drinsteckt, da doch ein Ubuntu bei Mint den Systemunterbau legt und Linux Mint sich primär durch seinen Stammdesktop Cinnamon definiert. Wie Mint definieren sich auch andere Distributionen wie Elementary OS, Solus oder Bodhi Linux hauptsächlich durch ihren Desktop. Die Entscheidung für einen Desktop gibt aber nicht nur die Systembedienung vor: Sie bestimmt maßgeblich die Hardwareansprüche an RAM, CPU, GPU sowie Reaktions- und Startgeschwindigkeiten. Ein nackter Ubuntu Server ohne Desktop konsumiert etwa 50 MB RAM, während ein Ubuntu mit KDE-Oberfläche (Kubuntu) schon ab Start das 15-fache fordert (750 MB). Die richtige Einschätzung, was ein Desktop kann und für welche Hardware er taugt, ist daher für die Wahl des richtigen Systems unverzichtbar.

Desktops und Distributionen

Ein Linux-System kann bekanntlich mehrere Desktops aufnehmen. Folglich sollte es möglich sein, Desktops wie einen Mediaplayer oder eine Office-Suite als unabhängige Software zu beschreiben. Tatsächlich ist aber die Verzahnung zwischen Systembasis und Desktop dann doch komplexer als bei einer beliebigen Anwendungs-Software:
1. Die Parallelinstallation von Desktopumgebungen ist ein erheblicher Systemeingriff, und längst nicht alle Desktops vertragen sich überall problemlos nebeneinander.
2. Eine Desktop-Umgebung ist mehr als der Desktop: Sie bringt ein mehr oder weniger umfangreiches Softwarepaket mit, mindestens mit Dateimanager und Editor, oft mit Audio-und Video-Player sowie PDF- und Text-Viewer.
3. Der mit der Distribution ausgelieferte Desktop ist in der Regel sorgfältig vorkonfiguriert und unterscheidet sich von einem nachinstallierten Desktop. Diese Vorkonfiguration erspart oft erheblichen Anpassungsaufwand.
Einsteiger, Anfänger, Pragmatiker fahren daher am besten, wenn sie eine Linux-Distribution mit ihrer angestammten und mitgelieferten Standardoberfläche wählen.
Die nachfolgende Tabelle nennt 16 populäre bis exotische Linux-Desktops in alphabetischer Abfolge. Die nachfolgenden Kurzbeschreibungen orientieren sich hingegen an der Verbreitung und beginnen mit der Prominenz.

Stammdesktop unter Hardware-Anspruch Flexibilität Merkmale
Budgie Ubuntu Budgie / Solus noch moderat mittel klar und übersichtlich, gewöhnungsbedürftige Seitenleiste
Cinnamon Linux Mint moderat hoch einfache, klassische Basisbedienung und sehr flexibel
Fvwm (nur optional, z. B. in Debian) minimal mittel minimalistisch
Gnome Ubuntu Gnome / Fedora hoch gering elegant, modern, einfach, aber gewöhnungsbedürftig
KDE Kubuntu / Open Suse hoch exzellent komplexes, aber gereiftes Konzept
LXDE Lubuntu / Knoppix gering mittel einfach, klassisch, funktional, altmodische Optik
LXQT (LXDE-Nachfolger) (nur optional, z. B. in Manjaro) gering mittel einfach, klassisch, funktional
Mate Ubuntu Mate moderat hoch einfache, klassische Basisbedienung und flexibel
Moksha (E17) Bodhi Linux sehr gering hoch exotisch bis konfus, aber klein und schnell
Openbox Bunsenlabs minimal mittel minimalistisch, Anpassung anspruchsvoll
Pantheon Elementary OS mittel gering sehr einfach, elegant, aber puristisch
Pixel Raspbian (Raspberry Pi) gering mittel relativ einfach und klassisch
Trinity Q4-OS sehr gering hoch komplexer KDE-3-Fork, altmodische Optik
Unity Ubuntu noch moderat gering sehr einfach, intuitiv
Wmii (nur optional, z. B. in Debian) minimal gering minimalistisch und exotisch – ohne Mausunterstützung
XFCE Xubuntu gering bis moderat hoch klassisch, ausgereift, flexibel, etwas altmodisch

 

Für anspruchsvolle Linux-Anwender: Das komplexe KDE bietet maximale Anpassungsfähigkeit und hat mit KDE Plasma 5 ein geradliniges Gewand bekommen.

KDE: Anpassungsfähig bis detailverliebt

Eine der dienstältesten (seit 1996) und populärsten Desktop-Umgebungen ist KDE, das sich mit Version 4 erfolgreich neu erfand. KDE ist eine opulente Oberfläche für aktuellere Rechner mit Mehrkern-CPU, Open-GL-fähigen Grafikchip und vier GB RAM. Der Desktop ist ideal für fortgeschrittene Nutzer, die detaillierte Anpassungsoptionen zu schätzen wissen.
Der Plasma-Desktop stellt die Arbeitsoberfläche bereit mit Mini-Programmen (Plasma-Widgets) und dem Window-Manager Kwin, der für Fensterdarstellung und Effekte sorgt. Standardmäßig befinden sich die KDE-Bedienelemente am unteren Bildschirmrand. Ganz links gibt es in der Standard-Konfiguration das K-Menü mit Kategorien und Suchfeld. Neben dem K-Menü liegen die Taskleiste und daneben die Kontroll-Leiste mit Mini-Programmen (Lautstärke, Network-Manager, Zwischenablage). Eine aufgeräumte Übersicht aller Optionen bieten die „Systemeinstellungen“ im KDE-Menü. Daneben enthält die KDE-Umgebung herausragende Software wie den Dateimanager Dolphin, den Bildbetrachter Gwenview oder die Bildverwaltung Digikam. Empfohlene KDE-Distributionen sind Kubuntu, Ubuntu KDE Neon und Open Suse Leap.

Gnome 3: Der moderne Desktop

Gemessen an der Zahl der Gnome-affinen Nachfolger (Unity, Mate, Cinnamon, Pantheon, implizit auch XFCE, LXDE, LXQT) ist Gnome der produktivste Linux-Desktop. Mit dem fast 20 Jahre alten Ur-Gnome hat heutiges Gnome 3 freilich nicht mehr viel gemein. Version 3 war ein radikaler Neuanfang, der bewährte Elemente über Bord warf. Das neue Gnome-Bedienkonzept ist modern, schick, funktional, aber reduziert. An den Grundfunktionen lässt Gnome kaum Eingriffe zu. Flexibilität erhält Gnome hauptsächlich durch externe Erweiterungen (https://extensions.gnome.org). Gnome ist ein Desktop für aktuellere Hardware mit Mehrkern-CPU, 3D-Grafik und vier GB RAM.
Obwohl Gnome auf Elemente wie das Startmenü verzichtet, findet sich jeder Einsteiger schnell zurecht. Als Umschalter und Programmstarter dient die Übersichtsseite „Aktivitäten“, die über die Windows-Taste oder über die linke obere Ecke erreichbar ist. Dort gibt es Schnellstart-Icons und das wichtige Suchfeld. Die „Einstellungen“ liefern ein aufgeräumtes Menü für allgemeine Optionen wie Sprache, Hintergrundbild und Hardwarekonfiguration. Weitere Optionen sind in der Extra-Anwendung Gnome-Tweak-Tool untergebracht. Empfohlene Gnome-Distributionen sind Ubuntu Gnome, Fedora, Manjaro Gnome.

Elegant und modern: Gnome 3 zeigt auf Windows-Taste oder aktive Ecke links oben diese Übersicht mit Fenster- und Arbeitsflächenansicht sowie dem Suchfeld.

Ubuntus Unity: Vereinfachtes Gnome 3

Unity, seit 2011 und bis vor kurzem die Standardoberfläche von Ubuntu, ist ein reduziertes Gnome 3. Das einfache Bedienkonzept versteht jeder Nutzer auf Anhieb, allerdings bezahlt der Unity-Anwender den intuitiven Bedienkomfort mit dem Preis geringer Anpassungsmöglichkeiten. Trotz einfach wirkender Oberfläche bleibt Unity ein Gnome 3 mit nur geringfügig geringeren Hardware-Ansprüchen (siehe dort).
Die Bedienung erfolgt über zwei Standardleisten, die Starterleiste links und das Hauptpanel oben. Die Starterleiste ist eine Kombination aus Taskleiste und Favoritenleiste: Sie zeigt die aktuell laufenden Programme und zusätzlich die Programmfavoriten. Das oberste Symbol mit dem Ubuntu-Logo öffnet das Dash – die Suchzentrale für Programme und Dateien. Das Hauptpanel am oberen Rand bietet das Sitzungsmenü sowie Indikatoren wie Zeitanzeige und Netzwerk-Manager. Im Gnome-Control-Center („Systemeinstellungen“) gibt es fundamentale Funktionen der Hardware- und Desktop-Anpassung. Zusätzliche Möglichkeiten bietet das Unity Tweak Tool, das nachinstalliert werden muss. Die einzige Distribution mit Unity als Standarddesktop war bis Version 17.04 die Ubuntu-Hauptedition.

Cinnamon: Der Mint-Desktop

Cinnamon ist seit 2011 als konservative Alternative zum modernen Gnome 3/Unity entwickelt worden. Über die Jahre reifte eine sehr attraktive Oberfläche, die viele Elemente der Windows-Welt aufgreift und auf optimale Anpassungsfähigkeit Wert legt. Die ältere Gnome-2-Basis macht sich noch in einigen altmodischen Details bemerkbar (Leistenbearbeitung), insgesamt ist Cinnamon aber so ansehnlich wie flexibel und vergleichsweise sparsam. Der Desktop läuft auch auf nicht mehr taufrischen Geräten und ist mit 2 GB RAM alltagstauglich.
Die Systemleiste enthält ein klassisches und anpassungsfreudiges Startmenü und typische Elemente wie Fensterliste, Netzwerk-Manager und Arbeitsflächenwechsler. Großzügig sind auch die Optionen, um die Optik an eigene Wünsche anzupassen. Moderne Fensterthemen und Hintergründe für die Arbeitsfläche sind mit wenigen Mausklicks geändert. Generell ist das Angebot der zentralen „Systemeinstellungen“ breiter als das der reduzierenden Gnome/Unity-Desktops. Cinnamon ist Standard unter Linux Mint, der Einbau in andere Distributionen ist möglich, aber nicht ohne Risiko.

Mate: Klassisch und flexibel

Mit Mate entstand ebenfalls 2011 in Ablehnung des modernen Gnome 3 ein weiterer Fork von Gnome 2. Mate ist seither eine weitere Alternative für Anwender, die einen traditionellen Desktop bevorzugen. Die Oberfläche erhielt trotz althergebrachter Bedienkonzepte ein modernisiertes Äußeres und reicht an die Anpassungsfähigkeit von Cinnamon heran. Dabei gehört Mate zu den sparsamen Desktops und kommt notfalls ohne 3D-Grafikchip und schon mit 1 GB RAM aus.
Die wesentlichen Elemente der Arbeitsfläche sind die Leisten, die sich mit diversen Applets füllen und per Rechtsklick im Detail konfigurieren lassen. Die Systemeinstellungen heißen hier „Kontrollzentrum“, das alle Optionen zu Aussehen, Verhalten, Hardware-Einstellungen, Autostart-Programmen in einer aufgeräumten Übersicht zusammenfasst. Bekannteste Distribution mit Mate ist Ubuntu Mate, jedoch gibt es inzwischen von fast allen namhaften Distributionen eine Mate-Edition (Linux Mint, Debian, Fedora u. a.).

Klassisch und anpassungsfreudig: Mit dem Mate-Desktop lebt die Oberfläche von Gnome 2 in einer modernisierten Variante weiter.

XFCE: Linientreuer Klassiker

XFCE („X-Face“) gehört seit 1996 mit KDE und Gnome zu den Urgesteinen der Linux-Desktops, hat sich aber im Gegensatz zu diesen stets geradlinig entwickelt und nie revolutioniert. XFCE ist etwas angestaubt, aber perfekt für Nutzer, die klassische Elemente schätzen und selbst Hand anlegen mögen. Die funktionalen wie optischen Möglichkeiten sind umfassend, die Bedienung gelegentlich altmodisch, aber überall ausgereift und logisch. Nicht zuletzt hat XFCE bescheidene Ansprüche an die Hardware – 1 GB RAM ist üppig, ein 3D-Grafikchip nicht erforderlich.
Mit dem Dateimanager Thunar hat XFCE einen der wenigen seiner Art an Bord, die ein Drag & Drop von Dateien mit rechter Maustaste mit Kontextmenü beantworten. Im Konfigurationszentrum („Einstellungen“) sind alle Basics wie Monitor-Einstellung, Benutzerverwaltung, Themes, Fensteroptik oder Treibersuche. Hauptmenü („Whisker“) und Symbolleisten von XFCE sind eine lohnende Spielwiese: Es gibt diverse vorgegebene Elemente wie Arbeitsflächenumschalter, Sitzungsmenü („Aktionsknöpfe“) oder eine Mini-Kommandozeile. Auch bei Aussehen, Größe, Farbe, Transparenz oder Ausblendverhalten lassen XFCE-Panels keine Wünsche offen. Praktisch alle Distributionen bieten eine Variante dieses Klassikers. Ein sorgfältig konfiguriertes XFCE liefert etwa Xubuntu.

Xubuntu mit angepasstem XFCE-Desktop

LXDE/LXQT: Schlank und komplett

LXDE zeigt seit über 10 Jahren, dass ein kompletter Desktop keine Gigahertz-CPU braucht und dass 512 MB eine Menge Speicher sein können. Die funktionale Oberfläche benötigt inklusive System nur gut 150 MB. LXDE kombiniert für das Ziel einer möglichst sparsamen Lösung heterogene Elemente wie den Window-Manager Openbox und eigene Komponenten wie Lxpanels (Leisten) oder Lxappearance (Optik-Konfiguration). Die per Voreinstellung oft unnötig spröde Optik ist durch individuelle Anpassung deutlich optimierbar. LXQT ist der Nachfolger von LXDE, der die Integration von Software mit jüngeren QT-Bibliotheken leistet. Bei LXDE folgen solche Programme nicht der systemweit eingestellten Fensteroptik. Einfachster Weg zu einem sorgfältig vorkonfigurierten LXDE ist die Distribution Lubuntu.

Moksha (E17): Der schnelle Exot

Enlightenment („E“, aktuelle Version ist E19) vereint minimale Hardwareansprüche mit ansprechender Ästhetik und exorbitanter Konfigurierbarkeit. Verwirrende bis konfuse Optionen erschweren allerdings den Zugang. Moksha, der Standard-Desktop unter Bodhi Linux, hat als Fork von E17 etwas aufgeräumt, bleibt aber ein Desktop-Abenteuer. Die besonders schnelle und sparsame Oberfläche läuft auf älterer bis alter Hardware ohne 3D-Grafikchip und 512 MB bis 1 GB RAM.

Bodhi Linux mit angepasstem Moksah-Desktop

Trinity: Sparsames Retro-KDE

Trinity führt die längst eingestellte KDE-Version 3.5 als Fork weiter. Das Ergebnis ist eine schlanke Oberfläche, die allerdings im altbackenen Retro-Design daherkommt. Die Ansprüche des Desktops liegen etwa zwischen LXDE und XFCE. Hauptargument für Trinity ist die Tatsache, dass der KDE-Fork auch auf angestaubter Hardware die detaillierten Anpassungsoptionen eines KDE mitbringt. Unter den prominenten Distributionen ist Trinity rar. Der einfachste Weg ist der Einsatz der Distribution Q4-OS, wo Trinity als Standard arbeitet.

Der Trinity Desktop zeigt ein altes KDE 3.5, das als Abspaltung (Fork) mit kleinen Verbesserungen weiterlebt und von Kubuntu-Entwicklern nebenher gepflegt wird.

Schönlinge und Puristen

Pantheon: Dieser Desktop ist Standard der Distribution Elementary OS. Der aufgeräumte und ästhetische Desktop mit Mac-OS-Optik zeigt nur Starterdock und Systemleiste und bietet nur fundamentale Einstellungsoptionen. Zielgruppe sind Software-orientierte Desktop-Nutzer, die ohne Ehrgeiz individueller Anpassung eine hübsche Oberfläche suchen.

Budgie: Technisch ambitionierter als Pantheon liefert diese Oberfläche neben der üblichen Systemleiste eine multifunktionale Seitenleiste. Entwickelt wird Budgie für die Distribution Solus, hat aber inzwischen als Ubuntu Budgie Einzug in die offiziellen Ubuntu-Varianten gefunden. Budgie hat Potential zum echten Cinnamon-Konkurrenten durch seine klare, kontrastive Benutzerführung.

Ubuntu Budgie: Der sehr ansehnliche und klare Desktop hat noch ein paar Reifemängel.

Openbox: Eigentlich ist Openbox nur ein alt-ehrwürdiger Window-Manager, ist aber über diese Rolle hinausgewachsen. Pures Openbox liefert am Desktop nicht mehr als ein simples Startmenü per Mausklick, mit Ergänzungen und Konfigurationstools wird daraus aber eine Arbeitsumgebung, die kaum mehr als 100 MB Speicher beansprucht. Die manuelle Einrichtung von purem Openbox ist mühsam. Ein sorgfältig vorkonfiguriertes Openbox liefert die Distribution Bunsenlabs „Deuterium“ auf Basis von Debian 8.

Fvwm-Crystal: Einer der ältesten Fenstermanager für Linux ist der „F Virtual Window-Manager“ (Fvwm). Dem originalen Fvwm von 1993 sieht man sein Alter deutlich an. Viel getan hat sich aber bei der Variante Fvwm-Crystal mit Taskleiste, Menü und virtuellen Arbeitsflächen. Trotz minimaler Ansprüche (unter 100 MB RAM) sieht Fvwm-Crystal mit Transparenz-Effekten schick aus. Eine fertige Distribution mit diesem Fenstermanager gibt es nicht, jedoch ist das Fossil noch als Paket unter Debian und Ubuntu erhältlich (fvwm-crystal).

Wmii: Wmii (Window-Manager Improved) geht grenzwertig noch als Fenster-Manager durch: Alle Aktionen zum Öffnen und Anordnen von Fenstern erfolgen per Tastatur. Der Hotkey Windows-Taste plus Eingabetaste öffnet ein neues Terminal, Windows-P einen Ausführen-Dialog. Fenster arrangiert Wmii nebeneinander oder in Spalten. Dieser minimalistische Ansatz ist sinnvoll, wo ein Linux-Rechner stets nur einige wenige Programmfenster anzeigen soll. Wmii ist unter vielen Distributionen unter gleichnamigem Paketnamen zu erreichen.

PIXEL: Dieser Desktop ist eine junge Entwicklung der Raspberry Pi Foundation. Er dient als verbesserter Ersatz für das bisher genutzte LXDE auf dem Raspberry-System Raspbian. Die Änderungen sind vorwiegend kosmetischer Natur.

Terminal- und Bash-Optimierung

Grafische Terminals und die darin laufende Kommando-Shell bieten reichhaltige Optionen, um sie optisch und funktional zu optimieren und zu individualisieren. Das ist zum Teil einfach, zum Teil knifflig. Die notwendigen Tipps finden Sie hier.

Dieser Artikel zeigt alle wichtigen Optionen, um das grafische Terminal, aber auch die virtuellen Konsolen und die SSH-Konsole so komfortabel wie möglich einzurichten. Nur Punkt 1 bezieht sich ausschließlich auf den Desktop und das grafische Terminalfenster. Alle anderen Punkte 2 bis 6 zur Bash-Optimierung gelten auch für SSH und für die Konsolen (Strg-Alt-F1 und weitere). Bei den grafischen Terminal-Emulatoren nehmen wir das Gnome-Terminal als Referenz, wie es in Ubuntu-Varianten und Linux Mint zum Einsatz kommt. Andere Terminal-Emulatoren wie etwa die „konsole“ unter KDE bieten ganz ähnliche Einstellungen, aber nicht immer an gleicher Stelle. Bei der Shell selbst, also dem eigentlichen Kommandointerpreter, gehen wir von der Bash-Shell aus, die praktisch überall Standard ist.

1. Das grafische Terminal

Terminals in Gestalt des Gnome-Terminal, Mate-Terminal, Xfxe4-Terminal oder Konsole (KDE) sind grafische Programme mit zahlreichen Einstellungen. Sie sind unabhängig von der Shell, die im Terminal läuft. Die Optionen und Optimierungen, die Sie dort vornehmen, haben daher mit der Bash-Shell zunächst nichts zu tun. Lediglich bei Farbeinstellungen für das grafische Terminal und solchen für die Bash-Shell gibt es Kombinationen, welche die Lesbarkeit und Übersicht fördern – oder eben nicht. Insbesondere engagierte Nutzer, die sich das Terminal optisch bestmöglich einrichten möchten, sollten sich beim Aussehen des grafischen Terminals farblich festlegen, bevor sie Ausgabefarben und Prompt der Bash-Shell optimieren.

Einstellungen und Profile: Das Gnome-Terminal zeigt im Menü „Bearbeiten“ die zwei Untermenüs „Einstellungen“ und „Profileinstellungen“. Beides sind benutzerspezifische Optionen: Was unter „Einstellungen“ festgelegt wird, gilt für jedes Terminal im aktuellen Konto. Die „Profileinstellungen“ erlauben darüber hinaus verschiedene Layouts, die man entweder im Gnome-Terminal selbst mit „Terminal -> Profil wechseln“ umschalten oder auch über Programmstarter schon beim Aufruf anwählen kann:

gnome-terminal --profile big_black

Ob Sie tatsächlich verschiedene Profile brauchen, ist Ihre Entscheidung. Das als „Unbenannt“ oder als „Vorgabe“ betitelte Standardprofil sollten Sie aber unter „Bearbeiten -> Profileinstellungen“ in jedem Fall bearbeiten. Die Registerkarte „Allgemein“ bestimmt die Größe des Terminalfensters über die Spaltenzahl (Breite) und Zeilenzahl (Länge) sowie die verwendete Schriftart. Beachten Sie, dass Sie das Terminal-Fenster unabhängig von der Schrift mit Strg-+ und Strg– skalieren können, in einigen Terminals auch mit Strg und mittlerer Maustaste. Die Registerkarte „Farben“ definiert die Farb- und Transparenzeinstellungen (in einigen Terminals auch als Extra-Registerkarte „Hintergrundtyp“). Wer Experimente mit eventuell kontrastarmen Ergebnissen vermeiden will, kann das Systemschema oder vorgegebene Schemata verwenden.

Unter „Bildlauf“ sollte der „Zeilenpuffer“ deutlich vierstellig eingestellt sein, damit Sie auch bei umfangreichen Dateilisten (find, ls, rsync) bis zum Beginn zurückblättern können.

Der allgemeinere Punkt „Bearbeiten -> Einstellungen“ spielt für die Terminal-Optik keine Rolle. Hier können Sie aber unter „Tastenkürzel“ die Hotkeys ermitteln oder neu bestimmen, die in Ihren Terminals gelten. Der Tipp, hier auch die Hotkeys für Kopieren (Strg-Shift-C) und Einfügen (Strg-Shift-V) auf gebräuchliches Strg-C und Strg-V umzustellen, ist zweischneidig, weil Strg-C in der Bash-Shell traditionell für den Abbruch des aktuellen Befehls reserviert ist.

Startparameter: Größe und Position des Terminals können Sie auch per Startparameter festlegen. Global und mit zusätzlicher Angabe der Fensterposition arbeitet der Parameter „–geometry“ (fast überall Standard: Gnome, KDE, XFCE, Mate):

gnome-terminal --geometry=120x24+1+1

Dies würde ein Terminal mit 120 Zeichen Breite und 24 Zeilen Länge in der linken oberen Ecke starten (1 Pixel von links, 1 Pixel von oben). Diesen Aufruf definieren Sie am besten in der globalen Verknüpfung „/usr/share/applications/gnome-terminal.deskop“ in der Zeile „Exec=“ mit root-Recht.

Neben dem schon genannten „–profile“-Schalter gibt es weitere Optionen via Startparameter, welche die grafischen Profileinstellungen nicht vorsehen:

gnome-terminal --zoom=1.4 --working-directory=/media/ha

Dies erhöht den Zoomfaktor um 40 Prozent und startet gleich im gewünschten Verzeichnis. Letzteres ist natürlich auch über die Bash-Shell leicht zu erzielen.

Terminal-Profile: Wer im Terminal verschiedene Profile anlegt, kann mit drei Mausklicks zu einer komplett anderen Darstellung wechseln.

    2. Bash-Zeileneditor und History

    Kaum ein Terminalthema klingt langweiliger als die Regeln des „line editing“ – also Texteingabe, Textbearbeitung, Autocompletion und Befehlssuche am Bash-Prompt. Es entscheidet aber fundamental darüber, wie viel oder wenig Sie tippen müssen – und „Tippen“ bedeutet hier ja meistens nicht das Schreiben von natürlicher Sprache, sondern von oft komplexen Befehlen oder gar von Escape- und Regex-Sequenzen.

    Autocompletion: Lange Dateinamen müssen nicht getippt werden: Wenn Sie die ersten zwei, drei Buchstaben eingeben und dann die Tab-Taste drücken, ergänzt das Terminal den vollständigen Namen automatisch, desgleichen Ordnerpfade, sofern die eingegebenen Buchstaben stimmen (Groß- und Kleinschreibung beachten!).

    History: Das Terminal vergisst nichts – jedenfalls nicht so schnell. Die Befehle werden im Speicher und dauerhaft in der ~/.bash_history gespeichert. Damit die Befehle über Sitzungen und Neustarts hinaus gesammelt werden, sorgt diese Anweisung:

    shopt -s histappend

    Diese werden Sie in jeder Standardstartdatei ~/.bashrc antreffen. Bei welcher Zeilenmenge Schluss sein soll, also die ältesten Einträge gelöscht werden, bestimmen folgende Variablen:

    HISTSIZE=5000
    HISTFILESIZE=5000

    Auch diese stehen in jeder ~/.bashrc, wenn auch eventuell mit geringeren Zeilenangaben. „HISTSIZE“ ist die maximale Zeilenmenge im Speicher, „HISTFILESIZE“ die maximale Zeilenmenge in der Datei ~/.bash_history. Je höher die Zahlen, desto umfangreicher wird das Gedächtnis der Bash-Shell. Mit der Variablen

    HISTCONTROL=ignoredups

    können Sie verhindern, dass die History von Dubletten wimmelt: Bereits vorhandene, identische Kommandos werden dann nicht aufgenommen. Eine weitere Option, die History effizienter zu machen, ist der Ausschluss von Allerweltsbefehlen:

    HISTIGNORE="ls:cd*:free"

    Soviel zur Optimierung der History. Für die eigentliche, praktische Verwendung gibt es mehrere Möglichkeiten. Fast jedem Anwender bekannt ist das Zurückblättern zu den letzten Kommandos mit der Taste Cursor-oben, die den gewünschten Befehl wieder auf den Prompt holt. Eine systematische Suche bietet der Hotkey Strg-R: Nach Eintippen etwa von „tar“ erscheint der letztgenutzte tar-Befehl in kompletter Länge. Ist dieser passend, kann er mit Eingabetaste sofort ausgeführt oder mit Alt-Eingabetaste (eventuell auch Strg-Eingabetaste) zum Editieren auf den Prompt geholt werden. Ist der angezeigte History-Treffer nicht der passende, geht es mit Strg-R zum vorletzten und so fort.

    Eine einfache Alternative oder auch Ergänzung zur Rückwärtssuche mit Strg-R ist eine Filtersuche mit der Taste Bild-oben. Nach Eingabe etwa von „tar“ befördert diese Taste den letzten, kompletten tar-Befehl direkt auf den Prompt, ein weiteres Bild-oben den vorletzten und so fort. Diese Suche funktioniert aber nur, wenn Sie Taste entsprechend belegen – und zwar in der Datei /etc/inputrc. Das Editieren erfordert root-Recht. Sie werden dort die beiden Zeilen

    \"e[5~\": history-search-backward
    \"e[6~\": history-search-forward

    antreffen und müssen dort nur das führende Kommentarzeichen „#“ entfernen.

    Zum Editieren vorhandener Zeilen, seien es selbst getippte oder aus der History gefischte, helfen Lösch- und Rücktaste, Pos1, Ende, Strg-Cursor-rechts/links (wortweise springen), Strg-K und Strg-U (Löschen nach und vor der Cursorposition, siehe dazu auch Punkt 4).

    History-Filter: Mit dieser Einstellung in der Datei /etc/inputrc filtert die Bash nach Bild-oben/Bild-unten die Einträge, die mit dem bereits eingegebenen Teilbefehl übereinstimmen.
    Hübsche Prompts sind hartes Handwerk. Ein funktionaler Prompt liefert aber automatisch Informationen, für die Sie sonst externe Systemwerkzeuge starten müssten.

    3. Farben am Prompt und in Dateilisten

    Der Prompt, also die Anzeige bei jeder Befehlseingabe, kann beliebige statische und dynamische Informationen anbieten, die Sie zur Orientierung erwarten. Die Prompt-Anzeige definieren Sie interaktiv zum Testen mit dem Befehl „PS1=‘…‘“. und dauerhaft in der Datei ~/.bashrc. Einige dynamische Variablen wie das aktuelle Verzeichnis, Datum oder Uhrzeit bietet der Prompt durch vordefinierte Escape-Zeichenfolgen selbst an, etwa „\w“ für das aktuelle Verzeichnis, „\u“ für das angemeldete Konto oder „\h“ für den Rechnernamen. Einfache Prompts sehen dann so aus:

    PS1="\w => "
    PS1="\u@\h:\w => "

    Eine gute Infoquelle für alle Prompt-Optionen ist die Seite https://wiki.archlinux.de/title/Bash-Prompt_anpassen. Über die eingebauten Codes hinaus können Sie jede allgemeine oder selbst definierte Variable einfach mit „$Variable“ in die PS1-Definition setzen:

    PS1="\w [$LOGNAME] => "

    Mehr noch: Der Prompt kann sogar beliebige Befehle aufnehmen. Wir demonstrieren das mit einem Beispiel, das freilich als Prompt dauerhaft nicht praktikabel ist:

    PS1="\nSPEICHERAUSLASTUNG: \n\$(free -m)\[\033[0m\]\n\n => "

    Um Infos gegeneinander abzugrenzen, sind ferner Farbdefinitionen vorgesehen, die stets mit der Sequenz „\[\033“ starten. Ein komplexer Prompt wie

    PS1="\n\[\033[47;30m\]\d, \A \[\033[41;37m\] \u on \H \[\033[47;30m\] MB free=$freemem \[\033[41;37m\] $CPU \[\033[40;37m\] [$timediff] \[\033[42;30m\] \w \[\033[0m\]\n"

    ist praktisch unlesbar. Immerhin geht es Schritt für Schritt von einer Escape-Sequenz zur nächsten – „\n“ bedeutet einen Zeilenumbruch, „\[\033“ schaltet dann die Farben um, „\d“ setzt das Datum ein, „\A“ die Uhrzeit. Erläuternder Text oder Zeichen wie Komma oder Blank sind an jeder Stelle möglich, ferner auch Variablen mit „$“.Wichtig ist, Farbdefinitionen am Ende wieder zurückzusetzen

    (*\[\033[0m\]“).

    Die unsäglichen Farbsequenzen einerseits, die Variablen-Tauglichkeit des Prompts andererseits veranlassen Bash-Freaks, alle nötigen Codes in Variablen abzulegen (in der ~/.bashrc)

    GREEN="\[\033[01;32m\]"

    und dann als handlichere Variablen ($GREEN) in den Prompt einzubauen. Auch dies ist aber ein mühsamer Notbehelf, dem wir folgende Online-Hilfe vorziehen:

    Easy Bash PS1 Generator: Ein nützlicher Helfer für farbenfrohe Prompts ist die Seite http://ezprompt.net/. Hier gehen Sie von ersten Position zur letzten durch, was der Prompt zeigen soll, und bestimmen für das jeweils markierte Element Vorder- und Hintergrundfarbe („FG“ und „BG“). Die einzelnen Elemente lassen sich auch nachträglich umsortieren. Im untersten Feld erscheint der zugehörige Code für die PS1-Variable, den Sie einfach kopieren, im Terminal einfügen und mit Eingabetaste testen. Wenn das Ergebnis passt, übernehmen Sie die Codezeile in Ihre Datei ~/.bashrc. Die Webseite deckt längst nicht alle Möglichkeiten des Bash-Prompts ab, liefert aber zuverlässig die heiklen Farbcodes.

    Dynamische Infos durch Prompt_Command: Wenn Variablen Echtzeit-aktuell im Prompt landen sollen (etwa die CPU-Auslastung), dann muss diese Variable unmittelbar vor der Prompt-Darstellung ermittelt werden. Dafür bietet die Bash-Shell einen speziellen Service: Mit

    PROMPT_COMMAND=[function-name]

    definieren Sie eine Function der Datei .bashrc, die bei jedem Befehl in der Kommandozeile abgerufen wird. Da dies sehr oft geschieht, sollten Sie den Rechenaufwand in Grenzen halten. Ein Beispiel für einen selbstgebauten Prompt mit Echtzeitinfos aus einem Prompt_Command sehen Sie in der Abbildung auf dieser Seite.

    Farbige Dateien und Ordner: Das Terminal stellt Dateitypen und Ordner standardmäßig in unterschiedlichen Farben dar. Wenn Sie bestimmte Farben ändern möchten, erstellen Sie mit folgendem Befehl eine persönliche Konfigurationsdatei im Home-Verzeichnis:

    dircolors -p > ~/.dircolors

    Die versteckte Datei .dircolors können Sie dann mit einem beliebigen Editor bearbeiten. So werden zum Beispiel Ordnernamen gelb gefärbt:

    DIR 01;33

    Die Einstellungen dieser eigenen Farbtabelle dominieren über die Standardeinstellungen. Die Farbcodes können Sie der bereits genannten Seite https://wiki.archlinux.de/title/Bash-Prompt_anpassen entnehmen. Achten Sie auf die Tatsache, dass solche Farbdefinitionen durch Umstellen der allgemeinen Terminalfarben (siehe Punkt 1) unter Umständen unlesbar bis unbrauchbar werden. Wer hier Zeit investiert, sollte an der allgemeinen Terminaloptik nichts mehr verändern.

    Diese Seite erspart das Recherchieren der Farbcodes: Auf http://ezprompt.net/ stellen Sie sich die Basis des Bash-Prompts per Mausklicks zusammen.

    4. Bash-Aliases und Bash-Hotkeys

    Ohne in das Bash-Scripting einzusteigen, das dieser Beitrag weitestgehend ausklammert, können einfachste Alias-Kurzbefehle und (weniger einfache) Bind-Hotkeys die Effektivität der Bash-Shell enorm steigern.

    Bash-Hotkeys: Mit Tastendefinitionen sollte man sparsam umgehen, damit der Durchblick nicht verlorengeht, jedoch sind einige Nachbesserungen sinnvoll und produktiv. So ist etwa beim Editieren am Prompt zwar das Löschen vor und nach der Cursorposition mit den Hotkeys Strg-U und Strg-K vorgesehen, aber nicht das Löschen der kompletten Zeile mit einem Hotkey. Folgende Bind-Kommandos

    bind '“\C-l“:kill-whole-line'
    bind '“\el“:kill-whole-line'

    legen den internen Befehl „kill-whole-line“ auf die Hotkeys Strg-L und Alt-L. Die Strg-Taste ist mit „\C“ einzugeben, Alt mit „\e“. Dass bei Strg die Folgetaste mit Bindestrich abzugrenzen ist, bei der Alt-Taste hingegen nicht, ist kompliziert, aber nicht zu ändern.

    Folgender Befehl

    bind '"\e[15~":"xdg-open . \n"'

    belegt die Funktionstaste F5 so, dass sie den Standarddateimanager mit dem aktuellen Verzeichnis auslöst. Die Funktionstasten sind mit „\e[nn~“ anzugeben, wobei die Ziffer „nn“ in der Regel den Wert plus 10 der tatsächlichen Taste benötigt. Im Zweifel kann der Befehl „read“ und anschließendes Drücken der Funktionstaste über die Ziffer „nn“ informieren.

    Bind-Befehle können Sie interaktiv ausprobieren; sie gelten dann bis zum Schließen des Terminals. Für permanente Gültigkeit benötigen sie einen Eintrag in die Datei ~/.bashrc.

    Aliases: Kurzbefehle können die schnelle Ordnernavigation vereinfachen oder komplexe Befehle abkürzen. Der Platz für Aliases ist wieder die Datei ~/.bashrc, und die Befehle werden in einfachsten Fällen so aussehen:

    alias ini='$EDITOR ~/bashrc'
    alias mc='mc /srv/dev-disk-by-label-Data /srv'
    alias ll='ls -alF --group-directories-first'

    Aliases entschärfen die interaktive Nutzung mächtiger Terminaltools erheblich. Ein Beispiel ist etwa folgendes Alias für den Find-Befehl:

    alias fn='read -p "Dateimaske (z.B. *.pdf): " TMP; find . -type f -name "$TMP"'

    Nach Aufruf des Kürzels fn werden Sie mittels „read“ nach der Dateimaske gefragt, die dann etwa „*.odt“ oder auch „2018*.jpg“ lauten kann (ohne Anführungszeichen). Diese Eingabe wird mit der Variable $TMP an find weitergereicht. Das Alias geht davon aus, dass man zuerst in das gewünschte Verzeichnis gewechselt hat, denn dort startet find seine Suche (Punkt nach „find .“).

    Ähnlich übergibt hier

    alias ft='read -p "Alter in Tagen (z.B. 7): " TMP; find . -type f -mtime "-$TMP"'

    die Variable $TMP eine Zahl an find, das dann über den Schalter „-mtime“ alle Dateien ermittelt, die in den letzten Tagen erstellt wurden.

    Hotkeys für die Bash-Shell: Mit bind können Sie Tasten und Tastenkombinationen neu definieren und Programme auslösen. „bind -P“ informiert über aktuelle Belegungen.
    Weniger tippen und nicht über die Syntax nachdenken: Aliases machen komplexe Bash-Kommandos – wie hier find – deutlich komfortabler.

    5. Ordnernavigation im Terminal

    Verzeichniswechsel mit cd gehören zu den meistgenutzten Kommandos. Auch hier gibt es eine Reihe kleiner Optimierungen.
    Die häufigsten Zielordner sind am besten über ein knappes Alias zu erreichen – etwa um nach

    alias d = 'cd ~/Schreibtisch'

    mit der Eingabe „d“ zum Desktop zu gelangen.
    Eine effiziente Lösung für schnelles Springen in wichtige Verzeichnisse ist die Variable CDPATH. In ihr lassen sich mehrere Ordnerpfade speichern. Danach kann man überall mit „cd [Verzeichnis]“ in ein Unterverzeichnis eines der gespeicherten Verzeichnisse springen. Um also etwa den Pfad „/var/www/html“ in die Variable CDPATH aufzunehmen, geben Sie

    export CDPATH='.:/var/www/html/'

    ein. Danach wechseln Sie von beliebiger Stelle mit „cd htdocs“ und „cd logs“ in Unterordner von „/var/www/html/“. Die CDPATH-Variable lässt sich durch eine beliebige Anzahl weiterer Verzeichnisse erweitern – jeweils durch Doppelpunkt getrennt:

    export CDPATH='.:~:/var/www/html/:/media/985c9fb3-14a6-449e-bec5-4666a283fbf4/'

    Hier besteht der „CDPATH“ aus dem aktuellen Verzeichnis („.“), dem Home-Verzeichnis („~“), dem Webserver-Verzeichnis und einem Mountordner. Am Anfang sollte mit „.:“ immer das aktuelle Verzeichnis stehen, damit dieses die höchste Priorität behält. Für einen dauerhaften „CDPATH“ müssen Sie die Export-Anweisung in die Datei .bashrc eintragen.

    Die meisten Nutzer verwenden cd für den Verzeichniswechsel, obwohl die Alternativen pushd und popd mehr Komfort bieten, vor allem dann, wenn es häufig von einem Ordner zum anderen und wieder zurückgehen soll. Daher sorgen folgende simplen Alias-Definitionen:

    alias +='pushd'
    alias _='popd'

    dafür, dass sich die Bash-Shell nach „+“ das letzte Verzeichnis merkt. Mit „_“ kehren Sie danach umstandslos zurück zum letzten Verzeichnis. Das normale Minuszeichen („-„) ist als Alias-Kürzel nicht möglich.

    Die Bash besitzt eine optionale Autokorrektur, um Vertipper bei Verzeichnisnamen auszubessern. Diese Autokorrektur ist standardmäßig abgeschaltet, erst diese drei Befehle schalten sie ein:

    shopt -s direxpand
    shopt -s dirspell
    shopt -s cdspell

    Danach wird die Shell den Eingabefehler

    cd /ect/samba/

    nach /etc/samba/ korrigieren und korrekt landen. Soll die Autokorrektur permanent aktiv sein, dann müssen die Befehle in die ~/.bashrc eingetragen werden.

    Effiziente Navigationshilfe: Einträge wichtiger Verzeichnisse in die Variable CDPATH erlauben den direkten Ordnerwechsel quer über Verzeichnisstruktur und Laufwerke.

    6. Die wichtigsten Terminaltools

    Die Aufwertung der Shell durch externe Tools ist für SSH-administrierte Server unentbehrlich, für die virtuellen Konsolen im Falle des Falles sinnvoll und selbst am Desktop erwünscht. Der letztgenannte Aspekt gilt vor allem für Nutzer, die für Datei- und Verwaltungsaufgaben generell das Terminal bevorzugen.

    Taskmanager Htop: Htop (mit gleichnamigem Paketnamen) zeigt beliebig detaillierte Infos zu allen laufenden Prozessen, CPU- und Speicherauslastung und Uptime. Es beherrscht sämtliche Kill-Methoden für randalierende Tasks. Über „F2 Setup“ lässt sich das Tool hinsichtlich Anzeigeinfos und Optik sorgfältig einrichten.

    Dateimanager MC: Der Midnight Commander (Paketname „mc“) kann es mit jedem grafischen Pendant aufnehmen und dabei mit 256-Farben-Skins auch noch attraktiv aussehen („Optionen -> Appearance“). Voraussetzung dafür ist der Befehl „TERM=xterm-256color“ in der Datei ~/.bashrc.

    Multiterminal Screen: Terminal-Multiplexer wie Screen (mit gleichnamigem Paketnamen) verwalten mehrere Terminal-Sitzungen in einem Fenster. Solche Tools sind auf der grafischen Oberfläche unnötig, aber alternativlos auf Servern, die per SSH verwaltet werden. Wenn Sie Screen starten, scheint gar nichts zu passieren. Um die Vorzüge zu erkennen, beginnen Sie am besten von vornherein mit einer Konfigurationsdatei ~/.screenrc im Home-Verzeichnis. Diese könnte etwa so aussehen wie in der nebenstehenden Abbildung. Hier werden beim Aufruf screen drei Terminals gestartet. Die „Caption“-Anzeige sorgt dafür, dass Sie in der Fußzeile über die geladenen Terminals informiert bleiben. Die Escape-Sequenzen für „Caption“ sind mühsam, aber unter www.gnu.org/software/screen/manual gut dokumentiert.

    Fundamentaler Hotkey ist Strg-a, gefolgt von einer Kommandotaste: Strg-a und nachfolgendes n oder p wechselt zur nächsten oder vorherigen Konsole. Strg-a und c startet ein weiteres Terminal, Strg-d schließt das aktuelle. Ein wichtiger Hotkey ist außerdem Strg-a und Esc, weil Sie nur dann im Screen-Fenster mit Taste oder Maus in Listen scrollen können.

    Datenträgerbelegung mit Ncdu: Ncdu (mit gleichnamigem Paketnamen) sortiert Verzeichnisse nach der enthaltenen Datenmenge und bietet eine sehr viel bequemere Festplattenanalyse als das Standardwerkzeug du. Denn Ncdu beherrscht wie ein Dateimanager die Navigation zwischen den Verzeichnissen und kann aktiv löschen. Die einzig wichtige Bedienregel, die sich nicht sofort erschließt, ist die Auswahl des Startordners. Ist Ncdu nämlich einmal gestartet, wird es in keine höhere Verzeichnisebene wechseln. Wenn Sie daher das komplette Dateisystem durchforsten wollen, sollten Sie ncdu mit

    ncdu /

    starten. Ncdu sortiert nach Ordnergrößen, kann aber mit Taste „n“ auch nach Namen sortieren, mit „s“ wieder nach Größe („size“).

    Screen und seine Konfigurationsdatei: Das Tool screen macht die typische Terminalvermehrung bei Administratoren zur übersichtlichen Angelegenheit.

    7. Alternative Terminals

    Wie Punkt 1 zeigte, geben die Standard-Terminals der Linux-Distributionen kaum Anlass, nach Alternativen zu suchen. Die gibt es natürlich: So ist Terminator (mit gleichnamigem Paketnamen) eine Fortentwicklung von Gnome-Terminal mit etlichen Zusatzfunktionen, die etwa den Textzoom mit Strg-Mausmitteltaste erlauben (wie die Konsole unter KDE) oder automatisches Ausblenden bei Fokusverlust. Weitere Funktionen fallen gegenüber dem Gnome-Terminal eher marginal aus.

    Das Terminal Terminology (mit gleichnamigem Paketnamen) stammt aus dem Enlightenment-Desktop und ist so eigenwillig wie jener. Terminology entspricht weitgehend dem Gnome-Terminal, hält aber Spezialitäten bereit, die sich nach Rechtsklick automatisch einblenden. Die hier angebotenen Split-Funktionen sowie Kopieren und Einfügen per Mausklick erhöhen den Terminal-Komfort. Unter „Einstellungen“ gibt es weitere Raffinessen wie Hintergrundbilder. Trotz dieser Vorzüge ist Terminology insgesamt gewöhnungsbedürftig und hat auch Nachteile: Schriften-, Farbdarstellung und Zoomfunktion fallen gegenüber den Standard-Terminals ab.

    Tilda und Guake: Diese Dropdown-Terminals haben kein interaktiv skalierbares Fenster und keine Titelleiste, sondern blenden sich in fester, aber exakt einstellbarer Größe nach Hotkey F1 (Tilda) oder F12 (Guake) ein und aus. Das Ausblenden kann auch automatisch bei Fokusverlust eingestellt werden, also durch beliebigem Klick außerhalb des Terminalbereichs. Die Einstellungen bieten Transparenz, Einblendanimation, Farbanpassung, Shell-Tabs, Suchleiste und vieles mehr. Im Fenster läuft die Bash – alle Bash-Einstellungen werden also übernommen. Für Terminal-Vielnutzer sind diese stets im Hintergrund wartenden Bash-Dauerläufer eine klare Empfehlung. Die Unterschiede zwischen Tilda und Guake sind marginal und letztlich Geschmackssache. Tilda und Guake sind über die gleichnamigen Paketnamen überall verfügbar.

    Fish ist kein alternatives Terminal, sondern eine eigene Shell. Sie ist über den Paketnamen „fish“ überall verfügbar, die aktuellste Version über ein PPA (ppa:fish-shell/nightly-master). Fish bringt Farbe ins Spiel, macht selbständig ergänzende Angebote zu partiellen Eingaben und informiert bei Syntaxfehlern vorbildlich über Korrekturen. Ein Alleinstellungsmerkmal ist die Konfiguration im Browser nach diesem Befehl:

    fish_config

    Unter „colors“ und „prompt“ wählen Sie aus vorgegebenen Farbschemata und Prompts, und mit „Set Theme“ oder „Set Prompt“ übernehmen Sie das Ergebnis. Wichtig sind die „abbreviations“, da Sie damit Alias-Kurzbefehle anlegen können. Für Scripts verwendet Fish „functions“ mit eigener Syntax. Zielgruppe für die Fish-Shell sind Einsteiger, denen Fish den Terminal-Umgang zunächst in der Tat vereinfacht. Das Problem ist nur, dass sich Bedienung und Script-Konzept von den Standard-Terminals stark unterscheidet: Wer der Fish-Shell wieder den Rücken kehrt, fängt mit Gnome-Terminal & Co. sowie Bash praktisch wieder von vorne an.

    Fensterlos und automatisch im Hintergrund: Das Dauerterminal Tilda kann sich in den Hintergrund verabschieden, wenn ein Desktop-Element außerhalb geklickt wird (Fokusverlust).

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True OS mit Datenschutz-Extra

True OS basiert auf Free BSD. Dieser Unix-Abkömmling hat viele Ähnlichkeiten mit Linux, aber auch signifikante Unterschiede. Zu den Besonderheiten von True OS zählen das Dateisystem ZFS und die portable Home-Verschlüsselung mit „PersonaCrypt“.

Auf http://distrowatch.com klopft in der letzten Zeit häufiger die Distribution True OS an die Top Ten. Ihre bisherige Top-Platzierung ist Platz 11, während sie bis vor ein, zwei Jahren noch unter „ferner liefen“ zu suchen war. Was ist dran an diesem System? Eine Frage, die ich an dieser Stelle gerne beantworte, zumal True OS ein schnelles Ausprobieren in einem Livesystem nicht vorsieht. Echtes Installieren ist unvermeidlich, um das System zu testen.

Download und Installation

Erste Informationen über True OS finden Sie auf der Projektseite: https://www.trueos.org/. Wer sich vorab detaillierter über die Hardware-Voraussetzungen und den Praxisalltag unter True OS informieren will, sollte einen Blick auf das Online-Handbuch https://www.trueos.org/handbook/trueos.html, das auch direkt über die Projektseite erreichbar ist. Aufgrund des Dateisystems ZFS sind für das an sich schlanke System etwa 4 GB RAM empfohlen, absolutes Minimum ist 1 GB.

Auf der Downloadseite https://www.trueos.org/downloads/ finden Sie Angebote aus dem Stable- und Unstable-Zweig (Stable empfohlen). Der Download des „Latest TrueOS Stable“ beträgt etwa 2,5 GB. Das ISO-Image schreiben Sie dann mit einem Tool Ihrer Wahl am besten auf eine DVD (Brasero unter Linux, Imgburn unter Windows). Eigentlich sollte auch ein USB-Stick als Installationsgerät funktionieren, jedoch war dies in unserem Fall weniger zuverlässig als das optische Medium.

Installer mit mäßiger Partitionierungshilfe: Die Einrichtung ist nichts für Anfänger. So fehlt etwa jeder Hinweis, dass eine MBR-Installation unter „Customize“ explizit eingestellt werden muss.

Wenn Sie den Zielrechner damit starten, erhalten Sie kein Livesystem, sondern einen reinen Installer. Neben der typischen Abfrage der Systemsprache geht es um die Entscheidung, ob eine grafische Oberfläche installiert und ein proprietärer Treiber für die Grafikkarte genutzt werden soll. Dann geht es zur Partitionierung: Wenn True OS die erste Festplatte „ada0“ nicht oder nicht in vollem Umfang übernehmen darf, ist der Klick auf „Customize Disk Settings“ erforderlich. Die Schaltfläche „Customize Disk Settings“ ist unbedingt auch dann notwendig, wenn True OS das alte MBR-Partitionierungsschema verwenden soll. Standardmäßig geht es von einer UEFI/GPT-Installation aus. Der hiermit gestartete „TrueOS Disk Wizard“ ist für Erfahrene akzeptabel, für Anfänger eher riskant. Wer Multiboot oder die umfassenden Pool- und RAID-Optionen von ZFS einrichten will, sollte unbedingt Erfahrung mitbringen und parallel das angesprochene Online-Handbuch benutzen.

Ersteinrichtung von True OS

Nach erfolgreicher Installation und dem ersten Start fordert das System ein Passwort für den Root-Zugang und danach ein erstes Benutzerkonto.

Die PersonaCrypt-Verschlüsselung: Schon bei Einrichtung des Erstkontos fällt die zweite Registerkarte „PersonaCrypt“ ins Auge, die auch später im „Usermanager“ für alle Benutzerkonten auftaucht. Es handelt sich um die optionale Verschlüsselung des jeweiligen Home-Verzeichnisses. Wie bei Linux-Systemen kann das Home-Verzeichnis geschützt werden, indem bei „Device“ die Option „On Disk Encryption (PEFS)“ gewählt wird. True OS kann aber an dieser Stelle mehr: Bei angeschlossenem USB-Datenträger wird dieser als „Device“ angezeigt und kann dann als Ziel für die verschlüsselten Dateien definiert werden. Das unter „PersonaCrypt“ eingegebene Passwort ist unabhängig vom Systempasswort, kann aber der Einfachheit halber auch identisch gewählt werden.

Im späteren Betrieb reagiert True OS auf PersonaCrypt-Konten wie folgt: Konten mit lokaler „On-Disk-Verschlüsselung“ werden am Anmeldebildschirm immer angezeigt, selbstverständlich auch alle Konten ohne jede Verschlüsselung. PersonaCrypt-Konten mit externen USB-Medien erscheinen jedoch nicht, sofern der Datenträger nicht angeschlossen ist. Mit anderen Worten: Die Anmeldung eines solchen Kontos ist nur möglich, wenn der Nutzer seinen Datenträger dabei hat und anschließt. Für die Anmeldung von PersonaCrypt-Konten sind immer zwei Kennwörter nötig – das Systempasswort und zusätzlich das Verschlüsselungspasswort.

Der Lumina-Desktop: Standardmäßig startet True OS seinen Stammdesktop Lumina. Diese Oberfläche ist keine Schönheit, orientiert sich aber mit Startmenü, Systemleiste und Rechtsklickmenü am Desktop weitgehend an geläufigen Standards. Über den Desktop-Rechtsklick und „Einstellungen -> Desktop Actions“ kann der Desktop als Ordner und Dateiablage genutzt werden. Wer es ganz minimalistisch haben will, kann am Anmeldebildschirm auch auf Fluxbox umstellen.

Das Software-Center: Die Software-Ausstattung ist standardmäßig ausreichend, aber eher spartanisch. Ihre Ausstattung ergänzen Sie recht komfortabel mit dem grafischen Paketmanager „AppCafe“. Ähnlich wie bei Ubuntu gibt es verschiedene Paketquellen, zwischen denen Sie über das Listenfeld in der Mitte wechseln. Stöbern Sie in den Kategorien oder suchen Sie gezielt nach Programmen. Viele der bekannten Linux-Klassiker wie Libre Office, VLC, Filezilla, MC oder Gimp sind auch in Versionen für True OS (Free BSD) zu bekommen. Auch alternative Desktops wie Mate oder XFCE sind verfügbar. Das „AppCafe“ bietet nicht den Umfang von Debian/Ubuntu-Distributionen, aber alles Wesentliche ist hier erhältlich.

Fazit: Viele Kompromisse

Das Hauptmotiv für True OS ist wohl nicht das mächtige Dateisystem ZFS mit vielen Server-relevanten Optionen für Festplattenpools und System-Snapshots. Vielmehr dürfte bestimmte Nutzer das ungewöhnliche „PersonaCrypt“ faszinieren: Die eigenen Daten sind unzugänglich, das maßgebliche Konto am Login-Bildschirm nicht einmal ersichtlich, solange der Nutzer nicht das passende USB-Gerät aus seiner Schublade holt und anschließt. Ob man solche Zwei-Geräte-Sicherheit als konsequente Datenschutzmaßnahme interpretieren oder doch überwiegend in der Ecke schmuddeliger Versteckspiele verorten will, überlassen wir dem Urteil des Lesers.

Deutlich ist, dass der Anwender für das eine oder andere interessante True-OS-Feature einige Kompromisse in Kauf nehmen muss: True OS kann weder beim Installer-Komfort noch bei der Hardware-Erkennung einem Debian/Ubuntu das Wasser reichen. Mit dem voreingestellten Lumina-Desktop gibt es dann eine allenfalls brauchbare Bedienoberfläche – selbst ein einfaches LXDE (auf Lubuntu oder Debian) kann da mindestens mithalten. Nebenbei ist das System kein Schnell-Booter und fordert, gemessen am grafischen Komfort, relativ viel Arbeitsspeicher (wegen ZFS).

Hier gibt es ein unverschlüsseltes Konto „hanna“ und ein verschlüsseltes Konto „klaus“, dessen Verschlüsselungsgerät vorliegt („Ready“). Die Anmeldung fordert zwei Kennwörter.

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Odroid-Miniserver (2018)

Seit fünf Jahren versuchen zahlreiche Platinenrechner, sich neben dem erfolgreichen Raspberry Pi zu positionieren. Die Odroid-Familie war und ist dabei besonders umtriebig. Dieser Beitrag bringt einen Überblick über die Mini-Rechner aus Südkorea.

Wer meint, die koreanische Firma Hardkernel mit ihren diversen Odroid-Produkten („Open Droid“) sei ein typischer Raspberry-Trittbrettfahrer, liegt mindestens teilweise falsch. Die Firma gibt es schon länger und ihr erster Platinenrechner „Odroid-PC“ datiert aus dem Jahr 2011, also ein Jahr vor dem ersten Raspberry Pi. Richtig ist aber, dass Hardkernel früh und umtriebig auf den Erfolg des Raspberry Pi reagiert hat und seit 2012 die komplette Produktpalette als Raspberry-Konkurrenz ausrichtet. Der Raspberry-Boom veranlasste Hardkernel zur Fokussierung auf Mini-Server und Platinenrechner.
Die an sich vernünftige Kernstrategie war offenbar immer, für moderat höhere Preise deutlich mehr Leistung anzubieten als der Raspberry Pi. Die zahlreichen Odroid-Varianten der Jahre 2012 bis 2015 zeugen allerdings von hektischer Betriebsamkeit, die beim Konsumenten eine gewisse Ratlosigkeit hinterlässt, inwiefern sich die Produkte unterscheiden. Nachhaltigkeit und Weitblick war hier nicht zu erkennen, und diverse Odroid-Projekte kamen und starben wie Eintagsfliegen: Die sehr lange Spalte „Obsolete products“ auf der Herstellerseite http://www.hardkernel.com/main/products/prdt_info.php spricht für sich. Inzwischen hat Hardkernel seine Produktpalette konsolidiert. Der Durchblick ist heute einfacher, verlangt aber immer noch genaueres Hinsehen. Dies sollen die nachfolgenden Seiten leisten. Die aktuell noch gepflegten Odroid-Platinen verdienen diese Übersicht, da sie qualitativ und zumeist auch in der Komponentenzusammensetzung überzeugen. Eine Produktübersicht des Herstellers bietet die oben genannte Hardkernel-Webseite. Deutscher Vertreiber für alle Odroid-Platinen und Odroid-Zubehör ist Pollin (www.pollin.de).

Odroid XU4: Das aktuelle Spitzenmodell

Die Platine Odroid XU4 ist nicht nur das aktuelle Spitzenmodell der Hardkernel-Palette, sondern zugleich die Basis für die Varianten HC1, HC2 und MC1. Der Achtkerner arbeitet mit zwei Quadcore-CPUs, wobei je nach Auslastung der Vierkerner Cortex A15 mit 2 GHz oder der sparsamere Vierkerner Cortex A7 mit 1,4 GHz zum Zuge kommt. Mit 2 GB DDR3-RAM ist die Platine für den Serverbetrieb mehr als ausreichend bestückt. Entscheidender noch für den Datendurchsatz ist die stimmige Kombination von USB 3.0 (zweimal) mit echtem Gigabit-Ethernet. Die damit theoretisch möglichen 1000 MBit/s (125 MB/s) erreicht die Platine zwar nicht, aber 80 bis 90 MB/s sind maximal möglich. Damit gerät auch das Hantieren mit ISO-Abbildern und Filmen zur flotten Aufgabe. Als Boot- und Systemmedium kommt sowohl die typische Micro-SD-Karte als auch eine eMMC-Karte infrage. Die Auswahl des Medium erfolgt über einen kleinen Schalter auf der Platine. Für Erweiterungen und Bastellösungen gibt es zwei Pin-Anschlüsse (30 plus 12), die allerdings nicht Raspberry-kompatibel sind und daher eigene Produktlösungen benötigen. Die Platine verbraucht unter Volllast bis zu 11 Watt, im Normalbetrieb etwa 4-8 Watt.

Odroid XU4 mit und ohne Lüfter: Die flexible Platine bleibt mit Netzteil und Gehäuse knapp unter 100 Euro. Wer einen lautlosen Job erwartet, greift zur XU4Q-Variante mit passivem Kühlkörper.

Odroid XU4 als Desktop: Mit den genannten Spezifikationen ist die Platine ein idealer Datenserver für das private Netzwerk und Home Office. CPU, RAM, Mali-GPU T628 MP6 und HDMI-Port scheinen auch zum Einsatz als Desktop-Zweitrechner einzuladen, aber hier muss man nach unserer Erfahrung einige Einschränkungen akzeptieren. Das von uns getestete Ubuntu Mate 16.04.3 ist als Ersatzsystem durchaus akzeptabel, läuft aber nicht wirklich flüssig. Die Ladezeiten von großen Programmen wie Browser oder Libre-Office-Komponenten sind unbefriedigend. Alles, was mit grafischen Fenstern zu tun hat, reagiert etwas zäher als vom PC gewohnt, mit gelegentlichem Verschwinden des Mauszeigers und sporadischen Artefakten am Bildschirm. Selbst der deutlich schwächere Raspberry schlägt sich hier besser. Da die Hardware des Odroid XU4 an sich eine bessere Leistung verspricht, liegt es vermutlich an der mangelhaften Treiberanpassung.
Lüfter oder Kühlkörper: Das Kühlkonzept des Odroid XU4 wurde seit seinem Erscheinen 2015 vielfach kritisiert. Von Platinenrechnern erwarten die Kunden lautlosen, lüfterlosen Betrieb. Der XU4 kommt aber standardmäßig mit einem Lüfter, der seine kleine Maße mit hoher Drehzahl ausgleicht. Im Serverbetrieb läuft er vor allem bei größeren Datentransfers und beim Booten, im Desktop-Betrieb sehr häufig. Der Lüfter ist nicht laut, aber aufgrund der hohen Frequenz unüberhörbar. Beim Einsatz als Medienserver im Wohnzimmer kann das je nach Anspruch durchaus stören.
Hardkernel hat inzwischen doppelt reagiert: Erstens gibt es für Neukunden die Variante Odroid XU4Q mit einem passiven Kühlkörper („Q“ für „quiet“). Die ist etwas günstiger als die Variante mit Lüfter, aber etwas leistungsärmer, weil die XU4 hier häufiger auf die schwächere A7-CPU schaltet. Wer bereits einen XU4 besitzt, kann den Lüfter durch den passiven Kühlkörper ersetzen, der mittlerweile als Einzelzubehör für etwa acht Euro verkauft wird.
Preis und Ausstattung: Der Odroid XU4 kostet etwa 80, der lüfterlose XU4Q circa 75 Euro (www.pollin.de). Das sind Preisangaben, die allerdings so nicht realistisch sind: Denn dafür gibt es nur die pure Platine ohne Netzteil, ohne Gehäuse. Mit Gehäuse (8 Euro) und Netzteil (10 Euro) liegt man dann bei knapp 100 Euro Gesamtkosten.

Odroid HC1/HC2: Kleine Home-Server

„HC“ steht für „Home Cloud“. Diese beiden Odroid-Varianten basieren auf dem Modell XU4 und sind hinsichtlich CPU, GPU, RAM und Gigabit-Ethernet identisch ausgestattet. Als Betriebssysteme kommt daher alles in Betracht, womit auch dem XU4 läuft. Statt schnellem USB 3.0 (nur einmal USB 2.0) gibt es eine SATA-3-Schnittstelle für eine Festplatte oder SSD, die ähnlich typischen NAS-Geräten direkt in das Alu-Gehäuse eingeschoben und dadurch angeschlossen wird. HC1 und HC2 fokussieren ganz klar auf einen kleinen, schnellen Netzwerkspeicher für private Zwecke: klein, weil nur ein SATA-Anschluss vorliegt – schnell, weil die Kombination SATA und Gigabit-LAN noch etwas mehr Tempo liefert als die Kombination mit USB 3.0.
Achtung: HC1 und HC2 haben kein HDMI oder sonstigen Monitor-Anschluss: Das System kann nur über das Netzwerk mit SSH oder Nginx/Apache-Server (etwa mit dem NAS-System Openmediavault) erreicht und verwaltet werden.
Preis und Ausstattung: Die lüfter- und lautlosen HC1 und HC2 kosten circa 60 und 65 Euro. Der einzige Unterschied der beiden Varianten ist das Alu-Gehäuse, das beim kleinen HC1 nur ein 2,5-Zoll-Laufwerk, beim HC2 auch eine größere 3,5-Zoll-Festplatte aufnimmt. Das Gehäuse ist im Preis inbegriffen, das unentbehrliche Netzteil (ca. 8 Euro) beim Hauptvertreiber Pollin hingegen nicht.

Odroid HC1 („Home Cloud“): HC1 und HC2 können am SATA-Port genau eine Festplatte aufnehmen. Wo dies genügt, bieten die HC-Platinen ein aufgeräumtes Mini-NAS.

Odroid MC1: Rechenknecht ohne Schnittstellen

„My Cluster One“ (MC1) ist kein Produkt für Normalverbraucher. Das Gehäuse mit großem Lüfter stapelt vier abgespeckte Odroid XU4 zu einem Rechner-Cluster. Die vier Platinen besitzen lediglich Gigabit-Ethernet und einmal USB 2.0. Damit ist weder ein Server-Dienst realistisch noch ein Monitor-Output möglich. Zum Rechner-Cluster wird MC1 nicht direkt über Gehäuseanschlüsse, sondern über das Netzwerk. Dabei übernimmt eine Platine die Master-Rolle, die drei übrigen dienen als Nodes. Anleitungen zur nicht trivialen Einrichtung bietet unter anderem das hauseigene Odroid-Magazine (https://magazine.odroid.com/article/odroid-mc1-docker-swarmgetting-started-guide/). Der circa 260 Euro teure 4-Platinen-Cluster kann dann etwa komplexe mathematische Berechnungen erledigen, und dies schneller als vergleichsweise teure x86-CPUs.

Odroid MC1 („My Cluster One“): Es handelt sich um vier gestapelte, abgespeckte XU4-Platinen, die durch Cluster-Software zu einer Recheneinheit gekoppelt werden.

Odroid N1: Das künftige Spitzenmodell

Mit einem Sechskerner, der noch leistungsstärker ausfällt als die CPU des XU4, ferner mit 4 GB RAM, einer neueren Mail-GPU (T860MP4) und zwei SATA-3-Anschlüssen ist das nächste Spitzenmodel Odroid N1 angekündigt. Die beiden USB-3.0-Ports und das Gigabit-Ethernet wie beim Odroid XU4 wird diese Platine ebenfalls mitbringen und damit weiter Richtung Highspeed-NAS gehen. Die SATA-Ports sollen einen Durchsatz von mehr als 400 MB/s erreichen, was dann allerdings nur den Transfer zwischen zwei angeschlossenen Platten optimieren wird, denn via Gigabit-Ethernet ist ja bei 125 MBit/s Schluss. Mit Netzteil und Gehäuse wird der Odroid N1 etwa 120 Euro kosten. Die Platine kommt demnächst, voraussichtlich Juni/Juli 2018, auf den Markt.

Odroid N1 ab Sommer 2018: Dieser Mini-Rechner übertrifft das bisherige Spitzenmodell XU4 noch einmal in allen Komponenten. Zudem gibt es zwei schnelle SATA-3-Anschlüsse.

Odroid C1+ und C2: Die Raspberry-Konkurrenz

Die größeren C-Varianten verstehen sich als etwas leistungsstärkere Raspberry-Konkurrenten, können aber spätestens jetzt, neben dem eben erschienenen Raspberry 3 B+ kaum noch bestehen. Odroid C1+ hat bei CPU (Quadcore, 1,5 GHz), GPU (Mali 450) und RAM (1 GB) keine überzeugenden Vorteile gegenüber dem Raspberry, und der Wert des Gigabit-Ethernet wird durch die vier USB-2.0-Ports relativiert, die den Durchsatz auf 25 bis 30 MB/s ausbremsen. Die I/O-Leistung ist damit vergleichbar mit dem jüngsten Raspberry (siehe Exkurs unten zum Raspberry Pi 3 B+). In dieser Situation wird man besser zum Original greifen. Der Odroid C2 hat zwar einen moderneren Prozessor (Cortex-A53) und 2 GB RAM, die Einschränkungen bei der I/O-Leistung gelten aber auch hier.
Preis und Ausstattung: Odroid C1+ und C2 kosten 45 und knapp 60 Euro. Diese Preise bei Pollin beinhalten weder Netzteil (5 Euro) noch Gehäuse (7 Euro).

Odroid C1+: Für diese Platine sind die Tage wohl gezählt, nachdem das jüngste Raspberry-Modell 3 B+ leistungstechnisch praktisch gleichzieht.

Odroid C0: Nackte Bastlerplatine

Odroid C0 ist ein extrem reduzierter C1+ und System-kompatibel mit diesem. Anders als der C1+ richtet sich die kleinste C-Variante aber ausschließlich an Elektronikbastler. Abgesehen vom HDMI-Ausgang ist die Platine praktisch unbestückt. Ethernet gibt es nicht, USB-Ports und GPIO-Pins können von Bastlern bei Bedarf manuell nachgerüstet werden. Die 16-Gramm-Platine bietet für circa 35 Euro praktisch nur die CPU (ARM Cortex-A5, Quadcore mit 1.5 GHz), Mali-GPU, HDMI-Port und 1 GB DDR3-RAM.

Odroid C0 nur für Elektronikbastler: Die nackte Platine hat keine Input-Schnittstellen. Schon die Einrichtung eines Systems erfordert vorab den manuellen Einbau etwa eines USB-Ports.

Alle Odroids: WLAN gibt es nur als Extra

Falls Sie bei obigen Beschreibungen den Hinweis auf WLAN vermisst haben: Die Odroid-Platinen haben tatsächlich allesamt keinen Funkchip an Bord. Das ist letztlich konsequent, weil die typischen Serveraufgaben eines XU4 oder HC1 nur mit Ethernet Sinn machen. Wer trotzdem Wifi benötigt, muss dies über einen Wifi-USB-Dongle nachrüsten. Die Hardkernel-eigenen Sticks sind allerdings in Deutschland kaum zu bekommen und müssten direkt aus Südkorea bestellt werden. Jedoch werden die Platinen auch jeden anderen Linux-kompatiblen Wifi-USB-Dongle wie den Edimax EW-7811UN, Asus N10 Nano oder CSL 300 akzeptieren. Der uns zufällig vorliegende Hercules 300 N mini funktionierte ebenfalls auf Anhieb.

Auswahl der Betriebssysteme

Für alle Odroid-Platinen gibt es ordentliche Auswahl an Linux- und Android-Betriebssystemen, die Sie nur herunterladen und mit den üblichen Werkzeugen auf Micro-SD schreiben müssen (Etcher, dd, Win 32 Disk Imager). Der Weg zu den passenden Systemen ist aber nicht optimal organisiert, weil man auf der Hersteller-Hauptseite www.hardkernel.com nicht fündig wird. Anlaufstelle ist vielmehr das Wiki https://wiki.odroid.com, das auch über die Hauptseite erreichbar ist (wenn man weiß, wo man hin muss). Hier finden Sie in der linken Spalte die Platinenmodelle, unter dem einzelnen Modell jeweils den Eintrag „os_images“. Hier erscheinen dann die offiziellen Android- und Linux-Images, ferner inoffizielle „Third party OS images“. Mit den Hardkernel-Images sind Sie auf der sicheren Seite, jedoch lohnt sich unbedingt auch die Durchsicht der inoffiziellen Systeme: Darunter befinden sich interessante Spezialsysteme wie Libreelec, Openmediavault, Volumio, Kali Linux oder Diet Pi.

Betriebssysteme für Odroid-Platinen: Der schnellste Weg zum passenden System führt über das Wiki https://wiki.odroid.com.

Exkurs 1: X86 und ARM – ein CPU-Vergleich am Beispiel Odroid XU4

Die Octacore-CPU des Odroid XU4 mit 2 GHz klingt nach mächtig viel Leistung. Jedoch handelt es sich um zwei Quadcore-ARM-Einheiten, die je nach Anforderung zur schnelleren oder stromsparenderen umschalten. Vor allem aber darf man generell die Taktraten und die Kernzahlen von ARM-Prozessoren nicht annähernd den x86-CPUs von PCs und Notebooks gleichsetzen. Die kleine Tabelle zeigt, dass die Intel Atom-CPU eines 10 Jahre alten Netbooks immer noch knapp vor der ARM-Quadcore-CPU eines Raspberry 3 liegt. Die Platine Odroid XU4 lässt diese Netbook-CPU zwar deutlich hinter sich, kommt aber nicht annähernd an Notebook- und PC-Prozessoren heran. Unser Vergleich wurde mit Sysbench auf der Kommandozeile ausgeführt.

Exkurs 2: Der neue Raspberry Pi 3 B+

Mitte März hat der Raspberry ein Upgrade erhalten. Das Modell Raspberry Pi 3 B+ ist im einschlägigen Elektronikhandel bereits erhältlich, zum üblichen Preis von knapp 40 Euro. Der Takt des Quadcore-Prozessors ist von 1,2 auf 1,4 GHz erhöht. Entscheidender sind aber die Neuerungen beim Funkmodul und beim Ethernet-Port: Der Raspberry funkt nun schneller nach dem aktuellen 802.11ac-Standard und neben dem bisherigen 2,4-GHz auch im 5-GHz-Frequenzbereich. Ebenso bemerkenswert ist der neue Gigabit-Ethernet-Port: Das ist zweifellos die Komponente, die sich Raspberry-Kunden seit Jahren am meisten wünschen. Allerdings handelt es sich um einen Kompromiss, der nicht alle zufriedenstellen wird: Da die Daten vom Ethernet-Anschluss über die USB-2.0-Schnittstelle laufen, ist der Durchsatz von 1000 MBit/s auf die maximalen 320 MBit/s von USB 2.0 gedrosselt. Im Alltag wird der Raspberry mit dieser Konstellation erfahrungsgemäß kaum mehr als 250 MBit/s schaffen, also etwa 30 MB/s. Das ist gegenüber dem bisherigem Fast Ethernet mit 100 MBit/s (etwa 12,5 MB/s) ein signifikanter Schub, aber natürlich nicht das erhoffte Gigabit-LAN. Echtes Gigabit-Ethernet wird es frühestens beim Raspberry 4 geben, der voraussichtlich 2019 erscheinen wird.

Seit März 2018: Raspberry Pi 3 B+ mit gedrosseltem Gigabit-Ethernet und WLAN 802.11ac

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AppImages: Portable Software für Linux

Die traditionelle Paketverwaltung unter Linux hat fundamentale Vorzüge gegenüber dem Software-Wildwuchs à la Windows. Es ist aber andererseits auch unflexibel und wartungsaufwendig. Appimages sind eine willkommene Ergänzung.

Containerformate haben Konjunktur. Sie bieten Distributions-unabhängige Software, umgehen das Problem der Paketabhängigkeiten und erlauben den portablen Einsatz der Software. Gegenüber den technisch aufwendigeren Techniken Snap, Flatpak und Docker haben hier die Appimages einen entscheidenden Vorteil: Auf dem Zielrechner ist keinerlei Werkzeug erforderlich – keine Laufzeitumgebung, kein Paketwerkzeug. Die Images werden einfach heruntergeladen, ausführbar geschaltet und – laufen. Da Appimages keine Sandbox-Isolation (wie Docker & Co.) gegenüber dem übrigen System gewährleisten, wird der Einsatz allerdings zur Vertrauensfrage – ganz ähnlich zu Windows. Wer sich an die vertrauenswürdigen Quellen hält, hat jedoch eine überaus komfortable Technik an der Hand, seine Software-Ausstattung zu ergänzen oder gezielt auf den portablen Einsatz auszurichten.

Das Appimage-Format

Appimages gehen auf das schon 2004 geschaffene Format „klik“ zurück. Über dessen Folgeprojekt „Portable Linux Apps“ erhielt die Weiterentwicklung 2013 die Bezeichnung „Appimage“. Es gilt das Prinzip „1 app = 1 file“. Typischerweise hat diese eine Containerdatei die Endung .appimage oder nur .app. Dies dient nur der Erkennung für den Nutzer, technisch ist die Endung bedeutungslos und kann nach dem Download auch gelöscht werden. Die Containerdatei enthält neben dem eigentlichen Programm alle notwendigen Komponenten und Bibliotheken. Beim Start durch Doppelklick mountet ein Wrapper-Script zur Laufzeit alle Komponenten in das Dateisystem und lädt dann das eigentliche Programm. Typischerweise erscheint die Software in Taskmanagern dann zweimal – eine Instanz für das eigentliche Programm, die zweite für den Start-Wrapper. Der gesamte Ladevorgang ist komplexer als bei einer nativ installierten Software, was sich aber auf modernen Rechnern allenfalls messbar, aber nicht spürbar auswirkt. Der autarke Container benötigt kein besonderes Ausgangverzeichnis, sondern ist an beliebiger Stelle, auch auf externen USB-Medien lauffähig.

Appimages in der Praxis

Die wichtigsten und vertrauenswürdigen Quellen für Appimages sind folgende: https://github.com/AppImage/AppImageKit/wiki/AppImages: Diese Liste wurde zwar inzwischen durch https://appimage.github.io/apps/ ersetzt, ist aber einfacher und übersichtlicher als sein Nachfolger. Hier finden Sie namhafte Software wie Avidemux, Etcher, Gimp, Kdenlive, Krita, Openshot, Qupzilla, Scribus oder Xnview. Zum Download führt jeweils der Link „Releases“ neben dem Produktnamen und nachfolgend der Download-Link mit der Extension „.AppImage“ im Dateinamen.
https://bintray.com/probono/AppImages/ ist eine weitere große Fundgrube für Appimages unter anderem mit relativ aktuellen Browsern (Firefox, Chromium, Vivaldi) und viel Software-Prominenz wie Calibre, Clementine, Fritzing, Geany, Inkscape, Nightingale, Thunderbird, VLC, Wireshark. Nutzen Sie hier bei der jeweiligen Software den Link „Files“ und dort das Download-Angebot mit der Endung „.AppImage“. Hier lohnt es sich ferner, auf den Zeithinweis „Updated“ zu achten, um das möglichst aktuelle Image auszuwählen.
Ergänzend kann das kleinere Angebot auf https://www.linux-appimages.org/ besucht werden. Es führt aber aktuell nur in Einzelfällen über den Umfang der beiden bereits genannten Quellen hinaus.
Nach dem Download sollten Sie bei aller Portabilität des Pakets dieses in ein Verzeichnis verschieben, wo es dann voraussichtlich verbleiben wird. Das dient erstens der Ordnung und ist zweitens sogar notwendig, wenn Sie die spätere Option zur Systemintegration wahrnehmen wollen (siehe unten). Danach schalten Sie die Imagedatei ausführbar, entweder mit

chmod +x [name]

im Terminal oder über „Eigenschaften -> Zugriffsrechte“ im Dateimanager. Ab sofort ist die Software einsatzbereit. Beim ersten Start erscheint häufig die Abfrage „Would you like to integrate…“. Wenn Sie mit „Yes“ zustimmen, schreibt das Programm unter /usr/share/app-install/desktop seine .desktop-Datei. Dies führt dazu, dass es künftig im Startmenü oder Such-Dash des Systems auftaucht, außerdem im „Öffnen mit“-Dialog des Dateimanager, was die Verknüpfung mit Dateitypen erlaubt. Kurz: Das portable Programm ist damit praktisch wie eine echt installierte Software in das System integriert.
Beachten Sie ferner, dass die Image-Software selbst zwar „readonly“ ist, aber durchaus anpassungsfähig, da sie die Einstellungen im Home-Verzeichnis des Benutzers unter ~/.config/[Software], zum Teil auch direkt unter ~/.[Software] speichert. Das gewährleistet eine weitestgehend normale Nutzung. Ein Chromium-Appimage kann also durchaus Designs integrieren, eine Software wie Openshot kann wie gewohnt individuell eingerichtet werden.
Die „De-Installation“ ist natürlich ebenso einfach: Es genügt, die Appimage-Datei auf Dateiebene manuell zu löschen, gegebenenfalls auch noch den Konfigurationsordner unter ~/.config.
Da Appimages nicht update-fähig sind, sind sicherheitskritische Programme wie Browser und Mail nicht unbedingt erste Kandidaten. Einschlägig sind hingegen Tools wie Avidemux, Etcher, Krita, Openshot, Xnview, die man immer wieder mal und eventuell auf verschiedenen Linux-Systemen benötigt.

Theoretisch sind Appimages Update-fähig: Auf https://github.com/AppImage/AppImageUpdate/releases gibt es das Tool „AppImageUpdate“ – bei Redaktionsschluss AppImageUpdate-233-628bef8-x86_64.AppImage. Das Tool ist noch Beta und seinerseits ein Appimage. Nach dem Aufruf navigiert man im Dialog „Please choose an AppImage for updating“ zum fraglichen Appimage. Nach Doppelklick sucht das Tool nach Versions- und URL- Informationen im Image. Gibt es eine aktuellere Version, dann verbindet sich das Update-Tool mit der Seite des Entwicklers und lädt diese Version. Dabei sorgt eine Delta-Analyse für minimalen Download-Aufwand. Die ältere Version bleibt bestehen, kann aber natürlich gelöscht werden, wenn die neue Version problemlos läuft. Eine noch bequemere Integration in die Systemshell, die für Appimages ein Kontextmenü „Update“ anzeigt, ist noch nicht in allen Distributionen umgesetzt.

Unterm Strich ist AppImageUpdate eine sehr vielversprechende Technik, portable Linux-Programme aktuell zu halten. Leider haben viele Appimage-Entwickler die Update-Technik noch nicht auf dem Radar. Fehlen die nötigen Infos im Container, dann zeigt AppImageUpdate eine Fehlermeldung und den Rat, man solle den Entwickler informieren.

Appimages: Vorteile und Nachteile

+ universelles, Distributions-unabhängiges Format: Appimages laufen auf den allermeisten Linux-Distributionen

+ keine Installation, keine Paketabhängigkeiten

+ keine root-Rechte erforderlich, da keine Systemdateien berührt werden

+ eine Software = eine einzige Datei: läuft portabel aus jedem Ordner – auch von USB oder DVD

+ Appimages erlauben die Verwendung verschiedener Versionen nebeneinander

+ simple „De-Installation“ durch Löschen der Appimage-Datei

+ individuelle Einstellungen durch Konfigurationsdateien unter ~/.config/[Software] oder ~/.[Software]

+ optionale Systemintegration (Menü, „Öffnen mit“-Dialog) durch .desktop-Datei

– Appimages sind readonly. Für Updates ist eine besondere Technik erforderlich (siehe oben das Tool „AppImageUpdate“).

– Appimage bieten keine Sandbox-Isolation

– Appimages stammen ohne Drittkontrolle direkt vom Software-Entwickler

Der Clementine-Player ist nur als Appimage präsent, aber dennoch über die Gnome-Suche erreichbar. Dafür sorgt die beim Erststart erstellte .desktop-Datei.

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Linux-Hürden für Umsteiger

Linux ist anders als Windows. Wer bisherigen Windows-Nutzern allein mit der Wahl des richtigen Linux ein Quasi-Windows verspricht, unterschlägt strategische und technische Hürden. Das Wichtigste bespricht dieser Beitrag.

Aufmacher_WinLin

Da es hier um Linux für Windows-Umsteiger geht, geht es logischerweise um Desktopsysteme für PCs und Notebooks. Die großartigen Möglichkeiten, die Linux (und zwar nur Linux) auf kleinen Servern eröffnet, bleiben komplett außen vor. Klipp und klar: Linux kann Windows auf dem Desktop ersetzen – aber nicht überall und nicht immer ohne Hindernisse.

1. Die Vielfalt der Distributionen

Für Windows-Umsteiger ist der artenreiche Linux-Zoo undurchsichtig: Es gibt eine dreistellige Anzahl von Linux-Varianten (http://distrowatch.com). Empfehlungen mit dem Motto „Das beste Linux für Windows-Umsteiger“ sind nicht verkehrt, aber zu relativieren. Solche Aussagen insinuieren, dass die Wahl des richtigen Systems alle Umstiegsprobleme aus dem Weg räumte. Richtig ist, dass manche Distributionen für Einsteiger überhaupt nicht in Betracht kommen, weil Installation, Konfiguration, Oberfläche oder alles zusammen unzumutbare Anforderungen stellen würden. Richtig ist ferner, dass Windows-Umsteiger sich nicht auf Linux-Exoten einlassen sollten: Die Nachhaltigkeit solcher Projekte ist ungewiss, und eine heute hochgelobte Neuerscheinung kann zwei Jahre später eingestellt sein.

Dieser Artikel ist keine Distributionsberatung. Wir begnügen uns hier mit der pauschalen Empfehlung für Debian/Ubuntu-basierte Distributionen (Debian, Ubuntu, Kubuntu, Ubuntu Mate, Xubuntu, Lubuntu, Linux Mint). Diese garantieren Nachhaltigkeit und lange Supportzeiträume. Der Installer aller Ubuntu-Varianten inklusive Linux Mint ist das Komfortabelste, was unter Linux anzutreffen ist, und auch der Debian-Installer ist Einsteiger-tauglich. Unter den Bedienkonzepten dieser Systeme kommt Linux Mint mit dem Cinnamon-Desktop den Gewohnheiten eines Windows-Nutzers am meisten entgegen. Die Ubuntu-Spielarten Ubuntu und Kubuntu erfordern mehr Gewöhnung, sind aber wie Ubuntu Mate, Xubuntu und Lubuntu schnell „habituiert“.

Ubuntu mit Gnome: Der innovative Desktop ist auf einfache Bedienung mit Windows-Taste und wenigen Mausklicks ausgelegt. Beste konservative Alternative ist Linux Mint mit Cinnamon.
2. Die Vielfalt der Desktop-Oberflächen

Punkt 1 hat es schon angesprochen: Zur Vielzahl der Linux-Distributionen kommt eine weitere, für Windows-Nutzer verwirrende Diversifizierung: Populäre Systeme wie Debian, Ubuntu und Linux Mint bieten für denselben Systemunterbau mehrere Desktop-Umgebungen an (Oberflächen), und die Wahl der Oberfläche ist mehr als nur eine Geschmacksfrage: Sie bestimmt maßgeblich die Konfigurierbarkeit und Anpassungsfähigkeit des Systems, die mitgelieferte Standardsoftware und den Ressourcenverbrauch.

Die wichtigsten Desktops sind die Schwergewichte KDE und Gnome 3 sowie die Leichtgewichte XFCE und LXDE (ideal für ältere Rechner). Cinnamon, Standardoberfläche von Linux Mint, und Mate sind wichtige Abspaltungen der älteren Gnome-2-Basis und führen dessen klassisches Bedienkonzept mit Systemleisten und Hauptmenü fort. Mate und Cinnamon, ebenso die sparsamen Oberflächen XFCE und LXDE für schwächere Hardware sind für Umsteiger leicht nachvollziehbar. KDE ist extrem anpassungsfreudig, aber auch relativ komplex, während Gnome 3 mit gewissen Parallelen zu Windows 10 ungewöhnlich, aber klar und simpel ausfällt. Es gibt neben den genannten eine Reihe weiterer Linux-Oberflächen mit exotischem Charme oder verblüffender Anspruchslosigkeit. Windows-Nutzer sollten davon besser Abstand halten.

Beachten Sie, dass einige Ubuntu-Distributionsnamen den benutzten Desktop anzeigen: Der Name „Kubuntu“ ist zu lesen als „Ubuntu mit KDE“, während Xubuntu“ und „Lubuntu“ als „Ubuntu mit XFCE bzw. LXDE“ aufzulösen ist. Das „Ubuntu“ ohne Zusatz meint die Hauptvariante mit Gnome-Desktop.

Sparsame Desktops: Distributionen mit XFCE und LXDE (im Bild Mint mit XFCE) laufen auch auf älterer Hardware mit wenig Speicher. Die Optik ist konservativ, aber nicht spartanisch.
3. Das Kriterium „Homogenität“

Windows ist Windows, und alles, was das System mitbringt, trägt die Microsoft-Handschrift. Linux ist der Systemkern – der Rest jedoch ist modular. Für Umsteiger ist es ein oft unterschätztes Problem, dass Oberfläche, Systemzubehör, Software nicht aus einer Hand sind. Der Nutzer muss mit unterschiedlicher Fehlertoleranz und Qualität rechnen: Die eine Komponente ist einsteigerfreundlich und warnt vor Fehlgriffen, die nächste erwartet hingegen einen Benutzer, der genau weiß, was er tut.

Wer als Umsteiger solches Gefälle vermeiden will, nimmt am besten ein Ubuntu oder Linux Mint und nutzt für die Systemverwaltung ausschließlich die Systemwerkzeuge, welche die Distribution mitbringt. Die vorinstallierten Systemtools populärer Distributionen sind hinsichtlich Zielgruppe und Qualität homogen und ausgereift.

Win 32 Disk Imager für 1:1-Kopien von ISO-Abbildern: Das Hilfsprogramm ist das technische Windows-Äquivalent des Linux-Tools dd. Wichtig ist die genaue Kontrolle des Ziellaufwerks.
4. Handarbeit mit ISO-Abbildern

Suche und Download einer Distribution sind kein Abenteuer, da eine Websuche nach einem populären System wie etwa „Kubuntu“ mühelos zur Projektseite und von dort zum ISO-Download führt. Das ISO-Abbild muss dann aber bootfähig auf DVD oder USB kopiert werden. Diese für Linux-User vertraute Prozedur ist für Windows-Nutzer keineswegs selbstverständlich.

Das einschlägige Windows-Werkzeug, um ISO-Abbilder auf CDs (ISO bis 700 MB) oder DVDs (ISO größer als 700 MB) zu brennen, ist das Tool Imgburn (auf Heft-DVD, Download unter http://imgburn.com). Wählen Sie hier die Option „Imagedatei auf Disc schreiben“. Der wichtigste Punkt des Folgedialogs ist links oben „Quelle“ mit dem kleinen Ordnersymbol, über das Sie dann zur ISO-Quelldatei navigieren. Bei eingelegtem Rohling wird dann die bunte Schaltfläche links unten aktiv, mit der Sie den Schreibvorgang auslösen.

Das beste Werkzeug, um unter Windows ISO-Abbilder auf USB oder SD-Karten zu kopieren, ist der Win 32 Disk Imager (auf Heft-DVD, Download unter http://sourceforge.net/projects/win32diskimager). Hier genügt es, die Quelldatei („Image File“) und das Zielgerät („Device“) anzugeben. Die Schaltfläche „Write“ startet den Kopiervorgang. Der Win 32 Disk Imager schreibt eine bitgenaue Rohkopie auf das Zielgerät und wird nur dann ein bootfähiges Medium erstellen, wenn das ISO-Abbild eine Bootumgebung enthält. Dies ist aber bei allen uns bekannten Abbildern der Fall.

Eine Alternative, um unter Windows ISO-Abbilder auf USB oder SD-Karten zu kopieren, ist Unetbootin (auf Heft-DVD, Download unter http://unetbootin.sourceforge.net). Hier wählen Sie im Dialog unten die Option „Abbild“ und navigieren mit der Schaltfläche „…“ zur gewünschten Datei. Nach Klick auf „Öffnen“ erscheint der komplette Pfadname im Eingabefeld. Danach wählen Sie neben „Typ“ die Option „USB-Laufwerk“, und neben „Laufwerk“ geben Sie den Laufwerksbuchstaben des USB-Sticks an. „OK“ startet den Kopiervorgang. Anders als der Win 32 Disk Imager schreibt Unetbootin seine eigene Bootumgebung auf das Zielmedium. Das Medium wird somit auch bootfähig, wenn das ISO-Abbild keine Bootumgebung beinhaltet. Andererseits funktioniert diese Bootumgebung aber nur für Ubuntu-basierte Distributionen.

5. Livesystem und Installationsmedium

Windows-Nutzer kennen eine Setup-DVD zur Systeminstallation, aber keine Livesysteme. Die ISO-Abbilder aller populären Linux-Desktop-Distributionen sind aber beides – Livesystem inklusive Installer. Das ist ein großzügiger Service, weil er das Ausprobieren eines Systems erlaubt und die tatsächliche Installation direkt aus dem laufenden Livesystem. Die weitreichenden Möglichkeiten, die ein Livesystem bietet, sind aber auch Anlass zu Missverständnissen: Ist ein ISO-Livesystem, das auf ein beschreibbares Medium (USB) kopiert wird, nicht genau dasselbe wie ein auf USB installiertes Linux? Nein! Livesysteme bleiben auch auf einem beschreibbaren Laufwerk unveränderlich, alle Änderungen gehen beim nächsten Shutdown wieder verloren. Wer Linux auf USB installieren will, muss die Installation genauso durchlaufen wie bei der Einrichtung auf interner Festplatte.

6. Hürden bei der Installation

Ein Linux-Setup fordert mehr Angaben als ein Windows-Setup, das im Kern nur die Zielpartition (sofern eine Auswahl besteht) und den Erstbenutzer abfragt. Erste Ursache dafür ist, dass Linux kein kommerzielles Lizenzmodell und keine Bindung an die Hardware kennt, daher beliebig oft und auch auf USB-Datenträger installiert werden kann. Ein zweiter Grund ist die Tatsache, dass der Bootloader auf einem beliebigen Datenträger gespeichert werden kann. Diese großzügigen Möglichkeiten sind komplexer als bei Windows und äußern sich notgedrungen auch in technischer Weise. Wenn die Partitionierung im Linux-Installer manuell erfolgt, gibt es eine weitere technische Hürde: Die meisten Distributionen wollen für die Speicherauslagerung eine extra Swap-Partition.

Ohne auf die unterschiedlichen Installer einzeln einzugehen, unter denen der Ubuntu/Mint-Installer „Ubiquity“ Komfortmaßstäbe setzt, gelten überall folgende Prinzipien:

  1. Linux benötigt wie Windows nicht unbedingt eine komplette Festplatte, aber eine eigene Partition. Verfügbare Partitionen wird der Installer in der Form „/dev/sd[x][n]“ anzeigen – etwa „/dev/sda1“. Es muss absolute Sicherheit herrschen, hier das richtige Laufwerk „[x]“ und die richtige Partition „[n]“ anzugeben, weil diese Partition komplett überschrieben wird. Wichtigste Orientierung bieten die Größenangaben für die Partitionen. Weitere Abfragen für eine Linux-Systempartition gelten dem Dateisystem („ext4“ empfohlen) und dem Einhängepunkt („/“ für das Wurzelverzeichnis).
  2. Für den Bootloader ist im Normalfall „/dev/sda“ vorgegeben. Das ist die erste interne Festplatte, so wie es auch Windows automatisch festlegt, und das ist in Ordnung, wenn Sie Linux auf eine interne Festplatte installieren. Bei Installation auf USB-Laufwerke müssen Sie hingegen als Bootloader-Ziel das Laufwerk angeben, wohin Sie auch das System installieren: Ist die Systempartition etwa „/dev/sdc1“, dann gehört der Bootloader auf das Gerät „/dev/sdc“. Wird dies übersehen, ist der USB-Stick nicht bootfähig.
  3. Je nach Installer kann das Einrichten der zusätzlichen Swap-Partition lästig bis unrealisierbar sein, da nicht jeder Installer ein Partitionierungswerkzeug anbietet. Einfachste Lösung ist es, auf die Swap-Partition zu verzichten. Jedoch lässt sich eine Festplatte auch vorab mit Gparted unter Linux oder mit der Windows-Datenträgerverwaltung so aufteilen, dass eine große Partition für das System und eine kleine (etwa 8 GB) für die Auslagerung entsteht. Die richtigen Dateisysteme – „ext4“ für das System, „swap“ für die Auslagerung kann dann später der Linux-Installer einrichten.

Bei Verwendung des Ubuntu-Installers werden Sie mit diesen technischen Fragen nur belästigt, wenn Sie unter „Installationsart“ die manuelle Einrichtung „Etwas Anderes“ wählen (etwa für ein Setup auf USB). Bei anderen Optionen  – Installation auf primäre Festplatte oder Dualboot neben Windows – übernimmt das Setup alles automatisch.

Ubuntu-Installer: Bei USB-Installationen müssen Sie Partitionen und Bootloader manuell einrichten (hier auf /dev/sdc). Die Einrichtung auf interne Festplatten verläuft vollautomatisch, sofern die vom Installer analysierte Situation zutrifft.
7. Unter Linux funktioniert nicht jede Hardware

Nicht jeder Hersteller hält es für nötig, Linux-Treiber für seine Hardware zu entwickeln. Resultat ist, dass dann dieses Gerät unter Linux schlicht nicht funktioniert. Kernkomponenten wie Sata, Ethernet, Grafikarte, Monitor, Maus, Tastatur sind nicht betroffen, wohl aber USB-Drucker, Scanner, WLAN-Adapter, TV-Sticks insbesondere von Billiganbietern. Die Chancen, anhand exakter Gerätekennungen und Chip-Revisionen doch noch Abhilfe im Web zu finden, sind begrenzt und gegebenenfalls für Umsteiger zu knifflig.

Keine Abhilfe, aber präventive Problemerkennung bieten die Livesysteme der Linux-Distributionen. Alles, was im Livesystem problemlos funktioniert, wird im selben System auch nach Installation auf Festplatte funktionieren. Ein Sonderfall sind brandneue Rechner mit aktuellsten Prozessoren: Hier ist es wichtig, ein Linux mit möglichst aktuellem Kernel zu verwenden, der den neuesten CPU-Entwicklungen bereits Rechnung trägt. Am Beispiel Ubuntu wäre in solchen Fällen die jüngste Version 17.10 (Kernel 4.13) der Langzeitversion 16.04.3 (Kernel 4.10) vorzuziehen.

8. Energiesparfunktionen unter Linux

Windows-Umsteiger müssen damit rechnen, dass sich der Akku desselben Notebooks unter Linux schneller entleert als unter Windows. Standardmäßig bietet Linux (Ubuntu: „Systemeinstellungen -> Leistung“, Mint: „Energieverwaltung“) fundamentale Stromspartechniken mit Timeouts für Bildschirm und Bereitschaftsmodus, jedoch bietet Windows hier in enger Absprache mit den Hardware-Herstellern filigranere Regeln. Immerhin ist eine Näherung an Windows-Verhältnisse mit spezialisierten Tools zu erreichen, die der Beitrag ab Seite [[502]] in diesem Heft erklärt.

Fundamentale Stromsparfunktionen: Die Akkulaufzeiten von Notebooks sind unter Linux kürzer. Die Basiseinstellungen des Systems können aber durch externe Tools ergänzt werden.
9. Fehlende Software und Spiele

Anpassungsfähige Windows-Umsteiger werden unter Linux für jedes Einsatzgebiet geeignete Software vorfinden. Wenn es aber statt Gimp oder Libre Office ganz bestimmte Microsoft- oder Adobe-Software sein muss, kann Linux nicht dienen. Wer aus beruflichen Gründen uneingeschränkte Kompatibilität mit Excel, Word, Indesign oder Photoshop benötigt, wird mit Linux mittelfristig nicht froh: Der durchaus realisierbare Austausch der Formate erfordert immer wieder lästige Korrekturen am Detail.

Auch die Erfolge, die das Projekt Wine mit dem Nachbau der Windows-API vorweisen kann (https://appdb.winehq.org/), fallen qualitativ sehr unterschiedlich aus: Dass hier genau die benötigte Version einer Windows-Software einen störungsfreien „Platinum“- oder „Gold“-Status erreicht, bleibt ein Glücksfall. Ferner bedeutet die Benutzung von Wine eine weitere Hürde: Die Einrichtung ist einfach, der produktive Umgang damit aber keineswegs trivial.

PC-Spiele? Trotz Anbindung an die Spielplattform Steam ist Linux in Konkurrenz zu Windows keine Gaming-Plattform. Das Angebot bleibt gegenüber Windows reduziert, und leistungstechnisch kann selbst das dedizierte Gaming-Linux Steam OS (http://store.steampowered.com/steamos/) ein Windows nicht schlagen.

10. Die Installation von Software (Paketmanagement)

Der Bezug von Software bedeutet für Umsteiger eine große Umstellung. Linux bezieht seine Software aus den Paketquellen der jeweiligen Linux-Distribution. Die Softwarepakete sind signiert und garantiert virenfrei – ein unschätzbarer Vorteil gegenüber Windows. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, ein komplettes System einschließlich Software mit einem einzigen Befehl zu aktualisieren (sudo apt dist-upgrade).

Auf der anderen Seite sehen Windows-Nutzer, die es gewöhnt sind, sich aus dem gesamten Web zu bedienen, auch Nachteile: Was die Distributions-Paketquellen bereitstellen, ist hinsichtlich Umfang und Aktualität begrenzt. Die Debian/Ubuntu-Repositories sind quantitativ zwar sehr gut gefüllt, doch stagnieren hier oft die Programmversionen während des Lebenszyklus einer Distribution. Wer nicht selbst den Quellcode kompilieren will, bleibt oft auf ältere Versionen beschränkt.

Dieses strikte Software-Deployment ist allerdings längst aufgeweicht. Programmentwickler können ihre Software auf einem PPA (Personal Package Archive) anbieten. Wenn der Anwender solche PPAs etwa mit apt-add-repository ppa:libreoffice/ppa (Beispiel für Libre Office) in seine Standardpaketquellen aufnimmt, kann er das Software-Angebot erweitern oder aktueller halten.

Zusätzlich zu den PPAs kommen zunehmend Programme in Container-Paketen in Mode (Snap, Flatpak, Appimage). Solche Pakete bringen alle benötigten Systembibliotheken mit und sind somit Distributions-unabhängig, ohne Installation lauffähig und portabel.

Jenseits der offiziellen Software-Quellen: PPAs (Personal Package Archives) für Ubuntu und Mint erweitern oder aktualisieren den Software-Bestand der Distributionspaketquellen.
11. Software-Verwaltung: Grafische Tools oder Terminal

Der Komplex der Paketverwaltung unter Ubuntu (und ähnlich Linux Mint) ist für Umsteiger gewöhnungsbedürftig, da er sich auf drei grafische Werkzeuge aufteilt. Was Ubuntu als Softwarequellen nutzt, ist unter „Systemeinstellungen -> Anwendungen & Aktualisierungen“ einstellbar. Aktives Aktualisieren findet aber nicht in diesem Tool statt, sondern in der „Aktualisierungsverwaltung“. Für Neu- oder De-Installationen ist wiederum das Tool „Ubuntu Software“ zuständig, das allerdings nur einen Bruchteil der etwa 40000 Pakete der Ubuntu-Repositories anbietet.

Umsteiger, die mit der Kommandozeile nicht gänzlich auf Kriegsfuß stehen, sind mit apt-Befehlen im Terminal oft besser beraten, wo sich alles zentral an einem Ort erledigen lässt. Eine Handvoll Kommandos genügt für fundamentale Aufgaben (weitere Optionen zeigt der Kasten „Software, Updates, Upgrades“). Der Befehl

sudo  apt  install  vlc

installiert eine Software, dessen Paketnamen Sie kennen (im Beispiel der VLC-Player). Wenn Sie einen Paketnamen nicht kennen, hilft apt-cache, das auch nach Beschreibungen filtern kann:

apt-cache search  dateimanager

Für das Deinstallieren genügt ein remove-Kommando:

sudo apt remove vlc

Achtung: Das De-Installieren von Programmen ist unter Linux vollständiger als vom Windows-Nutzer gewohnt. Wenn Sie im jeweiligen Software-Center oder im Terminal mit sudo apt remove […] ein Programmpaket entfernen, berücksichtigt Linux alle verzeichneten abhängigen Pakete. Im Extremfall kann eine kleine Desktop-Komponente, die aber integraler Teil der grafischen Oberfläche ist, den kompletten Desktop de-installieren. Dies geschieht aber nach Anzeige der entsprechenden Paketliste und einer Rückfrage. Wenn der Löschauftrag eine Liste von abhängigen Paketen meldet, sollten Sie den Auftrag abbrechen.

Vorsicht mit abhängigen Paketen beim De-Installieren: Das Beispiel zeigt Libre Office Draw, das sich nicht deinstallieren lässt, ohne das komplette Office-Paket mitzuziehen.
12. Updates und Upgrades

Windows hat seinen monatlichen Patchday, an dem es optional auch Microsoft-Anwendungssoftware aktualisiert (Office). Die komplette restliche Software benötigt allerdings ihre je eigenen Updates. Bei Linux genügt hingegen ein Befehl (sudo apt dist-upgrade) oder ein Klick auf die automatisch erscheinende Meldung der „Aktualisierungsverwaltung“ für ein Komplett-Update inklusive Software.

Heikler als Updates sind Upgrades. Bei Ubuntu sind Upgrades auf die jeweils nächste Version vorgesehen. Sie können also von 17.04. auf 17.10 wechseln oder demnächst von der LTS-Version 16.04 auf 18.04 LTS. Sobald ein Upgrade verfügbar ist, meldet sich die Aktualisierungsverwaltung automatisch. Sie müssen dann nur auf „System aktualisieren“ klicken und den weiteren Anweisungen folgen. Wenn Sie das Angebot aus Zeitmangel zunächst ablehnen, können Sie die Option später über die „Aktualisierungsverwaltung“ nachholen.

Der Terminalbefehl für ein Upgrade lautet

sudo do-release-upgrade

und sollte durch eine normale Systemaktualisierung mit

sudo apt update
sudo apt dist-upgrade

vorbereitet werden.

Linux Mint zeigt in der „Aktualisierungsverwaltung“ im Menü „Bearbeiten“ die Option „System aktualisieren auf Linux Mint xx.x“, sobald ein jüngere Version erhältlich ist. Bevor man das tut, ist es ratsam, das System erst auf den neuesten Stand zu bringen (wie bei Ubuntu).

Sollte ein Upgrade wegen eines Abhängigkeitsfehlers abbrechen, nutzen Sie diese beiden Befehle:

sudo apt -f install
sudo apt dist-upgrade

Achtung: System-Upgrades sind ein langwieriger und kritischer Vorgang. Viele Distributionen bieten das Upgrade daher gar nicht erst an. Ubuntu und Linux Mint haben den Vorgang aber nach unserer Erfahrung gut im Griff. Ärgerlich sind Upgrade-Angebote, die überwiegend scheitern und am Ende doch eine Neuinstallation erfordern (wie etwa beim NAS-System OMV).

Exkurs: Software – Updates – Upgrades

Aus Gründen, die der Haupttext darlegt, ist der Komplex der Paketverwaltung im Terminal am besten aufgehoben. Das Tool apt (Advanced Package Tool) ist das Terminal-Werkzeug unter Debian/Ubuntu/Mint für alle Aufgaben der Paketverwaltung (Software-Quellen, Aktualisierung, Neu- und De-Installation). Alle Befehle außer apt-cache search benötigen root-Recht (vorangestelltes sudo):

apt update
Software-Paketquellen aktualisieren (fundamental)

apt upgrade [Paket]
komplettes System [oder bestimmte Software] aktualisieren

apt full-upgrade 
komplette Aktualisierung des Systems (inkl. Löschen alter Pakete)

apt install [Paket]
Programm installieren

apt remove [Paket]
Programm deinstallieren

apt purge [Paket] 
Programm komplett löschen

apt autoremove
nach Deinstallationen überflüssige gewordene Pakete löschen

apt-add-repository [Quelle]
externe Software-Paketquelle erlauben

apt-cache search [Name]
sucht nach Paketnamen und Beschreibungen

do-release-upgrade
Upgrade auf nächsthöhere Version

13. „sudo“ und Administratorrechte

Die Verhältnisse zwischen Standard- und Administrator/root-Konto sind unter Linux und Windows ähnlich, aber der bedarfsweise Wechsel von eingeschränkten Benutzerrechten zu uneingeschränkten root-Rechten folgt anderen Regeln. Möglich ist dieser Wechsel bei Windows wie Linux nur Systemkonten, die zur Gruppe der Administratoren gehören. Während Windows nur einen „Ja“-Klick auf die Abfrage der „Benutzerkontensteuerung“ verlangt, fordert Linux die Eingabe des Benutzerkennworts. Diese Abfrage an der grafischen Oberfläche erscheint bei allen systemnahen Aktionen (Installation, Paketquellen, Benutzerkonten, Aktualisierungsverwaltung). Im Terminal kann dem eigentlichen Befehl sudo vorangestellt werden, um dem Befehl root-Recht zu verleihen. Auch hier fordert Linux die Eingabe des Benutzerkennworts.

Die Erlaubnis, mit sudo den Rechtekontext zu wechseln, erhält normalerweise jedes Benutzerkonto vom Typ „Administrator“ automatisch. Es ist aber darüber hinaus möglich, sudo-Erlaubnis über die Konfigurationsdatei „/etc/sudoers“ manuell und individuell einzurichten.

Im grafischen Dateimanager sind alle Schreibaktionen wie „Ordner anlegen“ oder „Löschen“ inaktiv, wenn man sich jenseits von /home, /tmp oder /media aufhält. Jedoch bieten Desktopsysteme wie Ubuntu und Mint das Kontextmenü „Als Systemverwalter öffnen“, um im Dateimanager uneingeschränkt mit root-Recht zu arbeiten. Wenn ein Dateimanager diese Option nicht selbst anbietet, können Sie ihn im Terminal mit vorangestellten sudo starten – also etwa sudo nautilus, um root-Recht zu erzwingen.

Kontextmenü für Administrator-Recht: Die Dateimanager von Ubuntu und Mint machen es einfach, Ordner oder Dateien zu bearbeiten, die den Wechsel zu root-Rechten erfordern.
14. Die lokalen Dateirechte

Das Thema Dateibesitz und Dateirechte ist unter Windows wie Linux kompliziert und Ursache für manche Zugriffsprobleme, zumal auch Netzfreigaben für einen User „xyz“ mindestens auch lokale Leserechte für „xyz“ voraussetzen. Linux-Einsteiger können nichts Klügeres machen, als manuelle Rechteänderungen möglichst zu vermeiden. Dabei helfen Ubuntu-Systeme inklusive Linux Mint mit Dateimanagern, die lokale Datenträger und Netzwerklaufwerke automatisch (Automount) so ins Dateisystem mounten, dass keine Rechtekonflikte entstehen. Die typische Nutzung von Netzressourcen über „Netzwerk durchsuchen“, Klick auf den gewünschten Server und dessen Freigabe, lädt die Netzfreigabe automatisch in einen Mountpunkt, der keine lokalen root-Rechte benötigt. Im Hintergrund arbeitet bei allen Gnome-affinen Desktops das Tool gvfs-mount, das auch im Terminal benutzt werden kann und stets in den Pfad „/run/user/[user-id]/gvfs/“ mountet. Dieses Automount geht Rechteproblemen aus dem Weg und hat nur den Nachteil, dass es nicht dauerhaft gilt: Es muss einmal in der laufenden Linux-Sitzung geschehen und gilt bis zur Abmeldung.

Bei typischen Zugriffsproblemen, wo statt dem normalen User nur root die nötigen Dateirechte besitzt, ist daher die richtige Antwort eine andere Mount-Methode – und nicht das rekursive Ändern massenhafter Dateirechte. Dennoch ist das im Notfall natürlich möglich. Dateimanager eignen sich über „Eigenschaften -> Zugriffsrechte“ nur für einzelne Ordner und Dateien. Der Terminalbefehl chown („change ownership“) ändert den Besitzer und arbeitet sich mit Schalter „-R“ auch rekursiv durch ganze Ordnerebenen:

sudo chown -R [Benutzer] [Pfad]

Zum Ändern der Rechte dient der Befehl chmod – mit leider zwei Beschränkungen. Er arbeitet nicht rekursiv, was sich mit Hilfe des find-Befehls kompensieren lässt. Chmod unterscheidet aber auch nicht zwischen Dateien und Ordnern. Wenn man Dateien und Ordnern dieselben Zugriffsrechte zuteilt, führt das zu dem Dilemma, dass sich entweder Ordner nicht öffnen lassen oder Dateien allesamt das „Ausführen“-Recht erhalten. Beides wäre fehlerhaft. Daher sind zwei Befehle notwendig:

find . -type f -exec chmod 664 {} \;
find . -type d -exec chmod 775 {} \;

„type f“ bearbeitet nur Dateien, „type d“ nur Ordner. Die Beispielbefehle würden ab dem aktuellen Verzeichnis (Punkt „.“) alle Unterordner verarbeiten.

Eine Rechteänderung, die jeder Linux-Nutzer kennen muss, betrifft das „Ausführen“-Bit von Scripts, das sich über „Eigenschaften -> Zugriffsrechte“ oder mit

chmod +x [Dateiname]

setzen lässt. Ohne dieses Bit gelten Scripts als Textdatei und werden nur angezeigt statt ausgeführt.

Ausführen-Bit setzen: Scripts werden erst ausführbar, wenn das Execute-Bit gesetzt ist. Das erledigt der Dateimanager oder auch chmod +x [name] im Terminal.
15. Automount von Netzwerk-Ressourcen

Beim erstmaligen Mounten von Samba-Freigaben im Dateimanager (siehe Punkt 14) muss sich der zugreifende Benutzer ausweisen und Samba-Kontonamen und -Kennwort eingeben. Diese Zugangsdaten können auf Wunsch dauerhaft hinterlegt werden („Nie vergessen“). Zusätzlich – und für Windows-Umsteiger ungewohnt – wird hier die „Domäne“ abgefragt. Im lokalen Netzwerk verwenden Sie hier wahlweise den Rechnernamen des Servers wie „raspberry“ oder „fritz-nas“ oder die Arbeitsgruppe, typischerweise „workgroup“, sofern keine explizit angelegt wurde.

Eine weitere Hürde für Windows-Nutzer ist der relativ abgelegene Automount-Pfad von Netzwerkfreigaben unter „/run/user/[…]/gvfs/“. Im Dateimanager, wo eingehängte Ressourcen unter „Geräte“ mit einem Klick erreichbar sind, spielt dieser Mountpunkt keine Rolle, bei der Nutzung anderer Programme oder des Terminals hingegen schon. Wird nun versucht, mit einem manuellen mount-Befehl ein Netzlaufwerk in einen angenehmeren User-Pfad einzubinden, dann stellt sich das Problem, dass der mount-Befehl root-Rechte erfordert, was dann unweigerlich zu Rechteproblemen im Mount-Ordner führt. Hier hilft nur ein Eingriff in eine Konfigurationsdatei, hier in die „/etc/fstab“ (Beispiel):

//192.168.178.20/archiv   /home/ha/Archiv   cifs user=ha,password=0815,domain=raspi,users  0  0

Die Freigabe wird dann automatisch bei der Systemanmeldung eingehängt. Die Option „users“ sorgt dafür, dass man die Freigabe außerdem mit User-Rechten ein- und aushängen darf. Die Befehle

mount /home/ha/Archiv
umount /home/ha/Archiv

funktionieren dann ohne root-Recht und benötigen nur den Mountpunkt als Parameter.

Netzwerk-Authentifizierung mit „Domäne“: Diese Abfrage beantworten Sie am einfachsten mit dem Rechnernamen des Servers, der die Freigabe bereitstellt.
16. Netz-Protokolle und Anwendungssoftware

Die Dateimanager Nautilus, Nemo, Dolphin, Caja prominenter Desktopsysteme beherrschen den Umgang mit diversen Netzwerkprotokollen – neben Samba (smb://) und FTP (ftp://) auch SSH (sftp://) oder Webdav (webdav://). Solche Netzadressen zeigt der Dateimanager, wenn Sie über „Netzwerk durchsuchen“ einen Datenserver anklicken, Adressen wie „smb://raspberry/“ können Sie aber auch direkt in die Adresszeile des Dateimanagers eingeben.

Für Einsteiger irritierend ist die Tatsache, dass ein solcher Netzwerkpfad zwar im Dateimanager ans Ziel führt, im Terminal oder einer Anwendungssoftware jedoch scheitert. Einfacher Grund ist, dass diese Programme die Protokolle nicht beherrschen: Sie erwarten, dass solche Netzressourcen in das lokale Dateisystem eingehängt wurden, und arbeiten nur über diesen lokalen Mountpfad. Also – zunächst im Dateimanager mounten, erst danach in der Software nutzen!

17. Übersicht über sämtliche Laufwerke

Der Windows-Explorer zeigt interne und externe Laufwerke mit allen Partitionen auf oberster Ebene an. Viele Linux-Umsteiger vermissen diese Ebene, die von dort ein Herabsteigen in die Verzeichnisebenen gestattet. Der Einstieg über das Wurzelverzeichnis („/“) des Dateisystems ermöglicht dies nicht, da Laufwerke oder Netzfreigaben in beliebigen Verzeichnissen eingehängt sein können. Jedoch bietet die Navigationsleiste in den Dateimanagern eine solche Übersicht: Unter „Geräte“ sind dort üblicherweise alle Partitionen aufgelistet. Wer zusätzlich eine Übersicht der Laufwerke im Hauptfenster sehen will, kann in das Adressfeld des Dateimanagers „computer:///“ eingeben und diese Laufwerkübersicht mit Strg-D („Lesezeichen -> Lesezeichen hinzufügen“) dauerhaft in der Navigationsspalte ablegen. Bei manchen Dateimanagern ist dieser Eintrag „Rechner“ standardmäßig vorhanden.

18. Die Laufwerksbezeichnungen /dev/sd[x][n]

Unter Windows dienen aufsteigende Buchstaben als Kennung für Datenträger. Aus historischen Gründen beginnt das Alphabet bei „C“, da „A“ und „B“ ungenutzt weiterbestehen (ehemals Diskettenlaufwerke). Linux ist hier eigentlich klarer, dennoch sind die Kennungen ein häufiges Problem für Umsteiger. Laufwerke und Partitionen eindeutig zu bestimmen, ist aber fundamental bei der Installation oder beim Schreiben von ISO-Abbildern.

Eine Kennung wie /dev/sda1 beginnt mit /dev/ für „Device“, „sd“ kennzeichnet die Schnittstelle „Sata Device“ (seltener sind „sc“ für SCSI-Device oder „m“ für RAID). Wichtig wird es danach: „a“ bedeutet die erste interne Festplatte, „b“ die zweite oder – falls nicht vorhanden – bereits das erste externe USB-Laufwerk. Die abschließende Zahl ist die Partitionsangabe.

Die Kennungen sind über grafische Werkzeuge wie „Laufwerke“ (gnome-disks) oder Gparted zu ermitteln. Eine schnelle Übersicht bietet der Terminalbefehl lsblk, der sich optional mit Output-Parametern („-o“)

lsblk -o name,type,label,size,mountpoint,fstype

gesprächiger schalten lässt.

Wichtig vor Installationen oder Kopieren von ISO-Abbildern: lsblk im Terminal liefert einen schnellen Überblick über alle Partitionen – rechts das Systemtool gnome-disks („Laufwerke“).
19. Groß-/Kleinschreibung und Sonderzeichen

Unter Windows spielt die Schreibung weder bei Dateinamen noch bei Befehlen und Schaltern eine Rolle. „DIR“ ist dasselbe wie „dir“ oder „diR“. Unter Linux ist genaue Schreibung hingegen zwingend: Den Befehl „LSBLK“ gibt es nicht, und ein Schalter „-X“ bedeutet etwas anderes als „-x“. Folgerichtig können auch Dateiobjekte wie „Musik“, „musik“ und „MUSIK“ nebeneinander existieren.

Nonchalant verhält sich Linux hingegen bei Sonderzeichen in Datei- und Ordnernamen. Die Sortierung von Ordnern und Dateien im Dateimanager wie im Terminal fällt bei Verwendung von Sonderzeichen deutlich anders aus. Während Windows einen Ordner „_Start“ vor allen Ordner mit alphanumerischen Startzeichen einsortiert, ignoriert Linux das Sonderzeichen und ordnet ihn unter „S“ ein. Zum echten Problem beim Datenaustausch zwischen Linux und Windows können Sonderzeichen in Dateinamen werden, da Linux mehr Sonderzeichen erlaubt als Windows. So können Linux-Dateinamen auch Doppelpunkt, Fragezeichen, Asterisk (*) oder Backslash enthalten.

20. Abmelden – Shutdown – Bereitschaft

Unter Windows 10 führt ein Rechtsklick auf das Hauptmenü zum Punkt „Herunterfahren oder abmelden“. Der Klickweg ist nicht intuitiv, aber immerhin ist hier alles an Ort und Stelle. Unter Linux handhaben die Desktop-Oberflächen das jeweils eigen: Unter Linux Mint sind alle Abschaltfunktionen wie Abmelden, Ausschalten, Neustart oder Bereitschaft im Hauptmenü versammelt – übersichtlich und leicht zu finden. Andere Linux-Desktops wie etwa Gnome folgen der technischen Logik und trennen die echten Abschaltfunktionen von jenen der Benutzer-Session. Hinter dem typischen Abschaltsymbol gibt es daher nur Shutdown und Neustart, während die Abmeldung oder die Bildschirmsperre unter dem Kontonamen zu finden sind.

Alle Abschalt-Optionen an Ort und Stelle: Das Menü von Linux Mint versammelt Abmeldung und Shutdown-Varianten übersichtlich an zentraler Stelle.

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Puppy-Systeme – klein und schnell

Sie sind optimale Zweitsysteme für die Hosentasche – zum Arbeiten, Surfen oder Reparieren. Die Puppy-Systeme, die Barry Kauler vor 15 Jahren entwickelt hat, sind ausgereift und flexibel, aber nicht ganz simpel.

Wer die Puppy-Familie mit Tahrpup, Slacko, Quirky, Fatdog, Macpup, Lxpup, Simplicity ignoriert, verschenkt das Potential großartiger Livesysteme: Die Puppies bringen auf typischerweise nur 200 bis 300 MB großen ISO-Abbildern kaum glaubliche Software-Sammlungen unter, haben einen RAM-Eigenbedarf von nur 60 bis 150 MB, booten fix (mit Ausnahmen) und bieten ein Konzept, um die an sich unveränderlichen Livesysteme über persistenten Speicher individuell anzupassen. Die Einrichtung birgt allerdings einige Hürden und wird begleitet von einer Dialogflut mit Frickler-Tonalität. Diese Hürden muss man erst mal nehmen. Dieser Beitrag erklärt das Puppy-Konzept, die Einrichtung der Systeme sowie Ausrichtung und Unterschiede einiger populärer Puppy-Varianten.

Einsatzgebiete: Warum Puppy?

Kleine Linux-Live-Distributionen, die sich für schwachbrüstige Hardware oder für den mobilen Einsatz als Zweitsystem eignen, gibt es zuhauf. Puppy-Varianten sind aber nicht nur besonders klein und sparsam (bei reicher Software-Ausstattung), sondern kombinieren die Sicherheit eines nicht kompromittierbaren Livesystems mit der Anpassungsfähigkeit eines installierten Linux. Das erreichen sie dadurch, dass die schreibgeschützten Squash-FS-Archive (Dateien mit der Endung -sfs) für das Kernsystem ergänzt werden durch persistenten Speicher, der System- und Software-Einstellungen sowie nachinstallierte Software bereithält. Dieser persönliche Speicher kann als einzige große Datei „pup_save.4fs“ (oder je nach Puppy-Variante ähnlich, etwa „thar_save.4fs“) oder als Ordner (etwa „tharsave“) vorliegen. Dieser Speicher wird beim Booten automatisch geladen, es sei denn, es gibt mehrere persönliche Speicher (auch das ist möglich), die eine vorherige Abfrage des Benutzer erfordern.

Livesystem mit Persistenz und individuellen Einstellungen? Auch das ist natürlich kein Alleinstellungsmerkmal von Puppy: Typische Livesysteme wie Tails oder Porteus beherrschen das ebenfalls, und sämtlichen Ubuntu-basierten Systemen kann das Tool Unetbootin zur Persistenz verhelfen, sofern man sie als Livesysteme nutzen will. Aber keine andere Linux-Linie neben Puppy hat sich so fokussiert, live, schnell, klein und optimal anpassungsfähig zu sein. Es ist letztlich ganz egal, ob der Einsatzzweck ein mobiler Werkzeugkasten, eine Arbeitsumgebung, ein Surfsystem oder sicheres Home-Banking sein soll.

Im Kern ist Puppy eine Methode, vorhandene Distributionen auf ein möglichst kleines Livesystem zu reduzieren. Während viele Projekte Linux-Systeme als Grundlage nehmen, die mit weiteren Ergänzungen ausgebaut werden, geht Puppy den umgekehrten Weg und entfernt zunächst viele Komponenten. Dazu dient das Baukastensystem „Woof-CE“ (https://github.com/puppylinux-woof-CE/woof-CE), das die Reduktion einer Distribution mit Scripts vereinfacht. Die Resultate sind Livesysteme mit eigener Bootumgebung und komfortablen Tools aus dem Puppy-Baukasten. Puppies laden sich während des Starts komplett in den Arbeitsspeicher. Im Unterschied zu typischen Linux-Verhältnissen wird der Anwender automatisch angemeldet und hat root-Rechte. Puppy ist somit kein Mehrbenutzersystem, jedoch ist möglich, Benutzerprofile mit unterschiedlichen Einstellungen zu verwenden.

Faszinierend sparsam: Auf diesem Netbook mit bescheidenem 1 GB Arbeitsspeicher meldet Puppy Tahr nur knapp 60 MB Eigenbedarf.

Die Einrichtungsmöglichkeiten

Offizielle Webseite der Puppy-Systeme ist http://puppylinux.org. Dort gibt es grundsätzliche Informationen und als Download-Link zumeist den Server http://distro.ibiblio.org/puppylinux/, der alle offiziellen Puppy-Varianten versammelt, ferner auch zahlreiche „Pets“ – Software-Pakete für Puppy-Systeme. Eine schnellere Quelle für einige prominente Puppies ist http://puppylinux.com/download.html. Download-Quellen für weniger prominente Varianten müssen Sie gegebenenfalls recherchieren. So liegt Lxpup etwa auf Sourceforge (https://sourceforge.net/projects/lxpup) oder Macpup auf http://macpup.org.

Puppy-Systeme laufen an sich hervorragend von CD und können dabei auch Benutzeranpassungen in einem Persistenz-Speicher nutzen, der dann allerdings auf einer internen Festplatte oder einem zusätzlichen USB-Stick gespeichert werden muss. Ein von CD bootendes Puppy durchläuft dabei einfach sämtliche angeschlossene Datenträger und sucht nach Persistenz-Ordnern oder Dateien in deren Hauptverzeichnis. Ungeachtet der technischen Möglichkeit und der Schnelligkeit auf CD ist Puppy aber auf CD nicht ideal, denn für Anpassungen brauchen Sie immer noch ein zweites Medium. Und als reines Livesystem auf CD ohne Persistenz ist Puppy auch nicht ideal, da Sie dann bei jedem Start der unkomfortable „Quick-Setup“-Dialog begrüßt, wo Sie zumindest die deutsche Tastaturbelegung einstellen müssen.

Ideal für Puppies sind USB-Sticks, weil Sie damit das Livesystem plus Speicher für Anpassungen an Ort und Stelle auf einem Datenträger haben. Die Größe des Sticks spielt praktisch keine Rolle: Für die meisten Puppies sind schon 1 oder 2 GB üppig und bieten ausreichend Platz für Nachinstallationen und Anpassungen. Andererseits ist es keine Platzverschwendung, eine heute übliche Stick-Größe mit entsprechender Leistung zu wählen, da der Stick zusätzlich auch als normaler Datenträger genutzt werden kann.

Die Installation aller Puppy-Varianten ist identisch. Die nachfolgende Anleitung zeigt die Einrichtung am Beispiel eines Puppy Tahr („Tahrpup“) auf USB-Stick. Dabei nehmen wir den Umweg über das Puppy Livesystem auf einer CD, weil der Puppy-Installer dies als den Normalfall annimmt und unter dieser Voraussetzung am einfachsten zu durchlaufen ist.

Vom ISO-Abbild zum Puppy auf USB

Schreiben Sie das gewählte ISO-Image zunächst auf eine CD. Alle Puppies passen locker auf CD, eine DVD wäre Verschwendung. Die heruntergeladene ISO-Datei brennen Sie unter Linux mit einem Tool wie Brasero und der Option „Abbild brennen“, unter Windows mit der Freeware Imgburn und der Option „Imagedatei auf Disc schreiben“. Danach booten Sie einen Rechner mit optischem Laufwerk über die CD.

  1. Das Puppy-System wird am Desktop den Dialog „Quick Setup“ anzeigen. Eigentlich brauchen Sie für das temporäre Livesystem keine Einstellungen, aber es kann für die nachfolgende Einrichtung hilfreich sein, die Tastatur auf „de (Germany)“ zu setzen. Wer die Installationsdialoge in Deutsch sehen will, kann auch die Ländereinstellung auf Deutsch setzen und über den Puppy-Paketmanager (unter „Setup“ im Hauptmenü) sogar das langpack_de installieren. Wirklich notwendig ist das nicht, weil dies an dieser Stelle nur temporär bliebe und die englischsprachigen Dialoge im Installer meist klarer sind als die deutschen.
  2. Stecken Sie den USB-Stick ein, der das Puppy aufnehmen soll, und starten Sie über die Menü-Kategorie „Setup“ den „Puppy Universal Installer“ (in einigen Varianten auch nur „Puppy Installer“). Der oberste Eintrag „USB Flash Drive“ ist der richtige. Wenn nur ein Stick angeschlossen ist, wird der Installer diesen anbieten und mit Angabe der Gerätebezeichnung (etwa /dev/sdb1 oder /dev/sdc1) um Bestätigung bitten.
Puppy (Universal) Installer: Dieses Tool des Livesystems ist notwendig für die Einrichtung auf USB-Stick.
  1. An dieser Stelle besteht noch die Möglichkeit, den USB-Stick mit Gparted zu bearbeiten. Notwendig ist die Neupartitionierung nicht, weil auch die Systempartition zusätzlich als ganz normaler Datenspeicher dienen kann. Der Abstecher zu Gparted ist jedoch manchmal nötig, wenn dem USB-Stick das Boot-Flag fehlt. Der Puppy-Installer meldet das, korrigiert es aber nicht selbst. Die Korrektur erledigt dann Gparted nach Rechtsklick auf die Partition und „Markierungen bearbeiten -> Boot“.
  2. Nun folgt die Abfrage, aus welcher Quelle der Puppy Installer die maßgeblichen Systemdateien kopieren soll. In diesem Szenario mit dem Livesystem auf CD können Sie die Option „CD“ wählen.
  3. Der nächste Dialog bietet eine Auswahl von Bootsektoren. Gemäß der Empfehlung scheint mbr.bin die zuverlässigste Wahl. Vor allem aber ist wichtig, überhaupt einen Bootsektor zu wählen, denn die Voreinstellung fährt ohne Bootsektor fort. Damit wäre der Stick nicht bootfähig.
  4. Der Rest des Installer geht bei einigen Puppies grafisch weiter, oft aber im Terminal. Zunächst müssen Sie dem Vorgang noch einmal generell zustimmen, danach erscheint noch eine Option für den künftigen Systemstart, die Sie nach der Empfehlung mit „yes“ oder „ja“ beantworten.

Die nachfolgende Kopieraktion (initrd.gz, sfs-Dateien) ist angesichts der Kompaktheit schnell erledigt. Damit hat das Livesystem auf CD seinen Dienst getan. Starten Sie nun den Rechner mit dem USB-Stick.

Bootsektor nicht übersehen! Als Voreinstellung, falls Sie hier einfach weiterklicken, schreibt der Puppy Installer keinen Bootsektor auf den USB-Stick.

Einrichtung des Puppy-Systems

Auch das Puppy auf USB begrüßt Sie wieder mit dem Dialog „Quick Setup“. Hier lohnt es sich nun, alles sorgfältig einzustellen, erste Anpassungen am Desktop vorzunehmen und im Puppy-Paketmanager das langpack_de oder andere Software nachzuinstallieren. Das Systemtool, solche Änderungen außerhalb des Livesystems zu sichern, also den persönlichen Speicherbereich anzulegen, suchen Sie vergebens. Es startet aber automatisch, sobald Sie das neue Puppy zum allerersten Mal herunterfahren („Exit“ im Hauptmenü). Dann erscheint „Erstmals: Sitzung speichern“ („First shutdown…“). Optik und Wortwahl dieses wichtigen Vorgangs unterscheidet sich bei den Puppy-Varianten erheblich, jedoch ist das Prinzip identisch:

Antworten Sie in jedem Fall mit „Speichern“ (oder „Ja“, „Yes“). Die Auswahl einer Partition entfällt beim USB-Stick, weil das Tool hier sinnvollerweise den USB-Stick als Ziel nimmt. Verwenden Sie als Speichertyp die empfohlene Option „Folder“ („Ordner“), denn dies ist flexibler als eine Speicherdatei mit fixer Größe. Weitere Entscheidungen betreffen die optionale Verschlüsselung des Speichers und einen individuellen Namenszusatz. Danach legt das System den Speicherbereich an, kopiert die bereits angefallenen Daten und fährt herunter.

Die künftige Puppy-Nutzung gestaltet sich äußerst komfortabel: Störende Bremsen wie „Quick-Setup“ und „First shutdown“ entfallen, Software-Nachinstallationen sind durch „Quickpet“ und den „Puppy Package Manager“ schnell und einfach. Für Desktop-Anpassungen ist die Menü-Rubrik „Desktop“ einschlägig, die unter anderem den JWM Configuration Manager anbietet. Joe’s Window Manager ist die typische Puppy-Oberfläche, jedoch gibt es auch Varianten mit LXDE.

Der persönliche Speicherbereich, der alle Änderungen aufnimmt, ist auf Dateiebene unter /mnt/data/ leicht zugänglich und erlaubt damit auch einfache Experimente: Es genügt den kompletten Save-Ordner oder die Save-Datei auf gleicher Ebene und neuem Namen zu kopieren – etwa „tharsave“ als „tharsave-sepp“. Dadurch entsteht praktisch ein neues Benutzerprofil, das Sie mit eigenen Einstellungen ausstatten können. Das Puppy-System wird dann künftig beim Start eine Auswahl der Form

  • 0 none
  • 1 sdd1 /tahrsave
  • 2 sdd1 /tahrsave-sepp

anbieten, was nebenbei auch den Start des puren Livesystems (mit „none“) ermöglicht.

Alle lokalen Laufwerk zeigt Puppy standardmäßig als Desktop-Links an. Netzwerkfreigaben erreichen Sie über das Pnethood-Tool unter „Netzwerk“. Falls eine manuelle Einrichtung des Netzwerks notwendig ist, versammelt das Tool „Internet Connection Wizard“ (unter „Setup“) alle LAN-, WLAN-, Internet-, Proxy- und Firewall-Einstellungen.

Persönlichen Speicher anlegen: Die Meldung oben erscheint automatisch beim ersten Shutdown. Danach gibt es einige Entscheidungen zu treffen. Die Prozedur ist aber nur einmal zu durchlaufen.
Einfache Installationen: Puppy hat sein eigenes Paketformat (PET), macht dem Nutzer die Sache aber mit dem Package Manager und außerdem einer „Quickpet“-Vorauswahl sehr bequem.

Einige Puppy-Varianten im Steckbrief

Der ursprüngliche Entwickler Barry Kauler ist im Ruhestand und arbeitet nur noch sporadisch an Puppy. Seit den Anfangszeiten ab 2003 entstanden unzählige Varianten auf Basis des Buildsystems Woof-CE. Die offizielle Puppy-Familie unterteilt sich in zwei Hauptlinien. Die erste Puppy-Linie nennt sich „Slacko“, das die besonders kompakte Slackware als Systembasis nutzt. Die zweite Hauptlinie namens „Tahrpup“ basiert auf Ubuntu 14.04 LTS „Trusty Tahr“. Daneben gibt es inoffizielle Puppy-Systeme sowie die große Unterfamilie der „Puplets“. Dies sind mit speziellen Software-Paketen ausgestattete Puppy-Varianten, die meist im Puppy-Forum vorgestellt werden (siehe „Puplet for special features“ unter http://puppylinux.org/main/).

Im Allgemeinen fahren Sie am besten mit Puppy Slacko (Slackware) oder Puppy Thar (Ubuntu 14.04). Das auf Ubuntu 16.04 basierende und längst überfällige Xenialpup ist noch Beta. Das teilweise aus Ubuntu 16.04 gebaute Quirky vom Puppy-Gründer Barry Kauler (http://barryk.org/quirky/) ist experimentell und nicht für den Produktiveinsatz empfohlen. Das inspirierende Puppy-Konzept treibt aber allerlei Blüten, die je nach Einsatzzwecke ebenfalls interessant sein könnten:

Lxpup nutzt statt des JWM-Fenstermanagers einen soliden LXDE-Desktop, der für manche Anwender vertrauter ausfällt (https://sourceforge.net/projects/lxpup). Die vorinstallierten Programme fallen mit der Firefox-Abspaltung Palemoon, Mailclient Sylpheed oder Gparted ebenso Puppy-typisch aus wie die große Zahl kleiner System-Tools. Hauptmotiv für Lxpup ist eindeutig der LXDE-Desktop.

Simplicity ist ein Abkömmling Lxpup und geht einen Schritt weiter Richtung Desktop-System. Mit einem fast 600-MB-ISO-Abbild (http://simplicitylinux.org/) übertrifft Simplicity übliche Puppies um das Dreifache, liefert dafür aber ein komplettes Desktop-System unter einer LXDE-Oberfläche (Firefox, Skype, VLC, Libre Office). Aufgrund dieser Software sind die Hardware-Anforderungen etwas höher als bei einem reinen Puppy. Nach unserer Ansicht widerspricht Simplicity dem Konzeptkern der Puppy-Livesysteme, hat aber eine gewisse Popularität.

Macpup ist ein Puppy mit dem ganz hübschen, aber exotischen Enlightenment-Desktop (http://macpup.org) – nur für Enlightenment-Fans! Wer ein pragmatisches Zweitsystem sucht, handelt sich damit nur weitere Komplikationen ein. Immerhin handelt es sich um ein typisches Puppy mit einem nur 220 MB großen Abbild, das sogar für einen ausgewachsenen Firefox Platz findet.

Fatdog ist ein witziger Name für ein kleines Puppy-System, dessen ISO-Abbild etwa 360 MB beträgt (http://distro.ibiblio.org/fatdog/iso/). In der Runde der sonstigen Puppy-Winzlinge darf Fatdog aber in der Tat als dicker Hund gelten. Dies geht in erster Linie auf die erweiterte Software zurück, da bereits ein komplettes Libre Office, ferner Gimp und der VLC an Bord sind. Als Desktop dient LXDE mit Openbox.

Lxpup mit LXDE-Desktop: Outfit und Dialoge der Puppy-Varianten unterscheiden sich oft deutlich, die Arbeitsweise ist aber immer identisch – hier das Anlegen des Savefiles beim ersten Shutdown.

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Das Heimnetz: Hardware, Tipps und Tools

Der kompakte Beitrag zum lokalen Netzwerk bespricht die typische Hardware für das private Heimnetz und Home Office und die wichtigsten Konfigurationseinstellungen und Netzwerkkommandos für Desktop und Server.

Netzwerke sind Hardware-seitig unglaublich flexibel und ausbaufähig. Linux wiederum ist für das Netzwerken geschaffen und macht als Netzwerk-Client wie als Server eine glänzende Figur. Dieser Beitrag liefert Basiswissen und vertiefende Tipps für ein optimiertes Heimnetz. Dabei geht es ausschließlich um das lokale LAN- und WLAN-Netz mit typischen Geräten, Kommunikationsprotokollen, Freigaben und Serververwaltung. Das öffentliche Netz, das Internet, bleibt komplett außen vor – siehe dazu diesen Artikel: Tipps und Tools fürs Internet

1. Der grafische Network-Manager

Sowohl für Ethernet als auch für WLAN erfolgt die grafische Netzwerkverwaltung unter fast allen Desktop-Distributionen über das Applet des Network-Managers in der Systemleiste. Auf Gnome-affinen Distributionen können Sie die dafür zuständigen Komponenten notfalls auch über

sudo apt-get install network-manager network-manager-gnome

nachinstallieren. In Ubuntu erscheint das Icon in der Systemleiste am oberen Bildschirmrand. Nach einem Klick darauf sehen Sie ein Menü mit einer Liste der verfügbaren Funknetzwerke. Klicken Sie das gewünschte an, geben Sie hinter „Passwort“ den WPA-Schlüssel ein, und klicken Sie auf „Verbinden“. Ist eine Ethernet-Verbindung aktiv, erscheint dieses unter „Kabelnetzwerk“. Im Menü gibt es außerdem die Einträge „Netzwerk aktivieren“ und bei WLAN „Funknetzwerk aktivieren“. Vor beiden muss ein Häkchen gesetzt sein, damit die Verbindung funktioniert.

Bei Fehlfunktionen sollten Sie über „Verbindungen bearbeiten“ die Einstellungen prüfen und gegebenenfalls ändern. Wählen Sie etwa „Kabelnetzwerkverbindung 1“, klicken Sie auf „Bearbeiten“ und gehen Sie auf die Registerkarte „IPv4-Einstellungen“. Hinter „Methode“ sollte hier „Automatisch (DHCP)“ eingetragen sein. Es ist nur in Ausnahmefällen ratsam (Server, Access Points, Netzdrucker), feste IP-Adressen manuell zu konfigurieren, damit das Gerät immer unter der gleichen IP-Adresse erreichbar ist (siehe -> Punkt 9).

Tipp: Der Network-Manager unterstützt keine deutschen Umlaute beim WLAN-Passwort. Vermeiden Sie daher WLAN-Kennwörter mit „ä“, „ö“, „ü“, „ß“ in der Router- oder Access-Point-Konfiguration.

Aktuelle Linux-Systeme nutzen den Network-Manager für den Verbindungsaufbau. Das Tool steuert über „Verbindungsinformationen“ sogar subtile Details wie die MTU-Paketgrößen.

2. Klassische Netzwerk-Konfiguration

Distributionen ohne Network Manager verwenden die klassische Linux-Konfiguration über die Datei /etc/network/interfaces. Deren Einträge haben in jedem Fall Vorrang vor denen des Network-Managers. Fehlerhafte Angaben an dieser Stelle können daher auch den Network-Manager lahmlegen. Standardmäßig enthält die Datei interfaces auf Desktop-Systemen nur die zwei Zeilen

auto lo
iface lo inet loopback

für den Loopback-Adapter (siehe dazu -> Punkt 3).

Für einen Server ohne grafischen Network Manager wären die folgenden Zeilen eine gültige Konfiguration für den Ethernet-Adapter, der hier die feste IP „100“ beziehen soll:

auto eth0
iface eth0 inet static
address 192.168.0.100
netmask 255.255.255.0
gateway 192.168.0.1
dns-nameservers 8.8.8.8

Der Adressraum „192.168.0.x“ muss natürlich angepasst werden, bei Fritzbox-Routern ist „192.168.178.x“ typisch. Spielt die IP keine Rolle (dynamisch über DHCP), dann genügen zwei Zeilen:

auto eth0
iface eth0 inet dhcp

Die Einstellungen werden erst nach einem Neustart wirksam.

3. Netzwerkadapter mit ifconfig im Griff

Das Terminaltool ifconfig ist unentbehrlich für die Anzeige der Netzadapter und beherrscht auch fundamentale Eingriffe. Bei purer Eingabe ifconfig erhalten Sie die IP-Adresse des Geräts, die physikalische MAC-Adresse des Netzadapters, ferner die Download- (RX) und Upload-Datenmenge (TX) seit dem letzten Systemstart. Der Ethernet-Adapter erscheint als „eth0“ (oder „enp6s0“), der WLAN-Adapter als „wlan0“. Die angezeigte „lo“-Schnittstelle mit der IP-Adresse 127.0.0.1 existiert nicht physisch: Bei dieser „lokalen Schleife“ (Loopback) handelt es sich um eine zum lokalen System zurückführende Schnittstelle, womit lokale Prozesse via TCP/IP miteinander kommunizieren.

Wenn ifconfig nur den virtuellen Loopback Adapter „lo“ anzeigt, hat Linux den Ethernet-Adapter Hardware-technisch nicht erkannt. Bei Ethernet-Adaptern ist das so gut wie ausgeschlossen. Was Sie bei WLAN-Adaptern in diesem Fall unternehmen können, lesen Sie im Hardware-Kasten („WLAN-Adapter unter Linux“).

Mit „down“ und „up“

sudo ifconfig eth0 down

schalten Sie einen Adapter, in diesem Fall mit „eth0“ den Ethernet-Anschluss, aus oder wieder ein.

Der nachfolgende Befehl

sudo ifconfig eth0 192.168.0.222

fordert eine neue lokale IP-Adresse vom Router. Dies führt zwar zu einer inkonsistenten Netzkonfiguration, sollte aber nach wie vor den Zugriff auf die Router-Oberfläche ermöglichen. Dort können Sie dann diese Wunsch-IP als feste IP festlegen.

Download- (RX) und Upload-Menge (TX): Ifconfig zeigt unter anderem auch den Datendurchsatz am betreffenden Adapter seit dem Systemstart.

4. WLAN-Konfiguration mit iwconfig und iwlist

Die manuelle Konfiguration des WLAN-Adapters ist nur nötig, wenn Sie einen Headless-Server ohne Monitor, Maus, Tastatur per SSH konfigurieren. Folgende Kombination von Netzwerkkommandos, die allesamt zum Linux-Standard gehören, kann das erledigen:

sudo iwlist scanning
sudo iwconfig wlan0 essid [Netzname] key s:[Passwort]
sudo dhclient wlan0

iwlist zeigt zunächst die verfügbaren Funknetze (Netznamen als „ESSID“), und iwconfig verbindet zum gewünschten Netz: Nach „essid“ folgt der Netzname, nach „key“ das WLAN-Passwort. Da nicht der hexadezimale Schlüssel, sondern das Passwort übergeben wird, muss das mit „s:“ signalisiert werden. Zu guter Letzt bezieht der Rechner mit dhclient eine IP-Adresse vom Router.

Speziell bei Ubuntu-basierten Systemen ist diese Vorgehensweise aber oft erfolglos. Hier empfiehlt sich auch bei späteren Headless-Servern zunächst die Grundkonfiguration des Funknetzes mit dem grafischen Network Manager.

5. LAN-Rechner mit ping prüfen

Ping gehört überall zur Linux-Standardausstattung. Das einfache Tool prüft, ob der aktuelle PC Verbindung zum Router („ping 192.168.0.1“) hat oder ob ein anderer PC im lokalen Netz („ping 192.168.0.10“) erreichbar ist. Neben der schlichten Recherche, ob sich der befragte Host überhaupt meldet, gibt es auch qualitative Aussagen: Im Heimnetz sollten keine verlorenen Datenpakete auftreten („packet loss“) und die Antwortzeiten unter zehn Millisekunden liegen, während Pings ins Web selten unter 20 Millisekunden antworten.
Ping ohne Counter („-c“) läuft endlos, lässt sich aber mit der Tastenkombination Strg-C abbrechen. Ist der Router mit ping nicht erreichbar, hilft oft das Aus- und Einschalten des Netzwerkadapters, um eine neue IP-Adresse zu beziehen.

6. Nmap-Pings an alle Geräte im lokalen Netz

Ping (siehe -> Punkt 5) kann Hostnamen auflösen („ping fritz.box“), übersetzt aber keine IP-Adressen zu Hostnamen. Außerdem kann es – ohne Scriptunterstützung – nur auf eine Adresse losgeschickt werden. Für eine Komplettübersicht im lokalen Netz hilft nmap. Nmap ist in der Regel nicht vorinstalliert, aber mit seinem Paketnamen „nmap“ in allen Repositories erhältlich. Folgende nmap-Kommandos

nmap -sP 192.168.0.1-50
nmap -sP 192.168.0.*

schicken Ping-Anfragen an die ersten 50 und alle 255 Adressen des Adressraum. Der schnelle Ping-Scan zeigt dann alle laufenden Netzgeräte mit Host-Namen und IP-Adresse.
Ohne Ping-Parameter („-sP“) macht nmap sorgfältige und zeitaufwändige Portscans: Sie erhalten zu jedem Rechner Host-Namen, IP-Adresse, MAC-Adresse und die Liste aller offenen Ports. Ist der Vorgang für den gesamten lokalen Adressraum zu langwierig, lässt sich auch ein einzelner PC befragen (nmap 192.168.0.10 oder auch mit Hostnamen nmap raspberry).

Überblick mit nmap: Der Portscanner taugt auch für einfache Ping-Abfragen im gesamten lokalen Adressraum und löst dabei die Host-Namen auf.

7. Netzwerksicherheit mit Nmap-Portscans

Risiken für Ihr Heimnetz entstehen durch offene Ports, die den Zutritt über das Internet in Ihr lokales Netz erlauben. Handelt es sich um Portfreigaben im Router, die Sie selbst eingerichtet haben, dann ist das in Ordnung, wenn nicht, bedeuten offene Ports Alarmstufe rot. Kontrolle über eventuell vergessene Portfreigaben erhalten Sie im Router, so etwa in der Fritzbox unter „Internet -> Freigaben -> Portfreigaben“. Einen objektiven Test, der auch innere Feinde in Form von laufender Schadsoftware entlarvt, können Sie mit nmap realisieren.

Zunächst müssen Sie Ihre öffentliche IP-Adresse ermitteln. Die kennt zum Beispiel Ihr Router („Übersicht“ in der Fritzbox), sie kann aber auch mit einem Tool wie inxi ermittelt werden („WAN IP“ nach Eingabe inxi -i). Die öffentliche WAN-IP, beispielweise 178.23.136.15, prüfen Sie dann mit diesem Kommando:

sudo nmap -Pn 178.23.136.15

Dabei untersucht nmap die Standardports von 1 bis 1000. Sämtliche Ports erfassen Sie mit diesem Befehl:

sudo nmap -Pn -p0-65535 178.23.136.15

Dieser Scan durchläuft alle Ports von 1 bis 65535 und dauert sehr lange. Als Ergebnis sollten Sie, sofern Ihr Netz für das Internet komplett geschlossen sein soll, die Antwort erhalten „All scanned ports are filtered“. Wo immer das nicht der Fall ist und die Ursache unklar, weil dafür keine Portfreigabe im Router vorliegt, gehen Sie mit der angezeigten Portnummer der Sache auf den Grund:

sudo nmap -sV -Pn -p[Nummer] 178.23.136.15

Mit Schalter „-sV“ zeigt nmap an, welches Programm oder welcher Dienst diesen Port benutzt. Ist dieser Prozess unerwünscht, beenden Sie den Verursacher mit einem Taskmanager umgehend (in der „Systemüberwachung“ oder mit top/htop im Terminal) und dauerhaft durch Deinstallieren und Löschen der Programmdateien.

„All ports filtered“: Dieses nmap-Ergebnis stellt sicher, dass Ihr lokales Netz über das Internet nicht erreichbar ist. Offene Ports würde nmap als „OPEN“ melden.

8. MAC-Adressen mit arp ermitteln

Jeder Netzadapter hat eine eindeutige MAC-Adresse der Form C2:22:09:F2:5F:E8 (sechs zwei-stellige Hexadezimalzahlen). Die brauchen Sie zum Beispiel dann, wenn Sie im Router feste IP-Adressen oder Zugangskontrollen einrichten wollen (siehe -> Punkt 9). Der Router selbst kennt und zeigt natürlich sämtliche MAC-Adressen. Am lokalen Rechner zeigt ifconfig (siehe -> Punkt 3) immerhin dessen MAC-Adresse(n) als „Hardware Adresse“ an. Der Befehl arp (Address Resolution Protocol) kann noch mehr:

arp –a

Dies wirft die MAC-Adressen aller in letzter Zeit verbundenen Netzgeräte aus. Da der Arp-Cache seine Daten periodisch verwirft, ist vielleicht momentan genau das gesuchte Gerät nicht in der Liste. Wenn Sie aber vorher einen Ping an das Gerät schicken und dann arp -a befragen, erhalten Sie zuverlässig die MAC-Adresse des entfernten Geräts.

9. Feste IPs im Router einrichten

Server, aber auch Geräte wie Access Points, WLAN-Repeater oder Netzwerkdrucker verdienen eine feste lokale IP-Adresse, damit Sie Konfigurationsoberflächen oder Daten zuverlässig erreichen (etwa via Browser-Lesezeichen oder in Scripts). Die Vergabe fester IP-Adressen erledigt am besten zentral der Router, der die IPs als DHCP-Server vergibt. Der betreffende Punkt kann „DHCP-Reservierung“ oder ähnlich lauten. In der Fritzbox finden Sie diese Möglichkeit unter „Heimnetz –> Netzwerk“. Dort erscheint für die eingetragenen Netzwerkgeräte die Option „Diesem Netzwerkgerät immer die gleiche IP-Adresse zuweisen.“

Dabei kann aber nur die gerade aktuelle IP als künftig konstante IP eingestellt werden. Wenn Sie eine ganz bestimmte andere IP wollen, lassen Sie sich unter „Heimnetz -> Heimnetzübersicht“ die Details des gewünschten Netzgeräts anzeigen und notieren sich die MAC-Adresse („Geräteinformation“). Danach verwenden Sie „Heimnetz -> Heimnetzübersicht -> Netzwerkverbindungen -> Gerät hinzufügen“. Dort können Sie unter Angabe der „MAC-Adresse“ die Wunsch-IP vergeben. Der Router wird melden, dass ihm das Gerät unter einer anderen IP bekannt ist, und Sie müssen mit „OK“ bestätigen, dass Sie die Einstellung überschreiben wollen. Danach sollten Sie das Gerät (oder dessen Netz-Adapter) neu starten.

Feste IP für bestimmte Netzgeräte: Diese Aufgabe löst mancher Lowcost-Router logischer als die Fritzbox – hier ein Dlink-Router unter „DHCP-Reservierung“.

10. Server: Fritz-NAS als zentraler Speicher

Wer „nur“ einen zuverlässigen Datenserver braucht und eine Fritzbox als Router besitzt, braucht nicht notwendig einen Server oder Platinenrechner. Mit der Fritzbox reduziert sich der Einrichtungsaufwand auf ein Minimum: Wenn Sie unter „Heimnetz -> Speicher (NAS)“ die NAS-Funktion über „Speicher (NAS) aktiv“ einschalten, ist sofort der interne Speicher im Netz verfügbar. 512 MB bis 1,5 GB bieten neuere Fritzboxen an internem Speicher an. Das reicht natürlich nicht für einen Datenserver. Sobald Sie aber an einen der beiden USB-Ports einen USB-Datenträger anschließen, wird dieser unter „Heimnetz -> Speicher (NAS)“ angezeigt und kann dort durch die Klickbox aktiviert werden.

Das Fritz-NAS arbeitet wie eine Samba-Freigabe unter Linux: Der Standard-Hostname „fritz.nas“ (Standard-IP ist xxx.xxx.xxx.254) erscheint unter „Netzwerk“ im Dateimanager von Linux- und Windows-PCs, und die Daten lassen sich nutzen, sofern sich der Netzteilnehmer ausweisen kann. Die Einrichtung mindestens eines Benutzerkontos erledigen Sie unter „System -> Fritz!Box-Benutzer“. An dieser Stelle sind differenzierte Schreib- und Leserechte und Ordnerfreigaben möglich wie unter Linux üblich. Standardmäßig gibt die Fritzbox „Alle…verfügbaren Speicher“ mit Lese- und Schreibrecht frei.

Fritz-Datenserver auf der Konfigurationsoberfläche und im Dateimanager: Die Einrichtung eines USB-Datenträgers im Fritz-NAS ist einfacher als jede Server-Lösung.

11. Server-Freigaben mit Samba im Terminal

Wer es sich bequem machen will, wird auch auf einem ferngewarteten Platinenserver ein Serversystem mit einer klickfreundlichen Weboberfläche einsetzen. Erste Wahl für Raspberry & Co ist aktuell die NAS-Distribution Open Media Vault (openmediavault.org). Wirklich notwendig ist ein solcher Überbau für einen einfachen Datenserver im Heimnetz allerdings nicht. Wenige Kommandos im Terminal des Servers oder per SSH auf einem anderen Netzrechner (siehe -> Punkt 13 und 17) genügen, um Netzwerkfreigaben via Samba einzurichten. Voraussetzung ist zunächst ein installiertes Samba-Server-Paket (bei Server-Distributionen meist schon vorinstalliert):

sudo apt update
sudo apt upgrade
sudo apt install samba-common samba

Jeder Benutzer, der auf Freigaben zugreifen darf, muss ein Systemkonto mit Passwort besitzen:

sudo adduser sepp

Das Benutzer-Passwort wird nach Eingabe dieses Befehls automatisch abgefragt.
Ferner muss der Benutzer zusätzlich ein Samba-Kennwort erhalten, denn Samba hat seine unabhängige Kennwortverwaltung:

sudo smbpasswd -a sepp

Danach genügt folgender Befehl, um ein Verzeichnis dauerhaft über das Netzwerk freizugeben:

sudo net usershare add sepp /home/sepp "" sepp:f

Hier wird das Verzeichnis /home/sepp als Freigabe mit dem Namen „sepp“ für den gleichnamigen User im Netzwerk freigegeben.

12. Samba-Konfiguration in der Datei smb.conf

Samba verwendet als einzige Konfigurationsdatei /etc/samba/smb.conf. Darin sind die Basis-Einstellungen für den Samba-Server und auch die Freigaben festgelegt. Das Editieren der smb.conf ist umfassender und oft auch bequemer als net-Befehle auf der Kommandozeile:

sudo nano /etc/samba/smb.conf

Arbeitsgruppe: Mit „workgroup=WORKGROUP“ unter „[global]“ legen Sie die Arbeitsgruppe fest. Windows verwendet die Gruppe ebenfalls standardmäßig, sodass Sie die Einstellung belassen können. Wenn Sie in Ihrem Netzwerk eine anders benannte Gruppe verwenden, ändern Sie den Wert entsprechend. Für den Zugriff auf die Freigaben ist die Arbeitsgruppe nicht wesentlich, jedoch zeigen Linux-Datei-Manager nicht einfach alle Rechner mit Freigaben in einer Liste an, sondern organisieren sie in Arbeitsgruppen unterhalb von „Windows-Netzwerk“. Sie sparen sich unnötige Mausklicks, wenn Sie alle Rechner in derselben Gruppe unterbringen.

Home-Verzeichnisse freigeben: Weiter unten in der smb.conf gibt es einen auskommentierten Abschnitt, der mit „;[homes]“ beginnt. Entfernen Sie die Kommentarzeichen (Semikolon), um die Home-Verzeichnisse aller Benutzer standardmäßig freizugeben. Soll auch der Schreibzugriff erlaubt sein, ändern Sie „read only = yes“ auf „read only = no“. Wenn ein authentifizierter Benutzer auf den Server zugreift, sieht er nur sein eigenes Home-Verzeichnis als Freigabe.

Allgemeine Freigaben: Eine neue Freigabe für ein beliebiges Verzeichnis lässt sich über drei Zeilen realisieren, die Sie am Ende der Datei smb.conf einfügen:

[data]
path = /media/data
writeable = no

In diesem Beispiel wird das Verzeichnis „/media/data“ unter der Bezeichnung „data“ freigegeben. Der Ordner muss existieren und die Benutzer müssen auf der Ebene des Dateisystems zumindest Leserechte besitzen.

Achtung: Änderungen in der smb.conf werden erst wirksam, wenn Sie den Samba-Dienst mit

sudo service smbd restart

neu starten:

Samba konfigurieren: Alle nötigen Einstellungen für den Samba-Server und die Netzwerk-Freigaben nehmen Sie in der Datei /etc/samba/smb.conf vor.

13. SSH-Serverwartung mit Linux und Mac OS X

Kein Server ohne Secure Shell (SSH)! Selbst wenn Sie einen (Raspberry-) Server mit Webserver und freundlicher Konfigurationsoberfläche betreiben, bleibt die SSH-Wartung auf der Kommandozeile das umfassendste, schnellste und direkteste Werkzeug. Einzige Voraussetzung auf dem Server ist ein installierter Open-SSH-Server (auf typischen Server-Distributionen wie Cent OS, Ubuntu Server oder Open Media Vault standardmäßig installiert und aktiv). Wo er noch fehlt, ist das mit

sudo apt-get install openssh-server

leicht zu korrigieren.
Die Client-Komponente für den Fernzugriff bringt jedes Linux- und Mac-System mit. Dort genügt dann der Befehl

ssh [benutzer]@[IP-Adresse]

für die Anmeldung auf dem entfernten Server, also etwa:

ssh root@192.168.0.10

Beim allerersten Zugriff auf einen Server ist dem Client-System der Rechner noch nicht bekannt, und Sie müssen die Verbindung mit „yes“ bestätigen. Künftig entfällt diese Abfrage, weil der Fingerabdruck des Servers auf dem Client unter .ssh/known_hosts gespeichert wird. Nach Erlaubnis der Verbindung mit „yes“ erfolgt die Abfrage des User-Kennwort. Auf dem Remote-Terminal können Sie alle Befehle verwenden wie in einem lokalen Terminal. Sie bearbeiten Konfigurationsdateien, installieren Programme mit apt-get oder versorgen das System mit Updates. Der Befehl exit oder die Tastenkombination Strg-D beenden die SSH-Verbindung.

14. SSH-Datenaustausch mit dem Midnight Commander

Der Midnight Commander (MC) erlaubt unter Linux und Mac OS den direkten Datenaustausch zwischen Server und Client (anstatt über scp-Kommandos oder auf dem Umweg von Samba-Freigaben). Es beherrscht nämlich selbst SSH über die Option „Shell-Verbindung“ in den Menüs „Links/Rechts“. Wie bei ssh auf der Kommandozeile geben Sie hier den Servernamen oder die IP-Adresse an, optional bereits mit dem gewünschten User (etwa: root@192.168.0.10). Nach Eingabe des Kennworts zeigt der Midnight Commander in einer Fensterhälfte das Dateisystem des Servers, in der anderen das des zugreifenden Client – Sie können als root sofort Dateien im gesamten Dateisystem austauschen.

Der MC erwartet die Kommunikation über den SSH-Standardport 22. Für abweichende Ports gibt es eine spezielle Lösung: Legen Sie auf dem zugreifenden Linux-Client-System (nicht auf dem Server!) unter ~/.ssh die Datei „config“ neu an. Dort definieren Sie einen oder auch mehrere Server in folgender Weise:

Host raspi
Hostname 192.168.0.20
Port 12345
User root

Ab sofort genügt es, im MC beim Eingabefeld der „Shell-Verbindung“ als Host den Namen „raspi“ einzugeben. Alle übrigen Infos über IP, Port, User liest der MC aus der config-Datei.

Der Midnight Commander beherrscht SSH und bringt das Dateisystem des Servers direkt zum SSH-Client. Links sehen Sie den bereits verbundenen Server, rechts den Client-PC.

15. Linux-Dateimanager und Netzressourcen

Linux-Dateimanager wie Nautilus (Ubuntu) oder Nemo (Mint) können mit allen Netzressourcen inklusive Samba, FTP, Webdav und SSH umgehen. Wenn Sie in der Navigationsspalte auf  „Netzwerk“ gehen, werden die Netzrechner angezeigt, Windows- und Samba-Freigaben unter „Windows-Netzwerk“. Über die Adresszeile (editierbar nach Strg-L) können Sie direkte Serveradressen eingeben. Bei Windows- und Samba-Freigaben verwenden Sie „smb://[Server]/[Freigabename]“, wobei statt „[Rechner]“ immer auch die IP-Adresse des Servers funktioniert. Bei der Fernwartung von Servern mit SSH bieten Dateimanager oft komfortablere Bearbeitungsmöglichkeiten als das SSH-Terminal. Eine typische Adresse im Dateimanager könnte so lauten:

ssh://root@192.168.0.8[:Port]

Die Angabe der Portnummer ist nur notwendig, wenn der Port vom Standard „22“ abweicht. Nach der Anmeldung kopieren und bearbeiten Sie Daten bequem und sicher direkt im Dateimanager über das Protokoll SFTP.

Mit dem grafischen Dateimanager auf dem SSH-Server: Desktop-Dateimanager wie hier Nemo unter Linux Mint beherrschen das SSH-Protokoll ebenso wie Samba oder FTP.

16. Grafische Programme über SSH (X11-Forwarding)

Sofern es auf dem Server grafische Programme gibt, lassen sich diese auch über SSH starten und auf dem Client-PC anzeigen. Unter Linux als zugreifender Client ist der Aufwand am geringsten: Hier verwenden Sie beim SSH-Aufruf einfach den Schalter „-X“ (Großschreibung!):

ssh –X root@192.168.0.10

In der SSH-Konsole starten Sie dann etwa mit thunar oder gedit das gewünschte, grafische Programm.
Der SSH-Client von Mac OS X unterstützt nur die pure Kommandozeile. Für grafisches X11-Forwarding ist die zusätzliche Komponente XQuartz erforderlich (http://xquartz.macosforge.org/landing/).

17. SSH-Clients unter Windows (Putty / Xming)

Wenn Sie einen Linux-Server mit einem Windows-PC warten wollen, sind Sie auf Putty oder seinen fast identischen Klon Kitty angewiesen (auf Heft-DVD, Downloads und Infos unter www.putty.org und www.9bis.net). Kitty unterscheidet sich dadurch, dass es die automatische Übergabe des Passworts erlaubt („Connection -> Data“) und damit eine automatische Anmeldung, ferner dass es die Server-Daten in Klartextdateien unter \Kitty\Sessions ablegt (statt in der Windows Registry).

Putty/Kitty bieten die komfortable Verwaltung mehrerer Server. Die Basiskonfiguration ist einfach: Geben Sie unter „Host Name“ den Rechnernamen oder die IP-Adresse des Servers an. Mit „Connection type: SSH“ und dem vorgegebenen Standardport 22 können Sie sich mit „Open“ sofort verbinden. Für häufigeren Zugriff lohnt es sich, unter „Saved Sessions“ eine aussagekräftige Bezeichnung zu verwenden, „Appearance“, „Color“ und „Data“ (Benutzer) einzustellen und dies mit „Save“ dauerhaft zu speichern. Unter „Window -> Translation -> Remote character set“ sollten Sie den Eintrag „UTF-8“ wählen, damit Sonderzeichen und Linien in der SSH-Konsole korrekt angezeigt werden. Putty/Kitty dienen ausschließlich als SSH-Vermittlungsclient und Serververwaltung, die eigentliche Arbeit geschieht wie unter Linux im Terminal.

Grafische Programme über X11-Forwarding: Auch unter Windows bringen Sie grafische Programme des Servers auf den Desktop. Neben Putty/Kitty benötigen Sie dazu noch den kostenlosen X-Server Xming (http://sourceforge.net/projects/xming/). Xming muss laufen, bevor Sie die SSH-Session starten. Unter Putty/Kitty aktivieren Sie die maßgebliche Option unter „Connection -> X11 -> Enable X11 forwarding“ und tragen als „X display location“ die Angabe „localhost:0“ ein. Sichern Sie die Konfiguration mit „Session -> Save“. Die so gestartete SSH-Sitzung erlaubt wie unter Linux den Aufruf von grafischen Programmen.

Putty/Kitty unter Windows: Die Angabe der IP-Adresse und des Ports (Standard 22 ist voreingestellt) genügen. Benutzer und Kennwort werden dann bereits in der Konsole abgefragt.

Netzwerk-Hardware

Nachfolgend geht es um den Umgang mit der wichtigsten Netzwerk-Hardware, Optionen des Netzwerkausbaus und wichtige Konfigurationsmöglichkeiten. Ein Großteil dieser Infos gilt Betriebssystem-unabhängig: Für Router, Switch, Access Point, Repeater, Powerline-Adapter spielt das System eines Netzwerkgeräts keine Rolle.
Generell gilt im Netzwerk noch deutlicher als anderswo: Wenn die Hardware unzureichend, veraltet oder defekt ist, helfen keine Software-Tipps. Insbesondere bei diffusen Phänomenen eines zeitweise funktionierenden, aber immer wieder unterbrechenden Netzwerks sind Fehleranalyse und Austausch der Komponente alternativlos. Ein stabil langsames Netz ist hingegen nur eine Frage der Toleranz: Ausbaumöglichkeiten gibt es genug.

Die Router-Adresse

Die zahlreichen Router-Funktionen lassen sich in dessen Konfigurationsoberfläche über den Browser steuern. Dessen IP-Adresse lautet oft 192.168.178.1 oder 192.168.0.1, ist aber auch leicht zu ermitteln. Der Befehl

ip route show

zeigt die Adresse nach „default via …“ an. Im Prinzip genügt auch der Befehl ifconfig, wenn Sie im vierten Block der IPv4-Adresse statt der angezeigten Ziffer (die IP des aktuellen Geräts) die „1“ einsetzen.

Der Router zeigt eine wichtige Geräteübersicht mit allen Gerätenamen, IP- und MAC-Adressen (in der Fritzbox unter „Heimnetz -> Heimnetzübersicht“). Einige weitere fundamentale Router-Optionen wie die Vergabe von festen IP-Adressen oder den Hinweis auf das Fritzbox-NAS finden Sie im Haupttext (-> Punkt 9 und 10).

Der Gigabit-Switch

Im lokalen Netz verläuft nicht der gesamte Datenverkehr durch den Router: Wenn in einem Raum Kabelnetz verfügbar ist und dort ein Netzwerk-Switch mehrere Endgeräte verbindet, dann regelt der Switch den Datenaustausch dieser Geräte direkt – ohne Umweg zum Router und vor allem ungeachtet des sonstigen Netzdurchsatzes. Es wäre also falsch, im Hinblick auf die allgemeine Netzwerkleistung (Fast Ethernet, Powerline, WLAN?) auf einen Gigabit-Switch zu verzichten. Wenn die angeschlossenen Clients Gigabit-Ethernet beherrschen, lässt sich der Datenaustausch dieser Geräte erheblich optimieren.

WLAN-Adapter unter Linux

Externe WLAN-Adapter an USB sind nicht immer Linux-kompatibel. Wer Treiberproblemen aus dem Weg gehen will, kann sich an die folgenden preiswerten Empfehlungen halten (Preise bei amazon.de und conrad.de, Dezember 2016):

Edimax EW-7811UN Wireless USB Adapter (6,80 €)
Asus N10 Nano WLAN-Stick (10,15 €)
TP-Link TL-WN823N N300 Mini WLAN USB Adapter (10,00 €)
CSL 300 Mbit/s USB 2.0 WLAN Stick (12,50 €)
Fritz!Wlan USB Stick-N v2.4 (22,99 €)

Viele weitere WLAN-Adapter sind Linux-tauglich oder werden es nach gewisser Handarbeit. Eine Übersicht für Ubuntu-basierte Systeme (incl. Linux Mint) gibt die Seite https://wiki.ubuntuusers.de/WLAN/Karten/.

Troubleshooting: Wenn Linux keinen Treiber für den WLAN-Chipsatz eines Notebooks oder für einen USB-WLAN-Adapter anbietet, bleibt die Netzwerkschnittstelle unerkannt und der Network Manager an der grafischen Oberfläche kann keine Funknetze anbieten. Dann gilt es herauszufinden, mit welchem Chipsatz ein Gerät arbeitet. Bei Netzwerkkarten und internen Chips gehen Sie im Terminal

lspci |grep -i network

ein: Sie erhalten eine Liste aller Netzwerkgeräte im PCI-Bus mit Hersteller, Typenbezeichnung und Revisionsnummer. USB-Adapter sind weniger gesprächig. Eventuell zeigt der Stick selbst eine genaue Typenbezeichnung inklusive Revisionsnummer. Notfalls hilft der Befehl lsusb. Der zeigt Hersteller und Geräte-ID im Format XXXX:YYYY:

BUS 003 Device 004: ID 2001:3c15 D-Link Corp.

Der Teil vor dem Doppelpunkt bezeichnet den Hersteller (XXXX), die darauf folgende Zeichenkette (YYYY) ist das Gerät, in diesem Fall „3c15“. Beides ist auf der Seite www.linux-usb.org/usb.ids zu entschlüsseln. Nutzen Sie hier die Suchfunktion im Browser, um den exakten Gerätenamen mit Revisionsnummer anhand der ID zu ermitteln. Die Nummer ist wichtig, da viele Hersteller verschiedene Chipsätze verbauen, ohne die Typenbezeichnung zu ändern.

Mit der exakten Typenbezeichnung ist viel erreicht: Damit kann eine gezielte Suche nach Linux-Treibern starten. Erste Anlaufstelle ist nicht der Hersteller, sondern das Supportforum der verwendeten Distribution. Eine der besten Ressourcen im Web ist die schon genannte Adresse http://wiki.ubuntuusers.de/WLAN/Karten mit Hinweisen und Installationsanleitungen. Etliche Module für WLAN-Chipsätze gibt es für verbreitete Distributionen als fertiges Paket. Dann ist der Modulname über den Paketmanager der Distribution zu finden.

WLAN-Repeater einrichten

Ein Repeater vergrößert die Reichweite des Funksignals. Die je nach Ausstattung und Sendeleistung zwischen 20 und 100 Euro teuren Geräte sind die einfachste Methode, mangelhaftes WLAN zu verbessern. Leistungstechnisch sind aber andere Alternativen überlegen (siehe unten: Access Point, Powerline).

Falls es für eine Repeater-Ersteinrichtung keine WPS-Option gibt, können Sie das Gerät auch manuell einrichten. Dazu stecken Sie das Gerät in der Nähe eines PCs in eine Steckdose. Danach klicken Sie unter Linux auf den Network-Manager in der Systemleiste. Hier sollte ein zusätzliches Netz mit dem Namen des Repeaters erscheinen, mit dem Sie sich „Verbinden“. Der Sicherheitsschlüssel lautet oft „00000000“, ein eventuell abweichendes Standardkennwort verrät das Doku-Heftchen. Danach laden Sie die Repeater-Konfigurationsoberfläche im Browser. Netzwerknamen wie etwa „fritz.repeater“ funktionieren nicht immer. In diesem Fall müssen Sie die IP-Adresse des Repeaters eingeben, die Sie über die Liste der WLAN-Geräte im Router herausfinden. Einzige fundamentale Einstellung in der Konfiguration ist die Wahl des Funknetzes, das der Repeater verstärken soll. Aktivieren Sie in dieser Liste den Namen Ihres Netzes, und geben Sie das Kennwort für dieses Funknetz ein.

Bei der automatischen Ersteinrichtung übernehmen Repeater den Netznamen (SSID) der Basisstation. Das ist von Nachteil, wenn Sie mit Tablets oder Smartphones in der Wohnung unterwegs sind: Viele Geräte wechseln zwar automatisch zum Sender mit der optimalen Signalstärke, aber längst nicht alle und nicht alle schnell genug. Daher ist es besser, selbst entscheiden zu können, mit welchem WLAN-Sender man sich verbindet. Dazu sollte der Repeater einen eigenen Namen melden wie etwa „Repeater“. Dies lässt sich in der Konfigurationsoberfläche einstellen, etwa beim Fritz Repeater unter „WLAN -> Funkeinstellungen“.

Bei einem Repeater besteht wenig Tuningbedarf, aber es ist immer besser, wenn Sie die Konfigurationsoberfläche über eine feste IP erreichen. Geräte wie der Fritz Repeater bieten diese Möglichkeit nicht an. Die feste IP müssen Sie daher im Router definieren, wie im Haupttext unter -> Punkt 9 beschrieben.

WLAN-Access-Points einrichten

Wo das Router-Funknetz wichtige Räume nicht abdeckt, verwenden Sie an diesem Standort vorzugweise einen Access Point. Der bietet für etwa 40 Euro aufwärts deutlich besseren Datendurchsatz als ein Repeater, setzt allerdings voraus, dass am betreffenden Ort ein Zugang zum Kabelnetz besteht. Ob es sich dabei um eine direkte Kabelvernetzung handelt oder um eine Powerline-Brücke, spielt keine Rolle.

Ein Access Point wie etwa der abgebildete D-Link DAP-2310 (circa 65 Euro) wird über seinen Ethernet-Port mit CAT-Kabel am geeigneten Ort mit dem Kabelnetz verbunden. Sobald angeschlossen, lässt sich der Access Point über seine IP-Adresse am PC im Browser konfigurieren. Access Points nehmen sich per Werkseinstellung eine IP, die das Handbuch verrät, aber auch in der Geräteliste des Routers leicht zu finden. Mit der IP-Adresse laden Sie im Browser die Konfigurationsoberfläche des Access Points. Ab Werk bringt Sie eventuell der Benutzer „admin“ und leeres Kennwort in die Konfiguration. Im Zweifel sind die Zugangsdaten im Handbuch vermerkt. Sorgen Sie dann dafür, dass der „admin“ ein echtes Kennwort erhält und das Gerät künftig eine selbstdefinierte, feste IP (das geht sowohl in der Gerätekonfiguration als auch zentral im Router).

Das Einrichten des neuen Funknetzes geschieht unter „WLAN“, „Wireless“ oder „Drahtlos“ und erfordert die üblichen WLAN-Infos – also einen Netzwerknamen (SSID), den Verschlüsselungstyp sowie das Zugangskennwort. Danach können sich mobile Geräte zum  neuen Funknetz verbinden oder je nach Standort zur Basisstation. Verwenden Sie besser klar unterscheidbare SSID-Namen für das Router-Funknetz und für dasjenige des Access Points.

Repeater mit Ethernet-Port

Wenn Sie in Ihrem Netzwerk eindeutig auf WLAN setzen, kann sich die Situation ergeben, dass Sie punktuell eine Ethernet-Anbindung brauchen: Das wird etwa notwendig, wenn Sie fernab vom Router einen Netzwerkdrucker verwenden möchten, der kein WLAN, aber einen Ethernet-Port anbietet. Ein weiteres Beispiel wäre ein Linux-Rechner, der eine Kabelverbindung nutzen soll, um einem Treiberproblem mit WLAN aus dem Weg zu gehen.

Die einfachste Lösung für diese Aufgabe ist ein WLAN-Repeater mit zusätzlichem Ethernet-Port ab circa 20 Euro bis 100 Euro (je nach Ausstattung und Sendeleistung). Sie stecken den Repeater einfach am gewünschten Ort in die Steckdose und verbinden Repeater und Drucker oder PC mit einem CAT-Netzkabel. Leistungsstärker, kaum teurer, aber geringfügig aufwändiger ist der Einsatz zweier Powerline-Adapter (etwa ab 50 Euro).

Altgeräte als Repeater/Access Point

Besitzen Sie neben einer als Router genutzten Fritzbox noch eine ausgediente Fritzbox (auch „Speedport“), dann können Sie sich den Kauf eines Repeaters sparen. Die Geräte ergänzen sich als Basisstation und Repeater und bieten die Zusammenarbeit in der Konfigurationsoberfläche sogar direkt an. Die Option finden Sie unter „Erweiterte Ansicht“ im Menü „WLAN / Repeater“. Dort stellen Sie ein, was als Basis und was als Repeater arbeiten soll.

Beim Einsatz als Access Point gibt es keine Einschränkungen hinsichtlich des Geräteherstellers. Hier arbeiten auch Router und Altgeräte unterschiedlicher Hersteller zusammen: Schließen Sie den alten Router mit CAT-Kabel an das Kabelnetz an. Dessen Konfigurationsoberfläche erreichen Sie dann über seine IP-Adresse im Browser. Hier stellen Sie seine Funktion als DHCP-Server ab und auch sonst am besten alle Funktionen außer WLAN. Im Übrigen verfahren Sie wie bei einem Neugerät, definieren also SSID, Verschlüsselungstyp und Zugangskennwort. Auch hier empfehlen wir, unter „LAN“ (oder ähnlich) eine feste IP anzufordern, um den Zugang in die Konfiguration zu vereinfachen.

Einige Router zeigen in der Konfiguration eine explizite Option „Internetzugang über LAN“ oder ähnlich, die Sie aktivieren müssen. Andere Altgeräte wie die alten Speedports (Telekom-Klons der Fritzbox) lassen jeden Hinweis auf diese Einsatzmöglichkeit vermissen, arbeiten aber trotzdem einwandfrei als Access Points.

Powerline-Ethernet

Powerline ist eine Alternative zu WLAN oder zur Ethernet-Verkabelung. Aus Sicht des Endgeräts ist Powerline eine Ethernet-Verbindung. Das bietet gegenüber WLAN den Vorteil, dass Netzanmeldung und alle Treiberprobleme entfallen. Für den Datentransport wird die Stromleitung genutzt. Starterkits mit zwei Adapter und 500 MBit/s gibt es ab etwa 40 Euro, die aktuell schnellsten 1200 MBit/s-Adapter ab 85 Euro (AVM), besser mit Durchreichesteckdose für etwa 120 Euro (Devolo). Im Idealfall kommen die Adapter allerdings allenfalls auf 40 bis 50 Prozent der theoretischen Leistung, in ungünstigen Fällen auch nur auf 10 bis 20 Prozent. Fast-Ethernet-Leistung (100 MBit/s) sollte aber mit den schnellsten Adaptern überall zu erreichen sein. Wenn man bei einem Hersteller bleibt, sind Adapter unterschiedlicher Geschwindigkeiten (200, 500, 1200 MBit/s) zu hundert Prozent kompatibel.

Powerline-Adapter kommen in die Steckdose. Verwenden Sie nur Wandsteckdosen (keine Steckerleisten), und schließen Sie Steckerleisten über die Durchreiche des Adapters an. Die Einhaltung dieser und weiterer Empfehlungen der Hersteller ist keine Pedanterie: Nach unserer Erfahrung kann sich der Datendurchsatz bei einer optimalen Anschlussvariante gegenüber einer fehlerhaften verdreifachen (!). Empirisches Ausprobieren und Messung durch Kopieren großer ISO-Dateien hilft.

Den einen Adapter verbinden Sie per Ethernet-Kabel mit dem DSL-Router, den zweiten Adapter mit dem Endgerät (PC oder Switch). Bei der Ersteinrichtung drücken Sie innerhalb von zwei Minuten den Verschlüsselungsknopf am Gehäuse (bei älteren Devolo-Adaptern auf der Unterseite neben dem Ethernet-Port, bei neueren an der rechten Seite unten). Die Geräte handeln dann einen Code aus, über den sie sich künftig automatisch verbinden. Bei einem weiteren, späteren Ausbau stecken Sie den neuen Adapter an, drücken dann erst den Verschlüsselungsknopf auf einem der älteren Adapter und danach den Knopf auf dem neuen.

WLAN über Powerline

Powerline-Adapter können auch das Funknetz ausbauen. Ein Adapter wie der Devolo DLAN 500 Wifi (802.11n) für etwa 55 Euro eignet sich vor allem dort, wo schon eine Powerline-Basis vorliegt. Es muss mindestens ein weiterer normaler Powerline-Adapter per Ethernet mit dem Router verbunden sein, mit dem sich der Wifi-Adapter dann verbinden kann. Der Wifi-Erweiterungsadapter arbeitet wie ein Access Point und hat vergleichbare Funktionen (Gastnetz, Kindersicherung, Zeitschaltung).

Die Ersteinrichtung erfolgt durch Drücken der Verschlüsselungstaste – erst auf einem normalen Adapter, dann auf dem neu einzurichtenden Wifi-Adapter. Ist das Gerät auf diese Weise angemeldet, kommen Sie über die IP-Adresse an die Konfigurationsoberfläche. Beim genannten Devolo-Adapter legen Sie die üblichen Einstellungen wie SSID (Netzwerkname), WPA/WPA2 und das Kennwort unter „WLAN-Konfiguration -> Access Point“ fest. Auch hier empfehlen wir zur besseren Kontrolle eine vom primären Router-WLAN abweichende SSID.

Netzwerkdrucker

Drucker gehören zu den unkomplizierten Peripheriegeräten. Viele Modelle benutzen standardisiertes PCL (Printer Command Language) oder Postscript. Damit ist der Druck ohne genau passenden Druckertreiber möglich. Multifunktionsgeräte sind problematischer, da sie für jede Funktion einen Treiber benötigen. Nicht jedes Modell läuft mit allen Funktionen unter Linux.

Netzwerkdrucker richten Sie über „Systemeinstellungen –> Drucker –> Hinzufügen“ ein (Ubuntu/Mint). Unter „Neuer Drucker“ gehen Sie auf „Netzwerkdrucker“ und warten Sie eine oder zwei Minuten. Taucht der Drucker nicht von alleine auf, gehen Sie auf „Netzwerkdrucker finden“. Geben Sie hinter „Host“ den Namen oder die IP-Adresse des Druckers ein, und klicken Sie auf „Suchen“. Wird der Drucker gefunden, versucht Linux das Modell zu ermitteln und zeigt unter „Verbindung“ etwa „HP Linux Imaging and Printing (HPLIP)“ an. Nach weiteren optionalen Abfragen klicken Sie zum Abschluss auf „Anwenden“.

Für Druckerfreigaben von Windows-PCs gehen Sie unter „Neuer Drucker“ auf „Windows Drucker via SAMBA“. Nach „smb://“ tragen Sie den Pfad zur Windows-Freigabe in der Form „PC-Name/Drucker-Name“ ein. Eventuelle Leerzeichen in Druckerbezeichnungen müssen durch „%20“ ersetzt werden. Falls nötig, müssen Sie Benutzernamen und Kennwort zur Anmeldung auf dem Windows-PC angeben und diese Kontoinformationen auch unter „Authentifizierungs-Details jetzt festlegen“ eintragen. Dann klicken Sie auf „Vor“, wählen den Hersteller des Druckers und dann das Modell. Wenn mehrere Treiber angeboten werden, wählen Sie den „empfohlenen“.

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Ubuntu Server mit Openbox

Wer einen Linux-Desktop so klein und schlank halten will wie möglich – aus Prinzip oder angesichts schwächerer Hardware  – kann etwa ein 32-Bit-Lubuntu wählen. Die Distribution stellen keine Anforderung an den Grafikchip und kommt schon mit einer CPU der Pentium-III-Klasse oder AMD Athlon zurecht. Für Lubuntu reichen 512 MB Arbeitsspeicher.

Lubuntu mit seinem LXDE-Desktop ist mit einem einfachen Startmenü und seiner Systemleiste pragmatisch ausgelegt. Die Systemleiste (lxpanel) ist aber nach Rechtsklick mit grafischer Hilfe optisch wie inhaltlich gut anpassbar und beliebig zu positionieren („Leisteneinstellungen -> Geometrie“). Dabei gelingen Leistenanpassungen im Vergleich zu Xubuntu und Ubuntu Mate einfacher, insbesondere bei vertikaler Anordnung. Für das Erscheinungsbild der Fenster und Schriftgrößen gibt es im Tool obconf („Einstellungen -> Openbox Konfiguration Manager“) diverse Themen und Optionen. Das Aufmacherbild zu diesem Artikel zeigt, dass Lubuntu nach einigen Anpassungen einen konservativen, aber sehr wohl attraktiven Desktop bieten kann. Typische Desktop-Nutzer werden aber an einigen Nachinstallationen nicht vorbeikommen: So kann der angestammte Dateimanager pcmanfm unter Lubuntu keine Netzlaufwerke mounten, was den Ersatz durch Nautilus nahelegt. Lubuntu mit dem überaus schlanken Openbox-Fenstermanager beansprucht nach der Anmeldung bescheidene 150 MB für System plus Oberfläche (bei 1 GB RAM).

Manueller Ausbau des Ubuntu Server: Geht Ubuntu noch sparsamer als mit Lubuntu? Gewiss und deutlich – allerdings nicht anstrengungslos. Ausgangspunkt ist die Web-Installation des Ubuntu Server in der 32-Bit-Ausführung über das mini.iso (Download der 32-Bit-Variante unter http://goo.gl/mSa5lQ). Der Installer ist textbasiert, entspricht aber inhaltlich genau dem grafischen Ubuntu-Installer. Kabelnetz und entsprechende Auswahl der Netzwerkschnittstelle beim Setup ist dringend zu empfehlen, weil das Setup viel aus dem Internet nachlädt. Eine instabile Internetverbindung verzögert das Setup nicht nur, sondern kann auch zu dessen Scheitern führen.

Ein Ubuntu Server ohne Auswahl aller Zusatzpakete fordert gerade mal 45 MB RAM, bootet aber erst mal nur in die virtuelle Textkonsole. Die Web-Installation bietet gegen Ende den Dialog „Softwareauswahl“. Unter anderem gibt es hier diverse Desktops in unterschiedlicher Ausführung – etwa auch ein „Lubuntu minimal“. Dies reduziert aber nur die Software-Ausstattung, sehr viel RAM-Ersparnis ist damit nicht zu erreichen.

Die harte Variante: Sie installieren Ubuntu Server fast nackt, wobei die „Standard-Systemwerkzeuge“ und der SSH-Server nie schaden können. Danach rüsten Sie einen minimalen Desktop manuell in der Textkonsole nach. Sparsamste Option ist Openbox mit ein paar Zutaten (eine Zeile):

sudo apt install openbox obconf obmenu lxterminal  
     tint2 tint2conf nitrogen lxappearance

Absolut notwendig sind nur openbox, obconf und obmenu. Lxterminal (oder auch xfce4-terminal) ist ein grafisches Terminal, Tint2 eine Systemleiste, Nitrogen ein Tool für Hintergrundbilder und Lxappearance ein Feineinstellungstool für grafische Fenster, während die grundlegende Optik das Tool Obconf erledigt (Openbox Konfiguration Manager).

Die grafische Oberfläche starten Sie nach der Anmeldung auf der Textkonsole mit

startx

Ein Rechtsklick auf dem Desktop zeigt das spartanische Menü, das Sie mit dem grafischen Tool obmenu ausbauen können. Die Systemleiste Tint2 lässt sich mit dem grafischen Tint2conf recht ansehnlich einrichten, Nitrogen baut ein Hintergrundbild ein und mit Obconf und Lxappearance optimieren Sie die Oberfläche. Etwas Erfahrung und Spaß an der Desktop-Bastelei sind Voraussetzung. Lohn der Investition ist ein phänomenal schlankes, grafisches System: Der Befehl free -m meldet lediglich 50 bis 60 MB RAM-Verbrauch. Nach optischem Ausbau der Leiste, des Hintergrunds und des Menü kann sich der RAM-Verbrauch auf 90 bis 100 MB steigern. Das ist aber immer noch vorbildlich sparsam.

Um den Startkomfort zu erhöhen, kann Openbox nach der Anmeldung in der Textkonsole auch direkt geladen werden. Hierfür genügt etwa folgender Abschnitt in der Datei ~/.bashrc:

x=$(ps -e | grep openbox)
if [ ${#x} -eq 0 ]
   then
   startx
fi

Die Openbox-Oberfläche wird mit „startx“ nur dann aufgerufen, wenn sie nicht bereits läuft – also nur in der virtuellen Konsole.

Weiterer Komfort ist über die Konfigurationsdatei ~/.config/openbox/autostart zu erreichen:

nitrogen --restore &
tint2 &

Damit lädt Openbox automatisch Nitrogen und dieses Tool wiederum automatisch das zuletzt genutzte Hintergrundbild. Außerdem wird die Systemleiste automatisch gestartet.

Die Systemleiste konfigurieren Sie relativ bequem über das grafische Tool tint2conf („Edit theme“). Die Ausrichtung finden Sie im Punkt „panel“, die Farben der Leiste unter „Backgrounds“. Die Einträge für den Schnellstarter sind unter „Launcher“ komfortabel per Mausklicks einzurichten.

Das puristische Openbox-Menü, das jederzeit auf Rechtsklick am Desktop erscheint, können Sie mit dem grafischen obmenu ausbauen. Über „New item“ entsteht ein neuer Einzeleintrag, über „New menu“ eine neue Menü-Kategorie, die dann Einzeleinträge aufnehmen kann. Für neue Einzelstarter ist nicht mehr notwendig als der Name, der im Menü erscheinen soll, und der Programmaufruf.

Minimalistisches Openbox auf der Systembasis von Ubuntu Server